Schutzschirmverfahren

Mit dem Schutzschirmverfahren entschulden wir Ihr Unternehmen und holen es auf Erfolgskurs zurück.

Schutzschirmverfahren Ablauf

Das Schutzschirmverfahren ist ein spezielles Gerichtsverfahren. Sein Ziel ist, ein verschuldetes Unternehmen innerhalb von sechs bis neun Monaten zu entschulden und aus der Krise zu führen. In dieser Zeit steht Ihr Unternehmen unter Gläubigerschutz. Sie können mit den Gläubigern eine Schuldenreduzierung bis zu 95 % vereinbaren. Danach zahlen Sie die Quote aus und Ihr Unternehmen ist frei von Überschuldung.

Schutzschirmverfahren, das sind die Vorteile:
  1. Vollstreckungsschutz: Während des Verfahrens darf niemand gegen das Unternehmen vollstrecken oder ihm Vermögenswerte entziehen. Leasinggeber, Vermieter usw. müssen die weitere Nutzung ihrer Anlagen dulden.
  2. Rosinenpicken: Das Unternehmen entscheidet, welche Verträge vorteilhaft und welche nachteilig sind. Nachteilige Verträge erfüllt das Unternehmen ab sofort nicht mehr. Günstige Verträge führt es fort.
  3. Einfrieren vorteilhafter Verträge: Vertragspartner dürfen trotz lückenhafter Ratenzahlung nicht mehr kündigen (das Unternehmen aber schon).
  4. Staatliche Subventionen: Mit Hilfe insbesondere des Insolvenzgeldes wird das Unternehmen schnell neue Liquidität aufbauen.
  5. Fortlaufender Geschäftsbetrieb: Die Geschäftsführung führt das Tagesgeschäft ohne wesentliche Einschränkung fort.

Die ersten drei Maßnahmen des Schutzschirms holen Ihr Unternehmen aus der Defensive und geben ihm Stärke zurück. Derart ausgestattet können Sie mit Ihren Gläubigern in die Verhandlung über einen Schuldenschnitt treten. Über dessen Höhe stimmen die Gläubiger am Ende des Schutzschirmverfahrens in der Form eines Insolvenzplans ab. Es bestehen sehr gute Chancen auf eine moderate Einigung, denn der Gesetzgeber begünstigt und fördert den Schuldenschnitt mithilfe des Insolvenzplans: Nicht jeder Gläubiger muss zustimmen und einfache Mehrheiten reichen aus.

Nachdem die Gläubiger den Insolvenzplan verabschiedet haben, zahlen Sie die Quote an sie aus und sind damit vollständig entschuldet. Eine Reduzierung der Schuldenquote um 95 % ist üblich.

Risiken oder Nachteile der Eigenverwaltung gegenüber der Regelinsolvenz kenne ich nicht. In Besprechungen zur Vorbereitung der Eigenverwaltung werde ich oft nach dem Haftungsrisiko der Geschäftsführung während der Eigenverwaltung gefragt. Ein solches Haftungsrisiko besteht nicht. Alle Haftungs- und Strafvorschriften gegen die Geschäftsführung gelten immer nur vor der Anordnung des Insolvenzverfahrens, nicht aber danach. Außerdem wird die Geschäftsführung engmaschig überwacht. Eher würde der Sachwalter wegen mangelhafter Aufsicht haften als ein Geschäftsführer wegen seiner Unternehmensleitung.

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Kein Schutzschirmverfahren ohne Eigenverwaltung

Während der Unternehmer am Ende der regulären Insolvenz sein Unternehmen für gewöhnlich aufgrund Abwicklung oder Verkauf verliert, bietet ihm das Schutzschirmverfahren eine Chance, es fortzuführen. Erreicht wird dieses Ziel mit der sogenannten Eigenverwaltung, die das Gericht anlässlich der Insolvenzeröffnung per Gerichtsbeschluss anordnet. Das Insolvenzgericht erlässt also idealerweise den folgenden Beschluss:

Erfahrungsgemäß trocknen Unternehmen mit Bekanntwerden einer Regelinsolvenz blitzschnell aus. Dies gilt vor allem in der Hochkonjunktur. Gute Mitarbeiter sind dann kaum mehr im Unternehmen zu halten. Beim Schutzschirmverfahren mit Eigenverwaltung ist dies anders, denn hier verlieren Sie als Geschäftsführung ihre Rechte nicht, so wie in der normalen Insolvenz, sondern führen das Unternehmen mit allen Befugnissen fort. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kunden, Lieferanten, Arbeitnehmer usw. von Ihnen abwenden und kündigen.

Schutzschirmverfahren lebt von Vertrauen

Bekanntlich ist Vertrauen die Grundlage eines jeden Geschäfts. Das Vertrauen gegenüber den Geschäftspartnern wird zu Beginn des Schutzschirmverfahrens jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen. Das liegt zum einen daran, dass Ihr Unternehmen nicht mehr alle Rechnungen begleichen darf. Zahlreiche Lieferanten werden deshalb ausfallen.

Zum anderen werden sich Ihre Auftraggeber fragen, ob Sie künftige Aufträge überhaupt noch zuverlässig erfüllen können. Zu den wichtigsten Aufgaben im Schutzschirmverfahren gehört es deshalb, dem Vertrauensverlust durch eine offene und ehrliche Kommunikation mit allen Beteiligten entgegenzuwirken. Sie müssen Ihren Kunden und Auftraggebern beweisen, dass Sie auch im Schutzschirm pünktlich und zuverlässig liefern können und Ihre Lieferanten brauchen belastbare Nachweise über Ihre Leistungsfähigkeit.

Aufgaben der Geschäftsführung im Schutzschirmverfahren

Für neues Vertrauen zu werben ist tatsächlich Ihre wichtigste Aufgabe als Geschäftsführung in einem Schutzschirmverfahren. Auch sollten Sie stets vor Ort sein, wenn ein neuer Vertrauensverlust aufbricht, um den Brand sofort löschen zu können. Im Übrigen führen Sie das Tagesgeschäft ganz normal fort, Sie akquirieren also neue Aufträge, organisieren den Arbeitsablauf, liefern Ihre Produkte aus und streben nach einen möglichst hohen Gewinn.

Die neuen Aufgaben, welche die Bewältigung der Schutzschirminsolvenz mit sich bringt, führen zu einer höheren Arbeitsbelastung. Es ist gut, wenn das Unternehmen hierzu Personalkapazitäten schafft, um die Geschäftsführung zu entlasten.

Sanierungsberater führt Sie durch das Schutzschirmverfahren

Der Sanierungsberater steht Ihnen als erfahrener Krisenmanager während des gesamten Verfahrens treu zur Seite und unterstützt Sie in allen rechtlichen Angelegenheiten, die das Verfahren mit sich bringt.

In der Regel handelt es sich um einen auf Schulden- und Insolvenzberatung spezialisierten Rechtsanwalt. Sie heuern ihn bereits zur Vorbereitung des Schutzschirmverfahrens an. Später im Verfahren führt er Sie und Ihr Unternehmen dann gleich einem Schiffslotsen durch schwieriges Gewässer. Zudem übernimmt er die mit dem Schutzschirmverfahren einhergehenden Aufgaben wie beispielsweise die Insolvenzgeldvorfinanzierung der Arbeitsentgelte und das Reporting an das Gericht und den Sachwalter.

Die dritte und vielleicht schwierigste Aufgabe des Sanierungsberaters ist der Exit aus dem Schutzschirmverfahren, also die Vorbereitung und Umsetzung des Schuldenschnitts. Ihre Gläubiger werden auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten müssen. Dieser Verzicht muss den Gläubigern als Vorteil gegenüber der Regelinsolvenz „verkauft“ werden. Ist dies mit den wichtigsten Gläubigern gelungen, stellt der Sanierungsberater am Verfahrensende einen Insolvenzplan auf. Das ist ein Vertrag zwischen dem Unternehmen und den Gläubigern, der die unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten dauerhaft ausgleichen und befrieden soll.

Gerne empfehle ich mich Ihnen als Sanierungsberater. Sie profitieren von meiner Erfahrung aus über 60 voran gegangenen Unternehmenssanierungen.

Sachwalter beaufsichtigt die Sanierung

Der Sachwalter überwacht im Auftrag des Gerichts den Sanierungsverlauf. So schlägt er z. B. Alarm, wenn das Unternehmen die Gläubigerinteressen auf eine gemeinschaftliche Befriedigung missachtet. Anders als ein Insolvenzverwalter im regulären Insolvenzverfahren darf er sich dagegen nicht in den regulären Geschäftsverkehr einmischen.

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Schutzschirmverfahren finanziert sich weitgehend selbst

Das Schutzschirmverfahren kostet Geld. Einerseits muss Ihr Unternehmen eine Ausschüttung für die Gläubiger leisten, andererseits den Sachwalter, das Gericht und den Sanierungsberater bezahlen. Hinzu kommen Sonderkosten wie die Gebühren für Insolvenzgeld, Jahresabschlüsse und Inventur.

All diese Kosten werden Sie aber ohne Weiteres stemmen können, weil Sie aufgrund des Insolvenzgeldes für drei Monate die Lohnzahlungen aussetzen und darüber hinaus weitere Kosten einsparen können. Letztendlich ist das Insolvenzgeld auch dazu gedacht, die Verfahrenskosten zu bezahlen. In vielen Fällen macht es das Schutzschirmverfahren überhaupt erst möglich.

Im Schutzschirmverfahren gelten die üblichen Kosten-Nutzen-Berechnungen, die Sie sonst als Unternehmer vornehmen, nicht. So bedeuten niedrige Verfahrenskosten beispielsweise nicht, dass Sie am Ende mehr erhalten. Vielmehr wirken sich die Verfahrenskosten ausschließlich auf die Höhe der Ausschüttung an die Gläubiger aus. Die Kosten für den Schutzschirm bezahlen also letztendlich die Gläubiger in Form einer geringeren Quote.

Für Sie als Unternehmer ist das Ergebnis des Schutzschirmverfahrens dagegen stets das gleiche: Sie erhalten ein schuldenfreies und saniertes Unternehmen zurück und außerdem ein Liquiditätsreserve ungefähr in Höhe eines monatlichen Kostenblocks.

Schutzschirmverfahren – Schritt für Schritt

Das Schutzschirmverfahren dauert sechs bis neun Monate und umfasst im Wesentlichen zehn Stationen. Diese möchte ich Ihnen nachfolgend vorstellen und zugleich erklären, wie ich Sie als Sanierungsberater bei der Rettung Ihres Unternehmens unterstütze. Das Schutzschirmverfahren läuft ungefähr folgendermaßen ab:

01. - 04. Woche
05. - 07. Woche
08. - 18. Woche
19. - 31. Woche
32. - 40. Woche
44. Woche
48. Woche

Das war das Schutzschirmverfahren im zeitlichen Ablauf. Der alles entscheidende Abstimmungstermin dürfte nach acht Monaten zu schaffen sein. Ab dann haben Sie Gewissheit, dass Ihr Unternehmen gerettet ist. In der Zeit danach finden bis zur endgültigen Aufhebung des Insolvenzverfahrens nur noch Aufräumarbeiten statt. Lesen Sie nun ausführlicher zu den einzelnen Schritten:

Vorbereitung

Als ersten Schritt suchen Sie sich einen Schutzschirm-Spezialisten. Das ist in der Regel ein spezialisierter Rechtsanwalt, mit viel Erfahrung in der Unternehmenssanierung und in Schutzschirmverfahren Ablauf. Lassen Sie sich Referenzen geben und rufen Sie bei den Geschäftsführern an. Die Chemie muss stimmen, schließlich werden Sie das nächste halbe Jahr sehr intensiv zusammenarbeiten.

Zusammen mit dem Sanierungsberater planen Sie das Schutzschirmverfahren. Ziel ist es, das Schutzschirmverfahren von Beginn an gut zu durchdenken, dass es später im Sanierungsprozess zu keinen wesentlichen Abweichungen von der Planung kommt.

Den Schutzschirm planen Sie und Ihr Sanierungsberater am besten vom Ergebnis her. Zuerst bestimmen Sie, wie das Unternehmen idealerweise aussehen soll. Davon ausgehend planen sie den Weg dorthin.
Wir beginnen mit einer Analyse Ihres Unternehmens:

  • Warum ist es in die Schieflage geraten?
  • Wie lassen sich die Krisenursachen beseitigen?
  • Wie könnte die mittelfristige Perspektive des Unternehmens aussehen?

Sodann erstellen wir auf Grundlage der Analyseergebnisse:

  • eine integrierte Unternehmensplanung unter den speziellen Bedingungen des Schutzschirms;
  • eine Projektskizze, welche Sanierungsschritte wir uns wann vorstellen;
  • einen Exit-Plan, dem zu entnehmen ist, wie die Gläubigerbefriedigung später aussehen soll.

Diese Vorarbeiten sind nötig, damit ich einen überzeugenden Schutzschirmantrag für Sie schreiben und diesen bei Gericht einreichen kann. Den Sanierungsplan benötigen wir außerdem, um die wichtigsten Gläubiger und Lieferanten von der Notwendigkeit des Schutzschirms zu überzeugen.

Antrag

Dem Schutzschirm ist ein aufwändiger Antrag vorgeschaltet. Er beinhaltet insbesondere die in der Planungsphase erarbeiteten Sanierungsschritte in Form eines Grobsanierungskonzeptes sowie einen Fahrplan der Sanierung. Einen Schutzschirmantrag übersendet man nicht einfach an das Gericht. Vielmehr führt der Sanierungsberater mit dem Richter mehrere Vorgespräche. Die Vorgespräche ermöglichen Korrekturen und schließen die Zurückweisung des Schutzschirmantrages nahezu aus. Auch die Personalie des Sachwalters wird vorbesprochen.

Es gibt keinen Rechtsanspruch auf ein Schutzschirmverfahren. Bereits beim Schutzschirmantrag müssen Sie als Unternehmer deshalb um Vertrauen werben. Schließlich wollen Sie erreichen, dass Ihnen das Gericht das Schutzschirmverfahren mit Eigenverwaltung, das heißt: die eigenverantwortliche Fortführung der Geschäfte gestattet. Dieses Ziel zu erreichen ist nicht immer leicht, denn manche Richter tun sich schwer mit der Anordnung der Eigenverwaltung.

Zu tun hat das damit, dass sie die Geschäftsführung eines verschuldeten Unternehmens grundsätzlich als „böse“ und nicht vertrauenswürdig wahrnehmen. Umso wichtiger ist, dass Sie sich mit einer überzeugenden Antragsschrift an das Gericht wenden. Der Antrag muss nicht nur alle erforderlichen Informationen enthalten; er muss vor allem die Botschaft transportieren: „Wir können Schutzschirm!“ Ich werde das Sanierungsvorhaben deshalb im Antrag beschreiben und anhand von Planrechnungen, Plan-Bilanz, Plan-GuV und Liquiditätsplanung plausibel vermitteln. Außerdem werde ich darlegen, welche Befriedigung die Sanierung für die Gläubiger vorsieht.

Anordnung Gläubigerschutz

Als erste Maßnahme stellt das Gericht das Unternehmen unter Vollstreckungsschutz. Ist das Gericht von unserem Antrag überzeugt, ordnet es zunächst Gläubigerschutz an. Ab sofort ist jede Art von Zwangsvollstreckung gegen das Unternehmen verboten. Das Unternehmen befindet sich im Schutzschirm.

Das bedeutet, dass Ihre Gläubiger nun nicht mehr, z. B. durch Pfändungen, auf Ihr Einkommen und Vermögen zugreifen können. Zudem haben Sie selbst die Möglichkeit, bei Gericht die Beschlagnahme von Gegenständen zu beantragen, die für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs erforderlich sind. So können Sie beispielsweise verhindern, dass ein Leasinggeber sein Fahrzeug aufgrund ausstehender Raten aus dem Unternehmen entfernt.

Eröffnungsverfahren

Das Eröffnungsverfahren läuft maximal drei Monate und beginnt mit der Anordnung des Schutzschirmverfahrens und der Eigenverwaltung durch das Gericht. Die Auswirkungen gleichen dem Ziehen einer Notbremse: Zunächst besteht ein Zahlungsstopp. Ihr Unternehmen muss ab sofort zwischen Insolvenzforderungen und Masseforderungen unterscheiden. Die Mitarbeiter werden in einer Betriebsversammlung informiert und erhalten für drei Monate Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Dies zu organisieren ist unsere Aufgabe.

Spätestens jetzt geben Sie den Schutzschirm bekannt. Banken schließen daraufhin die Konten, die Lieferanten verhängen Lieferstopps und es gibt viele weitere Gemeinheiten. Wir werden alle Hände voll zu tun haben, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, was schwierig ist, aber dennoch in der Regel gelingt.

Das dritte Aufgabenfeld im Eröffnungsverfahren ist das Reporting. Zwar führen Sie das Unternehmen in Eigenregie fort, aber sie stehen nunmehr unter Beobachtung. So wollen das Gericht, die wichtigsten Gläubiger und der Sachwalter stets mit Informationen, Planzahlen, Prognosen usw. versorgt werden. Darum müssen wir uns kümmern.

Das Eröffnungsverfahren dient schließlich dazu, dem Unternehmen neue Liquidität zuzuführen, damit es überleben und später seine Verfahrenskosten zahlen und die Gläubiger befriedigen kann. Deshalb dürfen Sie die im Eröffnungsverfahren angesparte Liquidität nicht anderweitig nutzen oder gar den defizitären Geschäftsbetrieb finanzieren, sonst schaffen Sie es nie wieder aus dem Verfahren heraus. Der Aufbau der Liquidität erfolgt nicht in Form von Geldzufuhr, sondern durch Kosteneinsparung. Wichtigster Posten ist das Insolvenzgeld der Arbeitsagentur: Die Arbeitsagentur übernimmt für drei Monate die Lohnkosten; Ihr Unternehmen spart also drei volle Lohnrunden.

Gegen Ende des Eröffnungsverfahrens wird das Hauptverfahren vorbereitet. Der Sachwalter muss hierzu ein Eröffnungsgutachten für das Gericht erstellen. Es enthält eine umfassende Beschreibung des Unternehmens, der Krisenursachen und der Fortführungsaussichten. Wichtigster Bestandteil des Gutachtens ist jedoch die Eröffnungsbilanz. Dort sind alle Vermögenswerte des Unternehmens unter Berücksichtigung von Drittrechten zum Stichtag bewertet. Das Gesamtergebnis der Eröffnungsbilanz ist die „freie Masse“. Das ist der Wert, den die Verwertung des Unternehmens bei Betriebseinstellung voraussichtlich erzielen würde.

Hauptverfahren

So wie das Eröffnungsverfahren sollte auch das Hauptverfahren nicht länger als drei Monate dauern. Während das Eröffnungsverfahren in erster Linie der Stabilisierung des Unternehmens dient, ist das Hauptverfahren den Gläubigern gewidmet. Die Gläubiger melden ihre Forderung zur Insolvenztabelle an und daraus bildet man später eine Verteilungsquote. Das Unternehmen arbeitet ab sofort wieder unter Vollkosten.

In der Regel zu einem Monatsersten eröffnet das Gericht das Hauptverfahren. In einem normalen Insolvenzverfahren würde jetzt der Besitz am Unternehmen vollends auf den Insolvenzverwalter übergehen. In unserem Fall aber ordnet das Gericht wiederum die Eigenverwaltung an und Sie führen das Unternehmen so weiter wie bisher.

Die Eröffnung des Hauptverfahrens wird auf der staatlichen Website www.insolvenzbekanntmachungen.de öffentlich bekannt gemacht. Suchroboter greifen darauf zu und geben die Information an Kunden, Lieferanten weiter und Banken weiter, die bei Creditreform und Co. Mitglied sind. Je nach Bedeutung des Unternehmens berichten lokale Presse und Fachzeitschriften.

Nun müssen Sie Ihren verunsicherten Kunden und Lieferanten den Schutzschirm erklären und um Vertrauen werben. Spätestens jetzt rächt es sich, wenn Sie sich bislang vor der Bekanntgabe des Schutzschirms gedrückt haben, denn wenn die Beteiligten erst durch die offizielle Bekanntgabe aus öffentlichen Registern davon erfahren, wird es besonders schwer, ihr Vertrauen zurückzugewinnen.

Die Bekanntgabe des Hauptverfahrens kann Auftragskündigungen und Lieferstopps auslösen. Viele Lieferanten stellen ab dem Hauptverfahren auf Vorkasse um, aber das ist verkraftbar. Dank der eingesparten Lohnrunden besitzt das Unternehmen ausreichend Liquidität und kann auf Vorkasse einkaufen. Auch Leasing- und Mietverträge bereiten keine Probleme und laufen automatisch weiter, ohne dass der Vermieter, Leasinggeber usw. kündigen kann.

In der Regel aber reagieren insbesondere mittelständische Kunden und Lieferanten verständnisvoll, wenn man den Schutzschirm erklärt. Oft ist es sinnvoll, das Unternehmen kommt der öffentlichen Bekanntgabe anhand von Presseerklärungen und Kundenrundschreiben zuvor.

Ein weiteres Problem ist zu lösen, wenn das Unternehmen beispielsweise der Baubranche angehört und für die Erteilung eines neuen Auftrags eine Anzahlungsbürgschaft erforderlich ist. Erfahrungsgemäß wollen Bürgschaftsbanken im Hauptverfahren nämlich vorerst keine derartigen Bürgschaften mehr übernehmen. Dann müssen wir Ersatzsicherheiten suchen. Bewährt hat sich die Abwicklung des Materialeinkaufs über ein Treuhandkonto, die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen oder die Umleitung über ein anderes Unternehmen.

Nachdem die Gemeinheiten des Hauptverfahrens überwunden sind, wird das Fahrwasser ruhiger und es kehrt Verfahrensroutine ein. Nun können Sie sich an die Optimierung des Unternehmens machen, falls der Sanierungsplan dies vorsieht. Das Unternehmen besitzt im Hauptverfahren umfassende Sonderkündigungsrechte und kann sich von Verträgen sofort, fristlos und durch einfache „Erklärung der Nichterfüllung“ trennen. Gleiches gilt letztendlich auch für Arbeitsverträge und Immobilienmietverträge, nur dass hier eine dreimonatige Kündigungsfrist und bei Arbeitnehmern der übliche Sozialkram zu beachten ist.

Schließlich bereitet das Sanierungsteam schon jetzt den Exit vor – je schneller, desto besser. Beispielsweise müssen alle Jahresabschlüsse fertig sein. Gleiches gilt für einen weiteren Abschluss mit Rumpfgeschäftsjahr auf den Stichtag der Eröffnung des Hauptverfahrens.

Ohne diese Abschlüsse kommt Ihr Unternehmen nicht aus dem Verfahren und da manche Steuerberater schreckliche Schlafmützen sind, sollte man sich frühzeitig darum kümmern.

Im Hauptverfahren können Investoren auftauchen, die das Unternehmen übernehmen oder einsteigen möchten. Je nachdem, ob der Investor erwünscht ist oder unerwünscht, reagiert das Unternehmen mit Abwehr oder bereitet den Einstieg vor.

Der Schuldenerlass erzeugt einen Sanierungsgewinn, der eigentlich zu versteuern ist. Um dies zu vermeiden, muss das Unternehmen beim Finanzamt und Gewerbesteueramt den Erlass beantragen. Das ist kompliziert, wird aber in der Regel bewilligt.

Exit per Insolvenzplan

Spätestens mit Eröffnung des Hauptverfahrens erarbeitet das Unternehmen einen Insolvenzplan. Der Insolvenzplan ist der Ausgang aus dem Schutzschirmverfahren. Rechtlich gesehen ist der Insolvenzplan ein Teilzahlungsvergleich mit den Gläubigern. Statt 100% ihrer Forderung erhalten die Gläubiger lediglich 10% oder 20%.
Die Gläubiger müssen diesem Insolvenzplan in einem gerichtlichen Abstimmungstermin zustimmen. Das Gesetz erleichtert den positiven Ausgang erheblich. Beispielsweise besitzt nur der zum Termin anwesende Gläubiger ein Stimmrecht und für die Zustimmung reicht die einfache Mehrheit nach Summen und Köpfen aus.
Bei Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan muss das Unternehmen die in dem Insolvenzplan ausgehandelten Auflagen erfüllen. Das sind in erster Linie die Auszahlung der Quoten an die Gläubiger und die Verfahrenskosten.

Prüftermin

Ungefähr acht Wochen nach Eröffnung des Hauptverfahrens findet beim Insolvenzgericht der Prüfungstermin und die Gläubigerversammlung statt. Den Termin hierfür bestimmt das Gericht bereits bei Eröffnung des Hauptverfahrens.

Der Prüfungstermin dient dazu, die Forderungen der Gläubiger an das Unternehmen zu klären. Dies geschieht wie folgt:

Zunächst übersendet der Sachwalter den bekannten Gläubigern den Insolvenzeröffnungsbeschluss und ein Formular, mit dem die Gläubiger ihre Forderungen beim Sachwalter anmelden können.

> Formular Forderungsanmeldung

Die Gläubiger füllen dieses Formular aus, fügen Nachweise wie Rechnungen oder Verträge bei und senden alles dem Sachwalter. Dieser trägt die einzelnen Forderungsanmeldungen in die sogenannte Insolvenztabelle ein, die als Vorbereitung für den Prüfungstermin gilt.

Sodann findet der Prüfungstermin beim Insolvenzgericht statt. In diesem Termin sitzen der Rechtspfleger und der Sachwalter in einem Sitzungssaal zusammen und gehen jede einzelne Forderungsanmeldung durch. Hält der Sachwalter die Forderung für berechtigt, trägt das Gericht in die Insolvenztabelle den Vermerk: „Forderung festgestellt“ ein. Ist die Forderung aus seiner Sicht unberechtigt, wird das Prüfungsergebnis mit „Forderung bestritten“ vermerkt.

Die Gläubiger mit festgestellter Forderung nehmen später an der Ausschüttung teil und haben in der Gläubigerversammlung ein volles Stimmrecht. Die Gläubiger mit bestrittener Forderung können ihre Anmeldung nachbessern, sodass sie später festgestellt wird.

Gläubigerversammlung

Unmittelbar danach wird im gleichen Sitzungssaal die Gläubigerversammlung abgehalten. Hierzu bereite ich stets einen ausführlichen Bericht vor, den ich in der Versammlung vortrage. Er enthält eine kurze Beschreibung Ihres Unternehmens, die Krisenursachen, die bisherigen Sanierungsmaßnahmen und die wichtigsten Vermögenswerte im Unternehmen. Schließlich stelle ich die Verwertungsszenarien gegenüber, gehe also darauf ein, wie das Unternehmen aus Sicht der Gläubiger bestmöglich zu verwerten ist. Infrage kommen drei typische Möglichkeiten der Verwertung:

  • Liquidation: Der Betrieb wird eingestellt. Die Gläubiger erhalten den Erlös aus der Verwertung des Betriebsvermögens.
  • Übertragende Sanierung: Das Unternehmen wird in der Form eines Asset Deals verkauft.
  • Insolvenzplan: Der Unternehmer behält den Betrieb und führt ihn fort. Die Befriedigung der Gläubiger erfolgt durch Abschöpfung der Liquidität. Die Art und Höhe der Abschöpfung wird im Insolvenzplan geregelt.

Klarer Fall, dass für Sie als betroffener Unternehmer der Insolvenzplan die einzig wahre Alternative ist, weil Sie dann Ihr Unternehmen behalten und fortführen können. Ich werde die drei Verwertungsszenarien zwar „schonungslos“ objektiv darstellen, Sie können jedoch sicher sein, dass sich die Verwertung per Insolvenzplan als bestes Szenario für die Gläubiger erweisen wird.

Am Schluss der Gläubigerversammlung stimmen die Gläubiger über den Fortgang des Verfahrens ab. Für uns ist es optimal, wenn Sie Folgendes beschließen:

  1. Das Unternehmen wird in Eigenverwaltung fortgeführt.
  2. Der Schuldner wird beauftragt, schnellstmöglich einen Insolvenzplan zu erarbeiten und zur Abstimmung zu bringen.

Dann haben wir auch diese Etappe für Sie entschieden und streben nun schnellstmöglich den Exit an.

Damit die Gläubigerversammlung so wie von uns gewünscht entscheidet, bestehen gewisse Möglichkeiten der Einflussnahme. Diese werden wir selbstverständlich ausschöpfen.

Insolvenzplan

Der Insolvenzplan fasst das Ergebnis der Verhandlungen mit allen Beteiligten abschließend zusammen. Dabei sollen insbesondere die Interessen der Gläubiger im Wege des gegenseitigen Nachgebens berücksichtigt werden. Zugleich ist der Insolvenzplan ein Vertrag, mit dem die Gläubiger die Verwertung der Insolvenzmasse abschließend regeln.

Der Vorteil des Insolvenzplans gegenüber einem zivilrechtlichen Vergleich besteht in vier wichtigen Bestimmungen:

  1. Die Entscheidung über den Insolvenzplan gilt auch für die Gläubiger, die nicht an der Abstimmung teilnehmen.
  2. Die Gläubiger stimmen mit einfacher Mehrheit ab. Erforderlich ist die Mehrheit nach Köpfen und Summen.
  3. Unter bestimmten Umständen kann das Gericht die Zustimmung einzelner Gläubiger, die den Plan ablehnen, erzwingen.
  4. Gläubiger mit gleichen wirtschaftlichen Interessen können in verschiedene Gläubigergruppen eingeteilt werden.

Diese vier Bestimmungen zur Förderung des Insolvenzplans geben diesem eine sehr gute Erfolgsaussicht. Da der Plan aber viele Interessen berücksichtigen muss, bleibt er dennoch eine komplizierte Sache. So sind stets zahlreiche Vorverhandlungen und Abstimmungen mit den maßgeblichen Gläubigern, dem Sachwalter und dem Gericht notwendig.

Irgendwann aber haben wir den Verhandlungsdurchbruch geschafft und können den Insolvenzplan zur Abstimmung bringen. Der Abstimmungstermin selbst wird bei Gericht abgehalten, die Verhandlung führt der Insolvenzrichter. In der Regel verläuft der Termin reibungslos. Alle Beteiligten haben viel Zeit und Kraft in den Insolvenzplan investiert, sodass alle einen positiven Ausgang wollen.

Verteilung

Nachdem die Gläubiger den Insolvenzplan angenommen haben, vergehen weitere zwei Wochen, bis er rechtskräftig ist. Danach geht es an die Verteilung. Diese nehmen Sie als Unternehmen selbst vor. Die Höhe der an die Gläubiger auszuschüttenden Beträge regelt der Insolvenzplan, indem er den Gläubigern eine bestimmte Quote garantiert, beispielsweise 5 % der zur Insolvenztabelle festgestellten Forderungen sowie insgesamt einen festen Betrag zur Ausschüttung an alle Gläubiger, beispielsweise 100.000 Euro. Die garantierte Quote müssen Sie unbedingt an alle Gläubiger ausschütten, andernfalls riskieren Sie die Annullierung des Insolvenzplans.

Im Laufe des darauffolgenden Jahres haben die Gläubiger die Möglichkeit, weitere Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden und feststellen zu lassen. Diese Gläubiger erhalten nach Ablauf des Jahres dann ebenfalls die garantierte Quote.

Bleibt von dem garantierten Betrag von beispielsweise 100.000 Euro etwas übrig, verteilen Sie auch diesen Restbetrag noch an die Gläubiger. Danach ist endgültig Schluss.

Nachdem die Auflagen erfüllt sind und nachdem die zweiwöchige Rechtsmittelfrist abgelaufen ist, entlässt das Gericht das Unternehmen aus dem Schutzschirmverfahren. Das Gericht wird die Kosten des Sachwalters, sowie die Gerichtskosten festsetzen. Ist alles bezahlt, hebt es das Insolvenzverfahren mit Beschluss auf. Das Unternehmen ist schuldenfrei und führt die Geschäfte ungestört weiter.

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Meine Erfahrung als Sanierungsberater

Mehr erfolgreiche Fallbeispiele:

Schutzschirmverfahren Tipps

Für die Sanierung Ihres Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren gebe ich Ihnen diese wichtigen Tipps mit auf den Weg. Aus meiner täglichen Sanierungs-Praxis für Sie zusammengestellt.

  1. Eröffnen Sie ein neues Konto
  2. Planen Sie, welche Lieferanten Sie ausfallen lassen
  3. Bedenken Sie: Sachwalter sind einnehmende Wesen
  4. Falls nötig, gründen Sie eine zweite Gesellschaft
  5. Kommunizieren Sie den Schutzschirm offen
  6. Wehren Sie feindliche Übernahmen ab, indem Sie sich dumm stellen
  7. Erstellen Sie einen Businessplan über die Sanierung
  8. Passen Sie den richtigen Eröffnungs-Zeitpunkt ab
  9. Verbünden Sie sich mit wichtigen Gläubigern
  10. Schließen Sie Gesellschafter aus oder sichern Sie eigene Anteile

Tipp 1: Eröffnen Sie ein neues Konto

Die wichtigste Bedingung einer erfolgreichen Schutzschirm-Sanierung ist die Liquidität. Ohne Moos, nix los.
Das Schutzschirmverfahren erspart dem Unternehmen zwar immense Betriebskosten, aber ohne laufende Einnahmen und ohne Kontoguthaben zu Beginn des Schutzschirms scheitert die Schutzschirm-Sanierung.

Das anfängliche Kontoguthaben benötigen Sie, um neue Bestellungen und Aufträge ab Eröffnungsstichtag auslösen zu können. Später im laufenden Verfahren muss das Unternehmen kostendeckende Einnahmen erwirtschaften.

Für die Liquidität Ihres Unternehmens sind die ersten Tage im Schutzschirm ein Nadelöhr. Besonders eng wird es, wenn Ihr Unternehmen seinen Forderungsbestand an eine Bank zur Sicherheit abgetreten hat ( = Globalzession, Factoring). Dann fließen die Zahlungseingänge mit Leistungszeitraum vor Eröffnung des Schutzschirmverfahrens zunächst an die Bank und stehen Ihrem Unternehmen nicht zur Verfügung.

Ihr Unternehmen muss eine mehrwöchige Durststrecke ohne nennenswerte Einkünfte überbrücken, bis zu den neuen, freien Zahlungseingängen mit Leistungszeitraum ab Eröffnung-Stichtag. Zwar können wir per Verwertungsvereinbarung ca. 9% dieser abgetretenen Zahlungseingänge behalten. Aber die Liquidität wird dennoch äußerst knapp.

Aus diesen Gründen rate ich dazu, die Vorbereitung des Schutzschirms besonders auf die Liquidität auszurichten. Eröffnen Sie ein neues Geschäftskonto bei einer fremden Bank als Reservekonto, sobald es kriselt. Ca. zwei Wochen vor dem Schutzschirmverfahren leiten Sie alle Zahlungseingänge auf dieses Konto um. Sprechen Sie wichtige Auftraggeber persönlich an, damit diese den Kontowechsel nicht verschlafen.

Berücksichtigen Sie, ab wann die alte Bank die Lunte riecht. In den meisten Fällen besteht bei der alten Hausbank neben dem Geschäftskonto noch ein Kredit. Erfährt die Hausbank von dem Schutzschirm oder vermutet sie ihn, wird sie das Geschäftskonto schließen und die Guthaben mit den Krediten verrechnen. Die Zahlungseingänge auf das geschlossene Geschäftskonto behält die Bank ebenfalls ein. Dies wäre das Worst-Case-Szenario, wie ein Schutzschirm beginnen kann. Ihr Unternehmen besitzt keine Liquidität und muss den Schutzschirm aufgeben.

Zur Vorbereitung der Schutzschirm-Sanierung eröffnen Sie ein neues Konto bei einer fremden Bank. Sammeln Sie dort alle verfügbare Liquidität und leiten Sie die Rechnungseingänge um.

Tipp 2: Planen Sie, welche Lieferanten ausfallen werden

Wir sind uns darüber einig, dass niemand Spaß daran hat, seine Lieferanten ausfallen zu lassen. Aber Sie befinden sich gerade in einer Notsituation. Da ticken die Uhren anders. Planen Sie deshalb ganz nüchtern ein, welche Lieferanten Sie vor dem Schutzschirm noch bezahlen werden und welche nicht.

Hierzu müssen Sie wissen, dass Ihr Unternehmen ab Eröffnung des Schutzschirms keine alten Rechnungen mehr bezahlen darf. Dies ist eine Grundregel des Schutzschirmverfahrens: Es ist gesetzlich verboten Rechnungen zu bezahlen, deren Leistungszeitraum vor dem Eröffnungs-Stichtag des Schutzschirms liegt!

Für Dauerschuldverhältnisse wie Mietverträge, Leasingverträge, usw. hat diese Grundregel kaum Bedeutung. Der Schutzschirm ist kein Kündigungsgrund. Vermieter, Leasinggeber, usw. stecken in den Verträgen fest und müssen sich sogar das Schwänzen einer Rate gefallen lassen.

Aber für Ihre Lieferanten hat die Grundregel eine erhebliche Bedeutung. Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen baut wertvolle Maschinen und ist auf Spezialschrauben angewiesen, die es nur bei einem einzigen Lieferanten weltweit gibt. Vergraulen Sie diesen Lieferanten wegen eines Zahlungsausfalls, gerät Ihre gesamte Produktion in Schwierigkeiten.

Derartige Engpässe müssen wir vermeiden. Deshalb planen wir vor dem Schutzschirm, welche Lieferanten wir noch bezahlen und welchen wir einen Forderungs-Verzicht zumuten werden. Das Bezahlen derartiger lebenswichtiger Lieferanten muss die Ausnahme bleiben. Wir sammeln so viel Cash wie nur möglich. Je höher die Liquidität, desto erfolgreicher die Unternehmens-Sanierung.

Vermeiden Sie gefährliche Produktions- und Lieferstopps, indem Sie unmittelbar vor dem Schutzschirmverfahren alle Lieferanten bezahlen, von denen Ihr Unternehmen abhängig ist.

Tipp 3: Bedenken Sie, Sachwalter sind einnehmende Wesen

Im Schutzschirmverfahren führen Sie als Geschäftsführer Ihr Unternehmen in der so genannten Eigenverwaltung. Eigenverwaltung bedeutet, dass Sie das Unternehmen wie bisher selbst verwalten, unternehmerisch frei entscheiden und ebenso frei über das Geschäftskonto und die Vermögensgegenstände verfügen.

Die Einschränkung während des Schutzschirms besteht darin, dass das Gericht dem Unternehmen eine Aufsichtsperson beistellt. Die Geschäftsführung muss dieser Aufsichtsperson in kurzen Abständen über Gewinn- und Verlust, Liquidität und über den Sanierungsablauf berichten. Zusätzliche muss sich die Geschäftsführung besondere Ausgaben außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsgangs genehmigen lassen.

Die Aufsichtsperson in der Eigenverwaltung nennt man „Sachwalter“. Die Person des Sachwalters bestimmt das Gericht. In der Regel bestellt das Gericht einen gestandenen Insolvenzverwalter aus dem Gerichtsbezirk.

Der Sachwalter ist also ein Insolvenzverwalter mit beschränkten Rechten. Der Sachwalter besitzt im Gegensatz zu einem Insolvenzverwalter nur ein Überwachungsrecht. Das operative Geschäft ist für den Sachwalter tabu.

Erfahrungsgemäß kommen nur wenige Sachwalter mit der Beschränkung ihres Amtes auf Überwachung zurecht. Sachwalter alias Insolvenzverwalter sind es gewohnt, sich massiv in das Unternehmen einzumischen und alles zu kontrollieren. Deshalb besteht im Schutzschirmverfahren die große Gefahr, dass der Sachwalter jede Gelegenheit nutzt, um sich in Ihr Unternehmen wie ein typischer Insolvenzverwalter einzumischen.

Jede offene Frage Ihrerseits und jede noch so kleine Schwäche wird dem Sachwalter als Rechtfertigung dienen, dass Sie keine Eigenverwaltung können. Als Folge wird er in Ihr Tagesgeschäft eingreifen… Hat der Sachwalter sich erst einmal in Ihren Betrieb eingenistet, wird er beginnen, Sie zu manipulieren. Über kurz oder lang wird er Sie überzeugt haben, dass eine reguläre Insolvenz besser für das Unternehmen ist. Als Folge werden Sie die Eigenverwaltung aufgeben…

Um die gefährliche Dynamik zu vermeiden, rate ich dazu, dem Sachwalter von Anfang an Grenzen zu setzen. Vermeiden Sie als Geschäftsführer die direkte Kommunikation. Kommunizieren Sie statt dessen über Ihren Sanierungsberater. Vermeiden Sie es insbesondere, die Betriebsversammlung bei Eröffnung des Schutzschirmverfahrens in Anwesenheit des Sachwalters abzuhalten. Andernfalls entmachten Sie sich selbst. Die Belegschaft würde nicht mehr Sie, sondern nur noch den Sachwalter als oberste Führungsperson anerkennen.

Behalten Sie den Sachwalter unter Kontrolle. Sonst mischt er sich in Ihre Geschäftsführung ein und über kurz oder lang glauben Sie ihm, dass die Regelinsolvenz besser als das Schutzschirmverfahren für Ihr Unternehmen ist.

Tipp 4: Falls nötig, gründen Sie eine zweite Gesellschaft

Viele Geschäftsführer zweifeln am Erfolg des Schutzschirmverfahrens. Sie befürchten, dass ihr Unternehmen alle Aufträge verliert, sobald die Kunden und Auftraggeber davon erfahren. Meine Erfahrungen aus rund 65 Sanierungsfällen sind besser. Es kann durchaus sein, dass Sie Aufträge mit Bekanntgabe des Schutzschirms verlieren werden. Einen Totalverlust aller Aufträge habe ich aber noch nie erlebt.

Trotz aller rosa Wölkchen bin ich mir der Verlust-Gefahr bewusst. Deshalb werden wir in der Vorbereitungsphase des Schutzschirmverfahrens analysieren, wie wahrscheinlich ein Auftragsverlust ist:

  • Kleine und Mittelständische Auftraggeber sowie Endkunden führen die Auftragsverhältnisse erfahrungsgemäß fort und erteilen neue Aufträge.
  • Öffentliche Auftraggeber und Konzerne könnten aufgrund ihrer Compliance-Regeln kündigen bzw. die Vergabe neuer Aufträge stoppen.

Um einen Auftragsentzug bei kritischen Auftraggebern zu vermeiden, hat sich die Gründung eines neuen Unternehmens vor dem Schutzschirmverfahren bewährt: Das neue Unternehmen nimmt die Aufträge an und leitet sie nach Abzug einer Bearbeitungspauschale an das alte Unternehmen weiter. Das alte Unternehmen führt die Aufträge als Subunternehmer aus und wir sanieren es im Hintergrund.

Allerdings ist nicht jeder Fall für die Vorschaltung eines neuen Unternehmens geeignet. Benötigt das Unternehmen für die Durchführung der Aufträge bestimmte Fach-Zulassungen oder TÜV-Zertifikate, wird dem neuen Unternehmen die Zeit zur Beschaffung fehlen. In diesen Fällen wählen Sie die Betriebsaufspaltung:

Einen Tag nach Eröffnung des Schutzschirmverfahrens spalten wir Ihr Unternehmen in einen Dienstleister und einen ausführenden Betrieb auf. Der Dienstleister behält alle Fach-Zulassungen und kann sich unbelastet an Ausschreibungen beteiligen. Das alte Unternehmen sanieren wir im Hintergrund.

So wie manche Auftraggeber werden sicherlich auch einige Lieferanten „zickig“ sein. Die meisten Lieferanten beliefern Ihr Unternehmen trotz Schutzschirm weiter und stellen allenfalls auf Vorkasse um. Mit Bestellung auf Vorkasse können wir leben. Das Unternehmen besitzt im Schutzschirm die hierzu erforderliche Liquidität.

Befürchten Sie Auftragsverluste aufgrund des Schutzschirmverfahrens, gründen Sie eine neue Gesellschaft. Diese nimmt die Aufträge an und leitet sie an die alte Gesellschaft als Subunternehmer weiter.

Tipp 5: Kommunizieren Sie den Schutzschirm offen

Während wir den Schutzschirm vorbereiten, werden wir über Frage diskutieren: „Wie sage ich es meinen Kunden?“. Viele Unternehmer haben großen Respekt sich zu outen, weil sie den Verlust ihres Ansehens samt aller Aufträge befürchten. Um es vorneweg zu sagen: Verheimlichen können Sie das Schutzschirmverfahren nicht. Die Eröffnung des großen Schutzschirms nach § 270 b InsO wird zwar nicht öffentlich bekannt gegeben. Aber das Amtsgericht wird den Übertritt in das Hauptverfahren drei Monate später veröffentlichen auf der Webseite: www.insolvenzbekanntmachungen.de. Die Suchroboter von Creditreform und Co. erfassen die Bekanntmachung und leiten sie automatisch an Kunden und Lieferanten weiter. Dann wissen alle Bescheid.

In den meisten Fällen aber wird es dem Unternehmer nicht gelingen, den Schutzschirm bis zur offiziellen Bekanntmachung geheim zu halten. Es gibt insbesondere zwei undichte Stellen: Gleich zu Beginn müssen die Mitarbeiter eine Abtretungserklärung für das Insolvenzgeld unterschreiben und man muss den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung das Sanierungsvorhaben erklären. Geschwätzige Mitarbeiter werden die Neuigkeiten trotz Geheimhaltungsverpflichtung blitzschnell weitergeben.

Die zweite undichte Stelle entsteht aufgrund der Mahnungen. Nach und nach werden sich unfreundliche Briefe und Telefonate häufen. Will die Geschäftsführung den Schutzschirm geheim halten, muss sie die Gläubiger abwimmeln. Das ist anstrengend und irgendwann hat die Geschäftsführung aufgrund des enormen Drucks keine andere Wahl, als den Gläubigern den gerichtlich verordneten Gläubigerschutz und damit das Schutzschirmverfahren bekannt zu geben.

Erfahrungsgemäß ist noch kein Schutzschirm geheim geblieben. Früher oder später kocht die Gerüchteküche. Deshalb kontrolliert die Geschäftsführung die Kommunikation besser von Beginn an selbst. Die wichtigsten Kunden, Lieferanten und maßgebliche Gläubiger-Banken unterrichtet die Geschäftsführung ein, zwei Tage vor der Eröffnung des Schutzschirms in einem persönlichen Gespräch. Alle anderen Beteiligten erhalten ein Rundschreiben oder eine Presseerklärung.

Outen Sie sich nicht in der Planungsphase, sondern warten Sie bis Sie den Gerichtsbeschluss über die Eröffnung des Schutzschirms in Händen halten. Andernfalls kann es sein, dass Sie die Sanierung gefährden. Vor dem Schutzschirm verfügen Beteiligte über fristlose Kündigungsrechte aller Vertragsbeziehungen. Diesen „Gefallen“ sollten Sie den Beteiligten nicht erweisen.

Behalten Sie die Kontrolle über die Kommunikation des Schutzschirmverfahrens. Ihre wichtigsten Kunden usw. unterrichten Sie persönlich und alle anderen Beteiligten per Rundschreiben.

Tipp 6: Wehren Sie feindliche Übernahmen im Schutzschirm ab, indem Sie sich dumm stellen

Bei der Vorbereitung eines Schutzschirmverfahrens werde ich stets nach der größten Gefahr gefragt, die dem Sanierungserfolg entgegen steht. „Es kommt darauf an“, wie wir Juristen sagen, aber das Auftauchen eines Investors mit feindlichen Übernahmeabsichten ist stets eine große Gefahr.

Die Gefahrenstelle hat seine Ursache in den gesetzlichen Vorschriften: So wie in der regulären Insolvenz muss die Geschäftsführung auch im Schutzschirm das Unternehmen bestmöglich verwerten. „Bestmöglich“ im Sinne der Gläubiger, versteht sich.

Deswegen darf das Unternehmen fremde Kaufofferten nicht einfach ablehnen, sondern muss diesen nachgehen und fördern. Bietet ein Käufer mehr Geld, als das Unternehmen aus eigener Kraft und mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens und Insolvenzplans aufbringen kann, müssen die Eigentümer das Unternehmen verkaufen.

Seine „Verkaufsbemühungen“ muss das Unternehmen gegenüber der Gläubigerversammlung dokumentieren. Ergänzend hierzu muss das Unternehmen eine Vergleichsrechnung aufstellen, welche die Verwertungsalternativen: Betriebsschließung, Unternehmensverkauf, Insolvenzplan gegenüberstellt. Das Ergebnis der Vergleichsrechnung muss den Insolvenzplan als bestmögliche Verwertungsalternative erweisen. Nur dann gelingt der Schutzschirm und der Unternehmer darf seinen Betrieb erhalten.

Doch keine Sorge: Weil wir die Gefahr kennen, können wir ihr wirksam entgegentreten. Gegen unerwünschte Investoren gibt es wirksame Abwehrstrategien, die eine Übernahme unattraktiv machen. Bisher habe ich noch kein Unternehmen auf diese Art verloren.

Grob fehlerhaft wäre es, wenn Sie den unerwünschten Investor von Beginn an abblocken. Verweigern Sie die Verkaufsgespräche, wird ein motivierter Investor beim Sachwalter petzen und am Ende wird Ihnen das Gericht die Eigenverwaltung entziehen. Der Schutzschirm geht in ein reguläres Insolvenzverfahren über und der Insolvenzverwalter verkauft das Unternehmen.

Also bitte kein Spielverderber sein, sondern tanzen Sie auf dieser Hochzeit mit. Am Ende wird die Braut unattraktiv für etwaige Bewerber sein.

Investoren mit feindlichen Übernahmeabsichten wehren Sie im Schutzschirmverfahren ab, indem Sie Ihr Unternehmen für den Investor möglichst unappetitlich machen.

Tipp 7: Erstellen Sie einen Businessplan über die Sanierung

Auch wenn kaum ein Jurist eine Bilanz oder eine BWA lesen kann: mitreden wollen sie alle. Deshalb benötigen Sie eine sorgfältige Planung des Schutzschirms von erster Stunde an. Im Gesetz steht zwar, dass Sie einen Rechtsanspruch auf Schutzschirm und Eigenverwaltung haben. Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus. Richter mögen keine Schutzschirme und Insolvenzverwalter auch nicht, weil diese das Geschäft verderben.

Also werden wir bei der Antragstellung einen gewissen Widerstand erfahren. Den Widerstand überwinden wir, indem wir bereits mit dem Antrags-Schriftsatz an das Gericht zeigen: „Ja, wir können Schutzschirm!“
Unser Können zeigen wir, indem wir mit dem Antrag einen „Businessplan für das Schutzschirmverfahren“ bei Gericht einreichen. Dieser Businessplan enthält eine Erfolgs- und Liquiditätsrechnung, er beschreibt sowohl den Status Quo, die Krisenursachen und die zukünftige Strategie sowie einzelnen Sanierungsschritte.

Weil in dem ersten Gespräch mit dem Sachwalter erfahrungsgemäß die Wissenstest-Frage kommt: „Gibt es schon einen Insolvenzplan?“, bin ich dazu übergegangen, den Businessplan mit den wichtigsten Insolvenzplan-Elementen zu ergänzen.

Der Businessplan dient auch als wichtige Hilfe, die Gläubiger, Kunden und Lieferanten von dem Sanierungsvorhaben und vor allem von dem Fortbestand des Unternehmens zu überzeugen. Wollen Sie beispielsweise bei der Bank durchsetzen, dass sie zu Ihrem Unternehmen hält und bestimmte Immobilienkredite während des Schutzschirms aufrecht erhält oder Sicherungseigentümer das gelieferte Material nicht zurückverlangen, wird Ihnen der Businessplan wertvolle Dienste erweisen.

Während der Laufzeit des Schutzschirmverfahrens werden wir die Liquiditäts- und die Gewinn- und Verlustplanung des Businessplans ständig fortschreiben und mit den tatsächlichen Werten vergleichen. Diese Gegenüberstellung benötigen wir später für die Gläubigerversammlung und den Insolvenzplan und dient als Beweis für die positive Fortführungsprognose.

Erstellen Sie zur Vorbereitung des Schutzschirmverfahrens ein aufwändiges Sanierungskonzept. Sie benötigen dieses dringend, um Richter, Banken, Gläubiger, usw. von Ihrem Vorhaben zu überzeugen.

Tipp 8: Passen Sie den richtigen Eröffnungs-Zeitpunkt ab

Das Gelingen des Schutzschirms hängt ein Stück weit davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Gericht das Schutzschirmverfahren eröffnet. Ich empfehle Ihnen, den Zeitpunkt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut zu planen.

Zeitplanung deshalb, damit Sie keine wichtigen Vorarbeiten verpassen, wie beispielsweise die Eröffnung eines neuen Geschäftskontos, Bezahlung existenziell wichtiger Lieferanten, Neugründung oder Aufspaltung, Insolvenzgeldvorfinanzierung, Einbeziehung wichtiger Beteiligter, Berücksichtigung bestehender Globalzessionen, usw.

Gerade beim Einstieg in die Schutzschirm-Sanierung kann viel schief gehen. Fließen die Zahlungseingänge beispielsweise aufgrund versäumter Umleitung weiter auf das überschuldete Geschäftskonto, sind diese Einkünfte bis zur Umleitung auf ein neues Konto verloren. Andererseits dürfen Sie die Zahlungsströme auf ein neues Konto auch nicht zu früh einleiten, sonst riecht die alte Geschäftsbank Lunte.

Das Ziel der Zeitplanung besteht darin, dass das Unternehmen mit einem möglichst hohen Cash-Bestand in das Verfahren einsteigt. Je mehr Geld wir in der Kriegskasse sammeln, desto höher die Erfolgsaussichten.
Der ideale Zeitpunkt für den Einstieg in den Schutzschirm hängt auch von der Fälligkeit der Arbeitslöhne ab.

Bei den meisten Unternehmen bilden die Arbeitslöhne den größten Kostenblock. Folglich tritt die Zahlungsunfähigkeit oft mit der Fälligkeit der Lohnzahlung ein und folglich wird man den Schutzschirmantrag kurz vorher stellen, also zu Monatsende.

Andererseits sollte das Unternehmen mit dem Schutzschirmantrag nicht bis auf den letzten Tag der Lohn-Fälligkeit warten. Sonst riskiert die Geschäftsführung, dass die Lohnzahlung nicht rechtzeitig erfolgt. Das ist zwar keine Katastrophe, kostet aber das Vertrauen der Mitarbeiter. Deshalb reichen wir den Schutzschirm-Antrag möglichst um den 15. des Monats ein.

Wählen Sie den Eröffnungs-Zeitpunkt des Schutzschirmverfahrens so, dass Sie mit einem möglichst hohen Cash-Bestand in das Verfahren einsteigen.

Tipp 9: Verbünden Sie sich mit wichtigen Gläubigern

Wie gehen wir im Schutzschirmverfahren mit den Gläubigern um? Um es vorneweg zusammenzufassen: Zu den Gläubigern, die wir brauchen, sind wir nett und die anderen Gläubiger sind uns egal. Also überlegen wir uns zu Beginn des Verfahrens, welche Gläubiger eine wichtige Position für den Sanierungserfolg innehalten und wie wir damit umgehen.

Beispielsweise könnte unter Ihren Gläubigern eine Bank sein, die das Betriebsgrundstück finanziert. Weil es unser Ziel ist, dem Unternehmen das Betriebsgrundstück zu erhalten, müssen wir die Bank dazu bringen, die Grundstücks-Finanzierung im Schutzschirm beizubehalten und nicht zu kündigen.

Ein anderes Beispiel in diese Richtung wäre der Leasing-Geber, der für eine Spedition die Sattelzüge finanziert. Kündigt der Leasing-Geber die Verträge und zieht die Fahrzeuge ein, ist die Schutzschirm-Sanierung gescheitert.

Also werden wir zu diesen Gläubigern besonders nett sein und sowohl deren Interessen als auch deren Machtposition in unser Sanierungskonzept einbinden. Wir werden diesen Gläubigern den finanziellen Vorteil vorrechnen, wenn sie das tun, was wir uns von ihnen wünschen.

Der Leasing-Geber der Spedition beispielsweise müsste nach der Kündigung die Fahrzeuge verwerten, was zu Verlusten führt. Deshalb erklären wir dem Leasing-Geber die Vorteile der Fortführung der Verträge.
Viele dieser wichtigen Gläubiger und insbesondere Banken wünschen, dass man sie bereits vor dem Schutzschirm einbezieht. Ob man diesem Wunsch nachkommt, ist eine kniffelige Entscheidung. Es kann passieren, dass die Bank nun ihrerseits das entgegengebrachte Vertrauen ignoriert und den Kredit kündigt. Dann wäre das Unternehmen zahlungsunfähig und unsere Handlungsmöglichkeiten damit einschränkt.

Zeigen Sie den kriegsentscheidenden Gläubigern die Vorteile des Schutzschirmverfahrens auf und verbünden Sie sich mit diesen Gläubigern gegen alle anderen.

Telefonische Erstberatung anfordern
Falls Sie eine Frage zur Sanierung Ihres Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren haben oder zur Kontaktaufnahme oder wünschen Sie einen Beratungstermin, bitte hier E-Mail eintragen und absenden. Ich melde mich.


Tipp 10: Schließen Sie unerwünschte Gesellschafter aus oder sichern Sie Ihre eigenen Anteile

In vielen Fällen ist nicht nur die GmbH verschuldet, sondern auch der Unternehmer beispielsweise aufgrund von Bürgschaften. Liegt ein solcher Sachverhalt vor, wäre es sinnlos, nur das Unternehmen per Schutzschirmverfahren zu entschulden und nicht zugleich auch den Unternehmer.
Zumeist ist der Unternehmer auch der Gesellschafter der GmbH. Entschuldet man nur das Unternehmen, würde die Gläubiger-Bank des Unternehmers sich „bedanken“ und danach die Gesellschaftsanteile pfänden und verwerten. Dann haben wir nichts gekonnt.
Aus diesem Grunde nehme ich zumeist das Schutzschirmverfahren zum Anlass, mit der Bank auch über die Entschuldung des Unternehmers eine Lösung zu finden. Das ist aber nicht einfach, die Gläubiger-Banken sind in den letzten Jahren sehr hartnäckig geworden und geben keine Zugeständnisse mehr.
Oft bleibt das private Schuldenproblem des Unternehmers schon aus Zeitgründen offen. Eine Einigung mit Banken kann sich über Jahre ziehen.
Besser ist es deshalb die neuen gesetzlichen Möglichkeiten des Schutzschirmverfahrens zu nutzen und später im Insolvenzplan die Gesellschafter-Verhältnisse neu zu ordnen. Dies kann mittels eines Kapitalschnitts erfolgen: Dann sieht der Insolvenzplan zwei Schritte vor:
Erster Schritt: Das Stammkapital der Gesellschaft wird auf Null gesetzt. Das bedeutet im Klartext, die Altgesellschafter sind enteignet.
Zweiter Schritt: Eine im Insolvenzplan bestimmte Person wird zur Einzahlung neuer Stammeinlagen zugelassen. Also wird diese bestimmte Person der neue GmbH-Gesellschafter sein, beispielsweise Ihr Ehepartner.
Nachdem der Unternehmer quasi enteignet und vermögenslos ist, lässt sich mit Gläubigern ohnehin besser verhandeln. Oder wir beantragen für den Unternehmer eine Privatinsolvenz. Kombiniert mit einem Insolvenzplan dauert die Privatinsolvenz maximal ein Jahr.
Der Kapitalschnitt ist aber auch ein unschlagbares Mittel, um unliebsame Gesellschafter loszuwerden. Mit dem Kapitalschnitt werfen Sie diese einfach aus der Gesellschaft. Der Ablauf ist der gleiche: Der Insolvenzplan setzt die alten Gesellschaftsanteile auf Null. Damit hat der unliebsame Gesellschafter alle Anteile verloren. Im zweiten Schritt bestimmt der Insolvenzplan einen neuen Gesellschafter, den natürlich Sie bestimmen.

Ergreifen Sie im Schutzschirmverfahren die Gelegenheit und schließen Sie unliebsame Gesellschafter per Kapitalschnitt aus der Gesellschaft aus.

39 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Hallo,
funktioniert das Schutzschirmverfahren auch bei einem Einzelunternehmen mit einem Vollzeitmitarbeiter und 5 Minijobbern? Wen die Minijobber “voll” eingesetzt würden, könnten wir unseren Umsatz verdoppeln.

Antworten
    Jörg Franzke
    4. Februar 2018 9:24

    Nein, dazu ist Ihr Unternehmen zu klein. Die Kosten übersteigen den Nutzen eines Schutzschirmverfahrens.

    Antworten
I. Veigelein
6. Dezember 2017 12:43

Sehr geehrter Herr Franzke, vielen Dank für die Informative Seite. Sie Schreiben, dass es noch Vorfinanzierungseffekte gibt, insbesondere, dass man drei Monate lang die Miete nicht bezahlen muss und der Vermieter auch nicht fristlos wegen säumiger Mieten kündigen kann. Woraus ergibt sich das denn? Denn ich habe gelesen, dass die Mieten nach Antragstellung gezahlt werden müssen.

Antworten
    Jörg Franzke
    9. Dezember 2017 11:31

    In der Regel darf der Vermieter das Mietverhältnis erst nach zwei Mietrückständen kündigen. Wenn Sie diesen gesetzlichen Spielraum ausnutzen wollen, dann zahlen Sie vor dem Schutzschirmantrag eine Miete nicht und von der zweiten Miete nur einen kleinen Anteil. Dann, nachdem das Schutzschirmverfahren eröffnet ist, können Sie wiederum eine Miete schwänzen, weil mit Eröffnung die Kündigungsfristen neu laufen. Insgesamt also (fast) drei Mieten. Entscheiden Sie selbst, ob Sie bestehendes Recht derart ausnutzen wollen.

    Antworten

      Vielen Dank, für die prompte Antwort; dann ergibt sich das also nicht aus einer “Sonderregel”, sondern nur durch “geschicktes Zahlverhalten”. Aber ich werde die Mieten nach Antragstellung wohl lieber zahlen, weil ich da kein Risiko eingehen möchte, denn wenn dann ein Rückstand auftritt, bin ich die Räume ja wohl los.

      Antworten
Gerd Michalak
15. September 2017 10:24

Sehr geehrter Herr Franzke, zunächste einmal möchte ich michsehr herzlich bei hnen für ihre Erstklassige Homepage und für die darin frei zugänglichen Informationen bedanken. Dass hat mir und meinen Mit Gesellschaftern im Vorfeld, bevor wir einen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt haben, sehr geholfen. Wir möchten unser Unternehmen, gesund geschrumpft, weiter führen. Bestellt ist ein von uns vorgeschlagener “Schwacher” Verwalter. Hier aber jetzt meine beiden Fragen; Sie schreiben dass man beim FA für die Monate Insolvenzprüfung die UmSt. erlassen bekommen kann. Welche Paragraphen im Finanzrecht sind hierfür maßgeblich? Zweite Frage; Kann ich im laufenden Prüfungsverfahren noch einen Antrag für die Eigenverwaltung bei Gericht stellen?

b. Das Unternehmen spart Kosten
Das Gesetz sieht für Unternehmen im Schutzschirm staatliche Subventionen vor. Das ist zunächst das Insolvenzgeld. Insolvenzgeld bedeutet: Für drei Monate übernimmt die Arbeitsagentur alle Lohnkosten des Unternehmens. Die Umsatzsteuer entfällt in dieser Phase ebenfalls und das Unternehmen kann einzelne Miet- Leasing-, Versicherungsraten einsparen.

Hier im Absatz zuvor, Auszugsweise aus ihrer Online Information der Passus mit Bezugnahme auf die UmSt. Ich bedanke mich im Voraus für Ihre diesbezügliche Rückantwort und sage nochmals Danke für Ihr hervorragendes Portal. G. Michalak

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    Jörg Franzke
    16. September 2017 7:57

    Sie haben ein reguläres Insolvenzverfahren beantragt. Damit ist Ihre Einflussnahme auf die Gestaltung des Verfahrens gleich Null und sind auch gar nicht mehr dazu in der Lage, darüber zu entscheiden, ob Sie im Verfahren die Umsatzsteuer abführen oder nicht. Eine Entscheidung darüber ist nur bei gerichtlich angeordneter Eigenverwaltung möglich, im regulären Verfahren aber nicht. Sie können versuchen einen Antrag auf Eigenverwaltung zu stellen. Ich glaube aber nicht, dass Sie damit erfolgreich sind.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Franzke,

unsere GmbH hat 86 Mitarbeiter und mehrere Gesellschafter, d.h. ich habe 55 % und es gibt noch diverse Minderheitsgesellschafter. Uns droht die Insolvenz, insolvent sind wir derzeit jedoch noch nicht. Sie schreiben, dass die Neuverteilung von Gesellschaftsanteilen ermöglicht bzw. der Rauswurf eines unerwünschten Gesellschafters möglich ist.
Wie kann das im allgemeinen geschehen ?

Antworten
    Jörg Franzke
    16. Juli 2017 20:32

    Durch einen Kapitalschnitt im Insolvenzplan am Ende des Schutzschirmverfahrens. Der Insolvenzplan sieht die Herabsetzung der Gesellschaftsanteile auf Null EUR vor. Im zweiten Schritt werden bestimmte Personen zur Einzahlung des neuen Stammkapitals zugelassen. Auf diese Weise können Sie im Insolvenzplan steuern, wem die Gesellschaft in Zukunft gehört. Ich gebe Ihnen ein Formulierungsbeispiel im Gestaltenden Teil des Insolvenzplans:

    VIII. Neuordnung der Gesellschafter-Rechte (Gruppe 3)

    Der Altgesellschafter mit den Nennbeträgen:

    Herr …, Gesellschaftsanteil in Höhe von 50.000 DM bzw. 100 % der Anteile

    erklärt die Herabsetzung seiner Gesellschaftsanteile von 50.000 DM auf Null.

    Er erklärt sodann die Ausgabe der neuen Gesellschaftsanteile zum Nennwert von 1 €. Es werden 25.000 Gesellschaftsanteile ausgegeben. Die neuen Gesellschaftsanteile sind sofort in voller Höhe und in bar zu erbringen. Die neuen Gesellschaftsanteile sind vom Beginn des laufenden Geschäftsjahres am Gewinn der Gesellschaft beteiligt.

    Zur Übernahme der neuen Gesellschaftsanteile wird zugelassen:

    Frau … 25.000 € (100%)

    Frau … hat sich zur Übernahme der Gesellschaftsanteile verpflichtet, § 230 InsO, 55 Abs. 1, 58 f Abs. 1 S. 2 GmbHG. Sie wird den auf die neuen Gesellschaftsanteile lautenden Betrag von 25.000 € binnen zwei Wochen nach Erwachsen dieses Insolvenzplanes auf das Geschäftskonto der Schuldnerin einzahlen.

    Zum Ausgleich der Kapitalherabsetzung erhält der Altgesellschafter auf sein verlorenes Gesellschaftskapital von 25.000 € eine Abfindung gemäß § 225 a Abs. 2 Satz 3 InsO. Der Altgesellschafter .. erklärt hiermit, auf die Abfindung zu verzichten. Er verzichtet jedoch nicht auf sein Stimmrecht.

    Antworten

Moin, moin,

ist es richtig. dass ein Unternehmen – GmbH ( Co.)KG, mehrere Töchter, insgesamt 400 Mitarbeiter keine Chance auf ein Schutzschirmverfahren hat, wenn Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt sind ?

Antworten
    Jörg Franzke
    13. Juni 2017 5:43

    Auf ein Schutzschirmverfahren nach § 270 b InsO nicht mehr, aber auf ein kleines Schutzschirmverfahren nach § 270 a InsO, auch Insolvenz in Eigenverwaltung genannt. In der Praxis sind beide Verfahren nahezu gleich, also bestehen durchaus noch gute Chancen auf Rettung.

    Antworten
Rüdiger R.
3. Mai 2017 2:11

Guten Morgen Herr Franzke,
Ich habe eine GmbH im Bereich Bauelementeherstellung (Vordächer, Terrassendächer) mit dem Vertrieb in der gesamten Bundesrepublik und im benachbarten Ausland mit 9 Mitarbeitern.
Wir hatten 2015 / 2016 einen Umsatz von 1,2 bzw 1 Millionen €. Zur Zeit haben wir einen Umsatzrückgang aufgrund von mangrlnden Aufträgen. In der guten Zeit wurden zu teure Verträge (Mietvertrag usw.) geschlossen, welche uns nun “auffressen”.
Können wir ein Schutzschirmverfahren anwenden? Oder sind hierfür die Kosten zu hoch?

Antworten
    Jörg Franzke
    4. Mai 2017 6:24

    Wir müssten durchrechnen, ob ein Schutzschirmverfahren sich rechnet. Auf den ersten Blick würde ich nicht gleich „nein“ sagen. Wenn Sie Ihr Unternehmen nach Wegfall der zu teuren Verträge wieder rentabel ist und sich das Unternehmen dann wieder rechnet, seht einem Schutzschirm nichts im Wege. Gerne berate ich Sie hierzu.

    Antworten

Hallo Herr Franzke,

wir haben eine UG mit einem Geschäftsführer (=Gesellschafter) + 1 Mitarbeiter. Die UG ist sehr frisch (5- Monate). Derzeit haben wir Rückstände von circa 8.000 EUR (Finanzamt, Lohnsteuer, Krankenkasse & Lieferanten). Mtl. Umsatz circa 20.000 EUR, Gewinn 7.000 EUR.

Um nicht Gefahr zu laufen in Richtung Insolvenzverschleppung zu geraten, empfehlen Sie eher eine Sanierung oder den Insolvenzantrag zu stellen?

Vielen Dank!
Grüsse

Antworten
    Jörg Franzke
    7. Februar 2017 5:40

    ihre Gesellschaft ist viel zu klein, um ein Schutzschirmverfahren zu finanzieren. Deshalb sollten Sie einen regulären Insolvenzantrag stellen.

    Antworten
Hubert Barth
11. Juli 2016 16:23

Hallo Herr Franke,
ich bin ein Handwerksbetrieb mit einem Azubi. die letzten Jahre habe ich bei Lieferanten und Finanzamt Forderungen aufgebaut.meine hausbelastung war zu groß. fas haus ist verkauft aber es bleiben für die Firma noch Rest Schulden von ca.100000.- Euro. ich mache jährlich zwischen 40000-60000 Euro Gewinn. ist der kleine schutzschirm was für mich oder regelinsolvenz.
um eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.
Mfg Hubert Barth

Antworten
    Jörg Franzke
    12. Juli 2016 6:46

    Für ein Schutzschirmverfahren ist Ihr Unternehmen zu klein. Eine gut vorbereitete reguläre Insolvenz wäre für Sie der bessere Weg. Später in der Insolvenz vereinbaren Sie die Freigabe Ihres Betriebes aus der Insolvenzmasse und Sie können Ihren Betrieb dann ganz normal wieder weiterführen. Oder Sie verkürzen das gesamte Verfahren auf ein Jahr per Insolvenzplan.

    Antworten
Gisela Greiner
1. Juni 2016 9:30

ich habe ein kleines Unternehmen in der Kunststoffbranche.
Mein ehemaliger Geschäftspartner hat die Verträge gestohlen und seine Einlage zurückgeklagt und recht bekommen ein Vergleich wurde abgelehnt weil wir statt am 31.03. erst am 14.04. die Zahlung zugesagt haben. Das Zahlungsziel 22.04 hätten wir auf jeden Fall erreicht. Ich rief bei dem Anwalt an und flehte in an den Vergleich doch anzunehmen doch er hat mich derart beschimpft dass ich nun Panik-Attaken bekomme.
Nun ist die Bank abgesprungen da sie gesagt hat wer weiß was sie noch für Leichen im Keller haben. Ich hafte mit meinen Eigentumswohnungen und dann ist meine Altersvorsorge weg. Was tun ?? Mittlerweile sind meine Konten gesperrt.

Antworten
    Jörg Franzke
    1. Juni 2016 9:34

    Grundsätzlich wäre zwar kein Schutzschirm aber eine Insolvenz in Eigenverwaltung für Sie die richtige Wahl. Auch damit können Sie ohne weiteres das Unternehmen retten. Man müsste sich die Details ansehen, um endgültig zu entscheiden. Sie können mir per E-Mail Ihre Telefonnummer übersenden und dann telefonieren wir kurz.

    Antworten
Kerstin Fliehmann
8. Januar 2016 6:29

Guten Morgen,

ich habe eine kleine Firma und bin zur Zeit etwas in finanzieller Schieflage, da mich Altlasten einholen.
Wäre das kleine Schutzschirmverfahren etwas für mich?

Mfg.

K. Fliehmann

Antworten
    Jörg Franzke
    9. Januar 2016 10:41

    Nein, ich denke nicht. Ein Schutzschirmverfahren ist sehr aufwändig und ein kleines Unternehmen kann die Kosten hierfür nicht tragen. Bei einem Kleinunternehmen geht man eher den klassischen Weg einer Auffanggesellschaft oder dergleichen. Gut vorbereitet ist so eine Insolvenz bei Selbständigkeit heutzutage kein Beinbruch mehr.

    Antworten

Sehr geehrter Herr Franzke,

Sie schreiben: Der Schutzschirm stellt die einzige Möglichkeit dar, dass der Unternehmer sein Unternehmen erhalten kann. Warum ist das so?

Antworten
    Jörg Franzke
    10. Oktober 2015 7:43

    Es gibt zwei Möglichkeiten, ein zahlungsunfähiges Unternehmen zu sanieren: Entweder über eine Regelinsolvenz oder über ein Schutzschirmverfahren. Das Schutzschirmverfahren beinhaltet zunächst die Eigenverwaltung. Das heißt, Sie als Geschäftsführer behalten zumindest einen Großteil der Kontrolle über Ihr Unternehmen und können die Sanierung erheblich beeinflussen. Das ist wichtig für die Wahrnehmung der Kunden. Das Regelinsolvenzverfahren mündet in der Regel in einem Verkauf des Unternehmens an einen Investor oder, falls sich kein Käufer finden lässt, in der Zerschlagung. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass der Unternehmer bzw. ein Familienmitglied das Unternehmen selbst vom Insolvenzverwalter abkauft. Aber in der Regel hat der Unternehmer sein ganzes Geld in das Unternehmen gesteckt und ist gar nicht dazu in der Lage, das Unternehmer abzukaufen. Im Schutzschirm hingegen bleibt das Unternehmen erhalten. Die Gläubiger werden aus der ersparten Liquidität abgefunden.

    Antworten

Hallo Herr Franzke,

ich habe eine GmbH mit 34 Mitarbeitern im GalaBau. Ich stecke in einem Auftrag, de bis zum Jahresende läuft und von dem ich weiß, dass er mich ruinieren wird. Leider habe ich nicht aufgepasst und ich komme mit den Preisen einfach nicht hin. In ca. vier Wochen geht mir das Geld aus. Wenn ich jetzt einen Schutzschirm bei Ihnen beantrage, wann bin ich aus dem Verfahren wieder raus?

Antworten
    Jörg Franzke
    26. September 2015 6:49

    Das Schutzschirmverfahren wird voraussichtlich ca. ein halbes Jahr dauern. Das heißt, Sie könnten die ruhigen Wintermonate für die Sanierung nutzen und zum Saisonbeginn im Frühjahr wieder durchstarten. In den ersten drei Monaten des Schutzschirms erhält Ihr Unternehmen Insolvenzgeld. Die Arbeiten für das ruinöse Bauprojekt stellen Sie ein. Auf diese Weise provozieren Sie die Kündigung. Kündigt der Auftraggeber nicht, kündigen wir den Vertrag später im Hauptverfahren.

    Antworten

Guten Tag,

ich habe eine ordentlich laufende GmbH als 1 Mann Betrieb. Nach einer Betriebsprüfung der alten Einzelunternehmung (die ich ebenfalls selber geführt habe am selben Standort) , wird die neue GmbH wahrscheinlich auch in die Knie gehen, da das FA die neue GmbH angreifen wird (lt. Steuerberater).

Die neue GmbH kann aber die laufenden Kosten bezahlen und auch alle Steuern. Wäre der Schutzschirm auch eine Lösung für mich?

MFG
Heisenberg

Antworten
    Jörg Franzke
    19. September 2015 19:45

    Ein Schutzschirmverfahren finanziert sich größtenteils aus eingesparten Arbeitslöhnen für drei Monate. Weil Sie keine Mitarbeiter haben, entfällt diese Finanzierungsmöglichkeit. Auch wenn Ihr Unternehmen mit Gewinn arbeitet, würden am Ende des Schutzschirmverfahrens erhebliche Verfahrenskosten und eine Ausschüttung an die Gläubiger auf das Unternehmen zukommen. Wenn Sie den Liquiditätsvorteil des Insolvenzgeldes nicht haben, dann wird schwierig, diese Kosten aufzubringen. Kurzum: die GmbH ist zu klein für einen Schutzschirm.

    Antworten

Hallo Herr Franzke,

erstmal möchte ich ihnen schon jetzt für etliche gute Tipps danken.

Zu mir, ich bin Einzelunternehmer und habe seit ca. 2 Jahren finanzielle Schwierigkeiten, da die Zahlungsmoral ( Agentur für Arbeit, Jobcenter ) sehr schlecht ist. Ich bin Arbeitsvermittler und werde von den sogenannten Vermittlungsgutscheinen der Agentur für für Arbeit bzw. Jobcenter bezahlt. Diese lassen sich aber soviel Zeit mit der Bezahlung, dass ich meine laufenden Kosten nicht mehr pünktlich bezahlen kann und von daher wenn Geld kommt immer nur Löcher stopfen kann.

Ich habe im Moment ca. 10000 € Schulden.

Ich möchte unbedingt eine Insolvenz vermeiden, da ich ein Eigenheim besitze und dieses unter allen Umständen behalten möchte. Im Grundbuch des Eigenheimes stehe ich als alleiniger Besitzer und in den Kreditverträgen stehe ich und meine ehemalige Lebensgefährtin. Das Haus bewohne ich im Moment alleine, aber meine neue Lebensgefährtin wird in nächster Zeit mit einziehen.

Kommt für mich das Schutzschirmverfahren in Frage? Kann ich mein Haus behalten? Wie verhalte ich mich am besten?

Vielen Dank im Voraus.

MfG Kevin

Antworten
    Jörg Franzke
    22. April 2015 21:46

    Das Schutzschirmverfahren ist für Unternehmen ab ca. 25 Mitarbeitern geeignet, für Sie also nicht. Um das Haus und um Ihre Lebensgefährtin zu retten, müssten Sie das Eigentum an dem Haus übertragen und dann müsste sich die Freundin um eine neue Finanzierung kümmern, sodass Sie nicht mehr Schuldner des Hauskredites sind. Erst nach dieser Abkoppelung könnten Sie weitgehend ohne Risiko eine Entschuldung wagen.

    Antworten
Hans Eisenhauer
20. April 2015 10:52

Ich brauche eine telefonische Beratung wenn möglich sofort.
Ich stehe kurz vor der Insolenz.
H Eisenhauer

Antworten

Ich führe ein profitables Unternehmen, werde aber zu einem von mir mehr oder weniger bestimmbaren Zeitpunkt in der Zukunft Umsatzsteuerschulden im Ausland im sechsstelligen Bereich haben. Ist der Schutzschirm auch für mich geeignet?

Antworten
    Jörg Franzke
    21. Dezember 2014 15:41

    Ja, Sie sind sozusagen der Idealfall für ein Schutzschirmverfahren: Das Unternehmen arbeitet grundsätzlich profitabel, wird wegen eines einmaligen Ereignisses aber aus der Bahn geworfen.

    Antworten
Martin Exner
28. März 2014 19:05

Hallo !

Kann ich als Unternehmer nicht wirtschaftliche Verträge nur in den ersten drei Monaten des Schutzschirmverfahrens kündigen oder auch noch später ?
Können Sie für mich die Anträge stellen und mich begleiten ?

M. Exner

Antworten
    Jörg Franzke
    30. März 2014 9:13

    Hallo,

    man kann die Verträge auch noch später kündigen. Im Verfahren hat man eine Erfüllungswahl. Das heißt, man kann Dauerschuldverhältnisse kündigen und der Vertragspartner muss den Schadensersatzanspruch aus vorzeitiger Kündigung zur Insolvenzmasse anmelden.

    Selbstverständlich kann ich für Sie die Anträge stellen und Sie durch das Verfahren begleiten.

    Grüsse
    Franzke

    Antworten

Geht das Schutzschirmverfahren bei bereits abgegebene Vermögensauskunft oder nur den schritt zum Regelinsolvenz?

Antworten
    Jörg Franzke
    30. März 2014 9:23

    Hallo,

    das kleine Schutzschirmverfahren geht auf jeden Fall noch. Ist unabhängig davon, bei kleinen Unternehmen ohnehin besser geeignet, als ein großes Schutzschirmverfahren.

    Grüsse
    Franzke

    Antworten

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