Coronavirus: Kurzarbeitergeld Liquiditätshilfen für Berliner Unternehmen

Coronavirus: Kurzarbeitergeld Liquiditätshilfen für Berliner Unternehmen

Unversehrt durch die Corona-Krise – Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen für Berliner Unternehmen

Längst hat das Coronavirus auch die deutsche Wirtschaft infiziert. Zum Glück lässt die Koalition Unternehmer nicht auf ihren finanziellen Einbußen sitzen. Mit Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen will die Regierung Berliner Firmen vor der Insolvenz schützen.

Erfahrungen & Bewertungen zu Rechtsanwalt Jörg Franzke

Neuerungen zum Kurzarbeitergeld

Nach siebenstündigen Beratungen beschließt der Koalitionsausschuss, Berliner Firmen die Auszahlung von Kurzarbeitergeld zu vereinfachen. Unternehmen sollen nicht nur schneller, sondern auch länger Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen können. Muss ein Unternehmen Mitarbeiter vorerst in Kurzarbeit entlassen, kommt die Bundesagentur für Arbeit künftig für 60 % des entgangenen Nettolohns auf. So lassen sich Kündigungen umgehen. Nebenbei bekommt der Arbeitgeber die Sozialbeiträge für die entgangenen Arbeitsstunden in vollem Umfang erstattet. Bei Verhandlungen Ende Januar hatte sich die Koalition zunächst auf eine Erstattung von 50 % der Sozialversicherungsbeiträge geeinigt.

Eine weitere Neuerung: Können nur 10 % der Belegschaft ihrer Tätigkeit aufgrund der Corona-Krise nicht weiter nachgehen, steht dem Unternehmen bereits Kurarbeitergeld zu. Zuvor waren die Maßnahmen erst ab einem Ausfall von einem Drittel der Belegschaft geplant.

Auch Verlängerungen sind möglich: Schon Ende Januar hatte die Koalition entschieden, Kurarbeitergeld einfacher von 12 auf 24 Monate ausdehnen zu können.

Voraussetzung für den Antrag auf Kurzarbeitergeld ist, dass die regulären Arbeitszeiten der Mitarbeiter vorübergehend verkürzt werden. Können zum Beispiel Lieferungen aufgrund von Corona derzeit nicht ausgeführt werden und muss daher die Arbeitszeit der Belegschaft reduziert werden, hat der betroffene Konzern Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Liquiditätshilfe für Unternehmen gegen drohende Zahlungsunfähigkeit

Berlin plant Überbrückungskredite von bis zu 100 Millionen Euro, die die Investitionsbank Berlin (IBB) zur Verfügung stellen will. Speziell stark von der Corona-Krise betroffene Branchen wie Gastronomie, Tourismus, Einzelhandel, Gaststätten, Hotellerie und Kulturbetriebe wie Clubs und Bars sollen von den geplanten Hilfsmaßnahmen profitieren. Das Besondere: Bürgschaften und Kredite in prinzipiell unbegrenzter Höhe sollen Firmen vor einer drohenden Zahlungsunfähigkeit bewahren. Für die Vergabe der finanziellen Hilfen ist die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zuständig.

Auch mit Steuervorteilen will Berlin betroffene Unternehmen entlasten. Zum einen soll angeschlagenen Unternehmen die Steuerschuld erleichtert werden. Zum anderen will die Finanzverwaltung bis Ende 2020 von Säumniszuschlägen sowie Vollstreckungsmaßnahmen absehen. Zugleich setzt die Regierung angepasste Steuervorauszahlungen als Liquiditätshilfe an.

Wann müssen Firmen einen Insolvenzantrag stellen?

Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig, muss die Geschäftsführung innerhalb kürzester Zeit Insolvenz anmelden. Maximal drei Wochen darf der Insolvenzantrag brauchen. Wer die Drei-Wochen-Frist nicht einhält, muss mit rechtlichen Schritten rechnen.

Die Bundesregierung stellt Firmen zwar Liquiditätshilfen in Aussicht, bis die finanzielle Unterstützung aber endgültig ankommt, können mehrere Wochen vergehen. Für so manchen stark betroffenen Unternehmen könnte die Hilfe zu spät kommen. So spricht sich das Bundesjustizministerium für eine neue Regelung aus, die Firmen in dieser Ausnahmesituation vorübergehend von ihrer Insolvenzantragspflicht freistellt.

Laut Justizministerin Christine Lambrecht soll kein Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, weil die Unterstützung der Bundesregierung nicht rechtzeitig ankommt. Die herkömmliche Drei-Wochen-Frist sei in Zeiten von Corona nicht mehr ausreichend. Unternehmer brauchen mehr Zeit. Allerdings gilt die Aussetzung nicht für alle Unternehmen. Lediglich diejenigen, die nachweislich wegen Corona in finanzielle Schieflage geraten sind, haben Anspruch auf die Erleichterungen. Zunächst sollen die Änderungen bis Ende September 2020 gelten. Bei Bedarf können sie jedoch bis März 2021 verlängert werden.

Zudem ist ein Corona-Schutzschirm geplant. Sprich: Firmen kommen leichter in das Schutzschirmverfahren. Sie bekommen im Schutzschirmverfahren bzw. Insolvenz in Eigenverwaltung eine Verschnaufpause von ihren finanziellen Verpflichtungen wie zum Beispiel von laufenden Darlehen.

An wen können sich betroffene Unternehmen wenden?

Da die KfW keine eigenen Filialen besitzt, wenden sich Antragsteller zunächst an ihre Hausbank. Auch Finanzierungspartner der KfW wie Geschäftsbanken sowie Volks- und Raiffeisenbanken gehören zu den Ansprechpartnern. Sie gehen den Antrag durch und geben ihn nach eingehender Prüfung an die KfW weiter.

Wer kann einen Antrag stellen?

Ob Mittelständer, Kleinunternehmen, Selbstständige oder Freiberufler – prinzipiell kann jeder einen Antrag beim KfW stellen. Als Reaktion auf die Corona-Krise hat das KfW bereits drei Standardprogramme erweitert. Zwei davon kümmern sich um Firmen, die bereits seit fünf Jahren aktiv sind. Eines widmet sich speziell jüngeren Firmen.

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Schutzschirm rettet Konzerntochter und zugleich die Konzernmutter

Schutzschirm rettet Konzerntochter und zugleich die Konzernmutter

Schutzschirmverfahren saniert Unternehmensgruppe 

Per Schutzschirmverfahren entschuldeten wir die L GmbH mit einer Quote von 3%. Die mithaftende Eigentümerin der Unternehmensgruppe habe ich mit einer Abfindungsvereinbarung aus der Haftung bekommen.

Der Fall

Die L GmbH betreibt als eigenständige Vertriebsgesellschaft deutschlandweit mehrere Ladengeschäfte, in welchen sie die Erzeugnisse eines bekannten deutschen Modelabels verkauft. Hierzu mietet die Laureus GmbH gleich einem Tankstellenbetreiber die Ladengeschäfte an und stellt das Verkaufspersonal. Die Ware des Modelabels verkauft die Laureus GmbH in dessen Namen und Rechnung.

Eine Unternehmerin wird wieder mal gerettet und zwar von mir weil ich so toll bin

Insolvenzursache

In die Krise geriet die L. GmbH aufgrund der allgemeinn rückläufigen Tendenz im Mode-Einzelhandel und Übersättigung des Marktes. Die Laureus GmbH schaffte es zunächst, sich außerhalb des Schutzschirms von ursprünglich 23 von ihr betriebenen Filialen auf 10 Filialen herunterzuschrumpfen, musste aber dennoch unter dem Schutzschirm. Die L. GmbH ist eine Ausgründung aus dem vorgenannten Modelabel vor ca. 3 Jahren. Beide Unternehmen befinden sich im Besitz einer Unternehmer-Familie. Aus diesem Grunde bestand das Risiko, dass das Modelabel als ursprüngliche Konzernmutter für die Verbindlichkeiten der L. GmbH haftete.

Sanierungskonzept

Tatsächlich stellte der Sachwalter in seinem Eröffnungsgutachten erhebliche Konzern- und Anfechtungsansprüche in Höhe von ca. 3.5 Mio Euro gegen die Konzernmutter fest.

Um die Insolvenz des Modelabels aufgrund dieser Haftungsansprüche zu vermeiden, gingen wir folgendermaßen vor: Wir erstellten ein Gutachten, wie hoch die Ausschütung an die Laureus GmbH im Insolvenzfall der Konzernmutter wäre. Diesen Geldbetrag boten wir als Abfindung den Gläubigern der Laureus GmbH an und ließen die Gläubiger in einem hierzu einberufenen gerichtlichen Abstimmungstermin darüber entscheiden.

Wie zu erwarten, interessierte sich kein Gläubiger für diesen Termin. Mit wenigen von uns organisierten zustimmenden Gläubigern erhielten wir die erforderliche Mehrheit zu unserem Vergleichsangebot. Das Modelabel war gerettet. Anstelle von ca. 3.5 Mio Euro hatte das Modelabel nur wenige zehntausend Euro an die Laureus GmbH zu leisten.

Auf der Grundlage der Abfindungsvereinbarung entschuldeten wir die L GmbH schließlich per Insolvenzplan. Die L. GmbH leistete eine Quote an die Gläubiger in Höhe von 3,06 %. Beide Unternehmen sind damit gerettet.

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Höhe der Verschuldung vor Schutzschirmverfahren: 15.435.600 €
  • Einigung mit Gläubigern im
  • Insolvenzplan auf Quote 0,93 %
  • Verfahrensdauer 13 Monate
  • Schuldenverzicht 99% 99%
  • Quote des Insolvenzplans 1% 1%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 35% 35%
Aktiengesellschaft um 6 Mio. € entschuldet

Aktiengesellschaft um 6 Mio. € entschuldet

Aktiengesellschaft mit Schutzschirm um 6 Mio. € entschuldet

Die Gläubigerversammlung hat nach erfolgreicher Schutzschirm-Insolvenz meinem Insolvenzplan zugestimmt. Die Aktiengesellschaft ist entschuldet und wird fortgeführt. Auch die Gläubiger gewinnen mit 10% Quote.

Der Fall

Das Unternehmen ist ein Dienstleister für Technische Dokumentation und Informationsmanagement. Es sind derzeit 85 Mitarbeiter angestellt, verteilt auf fünf bundesweite Filialen. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 1999. Es expandierte zunächst sehr erfolgreich. Höhepunkt war das Jahr 2008 mit 370 Mitarbeitern und 30 Mio € Umsatz.

Insolvenzursache

Aufgrund von Einsparungsrunden bei den Hauptauftraggebern brach der Umsatz jährlich um rund 3 Mio € ein. Das Unternehmen versuchte den Umsatzverlust aufzufangen:

  • Verkleinerung des Geschäftsbetriebes.
  • neue Kunden und Geschäftsfelder weg von Konzernen, hin zu Mittelstand.
  • Suche nach Investoren und Verkauf des eigenen Geschäftsbetriebes.

Aber die Abwärtsspirale war nicht aufzuhalten. Die Umsatzverluste verschlechtern das Bonitätsrating und das Unternehmen musste mittels Fremdfinanzierung und zu hoher Zinsbelastung eigene Aktien zurückkaufen. Nachdem ein letzter Verkaufsprozess geplatzt war, musste das Unternehmen auf Druck der maßgeblichen Gläubiger-Bank ein IDW S6 Gutachten erstellen lassen. Das Gutachten kam aufgrund hoher Schuldenlast zu negativer Fortführungsprognose. Schließlich kündigte die Gläubiger-Bank die Kredite. Mit Datum vom 18.11.15 stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gem. § 270 a InsO (= kleines Schutzschirmverfahren). Das Gericht entsprach meinem Antrag und eröffnete am gleichen Tag das Sanierungsverfahren.

Sanierungskonzept

Im ca. dreimonatigen Vorverfahren haben wir folgende, für Schutzschirm-Sanierungen typische Maßnahmen ergriffen:

  • Einrichtung eines Berichtswesens und Controlling gegenüber der gerichtlich bestellten Aufsichtsperson (=Sachwalter).
  • Beschaffung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter.
  • Inventur des Anlage- und Umlaufvermögens.
  • Maßnahmen zur Verschlankung und Kosteneinsparung, z.B Kündigung aller unrentablen Verträge mit Lieferanten und Auftraggebern.
  • Klärung von Drittrechten insbesondere am Warenbestand, am Anlagevermögen und an den Forderungen des Unternehmens gegenüber seinen Kunden (=Globalzession) und Abschluss von Verwertungs- und Nutzungsvereinbarungen.
  • Ständige Kommunikation mit den wichtigsten Gläubigern und Auftraggebern, um diese bei Laune zu halten und von den Vorteilen der Sanierung zu überzeugen.

Planungsgemäß eröffnete das Gericht das Hauptverfahren zum 01.02.16. Dort wurde die wie folgt Sanierung fortgeführt:

  • Prüfung etwaiger Haftungsansprüche gegen Vorstand und Aufsichtsrat.
  • Offiziell: Suche nach Investoren, inoffiziell: Abwehr etwaiger Kauf- bzw. Übernahmeangebote unerwünschter Konkurrenten.
  • Kündigung von Mitarbeitern, Sozialplan, Interessenausgleich.
  • Beschaffung von Mehrheiten in der Gläubigerschaft für die anstehende Gläubigerversammlung.

Die Gläubigerversammlung fand am 26.04.16 statt. Diese entschied, das Unternehmen nicht zu liquidieren, sondern fortzuführen und zu retten. Zur Durchführung beauftragte die Gläubigerversammlung das Unternehmen einen Insolvenzplan auszuarbeiten und zur Abstimmung vorzulegen. Gesagt, getan. Der Abstimmungstermin über den Insolvenzplan fand am 25.07.16 statt. Die Gläubiger stimmten ohne Gegenstimme für den Insolvenzplan.<

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Feindliche Übernahmeversuche wurden abgewehrt
  • Höhe der Verschuldung vor Schutzschirmverfahren: 6.435.600 €
  • Einigung mit Gläubigern im Insolvenzplan auf Quote 16 %
  • Liquiditätszuwachs für das Unternehmen ca. 1.82 Mio. €.
  • Verfahrensdauer 9 Monate
  • Schuldenverzicht 84% 84%
  • Quote des Insolvenzplans 16% 16%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 93% 93%

Die Zusammenarbeit mit Herrn Franzke war sehr angenehm, pragmatisch und lösungsorientiert. Besonders schätzten wir die direkte und unbürokratische Kommunikation und Abwicklung. Herr Franzke besitzt auch die nötige Finesse, komplizierte Sachverhalte überlegt und erfolgreich zu lösen. Wir haben gemeinsam in unserem Projekt ein optimales Ergebnis erzielt.

Bewertung auf Provenexpert

Mandant Schutzschirmverfahren

GmbH im Schutzschirm mit 3,6% Quote entschuldet

GmbH im Schutzschirm mit 3,6% Quote entschuldet

GmbH nach Schutzschirm mit 3,6% Quote schuldenfrei

Die X GmbH ist ein auf  Solaranlagen spezialisierter Dachdeckerei-Betrieb mit 30 Mitarbeitern. Weil der Einbruch des Marktes für Solaranlagen nach Kürzung der staatlichen Fördergelder auch an der X GmbH nicht spurlos vorüber ging, geriet das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten. Ein großer Zahlungsausfall gab dem Unternehmen den Rest. Mit dem Schutzschirm und einer Quote von 3,6% wurde das Unternehmen wieder schuldenfrei.

Der Fall

Die Geschäftsführung suchte nach Möglichkeiten aus dem vermeintlichen Ruin. Um die Zerschlagung zu verhindern, entschied sich anstelle einer Regelinsolvenz für ein Schutzschirmverfahren. Aus Kostengründen wählten wir nicht das eigentliche Schutzschirmverfahren gemäß § 270 b InsO, sondern den „kleinen“ Schutzschirm nach § 270 a InsO. Das eigentliche Schutzschirmverfahren gemäß § 270 b InsO setzt eine Negativbescheinigung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers voraus. Das Unternehmen darf noch nicht zahlungsunfähig sein. Solch ein Gutachten wird unter großem Zeitdruck erstellt und kostet ohne weiteres 20.000 EUR.

Auf die Kosten für die Bescheinigung kann man auch verzichten. Das Geld verwendet man sinnvoller für die Sanierung. Befindet sich das Unternehmen erst unter Gläubigerschutz, besteht praktisch kein Unterschied zwischen den beiden Verfahren. Die zwei Vorteile des großen Schutzschirms: Auswahl des Sachwalters und Nichtveröffentlichung des Verfahrens, haben sich in der Praxis als nutzlos erwiesen. Zum einen, weil die Richterschaft die freie Sachwalter-Auswahl einfach ignoriert. Zum anderen, weil die anfängliche Geheimhaltung des Verfahrens keine Vorteile bringt. Im Gegenteil, erfahrungsgemäß nehmen die Kunden und Lieferanten das Schutzschirmverfahren besonders gut an, wenn das Unternehmen sie von erster Stunde an informiert und einbezieht. Früher oder später erfahren sie es ohnehin.

Photovoltaik Unternehmer ist mit Schutzschirmverfahren rettet Software-Unternehmen schuldenfrei

Insolvenzursache

 Insolvenzursache ist der plötzliche Auftragseinbruch in der Solarbranchen nachdem die staatlichen Förderungen schlagartig eingestellt wurden. Die Schuldnerin schaffte es nicht aufgrund langlaufender Verträge, ihre Kosten an die neue Situation anzupassen. Nachdem alle Reserven aufbegraucht waren, geriet sie in Zahlungsunfähigkeit.

Sanierungskonzept

Zunächst sprach die Geschäftsführung bei ihren Kunden vor, um eine Kündigung zu verhindern. Ich kann hier gute Erfahrungen weitergeben. Kündigungen aufgrund des Schutzschirms sind eher selten. Die meisten Auftraggeber führen die Vertragsbeziehungen auch im Schutzschirm fort und wünschen viel Glück bei der Sanierung.

Im zweiten Schritt sicherten wir uns die Loyalität der Lieferanten. Diese Aufgabe kann heikel sein, wenn man dem Lieferanten klar machen muss, dass er auf alten Rechnungen sitzen bleibt, das Unternehmen zukünftig aber weiter hin beliefern soll. Schwierigen Lieferanten boten wir Vorkasse an und fingen sie damit wieder ein. Oft bereiten die Kleinigkeiten die größten Probleme, wie beispielsweise die Firmen-Kreditkarten und Tankkarten für die Mitarbeiter. Damit diese Karten auch im Schutzschirm funktionieren, muss man bei der Kreditkartenfirma eine Sicherheit hinterlegen.

Nachdem die Lieferketten und der Geschäftsablauf gesichert waren, richteten wir das Controlling ein. Vor jedem Zahlungsausgang wird abgewogen, ob die geplante Zahlung für das Überleben lebensnotwendig ist. Begleitend hierzu erfassten wir alle Dauerschuldverhältnisse des Unternehmens wie Leasingverträge in einer Liste und kündigten alles überflüssige ab. Die ersten Wochen einer Sanierung sind entscheidend. Cash is King. Das Unternehmen muss dazu in der Lage sein, sich selbst zu finanzieren. Bis auf weiteres wird das Unternehmen von Krediten abgeschnitten sein.
Danach gingen wir das „Sicherheiten-Problem“ an. Mit den Lieferanten, die gemäß ihrer Geschäftsbedingungen unter Eigentumsvorbehalt lieferten, schlossen wir eine Verwertungsvereinbarung. Der besicherte Lieferant kann entscheiden, ob er die noch nicht verbrauchte Ware wieder abholt oder die Weiterverarbeitung gestattet. Auf gleiche Weise gingen wir mit dem sicherungsübereigneten Anlagevermögen vor. Wir vereinbarten mit den Banken eine Vereinbarung zur Weiternutzung und späteren Verwertung der sicherungsübereigneten Maschinen.

Um Kosten einzusparen und um dem Unternehmen wichtige Liquidität zu verschaffen, organisierten wir das dreimonatige Insolvenzgeld für die Mitarbeiter. Die Umsatzsteuer wird für drei Monate ebenfalls nicht bezahlt. Man kann im Schutzschirmverfahren auch einzelne Mieten und Leasingraten schwänzen, weil der Vermieter bzw. Leasinggeber erst nach zweimaligen Ausbleiben der Raten kündigen kann.

Während wir als Sanierungsteam das Unternehmen zunächst stabilisierten, um es später wieder flott zu kriegen, fertigte der gerichtlich bestellte Sachwalter das so genannte Eröffnungsgutachten für das Gericht. Das Eröffnungsgutachten ist ein sehr ausführlicher Bericht über das Unternehmen, dessen Fortführungsfähigkeit, Krisenursachen, Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Zugleich dient das Eröffnungsgutachten als Eröffnungsbilanz mit einer ausführlichen Bewertung des gesamten Betriebs-Vermögens. Die Eröffnungsbilanz wird später für den Insolvenzplan gebraucht.

Drei Monate später ging der Schutzschirm wie geplant in das so genannte Hauptverfahren über. Im Hauptverfahren fordert der Sachwalter die Gläubiger des Unternehmens schriftlich auf, ihre Forderung zur Insolvenztabelle anzumelden. Oft kommt es in diesem Stadium nochmals zu Aufregungen, weil einige Beteiligte versehentlich nicht über das Schutzschirmverfahren informiert wurden und darüber erst „offiziell“ erfahren. Außerdem vermerkt das Gericht als Überbleibsel des klassischen Insolvenzverfahrens von Amts wegen im Handelsregister: „Firma wurde aufgrund Insolvenz von Amts wegen gelöscht“. Diese „Gemeinheit“ muss den verunsicherten Beteiligten erklärt werden.

Nachdem auch diese Klippen umschifft waren, habe ich für das Unternehmen einen Insolvenzplan ausgearbeitet. Der Insolvenzplan ist quasi ein Teilzahlungsvergleich unter gerichtlicher Aufsicht. Der Insolvenzplan stellt zunächst dar, dass die Gläubiger mehr Geld erhalten, wenn sie das Unternehmen am Leben lassen, anstelle es zu zerschlagen. Danach bietet der Insolvenzplan den Gläubigern eine Quote, beispielsweise 10% der ursprünglichen Schulden. Der Gesetzgeber fördert Insolvenzpläne in Form des Abstimmungsverfahrens. Beispielsweise kann der Gläubiger sein Stimmrecht nur vor Ort im Abstimmungstermin persönlich oder anwaltlich vertreten ausüben. Dadurch lassen sich leicht Mehrheiten pro Insolvenzplan organisieren, die im Abstimmungstermin für den Insolvenzplan stimmen.

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Der Betrieb wird in ursprünglicher Größe und Struktur fortgeführt
  • Die Unternehmerfamilie bleibt Eigentümer des Unternehmens
  • Einigung mit Gläubigern im Insolvenzplan auf Quote 3,6 %
  • Ausschüttung an die Gläubiger: 291.211 €
  • Verfahrensdauer 16 Monate
  • Schuldenverzicht 96% 96%
  • Quote des Insolvenzplans 4% 4%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 88% 88%
Rekord-Sanierung saniert Orgelbauer mit Schutzschirm in 4 Wochen

Rekord-Sanierung saniert Orgelbauer mit Schutzschirm in 4 Wochen

Rekord-Sanierung saniert Orgelbauer mit Schutzschirm in 4 Wochen

Ein weltweit bekanntes und seit über 150 Jahren bestehendes Orgelbau-Unternehmen geriet aufgrund von Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern in Zahlungsschwierigkeiten. Es wurde mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens innerhalb von 4 Wochen gerettet. Dies ist meine Rekord-Sanierung.

Der Fall

Das Unternehmen besteht seit dem Jahr 1857. Der Gründer Wilhelm Sauer führte den Betrieb bis zum Jahr 1910. Er prägte den romantischen Orgelbaus in Europa. Für seine Verdienste kürte ihn das Preußische Königshaus zum „Preußisch königlichen Hoforgelbaumeister“. Die Sauer-Mitarbeiter bauten bisher rund 2.270 Orgeln. Als herausragende Werke gelten die Orgeln des Berliner Doms, der Leipziger Thomaskirche und des Puschkin-Museums in Moskau.

Die 158 jährige Firmengeschichte des Unternehmens war aufgrund der beiden Weltkriege und der politischen Regimewechsel ein ständiges Auf und Ab. Sein exzellenter Ruf verhalf dem Unternehmen jedoch auch in schwierigen Zeiten immer wieder zu überleben. Nunmehr aber brachte der Gesellschafterstreit das Unternehmen in ernsthafte Bedrängnis:

Der Gesellschafter B war seit seiner Lehre über 17 Jahre bei dem Unternehmen beschäftigt und für die Geschäftsführung vorgesehen. Im Verlauf der Zeit erwies sich B jedoch als ungeeignet. In der Belegschaft war er unbeliebt und es kam zu Unstimmigkeiten.

Mitte 2009 schied B aus dem Unternehmen aus. Entsprechend gesellschaftsvertraglicher Regeln bot er seine Geschäftsanteile zum Einzug an. Er verlangte eine Abfindung in Höhe von 92.000 EUR.

Orgelbau Betrieb ist erfolgreich saniert

Sanierungskonzept

Weil das Unternehmen die gewünschte Abfindung nicht aufbringen konnte, folgte eine jahrelange Auseinandersetzung. Am Schluss klagte B vor dem Landgericht Frankfurt Oder und erhielt einen Ausgleichsanspruch in Höhe von 110.000 EUR nebst Zinsen und Prozeßkosten zugesprochen.

B unterlag offensichtlich die ganze Zeit dem Irglauben, dass das Unternehmen durchaus zahlungsfähig sei, aber nicht willig. Um den „Druck“ zu erhöhen, pfändete B die Geschäftskonten. Das Unternehmen suchte nach Auswegen vor dem Ruin. Von allen Alternativen entschieden wir uns für ein Schutzschirmverfahren.

Aus einem meiner vorangegangenen Sanierungsfälle wußte ich, dass ein Gerichtsbeschluss über die Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens selbst bei hoffnungslos verkeilten Streitparteien eine neue Verhandlungsbereitschaft erzeugen kann.

So war es auch hier. Nach Vorlage des Eröffnungsbeschlusses dämmerte es B, dass die geforderte Abfindung das Unternehmen ruinierte. Unter dem Druck des Schutzschirms verglichen sich die Parteien auf eine machbare Abfindung. Das Unternehmen zahlte die Abfindung und B hob die Pfändung der Geschäftskonten auf. Nach Abschluss einer notariellen Vergleichsvereinbarung – das heißt vier Wochen nach Eröffnung – konnte ich den Schutzschirm wieder zurücknehmen. Das Unternehmen ist gerettet und zum normalen Geschäftsbetrieb zurückgekehrt.

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Höhe der Verschuldung vor Schutzschirmverfahren: 15.435.600 €
  • Einigung mit Gläubigern im
  • Insolvenzplan auf Quote 0,93 %
  • Verfahrensdauer 13 Monate
  • Schuldenverzicht 99% 99%
  • Quote des Insolvenzplans 1% 1%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 35% 35%