Privatinsolvenz in Planung. Wen muss ich informieren?

Solange die Privatinsolvenz in Planung ist, müssen Sie niemanden informieren und das sollen Sie  auch gar nicht. Verhalten Sie sich nach außen so, als ob alles in Ordnung wäre. Lassen Sie sich nichts anmerken. Ihre Gläubiger informieren Sie auf keinen Fall.

Tel: 030 306 12345

Bitte niemanden informieren, das erledigen wir.

Die Gläubiger bitte ebenfalls nicht informieren. Diese werden wir bei der Vorbereitung der Privatinsolvenz anschreiben. Wir werden die Gläubiger sogar wiederholt anschreiben. Einmal zur Klärung der Schuldenhöhe und der Vertretungsverhältnisse. Und ein zweites Mal beim außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren. Vermeiden Sie in dieser Phase möglichst jeden Kontakt zu den Gläubigern. Oft kommt es vor, dass geschickte Gläubiger Sie noch zu irgendwelchen Zahlungen überreden, zu denen Sie gar nicht verpflichtet sind. Auch etwaige moralische Appelle können Sie sich sparen. Auch wenn es schwer fällt: Halten Sie still, vermeiden Sie möglichst jeden Kontakt zu den Gläubigern.

Badge zum Online Formular Privatinsolvenz
Schuldnerin fragt, wen sie über die Privatinsolvenz informieren muss

Ihren Arbeitgeber können Sie informieren

Allenfalls informieren Sie Ihren Arbeitgeber, dass Sie eine Privatinsolvenz planen. Nutzen Sie hierzu beispielsweise die Gelegenheit, wenn Sie dem Arbeitgeber das neue Gehaltskonto mitteilen, das Sie zur Vorbereitung des Insolvenzverfahrens einrichten sollten.

Gegen Zwangsvollstreckung sind Sie immun

Sobald Sie sich für die Privatinsolvenz entschieden haben, kann Ihnen Zwangsvollstreckung jeder Art egal sein. Ihr Konto ist durch das Pfändungsschutzkonto geschützt und pfändbares Vermögen besitzen Sie nicht. Die Vermögensauskunft bei einem  Gerichtsvollzieher verhindert nicht Ihre Restschuldbefreiung.

So lange müssen Sie Kreditraten vor der Privatinsolvenz noch bezahlen:

Sobald Sie sich für die Privatinsolvenz entschieden haben, stellen Sie alle Kreditraten- und sonstigen Zahlungen an die Gläubiger ein. Sowohl die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses (früher eidesstattliche Versicherung genannt) als auch Vollstreckungsmaßnahmen nehmen Sie in Kauf. Alle Schulden unterliegen später der Restschuldbefreiung.

Die Zahlungen stoppen und dann tot stellen

Sie müssen sich nicht an Ratenzahlungen halten und dürfen alle Zahlungen an Gläubiger sofort einstellen. Laufende Kosten wie Miete usw. zahlen Sie weiter. Mit Ihrer Entscheidung für eine Privatinsolvenz ist jede weitere Zahlung an Ihre Gläubiger überflüssig und später, nach der gerichtlichen Eröffnung des Insolvenzerfahrens, sogar verboten. Ab dem Zeitpunkt Ihrer Entscheidung für die Privatinsolvenz können Sie Androhungen und Vollstreckungsversuche der Gläubiger ignorieren und selbst eine Zwangsvollstreckung kann Ihnen nichts mehr anhaben. Das Kontoguthaben ist durch das Pfändungsschutzkonto weitestgehend geschützt. Zwangsmaßnahmen eines Gerichtsvollziehers  stehen später der Restschuldbefreiung nicht entgegen.

Ausnahmen von der Regel

  • Haben Sie sich in einem gerichtlichen Vergleich zu einer Ratenzahlung verpflichtet, müssen Sie diese noch eine Weile durchhalten und die Privatinsolvenz um ein paar Monate verschieben. Denn es gilt als strafrechtlicher Prozessbetrug, wenn Sie sich in einer Gerichtsverhandlung zu Raten verpflichten und diese nicht einhalten. 
  • Das gleiche gilt, wenn Sie vor kurzem einen neuen Kredit aufgenommen haben. Auch dann rate ich Ihnen dringend, wenigstens 5 Raten zu bezahlen und erst dann die Zahlungen einstellen. Liegen das Abschlussdatum des Kreditvertrages und die Zahlungseinstellung zu dicht beieinander, wird die Bank den Kreditvertrag überprüfen.  Entdeckt die Bank einen Fehler, erstattet sie Anzeige wegen Kreditbetruges.

Einzugsermächtigung

Haben Sie einem Ihrer Gläubiger eine Einzugsermächtigung oder Lastschrift erteilt, widerrufen Sie diese unmittelbar vor der Insolvenz. Sonst buchen die Gläubiger auch noch im Insolvenzverfahren ab. Den Widerruf erklären Sie gegenüber dem Kunden. Theoretisch könnten Sie auch alte Bankeinzüge zurückrufen, aber ich denke, das wäre kein guter Stil.

Kriegskasse bilden

Der Zahlungsstopp an die Gläubiger wird sich wahrscheinlich positiv auf Ihren Kontostand auswirken. Es wäre nicht verboten, wenn Sie das Guthaben in bar abheben und unter das Kopfkissen legen. Überweisen Sie das Geld aber keinesfalls an Freunde oder Verwandte, sondern heben Sie es ab. Eine Überweisung an einen Freund kurz vor der Insolvenz, würde der Insolvenzverwalter widerrufen.

Leasingraten, Finanzierung

Bei Leasingverträgen und Finanzierungskauf gilt das gleiche. Weil der Leasinggeber usw. den Vertrag mit Insolvenz-Eröffnung kündigen werden, können Sie die Ratenzahlung auch gleich beenden. Spätestens nachdem die zweite Rate ausgeblieben ist, wird gekündigt. Den Gegenstand wie z.B. das geleaste Auto können Sie bis zur Wegnahme  nutzen.

Leasing-Auto zurück

Irgendwann wird die Bank den geleasten oder finanzierten Gegenstandes zurück verlangen. Übergeben Sie den Gegenstand ohne Gegenwehr. Geleaste Gegenstände werden immer zurückverlangt. Ob man finanzierte Gegenstände zurückverlangt, richtet sich nach dem Gegenstand und dem Kaufdatum. Ein finanziertes Sofa, welches Sie bereits seit einem Jahr nutzen, dürfen Sie garantiert behalten.

Diese Schulden müssen Sie in der Privatinsolvenz abzahlen:

In der Privatinsolvenz müssen Sie den pfändbaren Teil Ihres Einkommens abführen. Pech für die Gläubiger, wenn kein pfändbares Einkommen vorhanden ist. Die Restschuldbefreiung erhalten Sie selbst dann, wenn Sie in der Privatinsolvenz überhaupt keine Schulden abzahlen. Das pfändbare Einkommen hängt ab, von Ihrem Nettoeinkommen und Ihren Unterhaltspflichten. Unterhaltspflichten sind leibliche Kinder und der Ehegatte.

So berechnen Sie das pfändbare Einkommen:

Wie viel Schulden Sie zurückzahlen müssen, hängt von Ihrem Netto-Einkommen ab und Ihren Unterhaltspflichten. Im Insolvenzverfahren gilt die gesetzliche Pfändungstabelle. Die Pfändungstabelle bestimmt, welchen Betrag Sie vom Nettoeinkommen behalten dürfen und welchen Teil Sie zur Insolvenzmasse abführen müssen.

Ermitteln Sie also zunächst Ihr Nettoeinkommen. Das Nettoeinkommen finden auf Ihrem Gehaltsnachweis oder Rentenbescheid oder Zuwendungsbescheid, usw. Verfügen Sie über mehrere Einkommen, rechnen Sie diese zusammen und bilden daraus das Gesamt-Nettoeinkommen.

Danach addieren Sie die Unterhaltspflichten. Als Unterhaltspflicht gelten die leiblichen Kinder, wenn sie unter 18 Jahre alt sind oder bis 25 Jahre, solange sich das Kind in der Ausbildung befindet und der Ehegatte. Lebensgefährten zählen nicht als Unterhaltspflicht. 

Verfügen die Kinder über eigene Einnahmen über 400 €, gelten sie nicht mehr als Unterhaltspflicht. Hat beispielsweise das unterhaltsberechtigte Kind 200 € regelmäßige Nettoeinnahmen, wird dieser Betrag von Ihrer Pfändungsgrenze abgezogen.

Nun können Sie grob einschätzen, wieviel Schulden Sie in der Privatinsolvenz abzahlen müssen. Liegt Ihr Einkommen unter der Pfändungsgrenze erhalten Sie trotzdem die Restschuldbefreiung.

Wie erfahre ich, wie hoch meine Schulden sind?

Auch wenn ich meine Mandanten sonst zum Selbermachen ermuntere: Erstellen Sie die Gläubigerliste nicht selbst, sondern überlassen Sie das einem Profi. Wer eine Regelinsolvenz beantragen will, muss unter anderen die Schuldenhöhe der Gläubiger angeben. Die Forderung des Gläubigers muss unterteilt werden in die Hauptforderung in die Kosten und die Zinsen. Kosten und Zinsen müssen auf einen Stichtag bezogen sein.

Gläubigerliste muss stimmen

Bei der Gläubigerliste müssen Sie penibel sein. Nicht nur die Höhe der Schulden muss richtig angegeben sein, sondern auch der Name und die Anschrift der Gläubiger. Unterscheiden Sie außerdem zwischen dem Gläubiger und dem Gläubigervertreter. Der Gläubiger ist die Person, Behörde oder Unternehmen, der Sie das Geld schulden. Der Gläubigervertreter hingegen ist das Inkassobüro oder der Anwalt, der den Gläubiger vertritt.

Barbeitungszeichen ist Pflicht

Große Gläubiger wie Unternehmen oder Behörden führen Ihre Angelegenheit unter einem bestimmten Bearbeitungszeichen, wie Rechnungsnummer, Kundennummer, Kontonummer, usw.. Dieses Bearbeitungszeichen darf keinesfalls fehlen, denn ohne dieses Zeichen gilt die Anschrift eines Gläubigers nach höchstrichterlicher Rechtsprechung als nicht zustellbar.

Firma vollständig nennen

Auch bei der Namensangabe des Gläubigers muss der Antragsteller sorgfältig sein. Oft werden nur umgangssprachliche Namen angegeben, wie beispielsweise “Telekom”. Das ist falsch. Der Gläubiger heißt nicht nur “Telekom”, sondern “Deutsche Telekom AG”. Darauf müssen Sie achten. Gerade Inkassobüros haben oft gleichartige Firmen-Namen. Sonst haben Sie einen falschen Gläubiger auf der Liste. Der richtige Gläubiger kann Ihnen Ärger bereiten.

Geschäftsführer, Vorstand

Juristische Personen als Gläubiger wie GmbH oder Aktengesellschaften müssen außerdem mit dem gesetzlichen Vertreter gekennzeichnet sein, also den Vorstand oder Geschäftsführer oder den Amtsleiter, usw. Dies herauszufinden, kann insbesondere bei Behörden schwierig sein. Am einfachsten ist es, Sie googlen nach dem Impressum auf der Webseite des Gläubigers.

10 Kommentare

  1. Ja, der Insolvenzverwalter wird den Vermieter über die Privatinsolvenz informieren. Die Privatinsolvenz ist aber kein Kündigungsgrund.

  2. Muss ich meinen Vermieter bzw zukünftigen Vermieter, wegen geplanten Umzug über Privatinsolvenz informieren, bzw wird er darüber informiert?

  3. Versuchen Sie den Insolvenzverwalter davon zu überzeugen, dass Sie die pfändbaren Einkommensanteile freiwillig abführen. Das wird eine Zeitlang funktionieren wie beispielsweise während der Probezeit. Über die Dauer des gesamten Insolvenzverfahrens werden Sie den Arbeitgeber aber sicherlich nicht heraushalten können.

  4. Ich muss Regelinsolvenz beantragen. Habe jetzt ab 1.4. wieder einen guten Job mit 4000 €. Wie kann ich verhindern, dass der Arbeitgeber etwas von der Situation mitbekommt, da ich bei eingehenden Pfändungen beim AG sofort die Kündigung kriegen würde. Da ich auch beim Finanzamt Schulden habe, kommen die ja sowieso drauf, oder?!

    Gruss

  5. Nein, Sie müssen niemanden von dem laufenden Insolvenzverfahren berichten.

  6. wenn ich mich in einer laufenden insolvenz befinde, wen muss ich darüber benachrichtigen? Wenn mir meine selbständige tätigkeit freigegen ist, muss ich meinen kunden oder geschäftspartnrn sagen das ich mich in einer insolvenz befinde? darf jemand anders öffentlich kommunizieren das ich mich in einer insolvenz befinde ?

    LG

  7. Nein. Wenn das Geld Ihrer Frau gehört, kann sie damit machen, was sie will. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte sie dennoch das Geld schnell an sich nehmen.

  8. Hallo,

    was ist wenn ich bereits Mahnungen über offene Forderungen erhalte und bereits seit einiger Zeit aufgrund Zahlungsunfähigkeit sämtliche Zahlungen eingestellt habe und demnächst ein PI anstrebe. Jedoch noch ein Gemeinschaftskonto mit meiner Frau besitze und Sie noch daheim gespartes hatte und dies Konto über Ihr anderes Konto überweisen möchte um das Konto zu schließen. Kann das Geld dann einfach vom Insolvenzverwalter oder jmd. anderen eingezogen werden aufgrund von Begünstigung eines Gläubigers oder so?

  9. Hallo,

    nein, gar nichts ist im Eimer. Alles wird gut und bitte nicht so viel Angst! Es ist schlicht weg egal, ob Sie die Gläubiger vor der Insolvenz informieren oder nicht. Die Restschuldbefreiung kriegen Sie auf jeden Fall.

    Grüsse
    Franzke

  10. Was wenn ich dummerweise die gläubiger schon über bervorstehende inso informiert habe vor lauter Angst? Alles im einer?

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10 Kommentare

  1. Ja, der Insolvenzverwalter wird den Vermieter über die Privatinsolvenz informieren. Die Privatinsolvenz ist aber kein Kündigungsgrund.

  2. Muss ich meinen Vermieter bzw zukünftigen Vermieter, wegen geplanten Umzug über Privatinsolvenz informieren, bzw wird er darüber informiert?

  3. Versuchen Sie den Insolvenzverwalter davon zu überzeugen, dass Sie die pfändbaren Einkommensanteile freiwillig abführen. Das wird eine Zeitlang funktionieren wie beispielsweise während der Probezeit. Über die Dauer des gesamten Insolvenzverfahrens werden Sie den Arbeitgeber aber sicherlich nicht heraushalten können.

  4. Ich muss Regelinsolvenz beantragen. Habe jetzt ab 1.4. wieder einen guten Job mit 4000 €. Wie kann ich verhindern, dass der Arbeitgeber etwas von der Situation mitbekommt, da ich bei eingehenden Pfändungen beim AG sofort die Kündigung kriegen würde. Da ich auch beim Finanzamt Schulden habe, kommen die ja sowieso drauf, oder?!

    Gruss

  5. Nein, Sie müssen niemanden von dem laufenden Insolvenzverfahren berichten.

  6. wenn ich mich in einer laufenden insolvenz befinde, wen muss ich darüber benachrichtigen? Wenn mir meine selbständige tätigkeit freigegen ist, muss ich meinen kunden oder geschäftspartnrn sagen das ich mich in einer insolvenz befinde? darf jemand anders öffentlich kommunizieren das ich mich in einer insolvenz befinde ?

    LG

  7. Nein. Wenn das Geld Ihrer Frau gehört, kann sie damit machen, was sie will. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte sie dennoch das Geld schnell an sich nehmen.

  8. Hallo,

    was ist wenn ich bereits Mahnungen über offene Forderungen erhalte und bereits seit einiger Zeit aufgrund Zahlungsunfähigkeit sämtliche Zahlungen eingestellt habe und demnächst ein PI anstrebe. Jedoch noch ein Gemeinschaftskonto mit meiner Frau besitze und Sie noch daheim gespartes hatte und dies Konto über Ihr anderes Konto überweisen möchte um das Konto zu schließen. Kann das Geld dann einfach vom Insolvenzverwalter oder jmd. anderen eingezogen werden aufgrund von Begünstigung eines Gläubigers oder so?

  9. Hallo,

    nein, gar nichts ist im Eimer. Alles wird gut und bitte nicht so viel Angst! Es ist schlicht weg egal, ob Sie die Gläubiger vor der Insolvenz informieren oder nicht. Die Restschuldbefreiung kriegen Sie auf jeden Fall.

    Grüsse
    Franzke

  10. Was wenn ich dummerweise die gläubiger schon über bervorstehende inso informiert habe vor lauter Angst? Alles im einer?

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