Wie viel Einkommen bleibt mir während der Privatinsolvenz?

Während der Privatinsolvenz müssen Sie den pfändbaren Teil Ihres Einkommens abgeben. Die Höhe des Anteils, der Ihnen weggenommen wird, ermitteln Sie anhand Ihrer Unterhaltspflichten und der gesetzlichen Pfändungstabelle. Maßgeblich ist das Nettoeinkommen. Erhalten Sie Kindergeld, zählt dies nicht zum pfändbaren Einkommen.

Das pfändbare Einkommen ermitteln Sie aus der Pfändungstabelle:

Wie viel Ihnen von Ihrem Einkommen bleibt, richtet sich nach der so genannten gesetzlichen Pfändungstabelle. Dort ist genau festgelegt, wie viel von Ihrem Nettoeinkommen Ihnen zum Leben bleibt.

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Insolvenztabelle, um das pfändbare Einkommen zu ermitteln

Mindestgrenze

Die gesetzliche Pfändungstabelle beginnt mit einer Mindestgrenze von derzeit 1.180 € (ab Juli 2019). Das heißt, wer darunter liegt, muss nichts an die Gläubiger abführen. Danach ist für für jede Netto-Einkommenshöhe der pfändbare Anteil ausgewiesen. Aus diese Weise lässt die die individuelle Pfändungsgrenze genau ermitteln.

Unterhaltspflichten Kinder

Der pfändbare Anteil Ihres Einkommens hängt von Ihrem Nettoeinkommen ab und von Ihren Unterhaltspflichten. Als Unterhaltspflicht im Sinne der Pfändungstabelle gelten Kinder ohne Einkommen bis zum achtzehnten Lebensjahr oder Kinder in der Ausbildung bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr und ohne Einkommen.

Unterhaltspflicht Ehegatte

Auch der Ehegatte ohne eigenes Einkommen wird als Unterhaltspflicht im Sinne der Pfändungstabelle berücksichtigt. Verfügen Ihre Kinder bzw. Ehegatte über ein eigenes Einkommen, entfällt die Unterhaltspflicht.

Kindergeld Unterhalt

Kindergeld und Kindesunterhalt zählt nicht zum Nettoeinkommen und wirkt sich nicht auf die Pfändungsgrenze aus. Nur das eigene Einkommen zählt. Um das pfändbare Einkommen einzuziehen, wird der Insolvenzverwalter das pfändbare Einkommen direkt bei Ihrer Einkommensstelle einziehen.

Insolvenzverwalter verantwortet Einziehung

Die Einkommensstelle und der Insolvenzverwalter sind für die richtige Berechnung verantwortlich. Sie haben mit all dem nichts zu tun. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Sie dem Insolvenzverwalter regelmäßig ihre Einkommensnachweise übersenden. Dann kann er Ihnen die Schuld nicht in die Schuhe schieben, falls er sich verrechnet und zu wenig Einkommen einzieht.

Sind Sie angestellt, müssen Sie nicht befürchten, dass der Arbeitgeber Sie entlässt, sobald er von dem Insolvenzverfahren erfährt. Ein Verbraucherinsolvenzverfahren ist kein Kündigungsgrund. In der Regel ist es dem Arbeitgeber egal, ob Sie ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Was Arbeitgeber hingegen nicht leiden können, sind Pfändungen des Arbeitslohns vor dem Insolvenzverfahren.

Arbeitgeber muss Pfändung berechnen

Weil der Arbeitgeber den pfändbaren Einkommensanteil berechnen und an den Insolvenzverwalter abführen muss, wird sich der Insolvenzverwalter garantiert mit Ihrem Arbeitgeber in Verbindung setzen. Das heißt, der Arbeitgeber erfährt auf jeden Fall von der Privatinsolvenz.

Insolvenzverwalter verteilt das Guthaben

Der Insolvenzverwalter verteilt das eingezogene pfändbare Einkommen nach Abzug der Gerichtskosten am Schluss des Insolvenzverfahrens an die Gläubiger. Meistens bleiben für die Gläubiger nur ein paar Prozent übrig. Aber das ist halt so. Die Restschuldbefreiung hängt nicht davon ab, wie viel Sie geleistet haben. 

Pfändbarer Anteil wird monatlich berechnet

Der pfändbare Einkommensanteil wird für jeden Monat neu berechnet. Für die richtige Berechnung ist Ihr Arbeitgeber zuständig, er muss den pfändbaren Betrag mit Hilfe seiner Lohnbuchhaltungs-Software berechnen und direkt an den Insolvenzverwalter abführen.

So berechnen Sie das pfändbare Einkommen:

Wie viel Schulden Sie zurückzahlen müssen, hängt von Ihrem Netto-Einkommen ab und Ihren Unterhaltspflichten. Im Insolvenzverfahren gilt die gesetzliche Pfändungstabelle. Die Pfändungstabelle bestimmt, welchen Betrag Sie vom Nettoeinkommen behalten dürfen und welchen Teil Sie zur Insolvenzmasse abführen müssen.

Ermitteln Sie also zunächst Ihr Nettoeinkommen. Das Nettoeinkommen finden auf Ihrem Gehaltsnachweis oder Rentenbescheid oder Zuwendungsbescheid, usw. Verfügen Sie über mehrere Einkommen, rechnen Sie diese zusammen und bilden daraus das Gesamt-Nettoeinkommen.

Danach addieren Sie die Unterhaltspflichten. Als Unterhaltspflicht gelten leibliche Kinder, wenn sie unter 18 Jahre alt sind oder bis 25 Jahre in der Ausbildung. Lebensgefährten zählen nicht als Unterhaltspflicht. Lebt ein nicht leibliches Kind mit Ihnen im Haushalt, beantragen Sie die Anerkennung des Kindes als Unterhaltspflicht. 

Verfügen die unterhaltsberechtigten Personen über eigene Einnahmen von mehr als ungefähr 400 €, gelten sie nicht mehr als Unterhaltspflicht im Sinne der Pfändungstabelle. Hat beispielsweise das unterhaltsberechtigte Kind 200 € regelmäßige Nettoeinnahmen, wird dieser Betrag von Ihrer Pfändungsgrenze abgezogen.

Nun können Sie nun also grob einschätzen, wie viele Schulden Sie in der Privatinsolvenz abzahlen müssen. Liegt Ihr Einkommen unterhalb der Pfändungsgrenze und tragen Sie gar nichts zur Insolvenzmasse bei, werden Sie am Ende des Insolvenzverfahrens dennoch die Restschuldbefreiung erhalten.

So lange müssen Sie die Kreditraten noch bezahlen:

Sobald Sie sich für die Privatinsolvenz entschieden haben, stellen Sie alle Kreditraten- und sonstigen Zahlungen an die Gläubiger ein. Sowohl die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses (früher eidesstattliche Versicherung genannt) als auch Vollstreckungsmaßnahmen nehmen Sie in Kauf. Alle Schulden unterliegen später der Restschuldbefreiung.

Ratenzahlungen einstellen

Sobald Sie sich für die Privatinsolvenz entschieden haben, stellen Sie die Zahlungen ein. Einfache Grundregel: Alles, was Sie mit ins neue Leben nehmen wollen wie Miete, zahlen Sie weiter. Alle anderen Zahlungspflichten stoppen Sie.

Kriegskasse bilden

Der Zahlungsstopp an die Gläubiger wird sich wahrscheinlich positiv auf Ihren Kontostand auswirken. Es ist nicht verboten, wenn Sie das Guthaben in Bar abheben und in die Keksdose legen. Überweisen Sie das Geld keinesfalls an Freunde oder Verwandte, sondern heben Sie es ab.

Leasingraten, Finanzierung

Weil der Leasinggeber usw. den Vertrag mit Insolvenz-Eröffnung kündigen werden, können Sie die Ratenzahlung auch gleich beenden. Spätestens nachdem die zweite Rate ausgeblieben ist, wird gekündigt. Den Gegenstand wie z.B. das geleaste Auto können Sie bis zur Wegnahme nutzen.

Leasing-Auto

Irgendwann wird die Bank das Leasingauto zurück verlangen. Übergeben Sie das Auto ohne Gegenwehr. Geleaste Autos werden immer zurückverlangt. Ob man finanzierte Autoszurückverlangt, richtet sich nach dem Gegenstand und dem Kaufdatum. 

Zahlungen stoppen, dann tot stellen

Sie dürfen alle Ratenzahlungen sofort einstellen. Laufende Kosten wie Miete usw. zahlen Sie weiter. Mit Ihrer Entscheidung für eine Privatinsolvenz ist jede Zahlung an Gläubiger überflüssig. Ab Ihrer Entscheidung für eine Privatinsolvenz  können Sie Zwangsvollstreckung jeder Art ignorieren. Das Kontoguthaben ist per Pfändungsschutzkonto geschützt und wertvolles, pfändbares Vermögen besitzen Sie ohnehin nicht mehr. Zwangsmaßnahmen eines Gerichtsvollziehers, wie die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses, stehen der Restschuldbefreiung nicht entgegen. 

Ausnahmen von der Regel

Allerdings gibt es eine Ausnahme, auf die ich Sie hinweisen möchte: Haben Sie sich in einem Gerichtsvergleich zur Ratenzahlung verpflichtet, müssen Sienoch ein paar Raten bezahlen, bevor Sie die Privatinsolvenz beantragen. Denn es gilt als strafrechtlicher Prozessbetrug, wenn Sie Ratenzahlungen versprechen aber nicht einhalten. Das gleiche gilt, wenn Sie kürzlich einen neuen Kredit aufgenommen haben. Auch dann sollten Sie ein paar Raten bezahlen. Erst dann stellen Sie die Zahlungen ein. 

280 Kommentare

  1. Die Schulden sind schon ziemlich hoch und Sie können diese sicherlich auch nicht so einfach abzahlen. Deshalb ist eine Privatinsolvenz langfristig besser. Ob Sie das Auto behalten können oder nicht, entscheidet die Bank, die das Auto finanziert. Manche Banken kündigen und verlangen das Auto heraus. Manche Banken lassen den Vertrag laufen, solange sie die Raten erhalten. Bei zwei Kindern würde die Pfändungsgrenze bei 1.800 EUR beginnen und man könnte Ihrem Mann ca. 500 EUR pfänden.

  2. Guten Tag,

    mein Mann und ich haben Schulden in Höhe von ca. 120000 Euro.
    Darin enthalten ist unser Auto mit einer monatlichen Raten von 250 Euro.
    Mein Mann verdient derzeit zwischen 2800 – 3100 Euro.
    Je nach Schichtzuschlägen.
    Ich befinde mich derzeit in elternzeit und bekomme 450 Euro.
    Unser zweites Kind ist unterwegs.
    Ich bin mir manchmal nicht sicher ob die privatinsolvenz besser für uns wäre. Dürfen wir das Auto behalten? Mein Mann bekommt zudem Quatalsweise Sommer-Urlaubsgeld anteilig. Wird das mit eingerechnet? Wie viel würde uns von seinen Lohn bleiben?

  3. Das Kindergeld steht Ihrer Mutti noch zu. Wenn Sie ein eigenes Einkommen haben, sinkt die Pfändungsgrenze bei Ihrer Mutter. Ohne Unterhaltspflicht würde die Pfändungsgrenze bei Ihrer Mutter ab 1.200 EUR netto beginnen, Kindergeld geht extra.

  4. Hallo, ich befinde mich Bald in der Ausbildung mit einem Gehalt von 1200€. Meine Mutter ist in Privatinsolvenz in der Wohlverhaltensphase. Wird mein Gehalt in der Ausbildung abgezogen und steht meiner Mama noch Kindergeld für mich zu? Mit freundlichen Grüßen

  5. Die Aufstockung darf hinzugezählt werden. Aber wahrscheinlich stellt sich das Problem gar nicht, weil das Wohngeld dann weniger wird.

  6. Sehr geehrter Herr Franzke,

    ich befinde mich in einer Privatinsolvenz seit 4J.
    Wegen der Corona-Krise erhalte ich schon seit 2 Monaten
    ein Kurzarbeitergeld Null von rund 1200€. Zusätzlich
    bekomme ich eine Aufstockung vom Jobcenter in Höhe
    von ca. 500€ u.a für Wohngeld. Ich bin für ein Kind
    unterhaltspflichtig. Die Pfändungsfreigrenze liegt
    in meinem Fall bei 1620€. Darf nun die Aufstockung
    vom Jobcenter zu dem KUG angerechnet werden, sodass ich
    dann über der Pfändungsfreigrenze liege?
    Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus.

    Wünsche einen schönen Tag

  7. Auf jeden Fall sollten Sie das P-Konto an den Freibetrag anpassen lassen. Dazu gehen Sie entweder zu einem Anwalt oder zum Insolvenzgericht. Das Insolvenzgericht hat eine Rechtsantragstelle. Dort gehen Sie hin und stellen einen Antrag auf Anpassung der P-Konto-Grenze an die Pfändungsgrenze nach der gesetzlichen Pfändungstabelle.

  8. Sehr geehrter Herr Franke, ich befinde mich derzeit in der Privatinsolvenz, mein Nettolohn wurde mir von der Insolvenzverwalter, auf meinem P-konto in voller Höhe zur Verfügung gestellt, da beim AG direkt gepfändet wird. Der Freibetrag soll laut Insoverwalterin dem Nettogehalt angepasst werden von der Bank
    Ich habe nur noch Kindergeld und Unterhaltsvorschuss als monatliche Einnahme, dennoch wird alles über der Freigrenze geblickt von der Bank.
    Aber die weiteren 2 Einnahmen sind doch unpfändbar, laut Gesetz, da sie ja meinem Kind zustehen.
    Kann ich da handeln, dass mein Freibetrag erhöht wird? Mein Freibetrag beträgt 1827 Euro
    Vielen Dank im voraus

  9. Auf jeden Fall sollten Sie die Sache vom Insolvenzgericht klären lassen. Sie können beim Amtsgericht einen Antrag stellen auf Festsetzung streitiger Pfändungsgrenzen. Daran müssen sich alle halten.

  10. Sehr geehrter Herr Franzke,

    Januar 2019 wurde das Insolvenzverfahren über mein Vermögen eröffnet und läuft. Im Zuge der Erstellung der Bescheinigung gem. § 850 Abs. 5 ZPO wurde von der Schuldnerberatung nicht berücksichtigt, dass ich zu meinem Arbeitseinkommen und Kindergeld auch einen Unterhaltsvorschuss für meine bei mir lebenden Kinder ( 8 J. u. 6 J.) vom Landkreis erhalte.

    Die Schuldnerberatung hat hierbei folgende Berechnung erstellt.

    Gemäß Pfändungsfreigrenzentabelle habe ich einen Grundfreibetrag von € 1.869,28. Hinzuzusetzen ist hier noch das Kindergeld für beide Kinder in Höhe von € 408,00. Somit ergibt sich hier der bei meiner Bank hinterlegte und bescheinigte Freibetrag in Höhe von € 2.277,28.

    Jedoch wird hier nicht berücksichtigt, dass ich zurzeit vom Landkreis einen Barunterhaltsvorschuss in Höhe von € 220,00 pro Kind bekomme. Ich erhalte mithin einen Gesamtunterhaltsvorschuss von € 440,00. Dieses Geld wird nicht beim Freibetrag berücksichtigt. Ich kann nur über den Freibetrag von € 2.277,28 verfügen, sodass jetzt immer wieder das überschüssige Guthaben („aufgestauter“ Kindesunterhalt) gepfändet wird.
    Jedoch wurde hier wenn man es genau nimmt der Barunterhalt der Kinder gepfändet. Ist dies so richtig?

    Bedauerlicherweise hat die Insolvenzverwalterin erklärt, sie wäre hierfür nicht zuständig, weder um zu prüfen, ob die Freibeträge so stimmen oder eine neue Bescheinigung auszustellen, geschweige denn zu prüfen, woraus das gepfändete Guthaben besteht.
    Die Schuldnerberaterin selbst äußerte lediglich folgendes:
    „Da kann ich aktuell nichts ändern, denn der Freibetrag, den Sie für die Kinder bekommen, ist der Freibetrag auch für die Einkünfte der Kinder (außer Kindergeld, aber das ist ja auch extra geschützt).Der Barunterhalt, den Sie für die Kinder bekommen (440,- €) ist also durch den Freibetrag in Höhe von 690,69 € geschützt“.

    Entspricht das der Rechtsauffassung? Ich gewähre ja meinen Kindern Naturalunterhalt in Form von Nahrung, Kleidung, Obdach etc. Hierfür ist meiner Meinung nach die Erhöhung des Grundfreibetrags. Dass allerdings der Barunterhalt dann nicht extra berücksichtigt wird, verstehe ich nicht. Wenn ich jetzt ein Konto auf den Namen der Kinder eröffnen würde und darauf den Unterhalt einzahlen lassen würde, könnte ich über meinen Freibetrag + Kindergeld + vollen Unterhalt für die Kinder verfügen. Dies ist nur leider aus Sorgerechtsgründen nicht möglich.
    Macht es hier Sinn einen Quellenbeschluss beim Insolvenzgericht zu beantragen? Oder ist meine Denkweise doch verkehrt? Ich bitte höflich um kurze Aufklärung.
    Vielen Dank im Voraus.
    Freundliche Grüße

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