Wie stark ist der Auftragsverlust aufgrund des Schutzschirmverfahrens?

Bisher hat noch jeder meiner Mandanten befürchtet, dass Kunden und Lieferanten sofort abspringen, sobald sie von dem Schutzschirm erfahren. Am meisten fürchten die Mandanten also den Auftragsverlust.

Diese Befürchtung ist nicht richtig. Erfahrungsgemäß reagieren Kunden und Lieferanten tolerant. Sie wünschen dem Unternehmen „viel Erfolg“ und bleiben bei der Stange. Wenn überhaupt, erleidet das Unternehmen nur einen geringen Auftragsverlust.

Informationsmanagement vermeidet Auftragsverlust

Ohnehin bleibt das Schutzschirmverfahren in den ersten drei Monaten geheim. Das Unternehmen kann seine eigene individuelle Informationspolitik betreiben. Es entscheidet selbst, gegenüber wem und zu welcher Zeit es sich „outen“ will.

Damit erhält das Unternehmen die Gelegenheit, seine Kunden weiterhin wie bisher üblich zu bedienen. Dies baut Vertrauen auf. Später kann man argumentieren: „Seht her, wir durchlaufen seit zwei Monaten ein Schutzschirmverfahren. Ihr habt keinerlei Qualititätseinbußen festgestellt. Bitte bleibt uns erhalten, in vier Monaten sind wir damit durch.“

Sollten die Lieferanten Ihres Unternehmens auf Vorkasse umstellen, ist das im Schutzschirmverfahren in der Regel kein Problem. Aufgrund der Kosteneinsparungen im Schutzschirm verfügt das Unternehmen über ein derart großes Liquiditätspolster, dass es die Umstellung auf Vorkasse leicht verkraften wird.

Kein Auftragsverlust bei Vorkasse

„Verkaufen“ Sie das Schutzschirmverfahren also positiv und der Imageverlust bleibt erfahrungsgemäß gering. Hat Ihr Unternehmen das Schutzschirmverfahren später erfolgreich durchlaufen, werden Ihnen Unternehmer-Kollegen Hochachtung entgegen bringen, weil Sie sich als Sanierungs-Manager bewiesen haben.

Ich hatte noch keinen einzigen Schutzschirmfall, in welchem das Unternehmen wegen davon gelaufener Kunden und Lieferanten schließen musste.Der Auftragsverlust hat sich bisher immer sehr in Grenzen gehalten.

So vorzugehen funktioniert fast immer, aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Konzerne mit strengen Corporate Governance Regeln und öffentliche Auftraggeber drohen oft mit Kündigung. Dann muss man eine Lösung über ein drittes Unternehmen finden.

Das Schutzschirmverfahren wird allerdings nicht über die gesamte Verfahrensdauer geheim bleiben. Die Eröffnung des Hauptverfahrens, in welches das Unternehmen drei Monate später übertritt, ist öffentlich und auf der Bekanntmachungsseite insolvenzbekanntmachungen.de nachzulesen. Von dort holen sich die Suchmaschinen von Creditreform und Co. die Informationen und geben sie automatisch an Kunden weiter.

Deshalb ist es besser, spätestens zum Eröffnungstermin des Hauptverfahrens die Flucht nach vorne zu ergreifen und eine gut vorbereitete Presseerklärung zumeist an die Fachpresse zu verteilen.

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