Darf ich während der Privatinsolvenz einen Nebenjob ausüben?

Ein Nebenjob während der Privatinsolvenz ist selbstverständlich erlaubt. Dazu brauchen Sie keine Erlaubnis des Insolvenzverwalters. Sie müssen ihn aber schriftlich informieren, dass Sie einen neuen Job ausüben.

Nicht um Erlaubnis fragen

Es ist auch nicht erforderlich, dass Sie den Insolvenzverwalter vorher um Erlaubnis bitten, ob Sie den Job annehmen dürfen. In diese Entscheidung darf er sich nicht einmischen.

Aber informieren

Aber: Sobald Sie den Arbeitsvertrag unterschrieben haben, bzw. mit dem Nebenjob begonnen haben, teilen Sie diese Veränderung Ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse dem Insolvenzverwalter schriftlich mit.

Infos immer schriftlich

Übersenden Sie ihm hierzu eine schriftliche Mitteilung und fügen Sie den Arbeitsvertrag am besten bei. Danach sollten Sie ihm regelmäßig Ihre monatlichen Gehaltsnachweise zukommen lassen.

Pflicht in der Privatinsolvenz

Das Übersenden des Arbeitsvertrages und der Gehaltsnachweise gehört zu Ihren Informationspflichten gegenüber dem Insolvenzverwalter. Das müsssen Sie unbedingt einhalten und beachten.

So kommunizieren Sie mit dem Insolvenzverwalter

Es gilt wie immer: Sie müssen den Insolvenzverwalter von sich aus informieren, wenn sich Veränderungen in Ihrer Einkommenssituation ergeben und wenn Sie umziehen.

Ansonsten melden Sie sich immer nur, falls der Insolvenzverwalter Sie anschreibt und irgendetwas von Ihnen haben will.
Bevor Sie den Nebenjob beginnen, sollten Sie sich allerdings überlegen, ob sich der Job für Sie wegen der bestehenden Pfändungsgrenzen lohnt. Es werden sämtliche Nettoeinkommen zusammengezählt. Anhand dem Gesamt-Nettoeinkommen wird dann der pfändbare Betrag errechnet, den Ihnen der Insolvenzverwalter wegnehmen wird.

Bitte verfahren Sie genau so, falls Sie sich in der Insolvenz selbständig machen wollen. Melden Sie einfach das Gewerbe an und übersenden Sie die Gewerbeanmeldung. Um Erlaubnis müssen Sie den Insolvenzverwalter aber nicht bitten.

60 Kommentare

  1. Die Pfändungsgrenze bei zwei Unterhaltspflichten liegt bei 2.000 EUR. Also macht der Nebenjob keinen Sinn. Lohnveränderungen muss man in der Privatinsolvenz angeben. Das pfändbare Einkommen wird aber für jeden Monat neu berechnet.

  2. Hallo,
    ich werde eine Privatinsolvenz anstreben, da ich die Schulden unter den neuen Bedingungen wahrscheinlich nicht mehr abzahlen kann.
    Momentan lebe ich getrennt lebend, 2 unterhaltspflichtige Kinder und habe noch die Steuerklasse 3 bei einem monatlichen Netto von ca. 2700€. (zusätzlich Weihnachtsmarkt/Urlaubsgeld)
    Zusätzlich übe ich einen Nebenjob aus, der im Gesamtjahresdurchnschnitt auf 450€ pro Monat kommt.
    Mit der Scheidung rutsche ich in Steuerklasse 1 und bekomme dann ca. 2300-2400€.
    Ist es ratsam den Nebenjob im Vorfeld aufzugeben ?
    Und muss man Lohnveränderungen z.B. Überstunden , Erhöhung der Arbeitszeit 35–>40 h während der Insolvenz mitteilen ?

    Danke im Voraus.

    Freundliche Grüße

  3. Ihre Rente und Ihr Minijob werden zusammengezählt und wenn die Summe höher als 1.200 EUR ist, wird man Ihnen von dem darüber hinausgehenden Betrag ca. zwei Drittel wegnehmen. Wenn der Arbeitgeber das mitmacht, dass Ihre Freundin dort angestellt ist und in Wirklichkeit Sie das Geld verdienen, dann können Sie das so machen.

  4. Hallo, ich beziehe eine volle Erwerbsminderungsrente und habe ein Minijob auf 450 €
    Was muss ich bei einer Insolvenz berechnen und dem Insolvenzverwalter überweisen ?
    Von der Erwerbsminderungsrente reicht mir oftmals nicht aus um all meine Rechnungen
    zu bezahlen und dafür habe ich mir diesen Minijob zugelegt.

    Eine andere Mitteilung:
    Kann ich mein Minijob auf meine Lebensgefährtin übertragen, bzw. auf Ihr Konto überweisen
    lassen ?

    Besten Dank im voraus !

    MfG
    Werner

  5. Leider kommen Sie nicht so leicht aus dem Verfahren. Nachdem nun alle Gläubiger eine 100% Befriedigung erhalten haben, werden die so genannten nachrangigen Forderungen befriedigt. Das sind insbesondere die Kosten und Zinsen, welche den Gläubiger seit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zustehen. Dazu kommen die Verfahrenskosten. Diese werden vom Gericht bestimmt. Als Schuldner haben Sie keine Kontrollmöglichkeit.

  6. Hallo Herr Franzke,

    zunächst einmal noch herzlichen Dank für die Beantwortung meiner letzten Frage. Nun habe ich wieder ein Anliegen an Sie.

    Sachverhalt:

    Mit der Auszahlung und Pfändung des Mai-Lohnes im Juni 2021 werden voraussichtlich alle vom Insolvenzverwalter anerkannten Forderungen bezahlt sein, und ich meine wirklich alle anerkannten Gläubigerforderungen! Wie geht es danach weiter, insbesondere mit den Verfahrenskosten? Kann ich dann mit Aussicht auf Erfolg beim Insolvenzgericht den Antrag auf Restschuldbefreiung stellen? Und wie stelle ich fest, dass die Verfahrenskosten nicht höher werden, als unbedingt notwendig? Oder anders ausgedrückt: Wie kann ich überprüfen, dass mich der Insolvenzverwalter nicht übervorteilt?

    Vielen Dank für Ihre Mühe.

    Mit freundlichen Grüßen
    SE

  7. Ich denke, das reicht aus. Aber letztendlich kommt es auf Ihren Beruf an. Wenn Sie hoch qualifiziert sind wie beispielsweise Ärztin, dann würde Insolvenzverwalter sich schon wundern, warum Sie so wenig Einkommen haben. Falls Sie aber eine normale Ausbildung haben, ist alles in Ordnung.

  8. Hallo Herr Franzke,

    ich bin 54 Jahre alt; wird eine Teilzeittätigkeit mit 5 Stunden täglich, bzw. 25 Wochenstunden und ein zusätzlicher Minijob mit 10 Wochenstunden á 2 Stunden täglich ausreichen, um den Obliegenheiten zu genügen. Oder müsste theoretisch noch 1 Stunde irgendwo aufgestockt werden um auf eine 40 Stunden Woche zu kommen?

    MfG!

    Rose

  9. Es ist richtig, dass die Pfändungsgrenze bein einer Unterhaltspflicht bei ca. 1.600 EUR beginnt. Aber wenn Ihre Tochter eigene Einnahmen in Form eines Minijobs hat, dann kann Sie nicht mehr als unterhaltsberechtigt berücksichtigt werden.

  10. Guten Abend. Durch einen Rechtsstreit mit meinem ehemaligen Vermieter, bin ich in einer unschönen Situation. Meine Rechtsschutzversicherung hat eine Kostenübernahme abgelehnt, da sie sich darauf beziehen, dass der Schaden den ich erlitten habe (fast komplette – neue – Wohnungseinrichtung zerstört durch Feuchtigkeit und Schimmel), dadurch entstand, dass der Estrich im Neubau bei meinem Einzug vorhanden war. Bei Einzug hatte ich die Versicherung erst 1,5 Monate und war noch in der Wartezeit.

    Mein erster Anwalt hat nach Erhalt von Vorschussrechnungen durch mich einfach nichts mehr gemacht.

    Ich habe dann in der Nachbarstadt eine Rechtsanwältin gefunden, die mich jetzt vertritt, aber ich kämpfe gegen Windmühlen. Nach fast 2,5 Jahren wurde vom Gericht immer noch kein Belegreifeprotokoll des Estrichs angefordert, obwohl meine RAin schon zig mal darum gebeten hat. Es wird mir auch nicht zugestanden, meinen Schaden geltend zu machen, dies liegt nun beim Landgericht zur Entscheidung. Ich lebe in einer kleinen Stadt, mein ehemaliger Vermieter ist Millionen schwer und kennt sogar die Direktorin des Gerichtes.

    Mittlerweile bin ich so verzweifelt, dass ich Privatinsolvenz anmelden möchte.

    Aufgrund der Schäden müsste ich einen Kredit aufnehmen, den ich zu 1/3 bereits abbezahlt habe. Gleichzeitig wurde meinem ehemaligen Vermieter im Urkunde erfahren ein Titel gegen mich bewilligt. Aufgrund meines Rechtsanwaltes hatte ich keine Miete bezahlt für zwei Monate, danach bin ich ausgezogen. Nach meinem Auszug liegt der Vertrag aber weiter, die Schlüssel lagen beim Anwalt, er wollte die Wohnung wegen Beweissicherungszwecken nicht rausgeben, und im Endeffekt sollte ich, ohne das auf den Schimmel und die Feuchtigkeit eingegangen wurde, sieben Monate Miete nachzahlen. Mittlerweile will der gute Mann aufgrund der Kosten die ihm durch die drei Gerichtsvollzieher entstanden sind plus Zinsen usw. zu über zehntausend Euro von mir, und mein Schaden wird komplett als nichtig abgetan. Seit zu über zwei Jahren lager ich die beschädigte Wohnungseinrichtung plus Kleidung, Bücher etc. (alles was halt durch den Schimmel zerstört wurde) in einer von mir extra dafür angemieteten Garage. Einer Aussetzung der Zwangsvollstreckung wurde auch nicht stattgegeben, ich kann sogar keine Rechtsmittel mehr gegen diese Entscheidung einlegen, weil es angeblich keine Gründe dafür gebe diese auszusetzen.

    Meine Frage ist jetzt, ich erhalte knapp 1700,00 Netto an Verdienst, habe eine 18 jährige Tochter, die noch Schülerin ist und zum Ende des Jahres ihr Studium anfängt, Hauptwohnsitz bei mir, Zweitwohnsitz in der Unistadt.

    Ich habe gelesen mit ihr zusammen wären 1600 € meines Einkommens unpfändbar. Und das Kindergeld? Kommt das als unpfändbar zu den 1600,00 Euro dazu?

    Meine Tochter übt seit einigen Monaten auch einen Minijob aus. Wird Einkommen von ihr dann angerechnet? Und ihr somit aufgrund meiner hässlichen Situation weggenommen?

    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus .

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.