Wann ist die Insolvenz in Selbstverwaltung sinnvoll?

Das ESUG-Schutzschirmverfahren ermöglicht seit 2012 die Insolvenz Selbstverwaltung. Dieses Verfahren hat der Gesetzgeber auf den Weg gebracht, weil die Weichenstellung bei einem Insolvenzverfahren vielfach schon im Eröffnungsverfahren erfolgt. Die Insolvenz in Selbstverwaltung trägt dem Rechnung. Das Gericht erlegt dem Schuldner nicht das sonst übliche allgemeine Verfügungsverbot auf. Es erlaubt vielmehr die Sanierung, die durch finanzielle Entlastungen erleichtert wird. Ein Sachwalter überwacht das Verfahren.

Wann ist die Insolvenz in Selbstverwaltung sinnvoll?

Eine Eigenverwaltung ist immer dann sinnvoll, wenn sich das Unternehmen dauerhaft fortführen lässt, weil sich eine Sanierungsperspektive bietet. Das Know-how und Geschäftsbeziehungen bleiben erhalten. Wichtig ist die frühzeitige Antragstellung, das Management sollte das Vorhaben sanierungsorientiert betreiben. Ein weiterer Vorteil ist die geringere Regelvergütung eines Sachwalters. Sie liegt bei 60 % der Regelvergütung, die ein Insolvenzverwalter erhält. Zudem profitieren in der Regel die Gläubiger. Diese müssen in das Verfahren eingebunden werden. Das Gesetz sieht daher einen vorläufigen Gläubigerausschuss vor.

Was ist bei der Insolvenz Selbstverwaltung zu beachten?

Beim Eigenverwaltungsverfahren sind die vorgegebenen Abläufe einzuhalten. Dazu gehören Erfahrung und auch juristisches Wissen. Gläubigerbenachteiligungen dürfen nicht entstehen. Das Unternehmen muss Insolvenzgeldvorfinanzierungen beantragen, einen Insolvenzplan erstellen und in diesem Rahmen die Gründe für die Schieflage analysieren. Eine Sanierung ist nur dann sinnvoll, wenn das Unternehmen nicht erneut in wirtschaftliche Not gerät. Das lässt sich durch eine verbesserte Liquiditätsplanung erreichen. Sie dient dem aktuellen Überblick und der Vorausschau. Ein Planungszeitraum sind 12 Wochen, um eine wirtschaftliche Entwicklung einschätzen zu können.

Voraussetzungen für die Insolvenz Selbstverwaltung

Das Verfahren wird in den §§ 270 ff. Insolvenzordnung geregelt. Es handelt sich um eine Sonderregelung im vorläufigen Verfahren, mit der die Vermögensverwaltung des Insolvenzschuldners gehandhabt wird. Der Schuldner übernimmt diese Verwaltung selbst, ein vorläufiger Sachwalter überwacht den Vorgang. Dieses Verfahren war theoretisch auch schon vor 2012 möglich, es wurde aber selten angeordnet. Nachdem im Jahr 2012 das ESUG-Gesetz in Kraft trat, das die Sanierung deutlich erleichtert, stellten immer mehr Unternehmer entsprechende Anträge. Der Erfolg von ESUG spricht für sich, viel mehr Firmen konnten dadurch gerettet werden. Den Antrag muss der Schuldner gesondert stellen. Eine Gläubigerbenachteiligung darf nicht entstehen. Wenn die Sanierung aussichtsreich erscheint, soll das Gericht diesem Antrag stattgeben und keine vorläufige Insolvenzverwaltung bestimmen, sondern den vorläufigen Sachwalter bestellen. Der Schuldner erhält eine maximal dreimonatige Frist, um den Insolvenzplan vorzulegen. Der Sanierungsplan muss eine konkrete Sanierungsperspektive aufzeigen, damit die Insolvenz in Selbstverwaltung angeordnet wird.

Erleichterungen durch die Insolvenz in Selbstverwaltung

Mit dem ESUG-Schutzschirmverfahren wird der Schuldner für die Dauer von drei Monaten finanziell durch Insolvenzgeld, die Aussetzung der Umsatzsteuervoranmeldung, den Stopp von Leasing- und Mietzahlungen sowie weitere Erleichterungen entlastet. Der Sanierungsplan soll aufzeigen, dass sich die Firma auch unter Vollkosten fortführen lässt. Es hat sich herausgestellt, dass die Eigenverwaltung effizient und chancenreich verlaufen kann. Die Geschäftsführung verbleibt beim erfahrenen Management, Beziehungen zu Geschäftspartnern erleiden keinen Schaden. Das Verfahren kann in einem halben bis ganzen Jahr und manchmal noch schneller abgeschlossen sein.

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