BeSo Tech GmbH im Schutzschirm mit 3,6% Quote entschuldet

Die BeSo Tech GmbH ist ein auf die Installation von Solaranlagen spezialisierter Dachdeckerei-Betrieb mit anfangs rund 30 Mitarbeitern. Weil der Einbruch des Marktes für Solaranlagen nach Kürzung der staatlichen Fördergelder auch an der BeSo Tech GmbH nicht spurlos vorüber ging, geriet das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten. Ein großer Zahlungsausfall gab dem Unternehmen den Rest.

Die Geschäftsführung suchte nach Möglichkeiten aus dem vermeintlichen Ruin. Um die Zerschlagung zu verhindern, entschied sich anstelle einer Regelinsolvenz für ein Schutzschirmverfahren.

Aus Kostengründen wählten wir nicht das eigentliche Schutzschirmverfahren gemäß § 270 b InsO, sondern den „kleinen“ Schutzschirm nach § 270 a InsO. Das eigentliche Schutzschirmverfahren gemäß § 270 b InsO setzt eine Negativbescheinigung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers voraus. Das Unternehmen darf noch nicht zahlungsunfähig sein. Solch ein Gutachten wird unter großem Zeitdruck erstellt und kostet ohne weiteres 20.000 EUR.

Auf die Kosten für die Bescheinigung kann man auch verzichten. Das Geld verwendet man sinnvoller für die Sanierung. Befindet sich das Unternehmen erst unter Gläubigerschutz, besteht praktisch kein Unterschied zwischen den beiden Verfahren. Die zwei Vorteile des großen Schutzschirms: Auswahl des Sachwalters und Nichtveröffentlichung des Verfahrens, haben sich in der Praxis als nutzlos erwiesen.

Zum einen, weil die Richterschaft die freie Sachwalter-Auswahl einfach ignoriert. Zum anderen, weil die anfängliche Geheimhaltung des Verfahrens keine Vorteile bringt. Im Gegenteil, erfahrungsgemäß nehmen die Kunden und Lieferanten das Schutzschirmverfahren besonders gut an, wenn das Unternehmen sie von erster Stunde an informiert und einbezieht. Früher oder später erfahren sie es ohnehin.

Das Verfahren verlief ohne größere Komplikationen:

Zunächst sprach die Geschäftsführung bei ihren Kunden vor, um eine Kündigung zu verhindern. Ich kann hier gute Erfahrungen weitergeben. Kündigungen aufgrund des Schutzschirms sind eher selten. Die meisten Auftraggeber führen die Vertragsbeziehungen auch im Schutzschirm fort und wünschen viel Glück bei der Sanierung.

Im zweiten Schritt sicherten wir uns die Loyalität der Lieferanten. Diese Aufgabe kann heikel sein, wenn man dem Lieferanten klar machen muss, dass er auf alten Rechnungen sitzen bleibt, das Unternehmen zukünftig aber weiter hin beliefern soll. Schwierigen Lieferanten boten wir Vorkasse an und fingen sie damit wieder ein. Oft bereiten die Kleinigkeiten die größten Probleme, wie beispielsweise die Firmen-Kreditkarten und Tankkarten für die Mitarbeiter. Damit diese Karten auch im Schutzschirm funktionieren, muss man bei der Kreditkartenfirma eine Sicherheit hinterlegen.

Nachdem die Lieferketten und der Geschäftsablauf gesichert waren, richteten wir das Controlling ein. Vor jedem Zahlungsausgang wird abgewogen, ob die geplante Zahlung für das Überleben lebensnotwendig ist. Begleitend hierzu erfassten wir alle Dauerschuldverhältnisse des Unternehmens wie Leasingverträge in einer Liste und kündigten alles überflüssige ab. Die ersten Wochen einer Sanierung sind entscheidend. Cash is King. Das Unternehmen muss dazu in der Lage sein, sich selbst zu finanzieren. Bis auf weiteres wird das Unternehmen von Krediten abgeschnitten sein.

Danach gingen wir das „Sicherheiten-Problem“ an. Mit den Lieferanten, die gemäß ihrer Geschäftsbedingungen unter Eigentumsvorbehalt lieferten, schlossen wir eine Verwertungsvereinbarung. Der besicherte Lieferant kann entscheiden, ob er die noch nicht verbrauchte Ware wieder abholt oder die Weiterverarbeitung gestattet. Auf gleiche Weise gingen wir mit dem sicherungsübereigneten Anlagevermögen vor. Wir vereinbarten mit den Banken eine Vereinbarung zur Weiternutzung und späteren Verwertung der sicherungsübereigneten Maschinen.

Um Kosten einzusparen und um dem Unternehmen wichtige Liquidität zu verschaffen, organisierten wir das dreimonatige Insolvenzgeld für die Mitarbeiter. Die Umsatzsteuer wird für drei Monate ebenfalls nicht bezahlt. Man kann im Schutzschirmverfahren auch einzelne Mieten und Leasingraten schwänzen, weil der Vermieter bzw. Leasinggeber erst nach zweimaligen Ausbleiben der Raten kündigen kann.

Während wir als Sanierungsteam das Unternehmen zunächst stabilisierten, um es später wieder flott zu kriegen, fertigte der gerichtlich bestellte Sachwalter das so genannte Eröffnungsgutachten für das Gericht. Das Eröffnungsgutachten ist ein sehr ausführlicher Bericht über das Unternehmen, dessen Fortführungsfähigkeit, Krisenursachen, Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Zugleich dient das Eröffnungsgutachten als Eröffnungsbilanz mit einer ausführlichen Bewertung des gesamten Betriebs-Vermögens. Die Eröffnungsbilanz wird später für den Insolvenzplan gebraucht.

Drei Monate später ging der Schutzschirm wie geplant in das so genannte Hauptverfahren über. Im Hauptverfahren fordert der Sachwalter die Gläubiger des Unternehmens schriftlich auf, ihre Forderung zur Insolvenztabelle anzumelden. Oft kommt es in diesem Stadium nochmals zu Aufregungen, weil einige Beteiligte versehentlich nicht über das Schutzschirmverfahren informiert wurden und darüber erst „offiziell“ erfahren. Außerdem vermerkt das Gericht als Überbleibsel des klassischen Insolvenzverfahrens von Amts wegen im Handelsregister: „Firma wurde aufgrund Insolvenz von Amts wegen gelöscht“. Diese „Gemeinheit“ muss den verunsicherten Beteiligten erklärt werden.

Nachdem auch diese Klippen umschifft waren, habe ich für das Unternehmen einen Insolvenzplan ausgearbeitet. Der Insolvenzplan ist quasi ein Teilzahlungsvergleich unter gerichtlicher Aufsicht. Der Insolvenzplan stellt zunächst dar, dass die Gläubiger mehr Geld erhalten, wenn sie das Unternehmen am Leben lassen, anstelle es zu zerschlagen. Danach bietet der Insolvenzplan den Gläubigern eine Quote, beispielsweise 10% der ursprünglichen Schulden. Der Gesetzgeber fördert Insolvenzpläne in Form des Abstimmungsverfahrens. Beispielsweise kann der Gläubiger sein Stimmrecht nur vor Ort im Abstimmungstermin persönlich oder anwaltlich vertreten ausüben. Dadurch lassen sich leicht Mehrheiten pro Insolvenzplan organisieren, die im Abstimmungstermin für den Insolvenzplan stimmen.

So lag der Fall auch bei der der BeSo Tech GmbH. Im Abstimmungstermin Ende Februar 16 stimmten die von uns organisierten Gläubiger für den Insolvenzplan. Sie gaben sich mit einer Quote von 3,6% zufrieden.

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