Was mit Schenkung oder Erbschaft bei Privatinsolvenz?

Lassen Sie sich währen der Privatinsolvenz nichts schenken. Die Schenkung gehört in die Insolvenzmasse. Gleiches gilt bei Erbschaften. Erben Sie während der Privatinsolvenz, können Sie das Erbe ausschlagen. Vielleicht werden sich die Miterben später dafür erkenntlich zeigen.

Schenkungen und Erbschaften möglichst ausschlagen

Schenkungen oder Erbschaften gehen im Haupt-Insolvenzverfahren zu 100% in die Insolvenzmasse und in der Wohlverhaltensphase zu 50%. Es gibt einen einfachen Trick um zu verhindern, dass das Erbe an die Insolvenzmasse fällt: Erklären Sie die Erbausschlagung. Damit können Sie Probleme vermeiden.

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Großmutter enterbt Tochter, weil sie eine Insolvenz beantragen muss

Voraussetzung der Erbausschlagung

Eine Bedingung oder Voraussetzung für eine Erbausschlagung während die Privatinsolvenz läuft, gibt es nicht. Sie dürfen dieses Recht jederzeit ausüben. Eine Verpflichtung das Erbe anzunehmen und dann der Insolvenzmasse zu übergeben, gibt es nicht. Die Erbausschlagung müssen Sie gegenüber einem Notar binnen 6 Wochen ab Kenntnis des Erbfalls erklären. 

Erbausschlagung funktioniert nur …

wenn Sie Verwandete haben, denen das Erbe nach Ihrer Ausschlagung zufällt und die nett zu Ihnen sind. Erben Sie beispielsweise zusammen  mit Ihrer Schwester die Eltern, können Sie das Erbe ausschlagen. Dann fällt das Erbe vollständig an Ihre Schwester und diese lädt Sie dann sicherlich hin und wieder zum Kaffee ein. …  

Falls Sie das Erbe annehmen  …

Müssen Sie das Erbe aber annehmen, weil Sie keine netten Verwandten haben oder weil Sie mit den Miterben verfeindet sind, gilt folgendes: Während es eigentlichen Insolvenzverfahrens fällt das Erbe zu 100% an die Insolvenzmasse. In der Wohlverhaltensperiode zu 50%. Das heißt aber nicht, dass Sie das Erbe annehmen und die Hälfte dem Insolvenzverwalter auskehren dürfen. Sondern Sie müssen das Erbe zunächst vollständig dem Insolvenzverwalter abgeben und dieser teilt Ihnen dann irgendwann die Hälfte zu.

Unterschied: Insolvenzverfahren und Wohlverhaltensperiode

Die Privatinsolvenz besteht aus zwei Abschnitten: dem eigentlichen Insolvenzverfahren und der Wohlverhaltenszeit. Während der eigentlichen Privatinsolvenz ermittelt der Insolvenzverwalter “Ihr Vermögen”, nimmt es Ihnen weg und verteilt es am Schlusstermin an die beteiligten Gläubiger nach deren Quote. Das eigentliche Insolvenzverfahren dauert ca. eineinhalb Jahre.

Nachdem die Verteilung des Vermögens und damit das eigentliche Insolvenzverfahren abgeschlossen ist, beginnt die Wohlverhaltenszeit und dauert, bis die drei Jahre Gesamtdauer vorüber sind.

In der Wohlverhaltenszeit ist nur noch der pfändbare Teil Ihres Einkommens abgetreten, aber es findet keine Verwertung von Vermögen mehr statt. Nun kann die oben geannte Frage beantwortet werden:

Schenkungen und Erbschaften während des Insolvenzverfahrens gehen voll in die Insolvenzmasse, werden vom Insolvenzverwalter also verwertet. Deshalb ist es beispielsweise keine gute Idee, wenn Sie sich in dieser Zeit ein Auto schenken lassen.

Schenkungen und Erbschaften in der Wohlverhaltenszeit hingegen dürfen Sie zur Hälfte behalten. Sie müssen das Erbe aber nicht unbedingt annehmen. Haben Sie beispielsweise vertrauensvolle Geschwister, können Sie das Erbe auch ausschlagen.

130 Kommentare

  1. Ja, das wäre eine Schenkung. Die Frage ist also, wie viel Wert der Geschäftsbetrieb hat.

  2. Sehr geehrte Damen und Herren

    Demnächst werde ich das Geschäft meiner Mutter unentgeltlich übernehmen.

    Die Frage hierzu ist, wird diese Schenkung auch gewertet und zur Hälfte in die Insolvenzmasse fällt?

  3. Ja, wenn Sie den Pflichtteil erstritten haben, müssen Sie ihn dem Insolvenzverwalter abgeben.

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,

    könnten Sie mir bitte folgende frage beantworten :
    Habe privat Insolvenz im Jahre 2017 gestartet.
    Mein Vater ist 2013 verstorben ich bin gerade in Klärung gegen das Testament vorzugehen. um meinen Pflichtteil einzuklagen. Wenn nun das Erbe was mir von damals zustand bekommen sollte würde dies in Insolvenz einfließen ?

    Tedur

  5. Ja, können sie. Um dies zu verhindern, kann Ihre Schwester das Erbe ausschlagen, durch einfache Erklärung bei einem Notar. Aber die Ausschlagungsfrist beträgt nur 6 Wochen. Aber Ihre Schwester kann es trotzdem versuchen. Falls das nicht klappt, geht der Erbanteil der Schwester zur Insolvenzmasse.

  6. Hallo !

    Ich habe eine frage bzgl. Erbengemeinschaft. Meine Mutter ist vor zwei Monaten gestorben, mein ältester Bruder möchte das Haus gerne kaufen und uns anderen auszahlen, meine Schwester hat privat Insolvenz.

    Jetzt die Frage

    Können die Gläubiger meiner Schwester auch an unser Erbe?

  7. Sie können das Erbe einfach ausschlagen. Dazu gehen Sie binnen 6 Wochen zu einem Notar, eine einfache Erklärung reicht nicht.Damit ist auch der Pflichtteil erledigt.

  8. Sehr geehrter Herr Franzke,
    ich habe eine Sache zu meiner Angelegenheit. Ich bin seit 22.11.2016 in der Insolvenz und habe derzeit ca. 35.000,– € bezahlt. Jetzt ist meine Mutter am 29.08.2019 verstorben und hinterlässt uns 4 Geschwistern ein Haus von ca. 120.000,– €. Es fällt auf jeden ungefähr 30.000,– €. Jetzt ist die Frage, dass mein Pflichtteilanteil in die Insolvenzmasse fällt? Und meine 2 und 3 Frage lautet: Kann ich das Erbe ausschlagen und den Pflichtteil an meine Geschwister übertragen. 3. Reicht da ein normaler Brief an das Amtsgericht.
    Danke für Ihre Hilfe.
    Beste Grüße
    Steve

  9. Die Praxis sieht anders aus. Wenn Ihnen in der Wohlverhaltensperiode etwas geschenkt wird, dann kann er Insolvenzverwalter das Geschenkte vollständig zunächst einziehen und verwerten. Er muss dann abrechnen und Ihnen die Hälfte nach Abzug aller Kosten überweisen. Das wäre keine so gute Idee, wenn Sie sich eine Immobilie schenken lassen.

  10. „Schenkungen und Erbschaften in der Wohlverhaltenszeit hingegen dürfen Sie zur Hälfte behalten.“

    Zu dieser Aussage hätte ich eine Nachfrage. Als Schuldner muss ich während der Insolvenzverfahrens alle Vermögenswerte an den Treuhänder herausgeben. Nach Aufhebung des Verfahrens, also in der Wohlverhaltensperiode (WVP), ändert sich dies. Dem Schuldner obliegt es, in dem Zeitraum zwischen Beendigung des Insolvenzverfahrens und dem Ende der Abtretungsfrist sein pfändbares Einkommen und bei Erbschaften die Hälfte des ihm zustehenden Erbteiles herausgeben (§ 295 Abs. 1 InsO). Schenkungen und auch Lotteriegewinne sind dort nicht aufgeführt und dürften durch den Schuldner vollständig behalten werden.

    Wenn mir also in der WVP eine Immobilie übertragen wird hat der Treuhänder keinen Anspruch darauf. Habe ich das so richtig verstanden?

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