Insolvenz in Eigenverwaltung
rettet zahlungsunfähige Unternehmen

Insolvenz in Eigenverwaltung ist die „kleine Schwester“ des Schutzschirmverfahrens. Die Insolvenz in Eigenverwaltung dient wie das Schutzschirmverfahren der Unternehmenssanierung und entschuldet zahlungsunfähige Unternehmen. Die Verfahren sind nahezu identisch. Im Gegensatz zum Schutzschirmverfahren darf bei der Insolvenz in Eigenverwaltung die rote Linie der Zahlungsfähigkeit bereits überschritten sein. Telefon: 030 306 12345

Erfahrungen & Bewertungen zu Rechtsanwalt Jörg Franzke

Die Ziele der Insolvenz in Eigenverwaltung

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein wichtiger Bestandteil der Unternehmens-Sanierung. Auch im Insolvenzverfahren behält die Geschäftsführung die Kontrolle über das Unternehmen. Die Sanierung läuft im Hintergrund und ist für Kunden und Lieferanten kaum einsehbar. Erfahrungsgemäß will der Unternehmer seinen Betrieb nicht verlieren, sondern erhalten. Dieses Ziel erreicht er nur mit der Insolvenz in Eigenverwaltung.

Unternehmer behält seine Firma

Die Insolvenz in Eigenverwaltung bietet dem in die Zwickmühle geratenen Unternehmer eine faire Chance, das Unternehmen trotz Insolvenzverfahren nicht zu verlieren. Die Sanierung dauert gerade einmal nach sechs bis zehn Monate. Die Geschäftsbeziehungen überstehen in der Regel eine derart kurze Frist.

Geschäftsführer behält die Kontrolle

Alle Rechte der Geschäftsführung bleiben bestehen. Für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter ist die Eigenverwaltung weitgehend unsichtbar. Bleibt der Geschäftsführer im Amt, verbleiben auch das Know-how und Netzwerk erhalten. Das Know-how wird ergänzt mit dem Wissen des Sanierungsberaters über die Restrukturierung.

Geringer Imageschaden

In der Insolvenz in Eigenverwaltung vertritt die Geschäftsleitung das Unternehmen unverändert nach außen, sodass die vertrauten Ansprechpartner für Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter erhalten bleiben. Die Umgebung nimmt den Geschäftsführer also unverändert als Entscheider wahr – und als Sanierungs-Manager.

Liquidität statt Schulden

Das Unternehmen verschafft sich mit den Vorfinanzierungseffekten neue Liquidität, indem beispielsweise die Arbeitnehmer das Insolvenzgeld erhalten. Weitere radikale Einsparungen sind möglich, sodass Sanierungs-Maßnahmen sofort greifen. Alte Schulden werden neutralisiert und behindern das Unternehmen nicht länger.

Geschäftsführer erhält weiterhin Gehalt

Der Geschäftsführer erhält weiterhin ein übliches Gehalt. Die Vergütung entspricht in der Regel der bisherigen Höhe. War es besonders hoch, ist eine Kürzung als „Sanierungsbeitrag“ erwünscht.

Entschuldung bei privater Haftung

Bürgschaften und persönliche Haftung des Unternehmers für das Unternehmen usw. können mit „weg“ verhandelt werden. Das Risiko einer Privatinsolvenz des Geschäftsführers aufgrund der Unternehmensinsolvenz ist erheblich reduziert.

FAQ Insolvenz in Eigenverwaltung

Haben Sie noch Fragen zur Insolvenz in Eigenverwaltung? Hier sind unsere FAQ und weitere hilfreiche Ressourcen.

Welche Voraussetzungen für die Sanierung müssen vorliegen?

Nach dem Gesetz hat die Insolvenz in Eigenverwaltung lediglich die Voraussetzung, dass die Eigenverwaltung durch Sie als Geschäftsführer nicht zu Nachteilen bei den Gläubigern führt.

Eine Benachteiligung der Gläubiger ist ausgeschlossen, wenn man die Sanierung  professionell durchführt. Dazu braucht der Geschäftsführer einen Spezialisten, der ihm während des gesamten Sanierungsverfahrens zur Seite steht. Das Hinzuziehen eines Spezialisten ist also die zweite Voraussetzung für die Insolvenz in Eigenverwaltung. 

Weitere Voraussetzung für die Eröffnung des Sanierungsverfahrens ist ein perfekter Antrag an das Gericht. Der Antrag muss glaubhaft machen, dass zugunsten des Unternehmens eine positive Fortführungsprognose besteht. Dazu braucht man eine Art Businessplan.

Wozu benötigt die Geschäftsführung einen Sanierungsberater?

Sie als Geschäftsführer brauchen einen Sanierungsberater, weil für den Sanierungsprozess zahlreiche Spezialgesetze gelten, die nur erfahrene Profis beherrschen. 

Der Sanierungsberater ist vergleichbar mit einem Schiffslotsen durch gefährliches Gewässer. Er führt Ihr Unternehmen durch die Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie erledigen Ihr Tagesgeschäft. Der Sanierungsberater erledigt alles, was für die erfolgreiche Insolvenz in Eigenverwaltung erforderlich ist 

Der Sanierungsberater ist ein Rechtsanwalt für Insolvenzrecht mit betriebswirtschaftlichem Fachwissen. Der Sanierungsberater übernimmt die Insolvenzgeldvorfinanzierung, das Reporting an den Sachwalter und schreibt die Berichte und den Insolvenzplan. 

Wie viel kostet die Sanierung in der Eigenverwaltung?

Die Kosten der Insolvenz in Eigenverwaltung bezahlen genau genommen die Gläubiger. Die Höhe richtet sich nach der Unternehmensgröße. Es fallen typischerweise folgende Kosten an: 

  • Beratungskosten für die Unternehmensplanung und das Antragsverfahren
  • Insolvenzgeldvorfinanzierung
  • Inventur und sonstige Gutachten
  • Kosten des Sanierungsberaters für laufende Beratung
  • Gerichtsgebühren
  • Gebühren des Sachwalters

Wie viel die Eigenverwaltung kostet, kann Ihnen als betroffener Unternehmer egal sein. Sind die Kosten für die Insolenz in Eigenverwaltung höher, erhalten die Gläubiger eine niedrigere Quote. Und umgekehrt.

Der Wert des Unternehmens, welches Sie nach erfolgreicher Sanierung zurück erhalten, bleibt hingegen stets gleich. Es ist schuldenfrei und mit einer Liquiditätsreserve zum Weitermachen ausgestattet. 

Wie muss der Insolvenzantrag auf Eigenverwaltung aufgebaut sein ?

Die Anordnung der Insolvenz in Eigenverwaltung erhält man nicht automatisch. Sondern Sie müssen das Gericht überzeugen. Begründen Sie den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung ausführlich und fügen Sie eine Sanierungsplanung anbei. 

Die Sanierungsplanung ist vergleichbar mit einem Businessplan. Am Ende der Insolvenz in Eigenverwaltung steht der Insolvenzplan. Zeigen Sie schon in der Sanierungsplanung, dass die Gleichung aufgeht und das Unternehmen mit Hilfe des Insolvenzplans zu retten ist. 

Erklären Sie dem Richter, wie Sie die Gläubigerschaft befriedigen wollen. Das offizielle Ziel der Insolvenz in Eigenverwaltung ist es, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. 

Das inoffizielle und eigentliche Ziel besteht hingegen darin, dass Sie Ihr Unternehmen entschulden und behalten. Das behalten wir aber für uns.

Darf das Gericht den Antrag auch ablehnen?

Ja, darf. Und es gibt noch nicht einmal ein Rechtsmittel gegen eine Ablehnung. 

Weil es kein Rechtsmittel gegen die Versagung der Eigenverwaltung gibt, rate ich Ihnen den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gut zu begründen. Sie haben nur einen Schuss im Lauf.

Muss das Gericht einen vorgeschlagenen Sachwalter einsetzen?

Nein, muss es nicht. Das Unternehmen besitzt lediglich ein Vorschlagsrecht. Zwar bestellen viele Gerichte den vorgeschlagenen Sachwalter. Aber ein Rechtsanspruch auf die Wunschperson besteht nicht. 

Wer der Sachwalter wird, ist aber unwichtig. Ein Sachwalter beaufsichtigt das Verfahren lediglich. In das operative Geschäft und in das Sanierungsgeschäft soll er sich nicht einmischen. Andernfalls würde sich das Sprichwort bewahrheiten: „Viele Köche verderben den Brei.“ 

Ein erfahrener Sanierungsberater versteht es, den Sachwalter auf Distanz zum Unternehmen zu halten. Der Sanierungsberater berichtet dem Sachwalter und versorgt ihn mit allen Zahlen und Informationen, die der Sachwalter für die Aufsicht braucht. Derart gut versorgt, lässt der Sachwalter den Geschäftsführer weitgehend in Ruhe.

Ist die Eigenverwaltung auch für Einzelunternehmer zulässig?

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist auch für Freiberufler und Gewerbetreibende zulässig. 

Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied zwischen einer GmbH und einem Einzelunternehmen. Das Verfahren die Insolvenz in Eigenverwaltung ist bei allen Rechtsformen gleich. 

Ab welcher Betriebsgröße eignet sich eine Eigeninsolvenz?

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist aber erst ab einer gewissen Unternehmensgröße sinnvoll. Ein paar Mitarbeiter zum Vorfinanzieren des Insolvenzgeldes sollten schon vorhanden sein. 

Die Eigenverwaltung kostet Geld. Ist das Unternehmen so klein, dass es diese Kosten nicht erwirtschaftet, lässt man die Eigenverwaltung besser sein. 

Für derartige Fälle gibt es bessere Sanierungsverfahren, um wieder schuldenfrei zu sein. 

Welcher Unterschied besteht zwischen der Eigeninsolvenz und der Regelinsolvenz?

Auch die Eigeninsolvenz ist ein Insolvenzverfahren. Der Unterschied besteht in der Eigenverwaltung. Das bedeutet bedeutet, dass der Geschäftsführer das Unternehmen auch während der Sanierung eigenverantwortlich führt. 

Die Macht über das Unternehmen wird also nicht einem Insolvenzverwalter übertragen. Sondern die Macht bleibt bei dem Geschäftsführer.

Dieser kleine Unterschied reicht aus, um verschiedene Ergebnisse zu herbeizuführen: In der Regelinsolvenz wird der Insolvenzverwalter das Unternehmen gerne abwickeln oder verkaufen. Das ist einfacher und besser bezahlt. In der Insolvenz in Eigenverwaltung hingegen will der Geschäftsführer das Unternehmen erhalten. 

Kann das Gericht die Eigenverwaltung wieder entziehen?

Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung berechtigt, das Unternehmen eigenständig fortzuführen. Sie darf die Insolvenzmasse verwalten. 

Damit sie nichts falsch macht, beaufsichtigt sie ein vom Gericht bestellter Sachwalter. Stellt dieser fest, dass das Unternehmen die Interessen einzelner oder aller Gläubiger verletzt oder verletzen könnte, muss er dies bei Gericht und bei den Gläubigern anzeigen. 

Die Gläubiger können dann für sich entscheiden, ob sie einen Antrag auf Aufhebung der Eigenverwaltung bei Gericht stellen oder nicht. Zumindest in der Phase der vorläufigen Eigenverwaltung würde der Aufhebungsantrag eines Gläubigers mit einer großen Forderung schnell zur Aufhebung der Eigenverwaltung führen.

Fallbeispiele zur Insolvenz in Eigenverwaltung

Beispiele aus meiner Praxis, die Mut machen. Es funktioniert!

Nach schlechter Restaurant-Kritik blieb ein Drittel der Gäste aus. Der Einschnitt brachte den Gastronom X in Schwierigkeiten. Nachdem er jahrelang vergeblich versuchte die Schulden zu tilgen, gab er auf und beantragte die Insolvenz in Eigenverwaltung. Heute ist er schuldenfrei und betreibt die Restaurants weiter.

Gastronom feiert erfolgreiches Schutzschimverfahren

Mit der Insolvenz in Eigenverwaltung haben wir einen nervigen Investor die Gesellschaftsanteile entzogen. Für das Darlehn des Investors in Höhe von ca. 300 T€ war nur noch eine Kompensation in Höhe von 5 T€ zu leisten. Das Startup wächst ohne diesen Investor um so stärker.

Startup wird mit Schutzschirmverfahren gerettet

Das Software-Unternehmen eines Finanzinvestors gerät aufgrund Führungsschwäche in die Krise. Mit der Insolvenz in Eigenverwaltung haben wir es entschuldet und mit dem Einverständnis des Unternehmers einem neuen Beisitzer zugeführt.

Geschäftsführer froh, Schutzschirmverfahren rettet Software-Unternehmen

Ein auf Überwachung von Flüchtlingsheimen spezialisierter Sicherheitsdienst wurde zahlungsunfähig, aufgrund eines plötzlichen Umsatzeinbruches über 90 %. Mit dem Insolvenzplan habe ich die Zahlungsfähigkeit wiederhergestellt. Auch das Wohnhaus wurde nicht verwertet.

Unternehmer Sicherheitsdienst ist froh wegen Schutzschirmverfahren

Weil das gesamte Sanierungsteam an einem Strang zog, dauerte die gesamte Eigeninsolvenz von der Eröffnung bis zur Abstimmung über den Insolvenzplan nicht einmal vier Monate.

Sorftware-Entwicklerteam behält Arbeitsplätze dank Schutzschirmverfahren

Insidertipps zur Eigenverwaltung

Die Insolvenz in Eigenverwaltung hat das Ziel, ein vor Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bedrohtes Unternehmen mit einem Insolvenzplan zu retten. Lesen Sie meine 10 Insider-Tipps. Damit vermeiden Sie die häufigsten Fehler und Ihr Verfahren wird gelingen.

Tipp 1:

Bereits bei Vorbereitung der Insolvenz in Eigenverwaltung auf Liquidität achten

Für die Eigenverwaltung gilt das gleiche wie im normalen Leben: Das Unternehmen muss liquide sein. Ohne Moos, nichts los. Die Firma benötigt das Geld, um neue Ware oder neues Verbrauchsmaterial einzukaufen.

Beispielsweise benötigt eine Spedition täglich Diesel. Eröffnet die Spedition die Eigenverwaltung ohne Barreserve, bleiben die Fahrzeuge mangels Diesel stehen und die Insolvenz in Eigenverwaltung wäre sofort beendet.

Zu Beginn der Eigenverwaltung darf das Geschäftskonto nicht im Minus sein. Erfährt die Bank von der Eigenverwaltung, wird sie alle Konten im Minus sofort schließen. Zahlungseingänge wird die Bank ebenso festhalten. Ohne Barreserve und ohne Zahlungseingang kommt der Geschäftsbetrieb zum Erliegen.

Die Barreserve für die ersten Tage im Schutzschirmverfahren verschafft sich das Unternehmen, indem es ein neues Konto eröffnet. Die Bank muss ebenfalls neu sein. Ein neues Geschäftskonto ist die allererste Maßnahme, wenn der Betrieb sich auf den Schutzschirm vorbereitet.

Jetzt wissen Sie, wie Sie eine Barreserve für die Schutzschirm-Insolvenz anlegen. Das Schutzschirminsolvenz beantragen Sie erst, nachdem die Auftraggeber das neue Konto akzeptieren und darauf einzahlen. Vermeiden die Insolvenz ohne Barreserve.

Ein besonderes Problem für die Liquidität ist die Globalzession. Die Globalzession besichert einen Bankkredit. Um einen Kredit zu erhalten, muss das Unternehmen seine Ansprüche gegenüber seinen Kunden und Auftraggebern an die Bank abtreten. Erfährt die Bank von der Insolvenz in Eigenverwaltung, widerruft sie die gegenüber dem Unternehmen erteilte Erlaubnis zum Einzug der abgetretenen Forderungen.

Tipp 2:

Planen Sie, welche Lieferanten Sie ausfallen lassen

Wir sind uns einig, dass niemand gerne Lieferanten ausfallen läßt. Aber Sie befinden sich in einer Notsituation. Da ticken die Uhren anders. Planen Sie deshalb ganz nüchtern ein, welche Lieferanten Sie  noch bezahlen und welche nicht. Hierzu müssen Sie wissen, dass Ihr Unternehmen ab Eröffnung der Insolvenz in Eigenverwaltung keine alten Rechnungen mehr bezahlen darf.

Dies ist eine Grundregel der Eigenverwaltung: Es ist gesetzlich verboten Rechnungen zu bezahlen, deren Leistungszeitraum vor dem Eröffnungs-Stichtag der Insolvenz in Eigenverwaltung liegt!

Für Dauerschuldverhältnisse wie Mietverträge, Leasingverträge, usw. hat diese Grundregel kaum Bedeutung. Das Verfahren ist kein Kündigungsgrund. Vermieter, Leasinggeber, usw. stecken in den Verträgen fest und müssen sich sogar das Schwänzen einer Rate gefallen lassen. Aber für Ihre Lieferanten hat die Grundregel eine erhebliche Bedeutung.

Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen baut wertvolle Maschinen und ist auf Spezialschrauben angewiesen, die es nur bei einem einzigen Lieferanten weltweit gibt. Vergraulen Sie diesen Lieferanten wegen eines Zahlungsausfalls, gerät Ihre gesamte Produktion in Schwierigkeiten.

Derartige Engpässe müssen wir vermeiden. Deshalb planen wir vor die Insolvenz in Eigenverwaltung, welche Lieferanten wir noch bezahlen und welchen wir einen Forderungs-Verzicht zumuten werden. Das Bezahlen derartiger lebenswichtiger Lieferanten muss die Ausnahme bleiben. Wir sammeln so viel Cash wie nur möglich.

Tipp 3:

Bedenken Sie, Sachwalter sind einnehmende Wesen

Eigenverwaltung bedeutet, dass Sie das Unternehmen wie bisher selbst verwalten, unternehmerisch frei entscheiden und ebenso frei über das Geschäftskonto und die Vermögensgegenstände verfügen.

Die Einschränkung während der Eigenverwaltung besteht darin, dass das Gericht dem Unternehmen eine Aufsichtsperson beistellt. Die Geschäftsführung muss dieser Aufsichtsperson in kurzen Abständen über den Sanierungsablauf berichten. Die Aufsichtsperson nennt man „Sachwalter“.

Der Sachwalter ist also ein Insolvenzverwalter mit beschränkten Rechten. Der Sachwalter besitzt im Gegensatz zu einem Insolvenzverwalter nur ein Überwachungsrecht. Das operative Geschäft ist für den Sachwalter tabu.

Sachwalter alias Insolvenzverwalter sind es gewohnt, sich massiv in das Unternehmen einzumischen und alles zu kontrollieren. Deshalb besteht in der Eigenverwaltung die große Gefahr, dass der Sachwalter jede Gelegenheit nutzt, um sich in Ihr Unternehmen wie ein typischer Insolvenzverwalter einzumischen.

Jede offene Frage Ihrerseits und jede noch so kleine Schwäche wird dem Sachwalter als Rechtfertigung dienen, dass Sie keine Eigenverwaltung können. Als Folge wird er in Ihr Tagesgeschäft eingreifen… Um die gefährliche Dynamik zu vermeiden, rate ich dazu, dem Sachwalter von Anfang an Grenzen zu setzen.

Tipp 4:

Falls erforderlich gründen Sie ein zweites Unternehmen

Viele Geschäftsführer zweifeln am Erfolg der Eigenverwaltung. Sie befürchten, dass ihr Unternehmen alle Aufträge verliert. Meine Erfahrungen aus rund 80 Sanierungsfällen sind besser. Es kann sein, dass Sie Aufträge verlieren werden. Einen Totalverlust aller Aufträge habe ich aber noch nie erlebt.

Trotz aller rosa Wölkchen bin ich mir der Verlust-Gefahr bewusst. Deshalb werden wir in der Vorbereitungsphase analysieren, wie wahrscheinlich ein Auftragsverlust ist:

  • Kleine und Mittelständische Auftraggeber sowie Endkunden führen die Auftragsverhältnisse erfahrungsgemäß fort und erteilen neue Aufträge.
  • Öffentliche Auftraggeber und Konzerne könnten aufgrund ihrer Compliance-Regeln kündigen bzw. die Vergabe neuer Aufträge stoppen.

Um einen Auftragsentzug bei kritischen Auftraggebern zu vermeiden, hat sich die Gründung eines neuen Unternehmens bewährt: Das neue Unternehmen nimmt die Aufträge an und leitet sie nach Abzug einer Bearbeitungspauschale an das alte Unternehmen weiter. Das alte Unternehmen führt die Aufträge als Subunternehmer aus und wir sanieren es im Hintergrund.

So wie manche Auftraggeber werden sicherlich auch einige Lieferanten „zickig“ sein. Die meisten Lieferanten beliefern Ihr Unternehmen weiter und stellen allenfalls auf Vorkasse um.

Tipp 5:

Feindliche Übernahme abwehren, indem Sie sich dumm stellen

Bei der Vorbereitung einer Insolvenz in Eigenverwaltung werde ich stets nach der größten Gefahr gefragt, die dem Sanierungserfolg entgegen steht. „Es kommt darauf an“, wie wir Juristen sagen, aber das Auftauchen eines Investors mit feindlichen Übernahmeabsichten ist stets eine große Gefahr.

Die Gefahrenstelle hat seine Ursache in den gesetzlichen Vorschriften: So wie in der regulären Insolvenz muss die Geschäftsführung das Unternehmen bestmöglich verwerten. „Bestmöglich“ im Sinne der Gläubiger, versteht sich.

Deswegen darf das Unternehmen fremde Kaufofferten nicht einfach ablehnen, sondern muss diesen nachgehen und fördern. Bietet ein Käufer mehr Geld, als das Unternehmen aus eigener Kraft und mit dem Insolvenzplans aufbringen kann, müssen die Eigentümer das Unternehmen verkaufen.

Seine „Verkaufsbemühungen“ muss das Unternehmen gegenüber der Gläubigerversammlung bzw. Gläubigerausschuss dokumentieren.

Doch keine Sorge: Weil wir die Gefahr kennen, können wir ihr wirksam entgegentreten. Gegen unerwünschte Investoren gibt es wirksame Abwehrstrategien, die eine Übernahme unattraktiv machen. Bisher habe ich noch kein Unternehmen auf diese Art verloren.

Grob fehlerhaft wäre es, wenn Sie den unerwünschten Investor von Beginn an abblocken. Verweigern Sie die Verkaufsgespräche, wird ein motivierter Investor beim Sachwalter petzen und am Ende wird Ihnen das Gericht die Eigenverwaltung entziehen.

Also bitte kein Spielverderber sein, sondern tanzen Sie auf dieser Hochzeit mit. Am Ende wird die Braut unattraktiv für etwaige Bewerber sein.

Tipp 6:

Kommunizieren Sie die Eigenverwaltung von Beginn an offen

Während wir die Eigenverwaltung vorbereiten, werden wir über Frage diskutieren: „Wie sage ich es meinen Kunden?“. Viele Unternehmer haben großen Respekt sich zu outen, weil sie den Verlust ihres Ansehens samt aller Aufträge befürchten.

Verheimlichen können Sie die Insolvenz in Eigenverwaltung nicht. Die Eröffnung wird zwar nicht öffentlich bekannt gegeben. Aber das Amtsgericht wird den Übertritt in das Hauptverfahren drei Monate später veröffentlichen auf der Webseite: www.insolvenzbekanntmachungen.de. Die Suchroboter von Creditreform und Co. erfassen die Bekanntmachung und leiten sie automatisch an Kunden und Lieferanten weiter. Dann wissen alle Bescheid. Geschwätzige Mitarbeiter werden die Neuigkeiten trotz Geheimhaltungsverpflichtung blitzschnell weitergeben.

Die zweite undichte Stelle entsteht aufgrund der Mahnungen. Nach und nach werden sich unfreundliche Briefe und Telefonate häufen.

Erfahrungsgemäß ist noch keine Eigenverwaltung geheim geblieben. Früher oder später kocht die Gerüchteküche. Deshalb kontrolliert die Geschäftsführung die Kommunikation besser von Beginn an selbst. Die wichtigsten Kunden, Lieferanten und maßgebliche Gläubiger-Banken unterrichtet die Geschäftsführung persönlich. Alle anderen Beteiligten erhalten ein Rundschreiben oder eine Presseerklärung.

Tipp 7:

Erstellen Sie einen Businessplan über die Sanierung

Auch wenn kaum ein Jurist eine Bilanz oder eine BWA lesen kann: mitreden wollen sie alle. Deshalb benötigen Sie eine sorgfältige Sanierungsplanung. Im Gesetz steht zwar, dass Sie einen Rechtsanspruch auf Eigenverwaltung haben. Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus.

Also werden wir bei der Antragstellung einen gewissen Widerstand erfahren. Den Widerstand überwinden wir. Bereits mit dem Antrags-Schriftsatz an das Gericht zeigen wir: „Ja, wir können Eigenverwaltung!“

Unser Können stellen wir unter Beweis, indem wir mit dem Antrag einen „Businessplan für die Eigenverwaltung“ bei Gericht einreichen. Dieser Businessplan enthält eine Erfolgs- und Liquiditätsrechnung. Die Berechnung beschreibt sowohl den Status Quo, die Krisenursachen und die zukünftige Strategie zur Beseitigung der Unternehmenskrise sowie einzelnen Sanierungsschritte.

Weil in dem ersten Gespräch mit dem Sachwalter erfahrungsgemäß die Wissenstest-Frage kommt: „Gibt es schon einen Insolvenzplan?“, bin ich dazu übergegangen, den Businessplan mit den wichtigsten Insolvenzplan-Elementen zu ergänzen.

Der Businessplan dient auch als wichtige Hilfe, die Gläubiger, Kunden und Lieferanten von dem Sanierungsvorhaben und vor allem von dem Fortbestand des Unternehmens zu überzeugen.

Tipp 8:

Passen Sie den richtigen Zeitpunkt für die Eröffnung ab

Das Gelingen hängt ein Stück weit davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Gericht die Insolvenz in Eigenverwaltung eröffnet. Ich empfehle Ihnen, den Zeitpunkt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut zu planen.

Zeitplanung deshalb, damit Sie keine wichtigen Vorarbeiten verpassen, wie beispielsweise die Eröffnung eines neuen Geschäftskontos, Bezahlung existenziell wichtiger Lieferanten, Neugründung oder Aufspaltung, Insolvenzgeldvorfinanzierung, Einbeziehung wichtiger Beteiligter, Berücksichtigung bestehender Globalzessionen, usw.

Gerade beim Einstieg in das Verfahren kann viel schief gehen. Fließen die Zahlungseingänge beispielsweise aufgrund versäumter Umleitung weiter auf das überschuldete Geschäftskonto, sind diese Einkünfte bis zur Umleitung auf ein neues Konto verloren. Andererseits dürfen Sie die Zahlungsströme auf ein neues Konto auch nicht zu früh einleiten, sonst riecht die alte Geschäftsbank Lunte.

Das Ziel der Zeitplanung besteht darin, dass das Unternehmen mit einem möglichst hohen Cash-Bestand in das Verfahren einsteigt. Je mehr Geld wir in der Kriegskasse sammeln, desto höher die Erfolgsaussichten. Der ideale Zeitpunkt für den Einstieg in das Verfahren hängt auch von der Fälligkeit der Arbeitslöhne ab.

Bei den meisten Unternehmen bilden die Arbeitslöhne den größten Kostenblock. Folglich tritt die Zahlungsunfähigkeit oft mit der Fälligkeit der Lohnzahlung ein und folglich wird man den Antrag kurz vorher stellen, also zu Monatsende.

Tipp 9:

Verbünden Sie sich mit wichtigen Gläubigern

Um es vorneweg zusammenzufassen: Zu den Gläubigern, die wir brauchen, sind wir nett und die anderen Gläubiger sind uns egal. Also überlegen wir uns zu Beginn des Verfahrens, welche Gläubiger eine wichtige Position für den Sanierungserfolg innehalten und wie wir damit umgehen.

Beispielsweise könnte unter Ihren Gläubigern eine Bank sein, die das Betriebsgrundstück finanziert. Weil es unser Ziel ist, dem Unternehmen das Betriebsgrundstück zu erhalten, müssen wir die Bank dazu bringen, die Grundstücks-Finanzierung im Schutzschirm beizubehalten und nicht zu kündigen. Ein anderes Beispiel in diese Richtung wäre der Leasing-Geber, der für eine Spedition die Sattelzüge finanziert. Kündigt der Leasing-Geber die Verträge und zieht die Fahrzeuge ein, ist die Insolvenz in Eigenverwaltung gescheitert.

Also werden wir zu diesen Gläubigern besonders nett sein und sowohl deren Interessen als auch deren Machtposition in unser Sanierungskonzept einbinden. Wir werden diesen Gläubigern den finanziellen Vorteil vorrechnen, wenn sie das tun, was wir uns von ihnen wünschen.

Tipp 10:

Unerwünschte Gesellschafter ausschließen

In vielen Fällen ist nicht nur die GmbH verschuldet, sondern auch der Unternehmer beispielsweise aufgrund von Bürgschaften. Liegt ein solcher Sachverhalt vor, wäre es sinnlos, nur das Unternehmen zu entschulden und nicht zugleich auch den Unternehmer.

Zumeist ist der Unternehmer auch der Gesellschafter der GmbH. Entschuldet man nur das Unternehmen, würde die Gläubiger-Bank des Unternehmers sich „bedanken“ und danach die Gesellschaftsanteile pfänden und verwerten. Dann haben wir nichts gekonnt.

Aus diesem Grunde nehme ich zumeist die Insolvenz in Eigenverwaltung zum Anlass, mit der Bank auch über die Entschuldung des Unternehmers eine Lösung zu finden. Das ist aber nicht einfach, die Gläubiger-Banken sind in den letzten Jahren sehr hartnäckig geworden und geben keine Zugeständnisse mehr.

Oft bleibt das private Schuldenproblem des Unternehmers schon aus Zeitgründen offen. Eine Einigung mit Banken kann sich über Jahre ziehen. Besser ist es deshalb die neuen gesetzlichen Möglichkeiten der Eigenverwaltung zu nutzen und später im Insolvenzplan die Gesellschafter-Verhältnisse neu zu ordnen. Dies kann mittels eines Kapitalschnitts erfolgen: Dann sieht der Insolvenzplan zwei Schritte vor:

  • Erster Schritt: Das Stammkapital der Gesellschaft wird auf Null gesetzt. Das bedeutet im Klartext, die Altgesellschafter sind enteignet.
  • Zweiter Schritt: Eine im Insolvenzplan bestimmte Person wird zur Einzahlung neuer Stammeinlagen zugelassen. Also wird diese bestimmte Person der neue GmbH-Gesellschafter sein, beispielsweise Ihr Ehepartner.

Nachdem der Unternehmer quasi enteignet und vermögenslos ist, lässt sich mit Gläubigern ohnehin besser verhandeln. Oder wir beantragen für den Unternehmer eine Privatinsolvenz. Kombiniert mit einem Insolvenzplan dauert die Privatinsolvenz maximal ein Jahr.

Der Kapitalschnitt ist aber auch ein unschlagbares Mittel, um unliebsame Gesellschafter loszuwerden. Mit dem Kapitalschnitt werfen Sie diese einfach aus der Gesellschaft. Der Ablauf ist der gleiche: Der Insolvenzplan setzt die alten Gesellschaftsanteile auf Null. Damit hat der unliebsame Gesellschafter alle Anteile verloren. Im zweiten Schritt bestimmt der Insolvenzplan einen neuen Gesellschafter, den natürlich Sie bestimmen.

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