Wie erfahre ich die Schuldenhöhe und muss die Gläubigerliste vollständig sein?

Auch wenn ich meine Mandanten sonst zum Selbermachen ermuntere: Erstellen Sie die Gläubigerliste nicht selbst, sondern überlassen Sie das einem Profi. Wer eine Verbraucherinsolvenz beziehungsweise Regelinsolvenz beantragen will, muss unter anderen die Schuldenhöhe bei den einzelnen Gläubigern angeben. Die Forderung des jeweiligen Gläubigers muss unterteilt werden in die Hauptforderung in die Kosten und die Zinsen. Kosten und Zinsen müssen auf einen Stichtag bezogen sein.

Gläubigerliste muss stimmen

Bei der Gläubigerliste müssen Sie penibel sein. Nicht nur die Höhe der Schulden muss richtig angegeben sein, sondern auch der Name und die Anschrift der Gläubiger.

Barbeitungszeichen ist Pflicht

Große Gläubiger wie Unternehmen oder Behörden führen Ihre Angelegenheit unter einem bestimmten Bearbeitungszeichen, wie Rechnungsnummer, Kundennummer, Kontonummer, usw.. Dieses Bearbeitungszeichen darf keinesfalls fehlen, denn ohne dieses Zeichen gilt die Anschrift eines Gläubigers nach höchstrichterlicher Rechtsprechung als nicht zustellbar.

Firma vollständig nennen

Auch bei der Namensangabe des Gläubigers muss der Antragsteller sorgfältig sein. Oft werden nur umgangssprachliche Namen angegeben, wie beispielsweise “Telekom”. Das ist falsch. Der Gläubiger heißt nicht nur “Telekom”, sondern “Deutsche Telekom AG”. Darauf müssen Sie achten. Gerade Inkassobüros haben oft gleichartige Firmen-Namen. Sonst haben Sie einen falschen Gläubiger auf der Liste. Der richtige Gläubiger kann Ihnen Ärger bereiten.

Geschäftsführer, Vorstand

Juristische Personen als Gläubiger wie GmbH oder Aktengesellschaften müssen außerdem mit dem gesetzlichen Vertreter gekennzeichnet sein, also den Vorstand oder Geschäftsführer oder den Amtsleiter, usw. Dies herauszufinden, kann insbesondere bei Behörden schwierig sein. Am einfachsten ist es, Sie googlen nach dem Impressum auf der Webseite des Gläubigers.

Gläubiger und Gläubigervertreter

Also bitte sorgfältig sein. Andernfalls wird das Gericht den Insolvenzantrag zurückweisen. Sie bieten den Gläubigern eine offene Flanke zur Versagung der Restschuldbefreiung später im Insolvenzverfahren. Denn Sie müssen die Vollständigkeit und Richtigkeit Ihres Insolvenzantrages schriftlich versichern.

Unterscheiden Sie außerdem zwischen dem Gläubiger und dem Gläubigervertreter. Der Gläubiger ist die Person, Behörde oder Unternehmen, der Sie das Geld schulden. Der Gläubigervertreter hingegen ist das Inkassobüro oder der Anwalt, der den Gläubiger vertritt.

Weil Inkassobüros häufig wechseln, ist es gar nicht so einfach, das richtige Inkassobüro zu benennen. Im Zweifel fragen Sie bei dem Gläubiger an.

Mann ermittelt seine Schuldenhöhe, weil er Privatinsolvenz beantragen will

Behörden sind kompliziert

Haben Sie beispielsweise Steuerschulden, dann ist der Gläubiger nicht das Finanzamt Steglitz, sondern das Land Berlin, dieses vertreten durch das Amtsgericht Steglitz, dieses vertreten durch seinen Amtsvorsteher Axel Kanopke … Wer letztendlich der Gläubiger bei öffentlichen Schulden ist, lässt sich nur schwer herausfinden. In der Regel ist Gläubiger der Bund, das Land oder die Kommune. Die Behörde selbst ist es nicht.

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