Fälle zu Schutzschirm und Eigenverwaltung: 

Schutzschirm restrukturiert Abrechnungsservice für Heizkostenverteiler

Mit dem Schutzschirm habe ich einen Abrechnungsservice für Heizkostenverteiler restrukturiert. Dabei gelang es uns, den Servicebetrieb samt Wohnhaus des Unternehmers zu erhalten.

Der Fall

Die Unternehmerin betreibt einen Servicebetrieb für die Auftraggeber Techem GmbH und Minol GmbH. Für diese Auftraggeber montiert, wartet und wechselt sie Heizkostenverteiler, Wärmezähler, Wasserzähler – kurzum alle Geräte, welche Wohnungsbaugesellschaften zur Abrechnung von Energieverbräuchen verwenden. Die Geschäftsräume befinden sich in dem Wohn- und Geschäftshaus der Unternehmerin. Ergänzend dazu unterhält sie ein Lager, in dem sie die zu montierenden Ersatzgeräte abgestellt sind. Die Unternehmerin beschäftigt derzeit 37 Mitarbeiter. Diese sind sämtlich im Außendienst vor Ort tätig, um die Service-Leistungen durchführen.

Zwischen den beiden Auftraggebern Techem GmbH und Minol GmbH und der Unternehmerin bestehen Rahmenverträge. Die Vergabe der einzelnen Aufträge erfolgt über eingerichtete Online-Portale der Auftraggeber. Dort werden die Einzelaufträge eingestellt und das Unternehmen kann sich Aufträge „herausnehmen“ und ausführen. Die Abrechnung erfolgt gleichfalls über die Online-Portale, mit einem vereinbarten Zahlungsziel von 30 Tagen.

Insolvenzursache

Die Unternehmerin ist wirtschaftlich abhängig von ihren beiden Auftraggebern. Ende 2015 kam es bei einem ihrer Auftraggeber aufgrund dortiger Software-Probleme zu einem erheblichen Zahlungsverzug und Stornierungen. Anstelle des vertraglichen Zahlungsziels von 30 Tagen musste die Unternehmerin bis zu 4 Monate auf ihr Geld warten und ihre Rechnungen wurden willkürlich gekürzt.

Im Jahr 2016 versuchte die Unternehmerin zunächst alle finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Sie kompensierte die Fehlbeträge mit privaten Ersparnissen. Damit gelang es ihr, den Geschäftsbetrieb noch sechs Monate aufrecht zu erhalten. Nachdem sie ihre Ersparnisse verbraucht hatte, und keine Verbesserung ihrer finanziellen Situation absehbar war, entschied sie sich zu einem Schutzschirmverfahren.

Sanierungskonzept

Ziel dieser Sanierung war es, den Geschäftsbetrieb und insbesondere das finanzierte Wohn- und Geschäftshaus der Unternehmerin zu retten. Beides ist uns gelungen. Das Unternehmen ist heute entschuldet, das Wohn- und Geschäftshaus durfte die Unternehmerin behalten und führt den Immobilienkredit wie bisher fort.

Das größte Sanierungs-Hindernis in diesem Verfahren bestand darin, die Bank von der Kündigung des Immobilienkredits und Zwangsversteigerung abzuhalten. Das Festhalten an der Immobilienfinanzierung während des Schutzschirmverfahrens war für die Bank ein innovativer und mutiger Schritt. Eine schwäbische Provinzbank besaß den Mut dazu. An dieser Stelle nochmals: Vielen Dank!

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Betrieb wird in ursprünglicher Größe und Struktur fortgeführt
  • Kein Auftragsverlust
  • Wohn- und Geschäftshaus bleibt erhalten
  • Höhe der ursprünglichen Verschuldung: 1,364 Mio. €
  • Einigung mit Gläubigern im Insolvenzplan auf Quote 6,04 %
  • Ausschüttung an die Gläubiger: 102.000 €
  • Dauer des Verfahrens: 7 Monate
  • Schuldenverzicht 94% 94%
  • Quote des Insolvenzplans 6% 6%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 90% 90%

Fachgebiete und Expertise

Insolvenz in Eigenverwaltung

Schutzschirmverfahren

Planinsolvenz, Insolvenzplan

Restrukturierungsverfahren

Regelinsolvenz

Privatinsolvenz

GmbH-Insolvenz, UG-Insolvenz

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