Firma retten mit dem Schutzschirmverfahren und Insolvenz in Eigenverwaltung

Das Schutzschirmverfahren und die Insolvenz in Eigenverwaltung sind spezielle Insolvenzverfahren, um eine Firma zu retten. Die Unternehmenssanierung erfolgt in Eigenverwaltung und ohne Insolvenzverwalter. Am Ende des Verfahrens steht ein Schuldenschnitt. Die Gläubiger erhalten eine Quote und verzichten auf den Rest. Damit ist Ihr Unternehmen schuldenfrei und gerettet.

Was ist ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung?

  • Muss der Unternehmer feststellen, dass alle „normalen“ Sanierungsmaßnahmen wie Kosteneinsparung, neue Kredite, Umsatzsteigerung, Stundung und Ratenzahlung nicht mehr greifen, ist die Zeit reif für das Schutzschirmverfahren oder die Insolvenz in Eigenverwaltung.
  • Bevor der Betrieb endgültig entgleitet, beantragt die Geschäftsführung gerichtlichen Gläubigerschutz: Das Schutzschirmverfahren bzw. die Insolvenz in Eigenverwaltung.
  • Später im Verfahren zwingt man die Gläubiger zu einem Schuldenschnitt. Üblich sind Verzichte um 95%. Nach dem Verzicht ist die Firma schuldenfrei und der Unternehmem führt sie fort.
  • Selbst aussichtslos erscheinende Fälle bringen wir mit dem Schutzschirmverfahren wieder auf Kurs. Dauer um die Firma zu retten: ca. 10 Monate.

Rechtsanwalt Jörg Franzke: „Mit meinem Team bin ich auf Schutzschirmverfahren und Insolvenz in Eigenverwaltung spezialisiert. Erfahrung aus über 80 Verfahren. Mein Focus: Unternehmen bis 150 Mitarbeiter aus allen Branchen.“

Welche Vorteile hat das Schutzschirmverfahren?

Das Schutzschirmverfahren gemäß § 270b InsO ist ein spezielles Insolvenzverfahren. Ziel des Schutzschirmverfahrens ist es, den Geschäftsbetrieb zu erhalten und fortzuführen und nicht zu liquidieren. Um das Ziel zu erreichen, sind die insolvenzrechtlichen Eingriffe in den Unternehmensablauf möglichst minimal. Kern des Schutzschirmverfahrens ist die Eigenverwaltung.

Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung „im Amt“ bleibt und die Firma fortführt. Anstelle eines Insolvenzverwalters bestellt das Insolvenzgerichts nur einen Sachwalter. Dieser beaufsichtigt gleich einem Aufsichtsrat den Sanierungsprozess. Aber er darf sich nicht in das operative Geschäft der Geschäftsführung einmischen. So ist der ungefähre Ablauf:

 

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  • Zunächst muss das Schutzschirmverfahren bei Gericht beantragt werden. Der Antrag ist sehr aufwändig und gleicht einem Businessplan für ein Startup-Unternehmen.
  • Danach eröffnet das Insolvenzgericht das Schutzschirmverfahren. Gleichzeitig mit der Eröffnung besteht Gläubigerschutz. Das bedeutet: Die Gläubiger dürfen nicht mehr vollstrecken.
  • Die Mitarbeiter erhalten für drei Monate das Insolvenzgeld. Zahlungen auf alle Altschulden werden eingestellt. Aufgrund dieser enormen Kosteneinsparungen schießt die Liquidität nach oben.
  • Ein Teil dieser Liquidität verwenden Sie später für den Insolvenzplan. Der Insolvenzplan ist so etwas wie ein Teilzahlungsvergleich. Die Gläubiger erhalten eine machbare Quote von beispielsweise 5%.
  • Nach Annahme des Insolvenzplans und Auszahlung der Quote ist die Bilanz um die Schulden bereinigt. Das Schutzschirmverfahren wird beendet und der Betrieb wird fortgeführt.
  • Im Schutzschirmverfahren läuft der Geschäftsbetrieb normal weiter. Die Geschäftsführung führt in Eigenverwaltung die Geschäfte. Es gibt keine Einschränkungen, sondern nur eine Überwachung durch einen Sachwalter.

Unterschied Schutzschirmverfahren und Eigenverwaltung?

Insolvenz in Eigenverwaltung und Schutzschutzschirmverfahren sind eigentlich gleiche Verfahren. Einziger Unterschied: Das Schutzschirmverfahren setzt voraus, dass die Zahlungsunfähigkeit im Sinne des § 17 InsO noch nicht eingetreten ist. Die Insolvenz in Eigenverwaltung hingegen ist auch nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit noch zulässig.

Der Nachweis der Zahlungsfähigkeit ist extrem aufwändig und teuer. Wegen des Aufwandes ist das Schutzschirmverfahren nur für größere Unternehmen geeignet. Aber es entstehen keine Nachteile: Ist das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erst einmal eröffnet, entspricht der Ablauf dem Schutzschirmverfahren.

 

Wie ist der Ablauf im Schutzschirmverfahren?

 

Das Schutzschirmverfahren oder Insolvenz in Eigenverwaltung – sollte nicht länger als 10 Monate dauern, bis die Entschuldung erfolgreich ist. Das ist der ungefähre Ablauf:

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Vorbereitung, Vorteile sichern:

Bevor Sie das Schutzschirmverfahren oder die Insolvenz in Eigenverwaltung bei Gericht beantragen, bitte darauf vorbereiten. Es geht darum, sich für das Schutzschirmverfahren die strategisch bestmögliche Ausgangsposition zu verschaffen. Der Erfolg hängt davon ab, wie man in das Schutzschirmverfahren bzw. Insolvenz in Eigenverwaltung einsteigt. Zu einer guten Vorbereitung gehört die Ermittlung von Schwachstellen, die den Erfolg erschweren können. Schwachstellen kann man in der Planungsphase wirksam entgegentreten.

  • Klärung der Drittrechte
  • Sicherung der Lieferketten
  • Kommunikationsstrategie mit Kunden
  • Schwachstellenanalyse
  • Geschäftskonto neu einrichten

Sanierungsplanung:

Parallel dazu planen Sie das Schutzschirmverfahren bzw. Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie benötigen eine Unternehmensplanung, bestehend aus einer Ertrags- und Kostenplanung und einer Liquiditätsplanung. Planen Sie außerdem schon jetzt den Exit: wie kommt man mit dem Insolvenzplan wieder aus dem Verfahren. Die Sanierungsplanung ist seit dem 01.01.21 gesetzliche Pflicht. Eine Projektplanung empfehle ich ebenfalls. Beispielsweise: wer spricht wann mit den Lieferanten, wie geht man mit den Mitarbeitern um, usw.

  • Ertrags- und Kostenplanung
  • Liquiditätsplanung
  • Planbilanz
  • Vergleichsrechnung Insolvenzplan
  • Projektplan

Antrag auf Schutzschirmverfahren:

Danach beantragen wir die Insolvenz in Eigenverwaltung bzw. das Schutzschirmverfahren bei Gericht. Die Unternehmensplanung, der Projektplan und eine erste Vergleichsrechnung für den späteren Insolvenzplan stellen die wesentlichen Bestandteile des Antrages dar. Dazu kommt die Beschreibung des Sanierungsvorhabens, die Krisenursachen, die Fortführungsprognose, usw.. Schließlich das Gläubigerverzeichnis und allen anderen vorgeschriebenen Komponenten.

  • Beschreibung des Unternehmens
  • Krisenursachen
  • Sanierungsplanung
  • Fortführungsaussichten
  • Gläubigerverzeichnis

Liquidität aufbauen, Zahlung einstellen:

Weil die Antragsschrift perfekt ist, eröffnet das Insolvenzgericht das Schutzschirmverfahren und ordnet die vorläufige Eigenverwaltung an. Damit besteht Gläubigerschutz: Niemand darf vollstrecken, die Kündigungsfristen der Vermieter beginnen neu zu laufen, usw. Mit der Eröffnung beginnt eine arbeitsintensive Phase: Besprechung mit dem Sachwalter, wie er den Sanierungsprozess überwachen will, Insolvenzgeldvorfinanzierung der Arbeitnehmer, persönliche Information der Geschäftsführung an die wichtigsten Kunden und Lieferanten, Abgrenzung der Gläubigersicherheiten, Aufsetzen der Insolvenzbuchhaltung … und vieles andere mehr.

  • Insolvenzgeldvorfinanzierung
  • Zahlungen auf Altschulden einstellen
  • Nur das Notwendigste bezahlen
  • Schutzschirm bekannt geben
  • Drittrechte aussondern und absondern
  • Insolvenzbuchhaltung aufbauen
  • Reportingsystem einrichten 
  • Gläubigerausschuss und Sachwalter

Ablauf Hauptverfahren:

Das vorläufige Verfahren dauert so lange wie der Insolvenzgeld-Zeitraum, also zwischen 2 und 3 Monate. Danach eröffnet das Gericht das Hauptverfahren. Während man im vorläufigen Verfahren die Raten schwänzen darf und einfach nicht bezahlt, was es nicht mehr braucht, läuft der Betrieb im Hauptverfahren wieder unter Vollkosten. Unerwünschten Kunden und Lieferanten, die von sich aus noch nicht gekündigt haben, kündigt man jetzt fristlos. Für Arbeitnehmer und Vermieter gilt eine dreimonatige Kündigungsfrist. Parallel dazu schreibt der Sachwalter die Gläubiger an und fordert sie auf sich am Verfahren zu beteiligen, indem sie ihre Forderung zur Insolvenztabelle anmelden.

  • Nach Schonzeit wieder Vollkosten
  • Geschäftsbetrieb läuft weiter
  • Kündigung unerwünschter Verträge
  • Sozialplan und Interessenausgleich
  • Ggf. Einbindung von Investoren
  • Sachwalter führt die Insolvenztabelle
  • Anmeldeverfahren für Gläubiger
  • Jahresabschluss auf Rumpfgeschäftsjahr

Gläubigerversammlung:

Ungefähr zwei Monate später findet bei Gericht die Gläubigerverammlung statt. Dort berichtet die Geschäftsführung über den Sanierungsverlauf und den Sanierungsplan. Anschließend stimmen die Gläubiger ab, ob sie den Sanierungsplan annehmen oder den Schutzschirm stoppen und das Verfahren als reguläre Insolvenz fortführen wollen. Üblicherweise stimmen die Gläubiger für den Schutzschirm und den Sanierungsplan.

  • Sanierungsbericht an die Gläubiger
  • Gläubiger beschließen Betriebsfortführung
  • Gläubiger geben Votum für Insolvenzplan
  • Prüfungstermin der Insolvenzforderungen
  • Hochrechnung erster Gläubiger-Quoten

Insolvenzplan und Abstimmung:

Nach der erfolgreichen Gläubigerversammlung arbeiten wir einen Insolvenzplan aus. Der Insolvenzplan ist ein spezielles Vertragswerk, in dem man sich mit den Gläubigern auf eine Teilzahlung einigt, z.B. 5 %. Auf den Rest ihrer Forderung verzichten die Gläubiger. Dass sich eine Mehrheit für den Insolvenzplan finden lässt, ist wahrscheinlich: Die Gläubiger werden trotz Verzicht jedenfalls mehr Geld erhalten, als bei einer regulären Insolvenz. Und der Gesetzgeber hat die Mehrheitsfindung im Insolvenzplan erleichtert. Ist der Insolvenzplan ausgearbeitet, stimmen die Gläubiger in einem hierzu anberaumten Gerichtstermin ab. Wird der Insolvenzplan angenommen – was wahrscheinlich ist -, hat es das Unternehmen geschafft. Ergebnis: Sie bezahlen die vereinbarte Quote an die Gläubiger und dass Schutzschirmverfahrei ist erfolgreich beendet.

  • Vorbereitung des Insolvenzplans
  • Abstimmung mit Sachwalter und Gericht
  • Testen, ob Insolvenzplan mehrheitsfähig
  • Gericht bestimmt den Abstimmungstermin
  • Vollmachten pro Insolvenzplan einholen
  • Über Insolvenzplan abstimmen lassen
  • Einigung auf machbare Quote
  • Gläubiger verzichten auf den Rest

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Wir haben Rechtsanwalt Franzke erst später im Prozess konsultiert, das war definitiv ein Fehler. Vom dem Zeitpunkt der Beauftragung an kam Struktur in unseren Ablauf. Wir können Herrn Franzke nur weiterempfehlen. Vielen Dank für die professionelle Betreuung.

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Bewertung auf Proven Expert vom 09.04.2019

Insider-Tipps zur Sanierung

Das Schutzschirmverfahren und die Insolvenz in Eigenverwaltung haben das Ziel, ein vor Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bedrohtes Unternehmen mit einem Insolvenzplan zu retten. Lesen Sie meine 10 Insider-Tipps. Damit vermeiden Sie die häufigsten Fehler und Ihr Verfahren wird gelingen.

Tipp1: Von Beginn an auf die Liquidität achten

Für die Eigenverwaltung gilt das gleiche wie im normalen Leben: Ohne Moos, nichts los. Die Firma benötigt das Geld, um neue Ware oder neues Verbrauchsmaterial einzukaufen. Beispielsweise benötigt eine Spedition täglich Diesel. Eröffnet die Spedition das Verfahren in Eigenverwaltung ohne Barreserve, bleiben die Fahrzeuge mangels Diesel stehen und die Insolvenz in Eigenverwaltung wäre sofort beendet.

Zu Beginn der Eigenverwaltung darf das Geschäftskonto nicht im Minus sein. Erfährt die Bank von der Eigenverwaltung, wird sie alle Konten im Minus sofort schließen. Zahlungseingänge wird die Bank ebenso festhalten. Ohne Barreserve und ohne Zahlungseingang kommt der Geschäftsbetrieb zum Erliegen.

Die Barreserve für die ersten Tage im Schutzschirmverfahren verschafft man sich, indem es ein neues Konto eröffnet. Die Bank muss ebenfalls neu sein. Ein neues Geschäftskonto ist die allererste Maßnahme, wenn der Betrieb sich auf das Schutzschirmverfahren vorbereitet.

Jetzt wissen Sie, wie Sie eine Barreserve für das Schutzschirmverfahren anlegen. Das Schutzschirminsolvenz beantragen Sie erst, nachdem die Auftraggeber das neue Konto akzeptieren und darauf einzahlen. Vermeiden die Insolvenz ohne Barreserve.

Ein besonderes Problem für die Liquidität ist die Globalzession. Die Globalzession besichert einen Bankkredit. Um einen Kredit zu erhalten, muss der Unternehmen seine Ansprüche gegenüber seinen Kunden und Auftraggebern an die Bank abtreten. Erfährt die Bank von der Insolvenz in Eigenverwaltung, widerruft sie die erteilte Erlaubnis zum Einzug der abgetretenen Forderungen.

Tipp 2: Planen Sie, welche Lieferanten Sie ausfallen lassen

Wir sind uns einig, dass niemand gerne Lieferanten ausfallen läßt. Aber Sie befinden sich in einer Notsituation. Da ticken die Uhren anders. Planen Sie deshalb ganz nüchtern ein, welche Lieferanten Sie  noch bezahlen und welche nicht. Hierzu müssen Sie wissen, dass Sie ab Eröffnung des Schutzschirmverfahrens bzw. der Insolvenz in Eigenverwaltung keine alten Rechnungen mehr bezahlen dürfen.

Dies ist eine Grundregel der Eigenverwaltung: Es ist gesetzlich verboten Rechnungen zu bezahlen, deren Leistungszeitraum vor dem Eröffnungs-Stichtag der Insolvenz in Eigenverwaltung liegt!

Für Dauerschuldverhältnisse wie Mietverträge, Leasingverträge, usw. hat diese Grundregel kaum Bedeutung. Das Verfahren ist kein Kündigungsgrund. Vermieter, Leasinggeber, usw. stecken in den Verträgen fest und müssen sich sogar das Schwänzen einer Rate gefallen lassen. Aber für Ihre Lieferanten hat die Grundregel eine erhebliche Bedeutung.

Stellen Sie sich vor, Sie bauen wertvolle Maschinen und sind auf Spezialschrauben angewiesen, die es nur bei einem einzigen Lieferanten weltweit gibt. Vergraulen Sie diesen Lieferanten wegen eines Zahlungsausfalls, gerät Ihre gesamte Produktion in Schwierigkeiten.

Derartige Engpässe müssen wir vermeiden. Deshalb planen wir vor dem Schutzschirmverfahren bzw. Insolvenz in Eigenverwaltung, welche Lieferanten wir noch bezahlen und welchen wir einen Forderungs-Verzicht zumuten werden. Das Bezahlen derartiger lebenswichtiger Lieferanten muss die Ausnahme bleiben. Wir sammeln so viel Cash wie nur möglich.

Tipp 3: Bedenken Sie, Sachwalter sind einnehmende Wesen

Eigenverwaltung bedeutet, dass Sie das Unternehmen wie bisher selbst verwalten, unternehmerisch frei entscheiden und ebenso frei über das Geschäftskonto und die Vermögensgegenstände verfügen.

Die Einschränkung während des Schutzschirmverfahrens besteht darin, dass das Gericht eine Aufsichtsperson beistellt. Die Geschäftsführung muss dieser Aufsichtsperson in kurzen Abständen über den Sanierungsablauf berichten. Die Aufsichtsperson nennt man „Sachwalter“.

Der Sachwalter ist also ein Insolvenzverwalter mit beschränkten Rechten. Der Sachwalter besitzt im Gegensatz zu einem Insolvenzverwalter nur ein Überwachungsrecht. Das operative Geschäft ist für den Sachwalter tabu.

Sachwalter alias Insolvenzverwalter sind es gewohnt, sich massiv einzumischen und alles zu kontrollieren. Deshalb besteht im Schutzschirmverfahren die große Gefahr, dass der Sachwalter jede Gelegenheit nutzt, um sich wie ein typischer Insolvenzverwalter einzumischen.

Jede offene Frage Ihrerseits und jede noch so kleine Schwäche wird dem Sachwalter als Rechtfertigung dienen, dass Sie kein Schutzschirmverfahren können. Als Folge wird er in Ihr Tagesgeschäft eingreifen… Um die gefährliche Dynamik zu vermeiden, rate ich dazu, dem Sachwalter von Anfang an Grenzen zu setzen.

Tipp 4: Falls erforderlich gründen Sie ein zweites Unternehmen

Viele Geschäftsführer zweifeln am Erfolg des Schutzschirmverfahrens bzw. Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie befürchten, dass alle Aufträge verloren gehen. Meine Erfahrungen aus rund 80 Sanierungsfällen sind besser. Es kann sein, dass Sie Aufträge verlieren werden. Einen Totalverlust aller Aufträge habe ich aber noch nie erlebt.

Trotz aller rosa Wölkchen bin ich mir der Verlust-Gefahr bewusst. Deshalb werden wir in der Vorbereitungsphase analysieren, wie wahrscheinlich ein Auftragsverlust ist:

  • Kleine und Mittelständische Auftraggeber sowie Endkunden führen die Auftragsverhältnisse erfahrungsgemäß fort und erteilen neue Aufträge.
  • Öffentliche Auftraggeber und Konzerne könnten aufgrund ihrer Compliance-Regeln kündigen bzw. die Vergabe neuer Aufträge stoppen.

Um einen Auftragsentzug bei kritischen Auftraggebern zu vermeiden, hat sich die Gründung eines neuen Unternehmens bewährt: Die neue GmbH nimmt die Aufträge an und leitet sie nach Abzug einer Bearbeitungspauschale an die alte GmbH weiter. Die alte gmbH führt die Aufträge als Subunternehmer aus und wir sanieren es im Hintergrund.

So wie manche Auftraggeber werden sicherlich auch einige Lieferanten „zickig“ sein. Die meisten Lieferanten liefern weiter und stellen allenfalls auf Vorkasse um.

Tipp 5: Feindliche Übernahme abwehren, indem Sie sich dumm stellen

Bei der Vorbereitung eines Schutzschirmverfahrens oder Insolvenz in Eigenverwaltung werde ich stets nach der größten Gefahr gefragt, die dem Sanierungserfolg entgegen steht. „Es kommt darauf an“, wie wir Juristen sagen, aber das Auftauchen eines Investors mit feindlichen Übernahmeabsichten ist stets eine große Gefahr.

Die Gefahrenstelle hat seine Ursache in den gesetzlichen Vorschriften: So wie in der regulären Insolvenz muss die Geschäftsführung die Insolvenzmasse bestmöglich verwerten. „Bestmöglich“ im Sinne der Gläubiger, versteht sich.

Deswegen dürfen fremde Kaufofferten nicht einfach abgelehnt werden, sondern man muss diesen nachgehen und fördern. Bietet ein Käufer mehr Geld, als das Schutzschirmverfahren aus eigener Kraft und mit dem Insolvenzplans aufbringen kann, müssen die Eigentümer verkaufen.

Seine „Verkaufsbemühungen“ muss man gegenüber der Gläubigerversammlung bzw. Gläubigerausschuss dokumentieren.

Doch keine Sorge: Weil wir die Gefahr kennen, können wir ihr wirksam entgegentreten. Gegen unerwünschte Investoren gibt es wirksame Abwehrstrategien, die eine Übernahme unattraktiv machen. Bisher habe ich noch kein Schutzschirmverfahren auf diese Art verloren.

Grob fehlerhaft wäre es, wenn Sie den unerwünschten Investor von Beginn an abblocken. Verweigern Sie die Verkaufsgespräche, wird ein motivierter Investor beim Sachwalter petzen und am Ende wird Ihnen das Gericht die Eigenverwaltung entziehen.

Also bitte kein Spielverderber sein, sondern tanzen Sie auf dieser Hochzeit mit. Am Ende wird die Braut unattraktiv für etwaige Bewerber sein.

Tipp 6: Kommunizieren Sie die Eigenverwaltung von Beginn an offen

Während wir die Eigenverwaltung vorbereiten, werden wir über Frage diskutieren: „Wie sage ich es meinen Kunden?“. Viele Unternehmer haben großen Respekt sich zu outen, weil sie den Verlust ihres Ansehens samt aller Aufträge befürchten.

Verheimlichen können Sie die Insolvenz in Eigenverwaltung nicht. Die Eröffnung wird zwar nicht öffentlich bekannt gegeben. Aber das Amtsgericht wird den Übertritt in das Hauptverfahren drei Monate später veröffentlichen auf der Webseite: www.insolvenzbekanntmachungen.de. Die Suchroboter von Creditreform und Co. erfassen die Bekanntmachung und leiten sie automatisch an Kunden und Lieferanten weiter. Dann wissen alle Bescheid. Geschwätzige Mitarbeiter werden die Neuigkeiten trotz Geheimhaltungsverpflichtung blitzschnell weitergeben.

Die zweite undichte Stelle entsteht aufgrund der Mahnungen. Nach und nach werden sich unfreundliche Briefe und Telefonate häufen.

Erfahrungsgemäß ist noch keine Eigenverwaltung geheim geblieben. Früher oder später kocht die Gerüchteküche. Deshalb kontrolliert die Geschäftsführung die Kommunikation besser von Beginn an selbst. Die wichtigsten Kunden, Lieferanten und maßgebliche Gläubiger-Banken unterrichtet die Geschäftsführung persönlich. Alle anderen Beteiligten erhalten ein Rundschreiben oder eine Presseerklärung.

Tipp 7: Erstellen Sie einen Businessplan über die Sanierung

Auch wenn kaum ein Jurist eine Bilanz oder eine BWA lesen kann: mitreden wollen sie alle. Deshalb benötigen Sie eine sorgfältige Sanierungsplanung. Im Gesetz steht zwar, dass Sie einen Rechtsanspruch auf Eigenverwaltung haben. Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus.

Also werden wir bei der Antragstellung einen gewissen Widerstand erfahren. Den Widerstand überwinden wir. Bereits mit dem Antrags-Schriftsatz an das Gericht zeigen wir: „Ja, wir können Eigenverwaltung!“

Unser Können stellen wir unter Beweis, indem wir mit dem Antrag einen „Businessplan für die Eigenverwaltung“ bei Gericht einreichen. Dieser Businessplan enthält eine Erfolgs- und Liquiditätsrechnung. Die Berechnung beschreibt sowohl den Status Quo, die Krisenursachen und die zukünftige Strategie zur Beseitigung der Unternehmenskrise sowie einzelnen Sanierungsschritte.

Weil in dem ersten Gespräch mit dem Sachwalter erfahrungsgemäß die Wissenstest-Frage kommt: „Gibt es schon einen Insolvenzplan?“, bin ich dazu übergegangen, den Businessplan mit den wichtigsten Insolvenzplan-Elementen zu ergänzen.

Der Businessplan dient auch als wichtige Hilfe, die Gläubiger, Kunden und Lieferanten von dem Sanierungsvorhaben und vor allem von dem Fortbestand des Unternehmens zu überzeugen.

Tipp 8: Passen Sie den richtigen Zeitpunkt für die Eröffnung ab

Das Gelingen hängt ein Stück weit davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Gericht die Insolvenz in Eigenverwaltung eröffnet. Ich empfehle Ihnen, den Zeitpunkt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut zu planen.

Zeitplanung deshalb, damit Sie keine wichtigen Vorarbeiten verpassen, wie beispielsweise die Eröffnung eines neuen Geschäftskontos, Bezahlung existenziell wichtiger Lieferanten, Neugründung oder Aufspaltung, Insolvenzgeldvorfinanzierung, Einbeziehung wichtiger Beteiligter, Berücksichtigung bestehender Globalzessionen, usw.

Gerade beim Einstieg in das Verfahren kann viel schief gehen. Fließen die Zahlungseingänge beispielsweise aufgrund versäumter Umleitung weiter auf das überschuldete Geschäftskonto, sind diese Einkünfte bis zur Umleitung auf ein neues Konto verloren. Andererseits dürfen Sie die Zahlungsströme auf ein neues Konto auch nicht zu früh einleiten, sonst riecht die alte Geschäftsbank Lunte.

Das Ziel der Zeitplanung besteht darin, dass wir mit einem möglichst hohen Cash-Bestand in das Schutzschirmverfahren einsteigen. Je mehr Geld wir in der Kriegskasse sammeln, desto höher die Erfolgsaussichten. Der ideale Zeitpunkt für den Einstieg in das Verfahren hängt auch von der Fälligkeit der Arbeitslöhne ab.

In der Regel bilden die Arbeitslöhne den größten Kostenblock. Folglich tritt die Zahlungsunfähigkeit oft mit der Fälligkeit der Lohnzahlung ein und folglich wird man den Antrag kurz vorher stellen, also zu Monatsende.

Tipp 9: Verbünden Sie sich mit wichtigen Gläubigern

Um es vorneweg zusammenzufassen: Zu den Gläubigern, die wir brauchen, sind wir nett und die anderen Gläubiger sind uns egal. Also überlegen wir uns zu Beginn des Verfahrens, welche Gläubiger eine wichtige Position für den Sanierungserfolg innehalten und wie wir damit umgehen.

Beispielsweise könnte unter Ihren Gläubigern eine Bank sein, die das Betriebsgrundstück finanziert. Weil es unser Ziel ist, dem Unternehmen das Betriebsgrundstück zu erhalten, müssen wir die Bank dazu bringen, die Grundstücks-Finanzierung im Schutzschirm beizubehalten und nicht zu kündigen. Ein anderes Beispiel in diese Richtung wäre der Leasing-Geber, der für eine Spedition die Sattelzüge finanziert. Kündigt der Leasing-Geber die Verträge und zieht die Fahrzeuge ein, ist die Insolvenz in Eigenverwaltung gescheitert.

Also werden wir zu diesen Gläubigern besonders nett sein und sowohl deren Interessen als auch deren Machtposition in unser Sanierungskonzept einbinden. Wir werden diesen Gläubigern den finanziellen Vorteil vorrechnen, wenn sie das tun, was wir uns von ihnen wünschen.

Tipp 10: Werfen Sie unerwünschte Gesellschafter aus Ihrem Unternehmen

In vielen Fällen ist nicht nur die GmbH verschuldet, sondern auch der Unternehmer beispielsweise aufgrund von Bürgschaften. Liegt ein solcher Sachverhalt vor, wäre es sinnlos, nur das Unternehmen zu entschulden und nicht zugleich auch den Unternehmer.

Zumeist ist der Unternehmer auch der Gesellschafter der GmbH. Entschuldet man nur das Unternehmen, würde die Gläubiger-Bank des Unternehmers sich „bedanken“ und danach die Gesellschaftsanteile pfänden und verwerten. Dann haben wir nichts gekonnt.

Aus diesem Grunde nehme ich zumeist die Insolvenz in Eigenverwaltung zum Anlass, mit der Bank auch über die Entschuldung des Unternehmers eine Lösung zu finden. Das ist aber nicht einfach, die Gläubiger-Banken sind in den letzten Jahren sehr hartnäckig geworden und geben keine Zugeständnisse mehr.

Oft bleibt das private Schuldenproblem des Unternehmers schon aus Zeitgründen offen. Eine Einigung mit Banken kann sich über Jahre ziehen. Besser ist es deshalb die neuen gesetzlichen Möglichkeiten der Eigenverwaltung zu nutzen und später im Insolvenzplan die Gesellschafter-Verhältnisse neu zu ordnen. Dies kann mittels eines Kapitalschnitts erfolgen: Dann sieht der Insolvenzplan zwei Schritte vor:

  • Erster Schritt: Das Stammkapital der Gesellschaft wird auf Null gesetzt. Das bedeutet im Klartext, die Altgesellschafter sind enteignet.
  • Zweiter Schritt: Eine im Insolvenzplan bestimmte Person wird zur Einzahlung neuer Stammeinlagen zugelassen. Also wird diese bestimmte Person der neue GmbH-Gesellschafter sein, beispielsweise Ihr Ehepartner.

Nachdem der Unternehmer quasi enteignet und vermögenslos ist, lässt sich mit Gläubigern ohnehin besser verhandeln. Oder wir beantragen für den Unternehmer eine Privatinsolvenz. Kombiniert mit einem Insolvenzplan dauert die Privatinsolvenz maximal ein Jahr.

Der Kapitalschnitt ist aber auch ein unschlagbares Mittel, um unliebsame Gesellschafter loszuwerden. Mit dem Kapitalschnitt werfen Sie diese einfach aus der Gesellschaft. Der Ablauf ist der gleiche: Der Insolvenzplan setzt die alten Gesellschaftsanteile auf Null. Damit hat der unliebsame Gesellschafter alle Anteile verloren. Im zweiten Schritt bestimmt der Insolvenzplan einen neuen Gesellschafter, den natürlich Sie bestimmen.

FAQ Schutzschirmverfahren

Die häufigsten Fragen der Mandanten zum Schutzschirmverfahren und zur Insolvenz in Eigenverwaltung. Aus meiner Beratungspraxis für Sie zusammengestellt.

Wird das Unternehmen seine Aufträge aufgrund des Schutzschirmverfahrens verlieren?

Ein Auftragsverlust aufgrund des Schutzschirmverfahrens ist zwar nicht ausgeschlossen, stellt aber die Ausnahme dar. Sie können dem Auftragsentzug entgegenwirken, indem Sie als Geschäftsführer die wichtigsten Kunden in einem persönlichen Gespräch informieren. Die Kunden wissen durchaus zwischen den Folgen eines Schutzschirmverfahren und einer Regelinsolvenz zu unterscheiden. Ohnehin besteht ein gesetzliches Kündigungsrecht nicht sofort, sondern erst im Hauptverfahren. Bis dahin können Sie sich bewähren.

Mehr zum Thema: Auftragsverlust im Schutzschirmverfahren

Erhalten die Arbeitnehmer das dreimonatige Insolvenzgeld auch in der Eigenverwaltung?

Die Agentur für Arbeit gewährt das dreimonatige Insolvenzgeld für die Arbeitnehmer auch im Schutzschirmverfahren. Die Einsparung der Löhne und Gehälter aufgrund des Insolvenzgeldes stellt einen wichtigen staatlichen Sanierungsbeitrag dar. Das Insolvenzgeld gleicht die Arbeitsentgelte vollständig aus. Das heißt, die Mitarbeiter erhalten einen vollständigen Lohnersatz. Um das Insolvenzgeld kümmert sich Ihr Sanierungsberater. Er stellt die Anträge bei der Arbeitsagentur und kümmert sich um die Vorfinanzierung bei einer Bank.

Arbeitnehmer erhalten Insolvenzgeld auch im Schutzschirmverfahren

Welche Sonderrechte der Gläubiger gibt es und wie müssen diese berücksichtigt werden?

Mit Sicherheit hat auch Ihr Unternehmen mehrere Gläubiger, deren Forderung gesichert ist. Die Besicherung erfolgt per Eigentumsvorbehalt, Forderungsabtretung, Pfandrecht oder Grundschuld. Diese Gläubiger mit Absonderungsrechten können im Insolvenzplan nicht einfach mit einer Quote abgefunden werden. Sondern die Absonderungsrechte dieser Gläubiger sind besonders zu berücksichtigen. Die Rechte müssen abgegolten oder der gesicherte Gegenstand muss herausgegeben werden.

Absonderungsrecht der Gläubiger im Schutzschirmverfahren

Welche Betriebsausgaben lassen sich zur Verschlankung des Unternehmens kündigen?

Letztendlich kann man in einem Schutzschirmverfahren jeden Vertrag kündigen. Die meisten Verträge wie Leasingsvertrag oder Aufrag fristlos und Arbeitsverträge oder Mietverträge mit einer Dreimonatsfrist. Sogar von Pensionslasten darf sich das Unternehmen entschädigungslos trennen. Somit ist das Schutzschirmverfahren eine einmalige Gelegenheit, sich von überdimensionierten Betriebsausgaben radikal zu trennen. Umgekehrt darf der Vertragspartner wegen des Schutzschirms nicht kündigen.

Einsparung Betriebsausgaben im Schutzschirmverfahren

Kann man in einem Schutzschirmverfahren auch Betriebsvereinbarungen auflösen?

Das Unternehmen kann sich im Schutzschirmverfahren von Pensionszusagen, betrieblicher Altersvorsorge und sonstigen Betriebsvereinbarungen gegenüber den Arbeitnehmern lösen. Die Kündigung von Betriebsvereinbarungen erfolgt im Sozialplan und Interessenausgleich vor einer Massenentlassung. Der Betriebsrat wird angehört. Er kann die Kündigung der Betriebsvereinbarung aber nicht verhindern.

Mit dem Schutzschirm teuere Betriebsvereinbarungen auflösen

Wie lange dauert die Sanierung des Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren?

Der Gesetzgeber will, dass das Schutzschirmverfahren so kurz wie möglich dauert. Zumindest nach dem Gesetz könnte das Schutzschirmverfahren bereits nach vier Monaten vorüber und das Unternehmen schuldenfrei sein. Realistisch sind jedoch 10 Monate, weil die Gerichte sich mit der Terminierung leider viel Zeit lassen. Erfahrungsgemäß ist ein superschnelles Verfahren binnen weniger Monate gar nicht so gut für das Unternehmen. Es verbleiben viele ungeklärte Rechte, für die das Unternehmen nachhaften kann.

Schutzschirmverfahren dauert erfahrungsgemäß um die zehn Monate

Wozu benötigt das Unternehmen vor und während des Schutzschirms eine positive Fortführungsprognose?

Positive Fortführungsprognose bedeutet: Es ist hinreichend wahrscheinlich, dass das Unternehmen in den nächsten Jahren fortbesteht. Die positive Fortführungsprognose ist auch eine Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren. Das heißt, es muss hinreichend wahrscheinlich sein, dass das Unternehmen mit Hilfe der insolvenzrechtlichen Werkzeuge des Schutzschirms entschuldet und fortgeführt werden kann. Das Bestehen dieser positiven Fortführungsprognose wird während des Verfahrens stets neu überprüft.

Positive Fortführungsprognose ist Voraussetzung für den Schutzschirm

Muss die Geschäftsführung im Schutzschirmverfahren eine Gehaltskürzung akzeptieren?

Zumindest nach dem Gesetz muss der Geschäftsführer keine Gehaltskürzung hinnehmen. Er arbeitet im Schutzschirmverfahren ja weiter und dies sicherlich doppelt so hart. Aber in der Praxis besteht so mancher Sachwalter auf einer Gehaltskürzung. Eine Gehaltskürzung wird vor allem verlangt, wenn der Geschäftsführer zugleich der Gesellschafter ist. Unklug wäre es, dieser Forderung des Sachwalters zu widerprechen. Besser ist es, dass man einen tragbaren Kompromis aushandelt. Meist genügt ein geringes Entgegenkommen.

Muss der Geschäftsführer im Schutzschirm eine Gehaltskürzung hinnehmen

Welche Aufgaben und Rechte hat der Gläubigerausschuss in einem Schutzschirmverfahren?

Der Gläubigerausschuss besteht aus drei bis sieben repräsentativen Gläubigern, welcher die Gläubigerstruktur ungefähr spiegeln soll. Der Gläubigerausschuss soll das Sanierungsteam unterstützen, aber auch überwachen. Dort werden auch alle wesentlichen Entscheidungen gefällt. Der Gläubigerausschuss ist Pflicht ab einer bestimmten Unternehmensgröße. Ist ein Gläubigerausschuss vermeidbar, sollte er meines Erachtens nicht einberufen werden, weil er furchtbar nerven kann.

Die Rechte und Aufgaben des Gläubigerausschusses im Schutzschirmverfahren

Bei Vorliegen welcher ungünstigen Bedingungen kann ein Schutzschirmverfahren scheitern?

Selbstverständlich kann ein Schutzschirmverfahren auch scheitern. Ist dies der Fall, wird der Geschäftsführer die Eigenverwaltung abgeben und das Unternehmen einem Insolvenzverwalter übergeben. Die maßgebliche Ursache, dass ein Schutzschirmverfahren scheitert liegt darin, dass das Unternehmen trotz aller Betriebseinsparungen nicht zurück in die Gewinnzone kommt. Damit fehlt die positive Fortführungsprognose als Voraussetzung des Schutzschirms.

Die Umstände und Bedingungen, wann ein Schutzschirmverfahren scheitern kann

Wie erreiche ich, dass die Gläubiger am am Ende des Schutzschirmverfahrens auf ihre Forderung verzichten?

Das Schutzschirmverfahren endet mit einem Insolvenzplan. Der Insolvenzplan ist so etwas wie ein Teilzahlungsvergleich mit den Gläubigern. Nicht jeder Gläubiger muss zustimmen. Sondern eine Mehrheit im Abstimmungstermin reicht aus. Enthaltungen einzelner Gläubiger verhindern also das Zustandekommen des Insolvenzplans nicht. Mit dieser gesetzlichen Regelung ist es einfach, die erforderliche Mehrheit an Gläubigern zu erreichen. Mit einer kleinen Gläubiger-Mehrheit erzwingt man bei allen Gläubigern den Verzicht.

So erzwingen Sie mit dem Schutzschirm einen Forderungsverzicht

Wie ist der Ablauf der Gläubigerversammlung im Schutzschirmverfahren bei Gericht?

Die Gläubigerversammlung ist das höchste Entscheidungsgremium in einem Schutzschirmverfahren. Die Gläubigerversammlung entscheidet, ob die Sanierung beendet und das Unternehmen mit einem Insolvenzplan entschuldet wird oder eben nicht. Das klingt gefährlicher als es ist. Die allermeisten Gläubiger haben kein Interesse an der Wahrnehmung ihrer Rechte. Bei geschicktem Vorgehen lässt sich eine Mehrheit finden, die im Interesse des Unternehmers entscheidet.

Ablauf der gerichtlichen Gläubigerversammlung im Schutzschirmverfahren

Was beinhaltet der Sanierungsplan als Grundlage für das Schutzschirmverfahren?

Für das Schutzschirmverfahren benötigt das Unternehmen einen Sanierungsplan. Der Sanierungsplan ist Bedingung für die gerichtliche Anordnung des Schutzschirmverfahrens. Aus dem Sanierungsplan muss die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens hervorgehen. Aus der Sanierungsfähigkeit wiederum leitet sich die positive Fortführungsprognose im Schutzschirmverfahren ab. Während des Schutzschirmverfahren muss das Unternehmen beweisen können, dass eine positive Fortführungsprognose besteht.

Sanierungsplan und Sanierungskonzept im Schutzschirmverfahren

Welche Aufgaben hat der Sachwalter als Aufsichtsperson im Schutzschirmverfahren?

Im Schutzschirmverfahren saniert der Geschäftsführer zusammen mit einem Sanierungsberater das Unternehmen in Eigenverwaltung selbst. Um zu verhindern, dass das Sanierungsteam seine Macht missbraucht und die Gläubiger benachteilgt, bestellt das Gericht einen Sachwalter als Aufsichtsperson. Der Sachwalter beaufsichtigt das Schutzschirmverfahren. Vergleichbar mit dem Aufsichtsrat in einer Aktiengesellschaft hat der Sachwalter keine Eingriffsrechte, sondern seine Aufgaben bestehen nur in der Kontrolle.

Die Aufgaben des Sachwalters in der Eigenverwaltung und im Schutzschirmverfahren

FAQ Insolvenz in Eigenverwaltung

Haben Sie noch Fragen zur Insolvenz in Eigenverwaltung? Hier sind unsere FAQ und weitere hilfreiche Ressourcen.

Welche Voraussetzungen für die Sanierung müssen vorliegen?

Nach dem Gesetz hat die Insolvenz in Eigenverwaltung lediglich die Voraussetzung, dass die Eigenverwaltung durch Sie als Geschäftsführer nicht zu Nachteilen bei den Gläubigern führt.

Eine Benachteiligung der Gläubiger ist ausgeschlossen, wenn man die Sanierung  professionell durchführt. Dazu braucht der Geschäftsführer einen Spezialisten, der ihm während des gesamten Sanierungsverfahrens zur Seite steht. Das Hinzuziehen eines Spezialisten ist also die zweite Voraussetzung für die Insolvenz in Eigenverwaltung. 

Weitere Voraussetzung für die Eröffnung des Sanierungsverfahrens ist ein perfekter Antrag an das Gericht. Der Antrag muss glaubhaft machen, dass zugunsten des Unternehmens eine positive Fortführungsprognose besteht. Dazu braucht man eine Art Businessplan.

Wozu benötigt die Geschäftsführung einen Sanierungsberater?

Sie als Geschäftsführer brauchen einen Sanierungsberater, weil für den Sanierungsprozess zahlreiche Spezialgesetze gelten, die nur erfahrene Profis beherrschen. 

Der Sanierungsberater ist vergleichbar mit einem Schiffslotsen durch gefährliches Gewässer. Er führt Ihr Unternehmen durch die Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie erledigen Ihr Tagesgeschäft. Der Sanierungsberater erledigt alles, was für die erfolgreiche Insolvenz in Eigenverwaltung erforderlich ist 

Der Sanierungsberater ist ein Rechtsanwalt für Insolvenzrecht mit betriebswirtschaftlichem Fachwissen. Der Sanierungsberater übernimmt die Insolvenzgeldvorfinanzierung, das Reporting an den Sachwalter und schreibt die Berichte und den Insolvenzplan. 

Wie viel kostet die Sanierung in der Eigenverwaltung?

Die Kosten der Insolvenz in Eigenverwaltung bezahlen genau genommen die Gläubiger. Die Höhe richtet sich nach der Unternehmensgröße. Es fallen typischerweise folgende Kosten an: 

  • Beratungskosten für die Unternehmensplanung und das Antragsverfahren
  • Insolvenzgeldvorfinanzierung
  • Inventur und sonstige Gutachten
  • Kosten des Sanierungsberaters für laufende Beratung
  • Gerichtsgebühren
  • Gebühren des Sachwalters

Wie viel die Eigenverwaltung kostet, kann Ihnen als betroffener Unternehmer egal sein. Sind die Kosten für die Insolenz in Eigenverwaltung höher, erhalten die Gläubiger eine niedrigere Quote. Und umgekehrt.

Der Wert des Unternehmens, welches Sie nach erfolgreicher Sanierung zurück erhalten, bleibt hingegen stets gleich. Es ist schuldenfrei und mit einer Liquiditätsreserve zum Weitermachen ausgestattet. 

Wie muss der Insolvenzantrag auf Eigenverwaltung aufgebaut sein ?

Die Anordnung der Insolvenz in Eigenverwaltung erhält man nicht automatisch. Sondern Sie müssen das Gericht überzeugen. Begründen Sie den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung ausführlich und fügen Sie eine Sanierungsplanung anbei. 

Die Sanierungsplanung ist vergleichbar mit einem Businessplan. Am Ende der Insolvenz in Eigenverwaltung steht der Insolvenzplan. Zeigen Sie schon in der Sanierungsplanung, dass die Gleichung aufgeht und das Unternehmen mit Hilfe des Insolvenzplans zu retten ist. 

Erklären Sie dem Richter, wie Sie die Gläubigerschaft befriedigen wollen. Das offizielle Ziel der Insolvenz in Eigenverwaltung ist es, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. 

Das inoffizielle und eigentliche Ziel besteht hingegen darin, dass Sie Ihr Unternehmen entschulden und behalten. Das behalten wir aber für uns.

Darf das Gericht den Antrag auch ablehnen?

Ja, darf. Und es gibt noch nicht einmal ein Rechtsmittel gegen eine Ablehnung. 

Weil es kein Rechtsmittel gegen die Versagung der Eigenverwaltung gibt, rate ich Ihnen den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gut zu begründen. Sie haben nur einen Schuss im Lauf.

Muss das Gericht einen vorgeschlagenen Sachwalter einsetzen?

Nein, muss es nicht. Das Unternehmen besitzt lediglich ein Vorschlagsrecht. Zwar bestellen viele Gerichte den vorgeschlagenen Sachwalter. Aber ein Rechtsanspruch auf die Wunschperson besteht nicht. 

Wer der Sachwalter wird, ist aber unwichtig. Ein Sachwalter beaufsichtigt das Verfahren lediglich. In das operative Geschäft und in das Sanierungsgeschäft soll er sich nicht einmischen. Andernfalls würde sich das Sprichwort bewahrheiten: „Viele Köche verderben den Brei.“ 

Ein erfahrener Sanierungsberater versteht es, den Sachwalter auf Distanz zum Unternehmen zu halten. Der Sanierungsberater berichtet dem Sachwalter und versorgt ihn mit allen Zahlen und Informationen, die der Sachwalter für die Aufsicht braucht. Derart gut versorgt, lässt der Sachwalter den Geschäftsführer weitgehend in Ruhe.

Ist die Eigenverwaltung auch für Einzelunternehmer zulässig?

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist auch für Freiberufler und Gewerbetreibende zulässig. 

Der Gesetzgeber macht keinen Unterschied zwischen einer GmbH und einem Einzelunternehmen. Das Verfahren die Insolvenz in Eigenverwaltung ist bei allen Rechtsformen gleich. 

Ab welcher Betriebsgröße eignet sich eine Eigeninsolvenz?

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist aber erst ab einer gewissen Unternehmensgröße sinnvoll. Ein paar Mitarbeiter zum Vorfinanzieren des Insolvenzgeldes sollten schon vorhanden sein. 

Die Eigenverwaltung kostet Geld. Ist das Unternehmen so klein, dass es diese Kosten nicht erwirtschaftet, lässt man die Eigenverwaltung besser sein. 

Für derartige Fälle gibt es bessere Sanierungsverfahren, um wieder schuldenfrei zu sein. 

Welcher Unterschied besteht zwischen der Eigeninsolvenz und der Regelinsolvenz?

Auch die Eigeninsolvenz ist ein Insolvenzverfahren. Der Unterschied besteht in der Eigenverwaltung. Das bedeutet bedeutet, dass der Geschäftsführer das Unternehmen auch während der Sanierung eigenverantwortlich führt. 

Die Macht über das Unternehmen wird also nicht einem Insolvenzverwalter übertragen. Sondern die Macht bleibt bei dem Geschäftsführer.

Dieser kleine Unterschied reicht aus, um verschiedene Ergebnisse zu herbeizuführen: In der Regelinsolvenz wird der Insolvenzverwalter das Unternehmen gerne abwickeln oder verkaufen. Das ist einfacher und besser bezahlt. In der Insolvenz in Eigenverwaltung hingegen will der Geschäftsführer das Unternehmen erhalten. 

Kann das Gericht die Eigenverwaltung wieder entziehen?

Bei der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung berechtigt, das Unternehmen eigenständig fortzuführen. Sie darf die Insolvenzmasse verwalten. 

Damit sie nichts falsch macht, beaufsichtigt sie ein vom Gericht bestellter Sachwalter. Stellt dieser fest, dass das Unternehmen die Interessen einzelner oder aller Gläubiger verletzt oder verletzen könnte, muss er dies bei Gericht und bei den Gläubigern anzeigen. 

Die Gläubiger können dann für sich entscheiden, ob sie einen Antrag auf Aufhebung der Eigenverwaltung bei Gericht stellen oder nicht. Zumindest in der Phase der vorläufigen Eigenverwaltung würde der Aufhebungsantrag eines Gläubigers mit einer großen Forderung schnell zur Aufhebung der Eigenverwaltung führen.

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