Insolvenzplan entschuldet Physiker nach Pleite beim Eigenheim-Bau

Ein Physiker hat Pech beim Bau seines neuen Eigenheims. Der Insolvenzplan holt ihn aus den Schulden in ein normales Leben zurück.

Ausgangssituation

Der Schuldner ist Physiker von Beruf. Er war in den ersten Jahren seines Berufslebens am Hahn-Meitner-Institut als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Arbeitnehmerverhältnis tätig und promovierte an der TU Berlin. Nach der Promotion bewarb sich der Schuldner um einen Arbeitsplatz als Physiker, konnte jedoch keinen Arbeitsplatz finden. Um den Lebenserwerb zu bestreiten, begann der Schuldner im Jahr 1996 mit Nachhilfeunterricht für Schüler. Von dem Nachhilfeunterricht konnte der Schuldner über Jahrzehnte auskömmlich leben. Allerdings ist der Bedarf an Nachhilfe in den letzten Jahren stark zurückgegangen, sodass der Schuldner heute über ein monatliches Einkommen in Höhe von ca. 1.500 € verfügt.

Insolvenzursachen

In Vermögensverfall ist der Schuldner im Jahre 2011 geraten. Der Schuldner hatte sich mit dem Bau eines Eigenheims stark verschuldet. Dabei geriet er an einen unseriösen Bauunternehmer, der die Gutgläubigkeit des Schuldners ausnutzte. Am Ende sah sich der Schuldner der dreifachen Höhe der ursprünglich geplanten Baukosten gegenüber. Die Verschuldung geriet außer Kontrolle. Heute ist die Immobilie zwangsversteigert und der Schuldner hat einen Offenbarungseid geleistet.

Vergleichsrechnung

Dieser Insolvenzplan stellt die Gläubiger besser aus die Regelinsolvenz:

Der Schuldner ist im Insolvenzverfahren zur Ausübung einer angemessenen Erwerbstätigkeit verpflichtet. In der Annahme, dass das reguläre Insolvenzverfahren 60 Monate andauert, würden die fiktiven Einkommenserlöse 60 Monate mal das sich daraus ergebende pfändbare Einkommen betragen. Die Angemessenheit einer Erwerbstätigkeit richtet sich nach der beruflichen Qualifikation eines Schuldners und dem durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen in diesem Beruf. Der Schuldner ist promovierter Physiker von Beruf, hat diesen Beruf jedoch nur in den Jahren 2007 – 2010 als Arbeitnehmer bei der FU Berlin ausgeübt. Dieses Beschäftigungsverhältnis gab der Schuldner aufgrund Erfolglosigkeit und auf Druck der Universitätsleitung wieder auf. Chancen auf eine Anstellung in diesem Beruf bestehen nicht. Aufgrund seiner schlechten Reputation, der nunmehr nahezu sechs Jahre andauernden Berufspause und aufgrund seines Alters ist es unwahrscheinlich, dass der Schuldner auch außerhalb des Universitätsbetriebes eine Anstellung finden wird. Für eine Anstellung als Physiker in einem Industriebetrieb wäre der Schuldner mangels jeder praktischer Berufserfahrung völlig ungeeignet, weil sich die theoretischen Anforderungen in einem Universitätsbetrieb von den praktischen Anforderungen in der Industrie grundlegend unterscheiden. Aus diese Gründen entspricht die angemessene Erwerbsobliegenheit des Schuldners der eines angelernten Sachbearbeiters.

Vergleiche mit Hilfe von Internet-Portalen haben ergeben, dass das durchschnittliche Brutto – Einkommen eines Sachbearbeiters bei 1.636 – 3.284 € liegt. Der Schuldner könnte folge dessen trotz seiner beruflichen Qualifikation (promovierter Physiker) zumindest als Sachbearbeiter tätig sein und dabei ein Gehalt in Höhe von ca. 1.800 € erzielen. Ein höheres Einkommen als Sachbearbeiter ist unwahrscheinlich, da der Schuldner mit 55 Jahren weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Dem Schuldner fehlen darüber hinaus die Kenntnisse im Umgang mit moderner Bürosoftware und er besitzt keine Berufserfahrung. Bei einer Neueinstellung müsste er den Insolvenzmakel offen legen, was seine Verdienstaussichten schmälert. Schließlich sind vormalig selbständig Tätige und Freiberufler für Arbeitgeber nur bedingt attraktiv, weil aufgrund der Weisungsgebundenheit eines Arbeitnehmers grundsätzlich andere Anforderungen gestellt werden, als an einen Selbständigen. Aus diesen Gründen wäre ein Bruttoeinkommen in Höhe von 1.800 € im Falle des Schuldner angemessen. Das monatliche Nettoeinkommen würde somit rund 1.257,66 € betragen.

Der Schuldner hat keine Unterhaltsverpflichtung. Folge dessen wären in der Zeit von Februar 16 bis Juni 17, das heißt für 17 Monate je 123,28 € pfändbar und in der Zeit von Juli 17 bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung, das heißt für weitere 43 Monate je 81,34 € pfändbar. Insgesamt würde das fiktive pfändbare Einkommen 5.593,38 € betragen.

Der Vorteil dieses Insolvenzplans für die Gläubiger besteht nun darin, dass dieser Insolvenzplan die Gläubiger besser befriedigt, indem die Plangarantin eine über das zu erwartende Einkommen hinausgehende Befriedigung bietet. Ferner erhalten die Gläubiger die Ausschüttung bei Zustimmung zu diesem Insolvenzplan sofort und nicht nicht erst nach Abschluss des regulären Insolvenzverfahrens. Der Insolvenzplan befreit die Insolvenzmasse außerdem vor zusätzlichen Verwaltungskosten.

Ergebnisse des Insolvenzplanverfahrens

  • Sonderzahlung des Plangaranten: 10.000 €
  • Summe der Verbindlichkeiten: 225.704 €
  • Quote des Insolvenzplans: 3,37 %
  • Dauer der Planinsolvenz: 25 Monate

Kommentar des Mandanten

Der Ablauf und vor allem der Ausgang meines Insolvenplanverfahrens waren fast genauso wie angekündigt, allerdings mit einer Ausnahme: es dauerte zwei Jahre und damit doppelt so lange wie vorgesehen. Wer und welche Umstände dafür verantwortlich sind, kann ich nur glauben und hinnehmen. Herr Franzke war für mich immer erreichbar, allerdings hätte ich mir mehr Kommunikation von seiner Seite gewünscht. Detailinformationen erhielt ich häufig erst auf Nachfrage. Seine freundliche und umgängliche Art ist sehr angenehm.
Der Erfolg gibt ihm recht, der Mann weiß, was er tut, ich kann ihn für das IPV uneingeschränkt empfehlen.

Bildnachweis Titelfoto, Urheberin: Patricia Bateira

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