Übertragende Sanierung

Übertragende Sanierung bedeutet: Das alte Unternehmen wird in einer neuen Hülle fortgeführt. Die übertragene Sanierung ist der Klassiker im Insolvenzrecht, als es noch kein Schutzschirmverfahren gab.

Die übertragende Sanierung funktioniert wie folgt: Der Insolvenzverwalter verkauft das Unternehmen im Ganzen an einen Investor, vorzugsweise an den Unternehmer selbst oder falls dieser selbst pleite ist, an ein Familienmitglied.

Vorteil der übertragenden Sanierung

Der Vorteil der übertragenden Sanierung gegenüber dem Schutzschirmverfahren besteht darin, dass die übertragende Sanierung ein wenig schneller ablaufen kann und das neue Unternehmen keine Bonität-Schwierigkeiten hat.

Aber die Nachteile überwiegen

Dennoch überwiegen die Nachteile. Das neue Unternehmen muss jeden Vertrag mit Dritten wie Mietvertrag neu abschließen. Kunden und Lieferanten springen ab, weil die übertragende Sanierung die Kontinuität unterbricht.

Oft fehlt der Unternehmerfamilie das Geld, das alte Unternehmen vom Insolvenzverwalter abzukaufen. Der Investor muss zunächst das Kapital für die Neugründung einer GmbH aufbringen. Dann muss er dem Insolvenzverwalter einen Kaufpreis bezahlen und schließlich benötigt die neue Gesellschaft eine Kapitalausstattung, um den Geschäftsbetrieb anzuschieben.

Diesen Investitionsaufwand kann sich kaum ein Unternehmer nach gescheiterter Selbständigkeit leisten. Im Schutzschirmverfahren hingegen muss der Unternehmer nichts abkaufen und er behält eine Liquiditätsreserve, mit der er weiter wirtschaften kann.

Übertragende Sanierung ist Insolvenzverwalters Liebling

Die übertragende Sanierung ist der Liebling aller Insolvenzverwalter, weil er damit am wenigsten Verantwortung hat, am meisten Geld verdient und die wenigste Arbeit hat. Deshalb wird fast jeder Insolvenzverwalter zwangsläufig von einem Schutzschirmverfahren abraten und eine übertragende Sanierung empfehlen. Nehmen Sie sich vor dem guten Zureden des Insolvenzverwalters also in Acht.

Gleichwohl kann die übertragende Sanierung in bestimmten Fallgruppen für den Unternehmer geeigneter sein, als ein Schutzschirmverfahren. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn der Großkunde kategorisch ausschließt, mit einem insolventen Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Erweist die Sanierungsplanung die Übertragende Sanierung als geeignetstes Mittel, sollte ebenfalls wie bei einem Schutzschirmverfahren die Eigenverwaltung beantragt werden. Damit behält die Geschäftsführung die Kontrolle, erspart ihr Ohnmachtsgefühle und viel Ärger.

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