Was muss ich tun, bevor ich Privatinsolvenz beantrage?

Jedermann kann durch widrige Umstände völlig unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten. Der Druck der Gläubiger und der wachsende Schuldenberg rauben dem Betroffenen jede positive Zukunfts-Perspektive. Die Privatinsolvenz mit Restschuldbefreiung bietet verschuldeten Personen einen Weg aus der Überschuldung. Aus dieser Sichtweise kann die Verbraucherinsolvenz durchaus positiv gewertet werden: Es ist der Beginn eines finanziellen Neuanfangs. Hier hat es vier Tipps, wie Sie die Privatinsolvenz beantragen.

Nehmen Sie eine Lohnpfändung halbwegs gelassen

Zunächst müssen Sie wissen, dass Ihnen nicht das gesamte Einkommen gepfändet wird, sondern nur ein Teil davon. Die Höhe hängt vom Nettoeinkommen und Unterhaltspflichten ab. Anhand der Pfändungstabelle können Sie ermitteln, wie viel von Ihrem Einkommen nach einer Pfändung und in der Privatinsolvenz übrig bleibt. Über den Freibetrag können Sie auch in der Verbraucherinsolvenz nach Belieben verfügen. Wenn Sie bedenken, dass ab sofort keine Gläubigerzahlungen mehr leisten müssen und Ihnen der gesamte Freibetrag fürs Leben zur Verfügung steht, werden Sie wieder ganz ordentlich leben können. Auch eine Gehaltspfändung beim Arbeitgeber müssen Sie nicht befürchten, dies ist kein Entlassungsgrund.

Tipp 1: Man kann Ihnen nicht das gesamte Einkommen pfänden, sondern nur den jeweils pfändbaren Betrag. Wahrscheinlich werden Sie trotz Pfändung mehr Geld fürs Leben haben, als Sie derzeit mit allen Kreditraten.

Eröffnen Sie ein neues Konto

Falls Ihr Girokonto im Minus ist oder bereits gesperrt, wird die Bank Ihnen das Konto wahrscheinlich fristlos kündigen. Das gleiche gilt, wenn Ihr Girokonto zwar ein Plus aufweist, Sie aber bei der gleichen Bank anderweitig Schulden haben. Nach einer fristlosen Kündigung stehen Sie möglicherweise ohne Geld da, weil nicht mal mehr eine Einkommens-Überweisung erfolgen kann. Diese Situation müssen Sie unbedingt vermeiden! Suchen Sie sich eine neue Bank und eröffnen Sie ein Pfändungsschutz-Konto. Die Bank mit dem alten (Minus-) Konto behandeln Sie ab sofort wie einen Gläubiger in der Verbraucherinsolvenz. Lesen Sie hier, wie Sie auch bei negativem Schufa-Eintrag ein neues Konto bekommen.

Tipp 2: Eröffnen Sie ein neues Konto bei einer neuen Bank. Wandeln Sie das neue Konto erst dann in ein Pfändungsschutzkonto um, wenn Sie den Insolvenzantrag bei Gericht einreichen oder falls eine Pfändung droht.

Stellen Sie die Zahlungen ein

Nachdem das neue Konto eingerichtet ist, stellen Sie jegliche Zahlungen an die Gläubiger ein. Miete, Strom und alle Dauerschuldverhältnisse, die auch im „neuen Leben“ gelten sollen, bedienen Sie natürlich weiter. Ansonsten gibt es keine Ausnahme. Pleite ist pleite! Auch die Androhung des Gerichtsvollziehers oder gar Aufforderung zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung kann Ihnen gleichgültig sein. Haben Sie sich für die Verbraucherinsolvenz entschieden, verschlechtert die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung Ihre Rechtslage nicht.

Tipp 3: Ab dem Moment, wo Sie sich für die Verbraucherinsolvenz entschieden haben, stellen Sie alle Zahlungen an die Gläubiger ein.

Retten Sie, was gerettet werden darf

Überlegen Sie, welche Ihrer Vermögenswerte Sie vor der PRivatinsolvenz noch „retten“ können. Besitzen Sie beispielsweise ein Auto oder eine Lebensversicherung mit einem Rückkaufwert von etwa 1000 Euro, werden Sie sich überlegen, ob Sie diese vorher auflösen und das Geld verwenden können. Grundsätzlich gilt: Derartige „Beseitigungsmaßnahmen“ sind bei Strafe verboten. Eine Ausnahme besteht nur, wenn Sie das Geld zum Lebensunterhalt brauchen. Lösen Sie beispielsweise die schon erwähnte Lebensversicherung für 1000 Euro auf oder verkaufen das Auto für 1.500 € kurz vor der Privatinsolvenz, so wird man das tolerieren, wenn Sie von dem Geld Ihren Lebensunterhalt bestreiten. Das heißt im Klartext, dass Sie bei einem Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze einen Betrag bis zur Pfändungsgrenze zuschießen dürfen. Von allem, was darüber liegt, lassen Sie besser die Finger.

Tipp 4: Bilden Sie vor der Insolvenz eine Reserve, indem Sie noch Dinge verwerten und Guthaben verbrauchen. In einem angemessenen Rahmen ist dies durchaus erlaubt.

Was Sie von mir erwarten können:

  • Im Ergebnis geht es mir darum, Ihre finanziellen Verhältnisse wieder ins Gleichgewicht zu bringen und Ihnen eine neue Perspektive zu geben.
  • Sie erhalten von mir eine qualifizierte Beratung samt Antrag auf Verbraucherinsolvenz ohne Wartezeit.
  • Möglicherweise ist überhaupt keine Insolvenz erforderlich, weil wir den Zahlungsengpass schon mit einem Schuldenvergleich überwinden können.
  • Als spezialisierter Anwalt verfüge ich über das erforderliche Fachwissen zu einer erfolgreichen Insolvenzberatung und habe dies in tausenden Verfahren immer wieder unter Beweis gestellt.
  • Zusätzlich kommt Ihnen meine Erfahrung als gerichtlich bestellter Treuhänder (Insolvenzverwalter) zugute.

Übrigens: Ich weiß, dass der Schritt zur Verbraucherinsolvenz einige Überwindung kostet. Aber nur Mut: Ich habe nahezu keinen Mandanten, dem es in der Verbraucherinsolvenz schlechter geht, als vorher!

132 Kommentare

  1. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich vermute, dass Sie am Ende darauf sitzen bleiben. Den Zwangsverwalter gibt es ja nicht mehr.

  2. Sehr geehrter Herr Franzke,
    vielen Dank vorab für Ihre Unterstützung. Mein Mann und ich befinden uns beide in der Wohlverhaltensphase. Die Insolvenzverfahren wurden 2014 eröffnet. Unser Haus wurde seit 2013 zwangsverwaltet und ist Anfang 2015 vom Insolvenzverwalter verkauft worden und die Zwangsverwaltung eingestellt. Nun erhalten wir eine Forderung für die Grundsteuer des Jahres 2015. Laut Rechtslage ist der Alteigentümer in der Zahlungspflicht. Jedoch wurde das Haus fast 2 Jahre zwangsverwaltet. Die Rechnung zur Grundsteuer wurde noch während der Zwangsverwaltung dem Verwalter zugestellt. Die Gemeinde fordert nun den Fehlbetrag von 2015 incl. Säumniszuschläge. Müssen wir die Forderung tatsächlich begleichen? Wir habe seit 2013 keinen Zugriff auf Einnahmen und Ausgaben des Hauses.
    Vielen Dank vorab.
    Freundliche Grüße
    Andrea Schneider

  3. Grundsätzlich keine Konsequenzen. Aber der Insolvenzverwalter könnte Ihnen vorwerfen, dass die Ltd. nur zum Schein existiert. Das heißt, er kann der Ltd vorwerfen, dass sie eigentlich nur dazu dient, Ihre Einkünfte vor dem Zugriff des Insolvenzverwalters zu entziehen. Dann könnte der Insolvenzverwalter Ihre Ltd. Sturmreif schießen.

  4. Sehr geehrter Herr Franzke,
    ich würde mich freuen, wenn Sie mir folgende Frage beantworten : Ich bin Director einer Limited by guarantee und plane wegen privater Schulden Insolvenz anzumelden. Meiner Firma geht es gut!
    Würde bei mir eine Privat oder Regelinsolvenz durchgeführt ? Welche Konsequenzen hat es für die Ltd. ? Wie bereits erwähnt handelt es ich um eine LTD by guarantee und somit habe ich keine Anteile. Letzte Frage : Was passiert mit meinem KFZ ?

  5. Wenn Ihr Konto ein Pfändungsschutzkonto ist – wovon ich ausgehe – geht die Insolvenzverwalterin Ihr Konto überhaupt nichts an. Sie können die Auskunft verweigern, dann das P-Konto ist nicht Bestandteil der Insolvenzmasse.

  6. Sehr geehrter Herr RA Franzke,
    ich musste im Dezember 2018 eine Privatinsolvenz eröffnen. Von meinem Gehalt ist nichts pfändbar. Meine Insolvenzverwalterin schaut immer auf mein Konto und möchte wissen, welche Ausgaben ich mit meinem nicht pfändbaren Gehalt tätige. Ist das rechtens? Das Geld unterhalb der Pfändungrenze steht mir doch zur freien Verfügung, warum muss ich mich diesbezüglich der Insolvenzverwalterin erklären?
    (ich überweise ab und zu an meine Tochter Geld)
    Vielen Dank

  7. Keine Ahnung. Mir ist nichts bekannt.

  8. Guten Tag, Herr Franzke,
    wie ich gelesen habe (Focus online), soll die lange Laufzeit der Insolvenz von 6 auf 3 Jahre verkürzt werden.
    Wissen Sie, ob diese Meldung richtig ist und wann man damit rechnen kann?
    Freundliche Grüsse
    M. Gold

  9. Leider hat der Insolvenzverwalter recht. Mit der Freigabe müssen Sie wieder für alle Kosten aufkommen, die durch das Haus entstehen.

  10. Hallo ich bin seit 2017 im Insolvenzverfahren meines vermögens jetzt hat ich ein Brief vom Insolvenzverwalter gekriegt das er eine Immobilie die kein Wert hat frei gibt . Er sagt das ich wieder alles zahlen muss,Wohngeld, grundsteuer etc. Jetzt weiss ich nicht mehr weiter wie ich das bezahlen soll. Wegen der Immobilien habe ich Insolvenz gemacht.Und was ich tun muss können Sie mir helfen was ich tun muss? weis
    nicht mehr weiter

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