Darf ich während der Privatinsolvenz einen Nebenjob ausüben?

Ein Nebenjob während der Privatinsolvenz ist selbstverständlich erlaubt. Dazu brauchen Sie keine Erlaubnis des Insolvenzverwalters. Sie müssen ihn aber schriftlich informieren, dass Sie einen neuen Job ausüben.

Nicht um Erlaubnis fragen

Es ist auch nicht erforderlich, dass Sie den Insolvenzverwalter vorher um Erlaubnis bitten, ob Sie den Job annehmen dürfen. In diese Entscheidung darf er sich nicht einmischen.

Aber informieren

Aber: Sobald Sie den Arbeitsvertrag unterschrieben haben, bzw. mit dem Nebenjob begonnen haben, teilen Sie diese Veränderung Ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse dem Insolvenzverwalter schriftlich mit.

Infos immer schriftlich

Übersenden Sie ihm hierzu eine schriftliche Mitteilung und fügen Sie den Arbeitsvertrag am besten bei. Danach sollten Sie ihm regelmäßig Ihre monatlichen Gehaltsnachweise zukommen lassen.

Pflicht in der Privatinsolvenz

Das Übersenden des Arbeitsvertrages und der Gehaltsnachweise gehört zu Ihren Informationspflichten gegenüber dem Insolvenzverwalter. Das müsssen Sie unbedingt einhalten und beachten.

So kommunizieren Sie mit dem Insolvenzverwalter

Es gilt wie immer: Sie müssen den Insolvenzverwalter von sich aus informieren, wenn sich Veränderungen in Ihrer Einkommenssituation ergeben und wenn Sie umziehen.

Ansonsten melden Sie sich immer nur, falls der Insolvenzverwalter Sie anschreibt und irgendetwas von Ihnen haben will.
Bevor Sie den Nebenjob beginnen, sollten Sie sich allerdings überlegen, ob sich der Job für Sie wegen der bestehenden Pfändungsgrenzen lohnt. Es werden sämtliche Nettoeinkommen zusammengezählt. Anhand dem Gesamt-Nettoeinkommen wird dann der pfändbare Betrag errechnet, den Ihnen der Insolvenzverwalter wegnehmen wird.

Bitte verfahren Sie genau so, falls Sie sich in der Insolvenz selbständig machen wollen. Melden Sie einfach das Gewerbe an und übersenden Sie die Gewerbeanmeldung. Um Erlaubnis müssen Sie den Insolvenzverwalter aber nicht bitten.

58 Kommentare

  1. In der Wohlverhaltensperiode gilt das gleiche wie im Hauptverfahren: Sie müssen den Nebenjob angeben, beide Einkommen werden zusammengerechnet und daraus das pfändbare Einkommen gebildet.

  2. Guten Tag Herr Franzke,
    Wie schaut es nach Beendigung der Insolvenz ( also in der Wohlverhaltensphase ) mit einem Nebenjob oder Minnijob aus?
    Muß der angegeben werden und wird hiervon etwas abgezogen?
    MfG Jörg

  3. Dann muss man das Kleingewerbe auch in der Wohlverhaltensperiode dem Insolvenzverwalter anzeigen. Von den Einkünften aus selbständiger Tätigkeit müssen Sie aber nichts abgeben, weil nur noch das pfändbare Einkommen abgetreten ist.

  4. Wie verhält es sich, wenn man in der Restschuldbefreiungsphase einen VZ Job hat und nebenbei ein Kleingewerbe anmeldet?

  5. Der Insolvenzverwalter hat Recht. Der Nebenjob wird zu 100 % angerechnet.

  6. Ganz ehrlich: ein zusätzlicher Nebenjob hat überhaupt keinen Sinn für einen Schuldner. Es ist rechtlich nicht zu beanstanden, dass der Insolvenzverwalter beide Einkommen zusammenrechnen und daraus das pfändbare Einkommen berechnen lässt. Also können Sie sich ausrechnen, ob sich der Nebenjob wirklich für Sie lohnt. Ich meine nicht.

  7. Hallo Herr Rechtsanwalt,

    das angegeben Urteil vom BGH sagt mein Inso Verwalter würde sich auf eine selbständige Tätigkeit beziehen und keine Anwendung finden in Bezug auf nur 50% Anrechnung auf den Hauptjob! Stimmt das so? Ich arbeite Vollzeit und an einer Tankstelle und habe meinem Inso verwaltet letzte Woche mitgeteilt das ich dort seit 1.3. Arbeite und dieses Urteil ja in Betracht kommt und er mir bitte mitteilen soll wieviel ich ihm von diesem Lohn überweisen soll da ich den Lohn bar bekomme. Er will beides laut 850 zusammen rechnen lassen !? Wird der Nebenjob jetzt zu 50% angerechnet oder voll?

  8. Da habe ich einen Insolvenzverwalter, der das Gegenteil behauptet. Trotz 40-Wochenstunden-Job UND zusätzlichem Minijob für 400.- Euro netto verlangt er, dass beide Nettoeinkommen zusammengelegt werden und daraus die erechnete Pfändung erfolgt. Welchen Sinn sollte dann ein ZUSÄTZLICHER Minijob für einen Schuldner haben?

  9. Das ist falsch, beim Nebenjob werden nur 50% angerechnet, siehe BGH-Urteil vom 26.06.2014: IX ZB 87/13

  10. Hallo,
    dass Haupt- und Nebenjob zusammengerechnet werden, ist falsch, der Nebenjob ist bei einer Vollzeitstelle im Hauptjob eine überobligatorische Tätigkeit und wird wie Überstunden behandelt. Somit nur zu 50% pfändbar. Es gibt sogar ein Urteil dazu:
    BGH 26.06.2014 IX ZB 87/13

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