Privatinsolvenz ab wann anmelden und ab wann es sich lohnt?

Eine Privatinsolvenz lohnt sich immer dann, wenn die Schulden höher sind als der Betrag, den man Ihnen während der Laufzeit der Privatinsolvenz pfänden wird. Bei der Entscheidung, ob Sie Privatinsolvenz anmelden oder die Schulden abzahlen, kommt es also maßgeblich darauf an, wie viel Sie monatlich verdienen und wie viel man Ihnen pfänden kann.

Privatinsolvenz ab wann?

Bedenken Sie, dass der ständige Ärger mit den Schulden kräftezehrend ist. Sicherlich haben Sie jahrelang versucht, aus den Schulden auszubrechen. Deshalb rate ich Ihnen zur Privatinsolvenz, sobald die Rückzahlung der Schulden zum Kraftakt wird. Ab wann man Privatinsolvenz anmeldet, richtet sich einerseits nach der Summe der Schulden. Andererseits nach dem Einkommen. Sinnvoll ist die Privatinsolvenz immer dann, wenn man die Schulden nicht mehr zurückzahlen kann.

Eine Schreckschraube lässt sich erklären, wann die Privatinsolvenz sich lohnt

Gerichtskosten

Die Verfahrenskosten – also die Gerichtsgebühren und das Honorar für den späteren Insolvenzverwalter – betragen ca. 2.500 €. Dieser Betrag wird Ihnen während des gesamten Insolvenzverfahrens für 3 Jahre gestundet. Anschließend vereinbaren Sie mit dem Gericht eine Ratenzahlung, beispielsweise in Höhe von 50 € monatlich.

Derzeitiges Vermögen

Ihr derzeitiges pfändbares Vermögen wird der Insolvenverwalter wegnehmen und versilbern, beispielsweise Lebensversicherungen oder Ihr Auto, wenn es nicht für die Erwerbstätigkeit erforderlich ist. Aber keine Sorge, nur wirklich wertvolles Vermögen ist von der Pfändung betroffen. Normale Wohnungseinrichtung nicht.

Einkommen für 3 Jahre

Als drittes müssen Sie Ihr Einkommen berücksichtigen. Für die nächsten 3 Jahre erhalten Sie davon nur den pfändbaren Teil. Die Pfändungsgrenzen betragen ohne Unterhaltspflicht 1200 € des Nettoeinkommens, bei einer Unterhaltspflicht 1622 €, bei zwei Unterhaltspflichten 1.870 €, usw. Nun können Sie alles berechnen.

Beispiel, ab wann sich Privatinsolvenz lohnt

Dem gegenüber steht die Privatinsolvenz über 3 Jahre, also 36 Monate mal 100 EUR, insgesamt 3.600 €. Von dem gepfändeten Betrag werden dann gleich noch die Kosten für das Insolvenzverfahren abgezogen, sodass Sie nach fünf Jahren wirklich schuldenfrei sind.

Ergebnis: Um von allen Schulden befreit zu werden, müssen Sie für die Kredittilgung mindestens 16.000 € aufwenden und im Insolvenzverfahren werden Ihnen 3.600 € abgezogen.

Bedenken Sie außerdem, dass die ständige Auseinandersetzung mit den Schulden sehr mühevoll und kräftezehrend ist. Sicherlich haben Sie es auch bereits jahrelang versucht, um aus den Schulden auszubrechen. Deshalb rate ich Ihnen zur Privatinsolvenz, sobald Sie sich eingestehen, dass die Rückzahlung der Schulden zum Kraftakt wird. Wann Sie Privatinsolvenz stellen, richtet sich also nach dem Grad Ihrer Verschuldung.

334 Kommentare

  1. Hallo Herr Franzke,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Offen gesagt bin ich positiv überrascht, dass Sie den Mut aufgebracht haben, meinen Kommentar zu veröffentlichen, womit ich nicht gerechnet habe.

    Mit freundlichen Grüßen
    St. Sc-Eb

  2. Die Gebühren der Insolvenzverwalter sind in der Tat aberwitzig hoch. Aber in Ihrem Fall sind die Gebühren richtig berechnet. Sie selbst sollten sich aber dadurch nicht ungerecht behandelt fühlen. Denn letztendlich gehen die hohen Gebühren zu Lasten der Gläubiger und nicht zu Ihren Lasten. Sie erhalten immer gleich viel Geld ausgezahlt, egal wie hoch die Gebühren des Insolvenzverwalters sind.

  3. Hallo Herr Franzke,

    und wieder habe ich ein Anliegen an Sie.

    Vor einem Monat habe ich von meinem Insolvenzverwalter eine Aufstellung der voraussichtlichen Kosten meines Privatinsolvenzverfahrens erhalten. Diese ersehen Sie nachfolgend:

    „Zudem baten Sie nochmals um die Aufschlüsselung der Kosten des Insolvenzverfahrens, welche wir Ihnen wir folgt mitteilen:
    Vergütung Insolvenzverwalter: EUR 5.101,86 (netto), EUR 6.071,21 (brutto
    Auslagen: 1. Jahr EUR 910,68 (brutto) (15% der Vergütung)
    2. Jahr EUR 607,13 (brutto) (10% der Vergütung) zzgl.
    Portoauslagen: 25 Anschreiben je EUR 2,50 (netto; zzgl. USt)“

    Auf meine Frage, ob die Vergütung des Insolvenzverwalters ernstgemeint sei, sagte mir die sachbearbeitende Anwältin sinngemäß, dass sich alles im „gesetzlichen Rahmen“ bewege!

    Zu Beginn meines Insolvenzverfahrens bin ich von Verfahrenskosten von maximal 3500 Euro ausgegangen, aber niemals von Kosten in der o. g. Höhe. Auch Sie beziffern die voraussichtlichen Verfahrenskosten auf durchschnittlich 2500 Euro. Bei knapp 12500 Euro an vom Insolvenzverwalter anerkannten Schulden, halte ich die mir genannten Insolvenzverwalterkosten von knapp 7600 Euro für aberwitzig und völlig überzogen! Dazu kämen noch die Gerichtskosten von 800 Euro. Auch einer Schuldnerberaterin erschienen diese Kosten als außerordentlich hoch. In meinem Fall entsprechen alleine die Kosten 68% der anerkannten Schuldsumme. Es scheint mir, dass Insolvenzverwaltung eine Art „Lizenz zum Gelddrucken“ ist.

    Daher bitte ich Sie, mir zu sagen, ob diese Kostennote wirklich realistisch ist?

    Um einmal richtig deutlich zu werden, und ohne jemandem zu nahe zu treten:

    Ich fühle mich als Schuldner vom Insolvenzverwalter abgezockt, ausgenommen und ausgebeutet! Man wird vom Insolvenzverwalter im wahrsten Sinne des Wortes auf „Wasser und Brot“ gesetzt. Für mich ist ein Privatinsolvenzverfahren in der gültigen Fassung eine Art moderner Schuldsklaverei, die die Situation eines Schuldners eher noch verschlimmert als bessert. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie ein Privatinsolvenzverfahren wirklich abläuft, dann hätte ich mich auf diese „Nummer“ niemals eingelassen! Ferner habe ich auf Ihrer Homepage bislang keinen Passus gefunden, der einen auf dieses „kleine unwesentliche Detail“ hinweist, dass, bevor die Gläubiger überhaupt einen „müden“ Cent sehen, zuerst das Gericht, der Staat in Form von MwSt und der Insolvenzverwalter vollumfänglich bezahlt werden müssen. Das z. T. unangemessene und mitunter auch rechtswidrige Verhalten des Insolvenzverwalters in meinem Verfahren möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

    Schließlich entschuldige ich mich für die „Textwüste“ und den deutlich kritischen Einschlag meines Kommentars, und schließe nochmals mit der Bitte um Prüfung der o. g. Kostennote der Insolvenzverwaltung und auf Veröffentlichung meines Beitrages auf Ihrer Homepage, auch wenn Ihnen das ggf. nicht behagt.

    Vielen Dank.

  4. Man beantragt eine Privatinsolvenz. Das ist die einzige Möglichkeit, die Schulden loszuwerden. Von den 1.500 EUR wird man Ihnen ca. 220 EUR pfänden und das 36 Monate lang.

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