Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz ist ein spezielles Gerichtsverfahren und dauert je nachdem wie viel Geld Sie während der Insolvenz erwirtschaften werden, entweder drei, fünf oder sechs Jahre (noch schneller gehts mit der Planinsolvenz innerhalb von 12 Monaten). Ist das Verfahren durchlaufen, erteilt Ihnen das Gericht die Restschuldbefreiung und entlässt Sie aus den Schulden.

Ihre Gegenleistung in der Privat-Insolvenz
Als Gegenleistung für die Restschuldbefreiung müssen Sie während Privatinsolvenz den pfändbaren Teil ihres Einkommens an einen Insolvenzverwalter abgeben sowie Ihr Vermögen. Unausgewogene Geschäfte in den letzten zwei Jahren zu Ihrem Nachteil annulliert der Insolvenzverwalter.
  1. Ihr pfändbares Einkommen wird eingezogen
  2. Abschöpfung des wertvollen Vermögens
  3. Annullierung unausgewogener Geschäfte
Im Einzelnen zu Ihren Gegenleistungen für die Erteilung der Restschuldbefreiung am Ende der Privatinsolvenz:
Einzug pfändbares Einkommen

Die Höhe des pfändbaren Einkommens bestimmt die gesetzliche Pfändungstabelle. Die Pfändungstabelle oder auch Insolvenztabelle genannt, bestimmt für jede Einkommenshöhe einen genauen Pfändungsbetrag. Der Pfändungsbetrag hängt außerdem ab von Ihren Unterhaltspflichten. Beginn der Pfändung ab folgendem Nettoeinkommen:

  • Keine Unterhaltspflicht: 1.140 €
  • Eine Unterhaltspflicht: 1.570 €
  • Zwei Unterhaltspflichten: 1.800 €
  • Drei Unterhaltspflichten: 2.040 €
  • Vier Unterhaltspflichten: 2.280 €
  • Pfändungstabelle hier
Abschöpfung des Vermögens

Zusätzlich Ihrem pfändbaren Einkommen wird der Insolvenzverwalter in der Privatinsolvenz Ihr Vermögen abschöpfen. Beispielsweise folgendes Vermögen ist davon betroffen bzw. wird verschont:

  • Möbel, Fernseher, Computer: nicht pfändbar
  • Eigenes Auto, Motorrad: pfändbar, Ausnahme: Auto wird beruflich eingesetzt
  • Lebensversicherung, Rentenversicherung usw: pfändbar, falls Rückkaufwert
  • Nachzahlung von Einkommen, staatlicher Leistung: pfändbar, gerichtlicher
  • Ausnahmebeschluss möglich
  • Schenkung, Erbschaft: pfändbar zu 100 %, in der Wohlverhaltenszeit zu 50 %
Annullierung unausgewogener Geschäfte

Die dritte “Gegenleistung” für die Restschuldbefreiung ist die Anfechtung. Das bedeutet: Zahlungen an Gläubiger, die entweder Ihre Zahlungsunfähigkeit kannten oder unausgewogene Geschäfte innerhalb bestimmter Fristen werden rückgängig gemacht. Beispiele für unausgewogene Geschäfte:

  • Sie haben Ihr Auto weit unter Wert an einen Freund verkauft
  • Rückzahlung eines Darlehns an Verwandte
  • Überweisung eines höheren Geldbetrages an den Ehegatten
  • Das aufgrund Pfändung erlangte Einkommen oder Vermögen

Die Restschuldbefreiung erhalten Sie auch bei einem Null-Verfahren, also wenn Sie weder pfändbares Einkommen noch Vermögen besitzen und die Gläubiger leer ausgehen. Auch auf die Anzahl der Gläubiger und die Höhe der Schulden kommt es nicht an.

Ihre Obliegenheiten in der Privatinsolvenz
Ob Sie am Ende der Privatinsolvenz die Restschuldbefreiung erhalten oder nicht, hängt vielmehr von Ihrem Verhalten im Insolvenzverfahren ab. Der Gesetzgeber will, dass Sie während der Privatinsolvenz “brav” sind. Das sind die gesetzlichen “Obliegenheiten”:
  • Der Insolvenzantrag muss vollständig und richtig sein
  • Sie verheimlichen keine Vermögenswerte
  • Die Gläubigerliste ist vollständig
  • Sie üben eine “angemessene Erwerbstätigkeit” aus
  • Veränderungen Ihrer finanziellen Verhältnisse teilen Sie mit
  • und so weiter

Das wars auch schon mit den nachteiligen Auswirkungen einer Privatinsolvenz. Sie sehen: Die Erteilung der Restschuldbefreiung ist gar nicht schwer. Ich schätze die Erfolgsquote auf über 95 % und bin mir sicher, dass auch Sie die Privatinsolvenz erfolgreich abschließen werden.


So lange dauert die Privatinsolvenz

Die Privatinsolvenz dauert zwischen einem Jahr und sechs Jahren. Die Dauer richtet sich danach, wie viel Geld Sie während der Privatinsolvenz für die Gläubiger erwirtschaften werden. Die gesetzlichen Regeln zur Dauer der Privatinsolvenz habe ich Ihnen hier zusammengestellt:

6 Jahre, wenn Sie überhaupt nichts erwirtschaften, beispielsweise weil Ihr Einkommen unter der Pfändungsgrenze gemäß Insolvenztabelle liegt und weil es kein Vermögen zu verwerten gibt.
5 Jahre, wenn Sie während der ersten fünf Jahre die Kosten für das Gericht und die Insolvenzverwaltung erwirtschaftet haben. Die Verfahrenskosten einer Privatinsolvenz betragen ca. 2.700 €. (Aus diesem Grund zahlen viele Schuldner monatlich freiwillig ca. 40 € in die Insolvenzkasse ein.)
3 Jahre, wenn Sie bis dahin 35 % der Schulden plus die Gebühren für das Gericht und Insolvenzverwalter erwirtschaftet haben. (Das schafft fast niemand, weil die Gebühren für den Insolvenzverwalter bis zu 40% des erwirtschafteten Geldes betragen.)
1 Jahr, wenn Sie einen Sponsor auftreiben können, der einen Insolvenzplan bzw. eine Planinsolvenz finanziert.

Vorsicht bei Fremdantrag
Auch einer Ihrer Gläubiger kann gegen Sie einen Insolvenzantrag stellen. Bei Privatpersonen kommen Fremdanträge jedoch selten vor. Bei Gewerbetreibenden hingegen sind Fremdanträge gang und gäbe. Bezahlt ein Gewerbetreibender beispielsweise keine Steuern, wird das Finanzamt mit Sicherheit irgendwann einen Insolvenzantrag stellen. Kommt es zu einem Fremdantrag, müssen Sie sofort reagieren. Suchen Sie einen Anwalt auf. Dieser muss für Sie innerhalb von 10 Tagen einen Eigenantrag auf Privatinsolvenz stellen. Sonst sind Sie von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen.

Telefonische Erstberatung anfordern
Falls Sie eine Frage zur Privatinsolvenz haben oder zur Kontaktaufnahme oder wünschen Sie einen Beratungstermin, bitte hier E-Mail eintragen und absenden. Ich melde mich.


Privatinsolvenz anmelden

Die Privatinsolvenz dient dazu, dass Sie nach drei, fünf oder sechs Jahren wieder schuldenfrei sind. Als Gegenleistung für die Befreiung aus den Schulden zahlen Sie unter der Aufsicht eines Insolvenzverwalters einen Teil der Schulden zurück.

Die Höhe der Schulden, die Sie zurückzahlen müssen, richtet sich nach ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Liegt Ihr Einkommen unter der gesetzlichen Pfändungsgrenze, müssen Sie gar nichts bezahlen und erhalten die Restschuldbefreiung trotzdem. Liegt Ihr Einkommen darüber, gilt die Faustregel, dass der über der Pfändungsgrenze liegende Einkommensanteil zu zwei Dritteln pfändbar ist.

Für alle betroffenen Schuldner, die es nicht mehr schaffen, ihr Schuldenproblem aus eigener Kraft zu lösen, ist die Privatinsolvenz eine wirkliche Lösung. Eine Privatinsolvenz mit der Aussicht wieder schuldenfrei zu sein, ist allemal besser als jahrelange Schuldenqual ohne Perspektive.

Die Frage, ob Sie mit der Privatinsolvenz sich entschulden können, ist leicht geklärt:

  • Sie sind in Deutschland gemeldet. Welcher Nationalität Sie angehören ist egal.
  • Sie sind zahlungsunfähig. Zahlungsunfähig bedeutet, dass Sie nicht mehr dazu in der Lage sind, überfällige Rechnungen, Kreditraten und sonstige Zahlungspflichten zu bedienen.
  • Sie sind nicht selbständig tätig. (Sind Sie selbständig tätig oder waren Sie es und haben mehr als 20 Gläubiger oder schulden Ihren ehemaligen Arbeitnehmern noch Arbeitslöhne oder Sozialabgaben, müssten Sie die Regelinsolvenz beantragen).
  • Sie haben von einem Anwalt oder einer Schuldenberatung ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren durchführen lassen, das erfolglos war. Hierüber liegt Ihnen eine Bescheinigung vor, die höchstens sechs Monate alt ist.

Nicht erforderlich für die Privatinsolvenz ist, dass Sie ein über ein eigenes Einkommen verfügen. Auch als Hausmann oder Hausfrau oder mit nur geringfügigem Einkommen oder mit Arbeitslosengeld oder Rente ist die Privatinsolvenz möglich. Bei geringem Einkommen streckt der Staat die Gerichtskosten vor. Hierzu stellen wir für Sie einen “Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten”. Die Abweisung Ihres Antrages auf Privatinsolvenz “mangels Masse” ist damit ausgeschlossen.

Haben Sie bereits eine Privatinsolvenz mit oder ohne Restschuldbefreiung durchlaufen, gelten folgende Wartezeiten für ein neues Verfahren:

  • 10 Jahre nach Erteilung der ersten Restschuldbefreiung
  • 5 Jahre nach Versagung der Restschuldbefreiung

Telefonische Erstberatung anfordern
Falls Sie eine Frage zur Privatinsolvenz haben oder zur Kontaktaufnahme oder wünschen Sie einen Beratungstermin, bitte hier E-Mail eintragen und absenden. Ich melde mich.


Privatinsolvenz beantragen

Die Vorbereitung Ihrer Privatinsolvenz wird Sie einiges an Mühe kosten. Das amtliche Antragsformular für die Privatinsolvenz ist sehr umfangreich und beinhaltet rund 40 Seiten und 700 Felder zum Ausfüllen. Das Ausfüllen des Insolvenzantrages übernimmt für Sie selbstverständlich unser Beratungsteam. Aber das Heraussuchen und Zusammenstellen der für den Insolvenzantrag erforderlichen Unterlagen wie beispielsweise Einkommensnachweise und Gläubigerpost müssen Sie leider selbst erledigen. Dabei können wir Ihnen nicht helfen, weil wir weder Ihre persönlichen Verhältnisse kennen und auch nicht wissen, wer Ihre Gläubiger sind.

Der Aufwand lohnt sich aber. Hat das Gericht Ihr Insolvenzverfahren eines schönen Tages eröffnet, stehen Sie unter Gläubigerschutz. Gläubigerschutz bedeutet, dass kein Gläubiger mehr gegen Sie vorgehen und vollstrecken darf. Die Postflut endet. Drohbriefe und Gerichtsvollzieher sind Vergangenheit. Zwar müssen Sie während der Privatinsolvenz Ihre pfändbaren Einkommensanteile abführen. Aber das ist gar nicht so viel. Die meisten Schuldner leben vor der Privatinsolvenz von noch weniger Geld, weil sie Schulden abzahlen. Sie haben in der Privatinsolvenz effektiv mehr Geld zur Verfügung, als wenn sie Schulden ableisten.

Die Privatinsolvenz erleben fast allen Schuldner als Befreiung. Die Privatinsolvenz gibt eine Perspektive, bald wieder schuldenfrei zu sein.

Das sind die einzelnen Schritte:

Schritt 1: Sammeln und sortieren Sie die Gläubigerpost

Beginnen Sie die Privatinsolvenz mit dem Sammeln und Sortieren aller Unterlagen und insbesondere der Gläubigerpost. Mit “Gläubigerpost” meine ich alle Verträge, Rechnungen, Drohbriefe, Mahnungen, Gerichtsurteile, Vollstreckungsbescheide, usw. der Gläubiger.

Sortieren Sie die Korrespondenz nach Gläubigern. Hierzu ordnen Sie die Gläubiger-Schreiben beispielsweise in einen Ringbuchordner ein. Für jeden Gläubiger legen Sie ein Trennblatt an und heften die Gläubigerpost darunter ab, das neueste Schreiben bitte obenauf.

Bei den Gläubigern ist es wichtig, dass Sie möglichst alle erfassen. Auf die Höhe der Schulden kommt es nicht so sehr an, weil wir diese ohnehin abfragen werden. Zur Anschrift eines Gläubigers gehört auch sein Bearbeitungszeichen wie Rechnungsnummer, Kundennummer, usw. Bitte unbedingt angeben.

Unterscheiden Sie außerdem zwischen dem Gläubiger und seinem Vertreter. Gläubiger-Vertreter wäre beispielsweise das Inkasso oder die Anwaltskanzlei. Nicht dem Gläubiger-Vertreter schulden Sie Geld, sondern dem Gläubiger.

In Ihren Ringbuchordner können Sie auch die weiteren Nachweise einsortieren, die wir für den Insolvenzantrag brauchen werden. Jeder Eintrag in das Insolvenzantrag-Formular muss mit einem Nachweis unterlegt sein. Beispielsweise benötigen wir für Ihr Einkommen einen Einkommensnachweis, für Ihre Mietkosten den Mietvertrag, für Ihr P-Konto einen Kontoauszug, für Ihre Lebensversicherung die Versicherungspolice, für das Auto den Fahrzeugbrief und -schein, usw. Anschließend können Sie uns den Ringbuchordner auf dem Postwege übersenden und uns mit Ihrer Privatinsolvenz beauftragen.

So war es früher. Leben Sie bereits im digitalen Zeitalter, benutzen Sie unsere schuldenfrei-App. Dort ist der gesamte Prozess des Insolvenzantragsverfahrens digital abgebildet. Die erforderlichen Nachweise können Sie abfotografieren und in die App hochladen.

Schritt 2: Richten Sie ein Pfändungsschutzkonto ein

Eröffnen Sie zur Vorbereitung der Privatinsolvenz ein Pfändungsschutzkonto. Die Bank, bei der Sie das P-Konto einrichten, darf kein Gläubiger sein. Das Pfändungsschutzkonto ist für die Privatinsolvenz ein absolutes Muss. Nur das P-Konto schützt während der Privatinsolvenz vor Pfändung. Ohne Pfändungsschutzkonto würde Ihr Kontoguthaben bei Insolvenzeröffnung eingezogen.

Leiten Sie Ihr Einkommen anschließend auf das P-Konto um. Lastschriften und Einzugsermächtigungen können Sie auch für ein P-Konto erteilen. Also erteilen Sie Lastschriften für alle Vertragsverhältnisse, die Sie erhalten möchten, beispielsweise die Miete und das Telefon. Lastschriften, die Sie nicht mehr erfüllen wollen wie zum Beispiel ein teures Fahrzeugleasing, widerrufen Sie einfach. Der Vertragspartner kündigt nach zweimaliger Säumnis der Monatsrate automatisch.

Das Pfändungsschutzkonto ist gewöhnungsbedürftig. Das Guthaben darf die Pfändungsgrenze nicht übersteigen und zu Monatsende muss der Kontostand bei Null sein. Andernfalls würde die Bank das Guthaben abschöpfen. Die Pfändungsgrenze für das P-Konto beginnt bei 1.140 €. Bestehen Unterhaltspflichten, steht Ihnen eine höhere Freigrenze zu. Wir stellen Ihnen die hierzu erforderliche Bescheinigung aus.

Schritt 3: Dann stellen Sie alle Zahlungen ein

Spätestens jetzt stellen Sie alle Zahlungen an die Gläubiger ein. Weil Sie eine Privatinsolvenz beantragen, ist jede weitere Zahlung an Gläubiger verschwendet. Dauerschuldverhältnisse, die Sie los werden wollen, wie beispielsweise ein zu teures Fahrzeug-Leasing oder eine langfristige Mitgliedschaft im Fitness-Center bezahlen Sie ebenfalls nicht mehr. Nach zweimaligem Ausbleiben der Monatsrate werden die Vertragspartner kündigen und Sie sind sie los. Vergessen Sie dann nicht, diesen ehemaligen Vertragspartner mit auf die Gläubigerliste zu setzen.

Ergibt sich aufgrund der Einsparungen ein Kontoguthaben, heben Sie dieses in Bar ab und geben es aus oder legen es in die Keksdose. Sie sind nicht verpflichtet, das Geld auf den Konto zu belassen, damit man es Ihnen leichter wegenehmen kann.

Schritt 4: Abwägen, ob Sie Wertgegenstände vor dem Insolvenzverwalter verstecken

Als Faustregel gilt: Ihre Wohnungseinrichtung und Kleidung ist für den Insolvenzverwalter tabu. Ebenfalls das Guthaben auf dem Pfändungsschutzkonto. Alles andere Vermögen wie Lebensversicherungen oder Auto wird Insolvenzmasse. Man darf es Ihnen wegnehmen und verwerten.

Die meisten Schuldner, die noch eine Lebensversicherung, ein Auto oder einen anderen wertvollen Vermögensgegenstand besitzen, denken darüber nach, ob Sie diesen Gegenstand im Insolvenzantrag angeben oder besser verstecken.

Ob man das Vermögen im Insolvenzantrag angibt oder versteckt, muss jeder Schuldner für sich selbst entscheiden. Natürlich ist das Verstecken von Vermögensgegenständen kurz vor der Insolvenz verboten.

Erwischt Sie der Insolvenzverwalter, müssen Sie den Gegenstand sofort herausgeben. Haben Sie es mit dem Verstecken übertrieben, müssen Sie mit der Versagung der Restschuldbefreiung rechnen. Dann war die ganze Mühe umsonst.

Das Risiko, dass der Insolvenzverwalter von einem verschwiegenen Konto oder Lebensversicherung erfährt, ist enorm. Lassen Sie dies besser bleiben. Auch die Übertragung des Autos auf Mutti, um bei ihr die Schulden zu bezahlen, wird nicht funktionieren. Sie müssen dann schon kreativer sein.

Schritt 5: Gehen Sie zum Anwalt oder zur Schuldenberatung

Wenn Sie eine Privatinsolvenz beantragen wollen, müssen Sie vorher zum Anwalt oder zur Schuldenberatungsstelle gehen. Der Anwalt oder Schuldenberater muss für Sie zunächst ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren durchführen, bevor er den Antrag bei Gericht abgeben kann.

Im außergerichtlichen Schuldenreinigungsverfahren muss der Berater eine außergerichtlichen Schuldenregulierung mit Ihren Gläubigern versuchen. Das klappt zwar nur ganz ausnahmsweise und ist deswegen eigentlich überflüssig, aber das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren ist nun mal gesetzlich vorgeschrieben. Also ziehen wir es durch.

Der Regulierungsversuch erfolgt anhand einem gesetzlich vorgeschriebenen Formular. Der Berater schreibt die Gläubiger an und erfragt den aktuellen Schuldenstand. Danach wird den Gläubigern ein Rückführungsangebot unterbreitet.

Die Höhe des Angebotes entspricht in der Regel genau dem, was die Gläubiger auch bei der Privatinsolvenz erhalten würden plus die Einsparung der Verfahrenskosten. Das ist den Gläubigern meist zu wenig und der außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan wird abgelehnt. Die Ablehnung kommt uns aber sehr gelegen, denn nun sind die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und wir können die Privatinsolvenz endgültig bei Gericht beantragen.

Schritt 6: Gläubiger anschreiben und der Schuldenbereinigungsplan

Bis jetzt war die Vorbereitung Ihr Part, nun übernehmen wir für Sie. Nach der Sichtung Ihrer Unterlagen schreiben wir als ersten Schritt die Gläubiger an. Diese müssen uns den aktuellen Schuldenstand angeben. Auf dieser Grundlage können wir den richtigen Schuldenstand in die Gläubigerliste für den Insolvenzantrag eintragen.

Ist die Gläubigerliste richtig und vollständig werden wir als nächsten Schritt den außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan für die Privatinsolvenz durchführen. Mit Hilfe des außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan soll ich als Ihr anwaltlicher Vertreter versuchen, mich mit den Gläubigern zu vergleichen.

Der außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan soll die Privatinsolvenz vermeiden. Das ist vom Gesetzgeber gut gemeint. In der Praxis klappt die Einigung mit den Gläubigern mit Hilfe des außergerichtlichen Schuldenbereingungsplans so gut wie nie.

Schritt 7: Den Insolvenzantrag final ausfertigen

Parallel zur außergerichtlichen Schuldenbereinigung bringen wir das Formular für die Privatinsolvenz auf Vordermann. Wie oben bereits beschrieben ist das Formular sehr umfangreich. Damit Sie daran nicht verzweifeln, füllen wir das Formular für Sie aus. Zu dem Insolvenzantrag kommen die Anlagen, wie Mietvertrag, Einkommensnachweis, usw. hinzu. Schließlich fügen wir die Gläubigerliste bei, samt unserer Bescheinigung, dass der außergerichtliche Schuldenbereinigungsversuch erfolglos war.

Alles zusammen reichen wir nach Ihrer Unterschrift zu Gericht. Je nach dem Zustand und Aktualität Ihrer Unterlagen dauert die Vorbereitung der Privatinsolvenz zwischen zwei und vier Monate. Das ist so. Die Zeitdauer lässt sich nicht beschleunigen. Wer etwas anderes behauptet, arbeitet unsauber oder sagt nicht die Wahrheit.

Schritt 8: Das Gericht eröffnet Ihre Privatinsolvenz

Wiederum zwei bis vier Wochen später, nachdem wir die die Privatinsolvenz beantragt haben, erlässt das Gericht einen Beschluss. Mit dem Beschluss eröffnet das Insolvenzgericht das Privatinsolvenz-Verfahren. Ab sofort gilt der oben beschriebenene Pfändungsschutz. Sie dürfen von Gesetzes wegen keine alten Schulden mehr bezahlen.

Privatinsolvenz bis zur Restschuldbefreiung

Das Insolvenzverfahren ist im wesentlichen ein schriftliches Verfahren. Das heißt, es gibt keine Gerichtsverhandlungen, wie man diese beispielsweise von Zivilverfahren kennt. Statt Gerichtsverhandlungen wird es wenn überhaupt lediglich Prüfungstermine geben, in welchen Ihre Insolvenzschulden verbindlich bestimmt werden. Ihre persönliche Anwesenheit ist zu keinem dieser Termin erforderlich.

Das Insolvenzgericht wird in der Regel nur schriftlich aktiv insbesondere indem es verfahrensleitende Beschlüsse erlässt. Statt dessen delegiert das Insolvenzgericht einen Teil seiner hoheitlichen Macht an einen Insolvenzverwalter. Diesem müssen Sie Rede und Antwort stehen.

Freunden Sie sich mit dem Insolvenzverwalter an

Kurze Zeit nachdem das Insolvenzverfahren eröffnet ist, erhalten Sie Post vom Insolvenzverwalter. Der Insolvenzverwalter ist ein auf Insolvenzrecht spezialisierter Rechtsanwalt und wird gerichtlich bestellt. Der Insolvenzverwalter vertritt hauptsächlich die Gläubiger-Interessen. Auch wenn er Ihnen anfangs freundlich erscheint. Behandeln Sie ihn mit großem Respekt und fallen Sie nicht auf Nettigkeiten herein. Ihr Verhältnis lässt sich vielleicht am besten mit einem Märchen vergleichen: Sie sind das Rotkäppchen und er die Großmutter …

Das war natürlich nur Spaaaß! Der Insolvenzverwalter wird Sie zeitnah zu einem ersten Interview in seine Kanzlei einladen. Nur ganz ausnahmsweise besuchen Insolvenzverwalter den Schuldner zuhause in der Wohnung.

Der Insolvenzverwalter wird Ihnen erklären, welche Unterlagen er von Ihnen haben will. Es ist sein Job, sehr neugierig zu sein und Ihre finanziellen Verhältnisse vollständig aufzuklären. Widerstand ist zwecklos, der Insolvenzverwalter sitzt eindeutig am längeren Hebel. Gehen Sie Ärger aus dem Weg und versorgen Sie ihn mit allem, was er von Ihnen haben will.

Falls Sie über pfändbares Einkommen verfügen, schreibt der Insolvenzverwalter den Arbeitgeber an und zieht dort die pfändbaren Einkommensanteile ein. Damit er die Höhe des pfändbaren Einkommensanteils richtig berechnen kann, bitte ihm stets den aktuellen Gehaltsnachweis übersenden – und war auch dann, wenn er ihn gar nicht haben will.

Nehmen die Prüfung der Anfechtung gelassen

Weil zur Insolvenzmasse nicht nur das pfändbare Einkommen und Ihr wertvolles Vermögen gehört, sondern auch etwaige Rückerstattungsansprüche der Ihrerseits getätigten unausgewogenen Geschäfte, wird der Insolvenzverwalter auch Ihre finanzielle Vergangenheit unter die Lupe nehmen.

Haben Sie beispielsweise Ihr Auto im Wert von 10.000 € kurz vor der Insolvenz für 500 € an Ihren Freund verkauft oder ein Kontoguthaben von 5.000 € geplündert und im Wald vergraben, würde der Insolvenzverwalter dieses Geschäft anfechten und das Geld zur Insolvenzmasse ziehen.

Die Ermittlungen des Insolvenzverwalters müssen Sie sich einfach gefallen lassen und auch hier dem Insolvenzverwalter zuarbeiten. Aber wir gehen natürlich davon aus, dass Sie nichts versteckt haben. Die Anfechtungsprüfung findet nur anfangs statt. Nach drei Monaten ist erfahrungsgemäß die Neugierde des Insolvenzverwalters befriedigt. Die Pivatinsolvenz hat sich eingespielt und plätschert in ruhigem Fahrwasser vor sich hin.

Der Prüfungstermin der Insolvenzschulden bei Gericht

Nachdem die Privatinsolvenz ungefähr drei Monate gelaufen ist, findet beim Insolvenzgericht der Prüfungstermin Ihrer Insolvenzschulden statt. Der Prüfungstermin widmet sich Ihren Schulden. Das Gericht prüft, ob die Forderungen Ihrer Gläubiger überhaupt berechtigt sind. Ist dies der Fall, trägt das Gericht diese Forderung mit dem Vermerk: “festgestellt” in das Gläubigerverzeichnis ein. Ist die Forderung unberechtigt, wird sie bestritten.

Nach dem Prüfungstermin wird der Insolvenzverwalter nach und nach das Interesse an Ihnen verlieren, weil alle Fragen zu Ihren finanziellen Verhältnissen inzwischen geklärt sein sollten. Der Kontakt zum Insolvenzverwalter beschränkt sich schließlich darauf, dass Sie einmal jährlich einen Fragebogen ausfüllen müssen.

Verhalten gegenüber dem Insolvenzgericht

Mit dem Insolvenzgericht werden Sie nur unter besonderen Umständen in Berührung kommen. Die Privatinsolvenz ist ein so genanntes schriftliches Verfahren, also ohne Gerichtsverhandlung vor dem Richter.

Einziger Gerichtstermin ist der so genannte Prüfungstermin. In diesem sitzen der Insolvenzverwalter und der zuständige Rechtspfleger in einer Amtsstube und beschließen, welche Ihrer Schulden – oder anders ausgedrückt: welche Forderungsanmeldungen der Gläubiger – anerkannt werden und welche nicht.

Ihnen kann das Ergebnis des Prüfungstermins egal sein und zum Prüfungstermin müssen Sie auch nicht erscheinen. Davon gibt es allerdings eine wichtige Ausnahme: Ein Gläubiger hat eine Forderung aus dem Rechtsgrund der vorsätzliche begangenen unerlaubten Handlung geltend gemacht. Das wäre immer dann der Fall, wenn der Gläubiger Ihnen unterstellt, dass die Schulden aufgrund einer Straftat entstanden sind.

Gegen derartige Unterstellungen müssen Sie sich entschieden zu Wehr setzen, sonst gibt es für diese Schuld keine Restschuldbefreiung. Gehen Sie zu dem Prüfungstermin und widersprechen Sie dieser Forderung.

Kommen Sie Ihren Obliegenheiten nach

Das Wort “Obliegenheiten” steht so im Gesetz. Gemeint sind damit Ihre Pflichten, die Sie befolgen müssen, um die Restschuldbefreiung zu erhalten. Ob Sie Ihren Obliegenheiten nachkommen, überwacht der Insolvenzverwalter. Diese Aufgabe wird von den Insolvenzverwaltern unterschiedlich ernst genommen. Deshalb ist es ein bisschen Schicksal, welchen Insovlenzverwalter man erhält. Je nachdem wird das Insolvenzverfahren für Sie einfacher oder schwieriger werden.

Ihre Erwerbsobliegenheit in der Privatinsolvenz
Sie müssen in der Insolvenz eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben. Angemessen ist die Erwerbsobliegenheit, wenn Ihr tatsächlicher Verdienst in Etwa dem Durchschnittseinkommen Ihrer Berufsausbildung entspricht. Beispielsweise würde ein Arzt gegen die Erwerbsobliegenheit verstoßen, wenn er nur 1.000 EUR netto verdient.

Die Pflicht der Erwerbsobliegenheit sollten Sie zu Ihrer Rechtfertigung ständig berücksichtigen, aber ganz streng ist es auch nicht. Mit guten Argumenten kann man viel optimieren. Hat der Arzt beispielsweise diesen Beruf jahrelang nicht mehr ausgeübt, wäre das von ihm erwartete Einkommen weitaus geringer.

Sie dürfen in der Insolvenz auch eine Ausbildung starten ohne pfändbares Einkommen. Notfalls zahlt man freiwillig 50 oder 100 €, um den Verlust an pfändbaren Einkommen zu kompensieren.

Über Schenkung und Erbschaft informieren
Ihre zweite Pflicht in der Privatinsolvenz ist es, dem Insolvenzverwalter und dem Gericht eine Schenkung oder Erbschaft sofort mitzuteilen. Mit “sofort” ist auch wirklich sofort gemeint. Während der Laufzeit der eigentlichen Insolvenz gehen Schenkung oder Erbschaft zu 100 % in die Insolvenzmasse, in der Wohlverhaltensperiode zu 50 %. Lassen Sie sich während der Privatinsolvenz also nichts schenken. Falls Sie erben, dürfen Sie die Erbschaft auch ausschlagen. Möglicherweise wird sich der Nacherbe später erkenntlich zeigen.
Adressänderung, Arbeitgeberwechsel anzeigen
Denken Sie daran bei einem Umzug Ihre neue Anschrift mitzuteilen. Zeigen Sie dem Gericht und dem Insolvenzverwalter auch den neuen Arbeitgeber an. Übersenden Sie hierzu am besten den neuen Arbeitsvertrag. Der Insolvenzverwalter wird den neuen Arbeitgeber anschreiben und den pfändbaren Einkommensanteil verlangen.

Haben Sie Bedenken, dass Sie den Arbeitsplatz in der Probezeit gleich wieder verlieren, sobald der Arbeitgeber von der Insolvenz erfährt, schlagen Sie dem Insolvenzverwalter vor, dass Sie freiwillig bis zum Ende der Probezeit den pfändbaren Einkommensanteil berechnen und zusammen mit einem kleinen Risikozuschlag an den Insolvenzverwalter abführen. Mancher lässt sich darauf ein, mancher bleibt bockig.

Keine Zahlungen an Insolvenzgläubiger
Die letzte Obliegenheit in der Privatinsolvenz ist das Verbot, in der Insolvenz die Gläubiger zu bedienen. Das klingt logisch, hat aber weitreichende Folgen. Besaßen Sie vor der Insolvenz beispielsweise ein Fahrzeug im Leasing oder Finanzierung, dürfen Sie diese Raten in der Insolvenz nicht mehr ohne weiteres bedienen. Denn der Leasingvertrag ist vor der Insolvenzeröffnung entstanden und somit eine Insolvenzforderung. Die Fortführung derartiger Verträge in der Insolvenz ist zwar durchaus möglich, aber hierzu müsste der Insolvenzverwalter die Freigabe des Vertrages aus der Insolvenzmasse erklären.

Die Wohlverhaltensphase in der Privatinsolvenz

Die eigentliche Privatinsolvenz dauert zwischen ein und zwei Jahre. Danach geht das Insolvenzverfahren in die Wohlverhaltensphase über. In der Wohlverhaltensphase ist nur noch das pfändbare Einkommen abgetreten. Der Eintritt in die Wohlverhaltensphase beginnt nach dem so genannten Schlusstermin bei Gericht. Das Gericht wird Sie über den Termin informieren. Persönlich erscheinen müssen Sie aber nicht.

Nachdem das Gericht das eigentliche Insolvenzverfahren beendet und die Wohlverhaltensphase angeordnet hat, haben Sie das Gröbste auch schon geschafft. Die Pfändung Ihres Einkommens geht jedoch weiter.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Ihre in der Insolvenz gepfändeten Einkommensanteile zusammen mit dem sonstigen eingezogenen Vermögen auf mindestens 35 % plus Verfahrenskosten angewachsen sind, beendet das Gericht die Privatinsolvenz bereits nach drei Jahren. Stellen Sie hierzu ca. drei Monate vor Ablauf der Dreijahresfrist einen Antrag bei Gericht, auf Verkürzung des Insolvenzverfahrens.

Bekommen Sie das Geld für die Beendigung nach drei Jahren nicht zusammen, läuft die Wohlverhaltensphase einfach weiter. Sie haben die Möglichkeit auf eine Verkürzung auf fünf Jahre, wenn sich bis dahin beim Insolvenzverwalter ein Betrag in Höhe von ca. 2.700 € angesammelt hat. Von den 2.700 € bezahlt der Insolvenzverwalter die Verfahrenskosten und beendet das Verfahren.

Notfalls fragen Sie den Insolvenzverwalter und geben noch Geld dazu, um die vorzeitige Beendigung der Insolvenz zu erreichen. Weil Sie die Verfahrenskosten früher oder später doch bezahlen müssen, ist das Geld für die Verfahrenskosten nicht verloren.

Verkürzen Sie die Privatinsolvenz auf maximal 1 Jahr

Falls Sie Glück haben und Ihnen ein Sponsor für den Insolvenzplan zur Verkürzung der Privatinsolvenz auf wenige restliche Monate zur Seite steht, würden wir jetzt mit der Planinsolvenz beginnen. Wir würden den Insolvenzplan ausarbeiten, mit den Beteiligten abstimmen und anschließend bei Gericht einen Abstimmungstermin beantragen. Wir würden die Gläubiger abstimmen lassen und die Sonderzahlung des Sponsors auskehren. Danach würde das Gericht das Insolvenzverfahren sofort aufheben und Sie wären nach wenigen Monaten schuldenfrei.

Gibt es keinen wohlmeinenden Sponsor in Ihrem Leben, läuft die Planinsolvenz normal weiter: Sie übersenden dem Insolvenzverwalter stets die Gehaltsnachweise und der Insolvenzverwalter zieht das pfändbare Einkommen ein.

Die Erteilung der Restschuldbefreiung

Am Schluss der Privatinsolvenz steht die Erteilung der Restschuldbefreiung. Bevor das Gericht die Restschuldbefreiung erteilt, gibt es den Gläubigern nochmals Gelegenheit zur Stellungnahme. Gläubiger können nunmehr letztmalig einen Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung gegen Sie stellen.

Derartige Versagungsanträge sind selten, aber sie kommen hin und wieder vor. Dann steht viel auf dem Spiel und Sie müssen sich unbedingt wehren. Geben Sie zum letzten Gefecht jetzt nicht auf, sondern setzen Sie sich mit einem erfahrenen Anwalt zur Wehr. Viele Versagungsanträge lassen sich mit guten Argumenten abwenden.

Hier finden Sie die gesetzlichen Versagungsgründe:

  • Ein Gläubiger wendet ein, dass Sie das Insolvenzantragsformular damals bei Antragstellung nicht vollständig und richtig ausgefüllt haben.
  • Sie sind in einem Zeitraum von 5 Jahren vor dem Insolvenzantrag wegen einer Insolvenzstraftat gem. §§ 283 – 283c StGB verurteilt worden.
  • Sie haben in einem Zeitraum von 3 Jahren vor dem Antrag falsche schriftliche Angaben über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse gegenüber Banken oder Behörden gemacht.
  • Sie sind in einem Zeitraum von 3 Jahren vor dem Antrag unangemessene Verbindlichkeiten eingegangen oder haben Ihr Vermögen verschwendet.
  • Sie haben die Eröffnung des Insolvenzverfahrens verzögert.
  • Sie haben gegen die Auskunfts- und Mitwirkungspflichten verstoßen.
  • Sie sind ihrer Erwerbsobliegenheit nicht angekommen.

Hört sich schlimm an, ist es aber nicht. Wie bereits beschrieben, Anträge der Gläubiger auf Versagung der Restschuldbefreiung sind selten.

10 Tipps zur Privatinsolvenz

Lesen Sie hier meine Tipps zur Privatinsolvenz und Sie werden bestens darauf vorbereitet sein.

Sind Sie “reif” für eine Privatinsolvenz?

So richtig über die Schulden bewusst, werden sich die Betroffenen sobald die erste Pfändung droht. Dann geben die Betroffenen alles und wollen eine Pfändung oder den Besuch des Gerichtsvollziehers um jeden Preis vermeiden. Häufig höre ich das Zitat: „Wir leben vom Kindergeld, vom normalen Einkommen bezahlen wir Schulden“.

Dieser Zustand wird jahrelang durchgehalten. Erst nachdem sich stressbedingt ernsthafte Gesundheitsprobleme einstellen und schließlich gar nichts mehr geht, suchen die Betroffenen nach Hilfe.

Die jahrelange Quälerei muss nicht sein. Wenn die Schuldenfalle zuschnappt, dann ist das eben so. Man sollte sich nichts vormachen. Wie kann man beispielsweise bei einem Gehalt von 1.200 EUR jemals 20.000 EUR Schulden zurückzahlen? Ist der Kredit bereits gekündigt, zahlen Sie mindestens 2.500 EUR Zinsen pro Jahr.

Leider wissen viele Betroffene nicht, dass sie nur den pfändbaren Teil ihres Einkommens für Schulden aufwenden müssen. Anstelle sich auf die Pfändungsgrenzen zu berufen, bringen die Betroffenen lieber jeden Cent zur Begleichung der Schulden auf. Geld zum Leben bleibt da nicht übrig. Rechnungen werden geschoben, es entstehen neue Löcher.

Wer in einer ähnlichen Situation steckt, sollte vernünftig sein. Er sollte alle Zahlungen einstellen und eine Privatinsolvenz beantragen. Mit der Privatinsolvenz enden alle Pfändungsversuche und nach sechs Jahren ist man schuldenfrei. Auch wenn dies eine lange Zeit ist, so besteht zumindest wieder Hoffnung und in das Leben kehrt wieder Ruhe ein.

Wenn Ihnen nach Abzug der Kreditraten zum Leben weniger als die gesetzliche Pfändungsgrenzen bleibt, sind die Schulden außer Kontrolle geraten. Spätestens dann sind Sie reif für die Privatinsolvenz.

Falls möglich verkürzen Sie die Privatinsolvenz auf ein Jahr

Seit mehreren Jahren ist es gesetzlich möglich, die durchschnittlich fünfjährige Laufzeit der Privatinsolvenz auf maximal ein Jahr zu verkürzen. Die Verkürzung der Privatinsolvenz erfolgt mit einem Insolvenzplan oder auch Planinsolvenz genannt.

Der Insolvenzplan ist letztendlich ein Schuldenvergleich unter gerichtlicher Aufsicht, den Sie den Gläubigern anbieten und über den die Gläubiger in einem Gerichtstermin abstimmen. Im Gegensatz zum Schuldenvergleich müssen beim Insolvenzplan nicht alle Gläubiger zustimmen. Eine einfache Mehrheit der zum gerichtlichen Abstimmungstermin persönlich anwesenden Gläubiger reicht aus. Genau diese gesetzliche Regelung ist Ihre Chance!

Erfahrungsgemäß interessieren sich Gläubiger nicht für den Ausgang einer Planinsolvenz. Oft stehe ich im Termin alleine da. Sie können mit Sicherheit davon ausgehen, dass Banken, Finanzämter, Inkassobüros usw. aus Kostengründen nicht zu Abstimmungsterminen erscheinen.

Verfügen Sie nun über einen wohlgesonnenen Gläubiger, der im Idealfall als einziger erscheint und stimmt dieser für den Insolvenzplan, gilt der Insolvenzplan als angenommen. Alle anderen Gläubiger müssen sich fügen. Zwei Wochen später wird Insolvenzverfahren aufgehoben und Ihnen wird die Restschuldbefreiung erteilt. Damit sind Sie wie versprochen innerhalb der Jahresfrist schuldenfrei.

Damit Ihr Insolvenzplan gelingt, sind zwei Dinge wichtig: Sie brauchen einen Sponsor, der die Zahlung eines Geldbetrages an die Gläubiger verspricht, sollten diese dem Insolvenzplan zustimmen.
Und Sie benötigen mindestens einen wohlgesonnenen Gläubiger, der zum Abstimmungstermin persönlich bei Gericht erscheint und für Ihren Insolvenzplan stimmt.

Hilft Ihnen ein Sposor mit einer Sonderzahlung aus, verkürzen Sie die lange Privatinsolvenz in Rekordzeit auf maximal ein Jahr.

Sammeln und ordnen Sie die Gläubigerpost

Mit „Gläubigerpost“ meine ich alle Drohbriefe, Mahnungen, Gerichtsurteile, Mahn- und Vollstreckungsbescheide, Pfändungsprotokolle sowie Protokolle zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung.

Heften Sie die Gläubigerpost am besten in einen Ringbuchordner, sortiert nach Gläubigern, den jeweils aktuellsten Schriftwechsel obenauf. Wichtig ist es, dass Sie alle Gläubiger erfassen. Auf die genaue Höhe der Schuld kommt es nicht an, weil wir den Schuldenstand ohnehin abfragen.

Anhand Ihres Ringbuchordners werden wir die Gläubigerliste des Insolvenzantrages ausfüllen. Das ist komplizierter, als Sie denken. Es reicht nicht, die Gläubigeranschriften nur ungefähr zu benennen, sondern die Anschriften müssen zustellungsfähig sein.

Zustellungsfähig bedeutet, sämtliche Aktenzeichen der Gläubiger, genauestes Benennen der Firmennamen, Namen der vertretungsberechtigten Geschäftsführer, usw. Gläubiger und Gläubigervertreter dürfen ebenfalls nicht verwechselt werden. Der Gläubiger ist die Stelle, der man Geld schuldet. Der Gläubigervertreter hingegen treibt das Geld für den Gläubiger ein. Ein Inkassobüro kann also niemals ein Gläubiger sein. Bei der Gläubigerliste sind Richter äußerst penibel, kleinste Auffälligkeiten führen zu Beanstandungen des Gerichts.

Seien Sie sorgfältig beim Zusammenstellen der Gläubigerliste. Falls Sie unsicher sind ist es besser, den Gläubiger mit auf die Liste zu setzen als ihn wegzulassen.

Ein (neues) P-Konto einrichten

Zur Vorbereitung einer Insolvenz ist es besonders wichtig, dass Sie ein neues Gehaltskonto einrichten. Befindet sich das derzeitige Gehaltskonto im Minus, ist ein neues Konto geradezu überlebenswichtig. Mit dem neuen Konto vermeiden Sie zweierlei:

  • Kontopfändung: Weil das Konto neu ist und deswegen kein Gläubiger kennt, kann es vorläufig nicht gepfändet werden.
  • Totalverlust eines Monatseinkommens: Ist Ihr Gehaltskonto derzeit im Minus, wird die Bank das Konto schließen, sobald sie von der Insolvenz erfährt. Dann fehlt Ihnen ein Monatsgehalt. Die Freigabe ist nicht gerichtlich erzwingbar, weil die Bank Ihr Gehalt mit den Schulden verrechnen darf.
Eröffnen Sie deswegen ein Guthabenkonto bei einer neuen Bank. Die alte Bank behandeln Sie nun als Gläubiger und heften den Vorgang in den Gläubiger-Ringbuchordner ein. Die neuen P-Konten sind nur geeignet, falls Ihr Einkommen unterhalb der gesetzlichen Pfändungsgrenze liegt. Liegt es darüber, ist ein normales Guthabenkonto besser.

Haben Sie negative Schufa-Einträge und ist zu befürchten, dass Ihnen ein neues Konto verweigert wird, befolgen Sie bitte folgenden Tipp: Gehen Sie zu einer Bank, die Sie nicht kennt und sagen Sie folgenden Zauberspruch: Guten Tag, ich war in der Schuldenberatung, mein Anwalt schickt mich, ich muss ein Insolvenzverfahren machen und benötige ein neues Konto, mein altes Konto ist gesperrt. Das klappt immer und wenn nicht auf Anhieb, dann beim zweiten Mal.

Sobald das neue Konto eingerichtet ist, lassen Sie Ihr Einkommen dorthin überweisen. Ändern Sie außerdem alle wichtigen Zahlungen, wie Miete, Telefon, usw. Das neue Konto keinesfalls den alten Gläubigern verraten. Also auch nichts überweisen. Das neue Konto bleibt natürlich nur bis zum nächsten Offenbarungseid unentdeckt. Aber das dauert ein Weilchen und bis dahin sind Sie längst in der Privatinsolvenz.

Wenn das Konto im Minus ist oder bei den Gläubigern bekannt ist, eröffnen Sie schnellstmöglich ein neues Konto. Später für das Insolvenzverfahren muss das Konto ein Pfändungsschutzkonto sein

Stellen Sie die Zahlungen ein

Miete, Strom und alle anderen lebenswichtigen Dinge bedienen Sie natürlich weiter. Bei den anderen Gläubigern aber gibt es keine Ausnahme. Pleite ist pleite, Sie bezahlen nichts und niemanden mehr!

Selbst die Aufforderung des Gerichtsvollziehers zur Abgabe eines Vermögensverzeichnisses sollte Sie nicht zu weiteren Zahlungen bewegen. Mit der Privatinsolvenz wird die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses wirkungslos. Deshalb macht es keinen Sinn, wenn Sie sich davor drücken.

Sie müssen das Vermögensverzeichnis auf Verlangen des Gerichtsvollziehers zwar erklären, aber dies wirkt sich in keinster Weise auf die spätere Restschuldbefreiung aus. Sollten Sie nach Zahlungseinstellung von den Gläubigern Anrufe oder Post erhalten, ist es im Prinzip völlig egal, wie Sie darauf reagieren. Das Thema „Schulden“ ist für Sie erledigt, man soll Sie in Ruhe lassen. Endgültigen Pfändungsschutz erhalten Sie erst mit dem Gerichtsbeschluss über die Eröffnung der Insolvenz.

Nachdem das Einkommen auf ein anderes Konto umgeleitet ist, stellen Sie alle Zahlungen an die Gläubiger ein. Ein Guthaben stecken Sie unters Kopfkissen.

Retten Sie, was gerettet werden darf

Zur Vorbereitung einer Privatinsolvenz gehört die Überlegung, welches vorhandene Vermögen man vor der Insolvenz noch „retten“ darf. Im Prinzip dürfen Sie gar nichts retten, aber viele tun es trotzdem und hoffen, nicht erwischt zu werden. Ob Sie das genau so versuchen, entscheiden Sie selbst. Sicherlich wird es weiterhelfen, wenn Sie die Grenzen zwischen erlaubt und verboten kennen:

Erlaubt ist, wenn Sie Ihr Vermögen für den Lebensunterhalt Ihrer Familie maßvoll aufbrauchen. Maßvoll bedeutet: nicht wesentlich über den Pfändungsgrenzen.

Verdienen Sie beispielsweise bei einer Unterhaltspflicht 1.200 EUR netto, dürfen Sie vom Vermögen ca. 200 EUR monatlich zum Einkommen zugeben (auch ein höherer Betrag wird sicherlich noch toleriert). Erlaubt ist natürlich auch, wenn Sie vom Ersparten die Schulden abbauen. Wie und wem Sie das Geld verteilen, bleibt Ihnen überlassen.

Erhalten Sie während der Insolvenz eine Erbschaft, geht der volle Betrag an den Insolvenzverwalter und während der Wohlverhaltensperiode zur Hälfte. Sie dürfen die Erbschaft aber ausschlagen. Möglicherweise werden die Miterben sich erkenntlich zeigen.

Sparen Sie Vermögenswirksame Leistungen oder eine Lebensversicherung an, macht es keinen Sinn, diese weiter zu bezahlen. Darüber freut sich nur der Insolvenzverwalter. Besitzen Sie noch ein Auto? Dürfen Sie es im Insolvenzverfahren behalten? Nein, das Auto fällt in die Insolvenzmasse.

Eine Ausnahme besteht, wenn Sie das Auto für die Ausübung Ihres Berufs brauchen und der Arbeitgeber hierzu eine schriftliche Bestätigung erteilt. Sind Sie beispielsweise Schichtarbeiter und erreichen den Arbeitsplatz nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, besteht solch ein Ausnahmefall. Andernfalls müssen Sie das Fahrzeug dem Insolvenzverwalter zwecks Verwertung übergeben. Sie können ihr „eigenes“ Fahrzeug aber auch aus der Insolvenzmasse herauskaufen, indem Sie den aktuellen Schätzpreis bezahlen.

Möglich wäre aber auch, dass Ihnen ein Freund oder Verwandter ein Auto kauft und Sie damit fahren lässt. Die Kraftfahrzeugversicherung dürfen Sie auf Ihren Namen laufen lassen, Sie dürfen nur nicht Eigentümer des Fahrzeugs sein.

Überlegen Sie sich, was von Ihrem Vermögen vor der Insolvenz noch gerettet werden kann, z.B. indem Sie es verbrauchen.

Suchen Sie sich einen guten Berater

Suchen Sie sich von Beginn an einen Berater, der für Sie die Privatinsolvenz einleitet. Als Berater kommen entweder öffentliche Schuldenberatungsstellen oder spezialisierte Rechtsanwälte in Betracht. Beide Möglichkeiten bieten ihre Vor- und Nachteile.

Die öffentliche Schuldnerberatung kostet Sie kein Geld, Sie müssen jedoch lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Einige meiner Mandanten haben bereits eine öffentliche Schuldnerberatung aufgesucht, bevorzugen nach dieser Erfahrung jedoch lieber eine anwaltliche Beratung.

Die bessere Wahl sind meines Erachtens spezialisierte Rechtsanwälte. Ein solcher Rechtsanwalt müsste Ihren Antrag binnen drei Monaten bearbeitet und bei Gericht eingereicht haben. Er ist der Profi in allen Fragen zum Insolvenzverfahren.

Der Nachteil des Rechtsanwalts besteht darin, dass er Geld von Ihnen will und das ist in Ihrer Situation bekanntlich besonders knapp. Früher gab es hierzu Beratungshilfe, aber diese wurde nahezu vollständig abgeschafft.Damit Sie sich meine Beratung trotzdem leisten können, halte ich meine Gebühren so gering wie mir als Rechtsanwalt gemäß Gebührenordnung gerade noch erlaubt und eine Zahlung in Raten ist ebenfalls möglich.

Geben Sie lieber ein bisschen mehr Geld aus, für eine ordentliche Beratung. Die Kosten hierfür holen Sie durch Fehlervermeidung und kürzere Wartenzeiten auf jeden Fall wieder rein.

Auf Verlangen die Vermögensauskunft abgeben

Selbst nachdem man einen Berater mit der Vorbereitung der Privatinsolvenz beauftragt hat, kommt es immer wieder vor, dass Gläubiger noch gegen Sie vollstrecken.

Selbst wenn Sie in einem solchen Fall vor einem Gerichtsvollzieher die Vermögensauskunft abgeben müssen, können Sie den Vollstreckungsversuchen der Gläubiger gelassen entgegensehen. Wer sich einmal für das Insolvenzverfahren entschieden hat, für den sind alle Vollstreckungsversuche nur noch heiße Luft. Denn mehr als den pfändbaren Teil des Einkommen kann man Ihnen ohnehin nicht wegnehmen und das ist zumeist mehr, als die meisten betroffenen Schuldner bei der Bedienung ihrer Kreditraten noch haben.

Drücken Sie sich also nicht davor, noch vor der Insolvenz die Vermögensauskunft abzugeben. Wenn Sie in die Insolvenz gehen, ist die Abgabe einer Vermögensauskunft vor dem Gerichtsvollzieher völlig egal und Sie erhalten trotzdem auf jeden Fall die Restschuldbefreiung.

Geben Sie die Vermögensauskunft einfach ab, falls ein Gerichtsvollzieher Sie auch noch vor der Insolvenz hierzu auffordert. Die Abgabe einer Vermögensauskunft verschlechtert nicht Ihre rechtliche Position.

Keine Überweisungen an Freunde und Verwandte

Immer wieder kommt es vor, dass ein betroffener Schuldner vor der Insolvenz noch irgendwelche Zahlungen an Verwandte oder Freunde leistet, indem er einen Geldbetrag von seinem Konto auf das Konto der nahestehenden Person überweist.

Lassen Sie das bitte sein. Solche Zahlungen vor der Insolvenz an Verwandte oder Freunde sind anfechtbar, das heißt der Insolvenzverwalter kann verlangen, dass diese Überweisung rückgängig gemacht wird.

Dann ziehen Sie den Freund ungewollt in Ihre Sache hinein. Zumeist fallen zusätzlich Zinsen und Anwaltsgebühren an, sodass der gut gemeinte Freundschaftsdienst am Ende noch richtig teuer wird. Auch das Argument „ich habe ein Darlehn an den Freund zurückgezahlt“, wird keinesfalls weiterhelfen.

Keine Überweisungen an Freund oder Verwandte leisten, denn dies wäre anfechtbar. Statt dessen das Kontoguthaben in Bar abheben und in der Keksdose verstecken.

Den Insolvenzverwalter besser in Ruhe lassen

Wie die Privatinsolvenz verläuft, liegt insbesondere an der Person des Insolvenzverwalters und wie Sie mit der neuen Situation zurecht kommen. Deshalb hierzu ein paar Verhaltenstipps:

  • Bedenken Sie, der Insolvenzverwalter ist nicht Ihr Freund, sondern Ihr Feind. Behandeln Sie ihn respektvoll.
  • Der Insolvenzverwalter ist auch nicht Ihr Rechtsanwalt. Das heißt, er wird kaum reagieren, wenn Sie Fragen haben oder mit ihm sprechen wollen. Dazu ist er nicht verpflichtet.Lassen Sie den Insolvenzverwalter deswegen in Ruhe. Wenn er etwas von Ihnen will, wird er sich SCHRIFTLICH bei Ihnen melden.
  • Beantworten Sie seine schriftlichen Anfragen ebenfalls schriftlich und behalten Sie eine Kopie Ihres Schreibens als Nachweis.
  • Neben Ihren Einkommensverhältnissen recherchiert der Insolvenzverwalter auch nach Steuerrückerstattungsansprüchen und Betriebskostenerstattung, weil beides zur Insolvenzmasse gehört. Also wird er entsprechende Unterlagen von Ihnen abfordern.
  • Im Insolvenzverfahren können Sie nach wie vor tun und lassen, was Sie wollen. Sie müssen den Insolvenzverwalter beispielsweise nicht fragen, ob Sie in den Urlaub fahren oder die Wohnung wechseln dürfen. Der Insolvenzverwalter ist nur für die Insolvenzmasse da. Das heißt: Wie Sie Ihr pfändungsfreies Einkommen ausgeben, geht nach wie niemanden etwas an!
  • Sie müssen nur in zwei Fällen von sich aus automatisch tätig werden: Wenn Sie umziehen oder wenn sich Ihre Einkommens- oder Vermögensverhältnisse ändern. Informieren Sie den Insolvenzverwalter darüber ebenfalls schriftlich.

Irgendwann hat das Verfahren sich eingespielt und Sie werden nichts mehr von dem Treuhänder oder Gericht hören. Das ist normal und ein gutes Zeichen. Lassen Sie es so laufen. Vergessen Sie nie, dass auch Sie als Schuldner nicht rechtlos sind. Sollte der Insolvenzverwalter die Grenzen überschreiten, ist eine Beschwerde beim Insolvenzgericht durchaus angebracht.

Behandeln Sie den Insolvenzverwalter wie ein rohes Ei. Es gilt der Leitspruch: Gehe nie zu Deinem Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst…

Privatinsolvenz, die Kosten

Bei den Kosten für die Privatinsolvenz unterscheiden Sie bitte zweierlei:

  • die Kosten für das Gericht und den Insolvenzverwalter, auch “Verfahrenskosten” genannt
  • die Beratungskosten für das Insolvenzantragsverfahren
Die Höhe der Verfahrenskosten ist für Sie zunächst nicht von Interesse. Wir beantragen bei jedem Privatinsolvenzantrag die “Stundung der Verfahrenskosten”. Das heißt, Sie müssen keinen – wie bei Gerichtsverfahren sonst üblich – Gerichtskostenvorschuss leisten. Erwirtschaften Sie während des Insolvenzverfahrens ein pfändbares Einkommen oder wird Vermögen verwertet und daraus eine Insolvenzmasse gebildet, werden davon die Verfahrenskosten beglichen. Damit sind die Gerichtsgebühren bezahlt und Sie sind quitt. War das Insolvenzverfahren hingegen massefrei, müssten Sie nach Erteilung der Restschuldbefreiung die Verfahrenskosten in kleinen Raten abstottern.

Bleiben nur noch die Beratungskosten für das Insolvenzantragsverfahren. Diese müssen Sie selbst aufbringen. Oder Sie gehen zur öffentlichen Schuldenberatung. Diese ist kostenfrei, das Antragsverfahren zieht sich aber über 12 bis 18 Monate.

Die Beratungskosten meiner Kanzlei für die Vorbereitung einer Privatinsolvenz betragen:

Grundgebühr: 550 € und dann pro Gläubiger 30 €. Sie können die Gebühr in drei Raten begleichen. Meine Kanzlei bietet keine kostenfreie Erstberatung. Ich finde, guter Rat ist teuer und nach zwanzig Jahren Berufserfahrung blicke ich auf die Erfahrung von rund 15.000 Erstberatungen zurück.

Telefonische Erstberatung anfordern
Falls Sie eine Frage zur Privatinsolvenz haben oder zur Kontaktaufnahme oder wünschen Sie einen Beratungstermin, bitte hier E-Mail eintragen und absenden. Ich melde mich.


Vorteile und Nachteile der Privatinsolvenz

Damit Sie wissen, worauf Sie sich einlassen, habe ich Ihnen die Vorteile und fairerweise auch die Nachteile der Privatinsolvenz zusammengestellt. Klarer Fall, dass die Vorteile der Privatinsolvenz in einer ausweglosen Schuldensituation überwiegen. Alle meine Mandanten erfahren die Privatinsolvenz als Erleichterung und als Chance für ein neues schuldenfreies Leben. Beginnen wir zunächst mit den Nachteilen.

Nachteile der Privatinsolvenz::


  • Kontrolle des Insolvenzverwalters: Es lässt sich nicht beschönigen: Während der Laufzeit des Insolvenzverfahrens wird Ihnen der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter mit vielen Fragen auf die Nerven gehen. Zu Beginn der Insolvenz müssen Sie ihre finanziellen Verhältnisse offenlegen und Veränderungen regelmäßig anzeigen.Das gefällt nicht jedem. Aber je bockiger der Schuldner ist und je mehr Leichen es im Keller gibt, desto unangenehmer wird das Verfahren. Widerstand ist in der Regel zwecklos, der Insolvenzverwalter sitzt ohnehin am längeren Hebel. Wenn Sie andererseits transparent sind und die negativen Seiten des Privatinsolvenzverfahrens hinnehmen, wird alles weniger schlimm, als Sie befürchten.

  • Bescheidenes Einkommen mehrere Jahre: Nachteilig ist natürlich auch die Pfändung Ihres Einkommens über die gesetzliche Pfändungsgrenze hinaus. Aber genau betrachtet ist das kein Nachteil. Denn auch ohne Insolvenzverfahren würde man Ihnen bei Überschuldung früher oder später das Einkommen wegpfänden. Bei der Privatinsolvenz ist wenigstens ein Ende der Pfändung absehbar. Nach maximal fünf Jahren ist damit Schluss.

  • Fast alle finden Sie “doof”: Die Privatinsolvenz zerstört Ihre Bonität und schadet Ihrem Ansehen. Auch diese Tatsache lässt sich nicht leugnen. Insbesondere werden Sie von Einkäufen via Internet regelrecht ausgesperrt, weil Sie in der Privatinsolvenz keine Kreditkarte und kein PayPal Konto besitzen werden. Mit schlechter Schufa kommen Sie kaum an eine günstige Wohnung. Aber wenn man weiß, was auf einen zukommt, dann kann man abhelfen. Fragen Sie eine nahestehende Person, ob Sie eine Partner-Kreditkarte erhalten. Die neue Wohnung suchen Sie sich am besten noch vor der Privatinsolvenz. Auch Ihr Arbeitgeber wird von der Privatinsolvenz erfahren, weil er den pfändbaren Einkommensanteil monatlich berechnen und an den Insolvenzverwalter abführen muss. Eine Privatinsolvenz ist aber kein Kündigungsgrund und vielen Arbeitgebern ist ein Privatinsolvenzverfahren inzwischen egal.

Vorteile der Privatinsolvenz::


  • Sie haben mehr im Portemonnaie: In der Privatinsolvenz werden Sie wahrscheinlich mehr Geld für den Lebensunterhalt verfügbar haben, als vorher. In der Privatinsolvenz entfällt der Schuldendienst. Viele Schuldner wenden vor der Insolvenz fast ihr gesamtes Einkommen auf, um Schulden zu bezahlen. Diese Belastung werden Sie in der Privatinsolvenz nicht mehr haben. Das Haushaltsbudget steigt beträchtlich.

  • Irgendwann ist Schluss mit den Schulden: Entscheiden Sie sich für die Privatinsolvenz, ist garantiert zu einem bestimmten Stichtag Schluss mit den Schulden. Auch wenn eine fünf oder gar sechsjährige Laufzeit zu Beginn der Privatinsolvenz endlos erscheint, gibt es ein Ende. Dank der neuen Gesetze können Sie die Privatinsolvenz verkürzen auf fünf oder drei Jahre und wenn es Ihr Budget zulässt, auf maximal ein Jahr. Die Restschuldbefreiung tritt auch ein, wenn Sie während der Laufzeit Ihren Arbeitsplatz verlieren oder krank werden. Die Erteilung der Restschuldbefreiung setzt keine bestimmte Einkommenshöhe voraus.

  • Die Privatinsolvenz entlastet Sie: Oft wird verschuldeten Menschen nachgesagt, ihnen seien die Schulden völlig egal. Das ist eindeutig ein Vorurteil. Verschuldete Manschen reiben sich zunächst damit auf, die Schulden vollständig zu erstatten. Aber Verzugskosten und -zinsen machen jeden Rückzahlungsversuch aussichtslos. Diese Situation belastet extrem. Viele Betroffene erkranken stressbedingt körperlich oder werden depressiv. Dies ist meine Erfahrung nach rund 15.000 Beratungen. Die Privatinsolvenz beseitigt die aussichtlose Situation. Ich habe viele Mandanten vor und nach der Insolvenz gesehen. Vorher unruhig und gestresst, danach entspannte und zuversichtliche Gesichter.

  • Einmischungsverbot in Ihr Privatleben: Nach dem Gesetz ist der Insolvenzverwalter für die Insolvenzmasse da. Das ist vor allem der pfändbare Einkommensanteil und das verwertbare Vermögen. Wie Sie das für Sie bestimmte pfändungsfreie Einkommen ausgeben, geht nach wie vor niemanden etwas an. Die Privatinsolvenz schreibt Ihnen also nicht vor, wie Sie leben. Sie können umziehen, heiraten, den Job wechseln und sogar auswandern. Nur sparen oder ein neues Auto anschaffen dürfen Sie zumindest am Anfang nicht, denn dies wäre ein Neuerwerb und müsste der Insolvenzverwalter verwerten.

  • Sicherheit vor Pfändungen: Sobald die Privatinsolvenz eröffnet ist, sind Konto- oder Gehaltspfändungen verboten. Vor den Pfändungsangriffen der Gläubiger sind Sie also sicher. Ebenso sicher sind Sie vor dem Besuch des Gerichtsvollziehers beziehungsweise der Vorladung zum Offenbarungseid.

  • Leerer Briefkasten: In der Privatinsolvenz gibt es weder Mahnungen, noch Zahlungserinnerungen noch sonstige Gläubigerpost. Die Korrespondenz mit den Gläubigern führt ab sofort der Insolvenzverwalter. Falls Sie dennoch im eröffneten Verfahren altbekannte Gläubigerpost erhalten, betrachten Sie diese als gegenstandlos. Das ist nur ein Mahn-Roboter, der vergessen wurde, abzuschalten.

  • Restschuldbefreiung kennt kaum Ausnahmen: Am Ende der Privatinsolvenz erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung und Sie sind schuldenfrei. Die Restschuldbefreiung ist umfassend. Sie wirkt sich auf alle Schulden aus, die vor dem Stichtag der Insolvenzeröffnung entstanden sind. Maßgeblich bei Steuerschulden ist also die Entstehung der Steuerschuld und der Tag, an dem das Finanzamt den Steuerbescheid erlässt. Die Restschuldbefreiung entschuldet sowohl bei “staatlichen” Schulden wie beispielsweise Einkommenssteuer oder einem Gebührenbescheid. Die Ausnahmen von der Restschuldbefreiung betreffen lediglich Schulden, die aufgrund einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit entstanden sind.
  • Privatinsolvenz bereinigt Schufa: Die gute Nachricht ist hier, dass selbst Ihre negative Schufa irgendwann bereinigt wird. Die Lösung aller Negativeinträge erfolgt allerdings erst drei Jahre später nach der Erteilung der Restschuldbefreiung. Das ist Gesetz und muss man leider hinnehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Menü