Verbraucherinsolvenz oder Regelinsolvenz – Welches Verfahren muss ich durchlaufen?

Regelinsolvenz für Selbständige aller Art, Verbraucherinsolvenz für Arbeitnehmer, Rentner, Arbeitslose, usw. – in beiden Fällen wird die Restschuldbefreiung ausgesprochen – Verbraucherinsolvenz stets angenehmer, als Regelinsolvenz.

Das Regelinsolvenzverfahren ist für Personen mit Einkünften aus selbständiger Tätigkeit (also Freiberufler, Gewerbetreibende , Unternehmer) und für ehemalige Selbständige mit mehr als 20 Gläubigern oder Schulden aus Arbeitsverhältnissen.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren hingegen richtet sich an alle anderen Personen, wie Arbeitnehmer, Arbeitslose, Rentner, usw.

Welches Verfahren man durchlaufen muss, ist vom Ergebnis her betrachtet, egal. In beiden Fällen erhält der Schuldner zum Abschluss des sechsjährigen Insolvenzverfahrens die Restschuldbefreiung.

Die Verfahren unterscheiden sich jedoch in ihrem Ablauf.

Während für das Regelinsolvenzverfahren die ausgeschlafenen, sehr professionellen Insolvenzverwalter den Schuldnern auf die Nerven gehen und möglichst alles anfechten, was irgendwie zurückgeholt werden kann, bestellen die Gerichte für das Verbraucherinsolvenzverfahren nur die „dummen“ Insolvenzverwalter ein.

Der „dumme“ Insolvenzverwalter für die Verbraucherinsolvenz – auch Treuhänder genannt – wird weitaus weniger bohren und er besitzt kein automatisches Anfechtungsrecht. Das ist ein imenser Vorteil für den betroffenen Schuldner und sein Umfeld.

Im Ergebnis ist die Verbraucherinsolvenz also angenehmer, als die Regelinsolvenz. Der ehemals selbständige Schuldner sollte möglichst alles versuchen, um die Voraussetzung für die Verbraucherinsolvenz zu erfüllen.

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15 Gedanken zu „Verbraucherinsolvenz oder Regelinsolvenz – Welches Verfahren muss ich durchlaufen?

  1. Guten Tag Herr Franzke,

    ich war Inhaberin einer GmbH & Co. KG für diese hatte ich 2013 Insolvenz gemeldet, die wegen Mängel an Masse abgewiesen wurde und die Firma wurde aus dem HR gelöscht. Letztes Jahr habe ich dann eine Forderung vom Finanzamt von 13.000€ für Lohnsteuer und Umsatzsteuer bekommen. Die restlichen ca. 30.000€ Schulden von ca. 10 Gläubigern laufen auf mich als Privatperson. Ist es der Fall für Regelinsolvenz oder Verbraucherinsolvenz.

    Herzlichen Dank für Ihre Antwort.

    • Jörg Franzke sagt:

      Das wäre eine Verbraucherinsolvenz. Sie waren zwar selbständig, aber Sie haben weniger als 20 Gläubiger und schulden keine Arbeitslöhne.

  2. Guten Abend Herr Franzke,

    ich war in den letzten 7 Jahren selbständig in der Gastronomie. Nach einer Steuerprüfung wurde die Buchhaltung verworfen und meine Umsätze geschätzt. Diese ganze Prozedur fing vor 2,5 Jahren an. Im Februar 2017 gab ich mein Geschäft auf. Heute bekam ich die Zahlungsaufforderungen vom Finanzamt zugestellt. Der Betrag beläuft sich auf über € 90000,-. Ich werde um eine Insolvenz nicht herum kommen. Können Sie mir bitte sagen, welche Insolvenz in meinem Fall greift?

    Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen.
    Mit freundlichen Grüßen

    • Jörg Franzke sagt:

      Wenn Sie mehr als 20 Gläubiger haben oder Arbeitslöhne schulden oder Sozialversicherungsbeiträge, ist es eine Regelinsolvenz. Falls nicht, eine Privatinsolvenz.

  3. Karola Bertrams sagt:

    Hallo Herr Franzke,
    ich war für ca.1Jahr selbständig,habe aus dieser Selbständingkeit noch eine Steuerrückerstattung von ca.10000€ zu erwarten.Das Gewerbe wurde vor ca.6Monaten abgemeldet.Nach dem Gewerbe war ich noch einige Monate als Angestellter tätig.
    Nun bin ich gerade in die Verbraucher also Private Insolvenz gegangen.
    Meine Frage:
    Können die 10000€ Steuerrückerstattung aus der selbständigen Tätigkeit an die Gläubiger der Privaten Insolvenz verteilt werden,also einbehalten werden?
    Das Startkapital 50000€ um das Gewerbe damals zu eröffnen habe ich mir von einem Bekannten geliehen,muss diese auch noch zurückzahlen.Ich würde Ihm gerne die 10000€ aus der Steuerrückerstattung zukommen lassen.Gibt es da irgendeine Möglichkeit das er zumindest die 10000€ schon mal bekommt?
    Sicherlich eine schwierige Frage auch für Sie.

    Würde mich über eine Antwort sehr freuen,und sage schon mal Herzlichen Dank!

    LG Karola

  4. Westerbarkey, Katja sagt:

    Sehr geehrter Herr Franzke,
    danke für Ihre tolle Seite und die Möglichkeit, sich schon mal einen „kleinen“ Rat vorab zu holen!

    Folgende Situation:
    mein Lebensgefährte ist seit mehreren Jahren als selbständiger Handwerker (1-Mann-Betrieb) tätig. Aufgrund einiger widriger Umstände (zahlungsunwillige Kunden, Mobbing in einer Firma, für die er als Subunternehmer tätig war, anschließender Burn-Out und 3 Monate ohne jeglichen Verdienst) haben sich mittlerweile ziemliche Schulden angehäuft, insgesamt ca. 17.500 Euro, verteilt auf 5 Gläubiger. (4000,- Dispo bei der Hausbank, 6000,- Kredit bei der KfW, 2400,- Finanzamt, 2000,- Gewerbesteuer bei der Stadt und der Steuerberater mit ebenfalls ca. 2000,- . )
    Seit Juni letzten Jahres hat er nun eine Teilzeitanstellung (80%-Stelle) mit einem Nettoverdienst von mittlerweile ca. 1450 Euro monatlich, das Handwerksgewerbe läuft nur noch nebenher mit einigen kleineren Aufträgen pro Jahr.
    Grundsätzlich möchte er das auch gern weiterhin so betreiben, weiß aber momentan keinen Ausweg, der ganzen Schulden Herr zu werden.
    Wäre eine (zeitweilige) Abmeldung des Gewerbes und anschließende Privatinsolvenz der richtige Weg? Käme evtl. ein Insolvenzplanverfahren in Betracht, wenn die Möglichkeit bestünde, daß ich ihm dafür 2000-3000 Euro zur Verfügung stellen würde ?
    Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar!
    Mit freundlichen Grüßen
    K.W.

    • Jörg Franzke sagt:

      Ja, Ihr Freund sollte das Gewerbe abmelden und zunächst einmal mit Hilfe einer Privatinsolvenz seine finanziellen Verhältnisse neu ordnen. Danach kann er sich ja wieder selbständig machen. Ein Insolvenzplan ist denkbar, aber 3.000 EUR dürfte zu wenig sein.

  5. Max Bartmann sagt:

    Hallo Herr Franzke,

    kurzer Sachverhalt bevor ich sie telefonisch für die Erstberatung buche :-): bin Freiberufler – seit einigen Jahren (e.Kfm.), war die letzten beiden Jahre angestellt und bin seit 3 Monaten arbeitslos. Ich bekomme ab März den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit.
    Ich habe < 20 Gläubiger und ca. 300 TEUR aus Privatdarlehen inkl. EST Forderungen des Finanzamts ( 20 TEUR).

    Kann ich eine Verbraucherinsolvenz-Planverfahren angehen (Kopf- und Summenmehrheit wäre vorhanden)? Oder muss ich automatisch in die Regelsinolvenz als Freiberufler (e.Kfm.)?

    Vielen Dank vorab!
    Gruss
    M.B.

    • Jörg Franzke sagt:

      Ein Insolvenzplanverfahren kann bei Ihnen durchaus sinnvoll sein. Als ersten Schritt müsste man das Insolvenzantragsverfahren durchlaufen. Danach im eröffneten Insolvenzverfahren einigt man sich mit dem Insolvenzverwalter über die Freigabe Ihrer selbständigen Tätigkeit aus der Insolvenzmasse gegen Zahlung einer monatlichen Pauschale. Als dritten Schritt erarbeitet man einen Insolvenzplan und lässt die Gläubiger abstimmen. Wenn eine Mehrheit bereits vorhanden ist, dürfte einer schnellen Entschuldung nichts im Wege stehen.

  6. Roland Lott sagt:

    Ich war im Jahre 2002 für 1 Jahr selbständig, habe aus dieser Zeit noch Schulden und zwischenzeitlich haben sich weitere Schulden bei insgesamt mehr als 25 Gläubiger angehäuft. Muss ich in die Regelinsolvenz oder kann ich wegen der lang zurückliegenden Zeit der Selbständigkeit jetzt Verbraucherinsolvenz anmelden?

  7. Hallo Herr Franzke.

    Ich bin selbständig seit weniger als drei Jahren und zusätzlich Teilzeitangestellter. Selbständig im Bereich Handel und Design. Meine Schulden, die ich nicht mehr abzahlen kann ergeben za 5500 Euro und verteilen sich auf DREI Gläubiger (Bankkredit 3000 und Anwaltskosten 2500). Da die Schuldenlast und Monatsraten Entwicklung des Geschäfts unmöglich gemacht haben, beantrage ich zurzeit noch ALG II zur Aufstockung.

    Gewerbe schließen möchte ich nicht. (an sich ist das ehe Hobby-Gewerbe mit höchstens ein Paar Hundert Euro Gewinn im Monat. KEINE offene Lieferanten Rechnungen oder nicht erfüllte Kundenbestellungen)

    Besteht für mich die Möglichkeit eines Privatinsolvenzverfahrens?

    Wer könnte für mich eine Ratenlose Stundung für ein Jahr aushandeln um Insolvenz allgemein zu verhindern?

    Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen.

    Danke.

    • Jörg Franzke sagt:

      Sie müssen keinen Insolvenzantrag stellen, bei 5.500 EUR Schulden wäre das auch etwas voreilig. Eröffnen Sie zumindest ein P Konto, damit man dieses nicht pfänden kann. Dann versuchen Sie einen Vergleich. Scheitert dieser, können Sie immer noch in die Insolvenz gehen.

  8. Hans-Joachim Schmidt sagt:

    Hallo Herr Franzke,
    momentan könnte ich die Gläubiger auf unter 20 bringen um eine Regelinsolvenz zu verhindern.
    Was wäre wenn im Laufe der Verbraucherinsolvenz weitere Gläubige hinzukämen? (Evtl durch aufkommende Stornos)
    Herzlichen Dank für Ihre Antwort

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