Privatinsolvenz befreit aus privaten Schulden

Die Privatinsolvenz oder richtig: Verbraucherinsolvenz genannt, beantragen Sie über einen Anwalt beim Insolvenzericht. Die Privatinsolvenz hat das Ziel, dass Sie als Schuldner innerhalb von drei bis sechs Jahren schuldbefreit ist. Noch schneller gehts mit dem Insolvenzplan. Dieser dauert gerade einmal ein Jahr.

Sie können die Privatinsolvenz anmelden, wenn Sie nicht selbständig sind. Weitere Voraussetzung für den Privatinsolvenzantrag wäre, dass Sie Schulden haben, die Sie nicht mehr zurückzahlen können. Die Privatinsolvenz beginnt, indem Sie ein Rechtsanwalt oder Schuldenberatung zu den privaten Schulden berät. Danach wird der Rechtsanwalt einen Schuldenbereinigungsplan versuchen. Falls dieser scheitert, kann die Privatinsolvenz beantragt werden.

Nachdem das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren eröffnet hat, werden Sie den Insolvenzverwalter kennenlernen. Der Insolvenzverwalter leitet Ihr Privatinsolvenzverfahren bis zur Restschuldbefreiung.

Die eigentliche Privatinsolvenz dauert ungefähr ein Jahr. Darauf folgt die Wohlverhaltensperiode.  Ist die Privatinsolvenz eröffnet, stehen Sie unter Gläubigerschutz. Kein Gerichtsvollzieher und kein Gläubiger darf vollstrecken. Statt dessen haben Sie Ihr Pfändungsschutzkonto und das pfändbare Einkommen. Die Verfahrenskosten werden Ihnen gestundet.

Wann ist die Privatinsolvenz zulässig?

 

Sie sind zahlungsunfähig

Zahlungsunfähig bedeutet, dass Sie nicht mehr dazu in der Lage sind, überfällige Rechnungen, Kreditraten und sonstige Zahlungspflichten zu bedienen. Ihre Schulden sind zu hoch. Es ist unrealistisch, dass Sie die Schulden in den nächsten Jahren zurückzahlen können.

Sie sind nicht selbständig

Sie sind Arbeitnehmer, Rentner, arbeitslos, krankgeschrieben, usw. Sind Sie selbständig tätig oder waren Sie es und haben über 20 Gläubiger oder schulden Ihren ehemaligen Arbeitnehmern noch Arbeitslöhne oder Sozialabgaben, müssten Sie die Regelinsolvenz beantragen.

Bestätigung vom Anwalt

Sie haben von einem Anwalt oder einer Schuldenberatung ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren durchführen lassen. Die Schuldenbereinigung war erfolglos. Hierüber liegt Ihnen eine Bescheinigung vor, die höchstens sechs Monate alt ist.

Einkommen nicht nötig

Nicht erforderlich für die Privatinsolvenz ist ein eigenes Einkommen. Die Privatinsolvenz ist auch als Hausmann oder Hausfrau ohne eigenes Einkommen möglich. Das gilt auch, wenn Sie nur ein Mini-Einkommen haben oder bei Arbeitslosengeld oder Rente.

Restschuldbefreiung bewirkt, dass Sie schuldenfrei sind

Am Schluss der Privatinsolvenz erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung. Bevor das Gericht die Restschuldbefreiung endgültig erteilt, kündigt das Gericht den Gläubigern die Erteilung der Restschuldbefreiung an. Beantragt niemand die Versagung der Restschuldbefreiung, wird sie erteilt.

Was passiert in der Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz wirkt sich vor allem auf Ihre Finanzen aus. Ein Insolvenzverwalter pfändet teilweise Ihr Einkommen. Des weiteren verwertet der Insolvenzverwalter Ihren wertvollen Besitz. Und drittens annulliert er nachteilige Geschäfte zu Lasten der Gläubiger. Das folgende liest sich schlimmer, als es am Ende ist. Trotzdem sollen Sie auch die Nachteile der Privatinsolvenz wissen.

Ihr Einkommen wird gepfändet

Die Höhe der Pfändung bei Privatinsolvenz entnehmen Sie bitte der gesetzlichen Pfändungstabelle. Die Pfändungstabelle oder auch Insolvenztabelle genannt, bestimmt für jedes Einkommen den pfändbaren Anteil. Neben dem Nettoeinkommen bestimmt auch die Anzahl Ihrer Unterhaltspflichten, wie viel Einkommen der Insolvenzverwalter pfändet:

 

  • 0 Unterhaltspflichten: 1.180 €
  • 1 Unterhaltspflichten: 1.622 €
  • 2 Unterhaltspflichten: 1.869 €
  • 3 Unterhaltspflichten: 2.116 €
  • 4 Unterhaltspflichten: 2.363 €
Tipps wie Sie Regelinsolvenz anmelden

Ihr Besitz wird verwertet (ein bisschen)

Zusätzlich Ihrem pfändbaren Einkommen wird der Insolvenzverwalter in der Privatinsolvenz Ihr Vermögen abschöpfen. Beispielsweise folgendes Vermögen ist davon betroffen bzw. wird verschont:

 

  • Möbel, Fernseher, Computer: nicht pfändbar
  • Eigenes Auto, Motorrad: pfändbar, Ausnahme: Auto wird beruflich eingesetzt
  • Lebensversicherung, Rentenversicherung usw: pfändbar, falls Rückkaufwert
  • Nachzahlung von Einkommen, staatlicher Leistung: pfändbar, gerichtlicher
    Ausnahmebeschluss möglich
  • Schenkung, Erbschaft: pfändbar zu 100 %, in der Wohlverhaltenszeit zu 50 %

Das wird zurückgeholt

Die dritte “Gegenleistung” für die Restschuldbefreiung ist die Anfechtung. Das bedeutet: Zahlungen an Gläubiger, die entweder Ihre Zahlungsunfähigkeit kannten oder unausgewogene Geschäfte innerhalb bestimmter Fristen werden rückgängig gemacht. Beispiele für unausgewogene Geschäfte:

 

  • Sie haben Ihr Auto weit unter Wert an einen Freund verkauft
  • Rückzahlung eines Darlehns an Verwandte
  • Überweisung eines höheren Geldbetrages an den Ehegatten
  • Das aufgrund Pfändung erlangte Einkommen oder Vermögen

Wie lange dauert die Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz dauert zwischen einem Jahr und sechs Jahren. Die Dauer richtet sich danach, wie viel Geld Sie während der Privatinsolvenz für die Gläubiger erwirtschaften werden. Die gesetzlichen Regeln zur Dauer der Privatinsolvenz habe ich Ihnen hier zusammengestellt.

Ziffer sechs

6 Jahre, wenn Sie überhaupt nichts erwirtschaften, z.B. weil Ihr Einkommen unter der Pfändungsgrenze liegt und weil Sie keine wertvollen Gegenstände besitzen. Die Gerichtskosten müssen Sie aber nachträglich erstatten.

Ziffer fünf

Wie kann die Privatinsolvenz aus den Schulden helfen?

5 Jahre, wenn Sie nach 5 Jahren die Gerichtskosten erwirtschaftet haben, ca. 2.700 €. Sie können freiwillig einzahlen. Viele Schuldner zahlen freiwillig 40 € monatlich an die Insolvenzmasse, um schon nach 5 Jahren schuldbefreit zu sein.

Ziffer drei

3 Jahre, wenn Sie bis dahin 35 % der Schulden plus Gerichtskosten erwirtschaftet haben. Leider ist diese Variante eine Mogelpackung. Die Verkürzung ist kaum zu schaffen, weil die Gerichtskosten zusätzlich 40% der Inoslvenzmasse betragen.

Ziffer eins

1 Jahr, wenn Sie einen Sponsor haben, der Ihnen einen Insolvenzplan bzw. eine Planinsolvenz finanziert.

Wer wird mein Insolvenzverwalter?

Kurze Zeit nachdem das Insolvenzverfahren eröffnet ist, erhalten Sie Post vom Insolvenzverwalter. Der Insolvenzverwalter ist ein vom Insolvenzgericht bestellter spezieller Rechtsanwalt. Der Insolvenzverwalter vertritt hauptsächlich die Gläubiger-Interessen. Auch wenn er Ihnen anfangs freundlich erscheint. Behandeln Sie ihn mit großem Respekt und fallen Sie nicht auf Nettigkeiten herein. Ihr Verhältnis lässt sich vielleicht am besten mit einem Märchen vergleichen: Sie sind das Rotkäppchen und er die Großmutter!

Erstes Kennenlernen

Der Insolvenzverwalter wird Sie zeitnah zu einem ersten Interview in seine Kanzlei einladen. Nur ganz ausnahmsweise besuchen Insolvenzverwalter den Schuldner zuhause in der Wohnung. Der Insolvenzverwalter wird Ihnen erklären, welche Unterlagen er von Ihnen haben will. Es ist sein Job, sehr neugierig zu sein und Ihre finanziellen Verhältnisse vollständig aufzuklären. Widerstand ist zwecklos, der Insolvenzverwalter sitzt eindeutig am längeren Hebel. Gehen Sie Ärger aus dem Weg und versorgen Sie ihn mit allem, was er von Ihnen haben will.

Insolvenzverwalter pfändet Ihr Einkommen

Falls Sie über pfändbares Einkommen verfügen, schreibt der Insolvenzverwalter den Arbeitgeber an und zieht dort die pfändbaren Einkommensanteile ein. Damit er die Höhe des pfändbaren Einkommensanteils richtig berechnen kann, bitte ihm stets den aktuellen Gehaltsnachweis übersenden – und war auch dann, wenn er ihn gar nicht haben will.

Insolvenzverwalter prüft Anfechtung

Zur Insolvenzmasse gehört neben wertvollem Vermögen auch die Anfechtung. Zur Prüfung der Anfechtung wird der Insolvenzverwalter Ihre finanzielle Vergangenheit unter die Lupe nehmen. Haben Sie z.B. kurz vor der Insolvenz Ihr Auto im Wert von 10.000 € für 500 € an Ihren Freund verkauft oder Ihr Konto geplündert und das Geld im Wald vergraben, würde der Insolvenzverwalter dieses Geschäft anfechten. Anfechtung würde hier bedeuten: Der Verkauf des Autos ist unwirksam und der Freund muss das Auto dem Insolvenzverwalter übergeben.  Die Ermittlungen des Insolvenzverwalters sind nervig. Aber so ist es. Sie wollen die Restschuldbefreiung . Deshalb müssen Sie sich die Fragen des Insolvenzverwalters zur Anfechtung gefallen lassen.

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Noch mehr Infos zur Privatinsolvenz:

 Wie kann ich Privatinsolvenz beantragen?

Die Privatinsolvenz erleben fast alle Schuldner als Befreiung. Hat das Gericht Ihre Privatinsolvenz eröffnet, stehen Sie unter Gläubigerschutz. Gläubigerschutz bedeutet, dass kein Gläubiger mehr gegen Sie vorgehen und vollstrecken darf. Die Postflut endet. Drohbriefe und Gerichtsvollzieher sind Vergangenheit. Die meisten Schuldner leben vor der Privatinsolvenz von noch weniger Geld, weil sie Schulden abzahlen. Sie haben in der Privatinsolvenz mehr Geld verfügbar, als beim Ableisten der Schulden. Die private Insolvenz befreit den betroffenen Schuldner zuverlässig von der Schuldenlast.

Schuldner sammelt Gläubigerpost

Schritt 1: Sammeln und sortieren Sie die Gläubigerpost

In Ringbuch sortieren

Beginnen Sie die Privatinsolvenz mit dem Sammeln und Sortieren aller Unterlagen und insbesondere der Gläubigerpost. Mit “Gläubigerpost” meine ich alle Verträge, Rechnungen, Drohbriefe, Mahnungen, Gerichtsurteile, Vollstreckungsbescheide, usw. der Gläubiger. Sortieren Sie die Korrespondenz nach Gläubigern. Hierzu ordnen Sie die Gläubiger-Schreiben beispielsweise in einen Ringbuchordner ein. Für jeden Gläubiger legen Sie ein Trennblatt an und heften die Gläubigerpost darunter ab, das neueste Schreiben bitte obenauf.

Kundennummer, usw.

Bei den Gläubigern ist es wichtig, dass Sie möglichst alle erfassen. Auf die Höhe der Schulden kommt es nicht so sehr an, weil wir diese ohnehin abfragen werden. Zur Anschrift eines Gläubigers gehört sein Bearbeitungszeichen wie Rechnungsnummer, Kundennummer, usw. Bitte unbedingt angeben. Unterscheiden Sie zwischen dem Gläubiger und seinem Vertreter. Gläubiger-Vertreter wäre beispielsweise das Inkasso oder die Anwaltskanzlei. Nicht dem Gläubiger-Vertreter schulden Sie Geld, sondern dem Gläubiger.

Sonstige Nachweise

Sortieren Sie in Ihr Ringbuch am besten auch alle Nachweise ein, die wir für den Insolvenzantrag brauchen werden. Jeder Eintrag in das Insolvenzantrag-Formular muss mit einem Nachweis unterlegt sein. Für Ihr Einkommen brauchen wir einen Einkommensnachweis, für Ihre Mietkosten den Mietvertrag, für Ihr P-Konto einen Kontoauszug, für Ihre Lebensversicherung die Versicherungspolice, für das Auto den Fahrzeugbrief und -schein, usw. Anschließend übersenden Sie uns Ringbuchordner mit der Post und beauftragen uns mit der Privatinsolvenz.

Leichter mit der App

Falls Sie so wie ich kein Papier (mehr) mögen, empfehle ich Ihnen meine schuldenfrei-App. Aufs Handy laden und sofort beginnen. Tragen Sie direkt Ihre Daten und die Gläubiger ein. Die Nachweise wie Mietvertrag fotografieren Sie mit Ihrem Handy und laden sie direkt in die Cloud. Über die App stehen Sie mit uns in ständiger Verbindung.

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Schuldner richtet Pfändungsschutzskonto ein

Schritt 2: Richten Sie ein Pfändungsschutzkonto ein

P-Konto ist Pflicht

Eröffnen Sie zur Vorbereitung der Privatinsolvenz ein Pfändungsschutzkonto. Die Bank, bei der Sie das P-Konto einrichten, darf kein Gläubiger sein. Das Pfändungsschutzkonto ist für die Privatinsolvenz ein absolutes Muss. Nur das P-Konto schützt während der Privatinsolvenz vor Pfändung. Ohne Pfändungsschutzkonto würde Ihr Kontoguthaben bei Insolvenzeröffnung eingezogen.

Altes Konto auslaufen lassen

Leiten Sie Ihr Einkommen auf das P-Konto um. Lastschriften und Einzugsermächtigung können Sie auch für ein P-Konto erteilen. Also erteilen Sie neue Lastschriften für alle Verträge, die Sie erhalten möchten, z.B. die Miete und das Telefon. Lastschriften, die Sie nicht mehr wollen wie das teure Fahrzeugleasing oder der Schuldendienst, lassen Sie beim alten Konto. Die Verträge werden irgendwann gekündigt.

P-Konto richtig handhaben

Das Pfändungsschutzkonto ist gewöhnungsbedürftig. Das Guthaben darf die Pfändungsgrenze nicht übersteigen und zu Monatsende muss der Kontostand bei Null sein. Andernfalls würde die Bank das Guthaben abschöpfen. Die Pfändungsgrenze für das P-Konto beginnt bei 1.190 €. Bestehen Unterhaltspflichten, steht Ihnen eine höhere Freigrenze zu. Wir stellen Ihnen die hierzu erforderliche Bescheinigung aus.

Schuldner stellt Zahlungen ein

Schritt 3: Danach die Zahlungen einstellen

Mit Schuldendienst ist Schluss

Spätestens jetzt stellen Sie alle Zahlungen an die Gläubiger ein. Weil Sie eine Privatinsolvenz beantragen, ist jede weitere Zahlung an Gläubiger verschwendet. Verträge, die Sie los werden wollen, wie z.B. ein zu teures Fahrzeug-Leasing oder eine langfristige Mitgliedschaft im Fitness-Center bezahlen Sie nicht mehr. Nach zweimaligem Ausbleiben der Monatsrate wird der Vertrag gekündigt und Sie sind die Verpflichtung los.

Bares in die Keksdose

Ergibt sich aufgrund der Einsparungen ein Kontoguthaben, heben Sie dieses in Bar ab und geben es aus oder legen es in die Keksdose. Sie sind nicht verpflichtet, das Geld auf den Konto zu belassen, damit man es Ihnen leichter wegenehmen kann.

Schuldner versteckt sein Geld vor der Privatinsolvenz

Schritt 4: Abwägen, ob Sie Wertvolles vor der Insolvenz verstecken

Faustregel zur Pfändung

Als Faustregel gilt: Ihre Wohnung, die Einrichtung und Kleidung ist für den Insolvenzverwalter tabu. Ebenfalls das Guthaben des P-Kontos. Das andere Vermögen wie eine Lebensversicherung oder das Auto wird Insolvenzmasse. Der Insolvenzverwalter darf es Ihnen wegnehmen und verwerten.

Angeben oder verstecken?

Die meisten Schuldner, die noch eine Lebensversicherung oder ein Auto besitzen, denken darüber nach, ob Sie diesen Gegenstand vor der Insolvenz verstecken. Ob Sie das Vermögen im Insolvenzantrag angeben oder verstecken, entscheiden Sie für sich selbst. Natürlich ist das Verstecken von Vermögen kurz vor der Insolvenz verboten.

Falls man Sie erwischt…

Erwischt Sie der Insolvenzverwalter, müssen Sie den Gegenstand sofort herausgeben. Haben Sie es mit dem Verstecken übertrieben, müssen Sie mit der Versagung der Restschuldbefreiung rechnen. Dann war die ganze Mühe umsonst.

Schuldner versteckt Geld vor dem Insolvenzverwalter

Mutti aus dem Spiel lassen

Das Risiko, dass der Insolvenzverwalter von einem verschwiegenen Konto oder Lebensversicherung erfährt, ist enorm. Lassen Sie dies besser bleiben. Auch die Übertragung des Autos auf Mutti, um bei ihr die Schulden zu bezahlen, wird nicht funktionieren. Sie müssen dann schon kreativer sein.

Schulder geht zum Anwalt

Schritt 5: Gehen Sie zum Anwalt oder zur Schuldenberatung

Anwalt muss Schuldenbereinigung versuchen

Wenn Sie eine Privatinsolvenz beantragen wollen, müssen Sie vorher zum Anwalt oder zur öffentlichen Schuldenberatung gehen. Der Anwalt oder Schuldenberater muss für Sie eine außergerichtliche Schuldenbereinigung versuchen, bevor er den Antrag bei Gericht einreichen kann. Der Berater muss also eine außergerichtliche Schuldenregulierung mit Ihren Gläubigern versuchen. Das klappt zwar nur ganz ausnahmsweise und ist deswegen eigentlich überflüssig, aber die außergerichtliche Schuldenbereinigung ist nun mal gesetzlich vorgeschrieben. Also ziehen wir es durch.

Anwalt oder Schuldenberatung?

Der Unterschied zwischen Anwalt und Schuldenberatung sind die Geschwindigkeit und die Kosten. Die öffentliche Schuldenberatung ist kostenfrei, kann aber ewig dauern. Anwälte hingegen kosten Geld. Dafür sind sie schneller und behalten auch in komplexen Fällen den Überblick. Mein Rat: Sparen Sie sich den Weg zum Anwalt oder Schuldenberatung. Beantragen Sie bequem von zu Hause aus die Privatinsolvenz mit der schuldenfrei-App.

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Gut, wenn Schuldenvergleich scheitert

Der Regulierungsversuch erfolgt mit einem Pflicht-Formular. Der Berater erfragt bei den Gläubigern zunächst den aktuellen Schuldenstand. Danach unterbreitet er ein Angebot. Die Höhe des Angebotes entspricht oft genau dem, was die Gläubiger auch bei der Privatinsolvenz erhalten würden. Das ist den Gläubigern meist zu wenig und die außergerichtliche Schuldenbereinigung scheitert. Die Ablehnung kommt uns aber sehr gelegen, denn nun sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und wir können die Privatinsolvenz endgültig bei Gericht beantragen.

Insolvenzantrag für die Privatinsolvenz

Schritt 6: Antragsverfahren und Eröffnung der Privatinsolvenz

Insolvenzantrag finalisieren

Danach bringen wir Ihr Formular für die Privatinsolvenz auf Vordermann. Das Formular ist sehr umfangreich. Damit Sie nicht verzweifeln, übernehmen wir das Ausfüllen für Sie. Wir ergänzen den Insolvenzantrag mit Ihrem Mietvertrag, Einkommensnachweis, usw. Schließlich fügen wir die Gläubigerliste bei, samt unserer Bescheinigung über das Scheitern der Schuldenbereinigung. Alles zusammen unterschreiben Sie. Danach senden wir den Antrag ans Gericht.

Gericht eröffnet Ihre Privatinsolvenz

Ungefähr zwei Wochen später erlässt das Gericht einen Beschluss und eröffnet das Insolvenzverfahren. Sie stehen ab sofort unter Gläubigerschutz. Niemand darf gegen Sie vollstrecken. Noch nicht einmal der Gerichtsvollzieher. Alte Schulden bitte nicht mehr abzahlen. In dem Beschluss steht der Name des Insolvenzverwalters. Dieser wird Sie in den nächsten Tagen zu einem ersten Termin zum Kennenlernen in seine Kanzlei einladen.

Privatinsolvenz ohne Gerichtsverhandlung

Die Privatinsolvenz ist im wesentlichen ein schriftliches Verfahren. Das heißt: es gibt keine Gerichtsverhandlungen, wie in einem Zivilverfahren, an dem Sie teilnehmen müssen. Nur der Prüfungstermin ist üblicherweise ein persönlicher Termin. In dem Prüfungstermin stellt das Gericht fest, welche Schulden berechtigt sind und welche bestritten. Am Prüfungstermin müssen Sie nur ausnahmsweise teilnehmen.

Prüfungstermin bei Privatinsolvenz

Schritt 7: Prüfungstermin der Insolvenzschulden bei Gericht

Festgestellt oder bestritten

Der Prüfungstermin widmet sich Ihren Schulden. Das Gericht prüft, ob die Forderungen Ihrer Gläubiger überhaupt berechtigt sind. Ist dies der Fall, vermerkt das Gericht diese Forderung als: “festgestellt” im Gläubigerverzeichnis. Ist die Forderung unberechtigt, erfolgt der Vermerk: „bestritten“.

Unerlaubte Handlungen

Eigentlich kann Ihnen der Prüfungstermin egal sein. Sie erhalten die Restschuldbefreiung mit viel und mit wenig Schulden. Ausnahme: Ein Gläubiger will, dass das Gericht seine Forderung als „vorsätzliche begangenen unerlaubten Handlung“ feststellt. Gestatten Sie den Eintrag, erhalten Sie für diese Forderung keine Restschuldbefreiung.

Wehren Sie sich gegen unerlaubte Handlungen, indem Sie am Prüfungstermin teilnehmen und der Forderung aus dem Rechtsgrund der vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung widersprechen.
Obliegenheiten in der Privatinsolvenz

Schritt 8: Beachten Sie Ihre Obliegenheiten

Das Wort “Obliegenheiten” ist Amtsdeutsch. Gemeint sind Ihre Pflichten in der Privatinsolvenz, um die Restschuldbefreiung zu erhalten. Ob Sie die Obliegenheiten einhalten, überwacht der Insolvenzverwalter. Das sind Ihre Pflichten in der Privatinsolvenz:

Erwerbsobliegenheit

Sie müssen eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben. Die Erwerbstätigkeit ist angemessen, wenn Ihr Einkommen in Etwa dem durchschnittlichen Einkommen Ihres gelernten Berufes entspricht. Ein Arzt würde gegen die Erwerbsobliegenheit verstoßen, wenn er nur 1.000 € verdient. Mit guten Argumenten lässt sich viel optimieren. Hat der Arzt z.B. seinen Beruf jahrelang nicht ausgeübt, wäre das erwartete Einkommen weitaus geringer. Notfalls zahlen Sie freiwillig 50 oder 100 € monatlich, um die Differenz zwischen tatsächlichem und erwarteten Einkommen auszugleichen. Dann ist der Insolvenzverwalter zufrieden.

Schenkung, Erbschaft anzeigen

Ihre zweite Obliegenheit in der Privatinsolvenz ist es, dem Insolvenzverwalter und dem Gericht eine Schenkung oder Erbschaft unverzüglich anzuzeigen. Während der Insolvenz gehen Schenkung oder Erbschaft 100 % in die Insolvenzmasse. In der Wohlverhaltenszeit sind es 50 %. Lassen Sie sich also nichts schenken. Eine Erbschaft dürfen Sie ausschlagen. Sicherlich wird sich der Nacherbe dafür erkenntlich zeigen.

  • Erbe, Schenkung im Insolvenzverfahren 100% 100%
  • Erbe, Schenkung in der Wohlverhaltenszeit 50% 50%

Adresse neu, Job neu

Denken Sie daran bei einem Umzug Ihre neue Anschrift mitzuteilen. Zeigen Sie dem Gericht und dem Insolvenzverwalter auch den neuen Arbeitgeber an. Übersenden Sie dem Insolvenzverwalter den neuen Arbeitsvertrag bzw. neuen Mietvertrag. Der Insolvenzverwalter schreibt den Arbeitgeber an und beansprucht das pfändbare Einkommen. Befürchten Sie, den neuen Arbeitsplatz in der Probezeit zu verlieren, sobald der neue Arbeitgeber von Ihrer Insolvenz erfährt, vereinbaren Sie mit dem Insolvenzverwalter freiwillige Zahlungen bis zum Ende der Probezeit.

icon zu Restschuldbefreiung

Schritt 9: Das Gericht erteilt die Restschuldbefreiung

Notausgang Schild als Symbol für die Aufhebung des Insolvenzverfahrens

Endlich geschafft!

Am Schluss der Privatinsolvenz erteilt Ihnen das Gericht die Restschuldbefreiung. Hierzu hört es die Gläubiger letztmalig an. In der Regel widerspricht niemand und das Gericht erlässt sofort den Restschuldbefreiungs-Beschluss. Dann sind Sie schuldenfrei.

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