Verbraucherinsolvenz oder Privatinsolvenz oder Regelinsolvenz, was ist richtig?

Regelinsolvenz für Selbständige aller Art, Verbraucherinsolvenz für Arbeitnehmer, Rentner, Arbeitslose, usw. – in beiden Fällen wird die Restschuldbefreiung ausgesprochen. Der Begriff “Privatinsolvenz” ist umgangssprachlich und meint die Verbraucherinsolvenz. Telefon: 030 306 12345

Für Sie ist folgendes Insolvenzverfahren richtig:

Regelinsolvenz, wenn …

Das Regelinsolvenzverfahren ist für Personen mit Einkünften aus selbständiger Tätigkeit (also Freiberufler, Gewerbetreibende , Unternehmer) und für ehemalige Selbständige mit mehr als 20 Gläubigern oder Schulden aus Arbeitsverhältnissen, Sozialversicherungsbeiträgen, Lohnsteuern.

Verbraucherinsolvenz, wenn …

Die Verbraucherinsolvenz hingegen richtet sich an alle anderen Personen, wie Arbeitnehmer, Arbeitslose, Rentner, usw.. Also alle, die nicht in eine Regelinsolvenz müssen. Der Begriff “Privatinsolvenz” ist umgangssprachlich und meint die Verbraucherinsolvenz.

Privatinsolvenz, wenn …

Das Gesetz hingegen kennt nur die Begriffe: Verbraucherinsolvenz und Regelinsolvenz. Mit “Privatinsolvenz” ist das Insolvenzverfahren einer Privatperson gemeint. Das heißt, die Privatinsolvenz kann sowohl eine Verbraucherinsolvenz als auch eine Regelinsolvenz sein.

Die Verfahren sind ähnlich

Welches Verfahren man durchlaufen muss, ist vom Ergebnis her betrachtet, egal. In beiden Fällen erhält der Schuldner zum Abschluss des Insolvenzverfahrens die Restschuldbefreiung. Die beiden Insolvenzverfahren unterscheiden sich jedoch etwas in ihrem Ablauf.

Unterschied liegt im Insolvenzverwalter

Während für die Regelinsolvenz die ausgeschlafenen, sehr professionellen Insolvenzverwalter den Schuldnern auf die Nerven gehen, bestellen die Gerichte für die Verbraucherinsolvenz die “dummen” Insolvenzverwalter ein. Der “dumme” Insolvenzverwalter für die Verbraucherinsolvenz wird weitaus weniger bohren. Das ist ein großer Vorteil für den betroffenen Schuldner und sein Umfeld.

Weiterer Unterschied: Die Verbraucherinsolvenz eröfffnet das Gericht sofort. Der Regelinsolvenz hingegen ist ein vorläufiges Insolvenzverfahren vorgeschaltet, das durchschnittlich drei Monate andauert. Erst danach eröffnet das Gericht das Insolvenzverfahren. Trotzdem hat der Schuldner bei der Regelinsolvenz keinen Zeitverlust. Die Vorbereitung der Verbraucherinsolvenz dauert länger, weil dieser zwar keine vorläufige Insolvenz vorgeschaltet ist, aber das Schuldenbereinigungsverfahren.

Im Ergebnis ist die Verbraucherinsolvenz etwas entspannter als die Regelinsolvenz. Wenn es irgendwie passt, versuchen Sie in die Verbraucherinsolvenz zu kommen. Falls dies aber nur mit großem Aufwand möglich ist, dann verzichten Sie darauf und nehmen die Regelinsolvenz als zweitbeste Lösung.

Ein König als Symbol für den Insolvenzverwalter

45 Kommentare

  1. Hallo Herr Franzke, ich bin selbst. Kurierfahrerin und werde demnächst Insolvenz beantragen, da mein bester Kunde dies ebenfalls getan hat. Ob Regel oder Verbraucher weiss ich noch nicht. Einer meiner bisherigen Kunden würde mich auf 450.- Basis zzgl. der steuerfreien km-Pauschale gerne weiter beschäftigen. Da ich mit dem km-Geld (eigenes Fahrzeug) über den monatlichen Pfändungsfreibetrag kommen würde, wäre jetzt meine Frage, ob diese km-Pauschale gepfändet werden kann oder nicht bzw. ob dieser Betrag vor Pfändung geschützt werden kann? Ebenso interessant wäre die Frage, was passiert, wenn während der Insolvenz ein weiterer Gläubiger hinzu kommen würde? Vielen Dank für die Antwort!
    Gruss Sabrina

  2. Wenn Sie mehr als 19 Gläubiger haben, ist es eine Regelinsolvenz, falls nicht eine Verbraucherinsolvenz. Die dürfen die GmbH-Anteile verkaufen. Gehen Sie dazu zu Ihrem Steuerberater, er soll Ihnen eine kurze, schriftliche Einschätzung geben, wie viel die GmbH wert ist. Zu diesem Preis verkaufen Sie die GmbH an einen Dritten. Das Geld muss über Konten fließen. Schulden verrechnen funktioniert nicht. Dann geben Sie das Geld maßvoll für den Lebensunterhalt aus. Das dauert eine Weile. Deshalb melden Sie die Insolvenz erst später an.

  3. Ich habe Schulden aus meiner vorherigen Selbstständigkeit sowie private Schulden. Die Selbstständigkeit habe ich aufgegeben und das Gewerbe angemeldet.
    Ich beziehe nur eine Erwerbsfähigkeitsrente.

    Allerdings bin ich alleiniger Gesellschafter einer GmbH, die GmbH ist nicht verschuldet.

    Muss ich Regel- oder Privatinsolvenz beantragen?

    Darf ich die GmbH vor Eintritt in die Insolvenz verkaufen wenn dafür ein angemessener Preis bezahlt wird und dieser zur Abzahlung der Schulden genutzt wird?
    Können Sie dabei ggf. auch helfen?

    Vielen Dank für ihre Hilfe.

  4. Leider sind die Aussichten auf einen außergerichtlichen Vergleich aussichtslos. Deshalb rate ich Ihnen zu einer Privatinsolvenz. Sie können das Gewerbe angemeldet lassen. Wahrscheinlich wird der Insolvenzverwalter das Gewerbe aus der Insolvenzmasse freigeben, wenn die Umsätze nicht hoch sind. Sparen Sie sich die 10.000 EUR, beantragen Sie ein Insolvenzverfahren und Sie werden feststellen, dass die Folgen gar nicht so schwer sind.

  5. Sehr geehrter Herr Franzke,

    ich habe in den letzten Jahren 15000€ Schuld an das Finanzamt zurückgezahlt, um da Schuldenfrei zu sein. Nun sind noch 18 Gläubiger aus privatem Bereich übrig, mit ca 30.000€. Ab nächsten Monat habe ich eine Festanstellung und wollte eigentlich das Gewerbe „ruhen lassen“. Dann habe ich keine Einkünfte aus einem Gewerbe. Reicht das aus, für die Privatinsolvenz oder muss ich das Gewerbe abmelden? Und ist es realistisch, dass ich mit 10.000€ vielleicht sogar durch einen Vergleich ohne Insolvenz Erfolg haben kann? Die Schulden sind alle aus einer langen Krankheitsphase von vor 10 Jahren…

    Vorab vielen Dank für Ihre Antwort

    A Liebertz

  6. Wenn Ihr Mann mehr als 19 Gläubiger hat oder Arbeitslöhne oder Sozialabgaben schuldet, dann muss er eine Regelinsolvenz beantragen, ansonsten eine Verbraucherinsolvenz. Gerne helfe ich Ihrem Mann dabei.

  7. Mein Partner war vier Jahre selbständig und ist jetzt wieder in einer Festanstellung seit Januar. Es sind in den vier Jahren Selbständigkeit Steuerschulden angefallen( Gewerbesteuer und Umsatzsteuer, ABER KEINE Lohnsteuer). Die Steuerschuld beim Finanzamt ist so hoch, dass er sie nicht begleichen kann und das Finanzamt lässt sich nicht auf eine Ratenzahlung ein, ein Kredit wurde auch abgelehnt. Ansonsten gibt es keine weiteren Gläubiger. Kann er in die Verbraucherinsolvenz oder muss er eine Regelinsolvenz beantragen?

  8. Sie müsssen die Regelinsolvenz machen.

  9. Ich habe mich letzten Monat Selbstständig gemacht, meine Schulden kommen aber aus rein privater Sache es müssten ca. 25 Gläubiger sein. Muss ich eine Regelinsolvenz oder Privatinsolvenz machen?

  10. Leider habe ich keine guten Nachrichten für Sie. Ihnen ist bis auf weiteres der Zugang zu einem zweiten Insolvenzverfahren verwehrt und die Gläubiger inklusive Finanzamt dürfen weiterhin gegen Sie vollstrecken. Vielleicht gelingt es Ihnen, die Situation in Zukunft etwas gelassener zu sehen. Man kann Ihnen von dem Wenigen was Sie haben, nichts wegnehmen.

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