Neu ab 07/14: Schuldenfrei per Insolvenzplan binnen Jahresfrist

Junges Startup Team nutzt den Insolvenzplan

Bekanntlich tritt ab 07/14 die neue Privatinsolvenz in Kraft. Die neuen Regeln wie Sie binnen Jahresfrist schuldenfrei per Insolvenzplan werden, sind bei vielen betroffenen Schuldnern bereits bekannt.

Restschuldbefreiung in drei Jahren bei 35% Quote plus Gerichtskosten

Die Restschuldbefreiung erlangt man bereits nach drei Jahren, wenn man bis dahin 35% der von den Gläubigern zur Insolvenztabelle angemeldeten Schulden bezahlen kann. Wer diesen Betrag nicht aufbringen kann, hat die Möglichkeit, das Privatinsolvenz-Verfahren auf fünf Jahre zu verkürzen. Bedingung für die einjährige Verkürzung ist, dass man die Verfahrenskosten bezahlen kann, das sind ca. 3.000 EUR bis 5.000 EUR.

Insolvenzplan ist besser!

Doch ab dem 01.07.2014 wird es eine weitere sehr wichtige Neuigkeit in der Privatinsolvenz geben und zwar die Entschuldung per Insolvenzplan. Dies ist die eigentliche Sensation des neuen Gesetzes zur Privatinsolvenz.

Der Insolvenzplan ist vereinfacht ausgedrückt ein Teilzahlungsvergleich mit den Gläubigern unter gerichtlicher Aufsicht. Das heißt, anstelle 100% der Schulden erhalten die Gläubiger lediglich 5% oder 10%. Damit ein Insolvenzplan überhaupt zustande kommt, hat der Gesetzgeber einige Erleichterungen eingebaut, die das erfolgreiche Zustandekommen des Insolvenzplans unterstützen. Beispielsweise entscheidet immer nur die einfache Mehrheit der vom Schuldner eingeteilten Gläubigergruppen und wer als Gläubiger nicht zum Gerichtstermin über die Abstimmung über den Insolvenzplan erscheint, hat automatisch zugestimmt. Die Möglichkeit, sich über einen Insolvenzplan zu entschulden, war bisher nur größeren Unternehmen vorbehalten und gilt ab Juli 2014 auch für Verbraucher.

Insolvenzplan dauert nur 12 Monate, dafür höhere Kosten

Allerdings ist ein Insolvenzplan kompliziert und aufwändig und wird ohne Hilfe eines Spezialisten kaum zu schaffen sein.
Ein weiterer Nachteil des Insolvenzplans sind die höheren Kosten im Vergleich zur normalen Privatinsolvenz. Ein Insolvenzplan funktioniert nur dann, wenn man die Gläubiger finanziell besser stellt, als in einer normalen Privatinsolvenz. Das heißt, man muss den Gläubigern einen höheren Geldbetrag bieten, als sie in einem Privatinsolvenzverahren durch Pfändung und Verwertung der Insolvenzmasse erhalten würden.

Zumindest in der Industrie haben sich Insolvenzpläne mit einer Befriedigungsquote von ca. 5% durchgesetzt. Will man die Gläubigern also in einer Privatinsolvenz mit 100.000 EUR Schulden einen Insolvenzplan anbieten, wird ein Betrag von mindestens 5.000 EUR benötigt.
Kann der Schuldner diesen Betrag aufbringen, hat er die Möglichkeit, sich über einen Insolvenzplan für Verbraucher innerhalb von ca. einem Jahr komplett zu entschulden. Dies sind die wirklich guten Änderungen im neuen Insolvenzgesetz 2014 für Verbraucher.

163 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Franzke,

    leider stehe ich kurz vor der Geschäftsaufgabe. Mein Einzelunternehmen generiert leider zu wenig Umsatz, da Artbeitskräfte, die abgeworben wurden, fehlen. Leasingfahrzeuge und Maschinen die nicht genutzt werden fressen den Gewinn auf. Mein Versuch als Facharbeiter mit 56 unterzukommen ist noch erfolglos.

    40000 € Verbindlichkeiten teilen sich zu 50% auf eine Hand von Gläubiger, zu weiteren 50% auf das Finanzamt (USt., ESt., Sozialabgaben etc.).

    Meine Fragen wären, ob die Finanzämter mitziehen (müssen) und ob ich mit dem Insolvenzplan aus den Leasingverträgen heraushommen kann. Auch wichtig wäre, meinen Job, notfalls auch als Einzelkämpfer, weiter führen zu können.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wilhelm

  2. Ja, ein weiterer Insolvenzplan ist möglich. Zwar liegt die Annahme des neuen Plans im Ermessen des Gerichts. Aber wenn ein höherer Betrag angeboten wird, bin ich mir sicher, dass das Gericht den Plan annimmt.

  3. Sehr geehrter Herr Franzke,
    im Jahre 2016 musste ich Insolvenz anmelden. Dabei habe ich einen Insolvenzplan vorgelegt, der an der Zustimmung des Finanzamtes gescheitert ist. Zwischenzeitlich wäre ich in der Lage, dem Finanzamt, von dritter Seite einen deutlich höheren Betrag anzubieten. Ist ein neuer Insolvenzplan noch möglich? Bis wann? Gibt es andernfalls noch andere Möglichkeiten sich mit dem Finanzamt zu einigen? Der Sachbearbeiter beim Finanzamt meint es wäre aus rechtlichen Gründen nicht möglich, was ich nicht verstehe.
    Ich bin auf eine Einigung (Insolvenzplan oder Sonstiges) angewiesen, da nicht alle Forderungen von der Restschuldbefreiung umfasst werden.
    Vielen Dank
    Mit freundlichen Grüßen
    Roland

  4. Ein Insolvenzplan ist teuer. Die Sonderzahlung müsste mindestens 8.000 EUR betragen. Davon bezahlt man dann die Verfahrenskosten von ca. 3.000 EUR und der Rest geht an die Gläubiger. Mit einem kleinen Betrag ist es leider nicht getan.

  5. Sehr geehrter Herr Franzke,
    Ich habe bei einigen Banken & anderen Gläubigern eine Gesamtschuldensumme von ca. 55000 EUR. Bin zur Zeit ALG2 Empfänger und 45 Jahre alt. Die Familie würde mir mit einem kleinen Betrag für einen Insolvenzplan helfen. Wie sehen sie meine Chancen unter diesen Umständen und ab welchem Prozentsatz der Schulden, hätte ein Angebot überhaupt eine reelle Chance. Welche Vorgehensweise würden sie mir empfehlen ? Danke für ihre Mühe und freundliche Grüsse …

  6. Den Gläubigern sollten mindestens 10.000 EUR angeboten werden, ab diesem Betrag wird ein Angebot erfahrungsgemäß ernst genommen. Das Honorar erkläre ich Ihnen nur persönlich, weil die phantasielose Konkurrenz immer von meiner Seite abschreibt.

  7. Hallo Herr Franzke,
    ich bin ende 50 und seit Januar 2016 HarxIV Empfänger. Ich habe ca. 1,3 Millionen € Schulden aus einer Firmeninsolvenz. Ich habe nur wenige Gläubiger. Da ich auch Schulden bei „Bekannten“ habe, werden diese auf jeden Fall einem Insolvenzplan zustimmen. Wieviel Kapital wird min. für die Gläubiger nötig sein und wie hoch sind die Verfahrenskosten inkl. Rechtsanwaltskosten, wenn Sie das Verfahren für mich durchführen? Ich kann evtl. eine Summe aus dem Bekanntenkreis bekommen aber nur, wenn sie nicht zu hoch ist. Die normale Insolvenzzeit von 6 jahren ist mir einfach zu lang, da wäre ich ja schon Rentner.
    MFG
    Müller

  8. Leider kann man einen Insolvenzplan nur bis zum Schlusstermin vorlegen, in der Wohnverhaltensperiode nicht mehr.

  9. Sehr geehrter Herr Franzke,

    ich bin mir etwas unsicher/verwirrt bezüglich der Möglichkeiten einer Planinsolvenz. Ist es möglich noch in der Wohlverhaltensphase einen Insolvenzplan vorzulegen oder ist dann in jedem erdenklichen Fall der Zeitpunkt zu spät und man muss mindestens die 3, 5 bzw. 6 Jahre Wohlverhalten bis zur Restschuldbefreiung abwarten.

  10. Moin Moin, seit dem 01.06.2014 ist mein Insolvenzverfahren eröffnet, jedoch war noch kein schlusstermin und die Reform ist erst ab dem 01.07.2014. Gibt es eine Möglichkeit, noch im die neue Reform zu rutschen? Liebe Grüße

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