Ihre Pflichten in der Privatinsolvenz

Während der Privatinsolvenz obliegen Ihnen gewissen Pflichten. Bitte halten Sie diese Obliegenheiten ein, andernfalls versagt das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung. Wichtigste Obliegenheit ist die Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit und den Insolvenzverwalter über alle finanziellen Belange zu informieren.

Sie müssen eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben

Nach dem Gesetz sind Sie während der Privatinsolvenz zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit verpflichtet. Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit bedeutet, dass Sie in dem gelernten Beruf arbeiten und ein entsprechendes Einkommen beziehen. Sind Sie etwa Zahnarzt und verdienen nur 1.000 € monatlich, wäre Ihre Erwerbstätigkeit nicht angemessen.

Falls Sie zu wenig verdienen …

Ist Ihre Erwerbstätigkeit unangemessen, wird der Insolvenzverwalter Sie dazu auffordern, entweder Ihr Gehalt entsprechend nach oben zu korrigieren oder Sie müssen sich auf eine andere Stelle bewerben und dies auch nachweisen. Der Bundesgerichtshof hält fünf Bewerbungen pro Woche für zumutbar. Oder Sie leisten „freiwillige“ Zusatzzahlungen.

Notfalls freiwillig etwas zuzahlen

Sollten Sie also zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit aufgefordert werden, nehmen Sie die Aufforderung zur Erfüllung Ihrer Obliegenheiten unbedingt ernst. Denn Ihre Restschuldbefreiung steht auf dem Spiel. Anstelle Bewerbungen können Sie aber auch freiwillige Zahlungen an die Insolvenzmasse leisten. Gleichen Sie also mit freiwilligen Monatsbeiträgen die Fehlbeträge aus.

Bewerben statt bezahlen

Anstelle der freiwilligen Sonderzahlungen können Sie sich bewerben. Mithilfe von Online-Bewerbungen dürfte fünf Bewerbungen pro Woche nicht allzu aufwendig sein. Erklären Sie zu Beginn der Bewerbung Ihre Motivation, weswegen Sie sich bewerben.

Ausbildung, Weiterbildung

Ausbildung oder Weiterbildung  während des Insolvenzverfahrens ist erlaubt, wenn damit Ihre Aussichten auf einen höheren Verdienst steigen und Sie Ihre Gläubiger nach der Ausbildung wahrscheinlich besser befriedigen können.

Kompliziert: So ermitteln Sie das Mindesteinkommen, das Sie leisten müssen:

Die Höhe des Geldbetrages, den Sie während der Privatinsolvenz an die Insolvenzmasse abführen müssen, können Sie in drei Prüfungsschritten selbst ermitteln:

Gehen Sie auf die Webseite: www.gehaltsvergleich.com und ermitteln Sie das durchschnittliche Einkommen Ihres Berufes, den Sie gelernt haben. Wohlgemerkt, des kommt auf den gelernten Beruf an, nicht auf die Tätigkeit, die Sie gerade ausüben. Geben Sie in der Suchfunktion auf der Webseite gehaltsvergleich.com Ihren gelernten Beruf ein und ermitteln Sie das Durchschnittseinkommen. Addieren Sie hierzu das dort dargestellte mindeste Gehalt und das höchste Gehalt und teilen die Summe durch zwei.

Im zweiten Schritt ermitteln Sie das fiktive Nettoeinkommen auf der Webseite: www.brutto-netto-rechner.info. Geben Sie dort also als Berechnungsgrundlage das im Schritt 1 ermittelte Durchschnittseinkommen ein und ermitteln Sie so das fiktive Nettoeinkommen.

Als letzten Prüfungsschritt berechnen Sie den pfändbaren Einkommensanteil des fiktiven Nettoeinkommens. Rufen Sie dazu die gesetzliche Pfändungstabelle auf: Insolvenztabelle ab Juli 2019. Das pfändbare Einkommen hängt von Ihren Unterhaltspflichten ab. Je nach Unterhaltspflicht gibt es in der gesetzlichen Pfändungstabelle eine Spalte.

Als Ergebnis haben Sie den Betrag ermittelt, den Sie eigentlich nach dem Gesetz an die Insolvenzmasse abführen müssten, um die Restschuldbefreiung zu erhalten. „Arm“-Rechnen ist erlaubt.

In die Privatinsolvenz Schritt für Schritt

Ablaufplan für die Privatinsolvenz. Von der Vorbereitung bis zur Restschuldbefreiung. Hier als PDF übersichtlich für Sie zusammengestellt.

Kündigung wegen Privatinsolvenz ist verboten

Wegen einer Privatinsolvenz darf ein Arbeitgeber oder Dienstherr Sie nicht kündigen. Auch andere dienst- oder arbeitsrechtliche Sanktionen haben Sie nicht zu befürchten. Solange Sie noch in der Probezeit sind, halten Sie die Privatinsolvenz geheim.

Ausnahme: Sie sitzen an der Kasse

Etwas anderes gilt allerdings, wenn Sie in Ihrem Job mit Geld zu tun haben oder erhöhte Sicherheitsanforderungen bestehen oder Sie in gehobener Position tätig sind. Beispiele hierzu sind: Sie stehen am Bankschalter oder sind Prokurist. Leider führt auch die Insolvenz eines Fluggast-Kontrolleurs am Flughafen-Gate zur Entlassung. Sie können dann aber eine schnelle Planinsolvenz durchlaufen und damit Ihren Arbeitgeber überzeugen.

Dem Arbeitgeber ist Ihre Privatinsolvenz egal

In der Regel ist es dem Arbeitgeber egal, ob Sie ein Insolvenzverfahren beantragen. Was der Arbeitgeber hingegen nicht leiden kann, sind die Pfändungen des Arbeitslohns durch Gläubiger vor dem Insolvenzverfahren. Denn das macht viel Arbeit.

Keine Verwarnung an Beamte

Pfändungen machen dem Arbeitgeber viel zusätzliche Arbeit. Genau diese Pfändungen entfallen aber während der Privatinsolvenz. Die Privatinsolvenz hat auch keine disziplinarrechtlichen Folgen auf Beamte. Der Dienstherr spricht allenfalls eine Verwarnung aus.

33 Kommentare

  1. Nein, keine Sorge. Wenn Sie krank sind, können Sie auch nicht Vollzeit arbeiten.

  2. Ich bin Pflegefachkraft und 57 Jahre alt meine neue stelle im KH ist 50% da ich wegen Rücken und Rheumatoide Arthrose und Spondylitis der Wirbelsäule nicht mehr 100% arbeiten kann, kann der Insolvenz Verwalter das von mir Verlangen.

  3. Ihre Erkrankung wird auf jeden Fall von dem Insolvenzverwalter akzeptiert und Sie werden auch die Restschuldbefreiung erlangen. Der Insolvenzverwalter würde Sie auf jeden Fall vorher auffordern eine Vollzeitstelle zu suchen, bevor er Ihnen die Restschuldbefreiung streitig macht.

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