Meine Einkünfte sind gering. Ich kann den Gläubigern nichts abgeben. Darf ich trotzdem Privatinsolvenz beantragen?

Das Gericht erteilt die Restschuldbefreiung auch nach masselosem Verfahren und stundet die Gerichtskosten.

Sie können auch dann die Privatinsolvenz beantragen, wenn Sie kein pfändbares Einkommen und auch sonst keine verfügbaren Mittel haben. Also auch wenn Sie gar nichts zur Insolvenzmasse beitragen können, erhalten Sie trotzdem am Ende des Insolvenzverfahrens die Restschuldbefreiung. Aber das Verfahren dauert dann sechs anstelle von fünf Jahren.

Wollen Sie also das Insolvenzverfahren von sechs auf fünf Jahre verkürzen, sollten Sie im Laufe von fünf Jahren mindestens 2.500 € für die Insolvenzmasse erwirtschaften. Das sind über die Jahre gerechnet, gerade einmal 35 € monatlich. Notfalls zahlen Sie diesen Betrag freiwillig, damit Sie bereits nach fünf Jahren aus dem Verfahren kommen. Oder Sie haben einen Sponsor und dieser finanziert Ihnen mit einer Sonderzahlung eine Planinsolvenz.

Die Verfahrenskosten müssen am Ende auf jeden Fall bezahlt werden. Haben Sie das Geld bis zum Ende der Wohlverhaltensperiode nicht zusammen bekommen, dauert die Privatinsolvenz sechs Jahre und die Gerichtskosten müssen Sie danach „abstottern“. Also zahlen Sie die Verfahrenskosten wie vorgeschlagen, in kleinen Raten, am besten schon während des Insolvenzverfahrens.

Noch ein paar Worte zur Einkommenshöhe während der Privatinsolvenz: Leider können Sie sich in der Privatinsolvenz nicht völlig bequem machen. Sie müssen eine angemessene Erwerbstätigkeit ausüben. Andernfalls hätte ein Gläubiger am Schluss der Privatinsolvenz die Möglichkeit, einen Antrag auf die Versagung der Restschuldbefreiung zu stellen.

Die angemessene Erwerbstätigkeit ist eine Beschäftigung als Arbeitnehmer in Ihrem gelernten Beruf. Sie aber schulden nur eine durchschnittliche Tätigkeit, müssen sich also nicht über Gebühr anstrengen. Haben Sie während der Privatinsolvenz jedoch andere Pläne und wollen oder können nicht in Ihrem gelernten Beruf arbeiten, dann sollten Sie eine Ersatzzahlungen leisten.

Ermitteln Sie das durchschnittliche Einkommen in Ihrem Beruf: Ermitteln Sie das durchschnittliche Einkommen in Ihrem Beruf:
www.gehaltsvergleich.com
Geben Sie in der Suchfunktion Ihren gelernten Beruf ein und ermitteln Sie das Durchschnittseinkommen. Addieren Sie hierzu das dort dargestellte mindeste Gehalt und das höchste Gehalt und teilen die Summe durch zwei.
Danach berechnen Sie das Nettoeinkommen: Danach berechnen Sie das Nettoeinkommen:

www.brutto-netto-rechner.info

Ermitteln das Nettoeinkommen des soeben errechneten Durchschnittseinkommens.

Danach ermitteln Sie das pfändbare Einkommen: Danach ermitteln Sie das pfändbare Einkommen:
Insolvenztabelle ab Juli 2019

Das pfändbare Einkommen erfahren Sie aus der gesetzlichen Pfändungstabelle. Das pfändbare Einkommen hängt von Ihren Unterhaltspflichten ab. Je nach Unterhaltspflicht gibt es in der gesetzlichen Pfändungstabelle eine Spalte.

Ergebnis:
Als Ergebnis haben Sie den Betrag ermittelt, den Sie eigentlich nach dem Gesetz an die Insolvenzmasse abführen müssten, um die Restschuldbefreiung zu erhalten.

Ist das anhand der oben beschriebenen Vorgehensweise ermittelte, fiktive, pfändbare Einkommen besonders hoch, werden Sie sich natürlich Gründe überlegen, wie Sie dieses reduziert werden kann. Folgende Argumente haben sich bewährt:

  • Sie befinden sich in der Elternzeit und machen deswegen Berufspause
  • Sie haben den gelernten Beruf seit langem nicht mehr ausgeübt und würden in diesem Beruf keine Anstellung mehr finden. Allenfalls könnten Sie einen Hilfsarbeit zu Mindestlohnbedingungen aufnehmen
  • Sie sind langfristig erkrankt

Mit diesen Argumenten können Sie das fiktive pfändbare Einkommen reduzieren. Gleichwohl sollten Sie die Gläubiger nicht ganz leer ausgehen lassen. Je höher Ihre berufliche Qualifikation, desto höher sollte Ihr freiwilliger Beitrag zur Insolvenzmasse sein, falls Sie nicht in Vollzeit arbeiten.

Ergreifen Sie die Initiative, wie viel Sie an den Insolvenzverwalter abgeben müssen und bieten Sie ihm die freiwillige Zahlung an. Warten Sie nicht darauf, bis der Insolvenzverwalter Sie auffordert. Erstellen Sie das Berechnungsbeispiel selbst und übersenden es dem Insolvenzverwalter. Am Schluss des Schreibens und nachdem Sie das fiktive pfändbare Einkommen ermittelt haben, bieten Sie ihm schließlich an, eine freiwillige Zahlung von beispielsweise 100 € monatlich zu leisten.

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