EU-Insolvenz nach Geschäftsaufgabe

Als letzte Spielart, wie ein Einzelunternehmer oder Freiberufler sich entschuldet, verbleibt die EU-Insolvenz nach Geschäftsaufgabe. EU-Insolvenz nach Geschäftsaufgabe bedeutet, dass der Unternehmer zunächst seinen Geschäftsbetrieb in Deutschland schließt. Danach verlegt er seinen Lebensmittelpunkt in ein anderes EU-Land, wie beispielsweise England oder Irland.

EU-Insolvenz nach Geschäftsaufgabe nur in England oder Irland

Trotz aller Gerüchte und Internet-Angebote (z.B. Spanien oder Lettland, ich habe übrigens noch nie einen spanischen oder lettischen Restschuldbefreiungsbeschluss gesehen) ist die Entschuldung nach englischem Insolvenzrecht bisher am einfachsten und dort haben wir die meiste Erfahrung. Allerdings wissen wir aufgrund des Brexit nicht, wie lange die Entschuldung für Deutsche in England noch möglich ist.

Die Republik Irland hat seit April 2016 das englische Verbraucherinsolvenzrecht deckungsgleich eingeführt. Also kann man sich ab sofort in Irland genau wie in England entschulden.

Schnelle Insolvenz ist nicht mehr wichtigster Grund für EU-Insolvenz

Allein zum Zwecke der Verkürzung der Verfahrensdauer, lohnt sich das englische Insolvenzverfahren nicht mehr. Das deutsche Insolvenzplanverfahren ist inzwischen schneller und der Kostenaufwand ist ungefähr gleich. Aber für das englische Insolvenzverfahren gibt es andere triftige Gründe.

Die EU-Insolvenz in England sollte der Regelinsolvenz mit Insolvenzplan in Deutschland immer dann bevorzugt werden, wenn der betroffene Schuldner verfeindete Gläubiger hat, welche garantiert versuchen werden, einen deutschen Insolvenzplan zu verhindern.

Ist Widerstand in einem späteren Abstimmungstermin über den Insolvenzplan also vorprogrammiert und kann man diesen nicht brechen, rate ich nach wie vor zur EU-Insolvenz.

EU-Insolvenz lässt Vergangenes ruhen

Die EU-Insolvenz ist England ist darüber hinaus immer dann die beste Wahl, falls der Schuldner dem strengen deutschen Anfechtungsrecht lieber aus dem Weg gehen möchte.

Während im deutschen Insolvenzverfahren – auch im Fall von Insolvenzplanverfahren – die Vergangenheit ausgiebig durchleuchtet wird, um Vermögensverschiebungen bis zu vier Jahre vor der Insolvenz aufzudecken und rückgängig zu machen, kennt das englische Insolvenzrecht keine Anfechtung. Das heißt, das englische Insolvenzrecht lässt die Vergangenheit weitgehend ruhen. Beispielsweise wird der Schuldner sich nicht zu einem Hausverkauf an den Ehegatten vor der Insolvenz rechtfertigen müssen.

EU-Insolvenz kann Schufa-Eintragungen umgehen

Weiterer Vorteil der EU-Insolvenz ist, dass der Schuldner den üblichen Eintragungen in die deutschen Schuldenregister, wie Schufa usw. entgehen kann. Zwar wird der Schuldner eine Eintragung in das englische Schuldenregister erhalten. Aber nach wie vor besteht kein Datenabgleich zwischen den Schuldenregistern der Länder. Mit etwas Glück bleibt die Weste in Deutschland als rein.

Keine Umerziehung

Das englische Insolvenzverfahren ist einfacher und weniger demütigend, als das deutsche. So mancher deutsche Insolvenzverwalter meint, seine Aufgabe besteht insbesondere in der „Umerziehung des bösen Schuldners“. Das wird Ihnen bei einer Insolvenz in England nicht passieren. Man wird Sie mit mehr Respekt behandeln und letztendlich wird der Kontakt zum englischen Insolvency Service gerade mal aus zwei persönlichen Terminen bestehen.

Schließlich besteht der Vorteil der EU-Insolvenz gegenüber der Regelinsolvenz darin, dass der englische Insolvenzbeschlag keine deutschen Immobilien umfasst. Der englische Insolvenzverwalter wird deutsche Immobilien nicht verwerten.

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