10 Insider-Tipps zur 

Schutzschirminsolvenz 

Das Schutzschirmverfahren hat das Ziel, ein vor Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bedrohtes Unternehmen mit einem Insolvenzplan zu retten. Hierzu eröffnen wir beim Insolvenzgericht die Sanierung in Eigenverwaltung und beantragen einen Sachwalter. Dieser beaufsichtigt für die Gläubiger die Restrukturierung. Die Geschäftsführung ist im Schutzschirm ihr eigener Insolvenzverwalter. Damit sie die Sanierungsaufgaben leisten kann, unterstütze ich die Geschäftsführung als Rechtsanwalt und Sanierungsberater. Lesen Sie meine 10 Insider-Tipps zur Schutzschirminsolvenz:

Achten Sie bereits bei der Vorbereitung des Schutzschirms auf Liquidität

Für die Schutzschirm-Insolvenz und die Eigenverwaltung gilt das gleiche wie im normalen Leben: Das Unternehmen muss liquide sein. Ohne Moos, nichts los. Das Schutzschirmverfahren erspart dem Betrieb für drei Monate immense Betriebskosten. Die Ersparnis beispielsweise von Löhnen oder Leasing unterstützt das Unternehmen, um neue Liquidität aufzubauen. Genauso wichtig ist es, dass die Firma beim Start in den Schutzschirm liquide Mittel verfügbar hat. Die Firma benötigt das Geld, um neue Ware oder neues Verbrauchsmaterial einzukaufen.

Beispielsweise benötigt eine Spedition täglich Diesel. Eröffnet die Spedition den Schutzschirm ohne Barreserve, bleiben die Fahrzeuge mangels Diesel stehen und der Schutzschirm wäre sofort beendet.

Zu Beginn des Schutzschirmverfahrens darf das Geschäftskonto nicht im Minus sein. Erfährt die Bank von dem Schutzschirm, wird sie alle Konten im Minus sofort schließen. Die Zahlungseingänge wird die Bank ebenso festhalten. Ohne Barreserve und ohne Zahlungseingang kommt der Geschäftsbetrieb zum Erliegen. Die Barreserve für die ersten Tage im Schutzschirmverfahren verschafft sich das Unternehmen, indem es ein neues Konto eröffnet. Die Bank muss ebenfalls neu sein. Ein neues Geschäftskonto ist die allererste Maßnahme, wenn der Betrieb sich auf den Schutzschirm vorbereitet. Als zweite Maßnahme informiert der Betrieb die Auftraggeber über das neue Bankkonto. Die Auftraggeber reagieren auf geänderte Kontonummern erfahrungsgemäß schwerfällig. Sie leiten die Gelder erst nach und nach auf das neue Geschäftskonto um. Der verzögerte Übergang kann von Vorteil sein, wenn die alte Bank als Gläubiger den Wechsel nicht bemerken soll.

Jetzt wissen Sie, wie Sie eine Barreserve für die Schutzschirm-Insolvenz anlegen. Das Schutzschirmverfahren beantragen Sie erst, nachdem die Auftraggeber das neue Konto akzeptieren und darauf einzahlen. Vermeiden die Insolvenz ohne Barreserve. Ohne Barreserve müssen Sie die Eigenverwaltung aufgeben.

Ein besonderes Problem für die Liquidität in der Schutzschirm-Insolvenz ist die Globalzession. Die Globalzession besichert einen Bankkredit. Um einen Kredit zu erhalten, muss das Unternehmen seine Ansprüche gegenüber seinen Kunden und Auftraggebern an die Bank abtreten. Erfährt die Bank von dem Schutzschirm, widerruft sie die gegenüber dem Unternehmen erteilte Erlaubnis zum Einzug der abgetretenen Forderungen. Das Unternehmen muss alle noch bestehenden alten Ansprüchen an die Bank auskehren. Die Auskehr an die Bank kostet Liquidität und kann den Sanierungszweck gefährden. Aus diesem Grund muss die Barreserve im Fall einer Globalzession höher als üblich sein.

1. Tipp

Versuchen Sie, bereits vor dem Schutzschirm-Verfahren möglichst viel Liquidität zu schaffen, indem Sie die Zahlungen einstellen und die Zahlungseigänge auf ein neu eingerichtetes Konto umleiten.

Planen Sie, welche Lieferanten Sie ausfallen lassen

Wir sind uns darüber einig, dass niemand Spaß daran hat, seine Lieferanten ausfallen zu lassen. Aber Sie befinden sich gerade in einer Notsituation. Da ticken die Uhren anders. Planen Sie deshalb ganz nüchtern ein, welche Lieferanten Sie vor dem Schutzschirm noch bezahlen werden und welche nicht. Hierzu müssen Sie wissen, dass Ihr Unternehmen ab Eröffnung des Schutzschirms keine alten Rechnungen mehr bezahlen darf.

Dies ist eine Grundregel des Schutzschirmverfahrens: Es ist gesetzlich verboten Rechnungen zu bezahlen, deren Leistungszeitraum vor dem Eröffnungs-Stichtag des Schutzschirms liegt!

Für Dauerschuldverhältnisse wie Mietverträge, Leasingverträge, usw. hat diese Grundregel kaum Bedeutung. Der Schutzschirm ist kein Kündigungsgrund. Vermieter, Leasinggeber, usw. stecken in den Verträgen fest und müssen sich sogar das Schwänzen einer Rate gefallen lassen.
Aber für Ihre Lieferanten hat die Grundregel eine erhebliche Bedeutung.

Stellen Sie sich vor, Ihr Unternehmen baut wertvolle Maschinen und ist auf Spezialschrauben angewiesen, die es nur bei einem einzigen Lieferanten weltweit gibt. Vergraulen Sie diesen Lieferanten wegen eines Zahlungsausfalls, gerät Ihre gesamte Produktion in Schwierigkeiten.

Derartige Engpässe müssen wir vermeiden. Deshalb planen wir vor dem Schutzschirm, welche Lieferanten wir noch bezahlen und welchen wir einen Forderungs-Verzicht zumuten werden. Das Bezahlen derartiger lebenswichtiger Lieferanten muss die Ausnahme bleiben. Wir sammeln so viel Cash wie nur möglich. Je höher die Liquidität, desto erfolgreicher die Unternehmens-Sanierung.

2. Tipp

Verbindlichkeiten, die Sie VOR der Eröffnung des Schutzschirms eingegangen sind, dürfen Sie nicht mehr bezahlen. Planen Sie deshalb genau, welchen Lieferanten Sie Geld schulden werden und welchen lieber nicht.

Bedenken Sie, Sachwalter sind einnehmende Wesen

Im Schutzschirmverfahren führen Sie als Geschäftsführer Ihr Unternehmen in Eigenverwaltung. Eigenverwaltung bedeutet, dass Sie das Unternehmen wie bisher selbst verwalten, unternehmerisch frei entscheiden und ebenso frei über das Geschäftskonto und die Vermögensgegenstände verfügen.

Die Einschränkung während des Schutzschirms besteht darin, dass das Gericht dem Unternehmen eine Aufsichtsperson beistellt. Die Geschäftsführung muss dieser Aufsichtsperson in kurzen Abständen über Gewinn- und Verlust, Liquidität und über den Sanierungsablauf berichten. Zusätzlich muss sich die Geschäftsführung besondere Ausgaben außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsgangs genehmigen lassen.

Die Aufsichtsperson in der Eigenverwaltung nennt man „Sachwalter“. Die Person des Sachwalters bestimmt das Gericht. In der Regel bestellt das Gericht einen gestandenen Insolvenzverwalter aus dem Gerichtsbezirk.

Der Sachwalter ist also ein Insolvenzverwalter mit beschränkten Rechten. Der Sachwalter besitzt im Gegensatz zu einem Insolvenzverwalter nur ein Überwachungsrecht. Das operative Geschäft ist für den Sachwalter tabu.

Erfahrungsgemäß kommen nur wenige Sachwalter mit der Beschränkung ihres Amtes auf Überwachung zurecht. Sachwalter alias Insolvenzverwalter sind es gewohnt, sich massiv in das Unternehmen einzumischen und alles zu kontrollieren. Deshalb besteht im Schutzschirmverfahren die große Gefahr, dass der Sachwalter jede Gelegenheit nutzt, um sich in Ihr Unternehmen wie ein typischer Insolvenzverwalter einzumischen.

Jede offene Frage Ihrerseits und jede noch so kleine Schwäche wird dem Sachwalter als Rechtfertigung dienen, dass Sie keine Eigenverwaltung können. Als Folge wird er in Ihr Tagesgeschäft eingreifen… Hat der Sachwalter sich erst einmal in Ihren Betrieb eingenistet, wird er beginnen, Sie zu manipulieren. Über kurz oder lang wird er Sie überzeugt haben, dass eine reguläre Insolvenz besser für das Unternehmen ist. Als Folge werden Sie die Eigenverwaltung aufgeben…

Um die gefährliche Dynamik zu vermeiden, rate ich dazu, dem Sachwalter von Anfang an Grenzen zu setzen. Vermeiden Sie als Geschäftsführer die direkte Kommunikation. Kommunizieren Sie statt dessen über Ihren Sanierungsberater. Vermeiden Sie es insbesondere, die Betriebsversammlung bei Eröffnung des Schutzschirmverfahrens in Anwesenheit des Sachwalters abzuhalten. Andernfalls entmachten Sie sich selbst. Die Belegschaft würde nicht mehr Sie, sondern nur noch den Sachwalter als oberste Führungsperson anerkennen.

3. Tipp

Nehmen Sie sich vor dem Sachwalter in Acht. Kommunizieren Sie mit ihm nicht direkt, sondern nur über Ihren Sanerierungberater. 

Falls erforderlich eine zweite Gesellschaft gründen

Viele Geschäftsführer zweifeln am Erfolg des Schutzschirmverfahrens. Sie befürchten, dass ihr Unternehmen alle Aufträge verliert, sobald die Kunden und Auftraggeber davon erfahren. Meine Erfahrungen aus rund 75 Sanierungsfällen sind besser. Es kann durchaus sein, dass Sie Aufträge mit Bekanntgabe des Schutzschirms verlieren werden. Einen Totalverlust aller Aufträge habe ich aber noch nie erlebt.

Trotz aller rosa Wölkchen bin ich mir der Verlust-Gefahr bewusst. Deshalb werden wir in der Vorbereitungsphase des Schutzschirmverfahrens analysieren, wie wahrscheinlich ein Auftragsverlust ist:

  • Kleine und Mittelständische Auftraggeber sowie Endkunden führen die Auftragsverhältnisse erfahrungsgemäß fort und erteilen neue Aufträge.
  • Öffentliche Auftraggeber und Konzerne könnten aufgrund ihrer Compliance-Regeln kündigen bzw. die Vergabe neuer Aufträge stoppen.

Um einen Auftragsentzug bei kritischen Auftraggebern zu vermeiden, hat sich die Gründung eines neuen Unternehmens vor dem Schutzschirmverfahren bewährt: Das neue Unternehmen nimmt die Aufträge an und leitet sie nach Abzug einer Bearbeitungspauschale an das alte Unternehmen weiter. Das alte Unternehmen führt die Aufträge als Subunternehmer aus und wir sanieren es im Hintergrund.

Allerdings ist nicht jeder Fall für die Vorschaltung eines neuen Unternehmens geeignet. Benötigt das Unternehmen für die Durchführung der Aufträge bestimmte Fach-Zulassungen oder TÜV-Zertifikate, wird dem neuen Unternehmen die Zeit zur Beschaffung fehlen. In diesen Fällen wählen Sie die Betriebsaufspaltung:

So wie manche Auftraggeber werden sicherlich auch einige Lieferanten „zickig“ sein. Die meisten Lieferanten beliefern Ihr Unternehmen trotz Schutzschirm weiter und stellen allenfalls auf Vorkasse um. Mit Bestellung auf Vorkasse können wir leben. Das Unternehmen besitzt im Schutzschirm die hierzu erforderliche Liquidität.

4. Tipp

Wollen wichtige Auftraggeber wegen des Schutzschirms kündigen, gründen Sie eine zweite Gesellschaft. Die nimmt die Aufträge an und leitet sie einfach weiter

Feindliche Übernahme-Versuche abwehren, indem Sie sich dumm stellen

Bei der Vorbereitung eines Schutzschirmverfahrens werde ich stets nach der größten Gefahr gefragt, die dem Sanierungserfolg entgegen steht. „Es kommt darauf an“, wie wir Juristen sagen, aber das Auftauchen eines Investors mit feindlichen Übernahmeabsichten ist stets eine große Gefahr.

Die Gefahrenstelle hat seine Ursache in den gesetzlichen Vorschriften: So wie in der regulären Insolvenz muss die Geschäftsführung auch im Schutzschirm das Unternehmen bestmöglich verwerten. „Bestmöglich“ im Sinne der Gläubiger, versteht sich.

Deswegen darf das Unternehmen fremde Kaufofferten nicht einfach ablehnen, sondern muss diesen nachgehen und fördern. Bietet ein Käufer mehr Geld, als das Unternehmen aus eigener Kraft und mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens und Insolvenzplans aufbringen kann, müssen die Eigentümer das Unternehmen verkaufen.

Seine „Verkaufsbemühungen“ muss das Unternehmen gegenüber der Gläubigerversammlung bzw. Gläubigerausschuss dokumentieren. Ergänzend hierzu muss das Unternehmen eine Vergleichsrechnung aufstellen, welche die Verwertungsalternativen: Betriebsschließung, Unternehmensverkauf, Insolvenzplan gegenüberstellt. Das Ergebnis der Vergleichsrechnung muss den Insolvenzplan als bestmögliche Verwertungsalternative erweisen. Nur dann gelingt der Schutzschirm und der Unternehmer darf seinen Betrieb erhalten.

Doch keine Sorge: Weil wir die Gefahr kennen, können wir ihr wirksam entgegentreten. Gegen unerwünschte Investoren gibt es wirksame Abwehrstrategien, die eine Übernahme unattraktiv machen. Bisher habe ich noch kein Unternehmen auf diese Art verloren.

Grob fehlerhaft wäre es, wenn Sie den unerwünschten Investor von Beginn an abblocken. Verweigern Sie die Verkaufsgespräche, wird ein motivierter Investor beim Sachwalter petzen und am Ende wird Ihnen das Gericht die Eigenverwaltung entziehen. Der Schutzschirm geht in ein reguläres Insolvenzverfahren über und der Insolvenzverwalter verkauft das Unternehmen.

Also bitte kein Spielverderber sein, sondern tanzen Sie auf dieser Hochzeit mit. Am Ende wird die Braut unattraktiv für etwaige Bewerber sein.

5. Tipp

Unerwünschte Kaufofferten Ihres Unternehmens dürfen Sie nicht einfach abwehren. Besser: Tanzen Sie auf der Hochzeit mit und machen Sie die Braut im Hinterzimmer so häßlich, dass die Hochzeit platzt.

Kommunizieren Sie den Schutzschirm von Beginn an offen

Während wir den Schutzschirm vorbereiten, werden wir über Frage diskutieren: „Wie sage ich es meinen Kunden?“. Viele Unternehmer haben großen Respekt sich zu outen, weil sie den Verlust ihres Ansehens samt aller Aufträge befürchten. Um es vorneweg zu sagen: Verheimlichen können Sie das Schutzschirmverfahren nicht. Die Eröffnung des großen Schutzschirms nach § 270 b InsO wird zwar nicht öffentlich bekannt gegeben. Aber das Amtsgericht wird den Übertritt in das Hauptverfahren drei Monate später veröffentlichen auf der Webseite: www.insolvenzbekanntmachungen.de. Die Suchroboter von Creditreform und Co. erfassen die Bekanntmachung und leiten sie automatisch an Kunden und Lieferanten weiter. Dann wissen alle Bescheid.

In den meisten Fällen aber wird es dem Unternehmer nicht gelingen, den Schutzschirm bis zur offiziellen Bekanntmachung geheim zu halten. Es gibt insbesondere zwei undichte Stellen: Gleich zu Beginn müssen die Mitarbeiter eine Abtretungserklärung für das Insolvenzgeld unterschreiben und man muss den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung das Sanierungsvorhaben erklären. Geschwätzige Mitarbeiter werden die Neuigkeiten trotz Geheimhaltungsverpflichtung blitzschnell weitergeben.

Die zweite undichte Stelle entsteht aufgrund der Mahnungen. Nach und nach werden sich unfreundliche Briefe und Telefonate häufen. Will die Geschäftsführung den Schutzschirm geheim halten, muss sie die Gläubiger abwimmeln. Das ist anstrengend und irgendwann hat die Geschäftsführung aufgrund des enormen Drucks keine andere Wahl, als den Gläubigern den gerichtlich verordneten Gläubigerschutz und damit das Schutzschirmverfahren bekannt zu geben.

Erfahrungsgemäß ist noch kein Schutzschirm geheim geblieben. Früher oder später kocht die Gerüchteküche. Deshalb kontrolliert die Geschäftsführung die Kommunikation besser von Beginn an selbst. Die wichtigsten Kunden, Lieferanten und maßgebliche Gläubiger-Banken unterrichtet die Geschäftsführung ein, zwei Tage vor der Eröffnung des Schutzschirms in einem persönlichen Gespräch. Alle anderen Beteiligten erhalten ein Rundschreiben oder eine Presseerklärung.

Outen Sie sich nicht in der Planungsphase, sondern warten Sie bis Sie den Gerichtsbeschluss über die Eröffnung des Schutzschirms in Händen halten. Andernfalls kann es sein, dass Sie die Sanierung gefährden. Vor dem Schutzschirm verfügen Beteiligte über fristlose Kündigungsrechte aller Vertragsbeziehungen. Diesen „Gefallen“ sollten Sie den Beteiligten nicht erweisen.

6. Tipp

Geben Sie das Schutzschirm-Verfahren gleich nach seiner Eröffnung bekannt. Sonst fühlen sich Ihre Kunden und Lieferanten hintergangen und sind beleidigt. Keinesfalls aber vor dem Eröffnungsbeschluss bekannt geben.

Erstellen Sie einen Businessplan über die Sanierung

Auch wenn kaum ein Jurist eine Bilanz oder eine BWA lesen kann: mitreden wollen sie alle. Deshalb benötigen Sie eine sorgfältige Sanierungsplanung des Schutzschirms von erster Stunde an. Im Gesetz steht zwar, dass Sie einen Rechtsanspruch auf Schutzschirm und Eigenverwaltung haben. Aber in der Praxis sieht das ganz anders aus. Richter mögen keine Schutzschirme und Insolvenzverwalter auch nicht, weil diese das Geschäft verderben.

Also werden wir bei der Antragstellung einen gewissen Widerstand erfahren. Den Widerstand überwinden wir. Bereits mit dem Antrags-Schriftsatz an das Gericht zeigen wir: „Ja, wir können Schutzschirm!“
Unser Können stellen wir unter Beweis, indem wir mit dem Antrag einen „Businessplan für das Schutzschirmverfahren“ bei Gericht einreichen. Dieser Businessplan enthält eine Erfolgs- und Liquiditätsrechnung. Die Berechnung beschreibt sowohl den Status Quo, die Krisenursachen und die zukünftige Strategie zur Beseitigung der Unternehmenskrise sowie einzelnen Sanierungsschritte.

Weil in dem ersten Gespräch mit dem Sachwalter erfahrungsgemäß die Wissenstest-Frage kommt: „Gibt es schon einen Insolvenzplan?“, bin ich dazu übergegangen, den Businessplan mit den wichtigsten Insolvenzplan-Elementen zu ergänzen.

Der Businessplan dient auch als wichtige Hilfe, die Gläubiger, Kunden und Lieferanten von dem Sanierungsvorhaben und vor allem von dem Fortbestand des Unternehmens zu überzeugen. Wollen Sie beispielsweise bei der Bank durchsetzen, dass sie zu Ihrem Unternehmen hält und bestimmte Immobilienkredite während des Schutzschirms aufrecht erhält oder Sicherungseigentümer das gelieferte Material nicht zurückverlangen, wird Ihnen der Businessplan wertvolle Dienste erweisen.

Während der Laufzeit des Schutzschirmverfahrens werden wir die Liquiditäts- und die Gewinn- und Verlustplanung des Businessplans ständig fortschreiben und mit den tatsächlichen Werten vergleichen. Diese Gegenüberstellung benötigen wir später für die Gläubigerversammlung und den Insolvenzplan und dient als Beweis für die positive Fortführungsprognose.

7. Tipp

Sie brauchen von Beginn an einen Businessplan für die Sanierung. Beschreibung Ihres Unternehmens, Krisenursachen, Beseitigung, GUV-Planung, Plan-Bilanz, Plan-Liquidität. Der Businessplan wird wöchentlich fortgeschrieben und mündet später den den Insolvenzplan.

Passen Sie den richtigen Eröffnungs-Zeitpunkt ab

Das Gelingen des Schutzschirms hängt ein Stück weit davon ab, zu welchem Zeitpunkt das Gericht das Schutzschirmverfahren eröffnet. Ich empfehle Ihnen, den Zeitpunkt nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut zu planen.

Zeitplanung deshalb, damit Sie keine wichtigen Vorarbeiten verpassen, wie beispielsweise die Eröffnung eines neuen Geschäftskontos, Bezahlung existenziell wichtiger Lieferanten, Neugründung oder Aufspaltung, Insolvenzgeldvorfinanzierung, Einbeziehung wichtiger Beteiligter, Berücksichtigung bestehender Globalzessionen, usw.

Gerade beim Einstieg in die Schutzschirm-Sanierung kann viel schief gehen. Fließen die Zahlungseingänge beispielsweise aufgrund versäumter Umleitung weiter auf das überschuldete Geschäftskonto, sind diese Einkünfte bis zur Umleitung auf ein neues Konto verloren. Andererseits dürfen Sie die Zahlungsströme auf ein neues Konto auch nicht zu früh einleiten, sonst riecht die alte Geschäftsbank Lunte.

Das Ziel der Zeitplanung besteht darin, dass das Unternehmen mit einem möglichst hohen Cash-Bestand in das Verfahren einsteigt. Je mehr Geld wir in der Kriegskasse sammeln, desto höher die Erfolgsaussichten. Der ideale Zeitpunkt für den Einstieg in den Schutzschirm hängt auch von der Fälligkeit der Arbeitslöhne ab.

Bei den meisten Unternehmen bilden die Arbeitslöhne den größten Kostenblock. Folglich tritt die Zahlungsunfähigkeit oft mit der Fälligkeit der Lohnzahlung ein und folglich wird man den Schutzschirmantrag kurz vorher stellen, also zu Monatsende.

Andererseits sollte das Unternehmen mit dem Schutzschirmantrag nicht bis auf den letzten Tag der Lohn-Fälligkeit warten. Sonst riskiert die Geschäftsführung, dass die Lohnzahlung nicht rechtzeitig erfolgt. Das ist zwar keine Katastrophe, kostet aber das Vertrauen der Mitarbeiter. Deshalb reichen wir den Schutzschirm-Antrag möglichst um den 15. des Monats ein.

8. Tipp

Planen Sie den Stichtag der Eröffnung des Schutzschirmverfahrens. Das wird in der Regel kurz vor den Lohnzahlungen sein. Die Eröffnung kann bei Globalzession aber auch von Zahlungseingängen abhängig sein.

Verbünden Sie sich mit wichtigen Gläubigern

Wie gehen wir im Schutzschirmverfahren mit den Gläubigern um? Um es vorneweg zusammenzufassen: Zu den Gläubigern, die wir brauchen, sind wir nett und die anderen Gläubiger sind uns egal. Also überlegen wir uns zu Beginn des Verfahrens, welche Gläubiger eine wichtige Position für den Sanierungserfolg innehalten und wie wir damit umgehen.

Beispielsweise könnte unter Ihren Gläubigern eine Bank sein, die das Betriebsgrundstück finanziert. Weil es unser Ziel ist, dem Unternehmen das Betriebsgrundstück zu erhalten, müssen wir die Bank dazu bringen, die Grundstücks-Finanzierung im Schutzschirm beizubehalten und nicht zu kündigen. Ein anderes Beispiel in diese Richtung wäre der Leasing-Geber, der für eine Spedition die Sattelzüge finanziert. Kündigt der Leasing-Geber die Verträge und zieht die Fahrzeuge ein, ist die Schutzschirm-Sanierung gescheitert.

Also werden wir zu diesen Gläubigern besonders nett sein und sowohl deren Interessen als auch deren Machtposition in unser Sanierungskonzept einbinden. Wir werden diesen Gläubigern den finanziellen Vorteil vorrechnen, wenn sie das tun, was wir uns von ihnen wünschen.

Der Leasing-Geber der Spedition beispielsweise müsste nach der Kündigung die Fahrzeuge verwerten, was zu Verlusten führt. Deshalb erklären wir dem Leasing-Geber die Vorteile der Fortführung der Verträge.

Viele dieser wichtigen Gläubiger und insbesondere Banken wünschen, dass man sie bereits vor dem Schutzschirm einbezieht. Ob man diesem Wunsch nachkommt, ist eine kniffelige Entscheidung. Es kann passieren, dass die Bank nun ihrerseits das entgegengebrachte Vertrauen ignoriert und den Kredit kündigt. Dann wäre das Unternehmen zahlungsunfähig und unsere Handlungsmöglichkeiten damit einschränkt.

9. Tipp

Gläubiger, die für das Sanierungsvorhaben unerlässlich oder nützlich sind, mit einer Charme-Offensive versuchen zu gewinnen. Die anderen Gläubiger einfach ignorieren.

Unerwünschte Gesellschafter ausschließen oder eigene Anteile sichern

In vielen Fällen ist nicht nur die GmbH verschuldet, sondern auch der Unternehmer beispielsweise aufgrund von Bürgschaften. Liegt ein solcher Sachverhalt vor, wäre es sinnlos, nur das Unternehmen per Schutzschirmverfahren zu entschulden und nicht zugleich auch den Unternehmer.

Zumeist ist der Unternehmer auch der Gesellschafter der GmbH. Entschuldet man nur das Unternehmen, würde die Gläubiger-Bank des Unternehmers sich „bedanken“ und danach die Gesellschaftsanteile pfänden und verwerten. Dann haben wir nichts gekonnt.

Aus diesem Grunde nehme ich zumeist das Schutzschirmverfahren zum Anlass, mit der Bank auch über die Entschuldung des Unternehmers eine Lösung zu finden. Das ist aber nicht einfach, die Gläubiger-Banken sind in den letzten Jahren sehr hartnäckig geworden und geben keine Zugeständnisse mehr.

Oft bleibt das private Schuldenproblem des Unternehmers schon aus Zeitgründen offen. Eine Einigung mit Banken kann sich über Jahre ziehen. Besser ist es deshalb die neuen gesetzlichen Möglichkeiten des Schutzschirmverfahrens zu nutzen und später im Insolvenzplan die Gesellschafter-Verhältnisse neu zu ordnen. Dies kann mittels eines Kapitalschnitts erfolgen: Dann sieht der Insolvenzplan zwei Schritte vor:

  • Erster Schritt: Das Stammkapital der Gesellschaft wird auf Null gesetzt. Das bedeutet im Klartext, die Altgesellschafter sind enteignet.
  • Zweiter Schritt: Eine im Insolvenzplan bestimmte Person wird zur Einzahlung neuer Stammeinlagen zugelassen. Also wird diese bestimmte Person der neue GmbH-Gesellschafter sein, beispielsweise Ihr Ehepartner.

Nachdem der Unternehmer quasi enteignet und vermögenslos ist, lässt sich mit Gläubigern ohnehin besser verhandeln. Oder wir beantragen für den Unternehmer eine Privatinsolvenz. Kombiniert mit einem Insolvenzplan dauert die Privatinsolvenz maximal ein Jahr.

Der Kapitalschnitt ist aber auch ein unschlagbares Mittel, um unliebsame Gesellschafter loszuwerden. Mit dem Kapitalschnitt werfen Sie diese einfach aus der Gesellschaft. Der Ablauf ist der gleiche: Der Insolvenzplan setzt die alten Gesellschaftsanteile auf Null. Damit hat der unliebsame Gesellschafter alle Anteile verloren. Im zweiten Schritt bestimmt der Insolvenzplan einen neuen Gesellschafter, den natürlich Sie bestimmen.

10. Tipp

Nutzen Sie den Kapitalschnitt im Insolvenzplan, um bei privater Verschuldung Ihre eigenen Antreile zu sichern – oder unliebsame Gesellschafter die Anteile zu entziehen.