Darf der Gerichtsvollzieher die Sachen des Mitbewohners pfänden?

Es gilt die gesetzliche Vermutung, dass alle Gegenstände in einer Wohnung dem Schuldner gehören – der Mitbewohner muss anhand Inventarliste und Kaufbelegen das Gegenteil beweisen – Aber: Pfändungsgrenzen von Einrichtungsgegenständen usw. sind sehr hoch.

Eigentlich ja. Es gilt die gesetzliche Vermutung, dass Ihnen alle Gegenstände gehören, die sich in Ihrer Wohnung befinden. Dabei ist es egal, ob Sie die Wohnung alleine oder mit Ihrem Ehegatten / Lebensgefährten bewohnen.

Diese Vorschrift soll verhindern, dass Sie einfach sagen können: „Mir gehört gar nichts“, und der Gerichtsvollzieher muss wieder gehen.

Allerdings ist diese gesetzliche Vermutung weniger schlimm, als auf den ersten Blick. Denn die gesetzlichen Pfändungsgrenzen für Einrichtungsgegenstände und Bekleidung sind derart hoch, dass eine Pfändung so gut wie nie stattfindet.

Allen Fernsehsendungen zum Trotz habe ich überhaupt noch nie erlebt, dass einem Mandanten etwas aus der Wohnung gepfändet wurde.

Wenn Sie trotzdem auf Nummer sicher gehen wollen, dann sollten Sie eine Auflistung machen, mit den Gegenständen, die Ihnen gehören und denen Ihres Mitbewohners. Falls Einkaufbelege vorhanden sind, ist dies natürlich noch besser.

Die Inventarliste und Belege können Sie dann dem Gerichtsvollzieher übergeben, dann wird er sich garantiert nicht an den Sachen Ihres Mitbewohners vergreifen.

<< zurück <<

10 Gedanken zu „Darf der Gerichtsvollzieher die Sachen des Mitbewohners pfänden?

  1. Hallo, mein Lebenspartner hat zu Beginn unserer Beziehung (vor 15 Jahren) Altschulden in unbekannter Höhe (mindestens 50.000,00 €) mitgebracht. Es handelt sich um geschäftliche und private Schulden. Ich dränge ihn seit Jahren, in die Insolvenz zu gehen. Solange er diese Schulden hat, ist eine gemeinsame Zukunftsplanung (z. B. Hauskauf, Familienplanung) undenkbar. Er meint aber, er kann nicht in die Insolvenz gehen, weil da Schulden dabei wären, die ein Insolvenzverfahren unmöglich machen würden. Durch die aussichtslose Gesamtsituation über die vielen Jahre hat er den Überblick über die Gläubiger und Schuldenhöhe (Vogel-Strauss-Politik) verloren. Er hofft auf einen unerwarteten Geldsegen oder Superjob, mit dem er durch einen Vergleich aus der ganzen Sache rauskommen will. Aber nach 15 Jahren habe ich den Glauben an so eine Wendung verloren. Hauptschuldner sind meines Wissens: 2 Finanzämter, Rentenversicherung, Vermieter, Stadtwerke, evtl. ausstehende Löhne, Aussenstände Sozialversicherung früherer Arbeitnehmer usw.. Von seinem P-Konto wird der pfändbare Anteil sowieso abgeführt. Aber bei der Gesamthöhe der Schulden ist die Aussicht auf eine vollständige Entschuldung auf diesem Wege völlig unrealistisch. Ihm bleiben gerade mal 1.080,00 € zum Leben.
    ich schätze, er tilgt im Monat vielleicht maximal 300,00 €.
    Er wird jetzt 55 Jahre alt. Und ich befürchte, ihm droht später mal Altersarmut.
    Was könnte man da machen?
    Die ganze Situation belastet mich enorm.
    Ich habe das Gefühl, mit Gewichten an den Füssen durch mein eigenes Leben zu gehen.
    Wenn Sie mir sagen könnten, unter welchen Voraussetzungen er eine Chance hätte, in die Insolvenz zu gehen, würde das unsere Zukunft retten.

    MfG Petra

    • Jörg Franzke sagt:

      Auch ich kann Ihrem Partner nur empfehlen, sich endlich der Situation zu stellen und eine Insolvenz zu beantragen. Lediglich Forderungen aus unerlaubter Handlung sind von der Restschuldbefreiung ausgeschlossen. Das wären hier die Arbeitnehmeranteile zur Sozialversicherung, also lediglich ein Bruchteil. Hoffnungen auf einen Vergleich muss sich Ihr Freund gar nicht machen, das würde aufgrund pfändbarem Einkommens bei ihm ohnehin nicht funktionieren.

  2. brigitte meister sagt:

    Hallo Herr franzke..
    Bin bei meinem Freund eingezogen. .habe ausser meiner Kleidung und ein bisschen Geschirr und dekoartikel nichts mitgebracht. .auch das Auto was ich habe. .hat er zwar bezahlt. .ich stehe aber im brief..jetzt befürchtet er..der Gerichtsvollzieher könnte sein Eigentum auch pfänden. .z.b. den Fernseher. .da hat er keine Rechnung mehr für..

  3. Lieber Herr Franzke, ich finde Ihre Seite sehr informativ und bin beeindruckt, dass Sie kostenlos solche Fragen beantworten.

    Mir wurde von der Schuldnerberatung zur Privatinsolvenz geraten und ich recherchiere deswegen gerade im Internet.

    Zur Pfändung von Sachen würde mich nun interessieren, ob der Gerichtsvollzieher auch Gegenstände pfänden kann die am Arbeitsplatz oder bei den Eltern stehen. Bei meinen Eltern stehen noch viele Umzugskartons die ich nicht in meine kleine Wohnung bekomme. Ich glaube nicht, dass sich dort etwas wertvolles findet. Trotzdem möchte ich meinen Eltern gerne den Gerichtsvollzieher im Haus ersparen. Am Arbeitsplatz wäre es mir ebenfalls sehr unangenehm. Zumal es dort wirklich ein Radio und eine Kaffeemaschine von mir gibt.

    Da meine getrennt lebende Frau mein Hauptgläubiger ist, wird sie vermutlich darauf drängen bei meinen Eltern zu suchen.

    Eine kurze Antwort würde mich sehr freuen.

    Besten Dank schonmal und viele Grüße

  4. Ich wohne mit meiner Freundin im Nebengelass ihrer Eltern auf dem gleichen gründstück die Wohnung ist aber eigenständig nur die selbe Adresse wie die ihrer Eltern, muss ich befürchten der Gerichtsvollzieher im Falle er kommt bei ihren Eltern ins haus will? Habe den Antrag auf Insolvenz bei ihnen schon in auftrag gegeben!

    Mfg Rene

  5. Hallo Herr Franzke,

    mein Freund will zu mir ziehen, jetzt sieht es leider so aus, dass er privat Insolvent melden muss. Ich habe eine komplett eingerichtete Eigentumswohnung und er zieht nur mit seiner Kleidung ein, da er davor noch bei seiner Mutter gelebt hat.
    Habe ich was zu befürchten, dass bei mir was gepfändet wird oder gar die Wohnung in Gefahr ist ?

    Gruß
    Christian

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.