Privatinsolvenz und Auto

Viele besitzen noch ein altes Auto oder Motarrad und fragen, wie es sich mit Privatinsolvenz und Auto verhält.

Grundsätzlich fällt das Auto des Schuldners in die Insolvenzmasse und ist zu verwerten.

Etwas anderes gilt, wenn das Auto für die Ausübung des Berufs benötigt wird. Beispielsweise darf ein Schichtarbeiter, der den Arbeitsplatz nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann, das Auto behalten, weil er andernfalls den Arbeitsplatz verliert.

Damit Ihnen der Insolvenzverwalter glaubt, dass Sie das Auto zur Berufsausübung benötigen, holen Sie sich eine schriftliche Bestätigung vom Arbeitgeber. Das Bestätigungsschreiben fügen wir gleich dem Insolvenzantrag bei, das verhindert Begehrlichkeiten.

Menschen mit Schwerbeschädigtenausweis haben nicht automatisch ein Recht auf ihr Auto. Ist der Insolvenzverwalter “doof” und will er Ihnen das Auto streitig machen, muss das Gericht feststellen, ob die Wegnahme berechtigt ist. Ein kompliziertes Verfahren, Ausgang ungewiss.

Will der Schuldner das Auto behalten, kann er dem Insolvenzverwalter abkaufen. Damit der Kaufpreis so gering wie möglich wird, verrate ich Ihnen folgenden Trick:

Lassen Sie sich anstelle eines teuren Wertgutachtens von zwei befreundeten KfZ-Werkstätten zwei Kaufangebote ausstellen, zu einem möglichst niedrigen Preis.

In der Regel akzeptieren die Insolvenzverwalter diese Kaufangebote anstelle eines Wertgutachtens und geben sich mit dem genannten Ankaufspreis zufrieden.

Möglich ist es, dass ein Freund des Schuldners ein / das Auto kauft und ihn damit fahren lässt. Der Schuldner darf die Kraftfahrzeugversicherung auf seinen Namen laufen lassen.

Auf die Anschaffung eines neuen (gebrauchten) Autos während des eigentlichen Insolvenzverfahrens sollte man ebenfalls verzichten. Diese Anschaffung gilt “Neuerwerb” und kann von dem Insolvenzverwalter eingezogen werden.

Erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens, also in der Wohlverhaltensperiode, ist die Neuanschaffung eines Fahrzeuges wieder risikolos.

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Sehr geehrter Herr Franzke, ich bin seit Juli 2014 in der Privatinsolvenz.
Das Jobcenter hat mir einen 20 J. alten PKW (derzeit TÜV abgelaufen; 250 Tkm; div. Rep. nötig) finanziert. Ich benötigte den PKW für den damaligen Job (Kündigung in Probezeit wegen Gehaltspfändung), jetzt zur Jobsuche/Bewerbung im Pflegedienst. Ohne PKW finde ich keine Arbeit und kann durch das Jobcenter nicht mehr vermittelt werden. Der Insolvenzverwalter teilte mir mit, das der PKW dem Insolvenzbeschlag unterliegt und ich diesen dem Insolvenzverwalter auszuhändigen habe (ich soll ihn hinbringen inkl. Papiere und Schlüssel…) Kann ich mich dagegen nicht wehren? Wie soll ich jemals wieder einen Job finden und meine Schulden tilgen?

Mit frdl. Grüßen

Antworten
    Jörg Franzke
    27. Dezember 2014 22:57

    Das ist leider so und nicht zu ändern. Sie können dem Insolvenzverwalter aber das Auto abkaufen. Holen Sie sich hierzu zwei Kaufangebote. Wie das geht, habe ich auf meiner Webseite ausführlich beschrieben.

    Antworten

Guten Tag,

Sehr geehrter Herr Franzke,

Ich hab ein Problem und zwar meine kfz Versicherung hat mir gekündigt weil ich zu spät meine Versicherung gezahlt habe im grunde ist es eigene schuld. Ich bin auf ein auto angewiesen und brauche so schnell wie möglich eine neue kfz Versicherung aber jeder Anbieter weist mich zurück. Gibt es andere Möglichkeiten ich hab zwei kleine Kinder und muss jedes mal fahren.
Mit freundlichen Grüßen

Knoll

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