Logistikdienstleister schlüpft unter den Schutzschirm nach Veruntreuung von Firmengeldern durch Geschäftsführer

Aktuelle Situation

Das Unternehmen erbringt Lagerumschlags- und Lagerbewirtschaftungsleistungen für einen Konzern.

Das Unternehmen wurde im Jahre 2004 von drei ehemaligen Schichtleitern mit Unterstützung des Konzerns gegründet. Aufgrund guter Leistungen gewann das Unternehmen im Laufe der Jahre ständig neue Bereiche hinzu und war auf 45 Mitarbeiter gewachsen – mit erheblichem Wachstumspotential.

Bis 2012 schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen. In die Krise ist das Unternehmen geraten, nachdem der für den kaufmännischen Bereich zuständige geschäftsführende Gesellschafter unbemerkt Firmengelder von über 200.000,- EUR veruntreut hat. Das junge Unternehmerteam hatte sich wohl aufgrund Unerfahrenheit vollständig vertraut.

Das verbleibende Unternehmerteam musste nach intensiven Sanierungsbemühungen einsehen, dass eine Konsolidierung aus einer Kraft nicht zu schaffen ist. Kreditgespräche mit der Hausbank sind aufgrund inakzeptabler Bedingungen gescheitert und hätten eine eintretende Zahlungsunfähigkeit lediglich verschoben.

Spätestens bei Fälligkeit der nächsten-Löhne wird Zahlungsunfähigkeit im Sinne des § 17 InsO eintreten. Es ist nicht zu erwarten, dass das Unternehmen die Liquiditätslücke kurzfristig schließen kann. Aus diesem Grunde ist ein Sanierungsverfahren gem. § 270a InsO geboten. Der Konzern hat zugesichert, die Geschäftsbeziehung mit der Antragstellerin beizubehalten und das Sanierungsverfahren unterstützen.

Krisenursachen und Fortführungsprognose

Vermutlich haben die drei Geschäftsführer es aufgrund Unerfahrenheit sowie einer 20 Jahre bestehenden Freundschaft unterlassen, sich gegenseitig zu kontrollieren. Insbesondere unterließen die beiden operativen Geschäftsführer die Kontrolle des kaufmännischen Geschäftsführers. Dieser nutzte die Gutgläubigkeit und freundschaftliche Verbundenheit der drei Geschäftsführer durch sein überlegenes kaufmännisches Wissen geschickt aus und unterschlug in strafbarer Weise die Gelder des Unternehmens.

Die verbleibenden Geschäftsführer haben nun gelernt, dass unterlassene Kontrolle aufgrund freundschaftlicher Verbundenheit im Geschäftsleben nichts zu suchen hat. Derzeit richten sie ein Controlling-System im Unternehmen ein und üben die ihnen als Geschäftsführer obliegende Kontrollfunktion regelmäßig aus. Es ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu prognostizieren, dass der Geschäftsführung ein derartiger Fehler nicht nochmals unterlaufen wird.

Das Schutzschirmverfahren soll nunmehr dazu dienen, die durch die Unterschlagungshandlungen des kaufmännischen Geschäftsführers entstandene Liquiditätslücke aufzuholen. In einem späteren Insolvenzplan ist zudem eine Neuordnung der Anteilsrechte an dem Unternehmen vorgesehen, durch Kapitalherabsetzung auf Null und Zulassung zur Neueinzahlung der Geschäftsanteile. Ein rechtlich riskantes und teures Gesellschafterausschlussverfahren wird dadurch vermieden.

Sanierungskonzept

Die wichtigsten Eckpunkte des Sanierungskonzeptes sind die strategische Neuausrichtung und die operative sowie finanzielle Restrukturierung.

Strategische Neuausrichtung: Eine Neupositionierung des Unternehmens im Markt und Neuausrichtung der strategischen und strukturellen Hebel zur Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, ist aufgrund der überragenden Abhängigkeit von dem Konzern als einzigen Auftraggeber nicht erforderlich und auch nicht vorgesehen.

Operative Restrukturierung: Nach eingehender Kosten-Analyse wird das Unternehmen alle Potenziale in Umsatz und Kostenstrukturen zur signifikanten Ergebnisverbesserung nutzen. Geplante Maßnahmen sind beispielsweise:

  • Stopp von Liquiditätsabflüssen zur Kreditrückführung
  • Senkung der Kfz-Kosten durch Kündigung sowie Auslauf der Leasingverträge
  • Geringfügige Personaleinsparungen
  • Ausschluss des Gesellschafter-Geschäftsführers – Einsparung von Kosten und Entnahmen
  • Insolvenzgeld – 75.000,- EUR dreimalig

Weitere Maßnahmen sind nicht erforderlich. Das Unternehmen plant eine Restrukturierung auf der Grundlage eines noch zu erstellenden Insolvenzplans. Ziel des Insolvenzplans soll die Erhaltung des Unternehmens sein. Hierzu hat das Unternehmen den Unterzeichner bereits mit einem Insolvenzplan beauftragt. Der Unterzeichner wird das Unternehmen während des gesamten Insolvenzverfahrens begleiten und beraten.

Vorteile für Gläubiger bei Durchführung einer Sanierung

Gemäß § 1 InsO dient das Insolvenzverfahren in erster Linie einer bestmöglichen Gläubigerbefriedigung. Das hier beantragte (vorläufige) Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gemäß § 270a InsO, samt dem dahinter stehenden Sanierungskonzept, wird die Gläubiger besser stellen, als ei-ne Abwicklung im Regelverfahren:

  • Einlage der Gesellschafter – durch Neueinzahlung der Geschäftsanteile – in Höhe von 25.000,- EUR
  • Abschöpfung liquider Mittel – am Ende der Sanierungsphase – in Höhe von prognostiziert 100.000 EUR
  • Ggf. Gewinnabschöpfung über eine Laufzeit von 1 bis 3 Jahren während einer Plan-überwachung.

Umgekehrt ist im Regelinsolvenzfall – aufgrund sofortiger Stilllegung des Geschäftsbetriebes und hoher Abwicklungskosten – keinerlei Verteilungsmasse zu erwarten. Eine Veräußerung des Unternehmens kommt aufgrund des stark personenabhängigen Charakters der Geschäftsführer zu dem einzigen Auftraggeber nicht in Betracht.

Bildnachweis Titelfoto, Urheberin: Patricia Bateira

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