Ich habe mich zur Ratenzahlung verpflichtet. Wie lange muss ich noch bezahlen?

Sobald Sie sich für die Privatinsolvenz entschieden haben, stellen Sie alle Raten- und sonstigen Zahlungen an die Gläubiger ein. Sowohl die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses (früher eidesstattliche Versicherung genannt) als auch Vollstreckungsmaßnahmen nehmen Sie in Kauf.

Sie müssen sich nicht an Ratenzahlungen halten und dürfen alle Zahlungen an Ihre Gläubiger sofort einstellen. Laufende Kosten wie Miete usw. zahlen Sie natürlich weiter.

Mit Ihrer Entscheidung für eine Privatinsolvenz ist jede weitere Zahlung an Ihre Gläubiger überflüssig und später, nach der gerichtlichen Eröffnung des Insolvenzerfahrens, sogar verboten.

Ab dem Zeitpunkt Ihrer Entscheidung für die Privatinsolvenz können Sie Androhungen und Vollstreckungsversuche der Gläubiger ignorieren und selbst eine Zwangsvollstreckung kann Ihnen nichts mehr anhaben. Das Kontoguthaben ist durch das Pfändungsschutzkonto weitestgehend geschützt und wertvolles und damit pfändbares Vermögen besitzen Sie ohnehin nicht mehr. Gerichtliche Vollstreckungstitel oder Zwangsmaßnahmen eines Gerichtsvollziehers, wie die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses, stehen später der Restschuldbefreiung nicht entgegen.

Also ist es besser, Sie stellen ab sofort alle Zahlungen an die Gläubiger ein. Dies gilt auch, wenn Sie sich kurz vor der Insolvenz zu einer Ratenzahlung verpflichtet haben. Diese Vereinbarung ist für Sie nun nicht mehr bindend.

Allerdings gibt es eine Ausnahme, auf die ich Sie hinweisen möchte:

  • Haben Sie sich in einem gerichtlichen Vergleich zu einer Ratenzahlung verpflichtet, müssen Sie mit der Ratenzahlung noch eine Weile durchhalten und die Privatinsolvenz um ein paar Monate verschieben. Denn es gilt als strafrechtlicher Prozessbetrug, wenn Sie sich am Ende einer Gerichtsverhandlung zu einer Ableistung der Schuld in Raten verpflichten, um dadurch einem Urteil zu entgehen und dann die Ratenzahlung nicht einhalten. Bezahlen Sie in einem solchen Fall wenigstens ein paar Raten.
  • Das gleiche gilt, wenn Sie vor kurzem einen neuen Kredit aufgenommen haben. Auch dann rate ich Ihnen ganz dringend wenigstens 5 Raten zu bezahlen, bevor Sie die Zahlung einstellen. Liegen das Abschlussdatum des Kreditvertrages und die Zahlungseinstellung zu dicht beieinander, wird die Bank erfahrungsgemäß den Kreditvertrag unter die Lupe nehmen. Die Bank wird überprüfen, ob alle Angaben zu Ihren finanziellen Verhältnissen richtig und vollständig sind. Entdeckt die Bank einen Fehler, erstattet sie Anzeige wegen Kreditbetruges.

Liegt eine solche Ausnahme nicht vor, stellen Sie wie bereits beschrieben, die Zahlungen ein. Haben Sie einem Ihrer Gläubiger eine Einzugsermächtigung erteilt, widerrufen Sie diese. Theoretisch könnten Sie auch alte Bankeinzüge zurückrufen, aber ich denke, das wäre kein guter Stil.

Die Einstellung aller Zahlungen an die Gläubiger wird sich wahrscheinlich positiv auf Ihren Kontostand auswirken. Es wäre nicht verboten, wenn Sie das Guthaben in bar abheben und unter das Kopfkissen legen. Überweisen Sie das Geld aber keinesfalls an Freunde oder Verwandte, sondern heben Sie es ab. Eine Überweisung an eine gut bekannte Person, kurz vor der Insolvenz, würde der Insolvenzverwalter widerrufen.

Bei Leasingverträgen und Finanzierungskauf gilt letztendlich das gleiche. Weil der Leasinggeber bzw. Finanzierungsverkäufer den Vertrag mit Eröffnung des Insolvenzverfahren kündigen wird, können Sie die Ratenzahlung auch gleich beenden. Spätestens nachdem die zweite Rate ausgeblieben ist, wird der Leasinggeber oder Finanzierungsverkäufer kündigen. Den Gegenstand wie beispielsweise das geleaste Auto können Sie in der Zwischenzeit weiter nutzen.

Irgendwann wird die Bank die Herausgabe des von Ihnen geleasten oder finanzierten Gegenstandes verlangen. Kommen Sie dem nach und übergeben Sie den Gegenstand, um Ärger zu vermeiden. Geleaste Gegenstände werden in der Regel immer zurückverlangt. Ob finanzierte Gegenstände zurückverlangt werden, richtet sich nach der Art des Gegenstandes und dem Kaufdatum. Ein finanziertes Sofa, welches Sie bereits seit einem Jahr nutzen, dürfen Sie garantiert behalten.

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