GmbH Insolvenz
anmelden bei Zahlungsunfähigkeit

Müssen Sie als Geschäftsführer eine GmbH Insolvenz oder UG Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung anmelden, bitte gut vorbereiten. Bei der GmbH-Insolvenz geht es auch darum, Sie als Geschäftsführer vor negativen Folgen zu schützen.

Was passiert bei GmbH Insolvenz?

Das Gericht eröffnet zunächst ein vorläufiges Insolvenzverfahren und bestellt einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Dieser sucht schnellstmöglich das Unternehmen auf und sichert die Insolvenzmasse. Das bedeutet für den Geschäftsführer, dass er Geschäfte und Ausgaben nur noch mit der Zustimmung des Insolvenzverwalters tätigen kann.

Der vorläufige Insolvenzverwalter wird versuchen, den Geschäftsbetrieb am laufen zu halten. Dazu erhalten die Mitarbeiter für drei Monate das Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur.

Der Insolvenzverwalter erstellt im vorläufigen Insolvenzverfahren außerdem ein Gutachten über das Vermögen und die Situation der GmbH. Schwerpunkt des Gutachtens ist die Aufzählung des GmbH Vermögens, die Schulden und die Fortführungsaussichten der GmbH.

Ungefähr drei Monate später eröffnet das Insolvenzgericht das Insolvenz-Hauptverfahren über die GmbH. Je nach dem Ergebnis des Gutachtens, wird der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb der GmbH verkaufen oder die GmbH liquidieren. Mit der Insolvenz der GmbH erfolgt die Veröffentlichung im Handelsregister, nicht aber in der Schufa.

Will der Geschäftsführer oder Gesellschafter hingegen die GmbH behalten und fortführen, darf er nicht einfach eine GmbH Insolvenz beantragen. Sondern ein Schutzschirmverfahren oder Insolvenz in Eigenverwaltung oder einen Restrukturierungsplan. Dann ist eine Weiterführung der GmbH nach der Insolvenz möglich.

Wer muss GmbH Insolvenz anmelden?

Die GmbH Insolvenz anmelden muss immer der Geschäftsführer. Gibt es mehrere Geschäftsführer, verlangen die Gerichte zunächst, dass alle Geschäftsführer gemeinsam die GmbH Insolvenz anmelden.

Will nur ein Geschäftsführer die Insolvenz anmelden, die anderen Geschäftsführer aber nicht, ist der Insolvenzantrag für die GmbH trotzdem möglich. Dann allerdings reicht es nicht aus, einfach nur das Insolvenzantragsformular auszufüllen. Sondern der Geschäftsführer, der die GmbH Insolvenz anmelden will, muss die Zahlungsunfähigkeit der GmbH besonders glaubhaft machen.

Gesellschafter der GmbH müssen nur ganz ausnahmsweise die GmbH Insolvenz anmelden. Und zwar nur dann, wenn die GmbH führungslos ist, also keinen Geschäftsführer mehr hat.

Wie meldet man GmbH Insolvenz an?

Eigentlich müssen Sie eine GmbH-Insolvenz nicht vorbereiten. Als Geschäftsführer können Sie den Insolvenzantrag auch ohne Vorbereitung stellen. Einfach das Formular ausfüllen, den Antrag bei Gericht einreichen und dann abwarten, was mit der GmbH und vor allem mit Ihnen als Geschäftsführer so alles geschieht…

Eine derartige Vorgehensweise ist allerdings naiv. Bekanntlich wird immer ein Sündenbock gebraucht und das ist in der GmbH-Insolvenz oder UG-Insolvenz der Geschäftsführer. Die Vorbereitung auf die GmbH-Insolvenz dient ausschließlich dazu, Sie als Geschäftsführer zu schützen. Klären Sie zunächst, ab wann Sie die GmbH-Insolvenz beantragen.

Gleiches gilt für die UG-Insolvenz. Der Geschäftsführer der UG sollte den Insolvenzantrag vorbereiten und die Ratschläge zum UG-Insolvenz anmelden beachten. Folgende Aufgaben erledigen Sie bitte unbedingt vor dem Insolvenzantrag:

Die Handelsbilanz hochladen

Die Handelsbilanz bei bundesanzeiger.de veröffentlichen: Als GmbH-Geschäftsführer muss die GmbH Gesellschaft die jährlichen Handelsbilanzen veröffentlichen. Versäumen Sie dies vor dem Insolvenzverfahren, werden Sie wegen Bankrott bestraft. Nicht gut! Die Handelsbilanz können Sie selbst und ohne Steuerberater erstellen. Schätzwerte sind erlaubt. Nehmen Sie den alten Jahresabschluss und übernehmen Sie diese Werte weitgehend. Den Rest schätzen Sie anhand der Jahres-BWA. Danach loggen Sie sich bei bundesanzeiger.de ein und folgen den Anweisungen.

Das Kassenbuch updaten

Unvollständige Kassenbücher bringen dem Geschäftsführer ebenfalls Ärger ein, weil er einen fehlenden Kassenbestand ersetzen muss. Überprüfen Sie die Kassenbücher und arbeiten Sie diese nach. Vielleicht lässt der Kassenbestand sich noch auf Null setzen. Sie sollten auch die Bankunterlagen und die Geschäftsbücher vorbereiten. Dokumente, die Sie als Geschäftsführer entlasten, kopieren Sie und geben die Originale nicht heraus. Hat der Insolvenzverwalter die Geschäftsbücher in seinem Besitz, können Sie in Beweisnot geraten.

Keine Entnahme ohne Vertrag

Entnehmen Sie kein Geld aus der Gesellschaft ohne Rechtsgrund. Sonst droht eine Anzeige wegen Unterschlagung. Rückständiges Geschäftsführergehalt können Sie entnehmen, wenn gemäß Arbeitsvertrag ein Rechtsanspruch besteht. Die Entnahme löst zwar ein Anfechtungsrecht des Insolvenzverwalters aus. Das heißt: Sie müssten die Entnahme erstatten. Aber wenn die GmbH-Insolvenz Ihre private Pleite nach sich zieht, kann Ihnen die Anfechtung gleichgültig sein…

(Gesellschafter)darlehn nicht erstatten

Es bringt leider keine Vorteile, wenn Sie kurz vor der Insolvenz einen Kredit der GmbH tilgen, für den Sie persönlich haften. Es bringt auch nichts, befreundete Lieferanten zu bezahlen oder ein Gesellschafterdarlehen. Sie geraten dadurch nur in Schwierigkeiten. Der Insolvenzverwalter holt all diese Zahlungen später mittels Anfechtung zurück.

Abweisung mangels Masse provozieren

Besteht eine Chance auf Abweisung mangels Masse, unbedingt ergreifen. Abweisung mangels Masse bedeutet, dass keine Insolvenz eröffnet wird und es keinen Insolvenzverwalter gibt, der Sie in die Haftung nehmen will. Die Abweisung mangels Masse erfolgt, wenn die GmbH über weniger als 2.800 € Liquidität verfügt. Besteht Aussicht auf eine Abweisung mangels Masse, geben Sie das Geld aus, auch wenn dies eigentlich verboten ist.

Nur die Arbeitnehmeranteile bezahlen

Bezahlen Sie unmittelbar vor der Insolvenz möglichst nichts und niemanden mehr. Auch keine Löhne. Denn als Geschäftsführer haften Sie für alle Geldabflüsse unmittelbar vor der Insolvenz, welche die spätere Insolvenzmasse schädigen. Bezahlen Sie allenfalls die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung, weil dort das Nichtbezahlen unter Strafe steht.

Wer haftet bei GmbH Insolvenz?

Bei der GmbH Insolvenz haftet vor allem der Geschäftsführer. Die Haftung des Geschäftsführers bei der GmbH Insolvenz ist leider sehr umfangreich: Zunächst haftet er für den Schaden, falls er die Insolvenz der GmbH zu spät eingeleitet hat. Er haftet außerdem für nicht bezahlte Sozialabgaben und Steuern. Meistens hat sich der Geschäftsführer privat für einen Kredit des Unternehmens verbürgt. Auch dafür haftet der Geschäftsführer bei der GmbH Insolvenz.

Die Gesellschafter hingegen haften bei der GmbH Insolvenz immer nur in Höhe des Stammkaptials. Das heißt, bei der GmbH Insolvenz ist das Eigenkapital verloren. Ist das Gesellschaftskapital noch nicht vollständig eingezahlt, muss es nachgezahlt werden. Hat ein Gesellschafter der GmbH ein Darlehn gewährt, ist dieses ebenfalls verloren. Wurde das Darlehn vor der GmbH Insolvenz an den Gesellschafter erstattet, muss der Gesellschafter es an die GmbH

Wie läuft eine GmbH Insolvenz ab?

Im Folgenden erkläre ich Ihnen den Ablauf der GmbH Insolvenz. Weil Sie mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens die Kontrolle über die GmbH an einen Insolvenzverwalter abgeben, ist der der Ablauf der GmbH Insolvenz nicht mehr beeinflussbar. Ihr Schwerpunkt als Geschäftsführer liegt deshalb in der Vorbereitung der GmbH Insolvenz. Dort können Sie Maßnahmen ergreifen, um sich selbst als Geschäftsführer vor unangenehmen Folgen einer GmbH Insolvenz zu schützen. Bitte nehmen Sie die oben stehenden Tipps ernst, rund 90 % aller Geschäftsführer bekommen aufgrund der GmbH Insolvenz im privaten Bereich finanzielle Probleme.

Den Insolvenzantrag ausarbeiten

Den GmbH Insolvenz beantragen Sie mit einem speziellen Formular. Beim Ausfüllen gilt das Motto: Mut zur Lücke. Nicht jedes Feld müssen Sie ausfüllen. Hier online die GmbH-Insolvenz anmelden:

Badge zu Online Formular GmbH Insolvenz anmelden

Bestätigen, dass alles vollständig und richtig ist

Ergänzend zum Insolvenzantrag müssen Sie erklären, dass der Antrag  vollständig und richtig ausgefüllt ist. Nehmen Sie diese Erklärung nicht so genau. Manche Dinge die Sie angeben müssen, wie beispielsweise die Gläubiger und den aktuellen Schuldenstand, können Sie nicht wissen.

Dem Insolvenzantrag die Anlagen beifügen

Fügen Sie dem Insolvenzantrag den Gesellschaftsvertrag bei, einen Auszug aus dem Handelsregister, Jahresabschluss und die letzte BWA. Das macht einen guten Eindruck und hilft dem Insolvenzverwalter für den ersten Überblick. Früher oder später müssen Sie diese Unterlagen ohnehin vorlegen.

Versenden an das Insolvenzgericht

Alles zusammen werfen Sie in den Gerichts-Briefkasten oder übersenden den Antrag mit der Post. Sollte das Insolvenzgericht etwas beanstanden, wird es Sie anschreiben. Nehmen Sie diese Monierung ernst. Denn erst der vollständige GmbH-Insolvenzantrag unterbricht die Insolvenzantragspflicht und räumt den Verdacht auf Insolvenzverschleppung aus.

Das vorläufige Insolvenzverfahren

Das vorläufige Insolvenzverfahren ist dem eigentlichen Insolvenzverfahren vorgeschaltet und dauert 2 bis 3 Monate. Der Insolvenzverwalter prüft, ob das Gericht das Insolvenzverfahren überhaupt eröffnen kann. In dieser Zeit versucht der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten.

Insolvenzverwalter versucht den Geschäftsbetrieb fortzuführen

In der vorläufigen Insolvenz muss der Insolvenzverwalter versuchen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Das steht so im Gesetz. Der Verkauf eines intakten Unternehmens bringt mehr Geld ein, als der Verkauf der Einzelteile. Also wird der Insolvenzverwalter den Geschäftsführer mit Versprechungen und Drohungen (Zuckerbrot und Peitsche) manipulieren, damit er den Betrieb in der vorläufigen Insolvenz erst einmal fortführt.

Dem Geschäftsführer bringt die Fortführung keine Vorteile

Nüchtern betrachtet besteht für den Geschäftsführer kein Grund, auch nur einen Tag länger im Unternehmen zu verbleiben. Die Rettung des Unternehmens in seinem Interesse funktioniert nur mit dem Schutzschirm und der Eigenverwaltung. In der normalen Insolvenz wird der Insolvenzverwalter entweder abwickeln oder an einen fremden Investor verkaufen. Der bisherige Geschäftsführer bzw. Inhaber hat daraus keinen Nutzen.

Eröffnungsbilanz und Eröffnungsgutachten für das Gericht

Die vorläufige Insolvenz dient schließlich dazu, dass der Insolvenzverwalter das Unternehmens-Vermögen ermittelt und ein Gutachten darüber verfasst. Die Anfertigung des Gutachtens wirft viele Fragen auf und erfordert Nachweise. Diese muss der Geschäftsführer dem Insolvenzverwalter zur Verfügung stellen. Er muss die GmbH-Geschäfte zwar nicht fortführen, ist aber umfassend zur Auskunft verpflichtet.

Das Hauptverfahren

Nachdem das Insolvenzgutachten vorliegt und der Insolvenzgeldzeitraum ausgelaufen ist, eröffnet das Gericht das Hauptverfahren. Das Hauptverfahren ist eine Zäsur. Die Gesellschafter sind enteignet und die Geschäftsführung entmündigt. Alle Rechte an dem Unternehmen gehen auf den Insolvenzverwalter über. 

Verwertung durch Verkauf

Im Hauptverfahren wird der Insolvenzverwalter seine Bemühungen fortführen, möglichst viel Geld für die Gläubiger herauszuschlagen. Die lukrativste Verwertung der Insolvenzmasse ist der Verkauf des Unternehmens im Ganzen. Man nennt den Verkauf des insolventen Unternehmens auch „übertragende Sanierung„. Dazu sucht der Insolvenzverwalter nach einem Investor. Findet er keinen, wird er versuchen das Unternehmen an den bisherigen Unternehmer bzw. ein Familienmitglied zu verkaufen. Beabsichtigen Sie dieses, lassen Sie vor der Insolvenz eine Aufanggesellschaft gründen.

Verwertung durch Liquidation

Findet sich kein Käufer, stellt der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb endgültig ein und überlässt den Verkauf der Einzelteile einem Verwerter. Der bisherige Unternehmer, Gesellschafter oder Geschäftsführer spielt in diesem Verfahrensstadium keine Rolle mehr. Der Insolvenzverwalter wickelt das Unternehmen nach seinen Vorstellungen vollständig ab.

Insolvenztabelle erfasst die Verbindlichkeiten

Das Hauptverfahren dient außerdem der Feststellung, welcher Gläubiger von der GmbH wie viel Geld bekommt. Das Ergebnis der so genannten Forderungsfeststellung hält das Gericht in einer Insolvenztabelle fest. Die Eintragung einer Forderung in die Insolvenztabelle ist rechtsverbindlich so wie ein Urteil. Dem bisherigen Unternehmer kann es völlig egal sein, wie hoch die Schulden sind. Denn er ist enteignet.

Prüfung von Anfechtungs- und Haftungsansprüchen

Schließlich prüft der Insolvenzverwalter etwaige Haftungsansprüche gegen die Gesellschafter und Geschäftsführer. Ein Gesellschafter haftet maximal auf das gezeichnete Stammkapital. Kann er die Einzahlung nicht nachweisen, muss er nachzahlen. Der Geschäftsführer wiederum muss beweisen, dass er die Insolvenz fristgemäß beantragt hat. Andernfalls haftet er gem. § 64 Abs. 2 GmbHG für alle Geldabflüsse seit der Insolvenzreife. Viele Geschäftsführer fürchten, dass die GmbH-Insolvenz auf die Familie übergreift und der Ehepartner für die Firmeninsolvenz haftet.

Die Gläubigerversammlung

Die Gläubigerversammlung entscheidet über die Verwertung der Insolvenzmasse. Z.B. Verkauf oder Liquidation. Der Prüfungstermin dient zur Feststellung der Verbindlichkeiten, was wiederum die Grundlage für die Verteilung der Insolvenzmasse ist. 

 

Gläubigerversammlung entscheidet über Verwertung

Weil das Unternehmen mit dem Eintritt in das Hauptverfahren nicht mehr dem Unternehmer gehört, sondern den Gläubigern, können diese bestimmen, was mit dem Unternehmen geschehen soll. Darüber stimmen die Gläubiger in der Gläubigerversammlung ab. Soweit zur Theorie. In der Praxis geschieht gar nichts. Kein einziger Gläubiger erscheint. Weil das Fernbleiben als Zustimmung zum Votum des Insolvenzverwalters gilt, kann er machen, was er will.

Gläubiger zeigen wenig Interesse

Leider sind die Gläubiger sich ihrer Macht nicht bewusst. Erscheint beispielsweise bei einer Millionen-Pleite ein einziger Gläubiger mit einer 100 € Forderung, entscheidet er über alles und jeden: Abwahl des Insolvenzverwalters, Fortführung oder Einstellung des Geschäftsbetriebes, Art und Weise der Verwertung, usw. Diese „Trägheit“ der Masse nutze ich zugunsten meiner Mandanten aus, indem ich äußerst günstige Insolvenzpläne beispielsweise mit 2 % Quote durchsetze.

GmbH-Insolvenz erst nach Jahren zu Ende

Hat der Insolvenzverwalter alle Anfechtungs- und Haftungsfragen geklärt, führt er noch den einen oder anderen Prozess. Danach lässt er die Akte oft über Jahre liegen. Die Geschäftspapiere lagert er bei einem Dienstleister ein oder er zwingt den ehemaligen Geschäftsführer zur Abholung. Schließlich erledigt der Insolvenzverwalter die steuerlichen Angelegenheiten. Das war´s. Die GmbH ist abgewickelt. Der Insolvenzverwalter rechnet seine Gebühren ab und bezahlt die Verfahrenskosten. Sollte danach trotzdem noch Geld vorhanden sein, erhalten die Gläubiger eine Quote.

Wann GmbH Insolvenz anmelden?

Die Prüfung, wann GmbH Insolvenz angemeldet wird , erfolgt in drei Schritten. Kurz gesagt: Die rote Linie zur Insolvenzantragspflicht ist nicht erst dann überschritten, wenn das Konto gepfändet ist und die GmbH keine Rechnungen mehr bezahlen kann. Sondern die GmbH Insolvenz tritt bereits früher ein.

Wichtigster Prüfungsschritt ist die die Zahlungsunfähigkeit. Ist die GmbH zahlungsunfähig folgt daraus automatisch die Überschuldung, weil die Unternehmenswerte dann nicht mehr zu Buchwerten gelten, sondern zu Liquidationswerten.

Super wichtig für den Geschäftsführer einer GmbH in der Krise eine Unternehmensplanung, insbesondere Liquiditäsplanung aufzustellen und fortzuschreiben. Damit kann er sich später gegen den Vorwurf der Insolvenzverschleppung verteidigen.

Ist meine GmbH zahlungsunfähig ?

Ob eine GmbH zahlungsunfähig ist oder nicht, ermitteln Sie mit einer einfachen T-Tabelle.

Links die liquiden Mittel auflisten:

  • Wie hoch ist der Kontostand?
  • Wie viel ist in der Kasse?
  • Wie hoch ist der verbleibende Kreditrahmen?
  • Welche sehr kurzfristigen Zahlungen sind zu erwarten?

Rechts die fälligen Forderungen auflisten:

  • Alle Rechnungen, Raten, usw., die Stand heute bezahlt sein müssten

%

Ab 10% Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit

Ist die Summe der fälligen Forderungen 10% höher als die Summe der liquiden Mittel, besteht Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit. Den Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit können Sie mit einer Unternehmensplanung widerlegen. Ergibt sich aus der Planung, dass die Deckungslücke über 10% sich kurzfristig aufgrund neuer Geldzufüsse wieder schließen wird, ist der Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit entkräftet. Gelingt der Nachweis nicht, ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Sie müssen die GmbH-Insolvenz schnellstmöglich und spätestens binnen drei Wochen beantragen. Zusammengefasst lässt sich festhalten: Die Insolvenzantragspflicht besteht, sobald die Unternehmensplanung eine dauerhafte Deckungslücke von über 10 % ergibt.

Ist meine GmbH überschuldet?

Nachdem Sie den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit ermittelt haben, klären Sie die Überschuldung. Ob Überschuldung vorliegt, ermitteln Sie, wie auch bei der Zahlungsfähigkeit, in zwei Schritten: Im ersten Schritt überprüfen Sie die Überschuldung per Fortbestehensprognose. Bei negativer Fortbestehensprognose prüfen Sie die Überschuldung zusätzlich mit einem Vermögensstatus. Die Fortbestehensprognose leiten Sie aus Ihrer Unternehmensplanung ab. Die Fortbestehensprognose besteht aus der Gewinn- und Verlustplanung, dem Liquiditätsplan sowie der Planbilanz. Zudem müssen Sie kurz erklären, wie Sie sich die Zukunft Ihres Unternehmens vorstellen.

Fällt die Überschuldungsprüfung per Fortbestehensprognose positiv aus, ist die Prüfung beendet und Ihr Unternehmen ist nicht überschuldet. Ermitteln Sie jedoch eine negative Fortbestehensprognose, prüfen Sie den zweiten Schritt. Sie müssen – beispielsweise nachdem Sie bei Überprüfung der Zahlungsunfähigkeit eine Deckungslücke über 10 % festgestellt haben – die Überschuldungsprüfung mit einem Vermögensstatus fortführen.

Ein Vermögensstatus ist eine einfache T-Tabelle mit den Vermögenswerten auf der linken Seite und den Verbindlichkeiten auf der rechten Seite. Übersteigen die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte, ist das Unternehmen überschuldet.

Der Wertansatz, mit welchem Sie die Aktiva Ihres Unternehmens im Vermögensstatus notieren, ist abhängig von der Fortbestehensprognose. Bei positiver Fortbestehensprognose setzen Sie die Buchwerte an andernfalls die Liquidationswerte. Aufgrund der unterschiedlichen Wertansätze, die von einer positiven oder negativen Fortbestehensprognose abhängen, ist ein Unternehmen mit negativer Fortbestehensprognose zugleich stets überschuldet. 

Kann ich den Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit entkräften?

Der Gesetzgeber verlangt, dass die Geschäftsführung in der Krise über eine ordentliche Planung verfügt. Die Unternehmensplanung besteht aus einer gewöhnlichen Gewinn- und Verlust-Planung sowie einer Liquiditätsplanung.

Kurz vor dem Eintritt der Insolvenzreife sollten Sie, zu Ihrem eigenen Schutz, zusätzlich täglich in einem Status-Bericht dokumentieren, wann die Insolvenzreife aufgrund Zahlungsunfähigkeit bzw. Überschuldung eintreten wird. Wie das funktioniert, erkläre ich Ihnen weiter unten.

Viele kleinere GmbHs erstellen keine Unternehmensplanung. Die Geschäftsführer glauben, dies erledige der Steuerberater. Steuerberater planen jedoch nicht, sondern ermitteln Steuersätze. Erstellen Sie die Unternehmensplanung daher selbst. Leider kann man sich insbesondere in schwierigen Situationen wie einer drohenden Insolvenz nur auf sich selbst verlassen.

Die Aufstellung einer Unternehmensplanung ist einfach. Schätzwerte reichen aus, da es sich ja um eine Planung handelt. Niemand wird Sie belasten, wenn Sie in der Zukunft liegende Zahlen falsch einschätzen. Ärger gibt es aber, wenn Sie das Unternehmen überhaupt nicht geplant haben.

Die Unternehmensplanung benötigen Sie nicht nur zur Berechnung der Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Vielmehr wird Ihnen die Planung später wertvolle Dienste leisten, wenn es um Ihre Entlastung vom Vorwurf einer möglichen Insolvenzverschleppung geht. Mit der Planung tun Sie sich selbst etwas Gutes.