Darf der Gerichtsvollzieher die Sachen des Mitbewohners vor der Insolvenz pfänden?

Es gilt die gesetzliche Vermutung, dass alle Gegenstände in einer Wohnung, in welcher der Schuldner wohnt, auch dem Schuldner gehören. Mitbewohner muss anhand Inventarliste und Kaufbelegen das Gegenteil beweisen. Aber: Die Pfändungsgrenze der Wohnungseinrichtung ist sehr hoch. Es ist unwahrscheinlich, dass der Gerichtsvollzieher die Sachen in einer Wohnung pfändet. 

Der Gerichtsvollzieher muss wieder gehen

Die gesetzliche Vermutung, dass die Gegenstände in der Wohnung des Schuldners auch dem Schuldner gehören, ist nicht schlimm. Denn die gesetzlichen Pfändungsgrenzen für Einrichtung und Bekleidung sind derart hoch, dass eine Pfändung unwahrscheinlich ist. Allen Fernsehsendungen zum Trotz habe ich noch nie erlebt, dass einem Mandanten die Wohnung leer gepfändet wurde.

Leere Taschen nach Pfändung durch Gerichtsvollzieher vor Privatinsolvenz

Auflistung verhindert Pfändung

Wenn Sie trotzdem auf Nummer sicher gehen wollen, dann sollten Sie eine Auflistung machen, mit den Gegenständen, die Ihnen gehören und denen Ihres Mitbewohners. Falls Einkaufbelege vorhanden sind, ist dies natürlich noch besser. Die Inventarliste und Belege können Sie dann dem Gerichtsvollzieher übergeben, dann wird er sich garantiert nicht an den Sachen Ihres Mitbewohners vergreifen.

Dem Schuldner ein Zimmer zuweisen

Wohnen Sie im Haus oder der Wohnung ihres Lebensgefährten ohne im Hauptmietvertrag zu stehen oder ohne Eigentümer zu sein, kann der Hauptmieter bzw. Wohnungseigentümer Ihnen auch ein einzelnes Zimmer in der Wohnung bzw. dem Haus zuweisen. Dann darf der Gerichtsvollzieher nur dieses Zimmer betreten, die restliche Wohnung ist für ihn tabu.

Pfändungsschutz nur bei Privatinsolvenz

Trotzdem ist das alles nur eine Übergangslösung. Eine endgültige Lösung erreichen Sie nur, wenn Sie die Privatinsolvenz beantragen oder falls es schneller gehen soll, eine Planinsolvenz. Erst dann stehen Sie unter Gläubigerschutz und der Gerichtsvollzieher muss Sie in Ruhe lassen.

24 Kommentare

  1. JA, er darf. Aber er wird nicht, weil für ihn der Fernseher keinen Wert hat.

  2. Hallo Herr franzke hätte da mal ne Frage hab ein 1,27cm smart tv und wollte mal fragen ob der gerischtsvolzieher den pfänden darf oder ehr nicht…mfg

  3. Ja, wird angerechnet. Wenn Ihr Sohn also eigene Einnahmen hat, dann wird er nicht mehr als Unterhaltspflicht bei Ihnen berücksichtigt.

  4. Hallo Herr Franke,
    ich werde mit nunmehr 55 Jahren in die Insolvenz gehen müssen, da ich ein Schmuckgeschäft mit Angestellten geführt habe, welche mich offensichtlich hintergangen haben. Es sind laut Steuerprüfung mehr Einnahmen gemacht worden, als die, die mir von meinen Angestellten gemeldet wurden. Nun werden Steuernachzahlungen fällig, die ich zahlen muss, aber nicht zahlen kann. Nun meine Frage. Mein 15.jähriger Sohn hat sich einen Minijob für 450mtl. besorgt. Wird dieses Geld auch bei meinen monatlichen Einkommen angerechnet, da er ja noch als unterhaltspflichtiges Kind mit mir in der Wohnung lebt oder darf er sein Geld behalten?

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