Mit dem Schutzschirmverfahren sanieren wir Ihr Unternehmen in Eigenverwaltung und bringen den Erfolgskurs zurück

Das Schutzschirmverfahren hat das Ziel, ein vor Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bedrohtes Unternehmen mit einem Insolvenzplan zu retten. Hierzu eröffnen wir beim Insolvenzgericht die Sanierung in Eigenverwaltung und beantragen einen Sachwalter. Dieser beaufsichtigt für die Gläubiger die Restrukturierung. Die Geschäftsführung ist im Schutzschirm ihr eigener Insolvenzverwalter. Damit sie die Sanierungsaufgaben leisten kann, unterstütze ich die Geschäftsführung als Rechtsanwalt und Sanierungsberater.

News-Blog: Corona-Krise und Schutzschirmverfahren

Die Insolvenzantragspflicht in der Corona Krise

Die Insolvenzantragspflicht in der Corona Krise

Seit 27.03.20 ist das "COVID-19- Gesetz" in Kraft. Die Insolvenzantragspflicht ist seit dem ausgesetzt. Das sind die Folgen für Sie als Geschäftsführer einer GmbH, AG, UG, usw.:Die neue Vorschrift zur Insolvenzantragspflicht Nach altem Recht muss die Geschäftsführung...

mehr lesen
Covid Schutzschirm

Covid Schutzschirm

Covid Schutzschirm: Was Unternehmen beim Krisenmanagement beachten sollten Begriffe, die im normalen Geschäftsalltag normalerweise nicht zur Sprache...

mehr lesen

Ablauf des Schutzschirmverfahrens (Übersicht)

Vorbereitung der Sanierung

  • Ermittlung des idealen Zeitpunktes, wann der Schutzschirm-Antrag zu stellen ist
  • Prüfung, ob Zahlungsunfähigkeit bereits eingetreten ist bzw. wann sie eintreten wird. Falls noch nicht zahlungsunfähig: Schutzschirmverfahren gem. § 270 b InsO möglich (aber vielleicht nicht nötig). Falls bereits zahlungsunfähig: Kleines Schutzschirmverfahren gem. § 270 a InsO (=Insolvenz in Eigenverwaltung). Beide Verfahren sind fast gleichwertig.

1. Planung

  • Unternehmensanalyse
  • Integrierte Unternehmensplanung
  • Planung des Schutzschirmverfahrens

2. Antrag

  • Beschreibung Verfahrensablauf
  • Meilensteine und Risiken
  • Darlegung der Gläubigerinteressen

3. Anordnung Gläubigerschutz

  • Gericht erlässt Vollstreckungsverbot
  • Leasinggeber, Vermieter usw. müssen Nutzung ihrer Anlagen dulden

4. Vorläufige Eigenverwaltung

  • Ziel ist die Stabilisierung des Insolvenzmehens
  • Steigerung Liquidität durch Kosteneinsparung und Insolvenzgeld
  • Geschäftsführung führt Betrieb in Eigenverwaltung normal fort
  • Sachwalter macht Gerichts-Gutachten und überwacht Verfahren
  • ggf. Überwachung durch Gläubigerausschuss

5. Hauptverfahren 

  • Gericht macht Verfahren öffentlich bekannt
  • Betrieb arbeitet wieder unter Vollkosten
  • Gesundschrumpfung, Exit allen ungünstigen Verträgen
  • Gläubiger melden Forderungen zur Insolvenztabelle an
  • Sachwalter und ggf. Gläubigerausschuss überwachen

6. Gläubigerversammlung

  • Gläubiger stimmen über den Fortgang des Verfahrens ab
  • Gläubigerforderungen werden geprüft und festgestellt oder bestritten

7. Insolvenzplan

  • Regelt die Verteilung und Verwertung der Insolvenzmasse
  • Gläubiger erhalten eine Teilzahlung und verzichten auf den Rest

8. Verteilung

  • Verteilung der im Insolvenzplan bestimmten Quote
  • Erledigung sonstiger Auflagen des Insolvenzplans

Exit

  • Gericht und Sachwalter setzen ihre Kosten fest. Das Unternehmen bezahlt diese aus der selbstverwalteten Insolvenzmasse
  • Das Gericht entlässt das Unternehmen aus dem Schutzschirmverfahren per Gerichtsbeschluss

In vier Schritten retten wir Ihren Betrieb mit dem Schutzschirmverfahren:

Zunächst holen wir Ihr Unternehmen aus der Defensive und geben Ihrem Betrieb die alte Stärke zurück. Aus der neuen Position heraus werden wir mit Ihren Gläubigern verhandeln und die Gläubiger mit kluger Strategie von einen Schuldenschnitt überzeugen. Auf jeden Fall ist die Quote im Schutzschirm besser als bei Regelinsolvenz.

In den ersten drei Monaten des Schutzschirmverfahrens sparen Sie durch das Insolvenzgeld erhebliche Kosten ein. Insolvenzgeld bedeutet, dass der Staat im Schutzschirm drei Lohnrunden übernimmt. Die Einsparung aufgrund des Insolvenzgeldes ist ein wichtiger Beitrag zum Liquiditätsaufbau im Schutzschirm.

Während wir mit den Gläubigern einen Forderungs-Verzicht aushandeln, geben wir Ihrem Unternehmen eine neue, wettbewerbsfähige Struktur. Vor allem befreien wir Ihren Betrieb von allen defizitären Betriebsausgaben. Ist Ihr Unternehmen beispielsweise an einen langfristigen und überteuerten Mietvertrag gebunden, sprechen wir die Kündigung aus. Gleichzeitig stoppen wir die Raten. Die fristlose Kündigung hat keine nachteiligen Folgen. Alle Verpflichtungen kommen auf den Prüfstand. Sie behalten nur, was Ihrem Unternehmen in Zukunft eine Rendite bringt.

Am Ende der Schutzschirm-Insolvenz stimmen die Gläubiger per Insolvenzplan über einen Schuldenschnitt ab. Es bestehen sehr gute Chancen, dass die Gläubiger einlenken. Der Gesetzgeber begünstigt und fördert den Schuldenschnitt per Insolvenzplan: Nicht jeder Gläubiger muss zustimmen. Einfache Mehrheiten genügen. Nachdem die Gläubiger den Schuldenschnitt per Insolvenzplan haben, zahlen Sie die Quote aus. Damit ist Ihr Unternehmen vollständig entschuldet. Eine Reduzierung der Schuldenquote um 95 % ist üblich. Das Schutzschirmverfahren dauert ungefähr acht Monate.

Schutzschirmverfahren, das sind die Vorteile:

 

Geschäftsführung bleibt

Das Schutzschirmverfahren ermöglicht, dass Sie als Geschäftsführer Ihren Betrieb ohne Beschränkungen und Gehaltskürzungen fortführen. Einen Insolvenzverwalter, der Sie bevormundet oder Ihre Rechte einschränkt, gibt es im Schutzschirm nicht.

Gläubigerschutz

Ist der Schutzschirm angeordnet, darf niemand gegen dir Firma vollstrecken oder Vermögenswerte entziehen. Ihr Betrieb steht unter Gläubgerschutz. Leasinggeber, Vermieter usw. müssen die weitere Nutzung ihrer Anlagen dulden.

Rosinenpicken

Das Unternehmen entscheidet, welche Verträge vorteilhaft und welche nachteilig sind. Nachteilige Verträge erfüllt das Unternehmen ab sofort nicht mehr und gibt beispielweise Leasinggegenstände einfach zurück. Günstige Verträge führt es fort.

Staat unterstützt

Der Staat fördert den Schutzschirm und übernimmt drei Lohnrunden. Mit dem Insolvenzgeld und dem “Schwänzen” weiterer Zahlungspflichten gelingt ein schneller Liquiditätsaufbau. In den ersten drei Monaten hat das Unternehmen kaum Kosten.

Erfolgreiche Schutzschirmverfahren aus meiner Praxis:

Interessieren Sie sich für das Schutzschirmverfahren?

Dann schreiben Sie mir doch eine Mail und erklären Sie kurz Ihr Anliegen. Ich melde mich schnellstmöglich zur einer kurzen Vorbesprechung.

1 + 12 =

Oder wünschen Sie eine fundierte Experten-Beratung?

Falls Sie eine ausführliche Beratung wünschen, ob Ihr Betrieb für den Schutzschirm geeignet ist und wie er abläuft, buchen Sie hier einen Telefontermin, ca. 60 min/ 200€.

Super Anwalt, kümmert sich, wirklich ein Partner, auf den man sich verlassen kann

Freiberufler, Berlin

Die Risiken des Schutzschirmverfahrens

Risiken oder Nachteile des Schutzschirmverfahrens gegenüber der Regelinsolvenz kenne ich nicht. Im Vergleich zu Regelinsolvenz lohnt sich das Schutzschirmverfahren immer. Es lohnt sich auch dann, wenn es in Wahrheit darum geht, ein Unternehmen möglichst sanft in den Sand zu setzen. In Besprechungen zur Vorbereitung der Schutzschirm-Insolvenz werde ich oft nach dem Haftungsrisiko der Geschäftsführung im Schutzschirmverfahren aufgrund Anfechtung gefragt. Ein Haftungsrisiko besteht nicht. Alle Haftungs- und Strafvorschriften gegen die Geschäftsführung gelten vor der Anordnung des Schutzschirms. Sie gelten nicht im Schutzschirmverfahren. Eher würde der Sachwalter als Aufsichtsperson wegen mangelhafter Aufsicht haften. Die Geschäftsführung haftet nicht.

Kein Schutzschirm ohne Eigenverwaltung

 Während der Unternehmer am Ende der regulären Insolvenz sein Unternehmen für gewöhnlich aufgrund Abwicklung oder Verkauf verliert, bietet ihm das Schutzschirmverfahren eine Chance, es fortzuführen. Erreicht wird dieses Ziel mit der sogenannten Eigenverwaltung, die das Gericht anlässlich der Insolvenzeröffnung per Gerichtsbeschluss anordnetErfahrungsgemäß trocknen Unternehmen mit Bekanntwerden einer Regelinsolvenz blitzschnell aus. Dies gilt vor allem in der Hochkonjunktur. Gute Mitarbeiter sind dann kaum mehr im Unternehmen zu halten. Beim Schutzschirmverfahren mit Eigenverwaltung ist dies anders, denn hier verlieren Sie als Geschäftsführung ihre Rechte nicht, so wie in der normalen Insolvenz, sondern führen das Unternehmen mit allen Befugnissen fort. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich Arbeitnehmer, Lieferanten, Kunden, usw. von Ihnen im Schutzschirm abwenden und kündigen. 

Schutzschirmverfahren lebt von Vertrauen

Bekanntlich ist Vertrauen die Grundlage eines jeden Geschäfts. Das Vertrauen gegenüber den Geschäftspartnern wird zu Beginn des Schutzschirmverfahrens jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen. Das liegt zum einen daran, dass Ihr Unternehmen nicht mehr alle Rechnungen begleichen darf. Zahlreiche Lieferanten werden deshalb ausfallenZum anderen werden sich Ihre Auftraggeber fragen, ob Sie künftige Aufträge überhaupt noch zuverlässig erfüllen können. Zu den wichtigsten Aufgaben im Schutzschirmverfahren gehört es deshalb, dem Vertrauensverlust durch eine offene und ehrliche Kommunikation mit allen Beteiligten entgegenzuwirken. Sie müssen Ihren Kunden und Auftraggebern beweisen, dass Sie auch im Schutzschirm pünktlich und zuverlässig liefern können und Ihre Lieferanten brauchen belastbare Nachweise über Ihre Leistungsfähigkeit.

 

Sachwalter beaufsichtigt die Sanierung

Der Sachwalter überwacht im Auftrag des Gerichts den Sanierungsverlauf. So schlägt er z. B. Alarm, wenn das Unternehmen die Gläubigerinteressen auf eine gemeinschaftliche Befriedigung missachtet. Anders als ein Insolvenzverwalter im regulären Insolvenzverfahren darf er sich dagegen nicht in den regulären Geschäftsverkehr einmischen.

Aufgaben der Geschäftsführung im Schutzschirmverfahren

Für neues Vertrauen zu werben ist tatsächlich Ihre wichtigste Aufgabe als Geschäftsführung in einem Schutzschirmverfahren. Auch sollten Sie stets vor Ort sein, wenn ein neuer Vertrauensverlust aufbricht, um den Brand sofort löschen zu können. Im Übrigen führen Sie das Tagesgeschäft ganz normal fort, Sie akquirieren also neue Aufträge, organisieren den Arbeitsablauf, liefern Ihre Produkte aus und streben nach einen möglichst hohen Gewinn. Die neuen Aufgaben, welche die Bewältigung der Schutzschirminsolvenz mit sich bringt, führen zu einer höheren Arbeitsbelastung. Es ist gut, wenn das Unternehmen hierzu Personalkapazitäten schafft, um die Geschäftsführung zu entlasten.

Das Schutzschirmverfahren finanziert sich weitgehend von selbst

Das Schutzschirmverfahren kostet Geld. Einerseits muss Ihr Unternehmen eine Ausschüttung für die Gläubiger leisten, andererseits den Sachwalter, das Gericht und den Sanierungsberater, also die Verfahrenskosten bezahlen. Hinzu kommen Sonderkosten wie die Gebühren für Insolvenzgeld, Jahresabschlüsse und Inventur.

All diese Kosten werden Sie aber ohne Weiteres stemmen können, weil Sie aufgrund des Insolvenzgeldes für drei Monate die Lohnzahlungen aussetzen und darüber hinaus weitere Betriebsausgaben einsparen können. Letztendlich ist das Insolvenzgeld auch dazu gedacht, die Verfahrenskosten zu bezahlen. In vielen Fällen macht es das Schutzschirmverfahren überhaupt erst möglich.

Im Schutzschirmverfahren gelten die üblichen Kosten-Nutzen-Berechnungen, die Sie sonst als Unternehmer vornehmen, nicht. So bedeuten niedrige Verfahrenskosten beispielsweise nicht, dass Sie am Ende mehr erhalten. Vielmehr wirken sich die Verfahrenskosten ausschließlich auf die Höhe der Ausschüttung an die Gläubiger aus. Die Kosten für den Schutzschirm bezahlen also letztendlich die Gläubiger in Form einer geringeren Quote.

Für Sie als Unternehmer ist das Ergebnis des Schutzschirmverfahrens stets das gleiche: Sie erhalten ein schuldenfreies und saniertes Unternehmen zurück und außerdem ein Liquiditätsreserve ungefähr in Höhe eines monatlichen Kostenblocks.

Als Sanierungsberater führe ich Ihr Unternehmen durch das Schutzschirmverfahren 

Als Sanierungsberater und erfahrener Krisenmanager stehe ich Ihnen und Ihrem Unternehmen während des gesamten Schutzschirmverfahrens treu zur Seite und unterstütze Sie in allen rechtlichen Angelegenheiten, die das Verfahren mit sich bringt.

Im Idealfall heuern Sie mich bereits zur Vorbereitung des Schutzschirmverfahrens an. Später im Verfahren führe ich Sie und Ihr Unternehmen gleich einem Schiffslotsen durch schwieriges Gewässer. Mein Team übernimmt die mit dem Schutzschirmverfahren einhergehenden Aufgaben wie beispielsweise die Insolvenzgeldvorfinanzierung der Arbeitsentgelte und das Reporting an das Gericht und den Sachwalter.

Die vielleicht schwierigste Aufgabe ist der Exit aus dem Schutzschirmverfahren, also die Vorbereitung und Umsetzung des Schuldenschnitts. Ihre Gläubiger werden auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten müssen. Dieser Verzicht werde ich den Gläubigern als Vorteil gegenüber der Regelinsolvenz „verkaufen”. Ist dies bei den wichtigsten Gläubigern gelungen, stelle ich als Sanierungsberater am Verfahrensende einen Insolvenzplan auf. Ein Insolvenzplan ist ein Vertrag zwischen Ihrem Unternehmen und den Gläubigern, der die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten dauerhaft ausgleichen und befrieden soll.

Gerne empfehle ich mich Ihnen als Sanierungsberater. Sie profitieren von meiner Erfahrung aus über 75 voran gegangenen Unternehmenssanierungen. Das sagen mein Mandanten:

Erfahrungen & Bewertungen zu Rechtsanwalt Jörg Franzke

Geschafft!!
Mitte Feb. 2017 nahmen wir – eine Tischlerei in Berlin – Kontakt zu Herrn Franzke auf, da uns Zahlungsschwierigkeiten drohten. Anfang März 2017 wurde das Schutzschirmverfahren eröffnet und jetzt….. Ende Oktober 2017 erfolgreich beendet.
Durch Herrn Franzkes entspannte und ruhige Art schaffte er das nötige Vertrauensverhältnis – welches sich dann zur freundschaftlichen und offenen Zusammenarbeit entwickelte .
Herr Franzke stand uns zu jeder Zeit mit seinem kompetenten
Wissen und Erfahrungen zur Seite und half uns die größeren und
kleinere Probleme bei der Durchführung des Schutzschirmverfahrens
zu meistern.
Das gesamte Team unsere Firma möchte sich auf diesem Wege
bei Herrn Franzke für die erfolgreiche Hilfe bedanken.

Tischerlei, Berlin

Bewertung vom 09.11.2017

Ich bin Garten- und Landschaftsbauer mit damals rund 40 Mitarbeitern. Weil meine Auftraggeber mich hängen ließen und nicht bezahlten, bin ich selbst in Not geraten. Zusammen mit RA Franzke an meiner Seite bin ich durch das Schutzschirmverfahren. Das Verfahren hat ein Jahr gedauert. Herr RA Franzke hat für mich einen Schuldenschnitt verhandelt. Auf 3 Mio. € Schulden musste ich 1 % bezahlen und jetzt bin ich schuldenfrei. Vielen Dank, Herr RA Franzke, ich empfehle Sie immer weiter.

Garten- und Landschaftsbetrieb, Leipzig

Bewertung vom 09.04.2019

Mit Bewertungen bin ich eher sehr zurückhaltend, aber in unserem Fall nicht, der Firmeninsolvenz (Schutzschirmverfahren), von der Erstberatung bis zur Begleitung und Hilfestellung 10 ********. Während des Verfahrens, einfach nur begeistert. Bei Herrn Rechtsanwalt Franzke hat man immer das Gefühl, dass man auch als Mensch, mit all seinen Sorgen und Problemen ernst genommen wird. Fachlich und Menschlich hat man es mit einem wirklichen Fachmann zu tun, von der Anmeldung des Verfahrens bist zum letzten, erfolgreichen Gerichtstermin, sind ca. 17 Monate vergangen und unsere Firma ist jetzt schuldenfrei. Herr Franzke hatte zu jederzeit und für jedes Problem ein offenes Ohr. Ich weiß jetzt, dass dieser Schritt der Richtige war für mich eine Kanzlei, die ich mehr als empfehlen kann, ich würde sie jedem der sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation (ob Privat- oder Firmeninsolvenz) befindet, ohne „Wenn und Aber“ sofort weiterempfehlen.
Auch auf diesem Weg, nochmals vielen herzlichen Dank an Herrn RA Jörg Franzke.

Sicherheitsdienst, Bayern

Bewertung vom 01.12.2018

Schutzschirmverfahren – Schritt für Schritt

Das Schutzschirmverfahren dauert sechs bis neun Monate und umfasst im Wesentlichen zehn Stationen. Die Schritte des Schutzschirmverfahrens möchte ich Ihnen nachfolgend vorstellen und zugleich erklären, wie ich Sie als Sanierungsberater bei der Rettung Ihres Unternehmens unterstütze. Das Schutzschirmverfahren läuft ungefähr folgendermaßen ab:

1. Schritt: Vorbereitung

Sanierungsberater suchen

Sobald die Liquiditäskrise beginnt suchen Sie sich als ersten Schritt einen Schutzschirm-Spezialisten. Das ist in der Regel ein spezialisierter Rechtsanwalt, mit viel Erfahrung in der Unternehmenssanierung und in Schutzschirmverfahren Ablauf. Lassen Sie sich Referenzen geben und rufen Sie bei den Geschäftsführern an. Die Chemie muss stimmen, schließlich werden Sie das nächste halbe Jahr sehr intensiv zusammenarbeiten. Zusammen mit dem Sanierungsberater planen Sie das Schutzschirmverfahren. Ziel ist es, das Schutzschirmverfahren von Beginn an gut zu durchdenken, dass es später im Sanierungsprozess zu keinen wesentlichen Abweichungen von der Planung kommt.

Vom Ergebnis aus planen

Den Schutzschirm planen Sie und Ihr Sanierungsberater am besten vom Ergebnis her. Zuerst bestimmen Sie, wie das Unternehmen idealerweise aussehen soll. Davon ausgehend planen sie den Weg dorthin. Wir beginnen mit einer Analyse Ihres Unternehmens:

  • Warum ist es in die Schieflage geraten?
  • Wie lassen sich die Krisenursachen beseitigen?
  • Wie könnte die mittelfristige Perspektive des Unternehmens aussehen?
  • Was muss sich verändern?

Notwendige Vorarbeiten

Folgende Vorarbeiten sind nötig, damit ich einen überzeugenden Schutzschirmantrag für Sie schreiben und diesen bei Gericht einreichen kann. Den Sanierungsplan benötigen wir außerdem, um die wichtigsten Gläubiger und Lieferanten von der Notwendigkeit des Schutzschirms zu überzeugen.

  • eine integrierte Unternehmensplanung unter den speziellen Bedingungen des Schutzschirms;
  • eine Fortführungsprognose, welche Sanierungsschritte wir uns wann vorstellen;
  • einen Exit-Plan, dem zu entnehmen ist, wie die Gläubigerbefriedigung später aussehen soll.

2. Schritt: Schutzschirm-Antrag

Schutzschirm-Antrag ist aufwändig

Dem Schutzschirm ist ein aufwändiger Antrag vorgeschaltet. Er beinhaltet insbesondere die in der Planungsphase erarbeiteten Sanierungsschritte in Form eines Grobsanierungskonzeptes sowie einen Fahrplan der Sanierung. Einen Schutzschirmantrag übersendet man nicht einfach an das Gericht. Vielmehr führt der Sanierungsberater mit dem Richter mehrere Vorgespräche. Die Vorgespräche ermöglichen Korrekturen und schließen die Zurückweisung des Schutzschirmantrages nahezu aus. Auch die Personalie des Sachwalters wird vorbesprochen.

Bewilligung ist kein Selbstläufer

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf ein Schutzschirmverfahren. Bereits beim Schutzschirmantrag müssen Sie als Unternehmer deshalb um Vertrauen werben. Schließlich wollen Sie erreichen, dass Ihnen das Gericht das Schutzschirmverfahren mit Eigenverantwortung, das heißt: die eigenverantwortliche Fortführung der Geschäfte gestattet. Dieses Ziel zu erreichen ist nicht immer leicht, denn manche Richter tun sich schwer mit der Anordnung der Eigenverwaltung.

Vorurteile gegen Unternehmer

Der Richter wird die Geschäftsführung eines verschuldeten Unternehmens grundsätzlich als nicht vertrauenswürdig wahrnehmen. Umso wichtiger ist, dass Sie sich mit einer überzeugenden Antragsschrift an das Gericht wenden. Der Antrag muss nicht nur alle erforderlichen Informationen enthalten; er muss vor allem die Botschaft transportieren: „Wir können Schutzschirm!“ Ich werde das Sanierungsvorhaben deshalb im Antrag beschreiben und anhand von Planrechnungen, Plan-Bilanz, Plan-GuV und Liquiditätsplanung plausibel vermitteln.

3. Schritt: Anordnung Gläubigerschutz

Als erste Maßnahme stellt das Gericht das Unternehmen unter Vollstreckungsschutz. Ist das Gericht von unserem Antrag überzeugt, ordnet es zunächst Gläubigerschutz an. Ab sofort ist jede Art von Zwangsvollstreckung gegen das Unternehmen verboten. Das Unternehmen befindet sich im Schutzschirm. Das bedeutet, dass Ihre Gläubiger nun nicht mehr, z. B. durch Pfändungen, auf Ihr Einkommen und Vermögen zugreifen können. Zudem haben Sie selbst die Möglichkeit, bei Gericht die Beschlagnahme von Gegenständen zu beantragen, die für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs erforderlich sind. So können Sie beispielsweise verhindern, dass ein Leasinggeber sein Fahrzeug aufgrund ausstehender Raten aus dem Unternehmen entfernt. Betriebsvereinbarungen können Sie auflösen.

Buchen Sie einen Beratungstermin

Falls Sie eine ausführliche Beratung wünschen, ob Ihr Betrieb für den Schutzschirm geeignet ist und wie er abläuft, buchen Sie hier einen Telefontermin, ca. 60 min/ 200€.

4. Schritt: Eröffnungsverfahren

Zahlungsstopp

Das Eröffnungsverfahren läuft maximal drei Monate und beginnt mit der Anordnung des Schutzschirmverfahrens und der Eigenverwaltung durch das Gericht. Die Auswirkungen gleichen dem Ziehen einer Notbremse: Zunächst besteht ein Zahlungsstopp. Ihr Unternehmen muss ab sofort zwischen Insolvenzforderungen und Masseforderungen unterscheiden. Die Mitarbeiter werden in einer Betriebsversammlung informiert und erhalten für drei Monate Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Dies zu organisieren ist unsere Aufgabe.

Lieferstopp

Spätestens jetzt geben Sie den Schutzschirm bekannt. Banken schließen daraufhin die Konten, die Lieferanten verhängen Lieferstopps und es gibt viele weitere Gemeinheiten. Wir werden alle Hände voll zu tun haben, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, was schwierig ist, aber dennoch in der Regel gelingt. Das dritte Aufgabenfeld im Eröffnungsverfahren ist das Reporting. Zwar führen Sie das Unternehmen in Eigenregie fort, aber sie stehen nunmehr unter Beobachtung. So wollen das Gericht, die wichtigsten Gläubiger und der Sachwalter stets mit Informationen, Planzahlen, Prognosen usw. versorgt werden. Darum müssen wir uns kümmern.

Insolvenzgeld

Das Eröffnungsverfahren dient schließlich dazu, dem Unternehmen neue Liquidität zuzuführen, damit es überleben und später seine Verfahrenskosten zahlen und die Gläubiger befriedigen kann. Deshalb dürfen Sie die im Eröffnungsverfahren angesparte Liquidität nicht anderweitig nutzen oder gar den defizitären Geschäftsbetrieb finanzieren, sonst schaffen Sie es nie wieder aus dem Verfahren heraus. Der Aufbau der Liquidität erfolgt nicht in Form von Geldzufuhr, sondern durch Kosteneinsparung. Wichtigster Posten ist das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur: Die Arbeitsagentur übernimmt für drei Monate die Lohnkosten; Ihr Unternehmen spart also drei volle Lohnrunden.

Inventur

Gegen Ende des Eröffnungsverfahrens wird das Hauptverfahren vorbereitet. Der Sachwalter muss hierzu ein Eröffnungsgutachten für das Gericht erstellen. Es enthält eine umfassende Beschreibung des Unternehmens, der Krisenursachen und der Fortführungsaussichten. Wichtigster Bestandteil des Gutachtens ist jedoch die Eröffnungsbilanz. Dort sind alle Vermögenswerte des Unternehmens unter Berücksichtigung von Drittrechten zum Stichtag bewertet. Das Gesamtergebnis der Eröffnungsbilanz ist die „freie Masse“. Das ist der Wert, den die Verwertung des Unternehmens bei Betriebseinstellung voraussichtlich erzielen würde.

5. Schritt: Hauptverfahren

Vollkosten

So wie das Eröffnungsverfahren sollte auch das Hauptverfahren nicht länger als drei Monate dauern. Während das Eröffnungsverfahren in erster Linie der Stabilisierung des Unternehmens dient, ist das Hauptverfahren den Gläubigern gewidmet. Die Gläubiger melden ihre Forderung zur Insolvenztabelle an und daraus bildet man später eine Verteilungsquote. Das Unternehmen arbeitet ab sofort wieder unter Vollkosten. In der Regel zu einem Monatsersten eröffnet das Gericht das Hauptverfahren. In einem normalen Insolvenzverfahren würde jetzt der Besitz am Unternehmen vollends auf den Insolvenzverwalter übergehen. In unserem Fall aber ordnet das Gericht wiederum die Eigenverwaltung an und Sie führen das Unternehmen so weiter wie bisher.

Vermeidung von Lieferstopps

Die Bekanntgabe des Hauptverfahrens kann Auftragskündigungen und Lieferstopps auslösen. Viele Lieferanten stellen ab dem Hauptverfahren auf Vorkasse um, aber das ist verkraftbar. Dank der eingesparten Lohnrunden besitzt das Unternehmen ausreichend Liquidität und kann auf Vorkasse einkaufen. Auch Leasing- und Mietverträge bereiten keine Probleme und laufen automatisch weiter, ohne dass der Vermieter, Leasinggeber usw. kündigen kann. In der Regel aber reagieren insbesondere mittelständische Kunden und Lieferanten verständnisvoll, wenn man den Schutzschirm erklärt. Oft ist es sinnvoll, das Unternehmen kommt der öffentlichen Bekanntgabe anhand von Presseerklärungen und Kundenrundschreiben zuvor. Ein weiteres Problem ist zu lösen, wenn das Unternehmen beispielsweise der Baubranche angehört und für die Erteilung eines neuen Auftrags eine Anzahlungsbürgschaft erforderlich ist.

Exit vorbereiten

Schließlich bereitet das Sanierungsteam schon jetzt den Exit vor – je schneller, desto besser. Beispielsweise müssen alle Jahresabschlüsse fertig sein. Gleiches gilt für einen weiteren Abschluss mit Rumpfgeschäftsjahr auf den Stichtag der Eröffnung des Hauptverfahrens. Ohne diese Abschlüsse kommt Ihr Unternehmen nicht aus dem Verfahren und da manche Steuerberater schreckliche Schlafmützen sind, sollte man sich frühzeitig darum kümmern.

Schutzschirm wird öffentlich

Die Eröffnung des Hauptverfahrens wird auf der staatlichen Website www.insolvenzbekanntmachungen.de öffentlich bekannt gemacht. Suchroboter greifen darauf zu und geben die Information an Kunden, Lieferanten weiter und Banken weiter, die bei Creditreform und Co. Mitglied sind. Je nach Bedeutung des Unternehmens berichten lokale Presse und Fachzeitschriften. Nun müssen Sie Ihren verunsicherten Kunden und Lieferanten den Schutzschirm erklären und um Vertrauen werben. Spätestens jetzt rächt es sich, wenn Sie sich bislang vor der Bekanntgabe des Schutzschirms gedrückt haben, denn wenn die Beteiligten erst durch die offizielle Bekanntgabe aus öffentlichen Registern davon erfahren, wird es besonders schwer, ihr Vertrauen zurückzugewinnen.

Sonstige Gemeinheiten

Erfahrungsgemäß wollen Bürgschaftsbanken im Hauptverfahren nämlich vorerst keine derartigen Bürgschaften mehr übernehmen. Dann müssen wir Ersatzsicherheiten suchen. Bewährt hat sich die Abwicklung des Materialeinkaufs über ein Treuhandkonto, die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen oder die Umleitung über ein anderes Unternehmen. Nachdem die Gemeinheiten des Hauptverfahrens überwunden sind, wird das Fahrwasser ruhiger und es kehrt Verfahrensroutine ein. Nun können Sie sich an die Optimierung des Unternehmens machen und Betriebsausgaben einsparen. Das Unternehmen besitzt im Hauptverfahren umfassende Sonderkündigungsrechte und kann sich von Verträgen sofort, fristlos und durch einfache „Erklärung der Nichterfüllung“ trennen. Gleiches gilt letztendlich auch für Arbeitsverträge und Immobilienmietverträge, nur dass hier eine dreimonatige Kündigungsfrist und bei Arbeitnehmern der übliche Sozialkram zu beachten ist.

Investoren hofieren oder vertreiben

Im Hauptverfahren können Investoren auftauchen, die das Unternehmen übernehmen oder einsteigen möchten. Je nachdem, ob der Investor erwünscht ist oder unerwünscht, reagiert das Unternehmen mit Abwehr oder bereitet mit einer due diligence den Einstieg vor. Der Schuldenerlass erzeugt einen Sanierungsgewinn, der eigentlich zu versteuern ist. Um dies zu vermeiden, muss das Unternehmen beim Finanzamt und Gewerbesteueramt den Erlass beantragen. Das ist kompliziert, wird aber in der Regel bewilligt.

7. Schritt: Prüftermin

Gläubiger müssen Forderung anmelden

Ungefähr acht Wochen nach Eröffnung des Hauptverfahrens findet beim Insolvenzgericht der Prüfungstermin und die Gläubigerversammlung statt. Den Termin für die Gläubigerversammlung  bestimmt das Gericht bereits bei Eröffnung des Hauptverfahrens. Der Prüfungstermin dient dazu, die Forderungen der Gläubiger an das Unternehmen zu klären. Dies geschieht wie folgt: Zunächst übersendet der Sachwalter den bekannten Gläubigern den Insolvenzeröffnungsbeschluss und ein Formular, mit dem die Gläubiger ihre Forderungen beim Sachwalter anmelden können. Die Gläubiger füllen dieses Formular aus, fügen Nachweise wie Rechnungen oder Verträge bei und senden alles dem Sachwalter. Die Gläubiger machen außerdem geltend, ob sie ein Aussonderungsrecht bzw. ein Absonderungsrecht besitzen.

Gericht erstellt Insolvenztabelle

Dieser trägt die einzelnen Forderungsanmeldungen in die sogenannte Insolvenztabelle ein, die als Vorbereitung für den Prüfungstermin gilt. Sodann findet der Prüfungstermin beim Insolvenzgericht statt. In diesem Termin sitzen der Rechtspfleger und der Sachwalter in einem Sitzungssaal zusammen und gehen jede einzelne Forderungsanmeldung durch. Hält der Sachwalter die Forderung für berechtigt, trägt das Gericht in die Insolvenztabelle den Vermerk: „Forderung festgestellt“ ein. Ist die Forderung aus seiner Sicht unberechtigt, wird das Prüfungsergebnis mit „Forderung bestritten“ vermerkt. Die Gläubiger mit festgestellter Forderung nehmen später an der Ausschüttung teil und haben in der Gläubigerversammlung ein volles Stimmrecht. Die Gläubiger mit bestrittener Forderung können ihre Anmeldung nachbessern, sodass sie später festgestellt wird.

8. Schritt: Gläubigerversammlung

Gläubiger müssen Sie überzeugen

Unmittelbar danach wird im gleichen Sitzungssaal die Gläubigerversammlung abgehalten. Hierzu bereite ich stets einen ausführlichen Bericht vor, den ich in der Versammlung vortrage. Er enthält eine kurze Beschreibung Ihres Unternehmens, die Krisenursachen, die bisherigen Sanierungsmaßnahmen und die wichtigsten Vermögenswerte im Unternehmen. Schließlich stelle ich die Verwertungsszenarien gegenüber, gehe also darauf ein, wie das Unternehmen aus Sicht der Gläubiger bestmöglich zu verwerten ist. Infrage kommen drei typische Möglichkeiten der Verwertung:

  • Liquidation: Der Betrieb wird eingestellt. Die Gläubiger erhalten den Erlös aus der Verwertung des Betriebsvermögens.
  • Übertragende Sanierung: Das Unternehmen wird in der Form eines Asset Deals verkauft.
  • Insolvenzplan: Der Unternehmer behält den Betrieb und führt ihn fort. Die Befriedigung der Gläubiger erfolgt durch Abschöpfung der Liquidität. Die Art und Höhe der Abschöpfung wird im Insolvenzplan geregelt.

Insolvenzplan ist Beste!

Klarer Fall, dass für Sie als betroffener Unternehmer der Insolvenzplan die einzig wahre Alternative ist, weil Sie dann Ihr Unternehmen behalten und fortführen können. Ich werde die drei Verwertungsszenarien zwar „schonungslos“ objektiv darstellen, Sie können jedoch sicher sein, dass sich die Verwertung per Insolvenzplan als bestes Szenario für die Gläubiger erweisen wird. Am Schluss der Gläubigerversammlung stimmen die Gläubiger über den Fortgang des Verfahrens ab. Für uns ist es optimal, wenn Sie Folgendes beschließen:
Das Unternehmen wird in Eigenverwaltung fortgeführt. Der Schuldner wird beauftragt, schnellstmöglich einen Insolvenzplan zu erarbeiten und zur Abstimmung zu bringen. Dann haben wir auch diese Etappe für Sie entschieden und streben nun schnellstmöglich den Exit an. Damit die Gläubigerversammlung so wie von uns gewünscht entscheidet, bestehen gewisse Möglichkeiten der Einflussnahme. Diese werden wir selbstverständlich ausschöpfen.

9. Schritt: Exit per Insolvenzplan

Gläubiger erhalten eine Quote

Spätestens mit Eröffnung des Hauptverfahrens erarbeitet das Unternehmen einen Insolvenzplan. Der Insolvenzplan ist der Ausgang aus dem Schutzschirmverfahren. Rechtlich gesehen ist der Insolvenzplan ein Teilzahlungsvergleich mit den Gläubigern. Statt 100% erhalten die Gläubiger lediglich 1% oder 20% und verzichten auf den Rest ihrer Forderungen. Die Gläubiger müssen diesem Insolvenzplan in einem gerichtlichen Abstimmungstermin zustimmen. Das Gesetz erleichtert den positiven Ausgang erheblich. Beispielsweise besitzt nur der zum Termin anwesende Gläubiger ein Stimmrecht und für die Zustimmung reicht die einfache Mehrheit nach Summen und Köpfen aus. Bei Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan muss das Unternehmen die in dem Insolvenzplan ausgehandelten Auflagen erfüllen. Das sind in erster Linie die Auszahlung der Quoten an die Gläubiger und die Verfahrenskosten.

%

minimale Quote

Insolvenzplan ist Teilzahlungsvergleich

Der Insolvenzplan fasst das Ergebnis der Verhandlungen mit allen Beteiligten abschließend zusammen. Dabei sollen insbesondere die Interessen der Gläubiger im Wege des gegenseitigen Nachgebens berücksichtigt werden. Zugleich ist der Insolvenzplan ein Vertrag, mit dem die Gläubiger die Verwertung der Insolvenzmasse abschließend regeln.
Der Vorteil des Insolvenzplans gegenüber einem zivilrechtlichen Vergleich besteht in vier wichtigen Bestimmungen:

  • Die Entscheidung über den Insolvenzplan gilt auch für die Gläubiger, die nicht an der Abstimmung teilnehmen.
  • Die Gläubiger stimmen mit einfacher Mehrheit ab. Erforderlich ist die Mehrheit nach Köpfen und Summen.
  • Unter bestimmten Umständen kann das Gericht die Zustimmung einzelner Gläubiger, die den Plan ablehnen, erzwingen.
  • Gläubiger mit gleichen wirtschaftlichen Interessen können in verschiedene Gläubigergruppen eingeteilt werden.

Erfolgsaussicht für Insolvenzplan ist hoch

Diese vier Bestimmungen zur Förderung des Insolvenzplans geben diesem eine sehr gute Erfolgsaussicht. Da der Plan aber viele Interessen berücksichtigen muss, bleibt er dennoch eine komplizierte Sache. So sind stets zahlreiche Vorverhandlungen und Abstimmungen mit den maßgeblichen Gläubigern, dem Sachwalter und dem Gericht notwendig.

Abstimmungstermin in der Regel reibungslos

Irgendwann aber haben wir den Verhandlungsdurchbruch geschafft und können den Insolvenzplan zur Abstimmung bringen. Der Abstimmungstermin selbst wird bei Gericht abgehalten, die Verhandlung führt der Insolvenzrichter. In der Regel verläuft der Termin reibungslos. Alle Beteiligten haben viel Zeit und Kraft in den Insolvenzplan investiert, sodass alle einen positiven Ausgang wollen.

10. Schritt: Verteilen und Aufräumen

Verteilung der Quote nach 4 Wochen

Nachdem die Gläubiger den Insolvenzplan angenommen haben, vergehen weitere zwei Wochen, bis er rechtskräftig ist. Danach geht es an die Verteilung. Diese nehmen Sie als Unternehmen selbst vor. Die Höhe der an die Gläubiger auszuschüttenden Beträge regelt der Insolvenzplan, indem er den Gläubigern eine bestimmte Quote garantiert, beispielsweise 5 % der zur Insolvenztabelle festgestellten Forderungen sowie insgesamt einen festen Betrag zur Ausschüttung an alle Gläubiger, beispielsweise 100.000 Euro. Die garantierte Quote müssen Sie unbedingt an alle Gläubiger ausschütten, andernfalls riskieren Sie die Annullierung des Insolvenzplans.

Nach 1 Jahr ist endgültig Schluss

Im Laufe des darauffolgenden Jahres haben die Gläubiger die Möglichkeit, weitere Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden und feststellen zu lassen. Diese Gläubiger erhalten nach Ablauf des Jahres dann ebenfalls die garantierte Quote. Bleibt von dem garantierten Betrag von beispielsweise 100.000 Euro etwas übrig, verteilen Sie auch diesen Restbetrag noch an die Gläubiger. Danach ist endgültig Schluss. Nachdem die Auflagen erfüllt sind und nachdem die zweiwöchige Rechtsmittelfrist abgelaufen ist, entlässt das Gericht das Unternehmen aus dem Schutzschirmverfahren. Das Gericht wird die Kosten des Sachwalters, sowie die Gerichtskosten festsetzen. Ist alles bezahlt, hebt es das Insolvenzverfahren mit Beschluss auf. Das Unternehmen ist schuldenfrei und führt die Geschäfte ungestört weiter.

Schutzschirmverfahren Tipps

Für die Sanierung Ihres Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren gebe ich Ihnen diese wichtigen Tipps mit auf den Weg. Aus meiner täglichen Sanierungs-Praxis für Sie zusammengestellt.

Erster Tipp: Achten Sie bereits bei der Vorbereitung des Schutzschirms auf Liquidität 

1. Tipp

Versuchen Sie, bereits vor dem Schutzschirm-Verfahren möglichst viel Liquidität zu schaffen, indem Sie die Zahlungen einstellen und die Zahlungseigänge auf ein neu eingerichtetes Konto umleiten.

Für die Schutzschirm-Insolvenz und die Eigenverwaltung gilt das gleiche wie im normalen Leben: Das Unternehmen muss liquide sein. Ohne Moos, nix los. Das Schutzschirmverfahren erspart dem Betrieb für drei Monate immense Betriebskosten. Die Ersparnis beispielsweise von Löhnen oder Leasing unterstützt das Unternehmen, um neue Liquidität aufzubauen. Genauso wichtig ist es, dass die Firma beim Start in den Schutzschirm liquide Mittel verfügbar hat. Die Firma benötigt das Geld, um neue Ware oder neues Verbrauchsmaterial einzukaufen.

Beispielsweise benötigt eine Spedition täglich Diesel. Eröffnet die Spedition den Schutzschirm ohne Barreserve, bleiben die Fahrzeuge mangels Diesel stehen und der Schutzschirm wäre sofort beendet.

Zu Beginn des Schutzschirmverfahrens darf das Geschäftskonto nicht im Minus sein. Erfährt die Bank von dem Schutzschirm, wird sie alle Konten im Minus sofort schließen. Die Zahlungseingänge wird die Bank ebenso festhalten. Ohne Barreserve und ohne Zahlungseingang kommt der Geschäftsbetrieb zum Erliegen. Die Barreserve für die ersten Tage im Schutzschirmverfahren verschafft sich das Unternehmen, indem es ein neues Konto eröffnet. Die Bank muss ebenfalls neu sein. Ein neues Geschäftskonto ist die allererste Maßnahme, wenn der Betrieb sich auf den Schutzschirm vorbereitet. Als zweite Maßnahme informiert der Betrieb die Auftraggeber über das neue Bankkonto. Die Auftraggeber reagieren auf geänderte Kontonummern erfahrungsgemäß schwerfällig. Sie leiten die Gelder erst nach und nach auf das neue Geschäftskonto um. Der verzögerte Übergang kann von Vorteil sein, wenn die alte Bank als Gläubiger den Wechsel nicht bemerken soll.

Jetzt wissen Sie, wie Sie eine Barreserve für die Schutzschirm-Insolvenz anlegen. Das Schutzschirmverfahren beantragen Sie erst, nachdem die Auftraggeber das neue Konto akzeptieren und darauf einzahlen. Vermeiden die Insolvenz ohne Barreserve. Ohne Barreserve müssen Sie die Eigenverwaltung aufgeben.

Ein besonderes Problem für die Liquidität in der Schutzschirm-Insolvenz ist die Globalzession. Die Globalzession besichert einen Bankkredit. Um einen Kredit zu erhalten, muss das Unternehmen seine Ansprüche gegenüber seinen Kunden und Auftraggebern an die Bank abtreten. Erfährt die Bank von dem Schutzschirm, widerruft sie die gegenüber dem Unternehmen erteilte Erlaubnis zum Einzug der abgetretenen Forderungen. Das Unternehmen muss alle noch bestehenden alten Ansprüchen an die Bank auskehren. Die Auskehr an die Bank kostet Liquidität und kann den Sanierungszweck gefährden. Aus diesem Grund muss die Barreserve im Fall einer Globalzession höher als üblich sein.

Zweiter Tipp: Planen Sie, welche Lieferanten Sie ausfallen lassen

2. Tipp

Verbindlichkeiten, die Sie VOR der Eröffnung des Schutzschirms eingegangen sind, dürfen Sie nicht mehr bezahlen. Planen Sie deshalb genau, welchen Lieferanten Sie Geld schulden werden und welchen lieber nicht.

Wir sind uns darüber einig, dass niemand Spaß daran hat, seine Lieferanten ausfallen zu lassen. Aber Sie befinden sich gerade in einer Notsituation. Da ticken die Uhren anders. Planen Sie deshalb ganz nüchtern ein, welche Lieferanten Sie vor dem Schutzschirm noch bezahlen werden und welche nicht. Hierzu müssen Sie wissen, dass Ihr Unternehmen ab Eröffnung des Schutzschirms keine alten Rechnungen mehr bezahlen darf.

Dies ist eine Grundregel des Schutzschirmverfahrens: Es ist gesetzlich verboten Rechnungen zu bezahlen, deren Leistungszeitraum vor dem Eröffnungs-Stichtag des Schutzschirms liegt!

Für Dauerschuldverhältnisse wie Mietverträge, Leasingverträge, usw. hat diese Grundregel kaum Bedeutung. Der Schutzschirm ist kein Kündigungsgrund. Vermieter, Leasinggeber, usw. stecken in den Verträgen fest und müssen sich sogar das Schwänzen einer Rate gefallen lassen.
Aber für Ihre Lieferanten hat die Grundregel eine erhebliche Bedeutung.

Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen baut wertvolle Maschinen und ist auf Spezialschrauben angewiesen, die es nur bei einem einzigen Lieferanten weltweit gibt. Vergraulen Sie diesen Lieferanten wegen eines Zahlungsausfalls, gerät Ihre gesamte Produktion in Schwierigkeiten.

Derartige Engpässe müssen wir vermeiden. Deshalb planen wir vor dem Schutzschirm, welche Lieferanten wir noch bezahlen und welchen wir einen Forderungs-Verzicht zumuten werden. Das Bezahlen derartiger lebenswichtiger Lieferanten muss die Ausnahme bleiben. Wir sammeln so viel Cash wie nur möglich. Je höher die Liquidität, desto erfolgreicher die Unternehmens-Sanierung.

Dritter Tipp: Bedenken Sie, Sachwalter sind einnehmende Wesen

3. Tipp

Nehmen Sie sich vor dem Sachwalter in Acht. Kommunizieren Sie mit ihm nicht direkt, sondern nur über Ihren Sanerierungberater. 

Im Schutzschirmverfahren führen Sie als Geschäftsführer Ihr Unternehmen in Eigenverwaltung. Eigenverwaltung bedeutet, dass Sie das Unternehmen wie bisher selbst verwalten, unternehmerisch frei entscheiden und ebenso frei über das Geschäftskonto und die Vermögensgegenstände verfügen.

Die Einschränkung während des Schutzschirms besteht darin, dass das Gericht dem Unternehmen eine Aufsichtsperson beistellt. Die Geschäftsführung muss dieser Aufsichtsperson in kurzen Abständen über Gewinn- und Verlust, Liquidität und über den Sanierungsablauf berichten. Zusätzlich muss sich die Geschäftsführung besondere Ausgaben außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsgangs genehmigen lassen.

Die Aufsichtsperson in der Eigenverwaltung nennt man „Sachwalter“. Die Person des Sachwalters bestimmt das Gericht. In der Regel bestellt das Gericht einen gestandenen Insolvenzverwalter aus dem Gerichtsbezirk.

Der Sachwalter ist also ein Insolvenzverwalter mit beschränkten Rechten. Der Sachwalter besitzt im Gegensatz zu einem Insolvenzverwalter nur ein Überwachungsrecht. Das operative Geschäft ist für den Sachwalter tabu.

Erfahrungsgemäß kommen nur wenige Sachwalter mit der Beschränkung ihres Amtes auf Überwachung zurecht. Sachwalter alias Insolvenzverwalter sind es gewohnt, sich massiv in das Unternehmen einzumischen und alles zu kontrollieren. Deshalb besteht im Schutzschirmverfahren die große Gefahr, dass der Sachwalter jede Gelegenheit nutzt, um sich in Ihr Unternehmen wie ein typischer Insolvenzverwalter einzumischen.

Jede offene Frage Ihrerseits und jede noch so kleine Schwäche wird dem Sachwalter als Rechtfertigung dienen, dass Sie keine Eigenverwaltung können. Als Folge wird er in Ihr Tagesgeschäft eingreifen… Hat der Sachwalter sich erst einmal in Ihren Betrieb eingenistet, wird er beginnen, Sie zu manipulieren. Über kurz oder lang wird er Sie überzeugt haben, dass eine reguläre Insolvenz besser für das Unternehmen ist. Als Folge werden Sie die Eigenverwaltung aufgeben…

Um die gefährliche Dynamik zu vermeiden, rate ich dazu, dem Sachwalter von Anfang an Grenzen zu setzen. Vermeiden Sie als Geschäftsführer die direkte Kommunikation. Kommunizieren Sie statt dessen über Ihren Sanierungsberater. Vermeiden Sie es insbesondere, die Betriebsversammlung bei Eröffnung des Schutzschirmverfahrens in Anwesenheit des Sachwalters abzuhalten. Andernfalls entmachten Sie sich selbst. Die Belegschaft würde nicht mehr Sie, sondern nur noch den Sachwalter als oberste Führungsperson anerkennen.

Vierter Tipp: Falls erforderlich eine zweite Gesellschaft gründen

4. Tipp

Wollen wichtige Auftraggeber wegen des Schutzschirms kündigen, gründen Sie eine zweite Gesellschaft. Die nimmt die Aufträge an und leitet sie einfach weiter

Buchen Sie einen Beratungstermin

Buchen Sie hier einen Beratungstermin zum Schutzschirmverfahren, ca. 60 min/ 200€.

Viele Geschäftsführer zweifeln am Erfolg des Schutzschirmverfahrens. Sie befürchten, dass ihr Unternehmen alle Aufträge verliert, sobald die Kunden und Auftraggeber davon erfahren. Meine Erfahrungen aus rund 75 Sanierungsfällen sind besser. Es kann durchaus sein, dass Sie Aufträge mit Bekanntgabe des Schutzschirms verlieren werden. Einen Totalverlust aller Aufträge habe ich aber noch nie erlebt.

Trotz aller rosa Wölkchen bin ich mir der Verlust-Gefahr bewusst. Deshalb werden wir in der Vorbereitungsphase des Schutzschirmverfahrens analysieren, wie wahrscheinlich ein Auftragsverlust ist:

  • Kleine und Mittelständische Auftraggeber sowie Endkunden führen die Auftragsverhältnisse erfahrungsgemäß fort und erteilen neue Aufträge.
  • Öffentliche Auftraggeber und Konzerne könnten aufgrund ihrer Compliance-Regeln kündigen bzw. die Vergabe neuer Aufträge stoppen.

Um einen Auftragsentzug bei kritischen Auftraggebern zu vermeiden, hat sich die Gründung eines neuen Unternehmens vor dem Schutzschirmverfahren bewährt: Das neue Unternehmen nimmt die Aufträge an und leitet sie nach Abzug einer Bearbeitungspauschale an das alte Unternehmen weiter. Das alte Unternehmen führt die Aufträge als Subunternehmer aus und wir sanieren es im Hintergrund.

Allerdings ist nicht jeder Fall für die Vorschaltung eines neuen Unternehmens geeignet. Benötigt das Unternehmen für die Durchführung der Aufträge bestimmte Fach-Zulassungen oder TÜV-Zertifikate, wird dem neuen Unternehmen die Zeit zur Beschaffung fehlen. In diesen Fällen wählen Sie die Betriebsaufspaltung:

So wie manche Auftraggeber werden sicherlich auch einige Lieferanten „zickig“ sein. Die meisten Lieferanten beliefern Ihr Unternehmen trotz Schutzschirm weiter und stellen allenfalls auf Vorkasse um. Mit Bestellung auf Vorkasse können wir leben. Das Unternehmen besitzt im Schutzschirm die hierzu erforderliche Liquidität.

Fünfter Tipp: Feindliche Übernahme-Versuche abwehren, indem Sie sich dumm stellen

5. Tipp

Unerwünschte Kaufofferten Ihres Unternehmens dürfen Sie nicht einfach abwehren. Besser: Tanzen Sie auf der Hochzeit mit und machen Sie die Braut im Hinterzimmer so häßlich, dass die Hochzeit platzt.

Bei der Vorbereitung eines Schutzschirmverfahrens werde ich stets nach der größten Gefahr gefragt, die dem Sanierungserfolg entgegen steht. „Es kommt darauf an“, wie wir Juristen sagen, aber das Auftauchen eines Investors mit feindlichen Übernahmeabsichten ist stets eine große Gefahr.

Die Gefahrenstelle hat seine Ursache in den gesetzlichen Vorschriften: So wie in der regulären Insolvenz muss die Geschäftsführung auch im Schutzschirm das Unternehmen bestmöglich verwerten. „Bestmöglich“ im Sinne der Gläubiger, versteht sich.

Deswegen darf das Unternehmen fremde Kaufofferten nicht einfach ablehnen, sondern muss diesen nachgehen und fördern. Bietet ein Käufer mehr Geld, als das Unternehmen aus eigener Kraft und mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens und Insolvenzplans aufbringen kann, müssen die Eigentümer das Unternehmen verkaufen.

Seine „Verkaufsbemühungen“ muss das Unternehmen gegenüber der Gläubigerversammlung bzw. Gläubigerausschuss dokumentieren. Ergänzend hierzu muss das Unternehmen eine Vergleichsrechnung aufstellen, welche die Verwertungsalternativen: Betriebsschließung, Unternehmensverkauf, Insolvenzplan gegenüberstellt. Das Ergebnis der Vergleichsrechnung muss den Insolvenzplan als bestmögliche Verwertungsalternative erweisen. Nur dann gelingt der Schutzschirm und der Unternehmer darf seinen Betrieb erhalten.

Doch keine Sorge: Weil wir die Gefahr kennen, können wir ihr wirksam entgegentreten. Gegen unerwünschte Investoren gibt es wirksame Abwehrstrategien, die eine Übernahme unattraktiv machen. Bisher habe ich noch kein Unternehmen auf diese Art verloren.

Grob fehlerhaft wäre es, wenn Sie den unerwünschten Investor von Beginn an abblocken. Verweigern Sie die Verkaufsgespräche, wird ein motivierter Investor beim Sachwalter petzen und am Ende wird Ihnen das Gericht die Eigenverwaltung entziehen. Der Schutzschirm geht in ein reguläres Insolvenzverfahren über und der Insolvenzverwalter verkauft das Unternehmen.

Also bitte kein Spielverderber sein, sondern tanzen Sie auf dieser Hochzeit mit. Am Ende wird die Braut unattraktiv für etwaige Bewerber sein.

Sechster Tipp: Kommunizieren Sie den Schutzschirm von Beginn an offen

6. Tipp

Geben Sie das Schutzschirm-Verfahren gleich nach seiner Eröffnung bekannt. Sonst fühlen sich Ihre Kunden und Lieferanten hintergangen und sind beleidigt. Keinesfalls aber vor dem Eröffnungsbeschluss bekannt geben.

Während wir den Schutzschirm vorbereiten, werden wir über Frage diskutieren: „Wie sage ich es meinen Kunden?“. Viele Unternehmer haben großen Respekt sich zu outen, weil sie den Verlust ihres Ansehens samt aller Aufträge befürchten. Um es vorneweg zu sagen: Verheimlichen können Sie das Schutzschirmverfahren nicht. Die Eröffnung des großen Schutzschirms nach § 270 b InsO wird zwar nicht öffentlich bekannt gegeben. Aber das Amtsgericht wird den Übertritt in das Hauptverfahren drei Monate später veröffentlichen auf der Webseite: www.insolvenzbekanntmachungen.de. Die Suchroboter von Creditreform und Co. erfassen die Bekanntmachung und leiten sie automatisch an Kunden und Lieferanten weiter. Dann wissen alle Bescheid.

In den meisten Fällen aber wird es dem Unternehmer nicht gelingen, den Schutzschirm bis zur offiziellen Bekanntmachung geheim zu halten. Es gibt insbesondere zwei undichte Stellen: Gleich zu Beginn müssen die Mitarbeiter eine Abtretungserklärung für das Insolvenzgeld unterschreiben und man muss den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung das Sanierungsvorhaben erklären. Geschwätzige Mitarbeiter werden die Neuigkeiten trotz Geheimhaltungsverpflichtung blitzschnell weitergeben.

Die zweite undichte Stelle entsteht aufgrund der Mahnungen. Nach und nach werden sich unfreundliche Briefe und Telefonate häufen. Will die Geschäftsführung den Schutzschirm geheim halten, muss sie die Gläubiger abwimmeln. Das ist anstrengend und irgendwann hat die Geschäftsführung aufgrund des enormen Drucks keine andere Wahl, als den Gläubigern den gerichtlich verordneten Gläubigerschutz und damit das Schutzschirmverfahren bekannt zu geben.

Erfahrungsgemäß ist noch kein Schutzschirm geheim geblieben. Früher oder später kocht die Gerüchteküche. Deshalb kontrolliert die Geschäftsführung die Kommunikation besser von Beginn an selbst. Die wichtigsten Kunden, Lieferanten und maßgebliche Gläubiger-Banken unterrichtet die Geschäftsführung ein, zwei Tage vor der Eröffnung des Schutzschirms in einem persönlichen Gespräch. Alle anderen Beteiligten erhalten ein Rundschreiben oder eine Presseerklärung.

Outen Sie sich nicht in der Planungsphase, sondern warten Sie bis Sie den Gerichtsbeschluss über die Eröffnung des Schutzschirms in Händen halten. Andernfalls kann es sein, dass Sie die Sanierung gefährden. Vor dem Schutzschirm verfügen Beteiligte über fristlose Kündigungsrechte aller Vertragsbeziehungen. Diesen „Gefallen“ sollten Sie den Beteiligten nicht erweisen.

Siebter Tipp: Erstellen Sie einen Businessplan über die Sanierung

7. Tipp

Sie brauchen von Beginn an einen Businessplan für die Sanierung. Beschreibung Ihres Unternehmens, Krisenursachen, Beseitigung, GUV-Planung, Plan-Bilanz, Plan-Liquidität. Der Businessplan wird wöchentlich fortgeschrieben und mündet später den den Insolvenzplan.

Auch wenn kaum ein Jurist eine Bilanz oder eine BWA lesen kann: mitreden wollen sie alle. Deshalb benötigen Sie eine sorgfältige Sanierungsplanung des Schutzschirms von erster Stunde an. Im Gesetz steht zwar, dass Sie einen Rechtsanspruch auf Schutzschirm und Eigenverwaltung haben. Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus. Richter mögen keine Schutzschirme und Insolvenzverwalter auch nicht, weil diese das Geschäft verderben.

Also werden wir bei der Antragstellung einen gewissen Widerstand erfahren. Den Widerstand überwinden wir. Bereits mit dem Antrags-Schriftsatz an das Gericht zeigen wir: „Ja, wir können Schutzschirm!“
Unser Können stellen wir unter Beweis, indem wir mit dem Antrag einen „Businessplan für das Schutzschirmverfahren“ bei Gericht einreichen. Dieser Businessplan enthält eine Erfolgs- und Liquiditätsrechnung. Die Berechnung beschreibt sowohl den Status Quo, die Krisenursachen und die zukünftige Strategie zur Beseitigung der Unternehmenskrise sowie einzelnen Sanierungsschritte.

Weil in dem ersten Gespräch mit dem Sachwalter erfahrungsgemäß die Wissenstest-Frage kommt: „Gibt es schon einen Insolvenzplan?“, bin ich dazu übergegangen, den Businessplan mit den wichtigsten Insolvenzplan-Elementen zu ergänzen.

Der Businessplan dient auch als wichtige Hilfe, die Gläubiger, Kunden und Lieferanten von dem Sanierungsvorhaben und vor allem von dem Fortbestand des Unternehmens zu überzeugen. Wollen Sie beispielsweise bei der Bank durchsetzen, dass sie zu Ihrem Unternehmen hält und bestimmte Immobilienkredite während des Schutzschirms aufrecht erhält oder Sicherungseigentümer das gelieferte Material nicht zurückverlangen, wird Ihnen der Businessplan wertvolle Dienste erweisen.

Während der Laufzeit des Schutzschirmverfahrens werden wir die Liquiditäts- und die Gewinn- und Verlustplanung des Businessplans ständig fortschreiben und mit den tatsächlichen Werten vergleichen. Diese Gegenüberstellung benötigen wir später für die Gläubigerversammlung und den Insolvenzplan und dient als Beweis für die positive Fortführungsprognose.

Achter Tipp: Passen Sie den richtigen Eröffnungs-Zeitpunkt ab 

8. Tipp

Planen Sie den Stichtag der Eröffnung des Schutzschirmverfahrens. Das wird in der Regel kurz vor den Lohnzahlungen sein. Die Eröffnung kann bei Globalzession aber auch von Zahlungseingängen abhängig sein.

Das Gelingen des Schutzschirms hängt ein Stück weit davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Gericht das Schutzschirmverfahren eröffnet. Ich empfehle Ihnen, den Zeitpunkt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut zu planen.

Zeitplanung deshalb, damit Sie keine wichtigen Vorarbeiten verpassen, wie beispielsweise die Eröffnung eines neuen Geschäftskontos, Bezahlung existenziell wichtiger Lieferanten, Neugründung oder Aufspaltung, Insolvenzgeldvorfinanzierung, Einbeziehung wichtiger Beteiligter, Berücksichtigung bestehender Globalzessionen, usw.

Gerade beim Einstieg in die Schutzschirm-Sanierung kann viel schief gehen. Fließen die Zahlungseingänge beispielsweise aufgrund versäumter Umleitung weiter auf das überschuldete Geschäftskonto, sind diese Einkünfte bis zur Umleitung auf ein neues Konto verloren. Andererseits dürfen Sie die Zahlungsströme auf ein neues Konto auch nicht zu früh einleiten, sonst riecht die alte Geschäftsbank Lunte.

Das Ziel der Zeitplanung besteht darin, dass das Unternehmen mit einem möglichst hohen Cash-Bestand in das Verfahren einsteigt. Je mehr Geld wir in der Kriegskasse sammeln, desto höher die Erfolgsaussichten. Der ideale Zeitpunkt für den Einstieg in den Schutzschirm hängt auch von der Fälligkeit der Arbeitslöhne ab.

Bei den meisten Unternehmen bilden die Arbeitslöhne den größten Kostenblock. Folglich tritt die Zahlungsunfähigkeit oft mit der Fälligkeit der Lohnzahlung ein und folglich wird man den Schutzschirmantrag kurz vorher stellen, also zu Monatsende.

Andererseits sollte das Unternehmen mit dem Schutzschirmantrag nicht bis auf den letzten Tag der Lohn-Fälligkeit warten. Sonst riskiert die Geschäftsführung, dass die Lohnzahlung nicht rechtzeitig erfolgt. Das ist zwar keine Katastrophe, kostet aber das Vertrauen der Mitarbeiter. Deshalb reichen wir den Schutzschirm-Antrag möglichst um den 15. des Monats ein.

Neunter Tipp: Verbünden Sie sich mit wichtigen Gläubigern

9. Tipp

Gläubiger, die für das Sanierungsvorhaben unerlässlich oder nützlich sind, mit einer Charme-Offensive versuchen zu gewinnen. Die anderen Gläubiger einfach ignorieren.

Wie gehen wir im Schutzschirmverfahren mit den Gläubigern um? Um es vorneweg zusammenzufassen: Zu den Gläubigern, die wir brauchen, sind wir nett und die anderen Gläubiger sind uns egal. Also überlegen wir uns zu Beginn des Verfahrens, welche Gläubiger eine wichtige Position für den Sanierungserfolg innehalten und wie wir damit umgehen.

Beispielsweise könnte unter Ihren Gläubigern eine Bank sein, die das Betriebsgrundstück finanziert. Weil es unser Ziel ist, dem Unternehmen das Betriebsgrundstück zu erhalten, müssen wir die Bank dazu bringen, die Grundstücks-Finanzierung im Schutzschirm beizubehalten und nicht zu kündigen. Ein anderes Beispiel in diese Richtung wäre der Leasing-Geber, der für eine Spedition die Sattelzüge finanziert. Kündigt der Leasing-Geber die Verträge und zieht die Fahrzeuge ein, ist die Schutzschirm-Sanierung gescheitert.

Also werden wir zu diesen Gläubigern besonders nett sein und sowohl deren Interessen als auch deren Machtposition in unser Sanierungskonzept einbinden. Wir werden diesen Gläubigern den finanziellen Vorteil vorrechnen, wenn sie das tun, was wir uns von ihnen wünschen.

Der Leasing-Geber der Spedition beispielsweise müsste nach der Kündigung die Fahrzeuge verwerten, was zu Verlusten führt. Deshalb erklären wir dem Leasing-Geber die Vorteile der Fortführung der Verträge.

Viele dieser wichtigen Gläubiger und insbesondere Banken wünschen, dass man sie bereits vor dem Schutzschirm einbezieht. Ob man diesem Wunsch nachkommt, ist eine kniffelige Entscheidung. Es kann passieren, dass die Bank nun ihrerseits das entgegengebrachte Vertrauen ignoriert und den Kredit kündigt. Dann wäre das Unternehmen zahlungsunfähig und unsere Handlungsmöglichkeiten damit einschränkt.

Zehnter Tipp: Unerwünschte Gesellschafter ausschließen oder eigene Anteile sichern

10. Tipp

Nutzen Sie den Kapitalschnitt im Insolvenzplan, um bei privater Verschuldung Ihre eigenen Antreile zu sichern – oder unliebsame Gesellschafter die Anteile zu entziehen.

In vielen Fällen ist nicht nur die GmbH verschuldet, sondern auch der Unternehmer beispielsweise aufgrund von Bürgschaften. Liegt ein solcher Sachverhalt vor, wäre es sinnlos, nur das Unternehmen per Schutzschirmverfahren zu entschulden und nicht zugleich auch den Unternehmer. 

Zumeist ist der Unternehmer auch der Gesellschafter der GmbH. Entschuldet man nur das Unternehmen, würde die Gläubiger-Bank des Unternehmers sich „bedanken“ und danach die Gesellschaftsanteile pfänden und verwerten. Dann haben wir nichts gekonnt.

Aus diesem Grunde nehme ich zumeist das Schutzschirmverfahren zum Anlass, mit der Bank auch über die Entschuldung des Unternehmers eine Lösung zu finden. Das ist aber nicht einfach, die Gläubiger-Banken sind in den letzten Jahren sehr hartnäckig geworden und geben keine Zugeständnisse mehr.

Oft bleibt das private Schuldenproblem des Unternehmers schon aus Zeitgründen offen. Eine Einigung mit Banken kann sich über Jahre ziehen. Besser ist es deshalb die neuen gesetzlichen Möglichkeiten des Schutzschirmverfahrens zu nutzen und später im Insolvenzplan die Gesellschafter-Verhältnisse neu zu ordnen. Dies kann mittels eines Kapitalschnitts erfolgen: Dann sieht der Insolvenzplan zwei Schritte vor:

  • Erster Schritt: Das Stammkapital der Gesellschaft wird auf Null gesetzt. Das bedeutet im Klartext, die Altgesellschafter sind enteignet.
  • Zweiter Schritt: Eine im Insolvenzplan bestimmte Person wird zur Einzahlung neuer Stammeinlagen zugelassen. Also wird diese bestimmte Person der neue GmbH-Gesellschafter sein, beispielsweise Ihr Ehepartner.

Nachdem der Unternehmer quasi enteignet und vermögenslos ist, lässt sich mit Gläubigern ohnehin besser verhandeln. Oder wir beantragen für den Unternehmer eine Privatinsolvenz. Kombiniert mit einem Insolvenzplan dauert die Privatinsolvenz maximal ein Jahr.

Der Kapitalschnitt ist aber auch ein unschlagbares Mittel, um unliebsame Gesellschafter loszuwerden. Mit dem Kapitalschnitt werfen Sie diese einfach aus der Gesellschaft. Der Ablauf ist der gleiche: Der Insolvenzplan setzt die alten Gesellschaftsanteile auf Null. Damit hat der unliebsame Gesellschafter alle Anteile verloren. Im zweiten Schritt bestimmt der Insolvenzplan einen neuen Gesellschafter, den natürlich Sie bestimmen.