Erfolgreiche Sanierung eines Personaldienstleisters im Rahmen der Insolvenz in Eigenverwaltung
Ein bundesweit tätiges Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassung und Personalvermittlung mit Schwerpunkt Lager und Logistik befand sich infolge gravierender Managementdefizite, fehlender kaufmännischer Kontrolle sowie erheblicher Liquiditätsprobleme in einer existenzbedrohenden Krise. Das Unternehmen wurde im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung saniert. Die Sanierung erfolgte unter meiner Beratung und Begleitung als Sanierungsberater.
Ausgangslage
Das Geschäftsmodell der Schuldnerin beruhte auf der Rekrutierung und Überlassung von Mitarbeitenden an Kundenunternehmen sowie auf der Direktvermittlung von Fachkräften. Der Markt war geprägt durch intensiven Wettbewerb mit internationalen Großanbietern sowie durch den zunehmenden Einsatz digitaler Plattformlösungen.
Trotz grundsätzlich tragfähigen Geschäftsmodells führten strukturelle Defizite im Forderungsmanagement, unzureichendes Controlling sowie pflichtwidriges Verhalten des früheren Geschäftsführers zu erheblichen Verlusten und einer nachhaltigen Liquiditätsverschlechterung.
Insbesondere die fehlende Überwachung offener Posten und Rückbelastungen aus dem Factoring belasteten die Liquidität erheblich. Ein deutlicher Umsatzrückgang im zweiten Quartal 2024 sowie das insgesamt angespannte Marktumfeld in der Zeitarbeitsbranche verschärften die Krise zusätzlich.
Sanierungsansatz
Nach Abberufung des bisherigen Geschäftsführers und Bestellung einer neuen Geschäftsführung wurde unter dem Schutz der Eigenverwaltung ein umfassendes Sanierungs- und Restrukturierungskonzept entwickelt und umgesetzt. Ziel war die nachhaltige Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit und der wirtschaftlichen Bestandsfähigkeit des Unternehmens.
Der Sanierungsansatz umfasste insbesondere:
• die Schließung dauerhaft unrentabler Niederlassungen,
• die Konzentration auf wirtschaftlich tragfähige Standorte,
• die operative und personelle Reorganisation der verbleibenden Niederlassungen,
• den konsequenten Ausbau des Controllings mit wöchentlichem Reporting und zentraler Auswertung,
• die Neuausrichtung der Führungs- und Verantwortungsstrukturen,
• den Abbau administrativer Überkapazitäten,
• die Einführung verbindlicher Kosten- und Freigabeprozesse,
• sowie einen umfassenden Digitalisierungsschub in Vertragswesen, Abrechnung und Administration.
Die Steuerung des Unternehmens erfolgt seither auf Basis tagesaktueller Kennzahlen mit klarer Ergebnisverantwortung.
Ergebnis
Der erarbeitete Insolvenzplan wurde im Abstimmungstermin am 07.01.2026 von den Gläubigern einstimmig angenommen. Die Planquote beträgt 2,5 % bei Gesamtverbindlichkeiten von rund 6 Mio. EUR.
Das Unternehmen ist heute operativ stabil aufgestellt, verfügt über transparente Strukturen und ist für den Wettbewerb nachhaltig positioniert.
Ergebnisse der Restrukturierung
- Erfolgreiche Sanierung des Unternehmens, Quote bei 2,5 %.
- Einstimmige Annahme des Insolvenzplans
- Entschuldung von 6 Mio. €
- Ausschluss eines unerwünschten Gesellschafters
- Schuldenverzicht 97,5%
- Quote des Insolvenzplans 2,5%
- Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 99%
Rechtsanwalt Jörg Franzke Berlin
Anwalt für Insolvenzrecht, Spezialist für:
- Unternehmenssanierung
- Eigenverwaltung, Schutzschirm, Restrukturierung
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