Antrag auf Privatinsolvenz bei Gericht eingereicht, welche Schritte folgen?

Nachdem der Insolvenzantrag fertig ausgearbeitet und von Ihnen unterschrieben ist, werden wir ihn beim Insolvenzgericht einreichen. Dann müssen wir abwarten, bis das Insolvenzgericht Ihre Privatinsolvenz anordnet. Hierzu erlässt es einen Gerichtsbeschluss und bestellt einen Insolvenzverwalter. Den Gerichtsbeschluss erhalten Sie per Post und der Insolvenzverwalter wird sich bei Ihnen melden. Das kann zwischen einer und sechs Wochen dauern.

Warten Sie auf den Insolvenzverwalter

Nachdem wir den Antrag auf Privatinsolvenz beim Gericht eingericht haben, heißt es: Abwarten. Vollstreckungsversuche der Gläubiger unmittelbar vor der Verfahrenseröffnung sind üblich. Insbesondere wenn ein Gläubiger bereits die Vollstreckung eingeleitet hat, wird ihn das Schuldenbereinigungsverfahren nicht aufhalten. Im Gegenteil, er wird versuchen, seine letzte Chance zu nutzen.

Badge zum Online Formular Privatinsolvenz
Rechtsanwalt Franzke übergibt den Antrag auf Privatinsolvenz zur Unterschrift

Nach Abgabe des Insolvenzantrages bei Gericht bitte geduldig sein

Eines schönen Tages werden Sie vom Gericht einen „Beschluss über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens“ erhalten. Der Eröffnungsbeschluss enthält das genaue Datum und die Uhrzeit der Eröffnung. Ab diesem Zeitpunkt sind Sie vor Vollstreckungen jeder Art geschützt. Außerdem läuft ab jetzt die Zeit von 3 Jahren bis zur Restschuldbefreiung.

Gericht eröffnet die Privatinsolvenz

Nachdem Ihr Insolvenzantrag fix und fertig und das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren abgeschlossen ist, geht Ihr Antrag auf Privatinsolvenz ans Gericht. Mit etwas Glück wird das Gericht Ihr Insolvenzverfahren in den nächsten vier bis sechs Wochen eröffnen. Die Eröffnung erfolgt per Gerichtsbeschluss, ein Exemplar davon erhalten Sie zur Kenntnis übersandt.

Gericht erlässt Insolvenz-Beschluss

Der Eröffnungsbeschluss benennt Ihren Insolvenzverwalter. Nach weiteren zwei bis drei Wochen wird der Insolvenzverwalter Sie zu einem Gespräch in seine Kanzlei einladen. Gehen Sie dort hin und erteilen Sie dem Verwalter alle gewünschten Auskünfte. Beabsichtigen Sie eine Planinsolvenz, um sich innerhalb eines Jahres zu entschulden, sollten Sie das gegenüber dem Insolvenzverwalter noch nicht erwähnen. Das übernehmen wir später für Sie nachdem Prüfungstermin.

Zwangsvollstreckung laufen lassen

Vollstreckungshandlungen ignorieren Sie einfach. Sie machen ein Insolvenzverfahren, es kann Ihnen also nichts mehr passieren. Heften Sie die Gläubigerpost einfach in Ihren Ordner und schon haben Sie alle Pflichten erfüllt. Vollstreckungsbescheide können Sie was ist Privatinsolvenz ohne Einspruch rechtskräftig werden lassen. Auch die Anrufe der Gläubiger ignorieren Sie. Sie sind nicht verpflichtet, mit den Gläubigern in irgendeiner Weise in Kontakt zu treten.

Gerichtsvollzieher darf noch pänden

Nur auf eines müssen Sie reagieren: Sollte Sie der Gerichtsvollzieher zur Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung auffordern, müssen Sie folgen. Aber selbst dies verschlechtert Ihre Rechtslage nicht, Ihre Schulden sind Sie auch nach Abgabe der Eidestattlichen Versicherung auf jeden Fall nach sechs Jahren los. Es gibt das Gerücht, dass Schulden nach Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung auf jeden Fall für die nächsten 30 Jahre gelten. Das ist falsch. Sie werden ebenso entschuldet.

Gläubiger vergessen im Insolvenzantrag, was tun?

Immer wieder kommt es vor, dass man bei dem Antrag auf Privatinsolvenz einen Gläubiger vergisst, in das Gläubigerverzeichnis des Insolvenzantrages aufzunehmen. Dieser Gläubiger meldet sich dann meist später, während das Insolvenzverfahren bereits läuft oder – noch schlimmer – während der Wohlverhaltensperiode.

Falls rechtzeitig, alles okay

Die Rechtsfolgen richten sich danach, wann der Gläubiger sich gemeldet hat: Taucht er noch im Insolvenzverfahren auf – also vor dem so genannten Schlusstermin – benachrichtigen Sie den Insolvenzverwalter. Übersenden Sie ihm den neuen Gläubiger. Dieser nimmt den Gläubiger in das Gläubigerverzeichnis auf und beteiligt den Gläubiger am Insolvenzverfahren. Das Versäumnis ist geheilt.

Falls verspätet, nicht okay

Leider kann der vergessene Gläubiger einen Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellen. Das Gericht wird dem Versagungsantrag stattgeben, wenn die vergessene Forderung erheblich ist. Das heißt im Klartext: Je höher die Schuld ist, die Sie vergessen haben anzugeben, desto wahrscheinlicher ist die Versagung der Restschuldbefreiung.

Vorteil Insolvenzplan

Das Risiko, dass Ihnen aufgrund eines vergessenen Gläubigers die Restschuldbefreiung versagt wird, ist im Insolvenzplanverfahren ausgeschlossen. Kennen Sie nicht mehr alle Gläubiger, sollten Sie unbedingt Ihre Privatinsolvenz mit einem Insolvenzplan abschließen. Die Privatinsolvenz dauert nicht nur maximal ein Jahr, sondern die Verzichtswirkung des Insolvenzplans wirkt sich auf alle vergessenen und nicht beteiligten Gläubiger aus.

Restschuldbefreiung in Gefahr

Leider kann der vergessene Gläubiger darüber hinaus einen Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung stellen. Das Gericht wird dem Versagungsantrag stattgeben, wenn die vergessene Forderung erheblich ist. Das heißt im Klartext: Je höher die Schuld ist, die Sie vergessen haben anzugeben, desto wahrscheinlicher ist die Versagung der Restschuldbefreiung.

Gläubigerverzeichnis muss vollständig sein

Deshalb empfehle ich Ihnen, bei der Auflistung Ihrer Gläubiger größte Sorgfalt aufzuwenden. Geben Sie lieber einen Gläubiger zu viel mit einer vermuteten Geldschuld an, als einen zu wenig.

44 Kommentare

  1. Guter Beitrag, der zeigt, wie es weitergeht, nachdem ein Anwalt eine Privatinsolvenz eingereicht wurde. Um den Antrag auf Restschuldbefreiung zu umgehen sollte von Anfang an jeder Gläubiger mit in den Insolvenzvorgang eingebunden werden. Wenn ich mal in so eine Situation komme, hoffe ich, dass ich einen kompetenten Rechtsberater an meiner Seite habe.

  2. Leider können Sie die Verbraucherinsolvenz nicht selbst beantragen, sondern das muss ein Anwalt oder – wenn Sie kein Geld haben – eine Schuldnerberatung für Sie tun. Einem Verfahren selbst steht nichts im Weg.

  3. Sie müssen fünf Jahre nach der Versagung der Restschuldbefreiung warten und können es dann nochmals versuchen.

  4. Hallo

    Da ich im Internet nichts finde wie ich raus bekommen kann ab wann ich eine erneuerte privatinsolvenz stellen kann, da ich bei meiner ersten versagt habe da ich nicht ins Treuehänder Konto einzahlen konnte.
    Mfg
    Mank

  5. Guten Tag Herr Framzke

    ich habe vor 10 Jahren eine Insolvenz gemacht(Selbständig) würde nicht als Private
    Insolvenz verhandelt.habe diese Insolvenz gut ab geschlossen.
    Ich möchte jetzt durch Scheidung e,c,t eine Private Insolvenz beantragen

    Ist das Möglich.Meine Schulden betragen ungefähr 7-8 tausend €

    Und gibt es eine Möglichkeit das ich selber beim Amtsgericht meine Insolvenz
    beantragen.

  6. Naja, der Berater ist halt auch nur ein Mensch und wer weiß, was ihm an diesem Tag über die Leber gelaufen ist. Klar ist solch ein Verhalten unhöflich, aber vergessen Sie es einfach. 800 EUR für die Vorbereitung der Insolvenz war absolut in Ordnung.

  7. Hallo Herr Franzke
    Habe nun am 17.01.19 den ersten Termin mit dem Insolvenzverwalter..
    Der Weg dorthin hat mich 800€ Gekostet ,Habe November 2017 im Internet ne Adresse gefunden die mir als vernünftig erscheinte..
    Kurz gesagt Dieser Anwalt war von Anfang an nur auf Profit ausgerichtet ,.am Ende wo das Gericht kurz vor der Eröffnung des Verfahrens , noch eine Bescheinigung wollte,habe ich mich an Hr.Dorfhöber aus Dortmund gewandt,und bin regelrecht an geschrihen worden was mir anfallen würde seine Zeit zu Stählen ? Und nach dem hin und her Ist mir die Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung Stelle (Salui) gekündigt worden..
    Gott sei Dank habe ich den Rest selbst regeln können und kurz danach hat der Insolvenzverwalter sich gemeldet…
    Und jetzt ganz kurz zu meiner Frage..
    Ist so ein Unfreundliches fast schon unmenschlich es Verhalten üblich ?
    Und vor allem die Kosten von 800€ war das in Ordnung ??
    Vielen Dank für ihre Antwort..
    Liebe Grüße Jimmy Dorosz

  8. Der Bekannte hat Sie zu Unrecht verunsichert. Das Gegenteil ist der Fall. Sie kriegen dann nie wieder einen Fuß auf den Boden, wenn Sie nichts machen und die Pfändung ewig weitergeht. Also sollten Sie nun Mut fassen und endlich den Antrag bei Gericht einreichen. Allerdings gilt die Bescheinigung für das Scheitern der außergerichtlichen Einigung nur für sechs Monate. Danach müssen Sie die außergerichtliche Einigung erneut versuchen lassen.

  9. Hallo. Ich habe durch lange Krankheit und Trennung hohe Schulden angehäuft. Ich verdiene ganz gut und der Hauptgläubiger pfändet schon. Ich habe mich seinerzeit vor 2 Jahren von einem Anwalt beraten lassen. Es wurde eine außergerichtliches Schuldenbereinigung versucht die jetzt Anfang des Jahres wohl gescheitert ist. Ich habe dann endlich mal nach 1,5 jahren die Ulas für die Insolvenz vom Anwalt erhalten und hätte bis April die Unterlagen einreichen müssen bei Gericht. Ein Bekannter hat mich aber so jeck gemacht das ich das auf keinen Fall machen soll dann würde ich nie wieder einen Fuss auf die Erde bekommen das ich den Antrag NICHT eingereicht hat. Die Pfändung läuft an den Hauptgläubiger laufen fröhlich weiter die anderen bekommen nichts mehr…deshalb mega viel Post. Kann ich den Antrag im nachhinein noch einreichen?? Ich weiß alles sehr unklug gelaufen. Außerdem bin ich umgezogen. Muss ich den Gläubigern meine neue Adresse mitteilen? Danke und liebe Grüße

  10. Wenn ein Gläubiger sich bei der Vorbereitung des Insolvenzverfahrens bzw. zum außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren nicht äußert, dann kann man ihn mit einem Erinnerungswert von 1 EUR vermerken. Später wird der Insolvenzverwalter den Gläubiger erneut anschreiben und auffordern, sich am Verfahren zu beteiligen. Ob er sich beteiligt, kann Ihnen egal sein. Eine Frist ist mir nicht bekannt.

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