GmbH-Insolvenz

Im Krisenfall einer GmbH kommt die Geschäftsführung an dem unangenehmen Thema der GmbH-Insolvenz nicht vorbei. Das Thema ist heikel. Sowohl die Existenz des Unternehmens als auch die Existenz des Unternehmers dahinter steht auf dem Spiel.

Allerdings bedeutet GmbH-Insolvenz heutzutage nicht mehr das unbedingte Aus für das betroffene Unternehmen. Inzwischen können Sanierungsverfahren helfen, die darauf abzielen, Ihre GmbH trotz Insolvenz zu erhalten und zu entschulden.

Wie Sie die GmbH-Insolvenz angehen …

Bestimmen Sie im ersten Schritt, an welchem Stichtag die gesetzliche Insolvenzantragspflicht eintreten wird. Im zweiten Schritt entscheiden Sie: Wollen Sie die GmbH sanieren oder liquidieren? Danach planen wir den bestmöglichen Weg zu Ihrem Ziel. Stellen Sie sich vor der GmbH-Insolvenz folgende Fragen:

Besteht bereits die Insolvenzantragspflicht?

Bestimmen Sie in einem ersten Schritt vor dem GmbH-Insolvenzantrag, ab wann für Ihre GmbH die Insolvenzantragspflicht eintritt. Den Stichtag der Insolvenzantragspflicht ermitteln Sie in den ersten drei Schritten:

  • Beginnen Sie mit einer groben Unternehmensplanung
  • Auf Grundlage der Unternehmensplanung ermitteln Sie den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit
  • Danach den Eintritt der Überschuldung

Kennen Sie den Stichtag der Insolvenzantragspflicht, so wissen Sie, wie viel Zeit zur Vorbereitung auf das Insolvenzverfahren noch bleibt und können das persönliche Haftungsrisiko als Geschäftsführer besser einschätzen. Hat Ihre GmbH den Stichtag der Insolvenzantragspflicht bereits überschritten, erhöht sich das Haftungsrisiko des Geschäftsführers. In dieser Situation wäre es möglicherweise besser, wenn der Geschäftsführer seine privaten finanziellen Verhältnisse noch schnell neu ordnet.

Es wäre darüber hinaus wichtig zu entscheiden, was mit der GmbH geschehen soll. Wollen Sie als Geschäftsführer die GmbH mit Hilfe eines Schutzschirmverfahrens sanieren und retten? Dann sollte der Eintritt der Insolvenzreife noch nicht allzu weit überschritten sein. Bei vertiefter Zahlungsunfähigkeit lassen die Gerichte keine Unternehmenssanierung mehr zu und bestehen auf Abwicklung.

Haben Sie hingegen kein Interesse mehr an der GmbH und wollen sich von ihr trennen, so sollten Sie sich darauf konzentrieren, die „Bruchlandung“ möglichst schadlos zu überstehen. Dazu müssen Sie Ihre Rechte und Pflichten als Geschäftsführer bei der GmbH-Insolvenz kennen. Insolvenzverwalter nutzen unwissende Geschäftsführer gerne als kostenfreie Arbeitskraft. Mit Zuckerbrot und Peitsche spannen Insolvenzverwalter den Geschäftsführer vor ihren Karren und servieren ihn ab, sobald sie ihn nicht mehr brauchen. Davor sollte sich der Unternehmer schützen.

Gibt es eine Unternehmensplanung ?

Der Gesetzgeber verlangt, dass die Geschäftsführung in der Krise über eine ordentliche Planung verfügt. Die Unternehmensplanung besteht aus einer gewöhnlichen Gewinn- und Verlust-Planung sowie einer Liquiditätsplanung. Kurz vor dem Eintritt der Insolvenzreife sollten Sie, zu Ihrem eigenen Schutz, zusätzlich täglich in einem Status-Bericht dokumentieren, wann die Insolvenzreife aufgrund Zahlungsunfähigkeit bzw. Überschuldung eintreten wird. Wie das funktioniert, erkläre ich Ihnen weiter unten.

Viele kleinere GmbHs erstellen keine Unternehmensplanung. Die Geschäftsführer glauben, dies erledige der Steuerberater. Steuerberater planen jedoch nicht, sondern ermitteln Steuersätze. Erstellen Sie die Unternehmensplanung daher selbst. Leider kann man sich insbesondere in schwierigen Situationen wie einer drohenden Insolvenz nur auf sich selbst verlassen.

Die Aufstellung einer Unternehmensplanung ist einfacher, als Sie möglicherweise befürchten. Schätzwerte reichen aus, da es sich ja um eine Planung handelt. Niemand wird Sie belasten, wenn Sie in der Zukunft liegende Zahlen falsch einschätzen. Ärger gibt es aber, wenn Sie das Unternehmen überhaupt nicht geplant haben.

Die Unternehmensplanung benötigen Sie nicht nur zur Berechnung der Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Vielmehr wird Ihnen die Planung später wertvolle Dienste leisten, wenn es um Ihre Entlastung vom Vorwurf einer möglichen Insolvenzverschleppung geht. Mit der Planung tun Sie sich selbst etwas Gutes.

Planen Sie eine Sanierung des Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren und in Eigenverwaltung, so ist die Unternehmensplanung ein MUSS. Denn das Gericht fordert den Nachweis der Unternehmensplanung und wird den Schutzschirm nur dann genehmigen. Selbstverständlich werde ich die Planung für Ihr Unternehmen erstellen, sollten Sie sich für das Schutzschirmverfahren entschieden haben.

Ist meine GmbH zahlungsunfähig ?

Ob eine GmbH zahlungsunfähig ist oder nicht, ermitteln Sie am besten anhand einer einfachen T-Tabelle:

Liquide Mittel Fällige Forderungen
In der linken Spalte der T-Tabelle listen Sie die liquiden Mittel auf, das heißt den aktuellen Kassenstand, den aktuellen Kontostand und den aktuell noch belastbaren Kontokorrent- oder Kreditrahmen. Zu den liquiden Mitteln gehören NICHT die Forderungen an Kunden. Ausnahme: Forderungen an AAA-Kunden wie ein DAX-Konzern. Rechts tragen Sie die fälligen Zahlungspflichten ein, also alle Rechnungen usw., die bis heute bezahlt werden müssen.

Übersteigen die fälligen Zahlungen die liquiden Mittel um 10 %, besteht nach gesetzlicher Definition eine Deckungslücke und damit der Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit.

Die Geschäftsführung kann den Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit widerlegen. Hierzu muss sie anhand ihrer Unternehmensplanung nachweisen, dass sich die 10 %-Deckungslücke kurzfristig aufgrund neuer Geldzuflüsse wieder schließen wird. Je länger und je größer die Deckungslücke desto sicherer müssen die erwarteten Zuflüsse sein.

Gelingt der Nachweis nicht, gibt der Gesetzgeber dem Unternehmen eine allerletzte, maximal dreiwöchige Frist, falls die Geschäftsführung in dieser Zeit intensiv nach Krediten, Käufern oder Investoren sucht. Ist auch diese allerletzte dreiwöchige Frist erfolglos verstrichen, besteht endgültig die Insolvenzantragspflicht.

Zusammengefasst lässt sich festhalten: Die Insolvenzantragspflicht besteht, sobald die Unternehmensplanung eine dauerhafte Deckungslücke von über 10 % ergibt.

Ist meine GmbH überschuldet ?

Nachdem Sie den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit ermittelt haben, klären Sie die Überschuldung. Ob Überschuldung vorliegt, ermitteln Sie, wie auch bei der Zahlungsfähigkeit, in zwei Schritten:

Im ersten Schritt überprüfen Sie die Überschuldung per Fortbestehensprognose. Bei negativer Fortbestehensprognose prüfen Sie die Überschuldung zusätzlich mit einem Vermögensstatus. Die Fortbestehensprognose leiten Sie aus Ihrer Unternehmensplanung ab. Sie muss mindestens die Gewinn- und Verlustplanung, den Liquiditätsplan sowie die Planbilanz enthalten. Zudem müssen Sie kurz erklären, wie Sie sich die Zukunft Ihres Unternehmens vorstellen.

Fällt die Überschuldungsprüfung per Fortbestehensprognose positiv aus, ist die Prüfung beendet und Ihr Unternehmen ist nicht überschuldet. Ermitteln Sie jedoch eine negative Fortbestehensprognose, prüfen Sie den zweiten Schritt. Sie müssen – beispielsweise nachdem Sie bei Überprüfung der Zahlungsunfähigkeit eine Deckungslücke über 10 % festgestellt haben – die Überschuldungsprüfung mit einem Vermögensstatus fortführen.

Ein Vermögensstatus ist eine einfache T-Tabelle mit den Vermögenswerten auf der linken Seite und den Verbindlichkeiten auf der rechten Seite. Übersteigen die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte, ist das Unternehmen überschuldet.

Der Wertansatz, mit welchem Sie die Aktiva Ihres Unternehmens im Vermögensstatus notieren, ist abhängig von der Fortbestehensprognose. Bei positiver Fortbestehensprognose setzen Sie die Buchwerte an andernfalls die Liquidationswerte.

Aufgrund der unterschiedlichen Wertansätze, die von einer positiven oder negativen Fortbestehensprognose abhängen, ist ein Unternehmen mit negativer Fortbestehensprognose zugleich stets überschuldet. Im Ergebnis kommt es sowohl bei der Überschuldungsprüfung als auch bei der Überprüfung der Zahlungsunfähigkeit auf die per Unternehmensplanung zu ermittelnde Deckungslücke an. Ab einer dauerhaften Deckungslücke von über 10 % besteht Insolvenzantragspflicht.

Was will ich: Dichtmachen oder weitermachen ?

Nachdem Sie einschätzen können, an welchem Stichtag die Insolvenzantragspflicht ungefähr eintreten wird, entscheiden Sie über das Schicksal der GmbH: Wollen Sie die GmbH sanieren, verkaufen oder aufgeben?

Entscheiden Sie zunächst persönlich für sich selbst und grundsätzlich, ob Sie das Unternehmen überhaupt fortführen wollen. Vielleicht haben Sie inzwischen neue Pläne oder Sie wollen nicht mehr länger selbständig sein. In diesem Fall lohnt sich der mühevolle Weg einer Sanierung nicht. Dann ist es besser, Sie geben die GmbH auf.

Eine Sanierung muss aber auch machbar sein. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Ursache der Unternehmenskrise auf der Kostenseite liegt. Denn unsinnige Kosten lassen sich im Sanierungsverfahren ohne weiteres abstellen.

Besteht bei Ihrem Unternehmen jedoch ein Umsatzproblem, beispielsweise weil das Marktumfeld Ihres Unternehmens schrumpft und die Nachfrage sinkt, ist das Unternehmen nur eingeschränkt für eine Sanierung geeignet. Im Schutzschirmverfahren kann das Unternehmen zwar an die neuen Marktbedingungen angepasst und verkleinert werden, aber wenn die Aufträge weiterhin sinken, hat das Unternehmen kurze Zeit später wieder ein Problem.

Das Sanierungsverfahren kann die Betriebskosten reduzieren und das Unternehmen neu ordnen, aber wenig zur Steigerung der Nachfrage beitragen. Für das Sanierungsverfahren selbst brauchen Sie Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen. Oft scheint die Situation hoffnungslos und einen Moment später werden Sie wieder euphorisch sein. Diese Unsicherheit müssen Sie ca. 8 Monate lang aushalten.

Den Erfolg einer jeden Sanierung begünstigt die Sonderzahlung von außen. Würde sich beispielsweise eine Person aus der Unternehmerfamilie oder ein Investor unter der Bedingung, dass das Sanierungskonzept zu einem erfolgreichen Abschluss kommt, zu einer Sonderzahlung bereit erklären, wird sich eine solche Einlage begünstigend auf den Sanierungserfolg auswirken.

Jetzt können Sie einschätzen, wann die Insolvenzantragspflicht ungefähr eintreten wird. Entscheiden Sie nun über das Schicksal der GmbH. Als Faustregel gilt: Wollen Sie die GmbH fortführen, wählen Sie das Schutzschirmverfahren. Wollen Sie die GmbH aufgeben, gehts in die reguläre GmbH-Insolvenz.

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GmbH-Insolvenz Schritt für Schritt

Informieren Sie sich hier zum Ablauf einer GmbH Insolvenz, die ich Ihnen in sieben leichten Schritten erklären werde.

  1. Die GmbH-Insolvenz vorbereiten
  2. Den GmbH Insolvenzantrag stellen
  3. Das vorläufige Insolvenzverfahren
  4. Die Eröffnung der GmbH-Insolvenz im Hauptverfahren
  5. Gläubigerversammlung und Prüfungstermin in der GmbH-Insolvenz
  6. Die Klärung von Haftungsansprüchen und Anfechtung
  7. Abschluss der GmbH-Insolvenz

Die GmbH Insolvenz vorbereiten

Aus rechtlicher Sicht müssen Sie eine GmbH-Insolvenz gar nicht vorbereiten. Als Geschäftsführer können Sie den Insolvenzantrag auch ohne Vorbereitung stellen. Einfach das Formular ausfüllen, den Antrag bei Gericht einreichen und dann abwarten, was mit der GmbH und vor allem mit Ihnen als Geschäftsführer so alles geschieht.

Eine derartige Vorgehensweise ist allerdings naiv. Bekanntlich wird immer ein Sündenbock gebraucht und das ist in der GmbH-Insolvenz der Geschäftsführer.
Die Vorbereitung auf die GmbH-Insolvenz dient ausschließlich dazu, dass der Geschäftsführer weniger Ärger bekommt. Folgende Aufgaben sollte er in seinem Interesse vor dem GmbH-Insolvenzantrag zumindest erledigen:

Handelsbilanz hochladen

Die Handelsbilanz bei bundesanzeiger.de veröffentlichen: Als GmbH-Geschäftsführer müssen Sie regelmäßig eine Handelsbilanz bei bundesanzeiger.de veröffentlichen. Versäumen Sie dies, werden Sie wegen Bankrott bestraft. Die Bankrott-Straftat ist schwerwiegend, weil die Bestrafung deswegen die Restschuldbefreiung in der Privatinsolvenz verhindert – ein Leben lang. Die Handelsbilanz können Sie als Geschäftsführer selbst und ohne Steuerberater erstellen. Schätzwerte sind erlaubt. Nehmen Sie den alten Jahresabschluss und übernehmen Sie diese Werte weitgehend. Den Rest schätzen Sie anhand der Jahres-BWA. Danach loggen Sie sich bei bundesanzeiger.de ein und folgen den Anweisungen. Mehr ist nicht zu tun. Die schlimme Bestrafung wegen Bankrott ist damit abgewendet.

Kassenbücher auf Vordermann bringen

Unvollständige Kassenbücher bringen dem Geschäftsführer ebenfalls Ärger ein, weil er einen fehlenden Kassenbestand ersetzen muss. Überprüfen Sie die Kassenbücher und arbeiten Sie diese nach. Vielleicht lässt der Kassenbestand sich noch auf Null setzen.

Nichts mehr bezahlen außer Arbeitnehmeranteile

Bezahlen Sie unmittelbar vor der Insolvenz möglichst nichts und niemanden mehr. Auch keine Löhne. Denn als Geschäftsführer haften Sie für alle Geldabflüsse unmittelbar vor der Insolvenz, welche die spätere Insolvenzmasse schädigen. Bezahlen Sie allenfalls die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung, weil dort das Nichtbezahlen unter Strafe steht.

(Gesellschafter)darlehn nicht zurückführen

Es bringt leider keine Vorteile, wenn Sie kurz vor der Insolvenz einen Kredit der GmbH zurückführen, für den Sie persönlich haften. Es bringt auch nichts, befreundete Lieferanten zu bezahlen oder ein Gesellschafterdarlehen. Sie geraten dadurch nur in Schwierigkeiten und der Insolvenzverwalter holt all diese Zahlungen später mittels Anfechtung zurück.

Abweisung mangels Masse provozieren

Eine Ausnahme von dieser Regel können Sie dann machen, wenn eine Chance auf Abweisung des Insolvenzantrages mangels Masse besteht. Abweisung mangels Masse bedeutet, dass das Insolvenzverfahren gar nicht eröffnet wird und es keinen nervigen Insolvenzverwalter gibt, der Sie in die Haftung nehmen will und unangenehme Fragen stellt. Die Abweisung mangels Masse erfolgt, wenn die GmbH über weniger als 2.800 € Liquidität verfügt. Besteht also Aussicht auf eine Abweisung mangels Masse, geben Sie das Geld also noch aus, auch wenn dies eigentlich verboten ist.

keine Entnahmen ohne Vertrag

Entnehmen Sie kein Geld mehr aus der Gesellschaft ohne hierzu einen Rechtsgrund nachweisen zu können, denn sonst droht eine Bestrafung wegen Unterschlagung. Das rückständige Geschäftsführergehalt der letzten Monate können Sie sich straffrei entnehmen, wenn aufgrund des Arbeitsvertrages wirklich ein Rechtsanspruch besteht. Die Entnahme löst zwar ein Anfechtungsrecht des Insolvenzverwalters aus, das heißt: Sie müssten die Entnahme zurückerstatten. Aber wenn die GmbH-Insolvenz auch Ihre private Pleite nach sich zieht, kann Ihnen die Anfechtung relativ gleichgültig sein. Der Insolvenzverwalter kann seine Forderung ja mit auf die Liste der privaten Schulden schreiben…

Rechte und Pflichten in der Insolvenz kennen

Schließlich gehört zur Vorbereitung auf die GmbH-Insolvenz noch das Wissen, was Sie als Geschäftsführer in der GmbH Insolvenz überhaupt tun und lassen dürfen. Kennen Sie Ihre Rechte und Ihre Pflichten gegenüber dem Insolvenzverwalter, damit er Sie nicht ausnutzen kann.

Den GmbH Insolvenzantrag stellen

Den GmbH Insolvenzantrag stellen Sie mit einem gerichtlichen Antragsformular. Dieses finden Sie auf der Webseite des für Sie zuständigen Insolvenzgerichts. Das Formular kann man herunterladen und ausfüllen. Beim Ausfüllen gilt das Motto: Mut zur Lücke. Das Formular ist sehr umfangreich, aber nicht in jedes Feld müssen Sie etwas eintragen. Falls Sie etwas nicht wissen, lassen Sie das Feld frei oder geben Sie einen Schätzwert ein.

Sie müssen ergänzend zum Insolvenzantrag zwar eine Erklärung abgeben, dass der Antrag vollständig und richtig ausgefüllt ist. Aber diese Vollständigkeitserklärung ist widersprüchlich, denn manche Dinge zum Insolvenzantrag, wie beispielsweise die Gläubiger und deren aktuellen Schuldenstand, können Sie nicht wissen.

Fügen Sie dem Insolvenzantrag am besten den Gesellschaftsvertrag bei, einen Handelsregisterauszug und die letzte BWA. Das macht einen guten Eindruck und hilft dem Insolvenzverwalter für den ersten Überblick.

Alles zusammen werfen Sie in den Gerichts-Briefkasten oder übersenden den Antrag mit der Post. Sollte das Insolvenzgericht etwas beanstanden, wird es Sie anschreiben. Nehmen Sie diese Monierung ernst. Denn erst der vollständige GmbH-Insolvenzantrag unterbricht die Insolvenzantragspflicht und räumt den Verdacht auf Insolvenzverschleppung aus.

Bequemer und rechtssicherer stellen Sie den GmbH-Insolvenzantrag über unsere Kanzlei, indem Sie das Online-Formular ausfüllen. Wir überprüfen die Angaben, fordern gegebenenfalls Informationen und Unterlagen nach und beraten Sie als Geschäftsführer persönlich zu allen Fragen rund um die GmbH-Insolvenz.

Akzeptiert das Gericht den GmbH-Insolvenzantrag, erlässt es einen Eröffnungsbeschluss. Der Beschluss erscheint öffentlich auf www.insolvenzbekanntmachungen.de. Damit erfahren Creditreform und Co. und damit die meisten Ihrer Geschäftspartner automatisch davon. Der Eröffnungsbeschluss ist so etwas wie eine Enteignung. Das heißt, Sie als Unternehmer haben die GmbH samt ihrem Vermögen und alle Entscheidungsbefugnisse als Geschäftsführer an den Insolvenzverwalter verloren.

Das vorläufige Insolvenzverfahren

Mit Erlass des Eröffnungsbeschlusses beginnt das vorläufige Insolvenzverfahren. Dem vorläufigen Insolvenzverfahren folgt die endgültige Insolvenz oder auch „Hauptverfahren“ genannt. Das Hauptverfahren startet so wie die vorläufige Insolvenz mit einem Gerichtsbeschluss.

Die vorläufige Insolvenz dauert zwischen null und drei Monate. Die Dauer richtet sich nach dem Lohnrückstand. Sind keine Löhne rückständig, dauert die vorläufige Insolvenz drei Monate. Ist ein Monatslohn rückständig, beträgt die Verfahrensdauer zwei Monate, usw. Die Grundlage für die Bemessung der Verfahrensdauer ist das Insolvenzgeld. Je mehr Löhne offen sind, desto kürzer ist der Insolvenzgeldzeitraum und damit die vorläufige Insolvenz.

Falls Sie die GmbH schließen wollen, kann Ihnen die Dauer des Insolvenzgeldzeitraums gleichgültig sein. Wollen Sie die GmbH aber retten und sanieren, ist der Zeitraum nicht egal. Dann gilt: Je länger, desto besser.

In der vorläufigen Insolvenz muss der Insolvenzverwalter versuchen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Das steht so im Gesetz, weil der Verkauf eines intakten Unternehmens den Gläubigern mehr Geld einbringt, als der Verkauf der Einzelteile. Also wird der Insolvenzverwalter den Geschäftsführer mit Versprechungen (wir retten Ihr Unternehmen, ich habe Sie lieb) und Drohungen (Sie sind erledigt, falls Sie nicht weitermachen) manipulieren, damit der Geschäftsführer den Betrieb unter der Aufsicht des Insolvenzverwalters aufrechterhält.

Nüchtern betrachtet besteht für den Geschäftsführer kein Grund, auch nur einen Tag länger im Unternehmen zu verbleiben. Die Rettung des Unternehmens in seinem Interesse funktioniert nur mit dem Schutzschirm und der Eigenverwaltung. In der Regelinsolvenz wird das Unternehmen abgewickelt.

Die vorläufige Insolvenz dient schließlich dazu, dass der Insolvenzverwalter das Unternehmens-Vermögen ermittelt und ein Gutachten darüber verfasst. Die Anfertigung des Gutachtens wirft viele Fragen auf und erfordert Nachweise. Diese muss der Geschäftsführer dem Insolvenzverwalter zur Verfügung stellen. Er muss die GmbH-Geschäfte zwar nicht fortführen, ist dem Insolvenzverwalter aber umfassend zur Auskunft verpflichtet.

Die Eröffnung der GmbH-Insolvenz im Hauptverfahren

Nachdem der Insolvenzverwalter das Insolvenzgutachten fertiggestellt hat und der Insolvenzgeldzeitraum ausgelaufen ist, wird das Gericht das Hauptverfahren eröffnen. Mit der Eröffnung des Hauptverfahrens findet die endgültige Enteignung der GmbH-Gesellschafter und die Entmündigung des Geschäftsführers statt. Spätestens ab dann gehen auch von Gesetzes wegen alle Verfügungsrechte auf den Insolvenzverwalter über.

Im Hauptverfahren wird der Insolvenzverwalter weiterhin versuchen, das Unternehmen im Sinne der Gläubiger bestmöglich zu verwerten. Im Idealfall akquiriert er hierzu einen fremden Käufer, der das Unternehmen im Ganzen erwirbt. Oder der Insolvenzverwalter versucht, den Betrieb an ein Familienmitglied des Unternehmers (Auffanggesellschaft) oder an das Management (Management Buy Out) zu verkaufen.

Findet sich kein Käufer, stellt der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb endgültig ein und überlässt den Verkauf der Einzelteile einem Verwerter. Der bisherige Unternehmer, Gesellschafter oder Geschäftsführer spielt in diesem Verfahrensstadium keine Rolle mehr.

Das Hauptverfahren dient außerdem der Feststellung, welcher Gläubiger von der GmbH wie viel Geld bekommt. Das Ergebnis der so genannten Forderungsfeststellung hält das Gericht in einer Insolvenztabelle fest. Die Eintragung einer Forderung in die Insolvenztabelle ist rechtsverbindlich. Schließlich prüft der Insolvenzverwalter im Hauptverfahren etwaige Haftungsansprüche gegen die GmbH, Gesellschafter und Geschäftsführer und setzt sie gegebenenfalls zwangsweise durch.

Die Gesellschafter haften immer nur auf das gezeichnete Stammkapital. Kann der Gesellschafter die Einzahlung nicht eindeutig nachweisen, muss er nachzahlen. Der Geschäftsführer wiederum muss beweisen, dass er die Insolvenz fristgemäß beantragt hat. Andernfalls haftet der als Geschäftsführer gem. § 64 Abs. 2 GmbHG für alle Geldabflüsse seit dem Eintritt der Insolvenzreife.

Gläubigerversammlung und Prüfungstermin

Etwa zwei bis vier Monate nach der Eröffnung des Hauptverfahrens bestimmt das Gericht einen Termin für die Gläubigerversammlung und den Prüfungstermin für die Verbindlichkeiten. Der Prüfungstermin dient dazu, die Schulden der GmbH rechtsverbindlich festzustellen, was wiederum die Voraussetzung für die Bestimmung der späteren Quote für die Befriedigung der Gläubiger ist.

Die Gläubigerversammlung hingegen ist das Parlament aller Gläubiger. Weil das Unternehmen mit dem Eintritt in das Hauptverfahren nicht mehr dem Unternehmer gehört, sondern den Gläubigern, können diese bestimmen, was mit dem Unternehmen geschehen soll. Darüber beraten und stimmen die Gläubiger in der Gläubigerversammlung und ab. Soweit zur Theorie. In der Praxis geschieht gar nichts. Kein einziger Gläubiger erscheint. Weil das Fernbleiben als Zustimmung zum Votum des Insolvenzverwalters gilt, kann er machen, was er möchte.

Leider sind die Gläubiger sich ihrer Macht nicht bewusst. Erscheint beispielsweise bei einer Millionen-Pleite ein einziger Gläubiger mit einer 100 € Forderung, entscheidet er über alles und jeden: Abwahl des Insolvenzverwalters, Fortführung oder Einstellung des Geschäftsbetriebes, Art und Weise der Verwertung, usw.

Diese „Trägheit“ der Masse nutze ich zugunsten meiner Mandanten aus, indem ich äußerst günstige Insolvenzpläne beispielsweise mit 2 % Quote durchsetze.

Die Klärung von Haftungsansprüchen und Anfechtung

Nachdem die Gläubigerversammlung stattgefunden hat, durchsucht der Insolvenzverwalter die Kontoauszüge und Geschäftspapiere und ermittelt dabei, wo er noch Geld einsammeln kann. Das heißt: er prüft die Anfechtung und die Haftungsansprüche.

Die Anfechtung ist eine merkwürdige Rechtsausprägung. Dabei geht das Recht von der Gleichbehandlung aller Gläubiger aus. Kein Gläubiger darf sich einen Sondervorteil verschaffen. Wer beispielsweise als nahestehende Person weiß oder aufgrund schleppender Zahlung und Mahnungen darauf schließen kann, dass die GmbH in Zahlungsschwierigkeiten steckt, darf von der GmbH kein Geld mehr annehmen. Nimmt der Gläubiger das Geld dennoch an, muss er es später im Insolvenzfall erstatten. Die Anfechtung macht rücksichtsloses Geldeintreiben sinnlos. Das trägt zum Rechtsfrieden bei und ist ein Vorteil. Den Nachteil erfahren Geschäftspartner, wenn sie mühselig eingetriebene Gelder erstatten müssen.

Neben der Anfechtung prüft der Insolvenzverwalter, ob er die Geschäftsführung und die Gesellschafter in Regress nehmen kann. Der Geschäftsführer muss beispielsweise nahezu alle Geldabflüsse aus der GmbH ab Eintritt der Insolvenzreife erstatten. Zusätzlich haftet er für Managementfehler und Geldentnahmen wie Gehälter vor der Insolvenz. Darlehen der GmbH an Geschäftsführer und Gesellschafter sind zurückzuerstatten, usw. Das ist ein unangenehmes Thema. Der Geschäftsführer kann sich der persönlichen Haftung nur mittels „Armut“ entziehen.

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Abschluss der GmbH-Insolvenz

Hat der Insolvenzverwalter alle Anfechtungs- und Haftungsfragen geklärt, führt er noch den einen oder anderen Prozess. Danach lässt er die Akte oft über Jahre liegen. Die Geschäftspapiere lagert er bei einem Dienstleister ein oder er zwingt den ehemaligen Geschäftsführer zur Abholung. Schließlich erledigt der Insolvenzverwalter die steuerlichen Angelegenheiten.

Das war´s. Die GmbH ist abgewickelt. Der Insolvenzverwalter rechnet seine Gebühren ab und bezahlt die Verfahrenskosten. Sollte danach immer noch Geld vorhanden sein, erhalten die Gläubiger eine Quote.

Wie Sie Ihre GmbH sanieren und retten

Die Sanierung einer GmbH – also der Erhalt des Unternehmens und dessen Entschuldung – erfolgt mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens. Das Schutzschirmverfahren stellt Ihr Unternehmen zunächst unter Gläubigerschutz. Unter dem Schutzschirm bezahlt das Unternehmen nur das, was für den Geschäftsbetrieb notwendig ist. Die Arbeitsagentur übernimmt für drei Monate die Gehälter.

Anhand dieser Effekte entsteht im Unternehmen kurzfristig Liquidität. Diese verteilt man am Ende des Schutzschirms quotal an die Gläubiger. Hierzu unterbreiten Sie den Gläubigern einen speziellen Vergleich: Sie bieten den Gläubigern ca. ein Drittel des angesparten Cash-Bestandes als Quote. Mit dem zweiten Drittel begleichen Sie die Verfahrenskosten und der Rest verbleibt als Working-Capital im Unternehmen.

Das Schutzschirmverfahren ist rechtlich und wirtschaftlich machbar, wenn das Unternehmen nach Einstellung allen Schuldendienstes und überflüssiger Zahlungspflichten rentabel läuft. Es muss Gewinne erwirtschaften. Begünstigt wird der Erfolg des Schutzschirms, wenn das Unternehmen viele Mitarbeiter und wenig eigenes Anlage- und Umlaufvermögen und möglichst keine Grundstücke hat.

Diesen speziellen Vergleich nennt man Insolvenzplan. Da der Insolvenzplan die Rechte der Gläubiger beschneidet, überwacht der zuständige Insolvenzrichter argwöhnisch, ob der Unternehmer mit Hilfe des Insolvenzplans versucht, die Gläubiger „für dumm zu verkaufen“. Der Richter stellt damit die eigentliche Hürde für den Erfolg des Insolvenzplans dar. Der Abstimmungstermin der Gläubiger über den Insolvenzplan verläuft hingegen reibungslos.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist das Schutzschirmverfahren machbar, wenn das Unternehmen nach Einstellung allen Schuldendienstes und überflüssiger Zahlungspflichten folgende Bedingungen erfüllt:

  1. Der Geschäftsbetrieb muss wieder Gewinn erwirtschaften, also rentabel sein.
  2. Das Unternehmen hat genügend Liquidität für den Insolvenzplan

Die Mindesthöhe der für den Insolvenzplan erforderlichen Ansparung werden wir bei der Vorbereitung des Schutzschirmverfahrens in der Sanierungsplanung errechnen. Damit steht die Zielgröße von Beginn an fest und die Geschäftsführung kann sich daran orientieren.

Verfehlt das Unternehmen die für den Insolvenzplan erforderliche Ansparung, kann es sich nicht aus dem Verfahren freikaufen. In diesen Fällen hilft ein Sponsor weiter, der frisches Kapital investiert. Die Ansparung erfolgt idealerweise innerhalb des Insolvenzgeld-Zeitraums, da der Liquiditätszuwachs dann am größten ist.

So beantragen Sie eine GmbH-Insolvenz

Scheint die Sanierung des Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren aussichtslos oder will der Unternehmer den Betrieb aus anderen Gründen schließen, beantragt er die reguläre Insolvenz. Den Insolvenzantrag stellt der Unternehmer selbst oder besser mit anwaltlicher Hilfe. Das richtige Antragsformular steht zum Herunterladen auf den jeweiligen Webseiten der zuständigen Insolvenzgerichte bereit.

Muss der Geschäftsführer den Insolvenzantrag mangels finanzieller Mittel für die anwaltliche Honorierung selbst ausfüllen, sollte er nicht an dem seitenlangen Fragebogen verzweifeln. Nehmen Sie den Fragebogen nicht allzu ernst und zeigen Sie Mut zur Lücke. Im Gegensatz zur Privatinsolvenz, bei der Sie die Restschuldbefreiung anstreben, erfüllen Sie beim GmbH-Insolvenzantrag „nur“ eine gesetzliche Pflicht. Es reicht aus, wenn Sie das Antragsformular ungefähr ausfüllen, denn viele der angeforderten Informationen, wie beispielsweise die aktuellen Schuldenstände, stehen noch gar nicht fest.

Ab welchem Zeitpunkt der Insolvenzantrag spätestens gestellt werden muss, haben Sie in den Kapiteln zur Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung erfahren. Beantragen Sie die Insolvenz besser früher als später und schieben Sie die Entscheidung darüber nicht zu lange vor sich her. Mit jedem Tag des Zögerns verschlechtern Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als Geschäftsführer einer insolventen GmbH der privaten Haftung entgehen.

Ist der Insolvenzantrag bei Gericht eingereicht, wird Sie je nach Unternehmensgröße und insbesondere Anzahl der Mitarbeiter ein netter Herr oder eine nette Dame kontaktieren. Das ist der (vorläufige) Insolvenzverwalter. Beim ersten Treffen zeigen sich diese Herrschaften in der Regel wirklich nett und hilfsbereit. Die Gemeinheiten folgen später.

Der Insolvenzverwalter bestimmt ab sofort das unternehmerische Geschehen und kontrolliert insbesondere die Geschäftskonten und die Ausgaben. Ihr Job als Geschäftsführer hat ab sofort jeden Spaßfaktor verloren. Deshalb rate ich Ihnen, dass Sie sich vom Unternehmen möglichst fernhalten. Es ist besser, Sie bleiben zu Hause und arbeiten an Ihrer neuen wirtschaftlichen Existenz.

Rechte und Pflichten in der GmbH-Insolvenz

Die Pflichten des Geschäftsführers in der GmbH-Insolvenz sind bei weitem nicht so umfangreich, wie Insolvenzverwalter den Geschäftsführern gerne einreden. Die EINZIGE Pflicht des Geschäftsführers einer insolventen GmbH besteht darin, dem Insolvenzverwalter alle zur Betriebsfortführung notwendigen Informationen und Zugänge zu verschaffen.

Weitere Pflichten als die Informations- und Zugangsverschaffung bestehen nicht. Ist ein Prokurist oder Arbeitnehmer mit ähnlicher Funktion im Unternehmen angestellt, der diesen Job übernehmen kann, ist der Geschäftsführer von diesen Pflichten befreit.

Soweit zur Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass sich die Geschäftsführer dem Unternehmen verpflichtet fühlen. Mit vollem Einsatz erscheinen sie täglich im Betrieb. Die Insolvenzverwalter wissen, das falsch verstandene Pflichtgefühl des Geschäftsführers auszunutzen. Sie lassen den Geschäftsführer in dem Glauben und nutzen dessen Einsatzbereitschaft aus.

Mag sein, dass es mit dem Unternehmen weitergeht. Aber nicht mit dem Geschäftsführer und nicht mit dem Unternehmer. Deshalb mein Rat: Vermeiden Sie diese demütigende Situation.

Geben Sie mit der Insolvenzeröffnung den Schlüssel ab und überlassen Sie die GmbH dem Insolvenzverwalter. Es war ohnehin Ihre Absicht, die GmbH aufzugeben. Andernfalls hätten Sie das Schutzschirmverfahren zur Rettung gewählt.

Insolvenzverwalter empfehlen die „übertragende Sanierung“

Möglicherweise wollen Sie noch wissen, was mit der GmbH in der Insolvenz geschieht. Das erkläre ich Ihnen in diesem Kapitel:

Nach dem Gesetz soll der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb eines insolventen Unternehmens möglichst fortführen. Fällt der bisherige Geschäftsführer aus, wird der Insolvenzverwalter selbst die Fortführung versuchen. Erfahrungsgemäß sind die Mitarbeiter dazu bereit, ihm zu helfen.

Die Betriebsfortführung hat zum Ziel, dass der Insolvenzverwalter das Unternehmen möglichst im Ganzen verkaufen kann, weil der Verkauf im Ganzen (dem Insolvenzverwalter) das meiste Geld einbringt. Den Verkauf eines insolventen Unternehmens nennt man „übertragende Sanierung“.

Der Insolvenzverwalter verkauft dabei nicht so wie im richtigen Leben die Gesellschaftsanteile, sondern die einzelnen Vermögensgegenstände, die Vertragsbeziehungen, den Goodwill, usw. Übrig bleibt ein leerer, überschuldeter Gesellschaftsmantel. Diesen wickelt der Insolvenzverwalter ab.

Der Unterschied zwischen dem Schutzschirmverfahren und der übertragenden Sanierung besteht also darin, dass das Schutzschirmverfahren die GmbH im Ganzen erhält. Bei der übertragenden Sanierung hingegen werden die einzelnen Bestandteile im Ganzen verkauft und die übrigbleibende Hülle entsorgt.

Der Vorteil der übertragenden Sanierung besteht darin, dass die Bonität der aufkaufenden GmbH nicht belastet ist und dass alle Verträge mit Dritten wie beispielsweise Mietverträge, Kundenverträge, usw. nicht automatisch auf das neue Unternehmen übergehen. Das neue Unternehmen muss sich um jeden Vertrag, den es übernehmen will, neu bemühen.

Für den betroffenen Unternehmer, der sein Unternehmen behalten will, ist die übertragende Sanierung immer schlechter als der Schutzschirm. Will der Unternehmer sein Unternehmen per übertragender Sanierung zurückkaufen, braucht er Geld. Weil Ersparnisse nicht mehr vorhanden sind, scheitert die übertragende Sanierung.

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Kalkulieren Sie Ihr persönliches Regress-Risiko und schützen Sie sich davor

Oft bringt eine GmbH-Insolvenz auch die Geschäftsführer und die Gesellschafter in Zahlungsschwierigkeiten. Leider sind die Gesetze sehr unternehmerfeindlich ausgestaltet.

Zwar schützt die GmbH den Gesellschafter wirklich effektiv vor persönlicher Haftung und ist beschränkt auf das einzuzahlende Stammkapital, aber häufig haftet der Gesellschafter mit einer Bürgschaft für den Unternehmenskredit. Die gesetzliche Haftungsbeschränkung des Gesellschafters ist also ausgehebelt.
Vor allem aber den Geschäftsführer machen Finanzämter, Sozialversicherungsträger und der Insolvenzverwalter gerne zum Prügelknaben.

Der Geschäftsführer haftet persönlich für nicht abgeführte Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung und für rückständige Unternehmenssteuern per Durchgriffshaftung. Hat der Geschäftsführer den Insolvenzantrag nicht rechtzeitig gestellt, haftet er des Weiteren für alle Geldabflüsse aus der GmbH ab Überschreiten der Insolvenzreife. Möglicherweise wird man den Geschäftsführer darüber hinaus für falsche unternehmerische Entscheidungen verantwortlich machen.

Dem von der GmbH-Insolvenz betroffenen Geschäftsführer will ich mit diesen Zeilen keine schlechte Laune machen, vielleicht geht der Kelch derartiger persönlicher Haftungsansprüche ja an ihm vorüber. Aber ich möchte auf das enorme Haftungsrisiko hinweisen, sodass er vorgewarnt ist und sich in Position bringen kann.

Doch auch das „Geld verstecken“ will gelernt sein, weil auch hier eine Reihe erschwerender gesetzlicher Verbote entgegenstehen. Beispielsweise ist es verboten, einem Gerichtsvollzieher Vermögenswerte zu verschweigen (wobei allerdings bis zur Abgabe einer Vermögensauskunft noch erheblicher Gestaltungsspielraum besteht).

Bedenklich wäre es darüber hinaus, in Kenntnis der unmittelbar anstehenden GmbH-Insolvenz ein Kontoguthaben an den Ehepartner oder Freund zu überweisen oder eine Lebensversicherung zu übertragen. Würde sich der Geschäftsführer später zu einem Insolvenzverfahren nach deutschem Recht entschließen, wäre diese Übertragung anfechtbar und würde dem Ehegatten bzw. Freund einige Schwierigkeiten bereiten.

Vollkommen ausgeliefert ist der Geschäftsführer aber dennoch nicht. Ein gewisses „Katz-und-Maus-Spiel“ ist durchaus erlaubt. Insbesondere besteht keine Pflicht, den Gläubigern das private Vermögen widerstandslos auf einem Servierteller zu überlassen.

Es hat sich nach meiner Erfahrung bisher immer gelohnt, darüber nachzudenken, wie man den Geschäftsführer in eine möglichst vorteilhafte Position bringen kann, um ihn vor persönlicher Haftung zu schützen.

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Sehr geehrter Herr Franzke,
seit 2010 bin alleinige geschäftsführende Gesellschafterin einer GmbH im Bauhauptgewerbe. Unsere Auftragslage war bisher stets hervorragend. Die GmbH ist leider, aufgrund von schlechter Zahlungsmoral, Einbehalten, div.Kürzungen unserer Rechnung und mehreren erzwungen Vergleichen (im 5-stelligen Bereich) mit Auftraggebern sehr finanziell angeschlagen. Hinzu kommt, dass unsere hauseigene Buchhalterin 2014 ins Mutterschutz ging und die Buchhaltung an ein uns empfohlenes Steuerbüro abgegeben wurde. Das Ende vom Lied ist, dass das Jahr 2014 komplett nachgebucht werden muss, was sehr langwierig ist. Durch die fehlenden Steuererklärungen ab 2014 ist unsere Bonität so weit gesunken, dass uns die Bürgschaftversicherung keine weitere Bürgschaften ausstellen kann. Dadurch liegen allein ca. 200 000 Euro Sicherheiten bei verschiedenen Auftraggebern für Gewährleistungsansprüche. Unsere momentane ausstehende Gesamtforderung liegt bei ca. 438 000 Euro, Zahlunsforderungen div. Gläubiger liegen bei ca. 340 000 Euro.
Zuletzt haben wir 11 gewerbliche Mitarbeiter beschäftigt. Durch die Unfähigkeit den Dezemberlohn rechtzeitig auszuzahlen, aufgrund von nicht bezahlten Rechnungen, haben wir Winterausfallgeld (das 1. mal) beantragt für 6 Mitarbeiter. 5 Mitarbeiter wollten sich lieber beim Arbeitsamt als arbeitslos anmelden, mit diesen haben wir Aufhebungsverträge gemacht, mit Möglichkeit einer Wiederbeschäftigung bis zum 1.4.2018 . Im Büro sind weitere 4 Leute tätig, inkl. mich, mein Mann (Betriebsleiter), eine Sekräterin und eine Mitarbeiterin die Aufmasse erstellt.
Ist unsere GmbH für einen Schutzschirm geeignet?

Herzlichen Dank im Voraus für Ihre umgehende Antwort
Freundliche Grüße

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    Jörg Franzke
    4. Februar 2018 9:40

    Ich glaube nicht, dass Ihre GmbH für das Schutzschirmverfahren geeignet ist. Einerseits, weil die Buchhaltung nicht auf dem Laufenden ist. Die Gerichte sind diesbezüglich sehr pingelig. Andererseits wird das Schutzschirmverfahren das Problem der fehlenden Gewährleistungs- und Anzahlungsbürgschaften nicht lösen. Besser ist es, Sie gründen eine neue GmbH und stellen einen Insolvenzantrag für die alte GmbH.

    Antworten
Klaus Riedmann
13. Dezember 2017 12:49

Guten Tag Herr Franzke,
vorab bereits vielen Dank für die Möglichkeit sich hier Rat holen zu dürfen.
Bei uns steht eine Betriebsübernahme an. Ich würde eine neue GmbH gründen, hierzu müssten Kredite in Anspruch genommen werden. Zusammen mit meiner Frau besitzen wir ein Eigenheim samt Grundstück (unbelastet, schuldenfrei). Diesen Vermögenswert möchte ich gerne vor einem Verlust, z.B. bei einer Insolvenz meines noch nicht gegründeten Unternehmens schützen. Ist dies so möglich (Übertragung auf meine Frau oder eines der Kinder?), oder kann das dann noch im Nachgang angefochten werden? Die Übertragung würde ja bereits im Vorfeld der Gründung stattfinden. Sind sonst noch Regeln zu beachten? Vielen Dank für Ihre Rückantwort, Grüsse Klaus.

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    Jörg Franzke
    20. Dezember 2017 21:45

    Sie könnten die Haushälfte an Ihre Frau verkaufen. Dies müsste stattfinden, bevor Sie sich auf das Geschäft einlassen. Weitere Regeln sind nicht zu beachten.

    Antworten

Hallo, mein Lebensgefährte ist in der Privatinsolvenz. Ich habe ihn als Geschäftsführer in meiner GmbH angestellt. Der Insolvenzverwalter verlangt regelmässig die Gehaltsabrechnungen des GF, das ist auch OK, aber hat er das Recht sich die BWA der GmbH anzusehen?

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    Jörg Franzke
    3. August 2017 9:01

    Eigentlich nicht. Der Verwalter geht aber von einem Gestaltungsmissbrauch aus und unterstellt Ihnen, dass die GmbH eigentlich dem Lebensgefährten gehört und Sie nur ein Strohmann sind. Das kann man aber entkräften, indem man darstellt, dass der Lebensgefährte eine “angemessene Erwerbstätigkeit” entsprechend seiner Berufsausbildung ausübt und ein entsprechendes pfändbares Einkommen abführt.

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Sehr geehrter Herr Franzke,

zunächst ein paar kurze Worte zur aktuellen Unternehmeskonstellation:
Die GmbH, dessen GF ich bin, hat 10 Vollzeit-Mitarbeiter und 4 Aushilfen. Der Jahresumsatz beträgt ca.1Mio€. Die Werkstatt, Maschinen und teilweise auch die Fahrzeuge sind gepachtet.

Im Januar 2016 wurde in der GmbH durch die Gesellschafterversammlung beschlossen, das Stammkapital von 100T€ auf 50T€ herabzusetzen.
Die Wartezeit ist nun vorüber und das Amtsgericht hat die entsprechende Eintragung im Handelsregister vorgenommen.
Nun muss ich die Diffenrenz von 50T€ von der GmbH an die Gesellschafter überweisen.

Jedoch waren vor einem Jahr die wirtschaftlichen Voraussetzungen besser. Mittlerweile wird der Wettbewerbsdruck aus Osteuropa spürbar und die Ertragssituation der GmbH ist schlechter geworden.
Die durch die Kapitalherabsetzung reduzierte Liquidität ist derzeit weiterhin ausreichend, um die Lieferanten mit Skonto zu zahlen.
Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Daher ist mein Bestreben, die Liquidität zumindest teilweise wieder in die GmbH zurückzuholen. Entweder jetzt oder später, wenn es dann evtl. erforderlich ist. Die Gesellschafter wären dazu bereit.
Jedoch stelle ich mir die Frage welche Vorgehensweise sicher vor Anfechtung ist.
Wohlgemerkt nur für den Fall des Worst Case (=Insolvenz). Aktuell sind wir wie gesagt Skontozahler. Aber wer weiß, was in einem, zwei oder zehn Jahren ist.

Welche Vorgehensweise zur Wiederherstellung der ursprünglichen Liquidität in der GmbH kann im Insolvenzfall angefochten bzw. welche kann NICHT angefochten werden? Hier einige Varianten:
1. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an die Gesellschafter überweisen und nichts weiter unternehmen
2. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an die Gesellschafter überweisen. Von der GmbH Edelmetalle (ca. 30T€) an die Gesellschafter verkaufen.
3. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an die Gesellschafter überweisen. Von der GmbH Edelmetalle (ca. 30T€) an die Gesellschafter verkaufen. Drei gebrauchte Fahrzeuge zum Zeitwert (20T€) von der GmbH an die Gesellschafter verkaufen und diese anschließend an die GmbH verpachten.
4. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an die Gesellschafter überweisen. Von der GmbH Edelmetalle (ca. 30T€) an die Gesellschafter verkaufen. Zudem gewähren die Gesellschafter der GmbH ein zinsloses Darlehen über ca. 20T€
5. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an die Gesellschafter überweisen. Von der GmbH Edelmetalle (ca. 30T€) an die Gesellschafter verkaufen. Zudem gewähren die Gesellschafter der GmbH ein zu verzinsendes Darlehen über ca. 20T€
6. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an die Gesellschafter überweisen. Die Gesellschafter gewähren der GmbH ein zinsloses Darlehen über ca. 50T€
7. Kapital in Höhe von 50T€ aus der GmbH an das BU überweisen. Die Gesellschafter gewähren der GmbH ein zu verzinsendes Darlehen über ca. 50T€
8. Oder muß ich das Kapital wieder komplett und offiziell wieder als Stammkapital einlegen, um jede Anfechtung auszuschließen? Also wären quasi alle Tätigkeiten bzgl. der Herabsetzung vergebens?
9. Sollten 1.-7. alle anfechtbar sein: Gibt es andere Möglichkeiten?

Die Betrachtung zu einer möglichen Anfechtung bitte auch vor dem Hintergrund vornehmen, dass die GmbH ein eher kleines Unternehmen ist (vgl. die anfänglichen Worte) und mit 50T€ auch jetzt immer noch doppelt soviel Stammkapital führt, wie mindestens vorgeschrieben.

10. Wie lange rückwirkend kann die Herabsetzung des Kapitals angefochten werden?

Wie gesagt: Alles nur für den Worst Case. Vor dem wir hoffentlich verschont bleiben! Aktuell erscheint es vielleicht als Luxusproblem. Aber wer weiß, was in eine paar Jahren ist und wie sich der Wettbewerbsdruck aus Osteuropa zukünftig entwickelt. Das macht mir momentan die größten Sorgen.
Und Personal zu reduzieren wäre aufgrund der durchgängig 25-bis 40-jährigen Betriebszugehörigkeit und entsprechend hohen Abfindungen quasi Selbstmord.

Beste Grüße und vielen Dank

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    Jörg Franzke
    20. März 2017 6:26

    Egal wie die Gesellschafter der GmbH wieder Kapital zuführen: Im Zweifel würde jede Art von Zuwendung als Eigenkapital ersetzendes Darlehn gewertet werden, mit der Folge, dass die Gesellschafter auch gleich wieder das Stammkapital erhöhen können. Die Gesetze, die einen Kapitalabfluss verhindern sollen, sind hier sehr engmaschig und leider kann ich Ihnen auch keinen Trick verraten, weil es keinen gibt.

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Sehr geehrter Herr Franzke,

ich bin Geschäftsführer einer UG im Bereich IT Dienstleistung. Leider ist uns unser Großkunde abgesprungen und somit auch unsere Hauseinnahmequelle. Aus diesem Grund werden wir in absehbarer Zeit zahlungsunfähig sein. Unsere Verbindlichkeiten belaufen sich zu 90 % auf Lohnkosten. Aufgrund geltenden Rechts bin ich gezwungen Insolvenz anzumelden. Die UG beschäftigt 8 Mitarbeiter, welche derzeit teilweise noch auf Projekten arbeiten, die auch über den Zeitraum des Insolvenzantrags weiterlaufen. Es werden somit noch Einnahmen erwirtschaftet, die leider nicht die laufenden Kosten decken. Würde ein Verfahren im Rahmen des Schutzschirmes für uns in Frage kommen? Oder gibt es neben der Insolvenzanmeldung weiter Möglichkeiten ( Stilllegung der Betriebsstätte). Eine Lösung, in der die Mitarbeiter zumindest für den Lohnausfall abgesichert sind ist hierbei erstrebenswert. Vielen Dank im Voraus.

Antworten
    Jörg Franzke
    10. März 2017 16:35

    Es ist richtig, dass Sie die Insolvenz anmelden müssen. Die Mitarbeiter bekommen dann in jedem Fall das Insolvenzgeld, also egal ob reguläre Insolvenz oder Schutzschirm. Für so ein kleines Unternehmen lohnt sich ein Schutzschirm kaum. Da ist es besser, wenn man die alte UG auslaufen lässt und mit einer neuen UG Weitermacht. Das kann man in Kooperation mit den späteren Insolvenzverwalter machen, indem man ihm alles abkauft, oder auf eigene Faust oder in einer Mischform.

    Antworten

Hallo Herr Franzke,

unsere GmbH droht die Zahlungsunfähigkeit. Aktuell haben wir zwar noch ein Bankguthaben von mehreren Zehntausend EURO, dies deckt aber nicht mehr alle Verbindlichkeiten; Nun gibt es ja diverse Angebot “GmbH Kauf”, GmbH Bestattung” etc. Sie wissen sicher was ich meine. Ist hiervon (also von einem Verkauf VOR insolvenz) im Sinne der GF-Haftung grundsätzlich abzuraten, oder kann so eine Abwicklung durch Ihre Begleitung durchaus sinnvoll sein und vor allem für mich als GF ein “schnelles Ende” ohne ein langwieriges Insolvenzverfahren, in dem man ja wohl als GF stark eingebunden (emotional und arbeitstechnisch) ist.

Antworten
    Jörg Franzke
    19. Februar 2017 17:53

    Ob Sie sich Ihrer Sorgen auf diese Weise entledigen wollen, entscheiden Sie selbst. Erwischt man Sie dabei – die Wahrscheinlichkeit ist hoch – gehen die Sorgen bei Ihnen erst richtig los. Denn eine GmbH-Bestattung ist kein “Kavaliersdelikt” wie beispielsweise eine Insolvenzverschleppung, sondern knallharte Wirtschaftskriminalität Da langt der Staatsanwalt ganz anders zu.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke,

seit langem lese ich mit Interesse in Ihrem Forum.
Nun habe ich ein Problem das hier noch nicht beschrieben wurde.
Ich bin Inhaber und GF einer 1 Mann GmbH. Die GmbH und ich privat haben
keinerlei Schulden. Allerdings hat die GmbH nur ein Vermögen von ca. € 1000,-.
Die Einlage von € 25.000,- ist auch nicht vorhanden. Nun droht aus einer Rückrufaktion eines Kunden eine höhere 5-stellige Forderung bei deren Realisierung ich Konkurs anmelden müsste.
Muss ich in diesem Fall die 25.000,- Euro Stammkapital persönlich einzahlen?

Vielen Dank im Voraus.

Bernd W.

Antworten
    Jörg Franzke
    8. Februar 2017 6:20

    Im Insolvenzfall müssen die Gesellschafter den Nachweis erbringen, dass sie die Stammeinlagen eingezahlt haben. Am besten anhand des Einzahlungsbeleges. Der übliche Kommentar in einer notariellen Urkunde: Die Gesellschafter haben den Nachweis ihrer Stammeinlagen nachgewiesen …” reicht nicht aus. Können Sie den strengen Nachweis nicht erbringen, müssen Sie nachzahlen.
    Wenn Ihre GmbH nur noch 1.000 € Haftungskapital hat, könnte dies auf eine Überschuldung hinweisen, aber ob diese vorliegt, hängt von den Verbindlichkeiten der GmbH ab.

    Antworten
Martin Müller
24. Januar 2017 8:47

Sehr geehrter Herr Franzke,

alles Gute für 2017. Vielen Dank auf für die Pflege dieser Internetseite(n).

Ich bin Geschäftsführer einer Ltd & Co. KG und denke über eine Insolvenz nach. Aufgrund Traceability-Richtlinien in meiner Branche wird es auf kurz oder lang eh darauf herauslaufen.

Bei einer Bank habe ich eine Blanko KK-Linie von EUR 60.000 mit selbstschuldnerischer Bürgschaft, also ich hafte nur mit meinem Namen. Allerdings lebe ich aufgrund privater Verhältnisse in der Schweiz.

Wie muss ich mich hier bitte verhalten wenn ich in die Insolvenz gehe bzw. muss ich gleichzeitig auch Privatinsolvenz anmelden? Kann ich dies auch aus der Schweiz heraus oder muss ich in Deutschland leben?

Vielen Dank!

Schöne Grüsse

Antworten
    Jörg Franzke
    24. Januar 2017 20:52

    Zunächst müssten Sie einen Insolvenzantrag über das Vermögen der Ltd. & Co KG stellen (das meinten Sie doch ?). Bei Kapitalgesellschaften besteht ja bekanntlich eine Insolvenzantragspflicht, das heißt es bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig. als den Antrag zu stellen. Dann später, nachdem die Bank Sie für die Bürgschaft in Regress genommen hat, können Sie auch einen Antrag über Ihr eigenes Vermögen stellen, also eine Privatinsolvenz. Das geht aber nur, wenn sie noch in Deutschland gemeldet sind, weil nur dann das deutsche Insolvenzgericht für Sie zuständig ist. Später nachdem das Insolvenzverfahren eröffnet ist, können Sie wieder leben wo Sie wollen, das Insolvenzverfahren würde trotzdem weiterlaufen und am Schluss erhalten Sie die Restschuldbefreiung.

    Antworten
Michael Jockwig
1. Juli 2016 14:05

Sehr geehrter Herr Franzke,
ich bin seit 25 Jahren Fremdgeschäftsführer einer GmbH. Die GmbH befasst sich mit dem Verkauf, dem Consulting und der Softwarebetreuung einer eigenen Wohnungswirtschaftssoftware. Die Rechte an der Software liegen bei mir als Person. Da ich mich kurz vor dem Erreichen des Altersruhestands befinde, wurden die Geschäfte der GmbH sukzessive heruntergefahren. Nun gab es vor kurzem eine Prüfung der deutschen Rentenversicherung, welche entschieden hat, dass der Fremdgeschäftsführer grundsätzlich nicht mehr von der Sozialversicherung befreit wird. Durch diesen Beschluss werden nun der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberbetrag rückwirkend für vier Jahre gefordert.
Bei meiner Anfrage, bei der mit dem Einzug beauftragten, Krankenkasse wurde mir mitgeteilt, dass nur eine Ratenzahlung akzeptiert wird, wenn dadurch die Begleichung der Forderung zeitnah erfolgt. Da dies bei der momentanen Lage der GmbH nicht möglich ist, werde ich wohl spätestens, wenn der Ablehnungsbescheid für die von uns beantragte Ratenzahlung eingeht, die Insolvenz beantragen. Auf Grund der Tatsache, dass die GmbH über keine Vermögenswerte verfügt, wird wahrscheinlich das Verfahren mangels Masse abgewiesen.
Ich bin noch der einzige Beschäftigte der GmbH und es gibt neben der Krankenversicherung nur mich selbst als Gläubiger, da ich der Gesellschaft ein Darlehen gewährt habe. Außerdem ist die Gesellschaft Mieter in meinem Haus.
Meine Fragen in diesem Zusammenhang sind:
1. Welche Konsequenzen für mich privat habe ich eventuell zu befürchten?
2. Kann ich ohne Probleme eine Einzelfirma gründen, um unsere bestehenden Kunden weiter zu betreuen?

Antworten
    Jörg Franzke
    4. Juli 2016 17:06

    Sie können ohne Probleme die bestehenden Kunden zukünftig als Einzelunternehmer betreuen, wenn Sie die Aufträge nicht vermischen, also Aufträge der GmbH als Einzelunternehmer abrechnen. Hinsichtlich der Konsequenzen auf Ihr privaten Verhältnisse vermute ich einen Haftungsdurchgriff. Sie würden als ehemaliger Geschäftsführer zumindest für die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung haften.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke,

ich führe seit über 20 Jahren mit meiner Geschäftspartnerin (beide geschäftsführende Gesellschafterinnen zu jeweils gleichen Teilen, je 50%.) eine GmbH im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung mit 3 Standorten. Im letzten Jahr 2015 schrieben wir erstmals rote Zahlen. Wir befürchten es könnte aufgrund neuer gesetzlichen Bestimmungen zukünftig auch zu Verlusten kommen. Wir haben bei der Bank einen Disporahmenkredit in Höhe von 250.000,-€, den wir bisher nie voll oder überhaupt in Anspruch nehmen mussten. Für diesen haften wir mit unserem Privatvermögen. Meine Geschäftspartnerin verfügt über kein privates Eigentum, ich aber besitze gemeinsam mit meinem Mann (Gütertrennung) ein Einfamilienhaus (je zur Hälfte) welches jedoch bereits schon abgezahlt ist. Wäre es möglich meine Haushälte meiner Tochter, 15 Jahre alt ,zu schenken bzw. zu übertragen, um bei einer möglichen Insolvenz in den nächsten Jahren das Haus abzusichern? Oder gibt es eine andere sichere Variante? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen:-)
MfG

Antworten
    Jörg Franzke
    11. Mai 2016 9:52

    Leider gibt es keine insolvenzfeste Variante, wie Sie die abbezahlte Haushälfte auf eine dritte Person übertragen. Dies gilt insbesondere, wenn Sie die Haushälfte auf eine nahestehende Person wie die Tochter schenkweise übertragen. Dann würde sogar eine zehnjährige Anfechtungsfrist gelten. Das beste was Sie machen können wäre, die Haushälfte einer “fremden” Person zu verkaufen und den Kaufpreis geben Sie dann maßvoll für den Lebensunterhalt aus.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke.

Als Geschäftsführender Gesellschafter einer Ltd habe ich nach Eingang einer Steuerforderung welche duch fehlende Liquidät nicht beglichen werden kann beschlossen innerhalb der gesetzlichen Frist von 3 wochen Insolvenz anzumelden. Diese wird vorraussichtlich mangels masse abgewiesen. Da bestimmte Geschäftsbereiche jedoch rentabel wären würde ich diese gerne in einer UG zur sicherung des Lebensunterhaltes weiterführen. Was wäre zu beachten das die UG nicht für die Verbindlichkeiten der Ltd geadestehen müsste ?
Mit freundlichem Gruß
BA

Antworten
    Jörg Franzke
    21. März 2016 21:03

    Gar nichts wäre zu beachten. Nachdem das Verfahren mangels Masse abgewiesen ist, kümmert sich niemand mehr um irgendetwas. Weil es sich um eine Ltd. handelt, können Sie sich noch einen “Spaß” erlauben: Sie erwähnen in dem Insolvenzantrag, dass die deutsche Niederlassung alle wirtschaftlichen Tätigkeiten eingestellt hat und in Deutschland nicht mehr unternehmerisch tätig ist. Dann wird das Gericht mit etwas Glück das Verfahren ohne weitere Prüfung aufgrund fehlender örtlicher Zuständigkeit des Insolvenzgerichts ablehnen. Ergebnis: Sie haben die Insolvenzantragspflicht erfüllt und zugleich passiert nichts weiter mit der Ltd.

    Antworten
Meik West
4. März 2016 1:58

Ich bin Gesellschafter Geschäftsführer einer UG mit zwei weiteren Gesellschaftern. Wir wollen die UG löschen lassen wegen Vermögenslosigkeit. Die UG hat noch ein paar offene Rechnungen die aber die Gesellschafter nicht bereit sind aus ihren Privatvermögen zu zahlen.
Wenn ich jetzt eine Insolvenz beantrage, wo habe ich als Geschäftsführer zu befürchten?
Ich persönlich befinde mich in der Wohlverhaltensphase einer Privatinsolvenz.

Antworten
    Jörg Franzke
    7. März 2016 7:20

    Sie sollten den beiden Gesellschaftern ein Ultimatum setzen und danach stellen Sie einen Insolvenzantrag. Solange die Insolvenzreife nicht überschritten ist, haben Sie nur Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zu fürchten.

    Antworten
David Nils von Bülow
1. März 2016 11:33

Sehr geehrter Herr Franzke,
ganz herzlichen Dank für die vielen hilfreichen Informationen, die ich bereits oftmals bei kleineren Fragestellungen eingesehen habe. Eine Fallkonstellation konnte ich mir jedoch nicht beantworten: Sofern ein GmbH-Geschäftsführer einen ordnungsgemäßen Insolvenzantrag gestellt hat und dieser mangels Masse abgelehnt worden ist, wird doch das Gericht dem GF die Kosten auferlegen (oder zumindest der GmbH). Da jedoch die GmbH als solche über kein hinreichendes Vermögen verfügen wird (Ablehnung mangels Masse), kann die GmbH diese Kosten nicht leisten. Muss dann der GF persönlich diese Kosten tragen oder kann er der Kostenstelle gegenüber mitteilen, dass die GmbH leistungsunfähig ist und somit kein Ausgleich stattfinden kann? Ganz herzlichen Dank im Voraus für Ihre Einschätzung hinsichtlich des Umganges mit den Kosten.

Antworten
    Jörg Franzke
    7. März 2016 7:23

    Der Geschäftsführer haftet für diese Kosten, weil er gem. Rechtsprechung diese Situation verschuldet hat. Die meisten Gutachter verzichten aber darauf.

    Antworten

Ich habe die Geschäftsführung einer UG übernommen ohne zu ahnen welche Rechte und Pflichten mich erwarten. Als 2015 gegen mich ein Steuerstrafverfahren eröffnet wurde habe ich mich erkundigt und bin bald vohm Hocker gefallen, als ich erfahren haben, dass ich privat für alles haftbar gemacht werden kann. Mein väterlicher Freund hat damals gesagt, ich brauche nur meinen Namen geben, es wird nicht mein Schaden sein. Von den Geschäften die er da treibt bekomme ich bis heute kaum was mit. 2015 mußten sehr viele Steuern bezahlt werden, was er auch getan hat, dafür haben einige Handwerker kein Geld bekommen, diese Handwerker machen jetzt druck, da er wohl auch die vereinbarten Raten nicht bezahlen kann. Ich habe nie selber Geschäfte getätigt und weiss auch nicht im einzelen was da los ist, alles hat mein väterliche Freund gemacht. Jetzt meinte er, dass ich dann halt nächste Woche zum Gericht soll und Insolvenz anmelden soll. Aber was heißt dass für mich Privat?? Wenn ich nie was von den Geschäften mitbekommen habe so konnte ich doch auch nicht meiner Geschäftsführung ordnungsgemäß nachkommen oder? Habe mehrfach gefragt nach Aufstellungen aus denen Ersichtlich ist wieviel die UG den Handwerkern schuldet. Ich habe eine kleine Familie und ein noch hochverschuldetes Haus da dieses erst 5 Jahre alt ist. Ich möchte nicht alles verlieren nur weil ich ihm vertraut habe. Mein Steuerberater sagt, ich kann das Amt niederlegen. Was soll ich jetzt tun?? Wenn ich eine Privatinsolvenz machen muss verliere ich das Haus. Mein Mann ist auch selbstständig und hat auch den ein oder anderen Auftrag von der UG erhalten. Er macht gerade einen Auftrag wofür er noch 6000 Euro bekommt. Bekommt er die nicht können wir unsere Steuern nicht bezahlen. Bin total verzweifelt und fühle mich so ausgenutzt. Ach ja dass ich dumm war weiss ich mittlerweile.
Mit freundlichen Grüßen

Antworten
    Jörg Franzke
    8. Februar 2016 8:53

    Sie sollten in der Tat sofort einen Insolvenzantrag für die UG stellen. Dazu sind Sie verpflichtet und es reicht nicht aus, wenn Sie nur vom Geschäftsführeramt zurücktreten. Sie können dann dem Insolvenzverwalter mitteilen, dass Sie das Geschäftsführeramt nur pro forma ausgeübt haben, und der “Freund” der faktische Geschäftsführer war. Dann bekommt er auch ein Problem mit der privaten Haftung. Sie selbst aber können sich damit leider nicht entlasten.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke,

mein Freund ist Geschäftsführender Gesellschafter einer GmbH. Durch Übernahme von Altlasten beim Kauf im Jahr 2006 und die derzeitig eher schlecht laufenden Geschäfte hat die GmbH ca. 350.000 EUR Schulden (100.000 EUR über einen Dispokredit und 250.000 EUR über einen Warenkredit). Derzeit können wir die Lieferantenrechnungen, Gehälter (4 Mitarbeiter) und Umsatzsteuer – wenn auch mit Zeitverzug – immer wieder irgendwie zahlen . Dennoch stellt sich uns natürlich die Frage was passiert sollte es doch zu einer Insolvenz kommen. Was passiert z.B. mit dem Haus, das wir vor ca. 2 Jahren gekauft und gemeinsam über einen Kredit finanziert haben, sollte mein Freund im Fall einer Firmeninsolvenz auch ggf. Privatinsolvenz anmelden müssen? Wir sind nicht verheiratet, stehen beide im Grundbuch und haben beide den Hauskreditvertrag unterschrieben. Ich habe aber bisher alle Raten und Aufwendungen für den Hauskauf von meinem Gehalt und Erspartem gezahlt. Der Hauskredit läuft bei der Bank, bei der auch der Dispokredit der Firma besteht. Besteht bei einer Insolvenz die Gefahr, dass man auf das Haus zurückgreift, obwohl ich allein bisher alle Kosten getragen habe? Sollten wir das Haus vor einer Insolvenz lieber auf mich übertragen lassen, indem ich z.B. die Haushälfte meinem Freund für 0 EUR abkaufe (da ich ja bisher seine Kreditschulden mitbeglichen habe)?

Vielen Dank für Ihre Antwort

Antworten
    Jörg Franzke
    22. April 2015 21:57

    Es besteht in der Tat ein sehr hohes Risiko, dass Ihr Freund aufgrund der GmbH-Insolvenz auch ein privates Schuldenproblem bekommen wird. Um das Haus zu retten, müsste Ihr Freund Ihnen zunächst das Eigentum seiner Hälfte “mit den Grundschulden belastet” für 1 EUR übertragen. Diese Übertragung ist zwar grundsätzlich anfechtbar, wird aufgrund wirtschaftlicher Aussichtslosigkeit aber nicht realisiert werden. Nach der Übertragung der Haushälfte müssten Sie sich entweder um eine komplett neue Finanzierung kümmern und die gesamten Kredit samt Vorfälligkeit ablösen. Oder Ihr Mann durchläuft ein Insolvenzplanverfahren. In dem Insolvenzplanverfahren würde man regeln, dass die finanzierende Bank eine eigene Gläubigergruppe bildet. Für diese ist dann geregelt, dass der Vertrag einfach “durchgereicht” wird, während die andern Gläubiger sich mit meinen Bruchteil ihrer Forderung zufrieden geben müssen. Ein solches Verfahren ist aufwändig und kompliziert, aber durchaus aussichtsreich.

    Antworten

kann ich als GF einer GmbH einen einmal gestellten Insolvenzantrag wg drohender Zahlungsunf. wieder zurücknehmen?
unter dem § 13 Abs 2 InsO scheint das zu gehen
hier vorliegend fehlt die Unterschrift des Insolvenzrichters, womit die Kriterien des o.g. §er erfüllt scheinen, oder? eine zeitliche Komponente z.B: max 3 Monate entnehme ich dem eigentlich nicht?!
wäre dann der GmbH_Geschäftsführer quasi wieder voll funktionsfähig – unter der Annahme, daß ein “nichtig bestellter vorl. Insoverwalter” ja auch niemandem hätte kündigen können, inkl dem GF.
hm.
die daran anschließender frage wird noch spezieller…
und spannender – sind sie auch in VwVfG und StGB-Fragen fit?
danke vorab
greez oliver

Antworten
    Jörg Franzke
    7. April 2015 6:45

    Grundsätzlich kann man in den ersten Wochen nach eigener Insolvenzantragstellung diesen wieder zurücknehmen. Man muss aber glaubhaft machen können, dass die Zahlungsunfähigkeit beseitigt ist. Wenn dies erst in 3 Monaten eintritt, kommen Sie damit nicht weit.
    Der unterschriebene Eröffnungsbeschluss befindet sich in der Gerichtsakte, alles andere sind Ausfertigungen bzw. Abschriften.

    Antworten
Peter Frank
29. März 2015 19:18

Hallo Herr Franzke,
ich bin auf Ihre Webseite aufmerksam geworden und habe auch eine Frage zu meinem aktuellen Problem…

Ich bin Geschäftsführer einer GmbH, die im Moment zahliungsunfähig ist, das ändert sich aber jetzt die nächsten Tage wieder, das Finanzamt bekommt noch 1000 Euro und bei der Bank sind wir mit 10.000 Euro im Dispo was das maximale ist.

Eventuell erhalten wir einen Kredit in Höhe von 15.000 Euro.
das ist aber noch nicht sicher. Mein Problem ist nun, um Kosten zu sparen war angedacht die GmbH umzuwandeln in ein Einzelunternehmen. Was aber wieder voviel Geld kostet Steuerberaterkosten das dies nicht lohnt.

Nun habe ich folgende Möglichkeiten, 1. es geht weiter…
2. ich schliesse die GmbH und melde insolvenz an die dann mangels Masse vermutlich abgelehnt wird. (Für den Dispo bei der Bank hafte ich zu 50% privat)
Meine konkrete Frage wäre nun, wenn ich die GmbH schliesse und Insolvenz beantrage habe ich dann privat in meiner Schufa ein Insolvenzverfahren stehen?

Ich würde mich freuen, wenn Sie die Antwort auf diese Frage haben.

Viele Grüße
Peter Frank

Antworten
    Jörg Franzke
    30. März 2015 13:42

    Solange die GmbH-Insolvenz nicht aufgrund persönlicher Haftung irgendwelchen Privatschulden erzeugt, wird diese nicht in die Schufa eingetragen.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke,

ich bedanke mich, dass Sie so vielen Fragestellern zeitnah antworten. Ihre Antworten sind wirklich sehr hilfreich.

Folgend zu meiner Situation:

Ich bin alleiniger Geschäftsführer einer 2011 gegründeten UG. Ziel war es Handelsbeziehungen mit iranischen Unternehmen zu unterhalten. Leider war dieses Vorhaben kurz nach Gründung schon nicht mehr möglich, da eine neue Welle von Handelssanktionen gegen den Iran die zuvor schwierigen Handelsbeziehungen gänzlich unmöglich machten.

Schnell war das eingezahlte EK von 500 EUR aufgebraucht und anfallende Kosten wurden aus der privaten Kasse beglichen. Trotzdem hielt ich an dem Vorhaben fest, in der Hoffnung, dass sich die Beziehungen wieder entspannten, leider vergebens.

Ich spielte bereits eine gewisse Zeit mit dem Gedanken, die UG zu schließen. Dem Vorhaben kam leider ein Ordnungsgeld des Bundesamt für Justiz über 2500EUR, wegen zu spät eingereichter Jahresabschlüsse zuvor. Ich bat in einem Schreiben um die Aussetzung des Ordnungsgeldes, was jedoch als Beschwerde angesehen wurde und das Verfahren dem zuständigen Landgericht übergeben wurde. Hinzu kamen noch Gebührenforderungen der IHK. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf etwa 3000 EUR. Unter normalen Umständen hätte ich wieder diese Beträge aus der privaten Kasse beglichen, doch auch hier bin ich seit kurzem Arbeitssuchend und kann diesen Forderungen nicht mehr nachkommen ohne auch Privat in Schwierigkeiten zu kommen.

Mein Vorhaben ist es Regelinsolvenz zu beantragen, welche aufgrund fehlender Masse abgewiesen wird. Nun ist die UG seit langer Zeit Vermögenslos. Es gibt nichts zu liquidieren. Abschlussbilanzen und Notargebühren würden auch noch Kosten verursachen.

1. Hafte ich mit meinem privaten Vermögen für die Verbindlichkeiten und Kosten der Liquidierung?

2. Oder wird das Gericht bei Abweisung aufgrund Vermögenslosigkeit die UG löschen und damit alles beenden?

3. Können Sie mir einen besseren Weg empfehlen, mit dem ich dieses Unternehmen auf die günstigste und schnellste Art und Weise beenden kann?

Ich danke Ihnen vielmals für Ihr Engagement und möchte Sie freundlichst darum bitten, auch in meinem Fall zeitnah zu antworten, da die drei wöchige Frist sich langsam dem Ende neigt.

Antworten
    Jörg Franzke
    31. Mai 2014 21:13

    Hallo,
    das ist eine ärgerliche Geschichte. Die schlechte Nachricht für Sie ist, dass Sie persönlich für das Ordnungsgeld in Höhe von 2500 € haften. Ich nehme an, dass dieses verhängt wurde, weil die Handelsbilanz nicht rechtzeitig zum 30. Juni des Folgejahres auf die Webseite des Bundesanzeigers hochgeladen wurde. Diesen Fehler begehen aus Unkenntnis leider sehr viele Betroffene Geschäftsführer. Ansonsten sollten Sie schnellstmöglich einen Insolvenzantrag gegen die UG stellen. Andernfalls wird es nicht mehr lange dauern und es wird gegen Sie ein weiteres Ordnungsgeld im empfindliche Höhe verhängt. Für die Kosten der Liquidierung haften Sie nicht. Nachdem Sie dem Insolvenzantrag gestellt haben, wird ein Gutachter feststellen, dass das Unternehmen nicht genügend Vermögenswerte hat, und davon die Gerichtskosten zu bezahlen und wie Sie richtig vermuten, dass in zwei Verfahren mangels Masse abzuweisen. Es kann aber sein, dass Sie ca. ein halbes Jahr später wegen Insolvenzverschleppung einen Strafbefehl mit einer Geldstrafe erhalten werden. Es ist relativ sinnlos, sich dagegen zu wehren. Besser man bezahlt die Geldstrafe und Schwamm drüber.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke,
was sollte oder kann ich sinnvolles tun? Folgendes Problem, ich bin seit 2003 GF eine GmbH habe seiner Zeit viel Altlasten übernommen (Personal was ich nicht so schnell abbauen konnte).
In den vergangen 4 Jahren sehr viel abgebaut, expandiert eine weitere GmbH gegründet die als Besitzgesellschaft Maschinen an die erst vermietet. Auf Grund eines extremen Wachstum von 2010-2012 (Jahresumsatz von vorher 100 TEUR zu 2010 1 MIO EUR + 2012 3,6 Mio EUR) kam 2013 bis aktuell der Rückfall, 2013 2,5 Mio. Umsatz geschätzter Verlust ca. 130 TEUR. Personal wurde wieder abgebaut, Kosten reduziert. Jedoch hat der Steuerberater richtig zugeschlagen. Eine Umstrukturierung der Firma dauerte länger als gedacht. Private Probleme kamen hinzu. Stand heute. Kontokorrent 150T EUR Bank Kredit für Ladenumbau mit BG Absicherung 130 TEUR, Verbindlichkeiten Finanzamt ca. 40 TEUR, Sozialversicherungsträger ca. 40 TEUR, Steuerberater 15 TEUR und diverse andere Schuldner ca. 50 TEUR. Kurzfristig (4-8 Wochen) könnten evtl. Warenbestände liquidiert werden mit einem Wert von ca. 40 – 50 TEUR. Derzeit schreiben wir aber wieder kleine schwarze Zahlen.
Was kann man daraus machen? Denn das der Gerichtsvollzieher wöchentlich Geldabholt ist kein Zustand. Ich konnte mir seit einem Jahr bereits kein Gehalt auszahlen und somit laufen auch Privat die Schulden auf. Ca. 10 TEUR.
Ich Dank für Ihre Antwort.

Antworten
    Jörg Franzke
    20. Mai 2014 14:49

    Hallo,

    man müsste sich zunächst anschauen, ob ein Schutzschirmverfahren die richtige Wahl für Ihr Unternehmen wäre. Falls Ihr Unternehmen an sich gute Umsätze schreibt, es aber aufgrund von Altlasten bzw. zu teuren Dauerschuldverhältnissen in Liquiditätsschwierigkeiten gerät, wäre das Schutzschirmverfahren die richtige Sanierungsmethode. Weil die Vermögenswerte sich in einer Besitzgesellschaft befinden, ist das Risiko geringer und später bei einer bilanziellen Entschuldung der Planverfahren wäre es leicht, den Nachweis zu erbringen, dass durch den Plan eine Besserstellung eintritt.

    Ist hingegen ein Umsatzrückgang das Problem z.B. aufgrund dauerhaften Auftragsrückgang, lohnt ein Schutzschirmverfahren aufgrund der negativen Fortführungsprognose nicht und man wird es schließen. Dann muss man sich überlegen, wie die Landung so weich als möglich gestaltet wird und vielleicht ein Deal mit dem späteren Insolvenzverwalter welche Betriebsteile übernommen werden.

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Jp Modrow
7. Mai 2014 19:02

Von einem Bekannten die Druckerei ist überschuldet. Kaumännisch hat er grob ausgedrückt versagt. Er hat sehr gute Aufträge und auch für die Zukunft neues angeleiert. Das Problem ist, das nun ein Liquiditätsengpass entstanden ist.
Da wir auch aus der Branche kommen, und ebenfalls gerade eine Druckerei suchen bzw gründen wollen, da wir Aufträge in Millionenhöhe haben , würden wir gerne helfen. Ist es sinnvoll eine zweite, neue Firma(in dem Gebäude) zu gründen, die wir dann betreiben, wo wir als Produzent auftreten? Wir wollen natürlich nicht komplett einsteigen und die Haftungen mit übernehmen.
Wie kann man vorgehen??

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    Jörg Franzke
    8. Mai 2014 7:38

    Hallo, man könnte ungefähr so vorgehen. Wenn Sie den Freund einfach als Subunternehmer beschäftigen wollen und ihm Aufträge zuteilen, ist alles in Ordnung. Wollen Sie aber Teile seines Unternehmens mit übernehmen, können Sie zur Hanftung herangezogen werden, wenn der Freund später pleite geht. Wie hoch das Haftungsrisiko ist, hängt davon ab, ob es sich bei dem Unternehmen Ihres Freundes um eine GmbH handelt oder um eine Einzelfirma. Man könnte das Unternehmen Ihres Freundes auch gleich mit einem Schutzschirmverfahren sanieren. Dann hat er zugleich die Schulden los.

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