Privatinsolvenz | Beratung bei privaten Schulden 

Die Privatinsolvenz oder richtig: Verbraucherinsolvenz genannt, beantragt man beim Insolvenzericht. Die Privatinsolvenz hat das Ziel, dass der Schuldner innerhalb von drei bis sechs Jahren schuldbefreit ist. Noch schneller gehts mit dem Insolvenzplan. Dieser dauert gerade einmal ein Jahr.

Sie können die Privatinsolvenz anmelden, wenn Sie nicht selbständig sind. Weitere Voraussetzung für den Privatinsolvenzantrag wäre, dass Sie Schulden haben, die Sie nicht mehr zurückzahlen können. Die Privatinsolvenz beginnt, indem Sie ein Rechtsanwalt oder Schuldenberatung zu den privaten Schulden berät. Danach wird der Rechtsanwalt einen Schuldenbereinigungsplan versuchen. Falls dieser scheitert, kann die Privatinsolvenz beantragt werden.

Nachdem das Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren eröffnet hat, werden Sie den Insolvenzverwalter kennenlernen. Der Insolvenzverwalter leitet Ihr Privatinsolvenzverfahren bis zur Restschuldbefreiung. 

Die eigentliche Privatinsolvenz dauert ungefähr ein Jahr. Darauf folgt die Wohlverhaltensperiode.  Ist die Privatinsolvenz eröffnet, stehen Sie unter Gläubigerschutz. Kein Gerichtsvollzieher und kein Gläubiger darf vollstrecken. Statt dessen haben Sie Ihr Pfändungsschutzkonto und das pfändbare Einkommen. Die Verfahrenskosten werden Ihnen gestundet.

Wie hilft die Privatinsolvenz aus den Schulden?

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Wie kann ich Privatinsolvenz anmelden?

Die Privatinsolvenz dient dazu, dass Sie nach drei, fünf oder sechs Jahren wieder schuldenfrei sind. Die Gegenleistung für die Befreiung aus den Schulden ist: Sie zahlen unter der Aufsicht eines Insolvenzverwalters einen Teil der Schulden zurück.

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Wie viel Schulden zurückzahlen?

Die Höhe der Schulden, die Sie zurückzahlen müssen, richtet sich nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Liegt Ihr Einkommen unter der gesetzlichen Pfändungsgrenze, müssen Sie gar nichts bezahlen und erhalten die Restschuldbefreiung trotzdem. Liegt Ihr Einkommen darüber, gilt die Faustregel, dass der über der Pfändungsgrenze liegende Einkommensanteil zu zwei Dritteln pfändbar ist.

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Wie hilft die Privatinsolvenz aus den Schulden?

Für alle betroffenen Schuldner, die es nicht mehr schaffen, ihr Schuldenproblem aus eigener Kraft zu lösen, ist die Privatinsolvenz eine gute Lösung. Eine Privatinsolvenz mit der Aussicht wieder schuldenfrei zu sein, ist allemal besser als jahrelange Schuldenqual ohne Perspektive.

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Kein Geld für Gerichtskosten?

Sie brauchen kein Geld für die Gerichtskosten der Privatinsolvenz. Bei geringem Einkommen stundet der Staat die Gerichtskosten. Hierzu stellen wir für Sie einen “Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten”. Die Abweisung Ihres Antrages auf Privatinsolvenz “mangels Masse” ist damit ausgeschlossen.

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Ist zweite Privatinsolvenz erlaubt?

Haben Sie bereits eine Privatinsolvenz hinter sich, gelten folgende Wartezeiten für eine neue Privatinsolvenz: 10 Jahre, wenn Sie die Restschuldbefreiung erhalten haben und 5 Jahre, wenn die erste Privatinsolvenz erfolglos ohne Restschuldbefreiung endete.

Privatinsolvenz FAQ

Wann ist Privatinsolvenz zulässig?

 

Privatinsolvenz zahlungsunfähig ätsch

Sie sind zahlungsunfähig

Zahlungsunfähig bedeutet, dass Sie nicht mehr dazu in der Lage sind, überfällige Rechnungen, Kreditraten und sonstige Zahlungspflichten zu bedienen. Ihre Schulden sind zu hoch. Es ist unrealistisch, dass Sie die Schulden in den nächsten Jahren zurückzahlen können.

Schuldner beantragt die Privatinsolvenz

Sie sind nicht selbständig

Sie sind Arbeitnehmer, Rentner, arbeitslos, krankgeschrieben, usw. Sind Sie selbständig tätig oder waren Sie es und haben über 20 Gläubiger oder schulden Ihren ehemaligen Arbeitnehmern noch Arbeitslöhne oder Sozialabgaben, müssten Sie die Regelinsolvenz beantragen.

Schuldner kriegt Bescheinigung über Schuldenbefreiung

Bestätigung vom Anwalt

Sie haben von einem Anwalt oder einer Schuldenberatung ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren durchführen lassen. Die Schuldenbereinigung war erfolglos. Hierüber liegt Ihnen eine Bescheinigung vor, die höchstens sechs Monate alt ist.

Schuldner hat kein Einkommen bei Privatinsolvenz

Einkommen nicht nötig

Nicht erforderlich für die Privatinsolvenz ist ein eigenes Einkommen. Die Privatinsolvenz ist auch als Hausmann oder Hausfrau ohne eigenes Einkommen möglich. Das gilt auch, wenn Sie nur ein Mini-Einkommen haben oder bei Arbeitslosengeld oder Rente.

Restschuldbefreiung bewirkt, dass Sie schuldenfrei sind

Am Schluss der Privatinsolvenz erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung. Bevor das Gericht die Restschuldbefreiung endgültig erteilt, kündigt das Gericht den Gläubigern die Erteilung der Restschuldbefreiung an. Beantragt niemand die Versagung der Restschuldbefreiung, wird sie erteilt.

Was passiert in der Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz wirkt sich vor allem auf Ihre Finanzen aus. Ein Insolvenzverwalter pfändet teilweise Ihr Einkommen. Des weiteren verwertet der Insolvenzverwalter Ihren wertvollen Besitz. Und drittens annulliert er nachteilige Geschäfte zu Lasten der Gläubiger. Das folgende liest sich schlimmer, als es am Ende ist. Trotzdem sollen Sie auch die Nachteile der Privatinsolvenz wissen.

icon faq privatinsolvenz

Einkommen wird gepfändet

Die Höhe der Pfändung bei Privatinsolvenz entnehmen Sie bitte der gesetzlichen Pfändungstabelle. Die Pfändungstabelle oder auch Insolvenztabelle genannt, bestimmt für jedes Einkommen den pfändbaren Anteil. Neben dem Nettoeinkommen bestimmt auch die Anzahl Ihrer Unterhaltspflichten, wie viel Einkommen der Insolvenzverwalter pfändet:

 

  • 0 Unterhaltspflichten: 1.180 €
  • 1 Unterhaltspflichten: 1.622 €
  • 2 Unterhaltspflichten: 1.869 €
  • 3 Unterhaltspflichten: 2.116 €
  • 4 Unterhaltspflichten: 2.363 €

Besitz wird verwertet

Zusätzlich Ihrem pfändbaren Einkommen wird der Insolvenzverwalter in der Privatinsolvenz Ihr Vermögen abschöpfen. Beispielsweise folgendes Vermögen ist davon betroffen bzw. wird verschont:

 

  • Möbel, Fernseher, Computer: nicht pfändbar
  • Eigenes Auto, Motorrad: pfändbar, Ausnahme: Auto wird beruflich eingesetzt
  • Lebensversicherung, Rentenversicherung usw: pfändbar, falls Rückkaufwert
  • Nachzahlung von Einkommen, staatlicher Leistung: pfändbar, gerichtlicher
    Ausnahmebeschluss möglich
  • Schenkung, Erbschaft: pfändbar zu 100 %, in der Wohlverhaltenszeit zu 50 %

Das wird zurückgeholt

Die dritte “Gegenleistung” für die Restschuldbefreiung ist die Anfechtung. Das bedeutet: Zahlungen an Gläubiger, die entweder Ihre Zahlungsunfähigkeit kannten oder unausgewogene Geschäfte innerhalb bestimmter Fristen werden rückgängig gemacht. Beispiele für unausgewogene Geschäfte:

 

  • Sie haben Ihr Auto weit unter Wert an einen Freund verkauft
  • Rückzahlung eines Darlehns an Verwandte
  • Überweisung eines höheren Geldbetrages an den Ehegatten
  • Das aufgrund Pfändung erlangte Einkommen oder Vermögen

So lange dauert die Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz dauert zwischen einem Jahr und sechs Jahren. Die Dauer richtet sich danach, wie viel Geld Sie während der Privatinsolvenz für die Gläubiger erwirtschaften werden. Die gesetzlichen Regeln zur Dauer der Privatinsolvenz habe ich Ihnen hier zusammengestellt.

Ziffer sechs

6 Jahre, wenn Sie überhaupt nichts erwirtschaften, z.B. weil Ihr Einkommen unter der Pfändungsgrenze liegt und weil Sie keine wertvollen Gegenstände besitzen. Die Gerichtskosten müssen Sie aber nachträglich erstatten.

Ziffer fünf

5 Jahre, wenn Sie nach 5 Jahren die Gerichtskosten erwirtschaftet haben, ca. 2.700 €. Sie können freiwillig einzahlen. Viele Schuldner zahlen freiwillig 40 € monatlich an die Insolvenzmasse, um schon nach 5 Jahren schuldbefreit zu sein.

Ziffer drei

3 Jahre, wenn Sie bis dahin 35 % der Schulden plus Gerichtskosten erwirtschaftet haben. Leider ist diese Variante eine Mogelpackung. Die Verkürzung ist kaum zu schaffen, weil die Gerichtskosten zusätzlich 40% der Inoslvenzmasse betragen.

1 Jahr, wenn Sie einen Sponsor haben, der Ihnen einen Insolvenzplan bzw. eine Planinsolvenz finanziert.

Wer wird der Insolvenzverwalter?

Kurze Zeit nachdem das Insolvenzverfahren eröffnet ist, erhalten Sie Post vom Insolvenzverwalter. Der Insolvenzverwalter ist ein vom Insolvenzgericht bestellter spezieller Rechtsanwalt. Der Insolvenzverwalter vertritt hauptsächlich die Gläubiger-Interessen. Auch wenn er Ihnen anfangs freundlich erscheint. Behandeln Sie ihn mit großem Respekt und fallen Sie nicht auf Nettigkeiten herein. Ihr Verhältnis lässt sich vielleicht am besten mit einem Märchen vergleichen: Sie sind das Rotkäppchen und er die Großmutter!

Erstes Kennenlernen

Der Insolvenzverwalter wird Sie zeitnah zu einem ersten Interview in seine Kanzlei einladen. Nur ganz ausnahmsweise besuchen Insolvenzverwalter den Schuldner zuhause in der Wohnung. Der Insolvenzverwalter wird Ihnen erklären, welche Unterlagen er von Ihnen haben will. Es ist sein Job, sehr neugierig zu sein und Ihre finanziellen Verhältnisse vollständig aufzuklären. Widerstand ist zwecklos, der Insolvenzverwalter sitzt eindeutig am längeren Hebel. Gehen Sie Ärger aus dem Weg und versorgen Sie ihn mit allem, was er von Ihnen haben will.

Insolvenzverwalter pfändet Ihr Einkommen

Falls Sie über pfändbares Einkommen verfügen, schreibt der Insolvenzverwalter den Arbeitgeber an und zieht dort die pfändbaren Einkommensanteile ein. Damit er die Höhe des pfändbaren Einkommensanteils richtig berechnen kann, bitte ihm stets den aktuellen Gehaltsnachweis übersenden – und war auch dann, wenn er ihn gar nicht haben will.

Insolvenzverwalter prüft Anfechtung

Zur Insolvenzmasse gehört neben wertvollem Vermögen auch die Anfechtung. Zur Prüfung der Anfechtung wird der Insolvenzverwalter Ihre finanzielle Vergangenheit unter die Lupe nehmen. Haben Sie z.B. kurz vor der Insolvenz Ihr Auto im Wert von 10.000 € für 500 € an Ihren Freund verkauft oder Ihr Konto geplündert und das Geld im Wald vergraben, würde der Insolvenzverwalter dieses Geschäft anfechten. Anfechtung würde hier bedeuten: Der Verkauf des Autos ist unwirksam und der Freund muss das Auto dem Insolvenzverwalter übergeben.  Die Ermittlungen des Insolvenzverwalters sind nervig. Aber so ist es. Sie wollen die Restschuldbefreiung . Deshalb müssen Sie sich die Fragen des Insolvenzverwalters zur Anfechtung gefallen lassen.

 Wie kann ich Privatinsolvenz beantragen?

Die Privatinsolvenz erleben fast alle Schuldner als Befreiung. Hat das Gericht Ihre Privatinsolvenz eröffnet, stehen Sie unter Gläubigerschutz. Gläubigerschutz bedeutet, dass kein Gläubiger mehr gegen Sie vorgehen und vollstrecken darf. Die Postflut endet. Drohbriefe und Gerichtsvollzieher sind Vergangenheit. Die meisten Schuldner leben vor der Privatinsolvenz von noch weniger Geld, weil sie Schulden abzahlen. Sie haben in der Privatinsolvenz mehr Geld verfügbar, als beim Ableisten der Schulden. Die private Insolvenz befreit den betroffenen Schuldner zuverlässig von der Schuldenlast.

Schuldner sammelt Gläubigerpost

Schritt 1: Sammeln und sortieren Sie die Gläubigerpost

In Ringbuch sortieren

Beginnen Sie die Privatinsolvenz mit dem Sammeln und Sortieren aller Unterlagen und insbesondere der Gläubigerpost. Mit “Gläubigerpost” meine ich alle Verträge, Rechnungen, Drohbriefe, Mahnungen, Gerichtsurteile, Vollstreckungsbescheide, usw. der Gläubiger. Sortieren Sie die Korrespondenz nach Gläubigern. Hierzu ordnen Sie die Gläubiger-Schreiben beispielsweise in einen Ringbuchordner ein. Für jeden Gläubiger legen Sie ein Trennblatt an und heften die Gläubigerpost darunter ab, das neueste Schreiben bitte obenauf.

Kundennummer, usw.

Bei den Gläubigern ist es wichtig, dass Sie möglichst alle erfassen. Auf die Höhe der Schulden kommt es nicht so sehr an, weil wir diese ohnehin abfragen werden. Zur Anschrift eines Gläubigers gehört sein Bearbeitungszeichen wie Rechnungsnummer, Kundennummer, usw. Bitte unbedingt angeben. Unterscheiden Sie zwischen dem Gläubiger und seinem Vertreter. Gläubiger-Vertreter wäre beispielsweise das Inkasso oder die Anwaltskanzlei. Nicht dem Gläubiger-Vertreter schulden Sie Geld, sondern dem Gläubiger.

Sonstige Nachweise

Sortieren Sie in Ihr Ringbuch am besten auch alle Nachweise ein, die wir für den Insolvenzantrag brauchen werden. Jeder Eintrag in das Insolvenzantrag-Formular muss mit einem Nachweis unterlegt sein. Für Ihr Einkommen brauchen wir einen Einkommensnachweis, für Ihre Mietkosten den Mietvertrag, für Ihr P-Konto einen Kontoauszug, für Ihre Lebensversicherung die Versicherungspolice, für das Auto den Fahrzeugbrief und -schein, usw. Anschließend übersenden Sie uns Ringbuchordner mit der Post und beauftragen uns mit der Privatinsolvenz.

Leichter mit der App

Falls Sie so wie ich kein Papier (mehr) mögen, empfehle ich Ihnen meine schuldenfrei-App. Aufs Handy laden und sofort beginnen. Tragen Sie direkt Ihre Daten und die Gläubiger ein. Die Nachweise wie Mietvertrag fotografieren Sie mit Ihrem Handy und laden sie direkt in die Cloud. Über die App stehen Sie mit uns in ständiger Verbindung.

App für Antrag auf Privatinsolvenz
Button für App Insolvenz beantragen
Schuldner richtet Pfändungsschutzskonto ein

Schritt 2: Richten Sie ein Pfändungsschutzkonto ein

P-Konto ist Pflicht

Eröffnen Sie zur Vorbereitung der Privatinsolvenz ein Pfändungsschutzkonto. Die Bank, bei der Sie das P-Konto einrichten, darf kein Gläubiger sein. Das Pfändungsschutzkonto ist für die Privatinsolvenz ein absolutes Muss. Nur das P-Konto schützt während der Privatinsolvenz vor Pfändung. Ohne Pfändungsschutzkonto würde Ihr Kontoguthaben bei Insolvenzeröffnung eingezogen.

Altes Konto auslaufen lassen

Leiten Sie Ihr Einkommen auf das P-Konto um. Lastschriften und Einzugsermächtigung können Sie auch für ein P-Konto erteilen. Also erteilen Sie neue Lastschriften für alle Verträge, die Sie erhalten möchten, z.B. die Miete und das Telefon. Lastschriften, die Sie nicht mehr wollen wie das teure Fahrzeugleasing oder der Schuldendienst, lassen Sie beim alten Konto. Die Verträge werden irgendwann gekündigt.

P-Konto richtig handhaben

Das Pfändungsschutzkonto ist gewöhnungsbedürftig. Das Guthaben darf die Pfändungsgrenze nicht übersteigen und zu Monatsende muss der Kontostand bei Null sein. Andernfalls würde die Bank das Guthaben abschöpfen. Die Pfändungsgrenze für das P-Konto beginnt bei 1.190 €. Bestehen Unterhaltspflichten, steht Ihnen eine höhere Freigrenze zu. Wir stellen Ihnen die hierzu erforderliche Bescheinigung aus.

Schuldner stellt Zahlungen ein

Schritt 3: Danach die Zahlungen einstellen

Mit Schuldendienst ist Schluss

Spätestens jetzt stellen Sie alle Zahlungen an die Gläubiger ein. Weil Sie eine Privatinsolvenz beantragen, ist jede weitere Zahlung an Gläubiger verschwendet. Verträge, die Sie los werden wollen, wie z.B. ein zu teures Fahrzeug-Leasing oder eine langfristige Mitgliedschaft im Fitness-Center bezahlen Sie nicht mehr. Nach zweimaligem Ausbleiben der Monatsrate wird der Vertrag gekündigt und Sie sind die Verpflichtung los.

Bares in die Keksdose

Ergibt sich aufgrund der Einsparungen ein Kontoguthaben, heben Sie dieses in Bar ab und geben es aus oder legen es in die Keksdose. Sie sind nicht verpflichtet, das Geld auf den Konto zu belassen, damit man es Ihnen leichter wegenehmen kann.

Schuldner versteckt sein Geld vor der Privatinsolvenz

Schritt 4: Abwägen, ob Sie Wertvolles vor der Insolvenz verstecken

Faustregel zur Pfändung

Als Faustregel gilt: Ihre Wohnung, die Einrichtung und Kleidung ist für den Insolvenzverwalter tabu. Ebenfalls das Guthaben des P-Kontos. Das andere Vermögen wie eine Lebensversicherung oder das Auto wird Insolvenzmasse. Der Insolvenzverwalter darf es Ihnen wegnehmen und verwerten.

Angeben oder verstecken?

Die meisten Schuldner, die noch eine Lebensversicherung oder ein Auto besitzen, denken darüber nach, ob Sie diesen Gegenstand vor der Insolvenz verstecken. Ob Sie das Vermögen im Insolvenzantrag angeben oder verstecken, entscheiden Sie für sich selbst. Natürlich ist das Verstecken von Vermögen kurz vor der Insolvenz verboten.

Falls man Sie erwischt…

Erwischt Sie der Insolvenzverwalter, müssen Sie den Gegenstand sofort herausgeben. Haben Sie es mit dem Verstecken übertrieben, müssen Sie mit der Versagung der Restschuldbefreiung rechnen. Dann war die ganze Mühe umsonst.

Schuldner versteckt Geld vor dem Insolvenzverwalter

Mutti aus dem Spiel lassen

Das Risiko, dass der Insolvenzverwalter von einem verschwiegenen Konto oder Lebensversicherung erfährt, ist enorm. Lassen Sie dies besser bleiben. Auch die Übertragung des Autos auf Mutti, um bei ihr die Schulden zu bezahlen, wird nicht funktionieren. Sie müssen dann schon kreativer sein.

Schulder geht zum Anwalt

Schritt 5: Gehen Sie zum Anwalt oder zur Schuldenberatung

Anwalt muss Schuldenbereinigung versuchen

Wenn Sie eine Privatinsolvenz beantragen wollen, müssen Sie vorher zum Anwalt oder zur öffentlichen Schuldenberatung gehen. Der Anwalt oder Schuldenberater muss für Sie eine außergerichtliche Schuldenbereinigung versuchen, bevor er den Antrag bei Gericht einreichen kann. Der Berater muss also eine außergerichtliche Schuldenregulierung mit Ihren Gläubigern versuchen. Das klappt zwar nur ganz ausnahmsweise und ist deswegen eigentlich überflüssig, aber die außergerichtliche Schuldenbereinigung ist nun mal gesetzlich vorgeschrieben. Also ziehen wir es durch.

Anwalt oder Schuldenberatung?

Der Unterschied zwischen Anwalt und Schuldenberatung sind die Geschwindigkeit und die Kosten. Die öffentliche Schuldenberatung ist kostenfrei, kann aber ewig dauern. Anwälte hingegen kosten Geld. Dafür sind sie schneller und behalten auch in komplexen Fällen den Überblick. Mein Rat: Sparen Sie sich den Weg zum Anwalt oder Schuldenberatung. Beantragen Sie bequem von zu Hause aus die Privatinsolvenz mit der schuldenfrei-App.

App für Antrag auf Privatinsolvenz
Button für App Insolvenz beantragen

Gut, wenn Schuldenvergleich scheitert

Der Regulierungsversuch erfolgt mit einem Pflicht-Formular. Der Berater erfragt bei den Gläubigern zunächst den aktuellen Schuldenstand. Danach unterbreitet er ein Angebot. Die Höhe des Angebotes entspricht oft genau dem, was die Gläubiger auch bei der Privatinsolvenz erhalten würden. Das ist den Gläubigern meist zu wenig und die außergerichtliche Schuldenbereinigung scheitert. Die Ablehnung kommt uns aber sehr gelegen, denn nun sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und wir können die Privatinsolvenz endgültig bei Gericht beantragen.

Insolvenzantrag für die Privatinsolvenz

Schritt 6: Antragsverfahren und Eröffnung der Privatinsolvenz

Insolvenzantrag finalisieren

Danach bringen wir Ihr Formular für die Privatinsolvenz auf Vordermann. Das Formular ist sehr umfangreich. Damit Sie nicht verzweifeln, übernehmen wir das Ausfüllen für Sie. Wir ergänzen den Insolvenzantrag mit Ihrem Mietvertrag, Einkommensnachweis, usw. Schließlich fügen wir die Gläubigerliste bei, samt unserer Bescheinigung über das Scheitern der Schuldenbereinigung. Alles zusammen unterschreiben Sie. Danach senden wir den Antrag ans Gericht.

Gericht eröffnet Ihre Privatinsolvenz

Ungefähr zwei Wochen später erlässt das Gericht einen Beschluss und eröffnet das Insolvenzverfahren. Sie stehen ab sofort unter Gläubigerschutz. Niemand darf gegen Sie vollstrecken. Noch nicht einmal der Gerichtsvollzieher. Alte Schulden bitte nicht mehr abzahlen. In dem Beschluss steht der Name des Insolvenzverwalters. Dieser wird Sie in den nächsten Tagen zu einem ersten Termin zum Kennenlernen in seine Kanzlei einladen.

Privatinsolvenz ohne Gerichtsverhandlung

Die Privatinsolvenz ist im wesentlichen ein schriftliches Verfahren. Das heißt: es gibt keine Gerichtsverhandlungen, wie in einem Zivilverfahren, an dem Sie teilnehmen müssen. Nur der Prüfungstermin ist üblicherweise ein persönlicher Termin. In dem Prüfungstermin stellt das Gericht fest, welche Schulden berechtigt sind und welche bestritten. Am Prüfungstermin müssen Sie nur ausnahmsweise teilnehmen.

Prüfungstermin bei Privatinsolvenz

Schritt 7: Prüfungstermin der Insolvenzschulden bei Gericht

Festgestellt oder bestritten

Der Prüfungstermin widmet sich Ihren Schulden. Das Gericht prüft, ob die Forderungen Ihrer Gläubiger überhaupt berechtigt sind. Ist dies der Fall, vermerkt das Gericht diese Forderung als: “festgestellt” im Gläubigerverzeichnis. Ist die Forderung unberechtigt, erfolgt der Vermerk: „bestritten“.

Unerlaubte Handlungen

Eigentlich kann Ihnen der Prüfungstermin egal sein. Sie erhalten die Restschuldbefreiung mit viel und mit wenig Schulden. Ausnahme: Ein Gläubiger will, dass das Gericht seine Forderung als „vorsätzliche begangenen unerlaubten Handlung“ feststellt. Gestatten Sie den Eintrag, erhalten Sie für diese Forderung keine Restschuldbefreiung.

Wehren Sie sich gegen unerlaubte Handlungen, indem Sie am Prüfungstermin teilnehmen und der Forderung aus dem Rechtsgrund der vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung widersprechen.
Obliegenheiten in der Privatinsolvenz

Schritt 8: Beachten Sie Ihre Obliegenheiten

Das Wort “Obliegenheiten” ist Amtsdeutsch. Gemeint sind Ihre Pflichten in der Privatinsolvenz, um die Restschuldbefreiung zu erhalten. Ob Sie die Obliegenheiten einhalten, überwacht der Insolvenzverwalter. Das sind Ihre Pflichten in der Privatinsolvenz:

Erwerbsobliegenheit

Sie müssen eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben. Die Erwerbstätigkeit ist angemessen, wenn Ihr Einkommen in Etwa dem durchschnittlichen Einkommen Ihres gelernten Berufes entspricht. Ein Arzt würde gegen die Erwerbsobliegenheit verstoßen, wenn er nur 1.000 € verdient. Mit guten Argumenten lässt sich viel optimieren. Hat der Arzt z.B. seinen Beruf jahrelang nicht ausgeübt, wäre das erwartete Einkommen weitaus geringer. Notfalls zahlen Sie freiwillig 50 oder 100 € monatlich, um die Differenz zwischen tatsächlichem und erwarteten Einkommen auszugleichen. Dann ist der Insolvenzverwalter zufrieden.

Schenkung, Erbschaft anzeigen

Ihre zweite Obliegenheit in der Privatinsolvenz ist es, dem Insolvenzverwalter und dem Gericht eine Schenkung oder Erbschaft unverzüglich anzuzeigen. Während der Insolvenz gehen Schenkung oder Erbschaft 100 % in die Insolvenzmasse. In der Wohlverhaltenszeit sind es 50 %. Lassen Sie sich also nichts schenken. Eine Erbschaft dürfen Sie ausschlagen. Sicherlich wird sich der Nacherbe dafür erkenntlich zeigen.

  • Erbe, Schenkung im Insolvenzverfahren 100% 100%
  • Erbe, Schenkung in der Wohlverhaltenszeit 50% 50%

Adresse neu, Job neu

Denken Sie daran bei einem Umzug Ihre neue Anschrift mitzuteilen. Zeigen Sie dem Gericht und dem Insolvenzverwalter auch den neuen Arbeitgeber an. Übersenden Sie dem Insolvenzverwalter den neuen Arbeitsvertrag bzw. neuen Mietvertrag. Der Insolvenzverwalter schreibt den Arbeitgeber an und beansprucht das pfändbare Einkommen. Befürchten Sie, den neuen Arbeitsplatz in der Probezeit zu verlieren, sobald der neue Arbeitgeber von Ihrer Insolvenz erfährt, vereinbaren Sie mit dem Insolvenzverwalter freiwillige Zahlungen bis zum Ende der Probezeit.

icon zu Restschuldbefreiung

Schritt 9: Das Gericht erteilt die Restschuldbefreiung

Notausgang Schild als Symbol für die Aufhebung des Insolvenzverfahrens

Endlich geschafft!

Am Schluss der Privatinsolvenz erteilt Ihnen das Gericht die Restschuldbefreiung. Hierzu hört es die Gläubiger letztmalig an. In der Regel widerspricht niemand und das Gericht erlässt sofort den Restschuldbefreiungs-Beschluss. Dann sind Sie schuldenfrei.

Tipps zur Privatinsolvenz

Für die Sanierung Ihres Unternehmens mit der Insolvenz in Eigenverwaltung habe ich Ihnen die wichtigsten Infos als FAQ zusammengestellt. Viel Spaß beim Lesen.

Sind Sie bereit für eine Privatinsolvenz?

So richtig über die Schulden bewusst, werden sich die Betroffenen sobald die erste Pfändung droht. Dann geben die Betroffenen alles und wollen eine Pfändung oder den Besuch des Gerichtsvollziehers um jeden Preis vermeiden. Häufig höre ich das Zitat: „Wir leben vom Kindergeld, vom normalen Einkommen bezahlen wir Schulden“. Dieser Zustand wird jahrelang durchgehalten. Erst nachdem sich stressbedingt ernsthafte Gesundheitsprobleme einstellen und schließlich gar nichts mehr geht, suchen die Betroffenen nach Hilfe.

Die jahrelange Quälerei muss nicht sein. Wenn die Schuldenfalle zuschnappt, dann ist das eben so. Man sollte sich nichts vormachen. Wie kann man beispielsweise bei einem Gehalt von 1.200€ jemals 20.000€ Schulden zurückzahlen? Ist der Kredit bereits gekündigt, zahlen Sie mindestens 2.500€ Zinsen pro Jahr.

Leider wissen viele Betroffene nicht, dass sie nur den pfändbaren Teil ihres Einkommens für Schulden aufwenden müssen. Anstelle sich auf die Pfändungsgrenzen zu berufen, bringen die Betroffenen lieber jeden Cent zur Begleichung der Schulden auf. Geld zum Leben bleibt da nicht übrig. Rechnungen werden geschoben, es entstehen neue Löcher.

Wer in einer ähnlichen Situation steckt, sollte vernünftig sein. Er sollte alle Zahlungen einstellen und eine Privatinsolvenz beantragen. Mit der Privatinsolvenz enden alle Pfändungsversuche und nach sechs Jahren ist man schuldenfrei. Auch wenn dies eine lange Zeit ist, so besteht zumindest wieder Hoffnung und in das Leben kehrt wieder Ruhe ein.

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Wenn Ihnen nach Abzug der Kreditraten zum Leben weniger als die gesetzliche Pfändungsgrenzen bleibt, sind die Schulden außer Kontrolle geraten. Spätestens dann sind Sie reif für die Privatinsolvenz.

Falls möglich, die Privatinsolvenz auf 1 Jahr verkürzen

Seit mehreren Jahren ist es gesetzlich möglich, die durchschnittlich fünfjährige Laufzeit der Privatinsolvenz auf maximal ein Jahr zu verkürzen. Die Verkürzung der Privatinsolvenz erfolgt mit einem Insolvenzplan oder auch Planinsolvenz genannt.

Der Insolvenzplan ist letztendlich ein Schuldenvergleich unter gerichtlicher Aufsicht, den Sie den Gläubigern anbieten und über den die Gläubiger in einem Gerichtstermin abstimmen. Im Gegensatz zum Schuldenvergleich müssen beim Insolvenzplan nicht alle Gläubiger zustimmen. Eine einfache Mehrheit der zum gerichtlichen Abstimmungstermin persönlich anwesenden Gläubiger reicht aus. Genau diese gesetzliche Regelung ist Ihre Chance!

Erfahrungsgemäß interessieren sich Gläubiger nicht für den Ausgang einer Planinsolvenz. Oft stehe ich im Termin alleine da. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass Banken, Finanzämter, Inkassobüros usw. aus Kostengründen nicht zu Abstimmungsterminen erscheinen.

Verfügen Sie nun über einen wohlgesonnenen Gläubiger, der im Idealfall als einziger erscheint und stimmt dieser für den Insolvenzplan, gilt der Insolvenzplan als angenommen. Alle anderen Gläubiger müssen sich fügen. Zwei Wochen später wird Insolvenzverfahren aufgehoben und Ihnen wird die Restschuldbefreiung erteilt. Damit sind Sie wie versprochen innerhalb der Jahresfrist schuldenfrei.

Damit Ihr Insolvenzplan gelingt, sind zwei Dinge wichtig: Sie brauchen einen Sponsor, der die Zahlung eines Geldbetrages an die Gläubiger verspricht, sollten diese dem Insolvenzplan zustimmen. Und Sie benötigen mindestens einen wohlgesonnenen Gläubiger, der zum Abstimmungstermin persönlich bei Gericht erscheint und für Ihren Insolvenzplan stimmt.

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Hilft Ihnen ein Sposor mit einer Sonderzahlung aus, verkürzen Sie die lange Privatinsolvenz in Rekordzeit auf maximal ein Jahr.

Auf Verlangen die Vermögensauskunft abgeben

Selbst nachdem man einen Berater mit der Vorbereitung der Privatinsolvenz beauftragt hat, kommt es immer wieder vor, dass Gläubiger noch gegen Sie vollstrecken. Selbst wenn Sie in einem solchen Fall vor einem Gerichtsvollzieher die Vermögensauskunft abgeben müssen, können Sie den Vollstreckungsversuchen der Gläubiger gelassen entgegensehen. Wer sich einmal für das Insolvenzverfahren entschieden hat, für den sind alle Vollstreckungsversuche nur noch heiße Luft. Denn mehr als den pfändbaren Teil des Einkommen kann man Ihnen ohnehin nicht wegnehmen und das ist zumeist mehr, als die meisten betroffenen Schuldner bei der Bedienung ihrer Kreditraten noch haben.

Drücken Sie sich also nicht davor, noch vor der Insolvenz die Vermögensauskunft abzugeben. Wenn Sie in die Insolvenz gehen, ist die Abgabe einer Vermögensauskunft vor dem Gerichtsvollzieher völlig egal und Sie erhalten trotzdem auf jeden Fall die Restschuldbefreiung.

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Geben Sie die Vermögensauskunft einfach ab, falls ein Gerichtsvollzieher Sie auch noch vor der Insolvenz hierzu auffordert. Die Abgabe einer Vermögensauskunft verschlechtert nicht Ihre rechtliche Position.

Keine Überweisungen an Freunde und Verwandte

Immer wieder kommt es vor, dass ein betroffener Schuldner vor der Insolvenz noch irgendwelche Zahlungen an Verwandte oder Freunde leistet, indem er einen Geldbetrag von seinem Konto auf das Konto der nahestehenden Person überweist.

Lassen Sie das bitte sein. Solche Zahlungen vor der Insolvenz an Verwandte oder Freunde sind anfechtbar, das heißt der Insolvenzverwalter kann verlangen, dass diese Überweisung rückgängig gemacht wird. Dann ziehen Sie den Freund ungewollt in Ihre Sache hinein. Zumeist fallen zusätzlich Zinsen und Anwaltsgebühren an, sodass der gut gemeinte Freundschaftsdienst am Ende noch richtig teuer wird. Auch das Argument „ich habe ein Darlehn an den Freund zurückgezahlt“, wird keinesfalls weiterhelfen.

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Keine Überweisungen an Freund oder Verwandte leisten, denn dies wäre anfechtbar. Statt dessen das Kontoguthaben in Bar abheben und in der Keksdose verstecken.

Ist Insolvenz in Eigenverwaltung für natürliche Personen möglich?

Wie die Privatinsolvenz verläuft, liegt insbesondere an der Person des Insolvenzverwalters und wie Sie mit der neuen Situation zurecht kommen. Deshalb hierzu ein paar Verhaltenstipps:

  • Bedenken Sie, der Insolvenzverwalter ist nicht Ihr Freund, sondern Ihr Feind. Behandeln Sie ihn respektvoll.
  • Der Insolvenzverwalter ist auch nicht Ihr Rechtsanwalt. Das heißt, er wird kaum reagieren, wenn Sie Fragen haben oder mit ihm sprechen wollen. Dazu ist er nicht verpflichtet.Lassen Sie den Insolvenzverwalter deswegen in Ruhe. Wenn er etwas von Ihnen will, wird er sich SCHRIFTLICH bei Ihnen melden.
  • Beantworten Sie seine schriftlichen Anfragen ebenfalls schriftlich und behalten Sie eine Kopie Ihres Schreibens als Nachweis.
  • Neben Ihren Einkommensverhältnissen recherchiert der Insolvenzverwalter auch nach Steuerrückerstattungsansprüchen und Betriebskostenerstattung, weil beides zur Insolvenzmasse gehört. Also wird er entsprechende Unterlagen von Ihnen abfordern.
  • Im Insolvenzverfahren können Sie nach wie vor tun und lassen, was Sie wollen. Sie müssen den Insolvenzverwalter beispielsweise nicht fragen, ob Sie in den Urlaub fahren oder die Wohnung wechseln dürfen. Der Insolvenzverwalter ist nur für die Insolvenzmasse da. Das heißt: Wie Sie Ihr pfändungsfreies Einkommen ausgeben, geht nach wie niemanden etwas an!
  • Sie müssen nur in zwei Fällen von sich aus automatisch tätig werden: Wenn Sie umziehen oder wenn sich Ihre Einkommens- oder Vermögensverhältnisse ändern. Informieren Sie den Insolvenzverwalter darüber ebenfalls schriftlich.

Irgendwann hat das Verfahren sich eingespielt und Sie werden nichts mehr von dem Treuhänder oder Gericht hören. Das ist normal und ein gutes Zeichen. Lassen Sie es so laufen. Vergessen Sie nie, dass auch Sie als Schuldner nicht rechtlos sind. Sollte der Insolvenzverwalter die Grenzen überschreiten, ist eine Beschwerde beim Insolvenzgericht durchaus angebracht.

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Behandeln Sie den Insolvenzverwalter wie ein rohes Ei. Es gilt der Leitspruch: Gehe nie zu Deinem Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst…

30 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr RA Franzke, ich (w 37)bin in der Wohlverhaltensphase. Die Dauer beträgt noch ~4 Jahre, da ich voll erwerbsgemindert bin, rechne ich mit sehr wenig Rente wenn es soweit ist. Kann ich einen Bausparvertrag abschließen in meiner noch Situation ? Oder geht das nicht ? Von irgendwas muß ich ja später mal leben.

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen

    Trampenau

    Antworten
    • Ja. In der Wohlverhaltensphase können Sie einen Bausparvertrag abschließen. Sie dürfen neues Guthaben ansparen.

    • Vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort!

  2. Hallo Herr Franzke,
    mein Insolvenzverfahren endetet im Mai 2019 mit der Restschuldbefreiung. Vor der Insolvenz hatte ich ein Paypal Konto mit 700 € Schulden.
    Nun habe ich ein neues Paypal Konto errichtet auf dem sich ein Guthaben von 1000 € befindet. Paypal fordert nun von mir die alten Schulden – vor der Insolvenz – zu begleichen und mein Geld einbehalten. Darf Paypal dieses? Ich habe 10 Jahre nichts von denen gehört und nun dieses.
    Danke für Ihre Antwort

    Antworten
    • PayPal darf das nicht, aber die machen das einfach. Entweder Sie lassen sich das gefallen oder Sie suchen sich ein anderes Online-Bezahlsystem.

  3. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich bin so ziemlich am Ende der Wohlverhaltensphase und warte eigentlich nur noch auf den Beschluß des Gericht. Nun habe ich bedingt durch Rückzahlung einer Kaution erfahren, das immer noch eine Kontpfändung von Seiten des Finanzamt besteht und die Bank die Kaution zurückhält bis die Pfändung aufgehoben ist. Von Seiten der Insolvenzverwalterin kann ich über die Kaution verfügen. Die Bank hat nachdem ich das Schreiben der Insolvenzverwalterin vorgelegt habe dort Rücksprache gehalten . Die Insolvenzverwalterin hatt darauf hin das Finanzamt angeschrieben und erhielt die Rückmeldung das die Aufhebung möglich ist, wenn es zu einer Pfandverstrickung gekommen ist. Was ist da zu tun ? Bedanke mich schon voraus über einen Hinweis oder Antwort.

    Antworten
    • Das Problem ist, dass ein einmal vor der Insolvenz gepfändetes Konto trotz der Restschuldbefreiung gepfändet bleibt. Wenn nach der Insolvenz die Kaution also auf das gepfändete Konto geht, dann ist die Kaution weg. Das gepfändete Konto ist sozusagen „kaputt“. Also sorgen Sie dafür, dass die Kaution auf ein anderes Konto geht. Dann haben Sie die Kaution zur verfügung. Das alte gepfändete Konto benutzen Sie nicht mehr.

  4. Sehr geehrter Herr RA Franzke,
    ich befinde mich seit 01/2020 in der Restschuldbefreiungsphase bei ca. 25 Tsd. € Gesamtschulden. 2013 hatte ich einen Behandlungsfehler und war drei Jahre deswegen arbeitsunfähig und arbeitslos, später dann vom Jobcenter als voll EU und zu 50% schwerbehindert anerkannt – bis heute. Trotzdem arbeite ich seit 1 Jahr zu 60% und führe ca. 1200 € monatlich an den IV ab. Die titulierte Forderung des Landgerichts FR vom 02/2016 (Versäumnisurteil) wurde in meinen Insolvenzantrag aufgenommen. Dem Schuldner, der auch insolvent wurde, ist gelungen ins EU Ausland zu flüchten, wo er juristisch kaum greifbar ist. Im Schreiben des Insolvenzgerichts ist jetzt folgende Formulierung nachzulesen: Der Insolvenzbeschlag bleibt hinsichtlich…etwaiger Zahlungen aus dem Versäumnis-Urteil des Landgericht X vom 03.02.2016 an den Schuldner aufrecht erhalten (BGH Beschluss vom 12.01.2006, IX ZB 239/04). Eingehende Beträge sind zunächst auf die Verfahrenskosten zu verrechnen. Gleichzeitig wird die Nachtragsverteilung der Erstattungsbeträge hieraus angeordnet (§ 203 InsO). Frage: Wird das Schmerzensgeld, das ich dringend für eine rekonstruktive OP nach diesem Behandlungsfehler bräuchte, definitiv in der Insomasse gelandet? Vielen Dank für Ihre Bemühungen.

    Antworten
    • Ja, das Schmerzensgeld geht leider zum überwiegenden Teil in die Insolvenzmasse.

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