Fortführungsprognose und Unternehmenskrise?

Mit einer positiven Fortführungsprognose bzw. Fortbestehensprognose kann die Geschäftsführung die Insolvenzantragspflicht hinauszögern. Ist die Firma bereits zahlungsunfähig, kann der Geschäftsführer mittels der Prognose aber beweisen, dass die Zahlungsfähigkeit bald beseitigt wird, muss er keinen Insolvenzantrag stellen. Die Fortführungsprognose beinhaltet neben der Liquiditätsplanung einen Überschuldungsstatus, welcher die Vermögenswerte zu Liquidationswerten und Fortführungswerten gegenüberstellt.

Positive Fortführungsprognose macht Schutzschimverfahren nicht „offensichtlich aussichtlos“

Die Fortbestehensprognose bezweckt folgendes: Nach § 19 Absatz 2 der Insolvenzordnung müssen die gesetzlichen Vertreter eines Unternehmens ein Insolvenzantrag stellen, wenn bestehende Verbindlichkeiten das Vermögen ihrer Gesellschaft übersteigen. Eine Ausnahme besteht, wenn der Fortbestand des Unternehmens überwiegend wahrscheinlich ist. Um das zu beurteilen, bedarf es einer insolvenzrechtlichen Fortbestehensprognose. Es handelt sich hierbei um eine Zahlungsfähigkeitsprognose. Sie muss darstellen, ob und wie das Unternehmen im laufenden und im folgenden Geschäftsjahr die fälligen Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann. Die Zahlungsunfähigkeit droht nicht, wenn die geplanten und erwartbaren Einnahmen die geplanten Ausgaben decken.

Geschäftsführer erstellt Fortführungsprognose für das Schutzschirmverfahren

Handelsrechtliche Fortführungsprognose

Das Going-Concern-Prinzip“ des § 252 Absatz 1 HGB (Regelvermutung zur Unternehmensfortführung) besagt, dass ein Unternehmen weitergeführt wird, wenn

  • es nachhaltige Gewinne erzielen konnte,
  • es problemlos auf Liquidität zugreifen kann,
  • eine bilanzielle Überschuldung nicht droht und
  • die Fortführung der Firma beabsichtigt ist.

Die positive handelsrechtliche Fortführungsprognose ergibt sich, wenn in einem Planungszeitraum von mindestens 12 Monaten die beiden Insolvenzgründe Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit nicht drohen.

Fortbestehens- und Fortführungsprognose

In der Praxis seit 2008 vermischen sich die Begriffe, weil der Gesetzgeber seither neue Rahmenbedingungen gesetzt hat. Diese haben dazu geführt, dass sich Fortbestehens- und Fortführungsprognose aneinander angenähert haben. Das ist für Unternehmen mit sich abzeichnenden Krisensymptomen positiv, wie wir gern erläutern möchten.

Auswirkungen einer positiven Fortführungsprognose

Durch Artikel 5 des Finanzmarkt-Stabilisierungsgesetzes wurde ab Oktober 2008 die in § 19 Absatz 2 InsO festgeschriebene Definition der Überschuldung zunächst vorübergehend und ab 2014 dauerhaft geändert. Eine positive Fortführungsprognose im Schutzschirmverfahren kann damit belegen, dass dem Unternehmen keine Überschuldung droht.

Überschuldung tritt gemäß IDW später ein

Der auf Betreiben des IDW (=Institut der deutschen Wirtschaft) gemilderte Überschuldungsbegriff verhindert, dass ein Unternehmen Insolvenz beantragen muss, obwohl es eine positive Fortbestehensprognose vorweisen kann. Hierbei ist der Bewertungsansatz entscheidend, dass die Überschuldungsbilanz nicht identisch mit der Handelsbilanz ist, sondern eine eigenständige Sonderbilanz.

Unternehmenskrise im Sinne des Insolvenzrechts?

Wenn ein Unternehmen sich in der Krise befindet, bedarf es eines guten Krisenmanagements, bei dem dem ich Sie unterstütze. Das Krisenmanagement kann viele Teilbereiche umfassen: Wir unterstützen Sie beispielsweise mit entsprechenden Tools beim Change Management.

Sanierungsberatung vor Ort

Zu diesem führen wir am besten bei Ihnen vor Ort eine Sanierungsberatung durch. Dadurch ist es möglich, Ihren Betrieb genau kennenzulernen. Unter anderem werden Ihre MitarbeiterInnen in der Buchhaltung und Verwaltung auf die anstehenden Aufgaben gründlich vorbereitet. Es geht diesem Verfahren eine sorgfältige Planung voraus.

Schutzschirmverfahren Spezialisten

Unsere Kanzlei hat sich auf das Schutzschirmverfahren spezialisiert. Bei der Planung wird der spätere Sanierungsprozess in Angriff genommen. Für den Schutzschirm arbeiten wir Ihren Antrag aus, der einen erheblichen Aufwand erfordert und ohne fachliche Expertise nicht zu bewältigen ist.

Kommunikation mit Richter

Wir führen mit dem Richter einige Vorgespräche, um nötigenfalls Korrekturen zu implementieren und damit eine Zurückweisung des Antrags zu vermeiden. Sie erhalten anschließend Vollstreckungsschutz, es folgt das Eröffnungsverfahren über maximal drei Monate, in welchem Sie den Schuldendienst einstellen und damit schlagartig an Liquidität gewinnen.

Antragsverfahren Schutzschirm

Wir beantragen für Sie die gesetzlich zugesicherten staatlichen Subventionen für Unternehmen in der Krise. Sie werden für drei Monate durch das Insolvenzgeld von Gehaltszahlungen entlastet, müssen keine Umsatzsteuer zahlen und können außerdem einzelne Mieten, Versicherungen und Leasingraten einsparen.

Chance nutzen

Nutzen Sie diese Chancen, die sich in und nach der Hauptverhandlung fortsetzen. Wir unterstützen Sie auch bei Verhandlungen mit dem Finanzamt, weil Sie auf Steuererlasse und -stundungen hoffen können. Eine weitere Möglichkeit ergibt sich für Selbstständige als Einzelunternehmer und kleinere Unternehmen durch die einjährige Insolvenz, die sich sogar noch schneller durchführen lässt. Auch hierzu beraten und begleiten wir Sie umfassend.

Krisenmanagement Unternehmen

Eine Unternehmenskrise kann viele Ursachen haben und beruht in den seltensten Fällen auf persönlicher Fahrlässigkeit oder Inkompetenz. Märkte ändern sich, Lieferanten und Kunden fallen aus, eine Umorientierung oder Schrumpfung ist manchmal nicht schnell genug möglich. Doch Sie sind als Unternehmer in vielen Fällen langfristig gebunden. Sie kommen aus den Verträgen nicht mehr heraus. 

Gläubigerschutz für zahlungsunfähige Unternehmen

Der Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens enthält üblicherweise auch den Gläubigerschutzantrag. Die Formulierung lautet in etwa: Maßnahmen der Zwangsvollstreckung werden gemäß § 21 Abs. 2 S1. Nr. 3 InsO untersagt und einstweilen eingestellt, soweit nicht unbewegliche Gegenstände betroffen sind.

Vollstreckung gegen das Unternehmen verboten

Erlässt das Gericht mit Eröffnung des Schutzschirmverfahrens einen entsprechenden Beschluss, ist die Einzelvollstreckung eines Gläubigers verboten. Alle Beteiligten müssen auf den Ausgang des Schutzschirmverfahrens warten. Und zwar bis mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens ein gemeinsamer Interessenausgleich gefunden ist. Betriebsmittel wie Autos oder Maschinen dürfen die Gläubiger nicht entfernen.

Gläubigerschutz für Gläubiger

Der Gläubigerschutz für Gläubiger regelt präventiv den Forderungsausfall der Gläubiger in der Insolvenz. Hierfür ist die Insolvenzordnung zuständig. Sie regelt den geordneten Ablauf eines Insolvenzverfahrens und Verfügungsverbote des Schuldners. Zum Gläubigerschutz gehören einige wesentliche Rechte, welche die Ansprüche der Gläubiger gegen den Schuldner ordnen. Zu nennen wären: Rangfolge der Gläubigerbefriedigung oder Aussonderungs- und Absonderungsrechte.

Gläubigerschutz für Gläubiger ist umfassend

Der Gläubigerschutz setzt bereits vor einer Insolvenz durch gesetzliche Regelungen an. Vor allem das HGB sowie das Bilanz- und Aktienrecht sind in dieser Hinsicht umfassend ausgearbeitet, selbst ohne den Gläubigerschutz begrifflich zu erwähnen. Mit diesen Regelungen kann einem Gläubiger nicht vollständig sein Ausfallrisiko abgenommen werden. Doch er wird vor Entwicklungen geschützt, welche die Risiken auf nicht vertretbare Weise erhöhen würden.

Gläubigerschutz ist gleich Interessenschutz

Der Gläubigerschutz ist ein Interessenschutz von Gläubigern gegenüber den Risiken in Vertragsbeziehungen. Zwei entscheidende Risiken sind zu benennen:

  • Informationsrisiko: Gläubiger könnten sich für ein Kreditrisiko entscheiden, weil sie zu wenig über die finanziellen Verhältnisse des späteren Schuldners wissen. In Deutschland beugen dem die Schufa und ähnliche Gesellschaften vor.
  • Insolvenzrisiko: Auch ein anfangs vorbildlicher Schuldner kann in Schwierigkeiten geraten. Falls er Insolvenz anmelden muss, fallen Gläubigerforderungen fast unweigerlich aus.

Gesetzliche Bestimmungen schützen die Gläubiger durch Verhaltenspflichten und Verbote, an die sich der Schuldner halten muss. Das BGB ist gläubigerfreundlich verfasst. Gläubigerschutzrechte sind das Vermieterpfandrecht nach § 562 BGB. Außerdem das Werkunternehmerpfandrecht gem. § 647 BGB. Diese gesetzlichen Pfandrechte gelten automatisch ab Vertragsbeginn.

Einzelne Gläubigerschutzrechte

Zu den Gläubigerschutzrechten gehört der Eigentumsvorbehalt der Lieferanten gem. § 455 BGB und die Sicherungsübereignung. Das Handelsgesetzbuch schützt den Gläubiger mit Bilanzierungsregeln vor einem Informationsrisiko. Dazu gehört das in § 252 HGB geregelte Vorsichtsprinzip. Daraus folgend das Realisations- und das Imparitätsprinzip. Weitere HGB-Paragrafen verpflichten zur Offenlegung von Betriebsergebnissen. Gesetzliche Pfandrechte gibt es im HGB ebenfalls. Die Gläubigerschutzrechte sind für Unternehmen in Schieflage bedeutsam.

Grob gesagt regelt der Gläubigerschutz, dass ein verschuldetes Unternehmen nicht mehr frei über sein Vermögen verfügen darf. Vielmehr muss die Geschäftsführung ein etwaiges Haftungskapital zusammenhalten und schützen. Darüber hinaus sind Paragrafen des Strafrechts oder mit einer strafrechtlichen Dimension wichtig. Die beiden bedeutendsten sind Bankrott gemäß § 283 StGB und Insolvenzverschleppung gemäß § 15a InsO.