Wie hilft das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bei unfairen Auftraggebern?

Wenn ein Unternehmen eher durch externe Gründe in eine finanzielle Schieflage gerät und der Insolvenzantrag gesetzlich vorgeschrieben ist, ordnet das Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung (§§ 270 ff. InsO) an. Externe Gründe für eine Schieflage sind oft Forderungsausfälle, die das Unternehmen nicht zu verantworten hat.

Eigenverwaltung Insolvenz: Grundlegendes

Ein betroffenes Unternehmen muss die Eigenverwaltung Insolvenz selbst beantragen. Das Gericht folgt diesem Antrag regelmäßig bei guten Sanierungschancen. Seit der Einführung des Schutzschirmverfahrens im Jahr 2014 werden solche Anträge mit zunehmender Häufigkeit gestellt und bewilligt. In der Praxis seit 2014 hat sich das Schutzschirmverfahren und das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sehr gut bewährt. Es wurden viel mehr Unternehmen als früher gerettet.

Die Insolvenzordnung schreibt bei der Eigenverwaltung vor, dass diese durch einen Sachwalter überwacht wird, der mögliche Nachteile für Gläubiger umgehend feststellt und dem Insolvenzgericht sowie dem Gläubigerausschuss meldet. Der Sachwalter überwacht den Sanierungsvorgang also nur. Weil Sachwalter im Haupberuf stets Insolvenzverwalter ist, mischen sie sich gerne in den Sanierungsprozess ein. Dies muss das Unternehmen vermeiden. Die Einmischung des Sachwalters ist oft der Anfang vom Ende einer erfolgreichen Sanierung.

Erfolgsaussichten beim Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Das Verfahren hat gute Erfolgsaussichten, wenn die Geschäftsführung bei Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern weiter grundlegendes Vertrauen genießt. Das ist bei einer unverschuldeten Schieflage eher der Fall.

Viele Unternehmen aus dem Business to Business Bereich arbeiten in der Regel nur für wenige Auftraggeber. Bezahlt einer dieser Auftraggeber unregelmäßig, wird über früher oder später eine finanzielle Schieflage eintreten. Ist das Unternehmen darüber hinaus in Vorleistung gegangen, kann es aufgrund fehlender Resourcen nicht mehr nach anderen Auftraggebern umsehen. Vielmehr steigt die Abhängigkeit vom Auftraggeber und muss tatenlos zusehen, wie die Zahlungsunfähigkeit eintritt.

Nach Stellung des Insolvenzantrags und des Antrags auf Eigenverwaltung prüft das Gericht die Verhältnisse, wozu auch Gutachten dienen. Sollte sich die Schieflage tatsächlich als unverschuldet herausstellen, wird dem Antrag auf Eigenverwaltung stattgegeben. Es muss dabei absehbar sein, dass eine Sanierung aussichtsreich ist – und zwar auch unter finanzieller Volllast, wenn die dreimonatigen Erleichterungen des ESUG-Schutzschirmverfahrens beendet sind. Diese betreffen Insolvenzgeld und die Aussetzung vieler Zahlungen, selbst der USt-VA.

Was bringt die Eigenverwaltung Insolvenz?

Es hat sich gerade durch das Schutzschirmverfahren seit 2012 herausgestellt, dass die Sanierungschancen durch eine Eigenverwaltung hoch sind. Die Unternehmen sollten daher den Insolvenzantrag rechtzeitig stellen. Die Strukturen im Betrieb – vor allem im Management und in der Buchhaltung – sollten weiterhin intakt sein, damit das Verfahren eigenverantwortlich abgewickelt werden kann.

Bei intakten Strukturen erfolgt praktisch kaum ein Eingriff in den Betriebsablauf, wie er sonst bei der Bestellung des vorläufigen Insolvenzverwalters unausweichlich wäre. Der gerichtlich bestellte Sachwalter überwacht nur. Das erhöht die Sanierungschancen ganz erheblich. Die Unternehmensleitung trifft ihre eigenen sinnvollen Verfügungen und hält den Geschäftsbetrieb geordnet aufrecht.

Das Management sollte das Konzept der eigenverantwortlichen Sanierung nach §§ 270 ff. InsO mittragen. Damit vertrauen werden die Gläubiger dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Zu dem Schutzschirmverfahren gehört ein Sanierungsplan, den das Unternehmen nach dem entsprechenden Antrag dem Gericht zeitnah vorlegen muss. Der Insolvenzplan schließt das Schutzschirmverfahren schließlich erfolgreich ab.

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