Die Insolvenzantragspflicht in der Corona Krise

Die Insolvenzantragspflicht in der Corona Krise

Blog zum Schutzschirmverfahren

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nach dem neuen Covid-19-Gesetz

Eine Frau denkt nach über ihre Insolvenzantragspflicht

Seit 27.03.20 ist das neue Covid-19-Gesetz in Kraft. Die Insolvenzantragspflicht in der Corona Krise ist seit dem ausgesetzt. Das sind die Folgen für Sie als Geschäftsführer einer GmbH, AG, UG, usw.:

Die neue Vorschrift zur Insolvenzantragspflicht

Nach altem Recht muss die Geschäftsführung einer Kapitalgesellschaft (GmbH, AG, UG, usw.) die Insolvenz spätestens binnen drei Wochen nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit beantragen. Diese Vorschrift gilt seit dem 27.03.2020 unter den folgenden Bedingungen nicht mehr:

  • Das Unternehmen war am 31.12.19 noch nicht zahlungsunfähig im Sinne des § 17 InsO (also nach den üblichen Voraussetzungen).
  • Die Insolvenzursache ist eine Folge der Covid-Pandemie.
  • Es bestehen Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit.

Wie also müssen Sie als Geschäftsführer die Insolvenzantragspflicht ab sofort überwachen? Hierzu gebe ich Ihnen folgende Ratschläge an die Hand.

Geschäftsführer muss in der Krise TÄGLICH die Liquidität überwachen

Die meisten Geschäftsführer dokumentieren die Liquidität ihres Unternehmens nicht. Das ist ein schwerer Fehler. Denn anhand der Dokumenation kann sich der Geschäftsführer später entlasten. In der Krise befindet sich der Geschäftsführer in einer unangenehmen Sandwich-Position:

  • Beantragt der Geschäftsführer die Insolvenz zu früh, haftet er gegenüber den Gesellschaftern für die falsche Entscheidung.
  • Beantragt er die Insolvenz zu spät, haftet er gegenüber dem Insolvenzverwalter wegen Insolvenzverschleppung gem. § 15a InsO und aufgrund des Zahlungsverbotes gem. § 64 Abs.1 InsO.

Nicht gut! Zumindest nicht gut für den Geschäftsführer. Deshalb rate ich jedem Geschäftsführer zu seinem eigenen Schutz, den Eintritt der Insolvenzreife genau abzupassen.

 

BWA und Liquiditätsplanung reicht nicht, um den Geschäftsführer zu entlasten

Den Eintritt der Insolvenzreife überwacht der Geschäftsführer täglich anhand der verfügbaren Liquidität und den fälligen Forderungen. Die BWA des Steuerberaters reicht zur Liquiditäts-Überwachung keinesfalls aus. Diese erreicht die meisten Geschäftsführer ohnehin erst mit zweimonatiger Verspätung. Die Informationen aus der BWA dienen der steuerlichen Abschöpfung. Sie sind zur Ermittlung der Insolvenzreife jedoch ungeeignet. Besser als die BWA ist die übliche Liquiditätsplanung, die ein sorgfältiger Geschäftsführer für die nächsten Monate erstellt. Die Liquiditätsplanung ist jedoch nur ein Bestandteil der Liquiditäts-Überwachung zur Ermittlung der Insolvenzreife.

So überwachen Sie die Insolvenzantragspflicht Ihrer GmbH in der Krise

Der Finanzstatus zur Ermittlung der Insolvenzreife ist also etwas ganz anderes als die BWA und die Liquiditätsplanung. Der Finanzstatus ist eine Momentaufnahme. Der Geschäftsführer muss sich morgens als erstes fragen: Wie ist der Stand meines Unternehmens heute? Wie viel Geld steht heute zur Verfügung? Was muss ich heute bezahlen?

Der Finanzstatus sollte als T-Tabelle geführt werden. Die linke Spalte ist eine Liste des Stand heute verfügbaren Geldes. Die Rechte Spalte ist eine Liste der Stand heute zu zahlenden Rechnungen. Hier zeige ich Ihnen ein Beispiel für einen Finanzstatus:

Linke Spalte:

Hier bitte die liquiden Mittel eintragen.

  • Wie viel ist heute auf den Konten?
  • Wie viel ist heute in der Kasse?
  • Wie hoch ist der Kreditrahmen?
  • Welche Zahlung geht heute garantiert ein?

Rechte Spalte:

Die fälligen Forderungen auflisten.

  • Welche Rechnungen sind heute zu zahlen?
  • Welche Dauerschuldverhältnisse werden heute abgebucht?
icon finanzstatus täglich auswerten

Den Finanzstatus täglich auswerten

Als nächsten Schritt werten Sie Ihren Finanzstaus aus. Die Auswertung funkioniert, indem Sie ganz einfach die Werte der linken Spalte (liquide Mittel) addieren und die Werte der rechten Spalte (fällige Forderungen). Sind die fälligen Forderungen kleiner als die liquiden Mittel oder liegen sie nur geringfügig darüber, ist die Welt in Ordnung und Sie können sich Ihrem Tagesgeschäft widmen. Ihr Unternehmen ist zahlungsfähig. Eine Insolvenzantragspflicht besteht nicht.

%

Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit ab 10%

Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit

Sind die fälligen Forderungen jedoch um 10% höher als die liquiden Mittel, ist den Geschäftsführer die Welt nur noch halb in Ordnung. Es besteht ein Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit. Sie können den Verdacht aber widerlegen.

Verdacht widerlegen mit Liquiditätsplanung

Den Verdacht widerlegen Sie mit Ihrer Liquiditätsplanung. Anhand der Liquiditätsplanung ermitteln Sie die Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge der nächsten Wochen und Monate. Können Sie mit der Liquiditätsplanung darstellen, dass die im Finanzstaus ermittelte Deckungslücke sich aufgrund erwarteter Zahlungseingänge kurzfristig schließt, ist alles in Ordnung. Ihr Unternehmen ist nicht zahlungsunfähig.

rotes Dreieck

Unternehmen ist zahlungsunfähig

Kommen Sie jedoch zu dem Ergebnis, dass die Deckungslücke sich nicht schließen wird, ist Ihr Unternehmen zahlungsunfähig im Sinne der Insolvenzordnung. Sie haben ab sofort einen Insolvenzantrag zu stellen. Sie dürfen den Insolvenzantrag bis zu drei Wochen hinauszögern, wenn Sie sich in dieser Galgenfrist ernsthaft um neue Gelder bemühen. Dies ist das klassische bis zum 27.03.20 gültige Prüfungsschema zur Ermittlung der Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens und der sich daraus ergebenden Insolvenzantragspflicht.

Fortsetzung der Prüfung mit dem neuen Covid-Gesetz

Setzen Sie Ihre Prüfung nun anhand der neuen Regelungen über die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht fort. Wie oben beschrieben, kommen drei weitere Bedingungen hinzu:

Das Unternehmen war am 31.12.19 noch zahlungsfähig

Das Unternehmen war am 31.12.19 noch nicht zahlungsunfähig im Sinne des § 17 InsO (also nach den üblichen Voraussetzungen). Führen Sie die Prüfung der Insolvenzreife wie oben beschrieben auf den Stichtag des 31.12.19 durch.

Kommen Sie zu dem Ergebnis, dass Ihre Firma bereits am 27.03.20 zahlungsunfähig war, beantragen Sie einen Schutzschirm, um Ihren Betrieb zu retten. Andere Mittel als den Schutzschirm bzw. Insolvenz in Eigenverwaltung stehen Ihnen nicht (mehr) zur Verfügung. Insbesondere auch keine Kredite und keine staatlichen Liquiditätshilfen. Denn all diese Fördermittel setzen voraus, dass Ihr Unternehmen nicht zahlungsunfähig im Sinne der Insolvenzordnung ist.

Schwinnring zur beseitigung Zahlungsunfähigkeit

Es bestehen Aussichten auf eine Beseitigung der Zahlungsunfähigkeit

War Ihr Unternehmen also am 31.12.19 noch nicht zahlungsunfähig, ist die Insolvenzantragspflicht grundsätzlich bis 30.09.20 ausgesetzt. Die nach dem 27.03.20 eintretende Insolvenzursache ist eine Folge der Covid-Pandemie.

Rechtsanwalt Jörg Franzke

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Schutzschirmverfahren als Rettungsanker für Corona geschädigte Betriebe

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Schutzschirmverfahren als Rettungsanker für Corona geschädigte Betriebe

Schutzschirmverfahren Corona Opfer

Vielen Unternehmen insbesondere aus Gastronomie, Tourismus und Eventmanagement bricht in Zeiten des Corona-Virus das Geschäft weg. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Schutzschirmverfahren die Rettung sein – ein rechtliches Tool für eine Sanierung in Eigenverwaltung.

Schutzschirmverfahren als Rettungsanker

Das Corona Covid Virus versetzt nicht nur viele Menschen in Panik. Es trifft auch die deutsche Wirtschaft in noch nicht absehbarem Ausmaß. Vielen Unternehmen aus Gastronomie, Tourismus und Eventmanagement bricht derzeit durch das brachliegende öffentliche Leben das Geschäft weg. Bei drohender Insolvenz kann das Schutzschirmverfahren der rettende Anker sein. Es gibt Firmen ein Werkzeug an die Hand, rechtzeitig aktiv zu werden und eine Sanierung in Eigenverwaltung durchzuführen.

Beim Schutzschirmverfahren bleibt die Geschäftsführung am Steuer

Bei einem Schutzschirmverfahren hat das Unternehmen zunächst drei Monate Zeit, einen Sanierungsplan – wie bei Condor – aufzustellen. Die Geschäftsführung kann selbst einen vom Gericht bestellten Sachwalter vorschlagen. Dieser achtet als eine Art Blauhelmsoldat darauf, dass der gesetzliche Rahmen eingehalten wird und die Rechte der Gläubiger gewahrt werden. Anders als ein Insolvenzverwalter hat er aber keine absolute Verfügungsgewalt. In diesen drei Monaten ist der laufende Betrieb geschützt: Gläubiger dürfen ihre Güter – z.B. noch nicht abbezahlte Maschinen, geleaste Autos, angemietete Räume – nicht zurückfordern. Überhaupt sind jegliche Vollstreckungsmaßnahmen verboten. Die Geschäftsführung bleibt weiter am Steuer und vertritt die Firma nach außen.

Laufende Kosten können radikal gesenkt werden

Mit der umfassenden Protektion, den das Unternehmen in diesen drei Monaten genießt, macht das Schutzschirmverfahren seinem Namen alle Ehre. Weitere Ausnahmeregelungen sorgen dafür, dass die Firma kaum Kosten hat. Das Unternehmen entscheidet zum Beispiel, welche Verträge vorteilhaft und welche nachteilig sind. Nachteilige Verträge erfüllt das Unternehmen ab sofort nicht mehr und gibt beispielsweise Leasinggegenstände einfach zurück. Günstige Verträge führt es fort. Zudem fördert der Staat den Schutzschirm und übernimmt drei Lohnrunden. Mit dem Insolvenzgeld und dem Aussetzen weiterer Zahlungspflichten kann man schnell wieder Liquidität aufbauen.“

Fast Track

Das kann erstaunlich zügig gehen. Wie zügig, zeigt der Fall eines IT-Beratungsunternehmens mit 26 Mitarbeitern. Weil ein fest zugesagter Großauftrag nicht zustande gekommen war, war die Firma in die Nähe des wirtschaftlichen Supergaus geraten. Verschuldet war die Inhaberin vor Antragstellung mit 2.181.000 €. Im Insolvenzplan gelang es, sich mit den Gläubigern auf eine Quote von 6,4 % zu einigen. Der Schutzschirm von der Eröffnung bis zur Abstimmung über den Insolvenzplan dauerte nur vier Monate. Entscheidend für diesen Erfolg war das Zusammenwirken aller Beteiligten, vom Management über die zuständige Richterin bis hin zu den wichtigsten Ressourcen des Unternehmens: den Mitarbeitern, die trotz der Krise an Bord blieben.

„Insolvenz light“ mit Protektion und Turboantrieb

Wird der Schutzschirmplan dann sowohl vom Gericht als auch vom Gläubigerausschuss angenommen, mündet das Schutzschirmverfahren in eine Art „Insolvenz light“. Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden in Eigenverwaltung umgesetzt und das Unternehmen im Idealfall anschließend stabilisiert aus dem Verfahren entlassen.

Das Timing als entscheidender Erfolgsfaktor

Ein ebenso wichtiger Faktor wie loyale Mitarbeiter ist das Timing. Das Schutzschirmverfahren soll von Zahlungsunfähigkeit bedrohte Firmen nicht nur wieder auf die Beine helfen. Es soll auch verhindern, dass erst dann die Reißleine gezogen wird, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Dies ist nämlich viel zu oft der Fall. Aus Angst vor öffentlichem Gesichtsverlust zögern Unternehmer nicht selten den Schritt zum Insolvenzantrag so lange wie möglich hinaus. Oft kann der Insolvenzverwalter dann wirklich nur noch die Firma zerschlagen, die Scherben verteilen und als letzter den Schlüssel umdrehen. Ein Schutzschirmverfahren wird daher nur bewilligt, wenn die Firma noch zahlungsfähig und eine Sanierung realistisch ist.

Alle Möglichkeiten einer Sanierung in Eigenverwaltung ausloten

Schon deshalb steht es in der Außenwahrnehmung viel positiver da als ein Insolvenzverfahren, denn Optimismus ist hier keine Schönfärberei. Condor war prädestiniert für ein Schutzschirmverfahren: Das Unternehmen war in erster Linie durch die Insolvenz des Mutterkonzerns in Not geraten. „Condor kommt stärker aus dem Schutzschirmverfahren, als es reingegangen ist“, beschrieb CEO Teckentrup die Situation nach Annahme des Sanierungsplans. Mit einem solch überragenden Ergebnis sollten Unternehmen nicht rechnen. Eine lohnende Investition ist es aber allemal, die Möglichkeiten einer Sanierung in Eigenverwaltung auszuloten, wenn die Zeichen auf Krise stehen.

Das Schutzschirmverfahren – nicht nur für Konzerne wie Condor

Als am 12. März wurde der „Schutzschirmplan“ der von Zahlungsunfähigkeit bedrohten Fluggesellschaft Condor durch die Gläubiger mehrheitlich angenommen. Ein Aufatmen ging durch die Reihen. „Durch die heutige Zustimmung der Mehrheit der Gläubiger ist der Weg für die Zukunft mit dem neuen Eigentümer PGL frei“, so Lucas F. Flöther, Sachwalter der Condor Flugdienst GmbH. Somit konnte der Schutzschirm für Condor aufgehoben werden. Der Schutzschirmplan war am 11. Februar 2020 beim Amtsgericht Frankfurt am Main eingereicht worden. Die darin enthaltenen Maßnahmen sollten Condor für eine Zukunft ohne den früheren Mutterkonzern Thomas Cook aufstellen. Dieser hatte im September Insolvenz angemeldet. Condor hatte im Rahmen des Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung nach einem Investor gesucht und den Flugbetrieb ohne Ausfälle fortgeführt.

Immer häufiger nutzen auch Mittelständler in einer wirtschaftlichen Krise die Möglichkeit der Eigenverwaltung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens. Gerade wenn staatliche Liquiditätshilfen und Kurzarbeitergeld nicht mehr ausreichen, ist das Schutzschirmverfahren in vielen Fällen die nächste Aktionsstufe. Vereinfach wurde der Zugang zu dem Verfahren 2012 durch das „Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ (ESUG). Der Trend zu Eigenverwaltung und Schutzschirmverfahren wird also von Wirtschaft und Politik unterstützt, da die Praxis zeigt: Sehr häufig können ihre Instrumente Unternehmen sehr effizient bei der Überwindung einer Krise helfen.

Rechtsanwalt Jörg Franzke

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Covid Schutzschirm, wie Unternehmer Ihren Betrieb retten

Covid Schutzschirm, wie Unternehmer Ihren Betrieb retten

Blog zum Schutzschirmverfahren

Wie Sie Ihr Unternehmen mit dem Covid Schutzschirm retten

Codid Schutzschirm ist doof

Begriffe, die im normalen Geschäftsalltag normalerweise nicht zur Sprache kommen, gewinnen unversehens grundlegende Bedeutung: Insolvenz, Kurzarbeitergeld, Liquiditätshilfe, Förderdarlehen, Schutzschirmverfahren – Corona hat aus dem Nichts eine völlig neue Unternehmenswirklichkeit geschaffen.

Die neue Realität

Ganz abgesehen von den gesundheitlichen Gefahren und den gesellschaftlichen Auswirkungen stehen insbesondere mittlere und kleine Unternehmen durch Corona vor Herausforderungen, wie sie selbst in der zurückliegenden Weltwirtschaftskrise nicht zu beobachten waren. Zehntausende Unternehmen geraten unversehens in eine existenzgefährdende Lage, nicht selten innerhalb weniger Tage und suchen nach Möglichkeiten, wie man seinen Betrieb rettet.

Dabei sind die Ausgangskriterien alles andere als rosig. Eine Umfrage der Unternehmervereinigung „The Alternative Board“ unter 165 Firmenchefs ergab: über 80 Prozent verfügen über keinen ausgearbeiteten Notfallplan. Das bestätigt auch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Wirtschaft. Seiner Ansicht nach ist es unerlässlich, rechtzeitig betriebsinterne Regelungen zu entwickeln, die im Krisenfall zur Anwendung kommen. (Quelle: Tageszeitung WELT)

In beiden Fällen, beim Aufbau eines Krisenplans sowie beim Handling einer aktuellen Krise dieser Größenordnung, ist die Betreuung durch einen Berater für extreme Krisen nicht einfach nur ratsam – in vielen Fällen kann sie sich als lebenswichtig erweisen. Dabei kommt es vor allem auf die Wahl des richtigen Partners an.

In den vielen Jahren meiner beruflichen Tätigkeit habe ich einen Kodex entwickelt, der meiner Ansicht nach für die Krisenberatung von grundsätzlicher Bedeutung ist. Prinzip eins: niemals die Interessen eines Gläubigers vertreten. Prinzip zwei: Aufgaben niemals an einen Vertreter delegieren. Nur so lässt sich die erforderliche Vertrauensbasis aufbauen, die für eine effektive und erfolgreiche Zusammenarbeit wichtig ist.

Krisenmanagement ist vielschichtig

So vielfältig, wie eine Großkrise vom Kaliber einer Corona-Pandemie auf Leben und Wirtschaft einwirkt, so unterschiedlich können die Gegenmaßnahmen sein. Hier den Überblick zu bewahren und die richtigen Strategien zum richtigen Zeitpunkt auf den Weg zu bringen, ist die wesentliche Aufgabe eines Krisenberaters für den Covid Schutzschirm. Seine Pflicht ist es, in einem sich rasch und hektisch ändernden Umfeld die Übersicht zu bewahren und rechtzeitig Chancen und Möglichkeiten auszumachen. Dabei sind vor allem zwei Themenbereiche von grundsätzlicher Bedeutung:

Staatliche Liquiditätshilfe

Die schlimmsten Auswirkungen für das eigene Unternehmen durch die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen abfedern – das klingt zunächst wie die Lösung der brennendsten Probleme. Die Schwierigkeit dabei: Die Lage ändert sich ständig, feste Routinen und Vorgehensweisen sind nicht auszumachen. Letztendlich bedeutet die vorherrschende Situation auch für die Bundesregierung Neuland, in das sie sich einfinden muss – wie wir alle.

Bürgschaften und KfW-Kredite oder Kurzarbeitergeld sind hier die bekanntesten Maßnahmen, doch schon bei ihnen tauchen eine Reihe von Fragezeichen auf. Nicht immer sind Kredite das Mittel der Wahl, selbst bei niedrigen oder nicht vorhandenen Zinsen. Ausfälle durch verschiebbaren Konsum lassen sich auf diese Weise überbrücken, beispielsweise die verspätete Anschaffung einer neuen Einbauküche nach dem Abflachen der Epidemie. Anders sieht es bei unwiederbringlichen Einnahmeverlusten aus, die nach der Krise nicht nachgeholt werden können. Hier kann der Kredit keine wirkliche Lösung bringen – das Problem wird lediglich nach hinten verschoben.

Dazu kommen weitere Staatshilfen, die noch nicht in feuchten Tüchern sind, ganz abgesehen von Modellen, die erst noch entstehen. Sehr deutlich wird die unübersichtliche Lage durch den von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vorgestellten Drei-Stufen-Plan. Die erwähnten Bürgschaften und KfW-Kredite der Stufe eins sind dabei die einzig konkrete Komponente.

Die flexiblere Gestaltung und die Aufstockung von Krediten in Stufe zwei und umfangreiche Konjunkturprogramme in Stufe drei sind davon abhängig, wie und in welchem Ausmaß sich die Krise verschärft. Und die Kriterien dafür legt die Regierung fest – das sind alles andere als planbare Größen.

Doch damit sind die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Weitere Hilfsmaßnahmen können jederzeit auf den Plan treten, wenn die Situation es erfordert. So sind derzeit beispielsweise auch steuerliche Erleichterungen im Gespräch, wobei ihre konkrete Ausgestaltung noch in den Sternen steht. Auch hier ist intensive Beobachtung unerlässlich.

Der Krisenberater beurteilt die laufende Situation, lokalisiert und bewertet in diesem chaotischen und volatilen Umfeld alle aktuellen Sachstände und nutzt die Möglichkeiten des Covid Schutzschirms, die speziell für seinen Klienten sinnvoll und nutzbringend sind.

Schutzschirm oder Insolvenz in Eigenverwaltung

Nicht in jedem Fall wird sich eine Insolvenz vermeiden lassen, die durch die Corona-Epidemie ausgelöst wurde. Besonders in dieser schwierigen Situation ist ein zielgerichtetes und abgewogenes Krisenmanagement von Bedeutung, um das Überleben des Unternehmens zu ermöglichen. Besonders das Schutzschirmverfahren können in dieser Situation das Schlimmste abwenden und das Unternehmen mittelfristig wieder auf Kurs bringen.

Schutzschirmverfahren als Präventivmaßnahme

Droht die Zahlungsunfähigkeit oder die Überschuldung, lässt sich ein Schutzschirmverfahren auf den Weg bringen – wenn die Zahlungsunfähigkeit noch nicht eingetreten ist.

Die Insolvenzordnung eröffnet Unternehmern durch die Einführung des Gesetzes zur weiteren Erleichterung von Sanierung von Unternehmen die Möglichkeit, im Schutz eines Verfahrens in Eigenverwaltung einen Sanierungsplan zu erstellen. Das Schutzschirmverfahren gemäß Paragraph 270b InsO stellt somit die Grundlage für einen Vergleich mit den Gläubigern dar, und das entweder außerhalb oder innerhalb eines eröffneten Insolvenzverfahrens.

Einer der wesentlichen Unterschiede des Schutzschirmverfahrens gegenüber der Insolvenz in Eigenverwaltung ist die Wahl des Sachwalters. Er darf beim Schutzschirmverfahren vom Unternehmen ernannt werden, wenn keine sachlichen Gründe dagegensprechen.

Das Schutzschirmverfahren eröffnet dem Unternehmen einen bis zu drei Monate andauernden Zeitraum zur Erarbeitung des Sanierungskonzepts. Anschließend entscheidet das Insolvenzgericht über den Eröffnungsantrag. In dieser Zeit ist das Unternehmen vor Vollstreckungsmaßnahmen oder der Verwertung von Sicherheiten durch die Gläubiger sicher, auch, wenn diese die Sanierung ablehnen. Als Unternehmen sind Sie also während des Schutzschirmverfahrens vor der Einstellung des Geschäftsbetriebs oder dem Verlust der Kontrolle über Ihr Vermögen sicher.

Eigenverwaltung ist kein völliger Kontrollverlust

Ist die Zahlungsunfähigkeit erst eingetreten, führt kein Weg an der Insolvenz vorbei. Das Verfahren in Eigenverwaltung weist aber entgegen dem normalen Insolvenzverfahren einen wesentlichen Vorteil auf: Der Schuldner kann über die Insolvenzmasse verfügen und sie selbst verwalten – dies allerdings unter der Aufsicht eines Sachwalters. Dieses Verfahren kann eingeleitet werden, wenn abzusehen ist, dass das Verfahren sich nicht zum Nachteil der Gläubiger auswirken wird.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung birgt demnach deutliche Vorteile gegenüber der regulären Insolvenz in sich: Im normalen Insolvenzverfahren erfolgt die Bestellung eines Insolvenzverwalters, der die gesamte Verfügungsgewalt über das Vermögen des Schuldners erhält. Er hat somit keinen Einfluss auf die Maßnahmen, die der Verwalter im Rahmen der Insolvenz durchführt.

Die Eigenverwaltung versetzt den Schuldner in die Rolle des Insolvenzverwalters. Die Kontrolle der Abläufe übernimmt in diesem Fall ein Sachwalter, der dem Schuldner zur Seite gestellt wird. Er wacht insbesondere über die Einhaltung aller insolvenzrechtlichen Vorgaben, wie sie in der Insolvenzordnung festgelegt sind.

Dass es sich auch bei Eigenverwaltung um ein vollwertiges Insolvenzverfahren handelt, sollte dennoch klar sein. Auch diese Variante erfordert einen Insolvenzantrag des Schuldners, der wie erwähnt deutlich machen muss, dass das Verfahren keine Nachteile für die Gläubiger auslöst.

Beide Abläufe, das Schutzschirmverfahren und die Eigenverwaltung, erfordern für die erfolgreiche Durchführung fundierte juristische Kenntnisse. Insbesondere die Erläuterung der Gründe, warum die Eigenverwaltung vertretbar ist, muss fundiert und formal korrekt erfolgen.

Selbst einfachste Fehler wie eine verspätete Antragstellung und die dadurch ausgelöste Verfahrensverzögerung können zur sofortigen Überleitung in ein reguläres Insolvenzverfahren führen. Auch Fehler bei der Weiterführung des Unternehmens während der Eigenverwaltung können diese unerwünschte Entwicklung auslösen. Hier ist die professionelle Kombination aus Rechtskunde und Krisenmanagement gefragt.

Der wesentliche Faktor bei der erfolgreichen Behandlung einer Unternehmenskrise ist die Zeit. Je früher ein Unternehmer die Krise seiner Firma erkennt und beschließt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, desto besser. Eine Beratung kann nur dann optimal wirken, wenn der Krisenberater rechtzeitig in die Prozesse eingebunden wird. In diesem Fall kann er alle Phasen des Verfahren optimal betreuen – von der Antragstellung für Schutzschirm oder Eigenverwaltung über die insolvenzrechtliche Beratung bis hin zur Begleitung durch die Unternehmenskrise mit all ihren Aspekten.

Wenn Sie den Eindruck gewinnen, dass die Corona-Krise Ihr Unternehmen existenziell gefährdet, sollten Sie einen Grundsatz nicht vernachlässigen: Sie können niemals zu früh Rat suchen – aber leicht zu spät. Gerne stehe ich für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.

Rechtsanwalt Jörg Franzke

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Gläubiger im Schutzschirmverfahren mit kluger Strategie überzeugen

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Blog zum Schutzschirmverfahren

Gläubiger im Schutzschirmverfahren

Gläubiger freut sich über Absonderungsrecht

Mit den Gläubigern wird Sie während des Schutzschirmverfahrens eine Hassliebe verbinden. Einerseits wollen Sie den Gläubigern möglichst nichts abgeben, um die Zukunft Ihres Unternehmens nicht zu gefährden. Andererseits brauchen Sie die Zustimmung der Gläubiger zum Schutzschirmverfahren, zur Gläubigerversammlung und später zum Insolvenzplan.

Gläubiger-Rechte und Mitspracherechte im Schutzschirmverfahren

Nicht alle Gläubiger im Schutzschirmverfahren sind gleich. Die Gläubiger unterscheiden sich vielmehr nach ihren Privilegien und ihren Rechten. Je nach Gewichtung und Einfluss des Gläubigers sollte die Geschäftsführung  jeden Gläubiger mit einer klugen Strategie überzeugen.

Insolvenzgläubiger, § 38 InsO

Beginnen wir mit den Insolvenzgläubigern, § 38 InsO. Das sind die Gläubiger, die zum Stichtag der Insolvenzeröffnung eine Forderung gegen Ihr Unternehmen hatten. Die Insolvenzgläubiger trifft das Schutzschirmverfahren mit voller Härte. Anstelle der ursprünglichen Forderung können die Insolvenzgläubiger nur noch eine Quotenzahlung von wenigen Prozent erwarten. Die Insolvenzgläubiger bilden die große Masse in einem Schutzschirmverfahren. Die Geschäftsführung muss nicht sonderlich nett zu diesen Gläubigern sein. Ausnahme: Der Gläubiger ist Profi, weil beispielsweise die Arbeitsagentur )oder ein Sozialversicherungsträger. Oder der Gläubiger besitzt eine besonders hohe Forderung gegen das Unternehmen.

Nachrangige Gläubiger, § 39 InsO

Noch ärmer dran sind die nachrangigen Gläubiger, § 39 InsO. Sie erhalten in der Regel überhaupt nichts, also noch nicht einmal eine Quote. Nachrangig sind beispielsweise alle Gesellschafter, die dem insolventen Unternehmen ein Gesellschafterdarlehn gewährt haben. Kurzum, alle Gläubiger, die auf Gesellschafterebene irgendwie mit dem insolventen Unternehmen in Verbindung stehen, werden leer ausgehen. Die nachrangigen Gläubiger besitzen noch nicht einmal ein Stimmrecht bei der Gläubigerversammlung oder bei der Abstimmung über den Insolvenzplan. Die nachrangigen Gläubiger kommen meist aus der Unternehmerfamilie. Dass diese leer ausgehen, obwohl sie zum Erhalt des Unternehmens beigetragen haben, ist hart. Aber so will es das Gesetz !

Aussonderungsberechtigte Gläubiger, § 47 InsO

Ein aussonderungsberechtigter Gläubiger wäre beispielsweise der Verleiher eines E-Scooters, der dem insolventen Unternehmen vor der Insolvenz einen solchen E-Scooter  verliehen hat. Aussonderungsberechtigte Gläubiger sind zugleich Eigentümer der überlassenen Sachen. Der aussonderungsberechtigte Gläubiger kann nach Eröffnung des Schutzschirmverfahrens die Herausgabe des überlassenen Gegenstandes verlangen. Aussonderungsbechtigte Gläubiger sind beispielsweise auch jede Art von Leasinggeber. Der Leasinggeber ist Eigentümer und kann das Fahrzeug usw. nach Kündigung des Leasingvertrages zurückverlangen.

Absonderungsberechtigte Gläubiger, § 50 InsO

Absonderungsberechtigte Gläubiger sind mächtig. Sie können im Schutzschirmverfahren den Daumen heben oder senken und es gibt kaum ein Mittel sich der Macht eines absonderungsberechtigten Gläubigers zu widersetzen. Ist Widerstand zwecklos, muss man kuscheln. Genau diese Strategie empfehle ich Ihnen hier.

icon zu absonderungsberechtigte Gläubiger

Absonderungsberechtigte Gläubiger sind:

  • Verkäufer unter Eigentumsvorbehalt, das heißt der Verkäufer bleibt Eigentümer bis Kaufpreises bezahlt; ist
  • Kreditgeber mit Sicherheiten wie Globlazession,
  • Raumsicherungsübereignung, Verpfändung von Maschinen oder Grundstücken, usw.
  • Kreditgeber mit Sicherheiten sind insbesondere Banken.
icon zu absonderungsberechtigten Banken im Schutzschirmverfahren

Banken sind schlau

Banken verstehen es nach jahrhundertealter Erfahrung sich möglichst umfassend abzusichern. Als Sicherheit dienen in der Regel das Betriebsgrundstück wertvolle Maschinen alles in einem bestimmten Raum (=Raumsicherungsvertrag) die Forderungen des Unternehmens an seine Kunden (=Globalzession) und selbstverständlich der Unternehmer mittels Bürgschaft.

icon zu Banken hofieren

 Mit Gläubigern in Schlüsselstellung kuscheln

Wie oben beschrieben besitzen die Gläubiger mit Rechten an Ihrem Betriebsvermögen besondere Privilegien. Beispielsweise könnte eine Bank mit Pfandrechten an den Maschinen dem Unternehmen einfach den Stecker ziehen, indem die Bank die Nutzung der Maschinen untersagt. Das will natürlich keiner. Aber es ist rechtlich möglich und das wissen die Banken auch und lassen sich entsprechend hofieren.

icon zu Sanierungskonzept Schutzschirmverfahren

Schonungslose Aufklärung

Klarer Fall, dass die Gläubiger auf Sie sauer sind. Auch wenn Sie nichts dafür können. Sie sind der Geschäftsführer. Sie haben es verbockt und die Gläubiger werden Ihnen misstrauen. Wie in der Politik kann man neues Vertrauen nur mit Transparenz und Aufklärung der Missstände samt Insolvenzursachen aufbauen. Gehen Sie wie ein Politiker vor und versprechen Sie schonungslose Aufklärung. ´Überzeugen Sie die Gläubiger mit einem Sanierungskonzept.

Gläubigerversammlung

Die Gläubigerversammlung findet ca. zwei Monate nach Eröffnung des Insolvenz-Hauptverfahrens als Gerichtstermin statt. Den Termin bestimmt das Gericht in dem Insolvenzeröffnungsbeschluss. Die “Einladung” zur Gläubigerversammlung erfolgt, indem der Sachwalter den Gläubigern den Insolvenzeröffnungsbeschluss zustellt.

In der Gläubigerversammlung werde ich als Sanierungsberater über den Sanierungsverlauf berichten. Danach stimmen die Gläubiger ab, wie es mit dem Unternehmen weitergeht:

  • Fortführung oder Abwicklung des Unternehmens
  • Auftrag an das Unternehmen schnellstmöglich einen Insolvenzplan vorzulegen
  • Bestätigung bzw. Abwahl des Sachwalters
  • usw.

Gläubigerversammlungen verlaufen in der Regel im Sinne des Unternehmens. In den von mir betreuten Verfahren hat bisher jede Gläubigerversammlung die Fortführung des Unternehmens beschlossen und die Vorlage eines Insolvenzplans. Diese Beschlüsse der Gläubigerversammlung sind ein wichtiges Zwischenziel auf dem Weg zur Rettung Ihres Unternehmens. Deshalb sollte man nichts dem Zufall überlassen und vorab möglichst viele Zustimmungen einholen.

Gläubigerausschuss

Der Gläubigerausschuss besteht aus drei bis sieben Mitgliedern. Im Schutzschirmverfahren trifft das Sanierungsteam eine Vorauswahl, welche Gläubiger dem Gläubigerausschuss angehören sollen. Zur Bekräftigung wird die schriftliche Zustimmung dieser potentiellen Gläubigerausschussmitglieder eingeholt. Im Schutzschirmantrag schlägt das Sanierungsteam dem Gericht die vorbestimmten Personen vor. Ist der Vorschlag ausgewogen und repräsentiert er die Gläubigerstruktur, wird das Gericht unseren Vorschlägen entsprechen. Das letzte Wort aber das Insolvenzgericht.

Der Gläubigerausschuss begleitet das Sanierungsteam während des gesamten Schutzschirmverfahrens. Die Sitzungen finden durchschnittlich alle vier bis acht Wochen statt.

Das Sanierungsteam muss dem Gläubigerausschuss über den Sanierungsfortschritt berichten. Der Gläubigerausschuss trägt alle wichtigen Entscheidungen mit, wie beispielsweise eine Massenentlassung oder die Stilllegung oder Verkauf von Betriebsteilen.

Gläubigergruppen im Insolvenzplan

Ein erfolgreiches Schutzschirmverfahren schließen die Beteiligten mit einem Insolvenzplan ab. Der Insolvenzplan ist ein Vertrag zwischen dem Unternehmen und den Gläubigern. Der Kern des Insolvenzplans ist die Bestimmung einer Quote. Anstelle der ursprünglichen Schuld muss das Unternehmen nur noch einen Bruchteil an die Gläubiger bezahlen. Die Restschuld entfällt. Der Insolvenzplan gilt für alle Gläubiger. Das heißt, er gilt auch für Gläubiger ohne Abstimmungs-Beteiligung oder – unter Umständen – die gegen den Insolvenzplan waren.

Damit der Insolvenzplan die gesetzlich erforderlichen Mehrheiten erhält, kann der Verfasser des Insolvenzplans die Gläubiger in verschiedene Gruppen einteilen. Die Gruppen stimmen einzeln ab. Die Gläubigergruppe stimmt für den Insolvenzplan, wenn die Mehrheit der zugehörigen Gläubiger nach Summen und Köpfen zustimmt. Danach zählt das Gericht die Gläubigergruppen aus, die Mehrheit gewinnt.

Ein letztes Mal werden Sie die Gläubiger für die Zustimmung des Insolvenzplans brauchen. Wenn es um die Abstimmung über den Insolvenzplan geht, werden Gläubiger besonders misstrauisch sein. Versetzen Sie sich also in die Lage, dass Sie der Gläubiger wären. Was würden Sie vom Schuldner erwarten? Was würde Sie dazu bringen, freiwillig den Verzicht auf Ihre Forderung zu erklären?

Genau so verhalten Sie sich gegenüber Ihren Gläubigern. Seien Sie transparent und versuchen Sie den Gläubigern zu erklären, dass das in dem Insolvenzplan unterbreitete Angebot für alle und insbesondere für die Gläubiger die beste Lösung ist.

Gläubiger vor Schutzschirm informieren oder danach

Die Experten sind sich uneinig, ob man die Gläubiger besser vor der Abgabe
des Schutzschirmantrages informiert oder danach.

Hierzu vertrete ich die Auffassung, dass man die Gläubiger besser danach informiert. Erst bringt man Ihr Unternehmen in Sicherheit, das heißt unter Vollstreckungsschutz. Danach kann man die Gläubiger bequem über den Schutzschirm informieren.

Andernfalls könnte die Möglichkeit bestehen, dass ein feindlicher Gläubiger bei Gericht eine Art von Schutzschrift hinterlegt und Widerstand gegen die Anordnung der Eigenverwaltung ankündigt. Dann würde das Gericht den Schutzschirmantrag ablehnen und eine reguläre Insolvenz eröffnen. Auch wenn eine Globlazession vorliegt, ist der Zeitpunkt der Bekanntgabe wichtig.

Stellen Sie sich vor, Sie informieren die mit einer Globalzession besicherte Bank wohlmeinend eine Woche vor der gerichtlichen Eröffnung des Schutzschirmverfahrens. Die Folge wäre, dass die Bank alle Kredite fällig stellt und die Einzugsermächtigung der abgetretenen Forderungen widerruft. Dann würde das Unternehmen ohne Liquidität dastehen, weil es alle Zahlungseingänge an die Bank abführen muss.

Nicht gut! Aufgrund fehlender Liquidität wäre das Sanierungsvorhaben ernsthaft gefährdet.

Deshalb plädiere ich dafür, die Eröffnung des Schutzschirmverfahren abzuwarten. Danach aber kommunizieren Sie den Schutzschirm um so transparenter. Teilen Sie allen Gläubigern und sonstigen Beteiligten die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ohne Wenn und Aber mit.

Rechtsanwalt Jörg Franzke

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Weil das gesamte Sanierungsteam an einem Strang zog, dauerte der gesamte Schutzschirm von der Eröffnung bis zur Abstimmung über den Insolvenzplan nicht einmal vier Monate.

Der Fall

Die Schuldnerin berät Organisationen, Konzerne und Behörden zu informationstechnologischen Problemen. Zur Lösung dieser speziellen Kundenprobleme entwickelt sie Software, vorzugsweise in der Programmiersprache Java. Bei der Schuldnerin sind aktuell 23 Mitarbeiter angestellt. Der Umsatz des Unternehmens setzt sich zusammen aus Stundenhonoraren für die entsendeten Mitarbeiter, Werklöhne für eigene IT-Projekte sowie Beratungshonorare. Ihre Aufträge erhält die Schuldnerin insbesondere von namhaften Kunden wie der GEMA, Vodafone, Daimler, Schwab Versand, ZF-Friedrichshafen. Beispielsweise haben die Programmierer des Schuldnerin den Car-Konfigurator von Mercedes-Benz auf einer Java-Plattform mitentwickelt. Dieser wird ständig gewartet und modernisiert. Ein Ausfall der Betriebsleistung der Schuldnerin hätte empfindliche Folgen für die operative Leistungsfähigkeit des Kunden. Die maximale Laufzeit der Aufträge beträgt drei Monate, längere Auftragsintervalle werden heutzutage in der Industrie nicht mehr vergeben.

Insolvenzursache

In selbstkritischer Nachschau sieht die Geschäftsführung die Krisenursache in einer falschen Fokussierung auf einen einzigen Geschäftsbereich. Zusammen mit einem im Produkt-Portfolio deckungsgleichen IT-Unternehmen des Allgeier-Konzerns bewarb sich die Schuldnerin bei dem Auftraggeber ZF-Friedrichshafen um einen Großauftrag in Höhe von 6.5 Mio. €. Weil der Zuschlag so gut als sicher galt und weil dies von der ZF-Friedrichshafen im Bieter-Verfahren als Nachweis der Leistungsfähigkeit so verlangt wurde, investierte die Schuldnerin erhebliche Beträge in ihre Infrastruktur. Beispielsweise mietete die Schuldnerin neue Geschäftsräume in Friedrichshafen an, erwarb Büromöbel und IT-Hardware und rekrutierte neue IT-Spezialisten.

Weil die gesamte Aufmerksamkeit der Geschäftsführung der Vorbereitung dieses Großauftrages galt, vernachlässigte sie zugleich alle anderen Geschäftsbereiche. Neue Aufträge in den anderen Bereichen holte die Geschäftsführung in dieser Zeit nicht ein. Die Absage des Großauftrages erfolgte Ende März diesen Jahres. Wegen vernachlässigter Auftrags-Akquise, erhöhter Infrastruktur-Kosten und der sonstigen Fehlinvestitionen steuerte die Schuldnerin auf eine Liquiditätskrise zu. Zwar wirtschaftete die Schuldnerin wieder rentabel und konnte nach Rückbesinnung an die Stammkundschaft ausreichend neue Aufträge akquirieren. Aber die Schuldnerin schaffte es nicht, die Liquiditätslücke innerhalb der gebotenen Frist des § 17 InsO zu bewältigen. Die Geschäftsbank der Schuldnerin sperrte das Geschäftskonto. Seitdem war Zahlungsunfähigkeit eingetreten.

Sanierungskonzept

In diesem Unternehmen stellen die Mitarbeiter das eigentlich Wertvolle dar. Die Wertschöpfung des Unternehmens besteht schließlich darin, weltweit Mitarbeiter mit Expertise in Java-Coding anzuwerben. Die angeworbenen Mitarbeiter arbeiten dann entweder von ihrem Home-Office aus oder die Geschäftsführung bemüht sich um eine Arbeitserlaubnis in Deutschland. Damit diese Mitarbeiter sich wohl wühlen und das Unternehmen nicht wieder verlassen bietet die Schuldnerin einen aufwändigen Relocation-Service und betreut die Mitarbeiter auch sozial.

Aus diesen Gründen war für den Sanierungserfolg entscheidend, ob es gelingt, die Mitarbeiter während des Schutzschirmverfahrens im Unternehmen zu halten und möglicherweise sogar neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Also war auch in diesem Verfahren „die Vertrauensfrage“ kriegsentscheidend. Leider ist dies nicht bei allen Mitarbeitern gelungen aber eine erhöhte Fluktuation während eines Sanierungsverfahrens ist normal. Der wichtigste Mitarbeiterstamm konnte aber gehalten werden. Hierzu kommunizierte die Geschäftsführung den Verlauf des Verfahrens besonders transparent. Beispielsweise wurde einmal wöchentlich eine Telefonkonferenz abgehalten, zu der sich die Mitarbeiter zuschalten und auf den neuesten Stand bringen konnten. Fragen wurden beantwortet, Sonderwünsche erfüllt.

Das gesamte Sanierungsteam, der Sachwalter Rechtsanwalt Dr. Hänel und die Richterin am Amtsgericht Weilheim in Oberbayern zogen an einem Strang. So dauerte das Verfahren von der Eröffnung bis zur Abstimmung über den Insolvenzplan rekordverdächtige 3 Monate und 29 Tage !!!

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Rekordverdächtige Verfahrensdauer von 3 Monaten und 29 Tagen
  • Gesellschafter-Struktur bleibt erhalten, ebenso die Genehmigung zur Arbeitnehmerüberlassung
  • Verschuldung vor Antragstellung: 2.181.000 €
  • Einigung mit Gläubigern im Insolvenzplan auf Quote 6,4 %
  • Schuldenverzicht 94% 94%
  • Quote des Insolvenzplans 6% 6%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 75% 75%

Wir sind ganz unglücklich in einem Schutzschirmverfahren geraten Während das an sich schwieriges und kompliziertes Insolvenz-Verfahren, hat uns Herr Franzke mit seiner ruhigen Art und Professionalität geholfen, das Schiff sicher durch das Dickicht der juristischen Vielfalt zu manövrieren. Es war ein voller Erfolg, das Unternehmen konnte gerettet werden. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank.
Sehr pragmatisch! Kein typisches Anwaltsgetue. Sachlich ruhig und sehr erfahrener „Berater“ der einem in stürmischen Zeiten hilft, den Blick aufs Wesentliche nicht zu verlieren. 5 Sterne Empfehlung !

Kommentar der Geschäftsführung

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Rechtsanwalt Jörg Franzke

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Ein auf Überwachung von Flüchtlingsheimen spezialisierter Sicherheitsdienst wurde zahlungsunfähig, aufgrund eines plötzlichen Umsatzeinbruches über 90 %. Mit dem Insolvenzplan habe ich die Zahlungsfähigkeit wiederhergestellt. Auch das Wohnhaus wurde nicht verwertet.

Der Fall

Der Schuldner betreibt als Einzelunternehmer in Kaufbeuren einen Sicherheitsdienst mit den Leistungen: Werk- und Objektschutz, Personenschutz, Baustellenüberwachung, Revier- und Streifendienst, Sicherheitsberatung, usw.. Im Unternehmen sind derzeit 75 Mitarbeiter angestellt. Der Schuldner hat das Unternehmen vor rund sechs Jahren gegründet. Aufgrund hoher Zuverlässigkeit und fairen Preisen verstand es der Schuldner sich innerhalb kürzester Zeit in der Region einen Namen zu machen, das Unternehmen wuchs auf durchschnittlich 70 Mitarbeiter an. Die Auftraggeber des Schuldners sind in der Regel Industriebetriebe und die Öffentliche Hand, aber auch vermögende Privatpersonen lassen ihre Immobilien von dem Wachdienst des Schuldners schützen. Die derzeitige Auftragslage bezeichnet der Schuldner als hervorragend, einziges Wachstumshemmnis ist die Personalknappheit in der Region. Die vertraglichen Beziehungen zu den Auftraggebern sind als Werk- bzw. Dienstverträge ausgestaltet, mit einer durchschnittlichen Laufzeit von einem bis drei Jahren. Sämtliche derzeit bestehenden Auftragsverhältnisse beschreibt der Schuldner als auskömmlich.

Insolvenzursache

Mit Aufkommen der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 konzentrierte der Schuldner sich auf Sicherheitsdienste für Flüchtlingsheime. Nach der Bewältigung der Flüchtlingskrise verlor der Schuldner innerhalb kürzester Zeit rund 90 % seiner Aufträge. Der Schuldner steuerte dagegen. Er akquirierte bei neuen Kunden neue Aufträge und war bereits vor Antragstellung wieder vollständig ausgelastet. Allerdings hinterließ der vorübergehende Umsatzeinbruch eine Liquiditätslücke, die der Schuldner trotz Rückkehr zu guter und auskömmlicher Auftragslage nicht mehr bewältigen konnte.

Sanierungskonzept

Wie oben beschrieben war es dem Schuldner bereits selbst gelungen, den Umsatzeinbruch mittels Akquisition neuer Aufträge wettzumachen und das Unternehmen in die Rentabilität zurückzuführen. Eingriffe in die Unternehmensstruktur waren aus diesem Grund nicht erforderlich. Der Schuldner bewirtschaftete sein Unternehmen auch während des Schutzschirms so wie bisher. Der Liquiditätsaufbau erfolgte in diesem Verfahren auf zweierlei Weise: Einerseits wie üblich anhand des Insolvenzgeldes. Andererseits durch Anfechtung gegenüber dem Finanzamt. Das Finanzamt hatte während der Unternehmenskrise erhebliche Geldbeträge des Schuldners gepfändet. Das durch Pfändung erlangte Guthaben musste das Finanzamt an den Schuldner erstatten.
Schließlich rettete das Schutzschirmverfahren nicht nur das Unternehmen sondern auch das Wohnaus der Unternehmerfamilie. Es gelang mir, die Banken von der sonst üblichen Zwangsversteigerung des Wohnhauses abzuhalten. Die Banken hielten statt dessen während des gesamten Sanierungsverfahrens zunächst still. Der Insolvenzplan am Ende des Verfahrens sah dann die quotenweise Entschuldung von allen Verbindlichkeiten vor, jedoch keine Entschuldung der dinglich besicherten Banken-Schulden. Diese bleiben trotz Entschuldung per Insolvenzplan weiterhin bestehen und wird der Schuldner wie vor der Insolvenz zu gleichen Konditionen ratenweise abgelten.

Ergebnisse des Schutzschirms

  • Zahlungsfähigkeit wieder hergestellt.
  • Unternehmerfamilie führt das Sicherheitsgewerbe ohne Einschnitte fort.
  • Wohnhaus entgeht Zwangsversteigerung, Banken finanzieren neu.
  • Quote (außer Banken) bei 5,78 %
  • Auf Verbindlichkeiten von 879.000 € leistet Schuldner 46.332€, danach schuldenfrei
  • Schuldenverzicht 94% 94%
  • Quote des Insolvenzplans 6% 6%
  • Fortführungswahrscheinlichkeit für die nächsten 3 Jahre 90% 90%

Mit Bewertungen bin ich eher sehr zurückhaltend, aber in unserem Fall nicht, der Firmeninsolvenz (Schutzschirmverfahren), von der Erstberatung bis zur Begleitung und Hilfestellung 10 ********. Während des Verfahrens, einfach nur begeistert. Bei Herrn Rechtsanwalt Franzke hat man immer das Gefühl, dass man auch als Mensch, mit all seinen Sorgen und Problemen ernst genommen wird. Fachlich und Menschlich hat man es mit einem wirklichen Fachmann zu tun, von der Anmeldung des Verfahrens bist zum letzten, erfolgreichen Gerichtstermin, sind ca. 17 Monate vergangen und unsere Firma ist jetzt schuldenfrei. Herr Franzke hatte zu jederzeit und für jedes Problem ein offenes Ohr. Ich weiß jetzt, dass dieser Schritt der Richtige war für mich eine Kanzlei, die ich mehr als empfehlen kann, ich würde sie jedem der sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation (ob Privat- oder Firmeninsolvenz) befindet, ohne „Wenn und Aber“ sofort weiterempfehlen. Auch auf diesem Weg, nochmals vielen herzlichen Dank an Herrn RA Jörg Franzke.

Sicherheitsdienst, Bayern

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