Funktioniert der Schutzschirm auch bei Mithaft des Unternehmers aufgrund Bürgschaft?

Im deutschen Mittelstand gibt es in der Regel keine haftungsrechtliche Trennung zwischen dem Vermögen des Unternehmens und dem Vermögen des Unternehmers.

Wer als Unternehmer auf Fremdfinanzierung angewiesen ist, muss sich bei der Bank persönlich verpflichten.

Bei einer derartigen persönlichen Haftung wird der Unternehmer sich fragen, ob eine Sanierung seines Unternehmens überhaupt sinnvoll ist. Was nutzt es dem Unternehmer, wenn der Schutzschirm sein Unternehmen rettet, er selbst aber pleite ist?

Der Umstand der persönlichen Haftung des Mittelständlers wird in Schutzschirmverfahren selbstverständlich berücksichtigt.

Natürlich ergibt es keinen Sinn, nur das Unternehmen zu retten und den Unternehmer nicht. Die Bank würde nach der erfolgreichen Sanierung des Unternehmens sofort die Gesellschaftsanteile pfänden und verwerten.

Aus diesem Grund muss die Sanierung des Unternehmens stets auch die Sanierung des Unternehmers beinhalten.

Misslingt die private Entschuldung des Gesellschafter-Geschäftsführers weil die Banken zicken, ist die Lage keineswegs aussichtslos.

In solch vermeintlich aussichtslosen Fällen wird die Gesellschafterstruktur mit Hilfe des Insolvenzplans umgestaltet. Das heißt, man tauscht den überschuldeten Gesellschafter einfach aus und entkoppelt damit das Schicksal des Unternehmens vom Schicksal des Unternehmers.

Der juristische Fachbegriff hierzu heißt Kapitalschnitt: Der Insolvenzplan sieht eine Herabsetzung der Gesellschaftsanteile von beispielsweise 25.000 EUR auf 0 EUR vor. Im zweiten Schritt zahlt ein neuer Gesellschafter (z.B. die Ehefrau des Unternehmers) neue Stammeinlagen ein.

Der Austausch des Gesellschafters per Kapitalschnitt löst zwar nicht das private Schuldenproblem des Unternehmers. Aber die Bank verliert ihren Schrecken, weil sie die Sanierung des Unternehmens nicht mehr verhindern kann.

Ist die Einnahmequelle der Unternehmerfamilie gesichert, kann man später entspannt das Schuldenproblem des Unternehmers lösen.

Der Nachteil eines (vollständigen) Gesellschafterwechsels besteht darin, dass das Unternehmen seine Verlustvorträge verliert.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.