Ein Wendepunkt in der Krise: Erfolgreiche Sanierung eines Berliner Behindertenfahrdienstes durch Insolvenz in Eigenverwaltung

In der heutigen Zeit, in der Unternehmen auf unvorhersehbare Herausforderungen stoßen, ist es umso inspirierender, Erfolgsgeschichten wie die des Berliner Behindertenfahrdienstes zu erleben. Als Sanierungsexperte für Insolvenz in Eigenverwaltung hatte ich die Gelegenheit, dieses Unternehmen durch eine schwierige Phase zu führen. Dieser Fall zeigt, wie strategisches Denken und fachkundige Beratung ein Unternehmen nicht nur retten, sondern es auch stärker und resilienter machen können.
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Der Fall

Die Firma bietet einen spezialisierten Behindertenfahrdienst in Berlin und Umgebung an, der sich an Menschen richtet, die aufgrund von Behinderungen oder Krankheiten in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ziel des Unternehmens ist es, diese Personen sicher und komfortabel zu wichtigen Zielen wie Arbeit, Ausbildung, Tagespflege oder Arztbesuchen zu befördern. Die Fahrzeuge sind modern ausgestattet und können bis zu vier Rollstühle gleichzeitig transportieren, was einen umfassenden und barrierefreien Service ermöglicht.

Die Kosten für den Fahrdienst werden direkt mit den zuständigen Behörden oder Krankenkassen abgerechnet, was den Kunden die Sorge um Abrechnungsformalitäten abnimmt. Das Unternehmen beschäftigt 18 engagierte Mitarbeiter, darunter 13 Fahrer, meist in Teilzeit mit 20 Wochenstunden im Bereich Behindertentransport.

Krisenursachen

Die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens resultierte aus einer unternehmerischen Fehleinschätzung. Ende 2021 mietete das Unternehmen eine Kfz-Werkstatt mit dem Ziel, die beträchtlichen Reparaturkosten für den Fuhrpark zu senken. Der Plan war, die Fahrzeuge des Unternehmens in der eigenen Werkstatt zu reparieren, was zunächst wie ein kostensparender Schritt aussah. Die Betriebskosten der Werkstatt sollten durch die Annahme von Reparaturaufträgen für externe Fahrzeuge gedeckt werden.

Allerdings wurde nicht bedacht, dass ein Teilbetrieb wie eine Kfz-Werkstatt stetige Überwachung und fachkundige Führung benötigt. Da das Unternehmen stark in das Tagesgeschäft des Behindertentransports eingebunden war, fehlte es an der erforderlichen Kontrolle und Überwachung des Werkstattpersonals. Zudem war das Management fachfremd und verfügte über keine Erfahrung in der Autoreparatur. Ende 2022 zeigte sich, dass die beiden Mitarbeiter, denen die Leitung der Werkstatt hauptsächlich übertragen worden war, kaufmännisch und organisatorisch nicht in der Lage waren, eine Werkstatt dieser Größenordnung profitabel zu führen.

Eine Kombination aus Führungsschwäche, Vernachlässigung und Überforderung der leitenden Mitarbeiter führte zu Unzufriedenheit im Team und beeinträchtigte die Produktivität erheblich. Die Werkstatt war von Anfang an unrentabel und musste mit Mitteln aus dem Kerngeschäft unterstützt werden. Dieses Vorgehen hielt das Unternehmen ein Jahr lang aufrecht, was beachtlich ist, da einem Behindertentransportdienst üblicherweise keine hohen Einnahmen zustehen.

Nachdem auch die privaten Ersparnisse aufgebraucht waren, entschied sich das Unternehmen, die Werkstatt aufzugeben. Die finanziellen Belastungen aus langfristigen Verbindlichkeiten, wie dem Mietvertrag, den Leasingverträgen für Werkstattmaschinen und den Arbeitsverhältnissen, konnten nicht länger getragen werden. 

Sanierung in der Eigenverwaltung

Das Unternehmen reagierte auf die Krise, indem es sich sich von der unrentablen Kfz-Werkstatt trennte und sich wieder auf den Kernbereich des Fahrdienstes konzentrierte. Diese Entscheidung führte zu einer teuren und streitigen Abwicklung der Werkstatt. Nachdem die Werkstatt abgewickelt hat, konnte sich das Unternehmen während der Insolvenz in Eigenverwaltung finanziell erholen. Die Sanierung in der Eigenverwaltung umfasste mehrere Schlüsselbereiche:

Restrukturierung der Finanzen: Durch Verhandlungen mit Gläubigern gelang es, die Schuldenlast signifikant zu reduzieren und zugleich die Liquidität des Unternehmens zu sichern.

Optimierung der Betriebsabläufe: Durch die Einführung effizienterer Prozesse und die Anpassung der Betriebsstruktur konnten Kosten gesenkt und die Produktivität gesteigert werden.

Neuausrichtung des Geschäftsmodells: Um zukunftsfähig zu bleiben, wurde das Geschäftsmodell angepasst und wiederum ausschließlich auf den Behindertentransport ausgerichtet, entsprechend der seit Jahrzehnten bestehenden Kernkompetenz der Geschäftsführung.

Nachdem diese Maßnahmen durchgeführt waren, habe ich den Behindertentransport mithile eines Insolvenzplans vollständig entschuldet. Ohne Altlasten wird das Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen. 

Ergebnis

Die Insolvenz in Eigenverwaltung erwies sich als entscheidender Schritt zur Rettung und Neuausrichtung des Behindertenfahrdienstes. Durch die Fortführung des Betriebs unter Eigenverwaltung konnte das Vertrauen der Geschäftspartner und Mitarbeiter erhalten bleiben, was für die Stabilisierung des Unternehmens unerlässlich war. Das Ergebnis ist nicht nur eine wirtschaftlich gesündere Organisation, sondern auch ein Unternehmen, das seine Dienste effizienter und nachhaltiger erbringt. Diese Sanierung demonstriert eindrucksvoll, wie ein gezieltes Krisenmanagement und eine umsichtige Entscheidungsfindung in der Insolvenz in Eigenverwaltung eine bessere Quote für die Gläubiger sichern und gleichzeitig Arbeitsplätze und wichtige soziale Dienstleistungen erhalten können.

  • Schuldenverzicht 94% 94%
  • Quote des Restrukturierungsplans 6% 6%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 95% 95%
Rechtsanwalt Jörg Franzke ist Anwalt für Insolvenzrecht

Rechtsanwalt Jörg Franzke Berlin
Anwalt für Insolvenzrecht, Spezialist für:

  • Unternehmenssanierung
  • Eigenverwaltung, Schutzschirm, Restrukturierung
  • 1-jährige Planinsolvenz für Privatpersonen

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