Erhalte ich trotz Vermögensverzeichnis vor Gerichtsvollzieher die Restschuldbefreiung?

Offenbarungseid bzw. Abgabe des Vermögensverzeichnisses wirkt sich weder auf das Insolvenzverfahren aus, noch auf die Restschuldbefreiung.

Oft passiert es, dass ein betroffener Schuldner kurz vor dem Insolvenzverfahren noch ein Vermögensverzeichnis vor einem Gerichtsvollzieher ableisten muss. Die Gläubiger, die bereits einen gerichtlichen Vollstreckungstitel gegen den Schuldner besitzen, dürfen von diesem das Vermögensverzeichnis jederzeit verlangen.

Ein Schuldner muss das Vermögensverzeichnis so lange ableisten, bis das Gericht das Insolvenzverfahren mit einem Gerichtsbeschluss endgültig eröffnet hat. Erst ab dann besteht der Vollstreckungsschutz.

Bis das Gericht den Insolvenzeröffnungsbeschluss erlassen hat, dürfen die Gläubiger also noch vollstrecken und insbesondere den Schuldner zur Abgabe eines Vermögensverzeichnisses zwingen. Gerade in der Vorbereitungsphase des Insolvenzantrages sind diese letzten Vollstreckungsversuche der Gläubiger häufig. Man kann den Gläubiger in diesem Stadium zwar darauf hinweisen, dass die Vollstreckung aussichtslos ist, weil die Eröffnung der Insolvenz unmittelbar bevorsteht. Aber wenn der Gläubiger dennoch darauf besteht, dass der Schuldner ein Vermögensverzeichnis vor einem Gerichtsvollzieher abgibt, kann man ihn nicht davon abhalten.

Die Abgabe eines Vermögensverzeichnisses hindert aber nicht daran, dass das Insolvenzverfahren in Kürze eröffnet wird. Wer in das Insolvenzverfahren geht, kann ohne Risiko vorher noch ein Vermögensverzeichnis ableisten. Die Erfolgsaussichten auf die spätere Erteilung der Restschuldbefreiung mindert dies nicht.

Am Ende der Privatinsolvenz erhält der Schuldner die Restschuldbefreiung. Damit haben sich sämtliche Schulden erledigt. d.h. auch die eidesstattliche Versicherung.

Der Offenbarungseid bzw. Abgabe des Vernögensverzeichnisses wirkt sich auch auf das Insolvenzverfahren aus, noch auf die Restschuldbefreiung.

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10 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Herr Franzke,

    Ich habe mittlerweile sehr viele Schulden. (Wo ich leider selbst die meiste schuld dran habe)

    Aber erstmal was zu meiner Situation generell.
    Mein Mann ist Einzelverdiener er Steuerklasse 3 ich 5.
    Ich habe 4 Kinder, das älteste Kind davon lebt in einer Pflegefamilie (einen anderen Vater), das zweite Kind lebt mit uns zusammen (hat aber auch einen anderen Vater, jedoch hat sie den Nachnamen meines jetzigen Mannes angenommen) und dann haben wir noch gemeinsam Zwillinge (diese leben auch bei uns), diese sind die kleinsten von meinen Kindern.

    Mein Mann und ich haben jeweils ein getrenntes Konto. Ich bekomme auf mein Konto das Kindergeld (als einzigste Zahlung auf mein Konto / mein Konto ist noch kein P-Konto, ich überlege es jedoch noch umwandeln zulassen) und auf das Konto von meinem Mann kommt sein Lohn, jeweils am 1. einen Teil Betrag (immer ein fester Betrag) und dann noch mal am 10. den Restgehalt (dieser variiert immer, wie viel er verdient hat)

    Da ich die Schulden in unserer Ehe zum Teil gemacht habe, aber auf mich alles läuft, frage ich mich, ob man an das Gehalt meines Mannes gehen darf. (Da wir ja verheiratet sind)

    Ich soll die Tage auch eine EDV abgeben. Wollte aber eine privat Insolvenz nach Möglichkeit ansteuern. Ich habe ca 15000- 20000Euro Schulden. Würde es sich lohnen? Darf an das Geld von meinem Mann gegangen werden (sprich der Gerichtsvollzieher bzw. Insolvenz Verwalter? Und muss ich Angst um mein Auto haben? Welches ich brauche, um meine mittlere Tochter zur Schule und die Zwillinge zum Kindergarten zu bringen. Da mein Mann auf 3 Schicht arbeitet, ist es nicht möglich auf mein Auto zu verzichten. Und darf man ins Ausland, wenn man eine EDV abgegeben hat oder/und im insolvenzverfahren ist?
    Liebe Grüße und schon mal einen lieben Dank für Ihre Antwort.
    Gruß
    Familie Dichtl

    Antworten
    • Jörg Franzke
      15. März 2018 7:04

      Wenn Sie in die Insolvenz gehen, wird Ihr Mann nicht mit hineingezogen. Jeder haftet nur für die Schulden, die er selbst eingegangen ist. Zur Vorbereitung der Insolvenz sollten Sie unbedingt ein P-Konto eröffnen und sich die Kinderfreibeträge eintragen lassen. Wenn Sie eine EDV abgeben, dann steht das einer Insolvenz nicht im Wege und ins Ausland dürfen Sie auch verreisen. Das Auto ist in der Tat ein Problem.

      Antworten
  • Ich brauche ihren Rat, mein exmann hat mich mit 20.000€ Schulden überrascht und somit belastet, die ich nun durch mehrere Gläubiger von nicht bezahlten Rechnungen tragen muss. Er legte nach der Trennung eine pi ein. Ihn kann ich nicht mehr Belangen. Vielleicht kann ich einen Titel gegen ihn erheben ? Weiterhin bin ich berufstätig und habe ein kind. Von insgesamt 2.000 netto an monatliche gesamt Einnahmen bleiben mir Max 400.- übrig ( wo bereits Lebensmittel, Miete, NK UND Sprit abgezogen ist ) ..Ist es zu schaffen nach 3 – 5 Jahren 20.000€ abzubezahlen oder ist es eher kritisch ? Das 13. und 14. Monatsgehalt würde ausffallen bei einer pi, richtig ? Das wäre weg! Ich bin mir ratlos ob diese Summe mit meinem niedrigen gesamt Geld von gesamt Einnahmen von 2.000€ zu bestreiten sind? ! Was sagen ihre Erfahrungswerte? Zu was würden Sie mir raten ? Pi oder möglich bzw realistisch es mit dieser Summe abzubezahlen ? Vielen Dank für Ihre Hilfe !
    Mit freundlichen Grüßen

    Antworten
    • Jörg Franzke
      10. März 2017 16:38

      Klar ist, dass Sie eine Privatinsolvenz anmelden und den Schuldendienst einstellen sollten. Anders werden Sie nicht mehr aus den Schulden kommen. Ob Sie es nun schaffen, das Insolvenzverfahren in drei Jahren zu durchlaufen oder nicht, wird man sehen. Das Verfahren ist automatisch beendet, wenn man innerhalb von 3 Jahren 35% der Schulden und die Verfahrenskosten zusammen hat.

      Antworten
  • Guten Tag Herr RA Franzke,

    ist es mit 70 Jahren bei einem hohen Schuldenstand nicht gleich, ob ich die Eidesstattliche Versicherung ablege oder in Insolvenz gehe. Auf Grund des Alters meine ich. Kredite bekomme ich in diesem Alter sowieso nicht mehr. Das Lebensalter klärt dies doch von alleine.

    Danke für eine Antwort.

    Gruß M. Sto

    Antworten
    • Jörg Franzke
      4. September 2016 17:36

      Kommt darauf an, wie alt Sie werden wollen. Ich finde, 70 Jahre ist heutzutage zu jung, um auf den Tod zu warten. Na klar lohnt sich mit 70 noch eine Verbraucherinsolvenz, um die Schulden los zu werden.

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  • Darf ich bei einer Kontopfändung und einem bestehenden P Konto mein Urlaubsgeld in bar auszahlen lassen oder holt sich der Insolvenzverwalter dies wieder,wenn ich drei monate später in die Insolvenz gehe ?

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  • Frank Buschmann
    31. März 2015 15:18

    Hallo Herr Franzke,

    wie wirkt sich eine vor der Beantragung der Regelinsolvenz abgegebene Eidesstattl. Versicherung auf Antrag des Gläubigers auf die Restschuldbefreiung aus? Werden diese Schulden ebenfalls erlassen? Der Gläubiger hat seine Forderung nicht zur Insolvenztabelle angemeldet.

    Gruß

    Antworten
    • Jörg Franzke
      7. April 2015 6:46

      Eine vor Insolvenzantragstellung abgegebene Eidesstattliche Versicherung wirkt sich nicht im geringsten auf die spätere Restschuldbefreiung aus.

      Antworten

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