Ab wann muss der Geschäftsführer die GmbH Insolvenz beantragen?

Der GmbH-Geschäftsführer MUSS die GmbH-Insolvenz beantragen, sobald sein Betrieb zahlungsunfähig oder überschuldet ist. In dem folgenden Kapitel erkläre ich Ihnen, wann die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung eintritt.

Prüfungsschema, ab wann die Insolvenzantragspflicht für eine GmbH eintritt

Die Prüfung, ob Ihre GmbH insolvenzreif ist oder nicht, erfolgt in drei Schritten. Kurz gesagt: Die rote Linie zur Insolvenzantragspflicht ist nicht erst dann überschritten, wenn das Konto gepfändet ist und die GmbH keine Rechnungen mehr bezahlen kann. Sondern die GmbH Insolvenz tritt bereits früher ein.

Wichtigster Prüfungsschritt ist die die Zahlungsunfähigkeit. Ist die GmbH zahlungsunfähig folgt daraus automatisch die Überschuldung, weil die Unternehmenswerte dann nicht mehr zu Buchwerten gelten, sondern zu Liquidationswerten. 

Super wichtig für den Geschäftsführer einer GmbH in der Krise eine Unternehmensplanung, insbesondere Liquiditäsplanung aufzustellen und fortzuschreiben. Damit kann er sich später gegen den Vorwurf der Insolvenzverschleppung verteidigen.

Ist meine GmbH zahlungsunfähig ?

Ob eine GmbH zahlungsunfähig ist oder nicht, ermitteln Sie mit einer einfachen T-Tabelle.

Links die liquiden Mittel auflisten:

  • Wie hoch ist der Kontostand?
  • Wie viel ist in der Kasse?
  • Wie hoch ist der verbleibende Kreditrahmen?
  • Welche sehr kurzfristigen Zahlungen sind zu erwarten?

Rechts die fälligen Forderungen auflisten:

  • Alle Rechnungen, Raten, usw., die Stand heute bezahlt sein müssten

%

Ab 10% Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit

Ist die Summe der fälligen Forderungen 10% höher als die Summe der liquiden Mittel, besteht Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit.

Den Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit können Sie mit einer Unternehmensplanung widerlegen. Ergibt sich aus der Planung, dass die Deckungslücke über 10% sich kurzfristig aufgrund neuer Geldzufüsse wieder schließen wird, ist der Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit entkräftet.

Gelingt der Nachweis nicht, ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Sie müssen die GmbH-Insolvenz schnellstmöglich und spätestens binnen drei Wochen beantragen. Zusammengefasst lässt sich festhalten: Die Insolvenzantragspflicht besteht, sobald die Unternehmensplanung eine dauerhafte Deckungslücke von über 10 % ergibt.

Ist meine GmbH überschuldet?

Nachdem Sie den Eintritt der Zahlungsunfähigkeit ermittelt haben, klären Sie die Überschuldung. Ob Überschuldung vorliegt, ermitteln Sie, wie auch bei der Zahlungsfähigkeit, in zwei Schritten:

Im ersten Schritt überprüfen Sie die Überschuldung per Fortbestehensprognose. Bei negativer Fortbestehensprognose prüfen Sie die Überschuldung zusätzlich mit einem Vermögensstatus. Die Fortbestehensprognose leiten Sie aus Ihrer Unternehmensplanung ab.

Die Fortbestehensprognose besteht aus der Gewinn- und Verlustplanung, dem Liquiditätsplan sowie der Planbilanz. Zudem müssen Sie kurz erklären, wie Sie sich die Zukunft Ihres Unternehmens vorstellen.

Fällt die Überschuldungsprüfung per Fortbestehensprognose positiv aus, ist die Prüfung beendet und Ihr Unternehmen ist nicht überschuldet. Ermitteln Sie jedoch eine negative Fortbestehensprognose, prüfen Sie den zweiten Schritt. Sie müssen – beispielsweise nachdem Sie bei Überprüfung der Zahlungsunfähigkeit eine Deckungslücke über 10 % festgestellt haben – die Überschuldungsprüfung mit einem Vermögensstatus fortführen.

Ein Vermögensstatus ist eine einfache T-Tabelle mit den Vermögenswerten auf der linken Seite und den Verbindlichkeiten auf der rechten Seite. Übersteigen die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte, ist das Unternehmen überschuldet.

Der Wertansatz, mit welchem Sie die Aktiva Ihres Unternehmens im Vermögensstatus notieren, ist abhängig von der Fortbestehensprognose. Bei positiver Fortbestehensprognose setzen Sie die Buchwerte an andernfalls die Liquidationswerte. Aufgrund der unterschiedlichen Wertansätze, die von einer positiven oder negativen Fortbestehensprognose abhängen, ist ein Unternehmen mit negativer Fortbestehensprognose zugleich stets überschuldet. Im Ergebnis kommt es sowohl bei der Überschuldungsprüfung als auch bei der Überprüfung der Zahlungsunfähigkeit auf die per Unternehmensplanung zu ermittelnde Deckungslücke an. Ab einer dauerhaften Deckungslücke von über 10 % besteht Insolvenzantragspflicht.

Wie erstelle ich die Unternehmensplanung?

Unternehmensplanung zur Ermittlung Zahlungsunfähigkeit

Der Gesetzgeber verlangt, dass die Geschäftsführung in der Krise über eine ordentliche Planung verfügt. Die Unternehmensplanung besteht aus einer gewöhnlichen Gewinn- und Verlust-Planung sowie einer Liquiditätsplanung.

Kurz vor dem Eintritt der Insolvenzreife sollten Sie, zu Ihrem eigenen Schutz, zusätzlich täglich in einem Status-Bericht dokumentieren, wann die Insolvenzreife aufgrund Zahlungsunfähigkeit bzw. Überschuldung eintreten wird. Wie das funktioniert, erkläre ich Ihnen weiter unten.

 Viele kleinere GmbHs erstellen keine Unternehmensplanung. Die Geschäftsführer glauben, dies erledige der Steuerberater. Steuerberater planen jedoch nicht, sondern ermitteln Steuersätze. Erstellen Sie die Unternehmensplanung daher selbst. Leider kann man sich insbesondere in schwierigen Situationen wie einer drohenden Insolvenz nur auf sich selbst verlassen.

Die Aufstellung einer Unternehmensplanung ist einfach. Schätzwerte reichen aus, da es sich ja um eine Planung handelt. Niemand wird Sie belasten, wenn Sie in der Zukunft liegende Zahlen falsch einschätzen. Ärger gibt es aber, wenn Sie das Unternehmen überhaupt nicht geplant haben.

Die Unternehmensplanung benötigen Sie nicht nur zur Berechnung der Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Vielmehr wird Ihnen die Planung später wertvolle Dienste leisten, wenn es um Ihre Entlastung vom Vorwurf einer möglichen Insolvenzverschleppung geht. Mit der Planung tun Sie sich selbst etwas Gutes.

Planen Sie eine Sanierung des Unternehmens mit dem Schutzschirmverfahren und in Eigenverwaltung, so ist die Unternehmensplanung ein MUSS. Denn das Gericht fordert den Nachweis der Unternehmensplanung und wird den Schutzschirm nur dann genehmigen. Selbstverständlich werde ich die Planung für Ihr Unternehmen erstellen.

Was will ich? Dichtmachen oder weitermachen?

Nachdem Sie einschätzen können, an welchem Stichtag die Insolvenzantragspflicht ungefähr eintreten wird, entscheiden Sie über das Schicksal der GmbH: Wollen Sie die GmbH sanieren, verkaufen oder aufgeben?

Entscheiden Sie zunächst persönlich für sich selbst und grundsätzlich, ob Sie das Unternehmen überhaupt fortführen wollen. Vielleicht haben Sie inzwischen neue Pläne oder Sie wollen nicht mehr länger selbständig sein. In diesem Fall lohnt sich der mühevolle Weg einer Sanierung nicht. Dann ist es besser, Sie geben die GmbH auf.

Eine Sanierung muss aber auch machbar sein. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn die Ursache der Unternehmenskrise auf der Kostenseite liegt. Denn unsinnige Kosten lassen sich im Sanierungsverfahren ohne weiteres abstellen.

Besteht bei Ihrem Unternehmen jedoch ein Umsatzproblem, beispielsweise weil das Marktumfeld Ihres Unternehmens schrumpft und die Nachfrage sinkt, ist das Unternehmen nur eingeschränkt für eine Sanierung geeignet. Im Schutzschirmverfahren kann das Unternehmen zwar an die neuen Marktbedingungen angepasst und verkleinert werden, aber wenn die Aufträge weiterhin sinken, hat das Unternehmen kurze Zeit später wieder ein Problem.

Das Sanierungsverfahren kann die Betriebskosten reduzieren und das Unternehmen neu ordnen, aber wenig zur Steigerung der Nachfrage beitragen. Für das Sanierungsverfahren selbst brauchen Sie Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen. Oft scheint die Situation hoffnungslos und einen Moment später werden Sie wieder euphorisch sein. Diese Unsicherheit müssen Sie ca. 8 Monate lang aushalten.

Den Erfolg einer jeden Sanierung begünstigt die Sonderzahlung von außen. Würde sich beispielsweise eine Person aus der Unternehmerfamilie oder ein Investor unter der Bedingung, dass das Sanierungskonzept zu einem erfolgreichen Abschluss kommt, zu einer Sonderzahlung bereit erklären, wird sich eine solche Einlage begünstigend auf den Sanierungserfolg auswirken.

Jetzt können Sie einschätzen, wann die Insolvenzantragspflicht ungefähr eintreten wird. Entscheiden Sie nun über das Schicksal der GmbH. Als Faustregel gilt: Wollen Sie die GmbH fortführen, wählen Sie das Schutzschirmverfahren. Wollen Sie die GmbH aufgeben, gehts in die reguläre GmbH-Insolvenz.

Rechtsanwalt Jörg Franzke erklärt das Schutzschirmverfahren
Rechtsanwalt Jörg Franzke berät Geschäftsführer zur GmbH-Insolvenz:
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Die Meinung der Mandanten:
Erfahrungen & Bewertungen zu Rechtsanwalt Jörg Franzke

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