Regelinsolvenz
Vorbereitung, Tipps und Ablauf

Die Regelinsolvenz entschuldet Einzelunternehmer und Freiberufler. Sie verhilft zu einem Neustart und annulliert die Schulden. Die Regelinsolvenz ist heutzutage nicht mehr gleich Regelinsolvenz. Sondern die Regelinsolvenz kennt mehrere Varianten, die man auch kombinieren kann. Wollen Sie selbständig bleiben, wählen Sie eine der Fortführungs-Varianten. Wollen Sie die Selbständigkeit beenden, wählen Sie eine der Schließungs-Varianten.

Wie die Regelinsolvenz vorbereiten?

Die Regelinsolvenz kennt mehrere Varianten: Wollen Sie selbständig bleiben, wählen Sie eine Fortführungs-Variante. Wollen Sie die Selbständigkeit beenden, wählen Sie eine  Schließungs-Variante. Entscheiden Sie sich also zunächst, ob Sie Ihren Betrieb fortführen wollen oder schließen. Das wichtigstes Ziel ist es, dass Sie möglichst schnell wieder schuldenfrei sind. Wollen Sie aber selbständig bleiben, erkläre ich Ihnen die verschiedenen Möglichkeiten in der Regelinsolvenz. Sie bleiben trotz Regelinsolvenz selbständig. Sie behalten Ihren Betrieb und sind in drei Jahren wieder schuldenfrei.

Fortführungs-Variante, Sie wollen selbständig bleiben:

Wenn Sie Ihre Selbständigkeit trotz Regelinsolvenz nicht verlieren wollen, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten offen:
 

Schließungs-Variante, Sie wollen die Selbständigkeit beenden:

Wenn Sie Ihren Betrieb einstellen und die selbständige Tätigkeit aufgeben wollen, muss das Unternehmen abgewickelt werden. Die Schließung und Abwicklung erledigen Sie möglichst selbst. Nur wenn Sie Ihre Mitarbeiter nicht rechtzeitig kündigen können, beantragen Sie die Regelinsolvenz mit laufendem Geschäftsbetrieb.
 

  • An Stelle eines unüberlegten Insolvenzantrages sollten Sie den Geschäftsbetrieb möglichst selbst einstellen und abwickeln. So vorzugehen, ist für Einzelunternehmer und Freiberufler vorteilhaft. Als Einzelunternehmer oder Freiberufler besteht keine Insolvenz-Antragspflicht. Wenn Sie das Gewerbe selbst schließen, behalten Sie die Gestaltungsmacht. Ihre Aussichten auf die Erteilung der Restschuldbefreiung am Ende der Regelinsolvenz sind ebenfalls höher.
  • Die Regelinsolvenz mit laufendem Geschäftsbetrieb beantragen Sie nur, wenn es nicht anders geht. Sind bei Ihnen Mitarbeiter mit langen Kündigungsfristen angestellt und wollen Sie ihnen einen Lohn-Ausfall nicht zumuten, müssen Sie die Insolvenz sofort anmelden. Nur dann erhalten die Mitarbeiter das Insolvenzgeld.
  • Eile ist darüber hinaus bei einem Fremdantrag geboten. Also wenn beispielsweise das Finanzamt einen Insolvenzantrag gegen Sie stellt. Um die Restschuldbefreiung zu erhalten, müssen Sie umgehend selbst einen Insolvenzantrag stellen. Der Eigenantrag ist wichtiger als die Vorteile der Insolvenz mit eingestelltem Geschäftsbetrieb.

Wie ist der Ablauf der Regelinsolvenz?

Die Regelinsolvenz vorbereiten

Die Regelinsolvenz ist vielschichtiger, als eine Privatinsolvenz. Aber bei guter Vorbereitung und mit meinen Tipps wird Ihnen die Restschuldbefreiung sicher sein. Eine Antragspflicht auf Regelinsolvenz so wie bei der GmbH Insolvenz gibt es nicht. Also bitte nichts überstüzen.

Bei der Regelinsolvenz gibt es keine Antragspflicht

Bei der Regelinsolvenz ist die Restschuldbefreiung schwieriger zu erlangen als bei der Privatinsolvenz. Deshalb rate ich Ihnen zu einer sorgfältigen Vorbereitung und Beratung. Der Weg in die Restschuldbefreiung kann trickreich sein. Dies beginnt schon bei der Antragstellung. Nur der GmbH-Geschäftsführer (jur.Pers.) muss sofort Regelinsolvenz beantragen. Der Einzel-Unternehmer oder Freiberufler hat hierzu keine gesetzliche Pflicht.

Nutzen Sie die Gesetzeslücke zu Ihrem Vorteil

Diese Gesetzeslücke sollte der Einzel-Unternehmer ausnutzen, indem er den Geschäftsbetrieb einstellt und selbst abwickelt. Die Regelinsolvenz beantragt er ca. drei Monate später. Für den Unternehmer ist das vorteilhaft, weil ihm Entscheidungsfreiheit verbleibt. Möchte er zum Beispiel die Selbständigkeit mittels Auffanggesellschaft “fortsetzen”, benötigt er Überbrückungszeit. Ein neugieriger Insolvenzverwalter wäre in diesem Stadium nur hinderlich.

Schließen Sie Ihren Betrieb falls möglich selbst

Bei einem laufenden Geschäftsbetrieb ist es kaum möglich, den Insolvenzantrag vollständig auszufüllen. Es können neue Gläubiger hinzukommen, die Sie derzeit nicht kennen. Vergessene Gläubiger dürfen einen Antrag auf Versagung der Restchuldbefreiung stellen. Schließen Sie den Geschäftsbetrieb deswegen erst einmal selbst. Warten Sie eine Zeitlang ab, welche Gläubiger hinzukommen. Danach haben Sie ein viel klareres Bild von Ihren Schulden.

Hohe Anforderungen an die Vollständigkeit

Weil Ihnen in der Regelinsolvenz formale Fehler beim Ausfüllen des Formulars für den Insolvenzantrag zum Verhängnis werden können und die Restschuldbefreiung gefährden, sollten Sie sorgfältig sein. Der Gesetzgeber stellt hohe Anforderungen. Er verlangt, dass der Insolvenzantrag vollständig und richtig ist. Die Vollständigkeit und Richtigkeit müssen Sie ausdrücklich bestätigen. Der Gesetzgeber erwartet, dass Sie all Ihre Gläubiger nennen.

Die Regelinsolvenz starten

Gut vorbereitet starten Sie jetzt in die Regelinsolvenz. Den Insolvenzantrag stellen Sie mit der App oder Online-Formular. Die App kostenfrei aufs Handy laden.

Button für App Insolvenz beantragen
App für Antrag auf Privatinsolvenz

Eine Neuausrichtung braucht Zeit

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und gestehen Sie sich ein, dass die Selbständigkeit sich nicht mehr lohnt und Sie immer tiefer in die Schulden geraten. Der Handlungsspielraum ist vor allem dann erforderlich, wenn Sie als Unternehmer trotz Insolvenz selbständig bleiben wollen. Die damit verbundene Neustrukturierung erfordert Zeit. Aber auch wer die Selbständigkeit dauerhaft aufgegeben möchte, sollte rechtzeitig die richtige strategische Position besetzen und erst nachdem er fest im Sattel sitzt, mit der Entschuldung beginnen.

Widerstehen Sie dem Druck der Gläubiger

Falsch ist es auf jeden Fall, mit laufendem Geschäftsbetrieb die Insolvenz einzuleiten, sei der Druck der Gläubiger auf den Unternehmer auch noch so groß. Der Einzelunternehmer oder Freiberufler hat im Gegensatz zum GmbH-Geschäftsführer keine Insolvenzantragspflicht und genau diesen Vorteil gilt es bestmöglich auszunutzen. Das heißt aber nicht, dass Sie gar nichts mehr machen. Denn dann besteht die Gefahr, dass ein Gläubiger wie Finanzamt oder ein Sozialversicherungsträger einen Fremd-Insolvenzantrag gegen Sie stellt. Dies wäre eine äußerst ungünstigste Ausgangslage zu einer erfolgreichen Entschuldung.

Umgehen und vermeiden Sie Pfändungen

Pfändungen bringt den Unternehmer in Schwierigkeiten, weil dringend benötigte Zahlungseingänge “verloren” sind. Es stellt sich die Frage, wie man bei gepfändetem Konto die Zahlungen auf ein anderes Konto umleiten kann und ob man das darf. Hierzu gilt folgendes: Als Einzelunternehmer oder Freiberufler dürfen Sie das. Eröffnen Sie ein neues Konto auf Ihren Namen und teilen Sie Ihren Geschäftspartnern die neue Bankverbindung mit. Das neue Konto bleibt erst einmal unentdeckt. In der Krisen ist es sinnvoll, wenn Sie ein  Reservekonto einrichten.

Beratung spart das Lehrgeld ein

Die Erfahrung zeigt, dass bei der Regelinsolvenz einer Firma oder Freiberuflers eine vorherige persönliche Beratung sehr wichtig ist. Die Kosten hierfür machen Sie durch Vermeidung falscher Entscheidungen allemal wieder wett. Buchen Sie deshalb vorab eine telefonische Beratung zur Vorbereitung der Regelinsolvenz im Wert von 150 EUR. Danach wissen Sie, wie Sie bestmöglich Regelinsolvenz anmelden, mit möglichst geringen negativen Folgen. In dem Beratungsgespräch legen wir außerdem einen Fahrplan fest. An diesem können Sie sich orientieren.

Für den Antrag die App oder Online-Formular

Ist bei Ihnen jedoch alles klar, das Gewerbe längst abgewickelt und geht es nur noch um den Insolvenzantrag und die Restschuldbefreiung, sparen Sie sich das Beratungsgespräch. Laden Sie sich meine App aufs Händy und starten Sie mit modernsten Mitteln die Regelinsolvenz. Oder Sie nutzen mein Online-Formular.

Die Tools bestehen aus vier Teilen:

  1. Angaben zum Unternehmen,
  2. Angaben zu den persönlichen Verhältnissen,
  3. Gläubigerliste erstellen und
  4. Uns Anwälte beauftragen.

Weil Sie privat haften, bitte auch die persönlichen Vermögensverhältnisse offenlegen. Sie können die Tools kostenfrei benutzen. Kosten entstehen erst, machdem Sie uns hierzu schriftlich beauftragt haben.

An die Keksdose denken

Klarer Fall, dass Sie möglicht viel von Ihrem verbliebenen Vermögen vor der Insolvenz verstecken wollen. Das dürfen Sie in gewissen Grenzen auch tun, aber eben nur begrenzt. 

Notgroschen in die Keksdose

Damit ein Schuldner nach einer Pfändung nicht gänzlich ohne Geld dasteht, hat der Gesetzgeber die Pfändungsgrenzen eingeführt. Das heißt, das Einkommen des Schuldners unterhalb dieser Pfändungsgrenze darf nicht gepfändet werden. Die Pfändungsgrenze beginnt bei 1190 € Nettoeinkommen und erhöht sich je nach Einkommen und Unterhaltspflichten.

Die schlechte Nachricht ist, dass der gesetzliche Pfändungsschutz nur für Einkommen aus nichtselbstständiger Tätigkeit gilt. Unternehmern und Freiberuflern darf man alles pfänden!

Die Regel, dass der Insolvenzverwalter alle Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit pfänden darf, gilt zumindest für das vorläufige Insolvenzverfahren. Also für drei Monate. In dieser Zeit leben Sie von Ihren Bar-Reserven, die Sie als Kriegskasse in Ihrer Keksdose vor der Insolvenz angespart haben. Natürlich gibt es diese Keksdose offiziell gar nicht.

Vorsicht vor fremden Eigentum

Rettungsaktionen vor der Regelinsolvenz sind eine kniffelige Sache. Viele Gegenstände im Unternehmen sind geleast oder wurden auf Finanzierung gekauft und stehen damit in fremdem Sicherungseigentum. Lassen Sie hiervon unbedingt die Finger. Zu berücksichtigen ist außerdem das Vermieterpfandrecht der Gewerbeeinheit, das automatisch mit einem Zahlungsrückstand entsteht.

Vorsicht vor Anfechtung

Wahrscheinlich wird der Insolvenzverwalter sich für Ihre Vergangenheit interessieren. Er will wissen, welches Vermögen Sie vor der Insolvenz an wen verteilt haben. Bitte halten Sie sich an den Grundsatz: Keine Überweisungen von Ihrem Geschäftskonto oder Privatkonto an eine nahe stehende Person. Denn die Überweisung ist anfechtbar. Die begünstigte Person muss die Zahlung zurückerstatten.

Vorsicht vor gemeinsamer Haftung

Entflechten Sie Vermögen von Risiko. Besitzen zB mit Ihrem Ehegatten eine Immobilie und haben Sie beide zusammen das Hausdarlehn unterschrieben, sind Ehegatte und Immobilie in Gefahr. Im Insolvenzfall ist die finanzierende Bank ein Gläubiger. Auch dann, wenn die Immobilie nicht zum Betriebsvermögen gehört oder der Ehegatte die Kreditraten regelmäßig bedient. Allein aufgrund Ihres Vermögensverfalls darf die Bank kündigen.

Bei Gericht die Regelinsolvenz beantragen

Ca. zwei Monate nach Eröffnung des Hauptverfahrens wird das Verfahren sich einspielen und vor sich hinplätschern. Am Ende erhalten Sie die Restschuldbefreiung.

Vorläufiges Insolvenzverfahren

Nachdem wir anhand Ihrer Daten den Insolvenzantrag mit Anlagen fertig haben, übersenden wir alles an das zuständige Insolvenzgericht. Ca. eine Woche später eröffnet das Gericht das vorläufige Insolvenzverfahren. Das eigentliche Insolvenzverfahren (=Hauptverfahren) folgt drei Monate später.

Verhalten während des Regelinsolvenz-Verfahrens

Wie die Insolvenz verläuft, liegt insbesondere an der Person des Insolvenzverwalters und wie Sie mit der neuen Situation zurecht kommen. Deshalb hierzu ein paar Verhaltenstipps:

  • Bedenken Sie, der Insolvenzverwalter ist nicht Ihr Freund, sondern Ihr Feind. Behandeln Sie ihn respektvoll.
  • Der Insolvenzverwalter ist auch nicht Ihr Rechtsanwalt. Das heißt, er wird kaum reagieren, wenn Sie Fragen haben oder mit ihm sprechen wollen. Dazu ist er nicht verpflichtet.
  • Lassen Sie den Insolvenzverwalter in Ruhe. Wenn er etwas von Ihnen will, wird er sich SCHRIFTLICH bei Ihnen melden.

Der Insolvenzverwalter

Unmittelbar nachdem das Insolvenzgericht eröffnet hat, kontaktiert Sie ein Insolvenzverwalter. Der Insolvenzverwalter wird Sie entweder in den Geschäftsräumen aufsuchen. Oder er lädt Sie zum Inverview in seine Kanzlei, wenn keine Geschäftsräume mehr vorhanden sind.

Insolvenzverwalter verhalten sich ungefähr so wie der Wolf bei Rotkäppchen … Also vorsichtig sein.

Anfechtung nervt in der Regelinsolvenz

Im Gegensatz zur Privatinsolvenz recherchiert der Insolvenzverwalter gerne in Ihrer Vergangenheit, insbesondere ob Sie vor der Insolvenz noch Vermögen auf nahestehende Personen übertragen haben. Diese wird er anfechten. Die Zahlung wird samt Zinsen zurückgeholt. Das kann sehr unangenehm werden. Finanziell intakte Familienmitglieder werden in Ihre Schuldenproblematik mit hineingezogen.

Im Insolvenzverfahren können Sie nach wie vor tun und lassen, was Sie wollen. Sie müssen den Insolvenzverwalter beispielsweise nicht fragen, ob Sie in den Urlaub fahren oder die Wohnung wechseln dürfen. Der Insolvenzverwalter ist nur für die Insolvenzmasse da. Das heißt: Wie Sie Ihr pfändungsfreies Einkommen ausgeben, geht nach wie niemanden etwas an!

Der restliche Weg bis zur Restschuldbefreiung

Sobald der Insolvenzverwalter die Verwertung der Insolvenzmasse und die Feststellung aller Schulden abgeschlossen hat, bestimmt das Insolvenzgericht den Schlusstermin. Bei der Regelinsolvenz kommt es zum Schlusstermin erfahrungsgemäß erst nach ca. 2  Jahren.

Mit dem Schlusstermin endet die eigentliche Insolvenz und es beginnt die Wohlverhaltenszeit. Insolvenz und Wohlverhaltenszeit zusammen dauern auf den Tag genau fünf Jahre, ab dem Gerichtsbeschluss, mit dem das Gericht die Verbraucherinsolvenz eröffnet hat.

Sind die fünf Jahre Gesamtzeit schließlich abgelaufen, erlässt das Gericht einen Beschluss, der Sie von allen Schulden befreit. Die Schufa vermerkt nochmals für drei Jahre. Dann ist auch dieser Eintrag gelöscht.

Glückwunsch. Sie sind schuldenfrei!

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Welche weiteren Tipps haben Sie für mich?

Mein Anliegen ist es, dass Sie so schnell wie möglich schuldenfrei sind. Damit die Regelinsolvenz bestmöglich gelingt, gebe ich Ihnen ein paar Insider-Tipps mit auf den Weg:

Leiten Sie kein Geld auf Familienmitglieder um

Bei jedem Insolvenzverfahren, egal ob Schutzschirm oder Eigenverwaltung oder Regelinsolvenz wird der Insolvenzverwalter die Anfechtung prüfen. Der Insolvenzverwalter will wissen, ob Sie vor der Insolvenz und in dem Wissen der bevorstehenden Unternehmenspleite noch Zahlungen an „Family and Friends“ geleistet haben. Derartige Zahlungen wird der Insolvenzverwalter anfechten und zurückholen. 

Die Anfechtung gegenüber Familienmitgliedern ist für den Insolvenzverwalter aus gesetzlichen Gründen besonders einfach. Deshalb mein Rat: Lassen Sie es sein. Statt dessen heben Sie das Geld in Bar ab und legen es in die Keksdose. Das ist gesetzlich erlaubt und belastet nicht hilfsbereite Familienmitglieder.

Das Geld in der Keksdose dürfen Sie maßvoll für den Lebensunterhalt ausgeben. Sie dürfen auch die Betriebseinrichtung verkaufen und die Einnahmen für den Lebensunterhalt verbrauchen.

Verstecken Sie nur das, was Ihnen später nicht auf die Füße fällt

Oft werde ich gefragt, welches Vermögen man vor der Regelinsolvenz verstecken darf. Auf solch direkte Fragen kann ich nur antworten: „Gar nichts“, alles ist verboten.

Es gibt Mandanten, die verstecken alles, was nicht in den Geschäftsbüchern steht. Dies mag der eine oder andere so machen. Für Einzelunternehmer oder Freiberufler gilt, dass dieser die Betriebseinrichtung verkaufen und den Verkaufserlös maßvoll verbrauchen darf.

Führen Sie außerdem ein Rechtsgeschäft als Bargeschäft durch, darf der Insolvenzverwalter dieses Geschäft nicht anfechten. Ein Bargeschäft liegt vor, wenn Leistung und Gegenleistung in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Im  Klartext: Wenn der Unternehmer die erbrachte Leistung des Auftragnehmers sofort nach Leistungserbringung wie bei einen Tagelöhner mit Bargeld bezahlt.

Also darf der kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmer per Bargeschäft noch Zahlungen an befreundete Unternehmer leisten. Der Insolvenzverwalter darf Bargeschäfte nicht anfechten.

Schlüpfen Sie unter den Schutzschirm, bevor es brenzlig wird

Ab einer bestimmten Unternehmensgröße funktionieren die oben genannten Methoden zum Erhalt der Selbständigkeit nicht mehr. Dann ist die Insolvenz in Eigenverwaltung oder das Schutzschirmverfahren die richtige Wahl, um Ihre Firma zu retten.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung stellt Ihren Betrieb unter Gläubigerschutz. Das Arbeitsamt übernimmt drei Lohnrunden. Ihr Unternehmen führen Sie unter dem Schutzschirm möglichst unbeeinträchtigt fort. 

Am Ende des Sanierungsverfahrens steht der Insolvenzplan. Den Insolvenzplan legen wir den Gläubigern zur Abstimmung vor. Stimmen die Gläubiger für den Insolvenzplan, zahlt das Unternehmen eine machbare Quote und ist danach schuldenfrei. Das Schutzschirmverfahren eignet sich für alle rentablen Betriebe, die an Altlasten kranken. Mit Hilfe des Schutzschirms werden diese Altlasten mit einer geringen Quote abgefunden.

Erledigen Sie die Abwicklung Ihres Geschäftsbetriebes ungefähr wie folgt

  • Zunächst eröffnen Sie bei einer neuen Bank ein Konto, das Ihnen später als Girokonto dient.
  • Danach entlassen Sie Ihre Mitarbeiter, indem Sie ihnen ordentlich, fristgemäß kündigen. Die Geschäftsaufgabe ist kein fristloser Kündigungsgrund. Schicken Sie die Mitarbeiter zum Arbeitsamt.
  • Falls vorhanden, schalten Sie die Server ab, (insbesondere Online-Shops). Lassen Sie keine Kundenbestellungen mehr zu, ohne sie zu beliefern.
  • Danach stellen Sie die Zahlungen ein. Falls möglich, sichern Sie einen Notgroschen in der Keksdose. Überweisen Sie kein Geld an eine nahestehende Person.
  • Falls Sie Gegenstände aus den Geschäftsräumen entnehmen wollen, holen Sie sich die Erlaubnis des Vermieters. Dieser besitzt ein gesetzliches Vermieterpfandrecht an all Ihren in die Geschäftsräume eingebrachten Sachen.
  • Danach melden Sie das Gewerbe ab und stellen sich tot. Gelder von Kunden dürfen Sie auch nach Gewerbeabmeldung noch einziehen und entgegennehmen.
  • Erledigen Sie die Buchhaltung möglichst bis zur Gewerbeabmeldung. Gesetzlich ist ein Rückstand bis maximal vier Wochen vor Geschäftsaufgabe erlaubt.
  • Falls Sie bilanzieren, laden Sie unbedingt die Handelsbilanz bei bundesanzeiger.de hoch. Eine Handelsbilanz muss nicht genau sein. Besser, Sie tragen ungefähre Werte ein, als gar keine.
  • Lassen Sie ohne Widerstand gegen sich vollstrecken. Weil Sie später ohnehin eine Insolvenz beantragen werden, sind Vollstreckungsmaßnahmen nur noch „heiße Luft“. Die Abgabe einer Eidesstattlichen Versicherung verschlechtert Ihre rechtliche Lage ebenfalls nicht.
  • Danach stellen wir für Sie einen Insolvenzantrag und entschulden Sie idealerweise mit Insolvenzplan binnen 10 Monaten. Gerne begleite ich Sie durch den gesamten Prozess.

Entschulden Sie sich selbst und Ihre Firma in 1 Jahr oder schneller

Als Einzelunternehmer bzw. Freiberufler entschulden Sie sich mit Hilfe der Planinsolvenz in 1 Jahr. Vereinfacht ausgedrückt ist der Insolvenzplan ein Teilzahlungsvergleich mit den Gläubigern unter gerichtlicher Aufsicht. Das heißt, anstelle 100% der Schulden erhalten die Gläubiger lediglich 5% oder 10%. Die Möglichkeit, sich per Insolvenzplan zu entschulden, war bisher nur größeren Unternehmen vorbehalten. Der Insolvenzplan setzt sich zunehmend bei kleineren Unternehmen und Freiberuflern durch.

Ein Insolvenzplan lohnt sich. Die Schulden-Befreiung dauert ungefähr ein Jahr: Drei Monate bis Insolvenzeröffnung, drei Monate bis zum Feststellungs-Termin und weitere drei Monate bis zur Abstimmung über den Insolvenzplan. Danach den Schufaeintrag löschen lassen und Sie sind wieder intakt.

Damit ein Insolvenzplan gelingt, hat der Gesetzgeber einige Erleichterungen eingebaut. Die erforderliche Stimmen-Mehrheit lässt sich leicht erreichen.

Lassen Sie sich nicht vom Insolvenzverwalter vor den Karren spannen

Wollen Sie Ihr Einzelunternehmen schließen, ist es aber zu groß, um es in Eigenregie abzuwickeln, bleibt Ihnen nicht anderes, als die Regelinsolvenz mit laufendem Geschäftsbetrieb anzumelden. Beachten Sie dabei folgendes:

Die Fortführung des Unternehmens in der Regelinsolvenz bringt IHNEN keine Vorteile, wenn Sie das Unternehmen ohnehin nicht mehr wollen. Nur der Insolvenzverwalter profitiert von der Fortführung.

Lassen Sie sich also vom Insolvenzverwalter nicht dazu überreden, den Geschäftsbetrieb während der Insolvenz fortzuführen. Nach dem Gesetz muss die ehemalige Geschäftsführung dem Insolvenzverwalter nur zur Erteilung von Auskünften zur Verfügung stehen. Eine Pflicht zur Betriebsfortführung besteht jedoch nicht.

Aufgrund von Unwissenheit und falsch verstandenem Pflichtgefühl lassen sich viele Einzelunternehmer zur Betriebsfortführung während der Regelinsolvenz überreden. Der Insolvenzverwalter wird dadurch nicht netter. Das Motto: „wenn ich nett zu Dir bin, dann bist Du nett zu mir“ gilt in der Regelinsolvenz nicht. Hier finden Sie mehr Informationen zur Einzelfirma Insolvenz.

Wo erhalte ich weitere Infos (FAQ) zur Regelinsolvenz?

Von welchen Gläubigern muss ich einen Insolvenzantrag befürchten?

Nur die Finanzämter und die Sozialversicherungsträger stellen Insolvenzanträge gegen säumige Schuldner. Die Finanzämter deshalb, weil sie Steuersünder aus dem Verkehr ziehen wollen. Die Krankenkassen deshalb, weil die Bundesagentur uneinbringliche Betragsrückstände ersetzt. Alle anderen Gläubiger wie Lieferanten oder Banken stellen in der Regel keinen Insolvenzantrag. Ein Fremdantrag ergibt für sie aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn. Liegt ein Insolvenzantrag gegen Ihr Unternehmen vor, so können Sie diesen nur noch mittels vollständiger und sofortiger Bezahlung der Beitragsrückstände bei dem Antragsteller bezahlen.

Wann erfolgt ein Gläubiger-Insolvenzantrag (=Fremdantrag)?

Die Finanzämter stellen den Insolvenzantrag in der Regel sofort nach vergeblicher Zwangsvollstreckung. Das heißt, der Gerichtsvollzieher des Finanzamtes kommt Sie besuchen und verpflichtet Sie zu einem Vermögensverzeichnis. Geht aus dem Offenbarungseid hervor, dass Sie kein verwertbares Vermögen besitzen, stellt das Finanzamt einen Tag später den Insolvenzantrag. Die Sozialversicherungsträger verhalten sich unterschiedlich. Es gilt die Faustregel, dass Sie ab dem dritten Beitragsrückstand mit einem Insolvenzantrag rechnen müssen.

Wie gefährlich sind Steuer-Schulden und Arbeitnehmer-Anteile?

Steuerschulden lösen immer häufiger Steuerstrafverfahren wegen Steuerverkürzung oder Steuerhinterziehung aus. Hat der Unternehmer beispielsweise keine Steuererklärung abgegeben und kommt es wegen der Nichtfestsetzung der Steuer durch das Finanzamt zu Steuerrückständen, ist dem Unternehmer eine Bestrafung wegen Steuerverkürzung sicher.

Der Unternehmer muss dann eine Geldstrafe bezahlen und erhält keine Restschuldbefreiung für die Steuerschulden. Genauso verhält es sich mit den Beitragsrückständen zur Sozialversicherung. Diese ziehen ebenfalls eine Geldstrafe nach sich und unterliegen nicht der Restschuldbefreiung. Die Sozialversicherungsträger dürfen Beitragsrückstände noch Jahre später mit Ihrer staatlichen Rente verrechnen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Insolvenz-Antrag?

Im Gegensatz zum Geschäftsführer einer GmbH oder UG besteht für Einzelunternehmer und Freiberufler keine Antragspflicht. Der Einzelunternehmer kann einen Insolvenzantrag stellen, er muss aber nicht. Im Gegensatz zu einer GmbH-Insolvenz oder Insolvenz einer UG hat der Einzelunternehmer die Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb selbst abzuwickeln und einzustellen und erst danach einen Insolvenzantrag zu stellen. Diese Vorgehensweise vermindert das Risiko auf Versagung der Restschuldbefreiung aufgrund eines dummen Fehlers. Je einfacher Ihr Fall, desto wahrscheinlicher ist ein komplikationsloses Insolvenzverfahren mit anschließender Restschuldbefreiung. Deshalb wickelt man seinen Betrieb als Einzelunternehmer oder Freiberufler am besten selbst ab und geht dann erst in die Insolvenz, um sich zu entschulden.

Steht dem Selbständigem ein unpfändbares Einkommen zu?

Nein. Der gesetzliche Pfändungsschutz ist nur für Einkommen aus nichtselbstständiger Tätigkeit vorgesehen. Das Einkommen eines Unternehmers, das bekanntlich aus Zahlungseingängen besteht, unterliegt diesem automatischen Pfändungsschutz nicht. Wird dem Unternehmer selbst das lebensnotwendige Einkommen gepfändet, muss er bei Gericht den Vollstreckungsschutz beantragen. Hierzu muss der Unternehmer nachweisen, dass der gepfändete Betrag zum Lebensunterhalt unbedingt notwendig ist.

Wie bleibe ich selbständig in der Regelinsolvenz?

Wenn Sie in der Regelinsolvenz selbständig bleiben wollen, stehen Ihnen zwei Möglichkeiten offen: Entweder Sie gehen mit laufendem Geschäftsbetrieb in die Insolvenz oder es wird eine Auffanggesellschaft beispielsweise in der Rechtsform einer UG gegründet, mit Ihnen als angestelltem Geschäftsführer.
Dann stellen Sie den Geschäftsbetrieb ein und beantragen erst später als Arbeitnehmer ein (Verbraucher)-Insolvenzverfahren. Welcher Weg für Sie der bessere ist, hängt von der Struktur Ihres Unternehmens ab: Betreiben Sie lediglich ein Kleingewerbe, mit Umsatzsteuerbefreiung und einem Monatsumsatz bis zu 1.000 €, lohnt der Aufwand einer Auffanggesellschaft nicht. In allen anderen Fällen sollten Sie den Weg über die Auffanggesellschaft gehen.

Was ist besser: Regelinsolvenz oder Verbraucher-insolvenz?

Seit der Gesetzesnovelle im Jahr 2014 ist es egal, ob Sie eine Regelinsolvenz oder eine Verbraucherinsolvenz durchlaufen. Betreiben Sie also keinen Aufwand, um als ehemaliger Unternehmer die Bedingungen für eine Verbraucherinsolvenz zu erreichen. Die Bedingungen für die Verbraucherinsolvenz sind: Geschäftsbetrieb ist eingestellt und das Gewerbe abgemeldet, weniger als 20 Gläubiger und keine Schulden bei Arbeitnehmern und Sozialversicherungsträgern.

Kann man Regelinsolvenz und Schutzschirmverfahren kombinieren?

Ja, das geht. Auch ein Einzelunternehmer bzw. Freiberufler kann seinen Betrieb mit Hilfe eines Schutzschirmverfahrens sanieren. Der maßgebliche Unterschied eines Schutzschirmverfahrens gegenüber der regulären Insolvenz ist die Eigenverwaltung.

Eigenverwaltung bedeutet, dass es keinen Insolvenzverwalter gibt. Vielmehr behält der Unternehmer alle Rechte als Geschäftsführer und ist sozusagen sein eigener Insolvenzverwalter. Anstelle eines gerichtlich bestellten Insolvenzverwalters gibt es nur einen Sachwalter der aufpasst, dass die Interessen der Gläubiger beachtet werden. Weil der Unternehmer daran interessiert ist, seinen Betrieb zu erhalten, ist die Eigenverwaltung auf den Erhalt ausgerichtet, während die Regelinsolvenz den Geschäftsbetrieb üblicherweise zerschlägt. Das Schutzschirmverfahren dauert ca. 7 Monate. Am Schluss steht ein Insolvenzplan, der den Unternehmer bzw. Freiberufler mit einer niedrigen Quote entschuldet.

Was ist eine Auffang-Gesellschaft?

Es gibt Ausnahmefälle, wo die Entschuldung des Unternehmers mit dem Schutzschirm oder der Eigenverwaltung nicht sinnvoll ist. Ein Beispiel wäre der Fall, dass der Unternehmer hohe Steuerschulden hat und deshalb wegen Steuerverkürzung bestraft wurde. Bei Schulden aus dem Rechtsgrund der vorsätzlich begangenen unerlaubten Handlung hilft auch ein Insolvenzplan nicht weiter, sondern diese Art von Schulden bleibt ein Leben lang.

Würde man in einem solchen Fall das Schutzschirmverfahren durchlaufen, könnte das Finanzamt selbst nach der Sanierung sofort wieder pfänden und den Geschäftsbetrieb zerstören. Aus diesem Grunde ist es besser, der Unternehmer wechselt die Pferde und sattelt um, wenn er selbständig bleiben will. Eine befreundete Person gründet eine UG oder GmbH und der Unternehmer führt sein Geschäft in dieser Form fort. Dann ist wenigstens sein Gelderwerb gesichert und vielleicht besteht eines Tages die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung.

Was ist eine übertragende Sanierung?

Übertragende Sanierung nennt man die Methode, mit der man den Geschäftsbetrieb des Einzelunternehmers bzw. Freiberuflers in eine Auffanggesellschaft überträgt. Das kann man heimlich vor der Insolvenz machen oder man kann offiziell die übertragende Sanierung vom späteren Insolvenzverwalter abkaufen lassen. Beide Wege haben Vorteile und Nachteile. Der offizielle Kauf des Betriebsvermögens vom Insolvenzverwalter ist stressfrei, kostet aber Geld. Die heimliche Übertragung hingegen kostet kein Geld, kann aber jede Menge Stress bedeuten, wenn der spätere Insolvenzverwalter davon erfährt.

Was ist Freigabe selbständige Tätigkeit aus der Insolvenzmasse?

Freigabe der selbständigen Tätigkeit aus der Insolvenzmasse bedeutet Folgendes: Sie haben mit laufendem Geschäftsbetrieb die Regelinsolvenz beantragt und sind auch während des Insolvenzverfahrens selbständig tätig. Im Insolvenzverfahren ist der Insolvenzverwalter für Ihren Geschäftsbetrieb verantwortlich, beispielsweise müsste er für Steuerschulden geradestehen. Das will er natürlich nicht, deshalb wird er den Geschäftsbetrieb freigegeben.
Das heißt, der Geschäftsbetrieb unterliegt nicht länger dem Insolvenzbeschlag. Als rechtliche Folge sind wieder nur Sie für den Betrieb verantwortlich und können damit auch wieder verdienen, so viel Sie wollen. Sie zahlen immer nur einen festen Betrag an die Insolvenzmasse, dessen Höhe von Ihren Unterhaltspflichten abhängt und ihrer beruflichen Qualifikation.

Insbesondere für Einzelkämpfer ohne Arbeitnehmer ist die Freigabe der selbständigen Tätigkeit aus der Insolvenzmasse äußerst vorteilhaft und erstrebenswert. Um dem Insolvenzverwalter die Freigabe nicht allzu schwer zu machen, sollten die Einkünfte bis zur Freigabe nur gering sein.

Wie erhalte ich die Eigenverwaltung in der Regelinsolvenz?

Sie erhalten die Eigenverwaltung in der Regelinsolvenz, indem Sie zeitgleich mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens einen Antrag auf Anordnung der Eigenverwaltung stellen. Allerdings setzen die Gerichte sehr hohe Hürden an die Bewilligung der Eigenverwaltung.

Insbesondere müssen Sie dem Gericht glaubhaft machen, dass Sie das hierzu notwendige insolvenzrechtliche Fachwissen besitzen oder einen spezialisierten Berater ins Boot geholthaben, der Sie durch das Verfahren führt. Der Antrag auf Eigenverwaltung muss ein Sanierungskonzept liefern, mit einer Beschreibung der aktuellen Situation, den Krisenursachen, wie man die Krisenursachen dauerhaft beseitigen möchte und eine Unternehmensplanung mit Gewinn-und Verlustplanung und Liquiditätsplan. Alleine und ohne spezialisierten Berater werden Sie diese Hürden kaum schaffen.

Warum ist es besser, den Betrieb vor der Regelinsolvenz zu schließen?

Falls der Einzelunternehmer oder Freiberufler seinen Geschäftsbetrieb endgültig einstellen und nicht fortführen will, empfehle ich meinen Mandanten stets, den Geschäftsbetrieb zunächst einzustellen, dann den Betrieb selbst abzuwickeln und erst nach der Abwicklung die Insolvenz zu beantragen, um sich zu entschulden. Das vermindert das Risiko vor bösen Überraschungen.

Die Machbarkeit der von mir bevorzugten Verfahrensweise richtet sich nach der Anzahl der noch bei Ihnen angestellten Mitarbeiter. Je mehr Mitarbeiter, desto schwieriger Den Mitarbeitern müssen Sie ordentlich kündigen und zum Arbeitsamt schicken. Das Arbeitsamt wird die Mitarbeiter zurückschicken, um von Ihnen das Aktenzeichen für das Insolvenzverfahren zu erfragen, das Sie mangels Insolvenzantrag ja nicht haben. Die Mitarbeiter befürchten, dass sie kein Geld bekommen, geraten in Stress und geben diesen an den Unternehmer weiter. Diesen Stress widerstehen die wenigsten Einzelunternehmer, weil sie sich für die Mitarbeiter verantwortlich fühlen.

Sie beantragen die Insolvenz sofort mit laufendem Geschäftsbetrieb, um die Mitarbeiter zu befrieden. Wann Sie bei geplanter Geschäftsaufgabe die Insolvenz beantragen, richtet sich also danach, wie sich von Ihrem Mitarbeitern trennen können.

Wie viel Einkommen muss der Unternehmer abführen?

Als Arbeitnehmer, Rentner usw. ermitteln Sie das pfändbare Einkommen ganz einfach mit Hilfe der gesetzlichen Pfändungstabelle. Die Pfändungstabelle regelt den Betrag, den der Arbeitnehmer an den Insolvenzverwalter abführen muss auf den Cent. Für Selbständige hingegen gilt die gesetzliche Pfändungstabelle nicht. Zumindest nach dem Gesetz kann der Insolvenzverwalter die gesamten Einnahmen pfänden und den Selbständigen leer ausgehen lassen.

Allerdings orientieren sich die meisten Insolvenzverwalter heutzutage auch bei Selbständigen an der gesetzlichen Pfändungstabelle und belassen dem Selbständigen einen entsprechenden Betrag. Zur Ermittlung des pfändbaren Betrages geht der Insolvenzverwalter nicht von den tatsächlichen Einkünften des Selbständigen aus, sondern von seinem fiktiven Einkommen. Fiktives Einkommen ist das Einkommen, das der Selbständige in seinem gelernten Beruf verdienen würde. Verdient ein selbständiger Programmierer beispielsweise 10.000 € monatlich, hat aufgrund Abbruch des Studiums aber gar keinen Beruft gelernt, entspricht sein fiktives Einkommen dem eines ungelernten Sachbearbeiters, also ca. 1.500 €. Es reicht, wenn dieser Programmierer monatlich ca. 200 € an den Insolvenzverwalter abführt, der Rest ist sein Gewinn. Diese gesetzliche Regelung kann eine große Chance für Selbständige sein.

Wie verhält sich der Unternehmer gegenüber dem Insolvenz-Verwalter?

Der Insolvenzverwalter ist nicht der Freund des Selbständigen, auch wenn er sich zu Verfahrensbeginn gerne als Freund ausgibt. Von Gesetzes wegen vertritt der Insolvenzverwalter die Gläubigerinteressen. Seien Sie deshalb distanziert und respektvoll und lassen Sie sich keinesfalls auf irgendein vermeintliches Bündnis mit ihm ein. Am leichtesten kommen Sie durch das Verfahren, wenn Ihr Fall einfach ist. Deshalb ist es von Vorteil, dass Sie das Geschäft vorher selbst abgewickelt haben und ohne jedes Vermögen sind. Verfügen Sie lediglich über ein P-Konto, ist Ihr Fall für den Insolvenzverwalter uninteressant und er wird sich anderen Fällen widmen.

Unterliegt auch das Privatvermögen dem Insolvenz-Beschlag?

Ja, leider ist das der Fall. Bei einem Einzelunternehmer oder Freiberufler gibt es keinen Unterschied zwischen Firmen- und Privatvermögen. Ärgerlich wird die Insolvenz eines Selbständigen immer dann, wenn die Familie ein Eigenheim besitzt. Im Falle einer regulären Insolvenz wird die Bank den Hauskredit kündigen, und zwar auch dann, wenn die Bank die Kreditraten weiterhin pünktlich erhält, beispielsweise von der Ehefrau. Mir ist es nun zwar schon öfter gelungen, die Bank von der Kündigung des Hauskredits abzuhalten,aber nur in einem Schutzschirmverfahren und nie in einer regulären Insolvenz.

Was kostet die Regelinsolvenz?

Die Regelinsolvenz kostet zum einen die Verfahrensgebühren, also die Kosten für das Gericht und den Insolvenzverwalter. Diese Kosten müssen Sie nicht weiter interessieren, denn sie werden von der erwirtschafteten Insolvenzmasse abgezogen, ist für Sie also keine zusätzliche Belastung. Einzig die Kosten für eine professionelle Vorbereitung der Insolvenz durch einen Anwalt wie beispielsweise mich müssen Sie noch selbst aufbringen.

Kann ich in der Regelinsolvenz selbständig bleiben?

Ja, da geht. Ist Ihr Betrieb größer und haben Sie Mitarbeiter geht man die Selbständigkeit trotz Insolvenz über ein Schutzschirmverfahren oder über die Insolvenz in Eigenverwaltung an. Falls Sie Einzelkämpfer ohne Mitarbeiter sind oder nur ganz wenige Mitarbeiter haben, lohnt sich der Aufwand eines Schutzschirmverfahrens nicht. Dann bleibt es bei einer regulären Insolvenz, aber diese sollte so vorbereitet sein, dass der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb schnellstmöglich aus der Insolvenzmasse freigibt. Nach der Freigabe zahlen Sie dem Insolvenzverwalter monatlich einen festen Betrag und führen Ihren Betrieb ohne Einschränkungen und ungestört weiter.