Muss ich in der Privatinsolvenz arbeiten für die Restschuldbefreiung?

Die Erfüllung der gesetzlichen Pflicht zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit wird nur ausnahmsweise eingefordert – Haben Sie Pech und beharrt Ihr Insolvenzverwalter darauf, ist Widerstand zwecklos. Sie müssen sich regelmäßig bewerben oder eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben oder freiwillige Zahlungen zur Insolvenzmasse leisten.

Was beinhaltet die Obliegenheit zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit?

Nach dem Gesetz sind Sie während der Privatinsolvenz zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit verpflichtet. Diese Pflicht nennt man im Gesetz „Obliegenheit“.“Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit“ bedeutet, dass Sie in dem Job arbeiten, den Sie gelernt haben und auch ein entsprechendes Einkommen haben. Sind Sie beispielsweise Zahnarzt und verdienen nur 1.000 € monatlich, wäre die Erwerbstätigkeit nicht angemessen.

Unangemessene Erwerbstätigkeit

Ist Ihre Erwerbstätigkeit unangemessen, wird der Insolvenzverwalter Sie dazu auffordern, entweder Ihr Gehalt entsprechend nach oben zu korrigieren oder Sie müssen sich auf eine andere Stelle bewerben und dies auch nachweisen. Der Bundesgerichtshof hält fünf Bewerbungen pro Woche für zumutbar. Oder Sie leisten „freiwillige“ Zusatzzahlungen.

Notfalls Zusatzzahlungen leisten

Sollten Sie also zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit aufgefordert werden, nehmen Sie die Aufforderung zur Erfüllung Ihrer Obliegenheiten unbedingt ernst. Denn Ihre Restschuldbefreiung steht auf dem Spiel. Anstelle Bewerbungen können Sie aber auch freiwillige Zahlungen an die Insolvenzmasse leisten. Gleichen Sie also mit freiwilligen Monatsbeiträgen die Fehlbeträge aus.

Kompliziert: So ermitteln Sie das Mindesteinkommen, das Sie leisten müssen:

ein buch mit den Obliegenheiten des Schuldners bei Privatinsolvenz

Die Höhe des Geldbetrages, den Sie während der Privatinsolvenz an die Insolvenzmasse abführen müssen, können Sie in drei Prüfungsschritten selbst ermitteln:

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Gehen Sie auf die Webseite: www.gehaltsvergleich.com und ermitteln Sie das durchschnittliche Einkommen Ihres Berufes, den Sie gelernt haben. Wohlgemerkt, des kommt auf den gelerten Beruf an, nicht auf die Tätigkeit, die Sie gerade ausüben. Geben Sie in der Suchfunktion auf der Webseite gehaltsvergleich.com Ihren gelernten Beruf ein und ermitteln Sie das Durchschnittseinkommen. Addieren Sie hierzu das dort dargestellte mindeste Gehalt und das höchste Gehalt und teilen die Summe durch zwei.

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Im zweiten Schritt ermitteln Sie das fiktive Nettoeinkommen auf der Webseite: www.brutto-netto-rechner.info. Geben Sie dort also als Berechnungsgrundlage das im Schritt 1 ermittelte Durchschnittseinkommen ein und ermitteln Sie so das fiktive Nettoeinkommen.

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Als letzten Prüfungsschritt berechnen Sie den pfändbaren Einkommensanteil des fiktiven Nettoeinkommens. Rufen Sie dazu die gesetzliche Pfändungstabelle auf: Insolvenztabelle ab Juli 2019. Das pfändbare Einkommen hängt von Ihren Unterhaltspflichten ab. Je nach Unterhaltspflicht gibt es in der gesetzlichen Pfändungstabelle eine Spalte.

icon zur GmbH insolvenz

Als Ergebnis haben Sie den Betrag ermittelt, den Sie eigentlich nach dem Gesetz an die Insolvenzmasse abführen müssten, um die Restschuldbefreiung zu erhalten. „Arm“-Rechnen ist erlaubt.

Noch ein paar Tipps zum Einkommen in der Privatinsolvenz:

Bewerben statt bezahlen

Anstelle der freiwilligen Sonderzahlungen können Sie sich bewerben. Mit Hilfe von Online-Bewerbungen dürften fünf Bewerbungen pro Woche nicht all zu aufwändig sein. Erklären Sie zu Beginn der Bewerbung Ihre Motivation, weswegen Sie sich bewerben….

Ausbildung, Weiterbildung

Ausbildung oder Weiterbildung  während des Insolvenzverfahrens ist erlaubt, wenn damit Ihre Aussichten auf einen höheren Verdienst steigen und Sie Ihre Gläubiger nach der Ausbildung wahrscheinlich besser befriedigen können.

Verdienst zu Mindestlohn

Bei Schuldnern, die mit geringer beruflicher Qualifikation unterhalb der Pfändungsgrenze verdienen, ist eine Weiterbildung kein Problem darstellen. Wer keine Berufsausbildung hat, kann in der Insolvenz zum Mindestlohn arbeiten. Pfändbar ist das nichts.

Verschiedene Meinungen

In der Praxis wird die gesetzliche Erwerbsobliegenheit – also die Pflicht möglichst viel Geld für die Gläubiger ranzuschaffen – unterschiedlich gehandhabt und hängt von der Person des Insolvenzverwalters ab. Lassen Sie sich also auffordern.